Der Anschlag

Auch das ist Autorenleben: Man tippert den ganzen Tag (übertrieben) auf irgendeiner Tastatur herum, die mal mehr, mal weniger gut dazu geeignet ist. Ich selbst habe mir für Daheim ja schon vor geraumer Zeit eine mechanische Tastatur angeschafft, weil ich das Schreibgefühl darauf unheimlich gut finde, den Druckpunkt zu schätzen weiß und – ja, auch das – ich den Sound mag, den diese Tasten erzeugen.

Nun wird diese Vorliebe aber nicht von jedem Menschen geteilt.

So kam es, dass ich mich in dieser Woche mit der Beschwerde meiner Arbeitskollegin auseinandersetzen musste, dass ich so laut tippe, dass sie sich dabei kaum konzentrieren kann. Gut, dass ich laut schreibe, das weiß ich selber. Was es in diesem Zusammenhang nicht gebraucht hätte, war der freundliche Hinweis, ich würde ja ohnehin viel privates schreiben …

Nur zum Protokoll: Ich schreibe dies während meiner Mittagspause und in Abwesenheit der Kollegin. Genauso wie alles andere private im Normalfall auch! Aber ich habe nun einmal einen Job, in dem ich viel schreiben muss und da lässt es sich nicht vermeiden, dass da auch mal längere Passagen dabei sind. Ich bin halt, was das Schreiben angeht, zügig dabei.

Gut, die Sache ist zwischen uns geklärt und technische Abhilfe soll auch geschaffen werden, indem man mir eine Tastatur mit leiserem Anschlag beschafft. Ich bin mal gespannt, ob und wenn ja, was für ein Modell das wird. Im Moment schreibe ich hier auf einer 08/15-Tastatur von Microsoft, die an allen Ecken und Enden klappert.

Tja, mein Anschlag. Aber was kann ich dafür? Ich habe das Schreiben auf einer Computertastatur Mitte der 80er-Jahre auf einem Schneider CPC „gelernt“. Ich stelle das in Anführungszeichen, weil ich Tastaturschreiben nie gelernt habe. Ich verwende heute noch ein fünfeinhalb-Finger-System, das zwar einigermaßen schnell, aber lange nicht so elegant wie Zehn-Finger-Schreiben ist.

Und die Tasten damals waren schwergängig. Wenn man eins der Programmlistings aus den Computerzeitschriften jener Tage abtippte, dann war das eine lange und anstrengende Prozedur. Aber wir hatten ja sonst nichts (außer ein paar beglaubigte Sicherheitskopien, ähem).

Auch das Schreiben von Romanen begann ich auf dieser Tastatur und irgendwie ist mir der harte Anschlag seit damals erhalten geblieben. Das ist mir, wie gesagt, selbst bewusst, aber ich kann da nicht so ohne Weiteres aus meiner Haut. Und sehe es, ehrlich gesagt, eigentlich auch gar nicht wirklich ein. Zumal die Kollegin, wenn sie es drauf anlegt, mit ihren zehn Fingern auch nicht leiser ist, als ich es bin. Es ist eben immer eine Frage der Wahrnehmung.

Nun soll es also eine geräuschreduzierte Tastatur richten. Ich habe keine Ahnung, ob das was bringt und wie viel das bringt. Hat da jemand von euch schon mal Erfahrungen mit gemacht oder vielleicht sogar konkrete Vorschläge, was für eine Tastatur man in die engere Wahl nehmen sollte?

Mir hat die Sache jedenfalls temporär die Lust am Tippen fast vergällt. Aber wie ihr seht: Zwei Tage war der Autor krank, jetzt tippt er wieder, Gott sei Dank. Wird auch Zeit, schließlich steht das Lektorat an.

