Leipziger Allerlei 2018 (6) Der Blumenstrauß und ich

Ich schulde euch noch den einen oder anderen Beitrag zur Buchmesse. Unter anderem den darüber, wie ich am Messefreitag auf einmal mit einem Blumenstrauß in der Hand da stand …

Der Freitag war ja mein Anreisetag und nachdem ich zur Mittagszeit in Leipzig angekommen war und es dann auch recht bald schaffte, in meiner Unterkunft einzuchecken, hatte ich nicht mehr besonders viel Zeit, um die Buchmesse zu erkunden. Deswegen hatte ich mir für diesen Tag auch keine wirklichen Termine herausgesucht, sondern mir vorgenommen, einfach ein wenig herumzustromern, was ich dann auch tat.

Irgendwann fiel mir allerdings ein, dass da doch eine Veranstaltung war, die ich mir eventuell ansehen könnte, weil sie zum ersten einen feierlichen Anlass darstellte und ich zum anderen die, sich dann ja auch bewahrheitende, Hoffnung hegte, dass ich dort auf bekannte Gesichter stoßen würde.

Und so fand ich mich pünktlich an der Lesebühne in Halle 5 ein, wo die Verleihung des ersten Autorenwelt-Rings an Jasmin Zipperling stattfinden sollte.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, in allen Einzelheiten zu erklären, was die Autorenwelt und wer die junge Frau mit dem prägnanten Spitznamen „Zippi“ ist. Deswegen in aller gebotenen Kürze.

Die Autorenwelt ist ein Projekt, das auf die Initiative von Autorin und Herausgeberin Sandra Uschtrin (unter anderem die Zeitschriften „Federwelt“ und „Der Selfpublisher“, aber auch das „Handbuch für Autorinnen und Autoren“) zurückgeht und das sich zur Aufgabe gesetzt hat, Autoren nicht nur miteinander zu vernetzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, miteinander in Kontakt zu treten, sondern das sich außerdem für bessere Konditionen am Markt für Autorinnen und Autoren einsetzt. Viele weitere Informationen hierzu entnehmt ihr am besten der Website der Autorenwelt.

Jasmin, oder eben auch Zippi, ist nach den Worten von Federwelt-Chefredakteurin Anke Gasch so etwas wie das Gesicht oder auch die Public-Relations-Frau der Autorenwelt, die sich unter anderem um den Twitter- sowie den Facebook-Account kümmert und auch ansonsten mit großem Engagement und Einsatz dabei ist, wenn es darum geht, die Ziele der Autorenwelt umzusetzen. Mal ganz davon abgesehen, dass sie, wie in der Laudatio von Autorin Alice Högner deutlich wurde, immer und jederzeit für jeden, den sie kennt oder auch gerade erst kennengelernt hat, ein offenes und hilfsbereites Ohr hat.

Engagement ist das entscheidende Stichwort, denn für dieses wurde Zippi an diesem Freitag ausgezeichnet, weil sie mehrfach, als es darum ging, sich zu engagieren, nicht etwa die Frage gestellt hat, „was sie denn davon habe“ oder schlimmer noch, „was sie denn dafür bekäme“, sondern weil sie einfach das Potential erkannte, das da gewesen ist, und sich mit Ehrgeiz in die Arbeit gestürzt hat.

Ich selber hatte bisher nur relativ wenige Bezugspunkte zu ihr. Wir folgen uns gegenseitig auf Twitter und es ist beinahe unmöglich, sie auf der Messe zu übersehen, wenn sie mit ihrer Autorenwelt-„Uniform“ durch die Hallen zieht, immer ihr Smartphone oder die obligatorische Kinderschokolade im Anschlag, und einfach eine angenehme und gute Laune um sich herum verbreitet.

Jedenfalls reichte das aus, um ihr begeistert zu applaudieren, nachdem sie aus den Händen von Sandra Uschtrin den Autorenwelt-Ring in Empfang genommen und sich tapfer, wenn auch dezent überwältigt, durch ihre Danksagung gekämpft hatte.

Und dann hatte der Blumenstrauß seinen Auftritt.

