Der Bart ist ab

Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich das Thema überhaupt hier ansprechen soll. Aber da ich ja diesen Blog nicht zuletzt führe, um mein Leben als Autor mit allem, was direkt und indirekt dazu gehört, zu dokumentieren, komme ich wohl nicht drumherum. Aber ich warne euch direkt vor, dass ich vage bleiben werde. Einfach aus dem Grund, dass die Details in gewisser Weise intern sind und es auch bleiben sollen.

Und trotzdem macht es was mit mir, dass ich gerade meine Kündigung bei den BartBroAuthors eingereicht habe.

Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich an dieser Stelle hin und wieder von meiner Mitgliedschaft in diesem Autorenverein berichtet habe. Ich habe euch erzählt, dass ich im Vereinsnamen getwittert habe. Oder ich habe euch von der Vereinslesung erzählt, aus der dann, durch gewisse Umstände, die nun auch, mit einiger Verzögerung, zu meiner Kündigung geführt haben, 9lesen wurde.

Aufmerksam wurde ich auf die BartBros im Herbst 2016. Mitglied wurde ich dann, glaube ich, im Oktober – kurz, nachdem aus dem lockeren Künstlerverbund ein richtiger Verein geworden war.

Die folgenden Monate waren sehr interessant, teils intensiv, aber vor allem nicht langweilig. Dabei knirschte es hin und wieder zwar im Gebälk, aber es gab auch viele sehr schöne Erlebnisse. Viele Autorinnen und Autoren, die ich heute kenne, hätte ich ohne die Bärte vielleicht nicht oder jedenfalls nicht so gut kennengelernt.

Dann kam es jedoch – und das ist inzwischen auch schon weit über ein Vierteljahr her – zu Ereignissen, die den Verein in seinen Grundfesten erschüttert haben. Und im Endeffekt hat er sich davon nie wieder richtig erholt. Wer sich damit beschäftigt hat, wird zum Beispiel bemerkt haben, dass es auf den Social-Media-Kanälen nicht nur still geworden ist, sondern dass sie inzwischen unter einer dicken Staubschicht liegen.

Lange habe ich zu denen gehört, die versucht haben, konstruktiv einzuwirken, wo sie es konnten. Deswegen habe ich auch, selbst als sich nur wenig bewegte, die Stellung zu halten versucht. Aber das hat mir nicht gut getan und gipfelte zu Anfang des Jahres in einem depressiven Schub, den ich in dieser Weise sicherlich nicht gebraucht hätte.

Wie gesagt, ich gehe nicht in die Details. Ich mache niemanden verantwortlich. Weder hier, noch intern. Manche Dinge passieren einfach. Und irgendwann muss man dann einsehen, dass es keinen Zweck mehr hat, darauf zu warten, dass sich noch etwas bewegt.

Mich macht das traurig. Die Bärte haben mir ein Gefühl von Zusammengehörigkeit gegeben, das mir in einigen schwierigen Situationen Mut und Kraft zum Weitermachen gegeben hat. Die Gruppe, selbst wenn sie für meine Person in der Hauptsache im Internet bestand, füllte Leerräume aus, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gegeben hat. Oder von deren Existenz ich nur eine verschwommene Ahnung hatte, die ja schließlich auch dazu führte, dass ich Mitglied geworden bin.

Nun ist es Zeit zu gehen – und gleichzeitig auch die Zeit, nach vorne zu schauen. Zu schauen, wie es jetzt mit mir in dieser Hinsicht weitergehen soll.

Denn eines ist klar: Nachdem ich einmal das Gefühl von Gemeinschaft erlebt habe, kann, will und werde ich nicht einfach wieder in meine einsame Künstlerkemenate zurückkehren. Das täte mir nicht gut und es wäre der falsche Weg. Das haben mir nicht zuletzt die Erfahrungen der Leipziger Buchmesse deutlich gemacht.

Der Bart mag vielleicht ab sein, aber das bedeutet nicht zwingend das Ende. Streng genommen bedeutet es nicht mehr als das Ende eines Abschnitts. Und, wer weiß, vielleicht wachsen ja selbst auf dieser frischrasierten Stelle irgendwann ein paar zaghafte Stoppeln wieder nach. Wer kann es wissen?

Also nehme ich mir die Zeit, ein klein wenig traurig zu sein, weil heute offiziell etwas für mich zu Ende gegangen ist. Und dann mache ich mich auf die Suche nach einem Anfang. Ohne Druck. Überlegt. Zuversichtlich.

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6 Gedanken zu “Der Bart ist ab

  1. lunaewunia schreibt:

    Ich wünsch dir bei deinem Neuanfang ganz viel Kraft und Glück! Ich kann mir gut vorstellen, dass das wirklich schwer ist, wenn etwas vorbei ist, woraus man doch eigentlich so viel Kreativität und Energie gezogen hat… Doch es tun sich bestimmt neue Dinge auf – oder aber du wirst entdecken, wie viel in dir selbst steckt 🙂
    Ich wünsch dir alles Gute!

    Gefällt 2 Personen

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