Schwerer als gedacht, dieses Autorenleben

Eigentlich sollte das alles ein grenzenloser Spaß und Quell der Freude sein. Findet ihr nicht auch? Alles das, was man freiwillig in seiner Freizeit macht, was man sich selber als Beschäftigung ausgesucht hat, das sollte doch etwas sein, das einem leicht fällt und an dem man, wenn auch nicht alle, doch die meisten Aspekte wertzuschätzen weiß.

Das gilt, vielleicht noch stärker als für andere Hobbies, für alle künstlerischen Dinge. Gefühle wie Langeweile, wie das Zaudern, wie das Zweifeln oder wie das der Überforderung sind Gift für die Muse, ohne die es nun einmal nicht geht. Sie verzieht sich dann fluchtartig auf ein sicheres Terrain, sinkt in sich zusammen und wartet darauf, dass der Sturm oder die Nebelbank sich wieder verzieht und der Autor wieder klare Sicht hat.

Vor fast drei Wochen habe ich meine sogenannte Schreib- und Blogpause beendet. Und ich muss selbstkritisch feststellen, dass es nicht an jedem Tag Spaß macht. Freude auch nicht. An manchen Tagen ist es einfach nur schwer und aufreibend und ermüdend. Gefühle und Empfindungen, die ich auch vor der Pause schon gehabt habe.

Soll das nun bedeuten, dass die Pause zu kurz gewesen ist? War sie zu lang? Ist der Muskel, der all dies am Laufen hält, vielleicht zu sehr eingerostet gewesen, als dass ich ihn mit einem Kaltstart wieder richtig reaktivieren konnte?

Tatsache ist, dass manche Dinge einfach nicht so funktionieren, wie ich sie gerne hätte. Mein Schreibpensum ist pro Woche nicht einmal halb so hoch, wie ich es einmal anvisiert hatte. Aber das betrifft nicht nur meinen Roman oder diesen Blog. Es betrifft all die anderen Aktivitäten, die daneben stattfinden, und die etwas mit Schriftsprache zu tun haben. Fragt doch mal die Menschen, die mir Nachrichten geschickt haben und dann eine Woche (oder länger) darauf warten, dass ich ihnen antworte.

Nun ist es nicht so, dass ich mich durch äußere Umstände nicht in der Lage sähe, zu schreiben. Ich hätte die Zeit, ich hätte die Gelegenheit und ich hätte auch den Freiraum. Was ich nicht habe, ist an vielen Tagen die verdammte Motivation. Die Kraft dazu.

Ich weiß nicht, ob das immer noch diese verdammte Schreib-Depression ist, die mich zwischendurch im Griff hatte. Aber es fühlt sich an manchen Tagen genau so an. Ein Kennzeichen für eine depressive Episode ist ja, dass man mit einem Mal keinen Elan und keine Freude mehr für Dinge empfindet, die einem vorher Spaß gemacht haben.

Wenn ich dieses Kennzeichen als Maßstab anlege, dann kann ich nicht anders, als besorgt zu sein. Meine Reaktion Ende Mai war, einfach alle Bemühungen einzustellen und die Zeit für mich arbeiten und wirken zu lassen. Wie gesagt, vielleicht war es zu wenig Zeit. Aber in dem Zwiespalt zwischen Abwarten und Kämpfen habe ich mich für den Kampf entschieden. Und ich habe nicht vor, diesen nach nicht einmal drei Wochen aufzugeben.

Nur sollte ich ehrlich zu mir sein und nicht versuchen, es einfach zu ignorieren. Die Schwierigkeiten sind da. Das Gefühl, nur Minderwertiges zu sagen zu haben, ist da. Der Zweifel an mir, meiner Rolle in diesem Autorenleben und dem, was damit zu tun hat, die sind da.

Vielleicht könnte man sagen, dass ich auf der Suche nach meinem Platz bin. Auf der Suche nach meiner Identität. Und danach, den Graben zu schließen, der zwischen dem Autorendings und dem „richtigen“ Leben besteht.