15 Gedanken zu “Der Anschlag

  1. Lieber Michael, ich kenne keine geräuschlose Tastatur, aber es gibt Oropax oder andere Ohrschützer, kannst Du ja Deiner kollegin mal empfehlen. Lass Dir den Tag nicht vermiesen und freu Dich auf ostern. Liebe Grüße Hedwig. ( mein Laptop ist auch ziemlich laut beim Schreiben)

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  2. Ist mir, ehrlich gesagt, noch nie aufgefallen, wie laut oder leise eine Tastatur klappert. Ist halt da. Ne alte mechanische, doppelt verdichtete, mit Einsprizuung und Kompressor, Olympia oder Adler, war viel lauter. Frech find ich allerdings den Anhang, du schriebest viel privat. Geht die Kollegin nix an. Dich interessiert ja auch nicht ob sie heiße Liebesschwüre über SMS bekommt. Oder? Na eben.
    In diesem Sinne, nicht ärgern, nur wundern. Schöne Ostern. ;))

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    • In der Tat war der Anhang der Punkt, an dem ich, sagen wir mal, geschluckt habe. Nun ja. Ist aus der Welt – vorläufig. Und die Liebesschwüre interessieren mich tatsächlich nicht 😉 .

      Aber das Tastaturen unterschiedlich laut sind, das ist so. Meine mechanische kommt vom Sound her einer alten Schreibmaschine recht nahe. Okay, nicht gerade einer IBM-Kugelkopf (DIE war laut!), aber doch ganz ordentlich.

      Dir auch schöne Ostertage!

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  3. Sonja schreibt:

    Ich tippe den ganzen lieben Tag bei der Arbeit. Und meine Kollegen auch. Gehört zum Job. Und es gibt definitiv Unterschiede im Geräuschpegel, nicht nur von Tastatur zu Tastatur, sondern auch von Tipper zu Tipper. 😉
    Da ich relativ schnell schreibe, kann das auch zu vermehrter Geräuschbildung führen. Bei uns hat das Einführen leiserer Tastaturen ohne Anschlagsgeräusch enorm geholfen.

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  4. Ingo S. Anders schreibt:

    Mich würds auch nerven, mich stressen alle Geräusche anderer im selben Raum. Ich bin halt nicht fürs Großraumbüro gemacht.
    Dennoch soll sie nicht son mimimi machen und einfach das Radio anstellen oder/und Kopfhörer aufsetzen.^^

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      • Ingo S. Anders schreibt:

        Büro zu zweit habe ich nur mit einer Person gut aushalten können, mit einer anderen haben wir uns gegenseitig auf die Palme gebracht, ohne es zu wollen. Ich hatte die Angewohnheit, hoch konzentriert vor mich hin zu brabbeln, Das konnte die arme Kollegin verständlicherweise nicht ab und zudem störte sie der Duft meines Duschgels. Sie hatte die Angewohnheit, von Zeit zu Zeit zu stöhnen und zu seufzen und hat sich dann immer sofort entschuldigt, was es schwerer machte, es zu überhören. 😀
        Ich glaube, zum Thema Büroalltag könnte ich noch viel schreiben. 😉
        Für mich haben sich auf jeden Fall Kopfhörer mit Musik bewährt und müsste ich noch einmal ins Büro, gehörten sie zur Grundausstattung. 🙂

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      • Ja, man verbringt schon enorm viel Zeit mit den Menschen, mit denen man das Büro teilt – und das ist nicht immer einfach. Man muss einen Mittelweg finden, wobei da die Betonung noch auf dem Wörtchen „gemeinsam“ für mich liegt. Und nicht einer auf Kosten des anderen.

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      • Ingo S. Anders schreibt:

        Ja, das sehe ich auch so. Man muss immer schauen, was für alle Beteiligten das beste ist und da ist es am einfachsten, wenn alle an einem Strang ziehen.
        In dem einen Fall war ein eigenes Büro für die Dame und ein eigenes für mich erstmal das beste. Zum Glück konnten wir das durchsetzen. Später hatte sie dann eine Kollegin im Zimmer, mit der alles passte. 🙂

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      • Eigene Büros sind für uns räumlich leider nicht möglich, wobei so ein Einzelbüro schon etwas für sich hätte. Vielleicht wechseln wir einmal die räumliche Besetzung durch, aber das müssen wir mal sehen.

        Wobei ich schon fast so eine Ahnung habe, als ob ich da vor vollendete Tatsachen gestellt werden könnte, wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme. Wäre nicht das erste Mal, dass in unserer Abteilung die Dinge so gehandhabt werden …

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