Namenswechsel – und wie man es meiner Meinung nach nicht machen sollte

Ergänzend zu dem Beitrag von gestern, dessen Kommentare mir bereits einiges an Denkanstößen geliefert haben, vielen Dank dafür, möchte ich noch kurz ein Beispiel vorstellen, wie man, meiner Meinung nach, den Namenswechsel einer Figur nicht aufziehen sollte.

Vorweg geschickt möchte ich sagen und um Verständnis dafür bitten, dass ich weder den Namen des Autors noch den des Romans hier nennen möchte. Es handelt sich um ein ziemlich aktuelles Werk, das von der Geschichte her durchaus interessant ist und mir auch beim Lesen Spaß gemacht hat. Deswegen möchte ich es nicht wegen dieses einen Details anprangern.

Wobei das schon eines der Probleme ist, die ich mit dem Namenswechsel gehabt habe: Er kam nämlich aus vollkommen heiterem Himmel, war in keiner Weise durch die Geschichte motiviert und hatte auch bis zum Schluss keine storyrelevante Bedeutung.

Es schien dem Autor einfach wie eine gute Idee vorgekommen zu sein, dieser Figur, immerhin Agent eines deutschen Geheimdienstes, einen neuen Namen zu verpassen.

Nun sind Agenten und Doppel-Agenten und Doppel-Doppel-Agenten natürlich prädestiniert dafür, sich mehrere Identitäten zu leisten. Sollen sie. Habe ich gar keinen Stress mit. Das größte Problem, das ich damit hatte, war nur, dass es für sprichwörtlich niemanden ein Problem gewesen ist.

Diese Figur änderte ihren Namen (noch dazu von einem deutschen Namen in einen englischen) und es wurde von allen anderen Figuren ohne Nachfrage akzeptiert. Es hat auch niemand mehr den alten Namen verwendet, an die Figur unter diesem Namen gedacht, oder sich daran erinnert, dass der Mann ursprünglich mal einen anderen Namen hatte.

Für mich als Leser war das verwirrend, weil ich eben nicht erkennen konnte, was das jetzt eigentlich sollte. Ich könnte mir vorstellen, dass es in einem weiteren Band (das Ganze ist als Reihe konzipiert) vielleicht noch einmal aufgegriffen wird. Oder vielmehr, ich hoffe, dass es so ist.

Aber nicht nur, dass die Figuren, die mit dem Namenswechsler zusammenarbeiteten, von Stund‘ an den neuen Namen benutzten und akzeptierten. Sowohl die Antagonisten, die ihn unter dem alten Namen kannten, als auch die Vertreter der Polizei, schluckten den neuen Namen widerstands- und widerspruchslos und verwendeten ab sofort diesen.

Der alte Name tauchte in keiner Weise mehr auf, auch nicht in den Gedanken dieser Person. Es war, als habe es ihn nie gegeben.

Halten wir also fest: Eine Figur änderte scheinbar grundlos und doch von allen akzeptiert ihren Namen. Es hatte keine Bedeutung für die Geschichte oder ihren Verlauf. Das einzige, wofür es gesorgt hat, war Verwirrung bei mir als Leser.

Spätestens, als ich das gelesen hatte, war mir klar, dass ich mit dem Namenswechsel in meiner Geschichte gut aufpassen, ihn gut unterfüttern und dann, nach Möglichkeit, auch plausibel durchziehen sollte.