Zurück nach Polen (WiP)

Zunächst einmal vorneweg: Wie ihr seht, habe ich den Beitrag als (WiP) gekennzeichnet. Das steht natürlich für das allseits bekannte „Work in Progress“, für das mir keine auch nur halbwegs so griffige deutsche Übersetzung bekannt ist. Mit diesem Kürzel und in der entsprechenden Kategorie möchte ich zukünftig die Beiträge kennzeichnen, in denen es um den Fortschritt meiner Schreibtätigkeit und um das aktuelle Projekt geht. So viel nur als Erklärung dazu 🙂 .

Heute geht es also um meine Rückkehr nach Polen. Natürlich bin ich nicht selber nach Polen gefahren. Das wäre auch ziemlich dumm, wenn ich von Duisburg aus dorthin fahren würde, wo ich doch noch vor einer Woche, in Mecklenburg, deutlich näher dran gewesen wäre.

Aber ich bin in Gedanken und im Schreiben nach Polen zurückgekehrt und habe gleichzeitig eine Zeitreise in den Winter des Jahres 1942/1943 hinter mich gebracht. Und wie bei allen großen Reisen war das gar nicht so leicht, wie es sich jetzt liest.

Ihr kennt vielleicht das Gefühl und auch die Schwierigkeiten, wenn ihr ein Buch zu lesen begonnen habt und dann mittendrin eine Pause von, sagen wir, zwei Monaten einlegt. Wenn ihr das Buch wieder zur Hand nehmt, dann müsst ihr euch erst einmal erinnern, wo in der Handlung ihr gerade gewesen seid. Vielleicht fremdelt ihr auch ein wenig mit den Figuren, die euch so begegnen. Und manchmal muss man sogar vorher ein wenig quer lesen, um überhaupt alle Zusammenhänge wieder parat zu haben.

So – und jetzt potenziert ihr das Gefühl mit fünf und ihr habt ungefähr den Zustand, den ich hatte, als es darum ging, wieder in meine Handlung und zu meinen Figuren zurückzukehren.

Als ich Tomasz und seine Frau Klaudia verlassen habe, saßen sie gerade am Tisch in ihrer kleinen Küche und führten ein Gespräch mit einem Mann, der zu ihnen gekommen ist, um entweder seinen Willen durchzusetzen oder dafür zu sorgen, dass sie in absehbarer Zeit unglaubliche Probleme in ihrem Leben bekommen.

Ich konnte die drei vor mir sehen. Den Eindringling, wie er selbstsicher und mit einer geladenen Waffe vor sich auf dem Tisch seine Forderungen stellt. Klaudia, wie sie schockiert und ungläubig darauf reagiert. Und Tomasz, aus dessen Perspektive ich meine Geschichte schreibe, wie er, durch die Waffe zur Untätigkeit verdammt, beinahe vor Wut und Frust platzt.

Aber sie zu sehen, das ist nur das eine. Ihnen zuzuhören und ihr Gespräch in eine Form zu gießen, die hinterher auch für den Leser spannend ist, das ist etwas ganz anderes.

Wenn man noch dazu mitten in eine Unterhaltung einsteigt, die seit zwei Monaten in der Schwebe gehangen hat, dann ist es gar nicht so leicht, trotz Nachlesens, zu sortieren, was bereits gesagt wurde, was unausgesprochen bleiben soll und was noch gesagt werden muss. Ich musste mich sehr am Riemen reißen, um nicht alles, was bereits in dem Gespräch angesprochen wurde, noch einmal wiederzukäuen, weil für mich diese lange Zeit vergangen war und ich das Gefühl hatte, ich müsste dem Leser eine Zusammenfassung an die Hand geben.

Aber für den Leser wird nur ein Moment vergangen sein, bis er liest, was im Juni war und was nun ist. Er braucht keine Zusammenfassung.

Die Lösung war für mich, die Unterhaltung möglichst schnell zu einem passenden Ende zu führen. Damit war die Szene „im Kasten“ und ich konnte mich gedanklich auf den nächsten Schritt einstellen.

Alles in allem hat das ganz gut geklappt und ich bin jetzt in der Szene, in der das Ehepaar zusammen mit dem befreundeten Dorftrottel (der, lange Geschichte, gar nicht so trottelig ist) versucht, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Natürlich wird das alles gar nicht so einfach werden, sonst wäre es ja langweilig.

Ich denke also, dass ich ganz gut wieder in Polen angekommen bin. Natürlich muss ich im Zuge der Überarbeitung die zwangsläufig eingeschmuggelten Ecken und Kanten glätten. Aber das ist ja immer so.

Schauen wir also, wie es weiter geht. Ich bin erst einmal froh, den Wiedereinstieg geschafft zu haben 🙂 .

PS extra für Luna: gestern und heute zusammen 3.551 Wörter 😉 .

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8 Gedanken zu “Zurück nach Polen (WiP)

  1. Diese Problematik kenne ich nur zu gut. Auch ich muss dann dann beim Einlesen häufig Sequenzen verändern und dann tierisch aufpassen, dass ich nicht Situationen, die ich scheinbar vergessen habe, dann an anderer Stelle finde, also doppelt beschrieben habe. Was wiederum dazu führt, dass ich entscheiden muss, wohin denn nun betreffender Gedanke besser passt. Dazu muss ich mir zuerst vor Augen halten, warum ich welche Beschreibungen vorher später angesetzt habe. Also einfach drüberlesen und weitermachen ist nicht.

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  2. lunaewunia schreibt:

    Haha, na ich bin beeindruckt! ^^

    Sehr schön, dich wieder im Manuskript zu wissen 🙂
    Ich weiß ziemlich genau, was du meinst… Obwohl ich noch nie eine derartig lange Pause hatte, die Längste bei meinem aktuellen Projekt dauerte glaube ich einen Monat, vllt ein bisschen länger… Alle vorherigen Projekte haben diese Pause schlicht nicht überlebt^^
    Doch ich finde es auch allgemein sehr seltsam, wenn ich weiß, meine Szene ist unvollendet und ich lasse sie dennoch liegen. Dann wird mein schlechtes Gewissen, dass mich ohnehin befällt, wenn ich an den Roman denke, um einiges größer, wenn ich die Charaktere hilflos eingefroren in einem Gespräch oder ähnlichem feststecken sehe… Das muss so unfassbar anstrengend fur die armen sein 😉

    Gefällt 1 Person

    • Na, ich habe leider auch mein Häuflein an Projekten, welche die Pause nicht überlebt haben 😦 .

      Aber einige von ihnen sind nur aufgeschoben und nicht vergessen. Ich will auf jeden Fall noch mal darauf zurückkommen.

      Aus der Sicht meiner Romanfiguren habe ich das noch gar nicht betrachtet! Das würde bedeuten, dass gerade (seit längerem) irgendwo in einer anderen Geschichte jemand in tiefster Nacht auf einer kleinen Insel im Sumpf steht und auf der Suche nach einer Geistererscheinung die Gegend taxiert. Oh weh …

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