Offline sein hat auch seine Vorteile

Wie ihr wisst, habe ich ja in dieser Woche Urlaub. Eine Menge Zeit, um Dinge zu machen, zu denen man sonst nicht kommt um Zeit zu verplempern. Insbesondere in Bezug auf das Schreiben habe ich in dieser Woche mal wieder so gut wie nichts auf die Reihe bekommen. Wenn ich dafür einen Grund benennen müsste, dann wäre es vielleicht der fehlende Fokus, den ich zurzeit auf ein Projekt lenken kann. Soll ich mich erst weiter an meinem aktuellen Roman versuchen? Die Agenturbewerbungen für „Der Beobachter und der Turm“ vorantreiben? Und wie steht das überhaupt mit dem Lektorat von „Der Morgen danach“?

Hierfür hatte ich mir ja einige Notizen gemacht, die ich gestern alle mit meinem Lektor, soweit es uns möglich war, durchgegangen bin, so dass feststand, dass ich ab sofort keine Ausrede mehr hatte loslegen konnte.

Mit ein wenig gemischten Gefühlen habe ich mich also heute Mittag an meinen Rechner gesetzt, eine neue Fassung des Dokuments erstellt und angefangen, die gewünschten Änderungen zu sichten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, falls ihr schon einmal in ähnlicher Lage wart, aber mir kommt es beim ersten Durchblättern immer so vor, als ob ich Stunden über Stunden mit Umschreiben, Abändern und neu verfassen verbringen müsste.

Und das ist nicht gerade eben motivierend.

Trotzdem habe ich mich also an die Arbeit gemacht, weil ich mir hinterher nicht selber nachsagen wollte, ich hätte in meinem Urlaub überhaupt nichts sinnvolles angestellt.

Der Anfang gestaltete sich ein wenig zäh, weil gerade auf den ersten paar Seiten viel Arbeit auf mich wartete. Wir setzen alles mit vereinten Kräften daran, diesen Einstieg so packend (und plausibel) für den Leser hinzukriegen, wie es nur irgendwie geht. Entsprechend umfangreich sind die Eingriffe, die ich vorzunehmen hatte und auch der Zeitaufwand war erheblich.

Irgendwann, so ungefähr um 14 Uhr, hatte ich dann die ersten 10, 12 Seiten soweit im Kasten. Und eigentlich hatte ich an der Stelle vor, es für den Moment heute gut sein zu lassen. Ganz nach dem Motto: Da ist Zeit, die sinnlos verplempert werden will!

Dann allerdings fiel mein Blick auf ein blinkendes Licht im Regal zu meiner Linken. Und wenn es da blinkt, dann meint das für unsere Internetverbindung nichts Gutes, denn dann meldet der Router eine Störung. Und so war es dann auch. Ein Anruf bei der Telekom brachte heraus, dass es eine großangelegte Störung im Duisburger Raum gab, von der auch wir betroffen waren.

Nun, es hätte ja auch noch genügend andere Möglichkeiten gegeben, Zeit totzuschlagen. Aber ich hatte mich gedanklich eben aufs Internet versteift. Zielloses Surfen und abarbeiten von Feeds und Mails voraus! Ging jetzt nicht.

Also bin ich an meinem Text dran geblieben. Und als circa drei Stunden später das Internet wieder funktionierte, hatte ich, alles in allem, dreißig Seiten des lektorierten Texts abgearbeitet. Damit fehlen mir nur noch sechzehn weitere Seiten, bis ich die ersten fünf Kapitel wieder an den Verlag zurückschicken kann. Sechzehn Seiten in drei Tagen – klingt doch soweit erst einmal machbar, findet ihr nicht auch?

Ich kann also nur bestätigen und unterschreiben, was sowieso schon als Binsenweisheit die Runde macht: Wenn man zwischendurch mal die Verbindung zum Internet kappt, dann kann man gleich viel produktiver arbeiten. Gut, mit Ausnahme des einen Moments, wo ich dringend etwas nachschlagen wollte und mich erst nach etwa einer Minute daran erinnerte, dass ja immer noch das Lämpchen blinkte 😉 .