Es ist ja durchaus üblich, dass man einer Person, die man auszeichnet, noch dazu einer Frau, auch einen Strauß Blumen überreicht. Aber da in diesem Fall die Auszeichnung ja ein Ring war und das ganze Procedere damit ein ganz klein wenig an eine Trauung erinnerte, war man auf die Idee gekommen, die alte Tradition des Werfens des Brautstraußes aufleben zu lassen. Nicht, um den oder die Glückliche, die ihn fangen sollte, als nächstes unter die Haube zu bringen, sondern um diese/n dazu einzuladen und zu ermutigen, sich ebenfalls zu engagieren und sei es auch nur im Kleinen.

Denn, wie richtig gesagt wurde, jeder von uns kann etwas, was jemand anderes vielleicht nicht so gut kann und wobei man ihn unterstützen kann. Man muss es sich nur wagen und trauen.

Nun, die Pointe habe ich ja schon verraten, aber ich muss einfach sagen, dass ich das Unheil schon in dem Moment kommen sah, in dem Zippi sich mit dem Rücken zum Publikum drehte. Man muss kein Physikstudent sein, um die potentielle Flugbahn eines geworfenen Objektes zu erahnen.

Zippi warf und sowohl ich als auch Chris, der neben mir saß (der Freund von Jana Tomy, ihr erinnert euch), machten eine Ausfallbewegung mit dem jeweiligen Oberkörper. Leider nutzte uns das überhaupt nichts, denn das vermaledeite Ding kam wirklich genau auf uns zu.

Am Ende wurde Chris von dem Strauß irgendwo am Körper getroffen, woraufhin dieser zu Boden fiel und genau vor meinen Füßen zur Ruhe kam. Jetzt war guter Rat teuer und nach ein wenig schnellem „nimm du ihn“ – „nein, du nimmst ihn“ musste ich in den sauren Apfel beißen und das Ding aufheben.

Was macht man also in dem Moment? Man hält den Strauß in die Höhe, tut so, als freue man sich unbändig, und möchte den Augenblick einfach schnell verstreichen lassen.

Damit ihr mich nicht falsch versteht: Es geht mir nicht ums Engagement. Auch wenn ich dazu jetzt eine lange und nicht besonders schöne Geschichte erzählen könnte. Ich bin durchaus bereit, mich in irgendeiner Weise zu engagieren. Selbst wenn weite Teile von mir der Ansicht sind, dass ich die Ausnahme darstelle, die für niemanden eine gute Unterstützung darstellen kann.

Nein, die zuletzt gemachten Erfahrungen haben halt nur dafür gesorgt, dass ich den Strauß nicht nur als Ermutigung, sondern auch als Belastung gesehen habe. Nicht zuletzt auch, weil ich nicht glaubte, dass er mir besonders gut stand. Ganz davon abgesehen, dass es in meiner Wohnung (ihr erinnert euch: ziemlich basic) nicht einmal ein vernünftiges Glas gab, in welchem ich den Strauß hätte unterbringen können.

Zum Glück einigten Chris und ich uns nicht nur darauf, dass wir den Strauß letztendlich gemeinschaftlich gefangen hatten, sondern auch, dass er am Ende des Tages Jana viel besser zu Gesicht stand als uns. Aber bevor wir ihn abgegeben haben (und er irgendwann im Laufe des Leseabends einfach verschwunden ist, keiner weiß, wohin), haben wir natürlich noch ein Beweisfoto mit Zippi geschossen, das ich mir von Jana ausgeliehen habe:

Doch seitdem denke ich viel über diese Engagement-Geschichte nach. Weil das für mich auch was mit Gemeinschaft, oder mit dem Sinn für Gemeinschaft, zu tun hat. Und was diese angeht, ist mein Autoren-Weltbild in den letzten Wochen leider erheblich erschüttert worden.

Aber vielleicht schreibe ich darüber noch ein anderes Mal mehr.

Ich schließe für mich jedenfalls nicht aus, in Zukunft in irgendeiner Form bei irgendeinem Projekt oder in irgendeiner Community mitzumachen und das, was ich vielleicht einbringen kann, so gut wie möglich in die Waagschale zu werfen. Im Hinterkopf werde ich dabei auf Dauer diesen Strauß Blumen behalten. Als Symbol für das, was man tun kann, wenn man denn den Schritt dahin wagt.

Und irgendwann möchte ich ihn wagen.