Wieso die Pause wichtig für mich ist

Je länger meine Pause vom Autorenleben dauert, die je nach Sichtweise noch gar nicht so lange oder, für meine Verhältnisse, schon ewig anhält, desto deutlicher wird für mich, wieso sie so wichtig ist. Und weil es mir deutlich geworden ist, unterbreche ich die Stille für diesen einen Blogeintrag.

Einige unter euch haben mir schon zu verschiedenen Anlässen gesagt, dass ich es in Hinsicht auf die Häufigkeit meiner Beiträge oder die Selbstverpflichtung, dieses und jenes zu schreiben, ein wenig übertreiben könnte.

Ich habe immer Schwierigkeiten gehabt, mich dieser Sichtweise anzuschließen. Das hat viel damit zu tun, dass ich oft auf das stoße und es mir dann auch genau ansehe, was andere Autoren den lieben langen Tag so treiben. Und dann schaue ich auf mein vergleichsweise geringes Arbeitspensum und denke mir, dass ich scheinbar das, was ich mir als Hobby, als Berufung ausgesucht habe, nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit oder Zielstrebigkeit behandle.

Daraus entsteht Druck. Und wenn ich auch unter Druck alles in allem ziemlich gut arbeite, wird es doch ab einer gewissen Stärke schwer, diesen Druck in Produktivität umzumünzen und ihn nicht als Belastung wahrzunehmen.

Druck mag gut sein, Belastung kann es nicht sein – unter keinen Umständen.

Während der Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Scylla Verlag bin ich durch einige teils sehr heftig widersprechende Emotionen und Haltungen durchgegangen. Während ich nie daran gezweifelt habe und auch nicht daran zweifle, dass mein Weg als Autor auch jenseits dieses Vertrags weitergehen wird, gab es doch Tage, an denen ich einfach das Gefühl hatte, dass ich jetzt vielleicht erst einmal verarbeiten sollte, was da eigentlich gerade passierte.

Doch das Gegenteil war der Fall. Ich habe mich umso stärker in die Arbeit gestürzt und weitergemacht, als sei alles wie es immer gewesen ist. Das hat auch eine ganze Weile so funktioniert.

Bis dann, irgendwann Ende Mai, das Gefühl stärker wurde, dass ich so nicht mehr weitermachen konnte. Jedenfalls nicht mehr sehr lange. Kurz gesagt gelangte ich an einen Punkt, an dem ich bei einigen der Dinge, die ich tat, nicht mehr wusste, ob ich sie jetzt tue, weil ich gerade Lust darauf hatte, weil sie das waren, was ich tun wollte, oder ob ich sie nur tat, weil irgendwer, ein völlig unspezifiziertes fremdes Gesicht, von mir erwartete, dass ich diese Dinge tue.

Ich fing an, mechanisch zu werden. Meine Tagesziele zu erarbeiten und dann, wie bei einer ungeliebten Zwangsarbeit, einen Haken dahinter zu setzen. Mehr Schweiß als Fleiß, mehr Transpiration denn Inspiration.

Eines kam zum anderen. Ich merkte, dass es für mich immer schwerer wurde, einerseits produktiv zu sein, zu schreiben, andererseits meinen „sozialen Verpflichtungen“ nachzukommen. Entweder schrieb ich, oder ich beantwortete E-Mails, Blogkommentare, sonstige Kommunikation. Und egal, was ich nicht tat, es sorgte für ein schlechtes Gewissen.

Und ich stelle mir die Frage: Tue ich das, was ich tue, weil es wirklich mein Interesse ist, oder nur, um das schlechte Gewissen zu beruhigen!?

Gerade eben stecke ich darin, diese Frage für mich zu beantworten, diese Antworten zu bewerten und mich neu zu sortieren. Daran zu arbeiten, ohne tatsächlich zu arbeiten, dass sich dieser Knoten wieder entwirrt und alles klar und deutlich vor mir liegt.

Und deswegen brauche ich diese Pause. Deswegen schreibe ich im Moment nicht. Deswegen finde ich in den sozialen Netzwerken nicht statt. Deswegen keine neuen Blogbeiträge.

Es tut mir leid, wenn einige von euch auf Antworten warten, oder wenn ich mich mit Kommentaren und dergleichen rar mache. Aber ich brauche diese Zeit jetzt, um gestärkt daraus hervor zu gehen. Ich tue im Moment Dinge, die ich länger nicht getan habe. So, wie zum Beispiel einfach mal in der Mittagspause in einem Buch zu lesen, als krampfhaft zu versuchen, originell an einem zu schreiben, nur um diesen Punkt von der Tagesordnung streichen zu können.