Damit meine Muse mir irgendwann beruhigt die Hand auf die Schulter legen, mir aufmunternd zunicken und mich wieder in die richtige Richtung führen kann. Bis dahin geht die Suche weiter. Ich bin gespannt, was ich wo finden werde. Vielleicht sehen wir uns ja dort.

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7 Gedanken zu “Schwerer als gedacht, dieses Autorenleben

  1. Sonja schreibt:

    Finde ich interessant, dass du diesen Zustand mit einer Depression vergleichst. Und tatsächlich scheint es ja auch Parallelen zu geben. Aber gibt es auch klare Unterschiede zu einer Depression? Immerhin machst du weiter und schreibst, wenn auch weniger als du wohl könntest oder möchtest. Dennoch würde ich das als positiv werten und mich auch fragen, ob da mehr hinter der Kraftlosigkeit bzw. Energiemangel steckt, oder ob das so ok ist. Was sagst du?

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    • Tja, Sonja, wenn ich das wüsste, ob und was da mehr dahinter steckt. Muss ich wohl mal herausarbeiten. In der Tat bin ich im Moment auch körperlich nicht zu 100% auf der Höhe.

      Klare Unterschiede … ich habe die Erfahrung gemacht, dass Depression sich für mich nicht immer gleich anfühlt, nicht immer im selben Gewand daher kommt. Ich habe auch oft erlebt, dass sie sich auf einen Teilbereich meines Lebens beschränkt oder besser „einschießt“. Die Phasen, in denen alles scheiße zu sein scheint, sind zum Glück länger schon vorbei.

      Aber weiter macht man doch immer irgendwie. Muss man ja, oder nicht?

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  2. lunaewunia schreibt:

    Diese Suche nach dem eigenen Platz in der schreiberei…. Die fehlende Motivation… Dann die logische Frage, wo nun genau der Sinn der Sache liegt….
    Und irgendwann das Gefühl, dass alles nachlässt…
    Aber irgendwie kann man da doch wieder raus kommen, oder?
    Wenn man sich zwingt, irgendwo etwas zu fühlen, das einem Positivität bringt…
    Ich hoffe, dass es nicht in eine Form. Der Depression für dich ausartet… Denn ich denke, auch wenn du nicht so gut voran kommst, wie du gerne möchtest… Du kommst voran!
    Und in kleinen Schritten kannst du es schaffen 😉
    Meinst du, es gibt jemanden, der dich anspornen kann? In solchen Phasen hilft mir mein bester Freund, der mich jeden Abend anschreiben oder anruft und fragt, wie ich voran gekommen bin. So ein pusher ist Gold wert…
    Liebe Grüße

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    • Das mit dem Ansporn ist schwer, weil ich in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht habe, dass dieser Ansporn, wie du ihn beschreibst, in Druck ausarten kann.

      Druck ist generell ein wichtiges Thema. Ich vergleiche halt meine momentane Leistungs- und Motivationsfähigkeit mit dem, wozu ich schon mal in der Lage war. Da ist es schwer, die kleinen Schritte zu akzeptieren.

      Ich muss jetzt vor allem zusehen, dass ich nicht dahin gehe, das alles zu generalisieren. Das Leben bietet so viel mehr als Schreiben. Schwer vorstellbar und nicht alles sinnvoll, aber doch da. Ich will und muss den Mittelweg finden. Ob das dann auch der Königsweg sein kann – frag mich nicht.

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  3. Katinka schreibt:

    Ein sehr ehrlich Beitrag. Und ich bin auch froh, diese Zeilen zu lesen, denn ich habe oft ähnliche Gefühle. Ich habe keinen Rat für dich, schon gar keine Lösung. Aber fühl dich gedrückt und verstanden.

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    • Danke, Katinka. Es freut mich, wenn du dich in meinem Beitrag wiederfindest – okay, klingt vielleicht in Anbetracht des Themas widersprüchlich, aber manchmal können solche Erfahrungen ja auch verbindend wirken. Und sich verstanden zu fühlen ist sowieso immer wichtig. Danke nochmals! 🙂

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