Damit Kreativität nicht zur Belastung wird

Ich behaupte, ich habe diese Woche etwas gelernt. Gut, das habe ich schon häufiger geglaubt, aber vielleicht schaffe ich es dieses Mal, diesen Gedanken nicht nur zu fassen, sondern ihn auch zu kultivieren, also ihn längerfristig in die Tat umzusetzen.

In der Vergangenheit habe ich oft mit meinem kreativen Output gehadert. Ich fühlte mich sehr schlecht, wenn ich nicht gefühlt jeden Tag mindestens xy Worte an meiner gerade in Arbeit befindlichen Story geschrieben und nach Möglichkeit noch einen Blogbeitrag rausgehauen habe. Und dann war da ja noch der ganze Krimskrams drumherum, der erledigt werden sollte, so wie Social-Media, die Vereinsarbeit oder administrative Dinge.

Das alles zu erledigen fiel mir nie besonders leicht und in Zeiten wie diesen, in denen es noch große Belastungen außerhalb des Schreibens gibt und gab, wurde es zu einer Unmöglichkeit. Ich bin ein schneller Schreiber, aber dennoch kann ich nicht 500 Wörter für einen Blogbeitrag und, sagen wir, noch einmal 500 Wörter für einen Text raushauen, nebenbei mehrere Forenposts erstellen, Twitter füttern, Literaturagenturen raussuchen und anschreiben, und, und, und. Und das alles in der kurzen Zeit, die mir neben Brotjob, Familie und Entspannung bleibt.

Also ging es mir, in Hinsicht auf meinen kreativen Output, eigentlich permanent mies. Gewiss, es gab Tage, an denen es sich so anfühlte, als ob ich „die Kurve kriegen“ und das Unmögliche möglich machen könnte. Aber das waren Ausnahmen, die noch dazu viel Energie auffraßen. Energie, die mir dann am folgenden Tag doppelt und dreifach wieder fehlte.

Nun bin ich ja nicht dumm, behaupte ich einfach mal. Vielleicht manchmal schwer von Begriff, aber nicht dumm. Und deswegen ist es beinahe schon eine Schande, dass ich die Scheuklappen nicht früher abgesetzt habe.

Diese Woche bin ich für mich zu dem Entschluss gekommen, dass im Endeffekt alles, was ich unter dem Banner „Autor“ treibe, eine kreative Arbeit ist. Denn ich erschaffe etwas aus dem Nichts, das vorher nicht da gewesen ist: Ich schreibe einen neuen Blogeintrag, ich schreibe eine Geschichte. Ich bringe neue Weisheiten (oder so ähnlich) über Twitter unters Volk. Ich mache und plane an Projekten herum, die mit der Schriftstellerei zu tun haben.

Um nur Beispiele zu nennen:

Wenn ich mich mit der Planung für meine Lesung in Leipzig beschäftige, dann ist das Autorentätigkeit.

Wenn ich mich lang und breit mit dem Programm der Leipziger Buchmesse beschäftige, dann ist das Autorentätigkeit.

Wenn ich E-Mails oder sonstige Nachrichten mit anderen Autoren austausche, dann ist das jenes berühmt-berüchtigte „Netzwerken“ und damit eine Autorentätigkeit.

Und wenn ich mich damit befasse, Geschichten von mir an eine Agentur oder einen Verlag zu bringen, dann ist das eine Autorentätigkeit.

Und, wohlgemerkt, damit habe ich noch keinen einzigen Satz an irgendeinem tatsächlichen Romanprojekt geschrieben. Schande über mich.

Die Lösung für mich, um mein permanentes schlechtes Gewissen zu überlisten, lautet in Zukunft also so, dass ich anstrebe, mich jeden Tag mit irgendeiner Tätigkeit aus dem breiten Spektrum der Autorentätigkeiten zu beschäftigen. Das kann eine lange Beschäftigung sein, das kann eine kurze Beschäftigung sein. Manchmal kann es auch überraschend lang werden, so wie gerade heute, als ich mich mit dem Backend einer Homepage herumgeärgert habe, wofür locker eineinhalb Stunden drauf gegangen sind.

Wichtig ist, dass ich mich nicht selber niedermache, nur weil der Wordcount nicht gestiegen ist oder es vielleicht den zweiten Tag in Folge keinen Blogbeitrag gegeben hat. Und daran will ich arbeiten.

Denn wenn Kreativität eine Belastung wird, dann versteht es sich von selbst, befürchte ich, dass die Ergebnisse entsprechend mittelmäßig ausfallen. Und dann habe ich weder auf dem Weg dorthin, noch zum Ende wirklich Spaß an dem, was eigentlich Spaß machen sollte. Nämlich mit der Beschäftigung als Autor, als kreativer Geist.

Und deshalb habe ich auch kein schlechtes Gewissen, dass ich heute keine Zeile an meiner aktuellen Story geschrieben habe. Na und, dafür waren es gestern über 2.000.

Ein wenig mehr Mut zur Gelassenheit und alles könnte ganz anders aussehen. Ich bin bereit, es auszuprobieren.

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10 Gedanken zu “Damit Kreativität nicht zur Belastung wird

  1. Lieber Michael,

    vielen Dank für diesen schönen Denkanstoß – mir geht es oft ähnlich; ich schimpfe und schelte mich dafür, dass ich zuwenig schaffe ohne zu merken, dass viele Dinge, die ich sehr wohl getan habe, eben auch Arbeit als Autorin sind. Gut, von dir daran erinnert zu werden!

    Liebste Grüße,
    Myriam

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  2. Und ich hatte tatsächlich schon damit geliebäugelt, mir so eine Liste für die Anzahl täglich geschriebener Wörter zu machen… Bisher mache ich lediglich ein Kreuzchen, wenn ich an meinem Text geschrieben oder etwas überarbeitet habe.
    Autorentätigkeit im weiteren Sinne mache ich tatsächlich jeden Tag, schätze ich.

    Aber von 2000 Wörter pro Tag bin ich weit entfernt, über 200 würde ich mich schon freuen.

    Gefällt 2 Personen

  3. Das stimmt! Manchmal sind es sogar andere Texte, Erfahrungen, die einen zum Schreiben bringen und dann geht es ganz flott, phasenweise bin ich so in meinen alten Wörtern und Ideen verhaftet, dass ich mir Zeit zum Sammeln für neue nehmen muss, alles Gute!

    Gefällt 1 Person

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