Format-Wirrwarr – Wieso wir den Leser nicht überfordern

Gestern klingelte bei mir mal wieder der Postbote und brachte mir, nein, kein neues Buch, sondern zur Abwechslung mal wieder einen neuen Film. „Shin Godzilla“ heißt das Machwerk und markiert die Rückkehr der Japaner zur Umsetzung ihres Königs der Monster nach etwas um die 13 Jahren – und parallel zu den Bestrebungen von Warner, sich ein eigenes „MonsterVerse“ rund um die Gigantoechse und den Riesenaffen King Kong aufzubauen.

(Hatte ich eigentlich hier eigentlich schon mal erwähnt, dass ich eines Tages, wenn ich so berühmt bin, dass ich mir schlichtweg alles erlauben kann, auch einen „gigantische Monster machen alles platt, was ihnen in den Weg kommt“-Roman schreiben möchte?)

Da unsereins ja leider unterhalb der Woche kaum noch dazu kommt, sich wirklich auch mal einen Film anzusehen, wanderte auch dieser erst einmal ins entsprechende Regal. Aber vorher wollte ich mir doch einmal ansehen, was es denn mit dieser Digitalkopie auf sich hat, die bei immer mehr Filmen inzwischen der Scheibe beiliegt.

Wir wissen es ja nicht erst seit der Erfindung des eBooks: Die Medienwelt um uns herum wird zunehmend eine digitale. Früher war das anders. Wenn man Musik hören wollte, legte man eine CD, eine LP oder eine Kassette in den Player. Sollte es ein Film sein, dann war die Videokassette, die DVD oder die Blu-ray das Format der Wahl. Und um zu lesen ging man einfach an den Bücherschrank und las, genau, ein Buch.

Heute haben wir unseren eReader, wir haben Gigabyte von Musik auf unseren Smartphones, wenn wir sie nicht sowieso schon genauso streamen, wie anderenorts unser Fernseh- und Filmprogramm. Dabei sind die unterschiedlichen Lösungen natürlich im Normalfall extrem voneinander abgeschottet.

Im Buchsektor haben sich, zumindest in Deutschland, die Formate von Amazon und das wesentlich offenere .epub, verwendet von der Tolino-Allianz, durchgesetzt. Andere Formate, wie zum Beispiel das aus der Dokumentenverwaltung bekannte PDF, spielen nur eine Rolle am Rande.

Ich habe schon Diskussionen zwischen Autorinnen und Autoren mitverfolgt, in denen es darum ging, ob es nicht für den Leser verwirrend sein könnte, wenn er sich mit diesen Formaten auseinander setzen muss. Diese Diskussionen kommen immer dann auf, wenn sich die Frage stellt, ob man sich zum Beispiel für eine gewisse Zeit exklusiv an Amazon und seine Publishing-Plattform binden kann, soll oder sogar muss.

Dann heißt es häufig, dass damit viele Benutzer ausgesperrt würden, was rein technisch nicht ganz stimmt, wenn man weiß, wie es gemacht wird, aber dann doch so umständlich ist, dass es den berühmten „Oma-Test“ nicht bestehen würde.

Aber wenn man einmal davon absieht, dass es Gründe aus dem Bereich des Marketings gibt, die dafür sprechen, entweder die eine oder die andere Plattform zumindest für eine gewisse Zeit zu bevorzugen, ist es doch ganz überwiegend so, dass die meisten Bücher früher oder später in beiden Formaten zur Verfügung stehen. Oder halt ganz auf die althergebrachte Art als gedrucktes Buch.

Aus diesem Grund war ich so naiv anzunehmen, dass es auch bei der sogenannten Ultraviolet-Kopie meiner Blu-ray so einfach sein könnte. Die Benutzung des Wortes „naiv“ macht schon deutlich, dass ich mich ein wenig geirrt hatte.

Auf der Scheibe ist ein Code aufgedruckt, der nichts anderes als ein Gutschein für ein Filmportal ist. Wie ich dieses Filmportal erreiche, stand im beiliegenden Flyer. Eine Website war aufzurufen und eine Anmeldung beim Portal von UltraViolet vorzunehmen. So weit, so erwartbar.

