Leipziger Allerlei 2018 (3) #9lesen – so war es

Nun denn: Die Lesung am Freitag. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich das schreibe, ist die Veranstaltung schon beinahe zwei Tage her (und zu dem, wo ich es veröffentliche, noch ein wenig länger). Zwei Tage sind auf der Buchmesse beinahe so lang und intensiv wie zwei Monate im normalen Leben. Aber dennoch versuche ich, die Stimmung dieses Abends so gut wie möglich noch einmal für euch aufleben zu lassen.

#9lesen also. Es hatte etwas surreales, auf der Messe auf einmal vor einem der Plakate zu stehen, die für diese Veranstaltung warben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der eigene Name damit auf einmal in einer Reihe mit vielen anderen, viel etablierteren Autoren steht, für die an gleicher Stelle, nämlich an einer der langen Seitenwände der Hallen, geworben wird. Dienstbare Geister, namentlich Kia Kahawa mit Unterstützung, hatten dafür gesorgt, dass in so ziemlich jeder Halle eines der Plakate zu finden war.

Dennoch war ich erstaunlich ruhig, als ich am Freitag über die Messe lief. Das hatte mit Sicherheit damit zu tun, dass ich vorher noch Sorgen wegen meiner Anschlüsse und meiner Unterkunft hatte.

Auf der Messe habe ich mich dann erst eine Weile treiben lassen, zwischendurch einen Blumenstrauß gefangen (dazu schreibe ich einen eigenen Beitrag) und dann, bei der Gelegenheit, Jana Tomy und ihren Freund Chris aufgegabelt, mit denen ich mich kurz darauf auf den Weg in die Leipziger Innenstadt machte.

Als wir im Morrison’s eintrafen, waren die meisten anderen Autoren und Autorinnen schon da. Vorne, an der Bühne, war die Technik aufgebaut, um die sich Kia, Babsi Weiß, Julia von Rein-Hrubesch und Hannes Niederhausen gekümmert hatten. Bei einigen war die Spannung beinahe greifbar, andere, ganz vorneweg unsere Chef-Organisatorin Andrea Schrader, wirkten sehr ruhig – und das, obwohl Andrea ja mit Baby vor Ort war. Magret Kindermann und Florian Eckardt vervollständigten unser Vorleser-Team.

Ich muss gestehen, dass ich in dem Moment, wo ich das Mikro sah, zum ersten Mal so wirklich realisierte, dass ich mich später dahin setzen würde und dass ich wirklich das, was ich mir herausgesucht hatte, vor Publikum lesen würde!

Überhaupt: Publikum! Von dort, wo ich gesessen und auf meinen Einsatz gewartet habe, war es schwer, einen Überblick über den Raum zu bekommen, der ohnehin eine nicht wirklich übersichtliche Grundfläche hatte. Aber ich habe mir sagen lassen, dass wir den „Saal“ gut gefüllt haben.

Ob ich das nicht selbst gesehen habe, als ich mich als Siebter von uns Neun auf die Bühne bewegt habe? Liebe Leute, ich war froh, dass ich das nicht zu genau gesehen habe! Das hätte mich schlimmstenfalls nämlich vollends aus dem Konzept gebracht.

Die Kolleginnen und Kollegen vor und nach mir haben wirklich sehr gut gelesen. Ich war ja glücklich, dass ich nicht zu früh dran war. Da war das Publikum nämlich schon „warm gelesen“. Und es sparte auch nicht mit Applaus für uns Autoren, von denen einige ja immerhin zum ersten Mal auf einer Bühne standen und das dann auch noch mit unveröffentlichten Texten.

Die Moderation für den Abend hat Jana übernommen, der man angemerkt hat, dass sie vom Theater kommt. Nachdem sie sich einmal eingegroovt hatte, war sie witzig, sie war charmant und sie brachte die Infos, die sie sich vorher von uns eingeholt hatte, sehr gut rüber.

Ich hatte ihr in den Block diktiert, dass ich mein ganzes Leben lang etwas mit Wörtern machen wollte und nun beruflich im Reich der Zahlen festhänge, dass ich 30 Jahre gebraucht habe, um zu begreifen, dass „Autor sein“ auch bedeutet, dass man mal was veröffentlicht – und dass ich eben aus diesem Grund dieses Jahr mein Debüt bei Scylla veröffentliche.

Und dann saß ich da, vor diesem Mikro, den Blick in den Raum gerichtet, einige mich zuversichtlich anlächelnde Gesichter vor mir. Schräg von mir hatte Babsi ihre Kamera aufgebaut, die das Ganze aufgezeichnet hat (wer es noch nicht mitbekommen hat: Ja, es wird einen Mitschnitt der meisten Lesenden geben!). Mein Beitragsbild hat im Übrigen Kia geschossen und über Twitter veröffentlicht.

