Technik, die es (nicht) braucht. Oder doch. Oder nicht. Oder …

Sicherlich habt ihr im Laufe der Zeit schon mitbekommen, dass ich grundsätzlich jemand bin, der Technik gegenüber eher aufgeschlossen ist. Zwar bin ich nicht derjenige, der immer wieder die neuesten Geräte besitzen muss, aber wenn einmal der Gedanke geweckt wurde, dass ich dieses oder jenes vielleicht brauchen könnte, dann setzt der sich schon einigermaßen fest. Und macht mir Probleme.

Urheber des Gedanken ist, wie könnte es auch anders sein, mal wieder die Leipziger Buchmesse. Ich werde wieder mit dem Zug anreisen, was je Strecke ungefähr fünf bis sechs Stunden Reisezeit bedeutet. Die Plätze sind lange reserviert, die erste Klasse habe ich mir wieder gegönnt. Das bedeutet, ich habe Freiheit.

Unter anderem hätte ich die Freiheit, mir irgendeinen schreibbaren Untersatz mitzunehmen.

Moment, wird jetzt der eine oder die andere Langzeitleser/in sagen: Hast du dir nicht vorletztes Jahr irgend so ein Ding aus China bestellt, das unter anderem genau dafür vorgesehen war?

Ja, habe ich. Und es war, wie ich inzwischen zähneknirschend eingestehen muss, ein Fehlkauf.

Nicht, weil es nicht das tun würde, was es sollte. Das macht es. Mit Abstrichen macht es das sogar ziemlich gut. Es ist halt ein Hybrid aus Android und Windows und damit in beiden Welten nicht richtig zu Hause.

Womit ich nicht gerechnet hatte, obwohl ich es hätte tun müssen, war der enorme Speicherbedarf, den sowohl ein Android-Betriebssystem als auch ein Windows-Betriebssystem auf dem insgesamt eher mickrig bemessenen Speicher einnehmen. Bereits die letzten Updates für Windows 10 waren mehr oder weniger ein Glücksspiel. Und der Support für die aufgespielte Androidversion ist seitens des Herstellers auch ausgelaufen. Womit Teclast allerdings in guter Gesellschaft ist, wenn man sich die anderen Anbieter von Androidgeräten ansieht. Update-Diaspora allerorten. Und das in Zeiten von Meltdown, Spectre und KRACK.

Jedenfalls taugt das Gerät inzwischen höchstens noch, um damit im Internet zu surfen. Richtiges Arbeiten macht keinen wirklichen Spaß. Und da ich, das kommt noch dazu, eigentlich ein Mensch bin, der am liebsten an seinem stationären Desktop arbeitet und für das mobile Surfen/Lesen/Multimedia ein Kindle Fire besitzt, setzt das Teil mehr oder weniger nur noch Staub an.

Damit könnte die Geschichte jetzt auch zu Ende sein. Eigentlich müsste sie damit zu Ende sein. Aber dann hat meine Frau irgendwann einmal die harmlose Frage gestellt, ob ich nicht vielleicht doch noch mal eine mobile Schreibmaschine brauche.

Und auf solche Fragen springt der Technik-Freak in mir an wie der Bluthund auf die Blutwurst.

Wenn ich mit Realitätssinn und Sachverstand an die Frage herangehe, dann gibt es nur eine mögliche Antwort: Nein, brauche ich nicht. Ich habe Daheim meinen hochgerüsteten PC stehen, samt mechanischer Tastatur und allem drum und dran. Und so oft bin ich nicht unterwegs, dass ich eine mobile Schreibmaschine wirklich ausreizen würde.

Selbst dann, wenn wir in den Urlaub fahren, gibt es da noch das Notebook meiner Frau, das mehr oder weniger das Schicksals meines Hybriden teilt, seit sie sich ein leistungsstarkes Tablet geleistet hat.

Jetzt könnte man ja meinen, dass ich dann einfach das Notebook mitnehmen kann, um im Zug damit zu schreiben. Da muss ich aber ehrlich sagen, dass mir das Ding einfach zu schwer ist. Denn es handelt sich, wie kann es anders sein, um ein zwar inzwischen betagtes, aber dennoch multimedia- und auch spielefähiges Gerät. Und die Leistung beansprucht neben Strom vor allem Gewicht.

Nein, was mir ganz gut zu Gesicht stehen würde, wäre im Prinzip ein Gerät wie das, das ich schon besitze. Allerdings mit ein paar anderen Anforderungen, die ich nach dem einen Fehlschlag klarer formulieren kann:

  • Das Gerät soll ausschließlich unter Windows 10 laufen
  • Es muss eine Bildschirmdiagonale von mindestens 10, eher 12 Zoll haben
  • Eine (deutsche) Tastatur ist ebenso Pflicht wie ein vernünftiges Touchpad
  • Falls ich doch mal mit externer Tastatur unterwegs bin, braucht es natürlich entsprechende Anschlüsse
  • Ein 64-Gigabyte-Winzlingspeicher reicht nicht aus, um bei Windows und den Anwendungen (Office, PapyrusAutor) zukunftssicher genügend Platz zu bieten
  • Ein Flashspeicher (egal ob SSD oder SD) ist zwingend nötig, damit man nicht stundenlang auf die Ausführung von Befehlen warten muss
  • Optimal wäre, wenn sich die Tastatur trennen ließe und das Gerät dann im Tabletmodus funktioniert
  • Ein Arbeitsspeicher von mindestens 4 Gigabyte ist Pflicht, darunter macht Windows keinen Spaß

Und das sind jetzt nur die Anforderungen, die mir spontan in den Sinn gekommen sind.

Wer Spaß daran hat, kann ja mal bei den einschlägigen Händlern auf die Suche gehen, was Geräte kosten, die wenigstens die meisten dieser Ansprüche erfüllen. Da landet man dann schnell bei Gerätepreisen von 800 Euro aufwärts.

Dazu kommt noch, dass heute ja jeder Hersteller mindestens fünf verschiedene Varianten desselben Gerätes fertigt. Da blickt man dann endgültig nicht mehr durch.

Wenn ich in diese Preissegmente schaue, kühlt mein Enthusiasmus doch immer recht schnell ab. Denn, wie schon gesagt, eigentlich brauche ich das Gerät nicht, oder viel zu selten, um eine solche Ausgabe zu rechtfertigen. Ich bin armer Schriftsteller, ich muss mein Budget zusammenhalten! 😉

Mein Kopf, der alte Besserwisser, baut sich dann Hilfsszenarien auf. So nach dem Motto, ich könne das Gerät, so es leicht genug ist, ja mit zur Arbeit nehmen und dann in der Pause direkt in meinem Dokument arbeiten, um nicht darauf angewiesen zu sein, mir selber Dateien hin und her zu schicken.

Oder er führt ins Feld, dass mein Arbeitszimmer ja in absehbarer Zeit renoviert werden muss und ich dann vielleicht lieber auf ein kleineres Notebook ausweichen möchte, anstatt mir irgendwo einen Platz für das Desktopgerät aus den Rippen zu schneiden.

Doch das sind alles Rückzugsgefechte, denn eigentlich weiß ich, weiß mein Kopf, weiß so gut wie jeder, der mich kennt, dass ein solches mobiles Gerät im Prinzip Geldverschwendung wäre. Und wer verschwendet schon gerne Geld!?

Aber dennoch: Ich werde wohl noch eine ganze Weile bei den Angeboten der einschlägigen Elektronikmärkte on- und offline genauer hinsehen. Mindestens mal, bis die Leipziger Buchmesse vorbei ist.

Und, wer weiß … seufz