Leipziger Allerlei 2018 (8) Warum es gut ist, dass die Buchmesse auch einmal endet

Inzwischen sind zwei Wochen vergangen, seit in Leipzig die Buchmesse tobte. Zeit, allmählich auch mit meiner Nachberichterstattung zu einem Ende zu gelangen. Sicher, ich könnte noch über viele Dinge schreiben. Aber wen interessiert heute noch, wen ich alles getroffen habe (viele liebe Menschen!), wie ich meinen Messesamstag verbracht habe, wie sehr mich das Winterchaos in Leipzig getroffen hat (fragt mich mal nach meiner Heimreise)?

Eben.

Aber einen Artikel möchte ich noch schreiben. Sozusagen als gedanklichen Abschluss. Dabei war dieser Artikel streng genommen einer der ersten, die mir in den Sinn kamen, als ich mir eine Planung aufgestellt habe, über welche Themen ich bloggen möchte.

Und deswegen möchte ich nun mit euch einige Gedanken teilen, wieso es gut ist dass die Buchmesse auch einmal endet.

Zunächst einmal, weil ansonsten die Chance, dass man sich finanziell übernimmt, exponentiell ansteigt. Man kann nur eine gewisse Zeit im Umfeld von Büchern über Büchern existieren, ohne dass man in einen Kauf- und Haben-Will-Rausch verfällt. Nun gehöre ich nicht zu denen, die auf die Messe gehen, um Bücher zu kaufen. Das kann ich bequemer von zu Hause aus machen. Aber natürlich habe ich mich bei dem einen oder anderen Verlag über das Programm informiert. Und es reizt auch, wenn man die Schmuckstücke im Regal stehen sieht, zumindest eins oder fünf mitzunehmen. So ging es mir, zum Beispiel, bei FESTA.

Ein weiterer Faktor ist, dass man irgendwann auch zwangsläufig an seine körperlichen Grenzen geraten würde. Auch wenn die Messehallen eigentlich alle nah beieinander liegen und die Wege, theoretisch, gar nicht so weit sind, reißt man doch am Tag ein ziemliches Pensum herunter. Ach, noch mal eben bei den Selfpublishern in Halle 5 was anschauen. Und danach in die Halle 2 zur Fantasy Leseinsel. Ach, und dann wollte ich ja auch noch in Halle 1, zur Manga Comic Con. Oh, XY schreibt gerade, dass jetzt ein Treffen an der Leseinsel in Halle 5 ist. Aua, die armen Füße, kann man da nur sagen!

Allgemein muss man aber auch schauen, dass man keinen Overload bekommt. Ich verwende dieses Wort hier sehr bewusst, bedeutet es doch, dass man irgendwann aufgrund der vielen Reize einfach nicht mehr hinterher kommt.

Ich hatte dieses Gefühl bereits am Messesamstag, also meinem zweiten Tag, zum ersten Mal. Ich schlenderte so durch die Hallen und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass mir das alles zu viel wird. Zu viele Menschen, zu viele Stände, zu viel Lärm, zu viele Bücher, zu viel von allem!

Interessanter Weise lief mir plötzlich Chris (ihr erinnert euch an die vorherigen Berichte) über den Weg, der mich sah und augenblicklich seufzte: „Ein bekanntes Gesicht. Endlich! Ich hasse Menschen!“

Das gab mir das beruhigende Gefühl, dass ich nicht mal wieder Opfer meiner eigenen kleinen Einschränkungen wurde, sondern dass auf der Messe für wohl jeden latent die Gefahr besteht, dass man reizüberflutet wird. Der eine kommt halt besser damit klar, als es der andere tut.

Und dann gibt es noch einen Punkt, der auf meiner Liste, wieso es gut ist, dass die Messe auch mal ein Ende hat, ganz weit oben steht. Ich setze ihn nur deswegen ans Ende, weil ich erst die offensichtlichen Dinge abarbeiten wollte, bevor ich jetzt zu diesem hier komme, das mir mit bösem Willen auch falsch ausgelegt werden könnte.

Und zwar ist es irgendwann einfach zu viel, den anderen Buchmenschen ausgesetzt zu sein mit allem, was sie so erleben.

Eine Buchmesse ist nicht der normale Alltag. Für keinen von uns. Das gilt für das, was wir erleben und für das, was wir tun. Es kommt alles sehr geballt und gerade dann, wenn man sich in einer größeren Gruppe bewegt, erlebt man viele Meilensteine im Leben eines Autors sehr komprimiert.

Überspitzt gesagt ist immer jemand dabei, der gerade einen vielversprechenden Kontakt zu einem Verlag geknüpft hat. Es ist immer jemand dabei, der gerade ein Projekt platzieren konnte. Irgendwer hat immer gerade einen Haufen Fans getroffen und viele Bücher signiert. Und irgendwer hat von irgendwem suggeriert bekommen, er wäre ein ganz großer Influencer und muss das nun allen Anwesenden immer und immer wieder mitteilen.

Kurz: Man wird mit einer Menge tatsächlicher und imaginärer Erfolge konfrontiert. Ebenso natürlich auch mit Misserfolgen, wobei die im allgemeinen ein wenig dezenter kommuniziert werden.

Wieso ist das nun schwierig? Ganz einfach, weil man den Eindruck gewinnen könnte, dass man von links und rechts gleichzeitig überholt wird. Und nicht nur überholt, sondern auch abgehängt. Dabei ist dies ein falscher Eindruck, den man nur gewinnt, weil diese Messetage eben so unglaublich intensiv sind. Das normale Leben spielt sich außerhalb ab, wenn wir alle wieder zu Hause sitzen. Der Alltag ist die Zeit, in der wir alle uns anstrengen, um das Bestmögliche aus unserem Schreiben und aus unserer Entwicklung als Autoren herauszuholen. Und auf den Messen gelingt es einigen dann, die Früchte für diese harte Arbeit zu ernten.