Mir wurde ein wenig meine Größe zum Verhängnis, was dazu beitrug, dass ich den Blick ins Publikum nicht so suchen konnte, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich musste nämlich den Kopf ziemlich senken, um nicht über das Mikro hinweg zu reden. Hinterher habe ich gehört, dass ich dadurch fast schon zu laut war. Aber mir fehlte halt die Erfahrung.

Es war schon schlimm genug, meine eigene Stimme aus der Box neben mir zu hören. Ich empfinde meine Stimme, so wie wohl alle Menschen, ganz anders, als sie tatsächlich klingt. Es war überraschend, dass ich dann doch eine relativ dunkle Stimme hatte. Und das dann in laut und deutlich.

Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass ich recht schnell durch meinen Text gehuscht bin. In den Probedurchläufen hatte ich runde acht Minuten gebraucht, natürlich ohne vorher noch was zur Grundstory zu erzählen. Jetzt waren es mit der Einführung etwas über acht Minuten.

Die Nervosität hielt sich alles in allem dann doch in Grenzen: Ich bin weder vorher, noch hinterher in Ohnmacht gefallen. Und ich konnte den Applaus, den ich bekommen habe, auch annehmen, ohne mich veralbert zu fühlen.

Klingt das jetzt über die Maßen gemein? So ist es nicht gemeint. Aber, ihr kennt mich, ich bin ein sehr selbstkritischer Zeitgenosse und da liegt es mir natürlich nahe, dass ich nicht wirklich glauben kann, dass die positiven Reaktionen ernst gemeint sind. Aber das war nicht der Fall! Nein, ich fand den Applaus gut, er fühlte sich gut an.

Umso „tragischer“ ist, dass diese Stimmung nicht so lange anhielt. Das Lob, das ich anschließend von einigen Mitlesern und Zuhörern bekommen habe, konnte ich nur schwer annehmen. Es schien nichts mit mir zu tun zu haben. Ob das nur mir so gegangen ist? Oder ob andere auch, vielleicht heimlich, mit solchen Gedanken zu tun haben?

Jedenfalls habe ich Reaktionen bekommen, die mich gefreut und auch ermuntert haben. Sowohl für meine Art zu lesen, als auch für die Geschichte selbst. Auch wenn ich im ersten Moment sicherlich viel zu sehr „wie, ich?“ gewesen bin. Aber es passiert mir nicht alle Tage, dass ein Textausschnitt von mir mit H.P. Lovecraft verglichen wird …

Was ich an der ganzen Aktion ein wenig schade fand war, dass die Autoren viel zu sehr auseinander saßen. Aber das hatte halt auch was mit der räumlichen Situation zu tun. Wir haben das aber schon als einen der Punkte festgestellt, an denen wir bei der nächsten Lesung drehen wollen.

Ja, richtig gelesen: Wir planen bereits die nächste Lesung im Format #9lesen. Ob daran dieselben Autoren teilnehmen, oder ob wir im Laufe der Zeit so eine Art „Autorenpool“ bilden, aus dem sich zu den verschiedenen Events neun finden (lassen), das steht alles noch ein wenig in den Sternen. Aber Andrea und Jana haben sich schon fest vorgenommen und vor Publikum verkündet, dass anlässlich der Frankfurter Buchmesse wieder eine Lesung stattfindet.

Ob ich mir vorstellen kann, dann wieder dabei zu sein? Aber sicher! Wenn ich es denn hinkriege, nach Frankfurt zu fahren, wenn das irgendwie in meinen Terminplan und die Urlaubsplanung passt, dann kann ich mir das sogar sehr gut vorstellen. Ich weiß zwar noch nicht, was ich dann lesen würde, muss ich aber ja auch nicht. Ein Traum wäre es natürlich, wenn ich dann schon etwas aus „Der Morgen danach“ lesen könnte. Aber das ist eine andere Baustelle.

Jetzt freue ich mich erst einmal, dass das alles so gut geklappt hat. Und in den nächsten Tagen wird sicherlich das eine oder andere noch weiter durchsacken. Es dürfte spannend werden, wie sich das dann anfühlt.

An euch geht mein Dank, dass ihr mich im Vorfeld so ermutigt habt! Das hat mir wirklich geholfen. Und wenn es Neuigkeiten gibt, dann erfahrt ihr es natürlich. Zum Beispiel, wenn die Videos der Lesung online gehen 🙂 .

Und falls ihr Interesse haben solltet, kann ich natürlich auch gerne meinen Leseabschnitt als Leseprobe in den Blog stellen.

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16 Gedanken zu “Leipziger Allerlei 2018 (3) #9lesen – so war es

    • Hallo Laura,

      das kann ich verstehen. So eine Messe zehrt ja auch verdammt an den Kräften. Selbst bei den ganz Hartgesottenen, die alle vier Tage dort waren, war am Sonntag irgendwann die Luft ein Stück weit raus.

      Ich hoffe, inzwischen bist du halbwegs erholt. Ich noch nicht so ganz 😉 .

