Wir lassen uns das Bloggen nicht verbieten

Achtung, dies wird ein, vermutlich, sehr unreflektierter und ein klein wenig auch verschwörungstheoretischer Blogeintrag. Wer also seinen Aluhut noch nicht aufgesetzt hat, der möge das jetzt bitte tun, ansonsten übernehme ich für nichts eine Garantie.

Wir alle wissen, dass die Wahrheit irgendwo dort draußen ist. Das Problem ist nur, dass dort nicht nur die Wahrheit ist, sondern auch ganz, ganz viel Unsicherheit und – ja, ich gehe so weit, das Wort zu benutzen – auch Angst.

Über viele Jahre hinweg haben wir, die wir auf WordPress, auf Blogger, auf einem eigens gehosteten Blog oder wo auch immer unsere Meinungen, unsere Geschichten, unser Leben gepostet haben, dies in der Überzeugung getan, dass wir mit dem, was wir tun, anderen Menschen vielleicht ein wenig Freude oder zumindest ein wenig Zerstreuung bieten können. Aber wenn ich mich im Moment umsehe, dann sehe ich wenig davon.

Immer wieder stoße ich auf Beiträge, in denen davon gesprochen wird, das der oder die Blogger/in nicht weiß, wie es in der nahen Zukunft weitergehen soll. Der Hintergrund ist bei vielen die nahende EU-DSGVO, oder auch Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union. Dieses Monstrum von einer Verordnung tritt in fast einem Monat in Kraft und wirft gewaltige Schatten auf das Gemüt einer Menge Menschen.

Ich habe das Missvergnügen, mich auch beruflich mit diesem Kauderwelsch auseinandersetzen zu müssen und kann daher sagen, dass es mich überhaupt nicht wundert, wenn der kleine Blogger und die kleine Bloggerin damit überfordert ist. Ich sehe jeden Tag Stellungnahmen vom Städtetag, von der Bezirksregierung, von diversen Landesämtern und so weiter und so fort und alle wissen im Prinzip nur eins: Da kommt etwas, aber was es letztlich bedeutet, das wissen wir nicht.

Und sie wissen: Potentiell kann uns das richtig viel Geld kosten, wenn wir gegen die Auflagen verstoßen.

In diesen Zeiten greifen die guten Ratschläge um sich. In den Fällen, in denen dies kostenlos geschieht, sage ich meinen Dank, ziehe meinen Hut und freue mich, wenn einer dem anderen versucht, zu helfen. Aber es gibt auch genügend Leute, die versuchen, aus der Verunsicherung einen finanziellen Vorteil zu ziehen. Sei es drum. Wer bereit ist, dafür zu bezahlen, den kann und will ich nicht aufhalten. Ich habe auch ein paar Euro investiert, um meine Datenschutzerklärung zumindest halbwegs rechtssicher zu machen.

Aber augenblicklich weiß keiner, ob und was eigentlich reicht. Besonders diejenigen von uns, die so wie ich direkt auf wordpress.com ihren Blog hosten, sehen sich auf einmal der Frage gegenüber, was eigentlich im Hintergrund auf dieser Plattform so abläuft, wovon wir gar keine Ahnung haben. Werden da versteckte Routinen eingesetzt, die Informationen über unsere Besucher abgreifen? Wie sieht es mit der geschalteten Werbung aus? Wie mit den Statistiken, die erhoben werden?

Ich habe bereits die ersten Blogs „sterben“ sehen und bekomme eine ziemliche Wut dabei. Weil das alles im Prinzip so dermaßen unnötig sein müsste.

Denn der Gesetzgeber hatte im Endeffekt ja nicht einmal vor, uns kleine Blogger zu treffen. Wir stellen so eine Art Kollateralschaden dar. Eigentlich ging es um die großen Organisationen. Um die Firmen. Und um die Verwaltungen. Daran, dass vielleicht auf einem kleinen Blog wie diesem, der am Tag so um die 50 Aufrufe bekommt, ein Kommentator seine IP-Adresse hinterlassen könnte, hat man da sicher nicht gedacht.

Und wenn doch, dann hat man die Achseln gezuckt und sich gedacht: Sei es drum. Das macht es für mich nicht leichter, gelassen zu bleiben.

Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich überfordert bin. Wenn ich alles umsetzen würde, was ich schon an guten Ratschlägen gehört und gelesen habe, dann würde hier bald alles ganz anders aussehen. Das Beste wäre wahrscheinlich, ich würde das Liken der Beiträge unterbinden und auch gleich noch das Kommentieren. Aber dann könnte ich meine Beiträge auch in Word schreiben und auf meiner Festplatte abspeichern. Das hätte ungefähr den gleichen Effekt der Interaktion und der Kommunikation.

Und deswegen werde ich, wenn ich es mir nicht innerhalb des kommenden Monats noch anders überlege, bewusst den Mut zur Lücke suchen. Ich kann und will nicht die Kommunikation mit meinen Lesern auf ein Mindestmaß begrenzen. Ich will die Interaktion nicht unterbinden.

Diesen Blog gibt es seit ziemlich genau drei Jahren. Und in diesen drei Jahren habe ich in meiner persönlichen Entwicklung als Autor – und, ich nehme wieder ein großes Wort in den Mund, auch als Mensch – so große Fortschritte gemacht, dass es einen längeren Beitrag als diesen bräuchte, um das alles zu benennen. Und das hätte es nicht gegeben, wenn es nicht von Anfang an Menschen da draußen gegeben hätte, die mit mir „gesprochen“ haben. Die mich ermutigt haben. Und die auch in schweren Zeiten das gelesen haben, was ich hier schrieb.

Und deswegen werde ich weitermachen. Mit kleinen Anpassungen vielleicht, okay. Aber alles im geordneten Rahmen.

Die Datenschutzgrundverordnung ist nicht dafür da, um ab Ende Mai von Seiten der Regierung oder der EU alle möglichen Leute an die Kandare zu nehmen und ihnen den Hosenboden stramm zu ziehen. Die größte Gefahr auf unserer Ebene droht tatsächlich von Leuten, die meinen, sie müssten jemand anderen anschwärzen, einen Anwalt auf ihn hetzen und auf irgendeine Form der Unterlassung drängen. In diesem Fall der Unterlassung der Datenerhebung, um sich einen wie auch immer gearteten Vorteil zu verschaffen.

Ich bin ein kleiner Autor, der mit Ausnahme von Kurzgeschichten noch nichts veröffentlicht hat. Ich frage mich also: Wer sollte mir eine Abmahnung zukommen lassen? Und wieso sollte er das tun? Wie, Entschuldigung, kackendreist müsste dieser Jemand sein, um zu sagen: „Hey, du hast zwar noch kaum was erreicht und eigentlich tust du auch niemandem was Böses, aber ich schmeiß dir trotzdem mal einen Knüppel zwischen die Beine!“

Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass es da draußen jemanden gibt, der das wirklich tun würde. Nicht bei mir und nicht bei den vielen anderen kleinen Bloggern, die einfach nur das tun, was ihnen am Herzen liegt!

Ich verstehe jeden, der auf Nummer Sicher gehen will. Und ich propagiere auch keinesfalls, dass es einem egal sein sollte, was da im Moment geschieht. Mir geht es nur darum, die Panik vielleicht ein wenig zu dämpfen und, ja, da bin ich egoistisch, auch jedem Mut zu machen, dass es sich lohnt, das eigene Projekt, den eigenen Blog fortzuführen. Weil es Menschen gibt, denen das gefällt, was wir tun. Die sich freuen, von uns zu lesen. So, wie ich mich freue, von euch zu lesen.

Wundert euch also bitte nicht, wenn es auch bei mir vielleicht in Kürze dieses bekannte Wegklick-Banner gibt, dass hier Cookies gespeichert werden. Wenn es sich leicht einbinden lässt, dann wäre ich doof, es nicht zu tun. Immer eingedenk dessen, dass es vielleicht doch diesen einen Menschen geben könnte, der glaubt, mir deswegen schaden zu wollen.

Ich glaube nicht daran. Ich will es nicht glauben!

Lasst mich eine Weile der naive kleine Happy-Blogger sein, der in seiner rosaroten WordPress-Welt vor sich hin bloggt und keinen Gedanken daran verschwendet, dass das, was er tut, irgendwem oder irgendeiner Institution ein Dorn im Auge sein könnte.

Was immer auch kommt und wie immer es auch aussehen mag: Wir lassen uns das Bloggen nicht verbieten!

Und ich würde mich freuen, wenn DU es genau so halten würdest, wie ich. Denn DU würdest fehlen!