Der nächste Schritt sah vor, alles dahingehend zu untersuchen, ob ich überhaupt in der Lage war, den erworbenen Film abzuspielen. Nein, war ich nicht, weil ich dafür einen Browser benötige, der Microsofts Silverlight (eine mittlerweile ziemlich tote Alternative zu Adobes Flash, das ja ebenfalls schon angefangen hat, zu müffeln) abspielen kann. Googles Chrome kann das nicht. Und zu meiner Verwunderung auch Microsofts Edge nicht. Der Internet Explorer, der als Scheintoter ja auch noch in Windows 10 vorhanden ist, der kann Silverlight spielen (und Firefox, worauf ich aber jetzt nicht gekommen wäre, nachdem Chrome streikte).

Wunderbar, damit hätte ich mir meinen Film anschauen können. Jetzt wollte es der Zufall so, dass mir beim Einsortieren ein weiterer UltraViolet-Film in die Hände gefallen war. „Storm Hunters“ aus dem Hause Warner. Gut, dachte ich mir, fügst du den eben schnell der Bibliothek hinzu.

Schon wieder naiv.

Denn den Film gab es nicht direkt bei UltraViolet, den gab es nur beim Portal Videociety, für das eine erneute Anmeldung und eine erneute Prüfung des Rechnerumfelds nötig wurde. Immerhin konnten die beiden Benutzerkonten miteinander verbunden werden, so dass beide Filme auf beiden Plattformen abgespielt werden können.

Und dann war da noch der dritte Film, „Suicide Squad“, mit dem ich jetzt aber endlich schauen wollte, wie einfach das doch alles ist mit dieser wunderschönen neuen … ihr ahnt es.

Nein, „Suicide Squad“ gibt es weder bei UltraViolet noch bei Videociety. Dafür muss ich mich bei Flixster anmelden, aber immerhin wird alles in die gleiche Videothek übernommen. Ach so, mit der Ausnahme, dass sich „Shin Godzilla“ nicht über Flixster abspielen lässt, wieso auch immer. Aber ansonsten ist das alles eine Geschichte und ein digitales Format. Ja, wirklich!

Das war der Moment, in dem ich mich fragte, ob wir Autoren es uns mit den Formaten bei den Readern und eBooks nicht schwieriger machen, als es eigentlich ist. Ich meine, wir haben zwei große Formate, die wir bedienen müssen. Gerade für die Selfpublisher unter uns stehen da ja auch alle Wege offen (zumindest, wenn man die Vorteile, die Amazon zum Start durch eine exklusive Bindung bietet, mitgenommen hat).

Vor allem aber zeigt dieses Vorgehen im Bereich der Filme, dass man mit dem Konsumenten anscheinend wesentlich mehr machen kann, als man glaubt, bevor er entnervt sein digitales Abspielgerät in die Ecke pfeffert. Wer diesen ganzen Aufwand betreibt, nur um hinterher auf seinem Tablet von unterwegs einen Film sehen zu können, den er vorher ja schon als Datenträger gekauft hat, der kommt auch damit klar, im Zweifel zwischen zwei eBook-Formaten umzuschalten. Auf dem Tablet sind das ja nur zwei separate Apps.

Im Gegenzug möchte ich mir nicht ausmalen, wie abenteuerlich es wird, wenn ich jetzt versuchen würde, mir auf meinem Smartphone von unterwegs „Shin Godzilla“ anzusehen. Mal davon abgesehen, dass ich auf dem Winzformat nicht einmal lese, geschweige denn Filme schaue.

Mein Fazit: Die Technik hat in Sachen Verfügbarkeit und intuitiver Verwendung noch einiges nachzuholen. Nicht nur bei den eBooks. Das bedeutet nicht, dass wir uns als Autoren nicht anstrengen sollten, es unseren Lesern so einfach wie möglich zu machen. Aber es zeigt deutlich auf, dass andere, größere Medienanbieter mit weitaus schlimmeren, einengenderen und weniger durchdachten Konstrukten durchkommen.