      Liebe Grüße
      Michael

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  1. thebluesirenblog schreibt:

    Lieber Michael, ich bin sehr froh, dass du den Applaus annehmen konntest!
    Ich fand 9lesen wirklich toll und bin gespannt auf all die Bücher.
    Da es unsere erste gemeinsame Lesung war, können wir alle noch lernen (langsamer lesen, lauter sprechen, etc.). Aber wir haben gemeinsam ein wunderschönes literarisches Projekt auf die Beine gestellt und den Zuhörern einen tollen Abend bereitet. ❤
    Ich hoffe ganz fest, dass du irgendwann aus voller Überzeugung an dich glauben und die Komplimente annehmen kannst.
    Liebe Grüße und auf viele weitere Lesungsabende,
    Babsi

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Babsi,

      du hast Recht, bei aller, vielleicht überzogenen, Selbstkritik sollte das im Vordergrund stehen. Der Abend war toll – für alle Beteiligten. Deinen Hoffnungen schließe ich mich an – zumal ich mich immer ein wenig dumm fühle, wenn ich solche Impulse habe. Anyway, alles wird gut! 🙂

      Ich freue mich darauf, demnächst wieder mit dir auf einer Bühne zu stehen!

      Liebe Grüße
      Michael

      Gefällt 1 Person

  2. Lieber Michael,

    ich wollte eigentlich kommen.
    Aaaber … du weißt inzwischen, wie anstrengend so ein Tag auf der Messe sein kann. Vor allem einer, den man nicht schlendernd verbringt, sondern bei dem man von morgens bis abends voll da sein muss.
    Wir waren abends so platt, dass wir nur noch etwas gegessen haben, was schon schwierig genug war, weil gefühlt alles überlaufen war und wir oft von einer Kneipe zur nächsten zogen, um überhaupt einen freien Platz zu finden.
    Deshalb bin ich sehr gespannt auf die Aufnahme der Lesung! Schließlich will ich wissen, wie du dich geschlagen hast.

    Es war schön, dich wiedergesehen zu haben!
    Wenn du nach Frankfurt kommst, vereinbaren wir einen Termin, dort werde ich „nur“ als Besucher sein.

    Liebe Grüße
    Margaux

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Margaux,

      natürlich hätte ich dich/euch gerne im Publikum gehabt, aber ich habe volles Verständnis dafür, dass du abends platt gewesen bist. Ging mir selbst an beiden Tagen auch nicht anders, weil einfach die Eindrücke und alles drumherum so viel und überbordend waren.

      Mit dem Essen hatten wir dieses Jahr unerwartetes Glück. Waren wir im letzten Jahr am Messesamstag noch zu Dritt durch die gesamte Innenstadt geirrt, um irgendwo ein Plätzchen zu finden, haben wir diesmal mit einer Gruppe, die eigentlich wieder aus Dreien bestehen sollte, dann auf sechs anwuchs, um schließlich aus neun Personen gebildet zu werden, spontan einen Platz bekommen. Glück muss man haben.

      Mich hat es auch sehr gefreut, dich wiederzusehen. Und wenn ich wirklich nach Frankfurt kommen sollte, dann nehmen wir uns die Zeit. Fände ich gut!

      Liebe Grüße, auch an deinen Mann
      Michael

      Gefällt 1 Person

  3. Herzlichen Glückwunsch zu deiner Lesung, Michael.
    Danke auch für den Bericht, der uns einen Einblick gibt, wie man sich als Autor vor Publikum fühlt.
    Das Schöne daran ist, dass es immer spannend bleibt, je mehr Lesungen absolviert werden. Bin auf das Video gespannt.

    Viele Grüße, auch an den Rest der #9lesen –

    Peter

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    • Vielen Dank, Peter!

      Ich fürchte auch, dass jede Lesung wieder auf neue spannend wird. Aber andererseits wäre es ja auch langweilig, wenn dem nicht so wäre.

      Wobei … Ich bin am Freitag durch Zufall bei Droemer Knaur vorbeigekommen, als Iny Lorentz da gelesen haben. Da hatte ich schon den Eindruck, dass das vielleicht ZU routiniert war (er hat gelesen).

      Nun, spätestens nach Veröffentlichung meines Thrillers in diesem Jahr wird das Thema für mich wohl öfter akut werden. Ein Anfang ist jedenfalls gemacht.

      Viele Grüße
      Michael

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      • Hallo Michael,
        du kannst jede Möglichkeit zur Lesung nutzen und bekommst immer mehr Übung und eine gewisse Routine. Was nicht heißt, dass die Nervosität verschwindet. Geht mir auch so, und ich war über 20 Jahre als Musiker unterwegs. Bin gespannt auf deinen Thriller. 🙂
        Viele Grüße
        Peter

        Gefällt 1 Person

      • Hallo Peter,

        solange die Nervosität nicht in ausgeprägtes Lampenfieber umschlägt, bin ich schon ganz zufrieden. Und da hilft sicherlich die Erfahrung.

        Mein Thriller soll ja dieses Jahr noch rauskommen. Klopfen wir mal alle schnell auf Holz.

        Viele Grüße
        Michael

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