Mir ist außerordentlich wichtig, in aller Deutlichkeit zu sagen, dass das, wovon ich hier spreche, keineswegs Missgunst ist! Ich gönne jedem und jeder jeden Erfolg. Eben weil ich weiß, dass keinem von uns etwas einfach so in den Schoß fällt. Was ich spüre ist dementsprechend kein Neid, sondern Überforderung!

Schuld daran ist wieder einmal eine falsch verdrahtete Schaltung in meinem Kopf, vermute ich. Es kann aber auch sein, dass es anderen auch so geht wie mir. Man freut sich, freut sich wirklich, aber gleichzeitig wird das alles auch ein bisschen viel. Sagen wir, ich könnte mich besser freuen, wenn nicht alles so geballt käme.

Dabei spielt es auch keine Rolle, ob ich selber einen Erfolg erlangt habe, oder nicht. Die Teilnahme an 9lesen war für mich auf vielfältige Weise ein großer Erfolg. Aber das sehe ich dann nicht, kann es nicht einordnen und deswegen entsteht bei mir ein komisches Gefühl.

Ich kann nur hoffen, dass ich es einigermaßen erklären konnte, denn das Schlimmste wäre wirklich, wenn mich jetzt einer von euch da draußen für einen Neidhammel halten würde. Aber dann würde ich darum bitten, das anzusprechen, damit ich es vielleicht ausräumen kann …

Wie dem auch sei, für mich ist, bei aller Ernüchterung, bei allem Messeblues, der zwangsläufig nach einem solchen Meilenstein im Autorenleben zwangsläufig einsetzt, auch gut, dass irgendwann der Alltag wieder einkehrt. Das mindert nicht die vielen schönen Stunden, die ich auf und abseits der Messe mit tollen Menschen gehabt habe. Und das mindert nicht die Vorfreude auf das nächste Ereignis dieser Art.

Vielleicht ist es mit Messen wie mit Kindsgeburten: Sie sind für alle Beteiligten eine enorme Strapaze, aber am Ende bleibt das gute Gefühl übrig – denn sonst würde sich niemand ein zweites Mal darauf einlassen 😉 .

Damit endet meine Berichterstattung zur Leipziger Buchmesse 2018. Ich hoffe, dass sie euch ein wenig Spaß gemacht hat. Bei mir war das jedenfalls der Fall. Aber auch hier muss nun der Alltag wieder einkehren.

Bis es dann wieder heißt: Buchmesse, ich komme!

Wie wär’s mit Frankfurt!?

Advertisements

8 Gedanken zu “Leipziger Allerlei 2018 (8) Warum es gut ist, dass die Buchmesse auch einmal endet

  1. Michael, ich kann dich so gut verstehen. Du bist ganz sicher kein Neidhammel. Es ist ganz natürlich, sich klein, abgehängt (und vielleicht sogar ein wertlos) zu fühlen, wenn alle um dich herum vor Erfolgen übersprudeln. Schon deshalb ist es wichtig, irgendwann in das normale Umfeld zurückzukehren. Das erdet.
    Alles Liebe
    Nike

    Gefällt 2 Personen

    • Danke Nike, das beruhigt mich jetzt, dass ich da nicht vollkommen auf der falschen Spur unterwegs bin.

      Fatal ist halt, dass teilweise sogar die eigenen Erfolge aus dem Fokus geraten. Gut, wenn dann jemand in der Nähe ist, der einen mit der Nase wieder drauf stößt.

      Liebe Grüße
      Michael

      Gefällt mir

  2. In meinem vorherigen Leben war ich in einem anderen Beruf tätig. Und die Messen da waren, sagen wir mal vorsichtig, voll. Ich meine so richtig voll. Ich bin zwar ein ziemlicher Misanthrop, aber Leipzig fand ich entspannt. Das mag auch am Wetterchaos gelegen haben. Die letzte Messe auf der ich war, IDS vor einem Jahr in Köln, 1,7 Millionen Besucher in 3 Tagen. Ist echt ne komplett andere Nummer. Da wirkt sogar der Adventssamstags Wahsinn entspannt dagegen. Deswegen, ich fands nicht so schlimm. ;)))

    Gefällt 1 Person

    • Wie geschrieben, es war ja nicht nur der Andrang, der einem aufs Gemüt schlagen konnte.

      Aber es stimmt schon, andere Messen sind/waren da schlimmer. Wenn ich an die Cebit so vor zwanzig Jahren denke, als da noch wirklich der Funk abging, oder, noch weiter zurück, an die Hobbytronic zu ihren besten Tagen, als weniger flaniert sondern sich mehr auf die Stände und die Goodies geschmissen wurde, das waren schon andere Nummern.

      Aber 1,7 Millionen Menschen in 3 Tagen ist krass. Wobei ich fast fragen möchte, ob das nicht ein Schreibfehler ist, der sich da eingeschlichen hat. Das wären immerhin dreimal die Einwohnerzahl von Duisburg …

      Gefällt mir

    • Ich wollte es auf keinen Fall so darstellen, als ob man nur auf die Messe gehen kann, wenn man im Reigen von „Mein Boot, mein Haus, mein Pferd“ mitspielen kann. Eine Messe ist so viel mehr als das. Es kommt halt auch immer stark darauf an, wie sehr man in die „Autorenblase“ eintaucht. Der normale Messebesucher merkt von dem, was ich beschrieben habe, sicherlich gar nichts.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.