Jetzt schwanke ich, ob ich morgen einfach mal bewusst den Stecker ziehen sollte. Aber dann bekomme ich wahrscheinlich Ärger mit meiner Frau, die auf ihre ganz eigene Weise Zeit verplempern im Internet verbringen wollte.

Das Autorenleben ist schon eines der Härtesten, findet ihr nicht?

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11 Gedanken zu “Offline sein hat auch seine Vorteile

  1. Finde ich interessant, wie unterschiedlich wir in der Hinsicht sind. Ich kann, wenn ich es darauf anlege, das Internet beim Arbeiten gut ignorieren – aber dass es da ist, gibt mir ein gutes Gefühl. Ich weiß, dass ich dort jederzeit nachschlagen kann (oder kurz Pause machen – ich habe die Aufmerksamkeitsspanne einer Dreijährigen und bin produktiver, wenn ich alle 10-15 Minuten kurz was anderes tue, ehe ich wieder ins Dokument gehe).
    Wenn das Internet nicht da ist, löst das bei mir eine latente Panik aus, mit der ich dann gar nicht arbeiten kann :(. Schon mehrfach erlebt.

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    • Ja, da ticken wir wirklich unterschiedlich. Bei mir ist es leider so, dass meine Aufmerksamkeitsspanne, gerade bei Tätigkeiten, die ich nicht sooo gerne machen, auch nicht überragend ist. Und gerade beim Einarbeiten von lektorierten Stellen komme ich da schnell an meine Grenzen.

      Wenn ich alle 10 oder 15 Minuten unterbrechen würde, käme ich wahrscheinlich zu gar nichts mehr, weil die Unterbrechungen länger würden als das Arbeitspensum.

      Aber solange jeder einen Weg findet, mit dem er gut klar kommt, ist ja allen geholfen. In diesem Sinne wünsche ich dir immer einen stabilen Netzzugang!

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  2. Solange wir den noch kommentieren dürfen.
    Ja und nein. Ich mag es mich nach einiger Zeit erneut mit meinen texten, so sie noch nicht veröffentlicht sind zu beschäftigen, oder besser, mir fällt auf, wie sehr das Unterbewusstsein gearbeitet hat und mit einem mal eine bessere Formulierung, einen anderen Gedankengang oder ein Bonmot aus dem Hut zaubert.
    Ich weiß jedoch leider nicht, wie es mit lektoralen Anregungen aussieht. Ich fürchte für mich, dass ich sowas ignorierte, da ich immer der Meinung wäre „die haben Unrecht“.
    Das Problem wenn man nie ein Teamplayer sein musste.
    Ich wünsch die viel Kraft, Eingebung und Härte im Kampf gegen die verlockungen des Internet. ;)))

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    • Habe ich irgendwie angedeutet, dass nicht mehr kommentiert werden darf!? Wenn ja, dann war das ein großes Missverständnis!

      Wenn man im Lektorat steht, dann bleibt einem schlechter- wie besserdings ja gar nichts anderes übrig, als im Team zu spielen. Man ist ja auch im selben Team. Schließlich wollen alle „das Ding“ im bestmöglichen Zustand veröffentlicht sehen.

      Danke für die Wünsche – die kann ich gut brauchen 🙂 .

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      • Nein, nein, nein. Die neue Datenschutzrichtlinie, die am 25.5. diesen Jahres in Kraft treten wird. Beim kommentieren werden Daten und Cookies etc, etc, etc, gespeichert. die Konsequenzen, die sich für uns kleine Blogger und Betreiber von nicht kommerziellen Webseiten daraus ergeben. Hab schon überlegt, alles zu löschen und abzuschalten.
        Werde mich aber dem Kampf stellen. Mit Hilfe meiner Frau, die im Umgang der ganzen einstellungen sehr viel fitter ist als ich.

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      • Für den Anfang solltest du dir auf jeden Fall eine rechtskonforme Datenschutzerklärung zulegen. Da gibt es im Netz inzwischen auch kostenfreie Bausätze für. Ich habe die Tage da einen interessanten Beitrag von der Kanzlei WBS zu gesehen:

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