Ich gebe keine Prognose dazu ab, wie lange dieser Zustand noch andauern wird. Aber ich weiß, was eintreten muss, damit er endet:

Ich muss wieder Bock darauf haben, mein Garn zu spinnen. Es muss mir eine Herzensangelegenheit sein, meine unmaßgebliche Meinung in die Welt zu setzen. Und es muss mich ernstlich in den Fingern jucken, was auch immer zu schreiben. Nicht, weil mich ein schlechtes Gewissen oder ein Gefühl von Verpflichtung dazu antreibt, sondern weil ich schlicht nicht anders kann.

Weil ich eben ein Autor bin.

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14 Gedanken zu “Wieso die Pause wichtig für mich ist

  1. lunaewunia schreibt:

    Hallöchen Michael!

    Das hat mich nun aber gefreut, von dir zu lesen… Vielleicht fasst du es als Floskel auf, doch es ist tatsächlich ernst gemeint… Ich habe in der letzten Zeit einige Male an dich gedacht (so gut man eben an jemanden denken kann, den man nicht persönlich, sondern nur aus Artikeln im Internet und einigen ausgetauschten Kommentaren kennt) und mich gefragt, wie es dir jetzt wohl gehen mag und hoffte sehr, dass du eine gute Zeit nimmst – vielleicht eben auch einfach eine Auszeit von dem Ganzen.
    Ich denke, das ist in jedem Fall gut, ab und an mal eine Pause zu machen, sich zu justieren, zu überdenken – erst recht, nachdem ein Vertrag geplatzt ist…
    Ich kenne tatsächlich das Gefühl, welches deinem vielleicht nahe kommt, dass ich etwas aus den Augen verliere… Das Gefühl, lieblos zu werden. Wenn man arbeitet und arbeitet, schreit und schreibt, sodass man nicht mehr von einer Liebe zu dem, was man tut, getrieben wird, sondern nur auf dem Mechanismus heraus, das ja nun tun zu müssen. Nach dem Motto „Ich habe mich dazu entschieden, Autor zu sein, also schreibe ich“ Dann kommen die Zweifel, dass ich doch kein wahrhaftiger Autor sein kann, wenn ich wie ein Roboter stur ein Ziel verfolge, wie ein Jura- oder Medizinstudent. Dabei ist das dann ja blödsinn, natürlich kommt der Wunsch, zu schreiben, daher dass es nunmal das ist, was mich durch und durch erfüllt – doch ab und an kann man so etwas im Alltag aus den Augen verlieren. Wie eine liebevolle und ehrliche Beziehung, in die sich aber unbemerkt tödliche Routine einschleicht.
    Doch zum Glück ist es eben nicht tödlich und wenn man kurz inne hält, sich an sich selbst erinnert, kommt alles wieder.
    Und ich freue mich darauf, wenn sich das bei dir einstellen wird.
    Weil du ein Autor bist 😉

    Liebste Grüße!

    P.S.: Übrigens kein Thema, wenn du aufgrund der Auszeit nicht antwortest 😉

    Gefällt 4 Personen

    • Liebe Luna,

      ich fasse das keineswegs als Floskel auf, sondern freue mich sehr darüber. Zeigt es mir doch, dass es, wenn auch manchmal noch so vagen, Zusammenhalt unter den verschiedenen Bloggern und ihren Kommentatoren (oft genug ja auch gegenseitig in wechselnden Rollen) gibt. Das wusste ich zwar eigentlich schon, aber es ist immer schön, solche Dinge bestätigt zu finden 🙂 .

      Das Bild mit der Beziehung, das du da heranziehst, finde ich sehr passend. Es gibt Phasen, in denen alles wie von alleine und in bestem Einvernehmen läuft und dann gibt es Phasen, in denen alles zäh wie Kaugummi ist, man anfängt, manche Dinge zu hinterfragen und an ihnen zu zweifeln.

      Beim Schreiben kommt noch hinzu, dass man wirklich an allen (Internet-)Ecken und Enden auf Leute trifft, die einem erzählen, wie man es „richtig“ macht. Jeder tut das in bester Absicht, keine Frage. Aber was nutzt es, wenn man gerade selbst nicht weiß, wo einem der Kopf steht!?

      Viele würden die Pause, die ich jetzt einlege, als „geht gar nicht“ einordnen. Ein Autor muss dran bleiben, möglichst mehrere Eisen gleichzeitig im Feuer haben, nie verzagen und schon gar nicht aufgeben. Wer rastet, der rostet und die Leser warten auch nur eine gewisse Zeit lang.

      Andere, so wie z.B. du, haben schon länger darauf hingewiesen, dass es nichts bringt, wenn man Dinge erzwingen will.

      Steter Wind, der sich nicht für eine Richtung entschließen mag und in dem man, wenn man einmal zu straucheln begonnen hat, im Wortsinne hin und her gerissen wird.

