Es blutet einem das Herz

Gestern Abend saß ich bei meinen Eltern, als mein Bruder mich plötzlich fragte, ob meine Familie und ich dieses Jahr eigentlich noch in den Europa Park fahren wollen. Ich frage ganz unbedarft zurück, wieso, und er sagt mir, dass der Skandinavische Themenbereich brennen würde.

Das war ein echter Schlag in die Magengrube. Sofort habe ich mein eigenes Smartphone gezückt und versucht, mir einen Überblick zu verschaffen, was da gerade vor sich geht. Ich habe eine enge persönliche Bindung zu diesem Park, auch wenn ich ihn erst vor zwölf Jahren zum ersten Mal besucht habe. Aber immer, wenn wir bei der Familie meiner Frau im Schwarzwald waren, waren wir (oder auch mal ich alleine) mindestens einen Tag lang in Deutschlands größtem Freizeitpark.

Die Bilder und Informationen, auf die ich stieß, ließen mir das Herz bluten. Nicht nur, dass Skandinavien in Flammen stand, der Brandherd war die Themenfahrt „Piraten in Batavia“. Auf YouTube fanden sich schnell Videos, wie die Flammen meterhoch aus der Halle empor schlugen und im Inneren alles verzehrten, was ihnen in die Quere gekommen ist.

Gott sei Dank hat es weder Verletzte (von einigen Fällen leichter Rauchvergiftung abgesehen) gegeben, noch ist im Park eine Panik ausgebrochen. Das Krisenmanagement hat hervorragend funktioniert.

Was bleibt ist der materielle und vor allem der emotionale Schaden. Ich kann nicht nachfühlen, wie es der Betreiberfamilie gehen muss, deren (erwachsene) Kinder, die heute die Parkspitze stellen, im wahrsten Sinne des Wortes im Park aufgewachsen sind.

Aber mir blutet auch auf schriftstellerischer Ebene das Herz. Haben mich die „Piraten in Batavia“ doch zu einem meiner Romanmanuskripte inspiriert.

Ich habe die Geschichte hier im Blog garantiert schon einmal erzählt, aber aus dem traurigen Anlass heraus erzähle ich sie einfach noch einmal. In der Themenfahrt gab ( 😦 ) es eine Szene in einer batavischen Stadt, durch die man mit den Booten hindurch fuhr. In dieser Szene waren eine Vielfalt von bewegten und auch unbewegten Figuren. Eine dieser unbewegten Figuren lag auf einer kleinen Insel in ihrer Hängematte.

Irgendwann einmal fuhr ich wieder an dieser Figur vorbei und ich stellte mir aus heiterem Himmel die Frage: Wie lange würde es wohl dauern, bis irgendjemand mitbekommt, dass statt einer Kunststofffigur eine menschliche Leiche in dieser Hängematte liegt?

Aus diesem Einfall wurde dann „Darkride“, das auch generell dem Europa Park sehr viel verdankt. Denn auch wenn der Roman in einem imaginären Freizeitpark spielt, so sind natürlich ganz viele Einflüsse aus diesem viel besuchten und heiß geliebten Park mit aufgenommen worden.

Nun gibt es die „Piraten in Batavia“ nicht mehr. Es gibt weite Teile des Holländischen und des Skandinavischen Themenbereichs nicht mehr. Die Bilder, die man im Internet (unter anderem bei looopings.nl) sehen kann, lassen das Ausmaß der Katastrophe erkennen.

Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen bedanken, die mitgeholfen haben, die weitere Ausbreitung des Großbrandes zu verhindern, in erster Linie natürlich den vielen Feuerwehren aus der näheren und weiteren Entfernung des Parks. Und ich bedanke mich bei allen, die daran mitarbeiten, die Hintergründe für dieses Unglück aufzuarbeiten und die Ursache zu finden. Damit es in Zukunft nicht wieder zu so einem Feuer, das wirklich rasend schnell um sich gegriffen haben muss, kommen kann.

Gebäude kann man wieder aufbauen. Fahrgeschäfte kann man ersetzen. Aber es wird nie wieder so sein, wie es einmal gewesen ist. Was bleibt, sind Erinnerungen und dank des Internet-Zeitalters Videos wie das folgende, das zumindest eine Ahnung davon übermittelt, wie es in Batavia einmal ausgesehen hat:

Ganz ehrlich: Ich könnte gerade mehr als nur ein Tränchen verdrücken.