      Äh, ich fürchte, ich habe den Faden verloren. Jedenfalls danke ich dir für deine lieben Zeilen! 🙂

      Liebe Grüße
      Michael

      Gefällt 1 Person

      • lunaewunia schreibt:

        Hey ho 😉

        Ich muss ja sagen, das geht mir mittlerweile im Internet dann doch auch etwas auf die Nerven… Wenn man auch Schreibende und Autoren trifft, die zu allem ihren Senf in einer Art und Weise abgeben, als wären sie mit aller Weisheit beschenkt… Schön und gut, wenn die eigene Vorgehensweise für einen selbst klappt, doch so etwas auf andere überzustülpen finde ich nicht richtig. Genauso, wenn man merkt, dass sich in manchen Kurzgeschichtenforen nicht auf die Geschichten eingelassen wird, sondern sie allein nacht dem Kriterium bewertet werden, ob der Leser das genauso geschrieben hätte, oder nicht…
        Um zu meiner Aussage zu kommen: Ich finde es blödsinn zu sagen, man muss immer wie ein Irrer schreiben, wenn man sich Autor nennen will. Ich meine, man ist doch ein Mensch. Ein Sportler rennt doch auch nicht 24/7 nen Marathon. Der sitzt auch mal auf dem Sofa und schaut nen Tatort…

        Doch damit ich nicht Teil des Sturms werde, der dich hin- und her wirft, möchte ich nur sagen: Hör einfach auf niemanden, als auf dich selbst 😉
        Verdammt, aber das ist ja nun auch wieder ein Tipp…
        😉

        Liebe liebe Grüße!
        Luna

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  2. Lieber Michael, ich folge Dir seit, ach, keine Ahnung, vielleicht sind es 6 Monate, in diesem Blog. Und ich bin jedesmal erfreut, einen Blogbeitrag von Dir in meiner TL zu sehen und lese ihn fast immer. Und gleichzeitig imponiert mir oft die Länge und z.T. auch die Tiefe Deiner Gedanken, Analysen, Beobachtungen etc … Deine Blogzeit ist auch Schreibzeit, das will ich damit sagen. Auch das ist Autorenleben, ein wichtiger Part, wie ich finde, das weißt Du aber selbst. Ich kenne von Dir zwei Geschichten. Die Clue-Challenge Nummer Sechs (bei der ich als Sven van Kagen auch mitgemacht habe). Und Deinen „vertonten“ Beitrag in einer der beiden Clue Writing Anthologien. Beide fand ich klasse! Ich würde mich über mehr freuen … Dies als Feedback an Dich als Autor 🙂 Wünsche Dir eine inspirierende Pause!

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    • Vielen lieben Dank für diesen schönen, aufbauenden, motivierenden Kommentar! Als ich ihn, vorgestern schon, gelesen habe, ist mir ein ganz, ganz strahlendes Lächeln über die Lippen gehuscht.

      Es freut mich sehr, dass dir die beiden Geschichten gefallen haben. Die Geschichte aus „Schmerzlos“ möchte ich irgendwann gerne als ein Fragment, vielleicht auch nur als Teil des Hintergrunds, für eine längere Erzählung verwenden. Ebenso wie die beiden Geschichten „Abschnitt 238/a“ und „Jupiters Moorland“, die in der gleichen „Welt“ spielen und die du hier im Blog findest, wenn du magst.

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  3. Wie ich schon neulich hier im Blog zu dem Thema schrieb: Wenn aus Spaß plötzlich – sagen wir – anstrengende Arbeit wird, ist es absolut richtig, das Pensum runterzuschrauben oder sich einfach mal eine Auszeit zu gönnen. Ich persönlich mache das bspw. jedes Jahr mit einer Sommerpause in meinen Blogs, weil ich sonst auch irgendwann an einen Punkt zu geraten drohe, an dem ich einfach keine Lust mehr habe und den Spaß daran verliere, weil es zur Belastung und zu einer Art Pflicht verkommt. (Hilfe, was für ein Satz; aber der bleibt jetzt so …) Deshalb abwarten, bis es dir wieder richtig in den Fingern kribbelt und dann mit neuem Elan an die Tasten. Dabei kommt dann für gewöhnlich das beste Ergebnis heraus, als wenn man sich zwingen muss, etwas zu schreiben/veröffentlichen.

    Gefällt 4 Personen

    • Ja, Marcel, auch du gehörst zu den Menschen, die es, aus jetziger Sicht, richtig eingeordnet haben. Ich muss, was das angeht, scheinbar noch sehr viel lernen. Bis jetzt habe ich eine reguläre Pause z.B. nicht einmal während meines Urlaubs eingelegt. Internet gibt es schließlich überall. Mal sehen, wie ich diesmal damit umgehe.

      Ich danke dir für deine Erfahrungen und die damit verbundene Aussicht auf Erfolg!

      Gefällt 2 Personen

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