Schöne neue Medienwelt!? Oder doch nur, na ja, naiv eben …

#Autorenwahnsinn, die Sommeredition: Geänderter Modus Operandi

Achtung, wankelmütiger Autor voraus!

Seit einer Woche schreibe ich jetzt mal mehr, mal weniger regelmäßig einen neuen Beitrag zum Autorenwahnsinn 2017 (Sommeredition). Und es ist genau das eingetreten, was ich beinahe schon befürchtet hatte: Ich fühle mich von dem Format auf meinem eigenen Blog ein klein wenig eingeengt.

Gefühlt gäbe es irgendwie an vielen Tagen etwas ganz anderes, etwas „eigenes“ zu berichten und sei es nur, wie die momentane Arbeit so vorangeht. Ich merke ganz einfach, dass diese Challenge zwar auch über einen Blog bestritten werden kann, vorrangig aber für ein in wesentlichen Zügen ganz anderes Medium, nämlich Instagram, konzipiert wurde.

Das, was andere mit einem Bild und wenigen Worten ausdrücken, neigt bei mir dazu, zu einem halben Roman zu tendieren. Das ist nicht die „Schuld“ der Urheber der Challenge, sondern das ist mein ganz eigenes Problem.

Aber wenn ich ein Problem habe, dann hat auch der Blog ein Problem. Nämlich das, dass hier ganz viel und ganz oft etwas zur Challenge geschrieben wird, eigene Inhalte aber auf der Strecke bleiben.

Dazu kommt noch, dass ich, bei nochmaliger Durchsicht, festgestellt habe, dass viele der Punkte aus dem Autorenwahnsinn für mich gar keinen Sinn machen, weil ich entweder Verrenkungen anstellen müsste, um dazu etwas schreiben zu können, oder weil mir gleich mal gar nichts dazu einfällt.

Noch einmal: Keine Verantwortung bei den Schreibwahnsinnigen, nur bei mir. Die Gedanken, die ich mir jetzt gemacht habe, hätte ich mir vielleicht mal vorher machen sollen.

Deswegen werde ich jetzt den Modus Operandi ein wenig anpassen: Ich schaue mir genau an, welche Punkte aus der Challenge für mich Sinn ergeben und welche nicht. Und um die – und nur um die! – werde ich mich dann noch kümmern. Die anderen fallen einfach ersatzlos weg, auch wenn das einem Komplettisten wie mir immer irgendwo körperliche Schmerzen verursacht.

Außerdem werde ich diese Punkte einstreuen, wann ich es für richtig halte. Das heißt, dass dieses „Tag 1“, „Tag 2“,  usw. für mich ab sofort nicht mehr stattfindet. Wenn der Beitrag, der eigentlich mal für den 08.08. gedacht war, erst Mitte September kommt, dann ist das halt so. Dann würde ich ja auch nicht mehr schreiben, dass jetzt „Tag 8“ bearbeitet wird. Ich denke, das ist auch im Sinne der Ersteller der Challenge so okay. Zumal ich ja den Hashtag weiterhin benutzen werde.

Es tut mir leid, wenn jemand händeringend immer auf den neuesten Teil gemäß der Gesamtübersicht gewartet haben sollte. Gerne nehme ich auch Hinweise entgegen, welche Frage ich denn unbedingt beantworten soll. Aber wenn eine Sache mich zu sehr unter Druck setzt, dann ist sie im Sinne dieses Blogs leider zu unterlassen.

Ich schwöre, beim nächsten Mal werde ich es mir genauer überlegen, ob und wie ich wieder an einer so langen Challenge teilnehmen werde. Und ich schwöre, ich werde niemandem böse sein, wenn er oder sie mich daran erinnert 😉 .

Abschließend für den Moment bedanke ich mich auf jeden Fall noch einmal beim Team vom Schreibwahnsinn, dass sie sich die Mühe mit dieser tollen Challenge gemacht haben! Dass es in diesem Sommer, der sowieso schon an so vielen Baustellen für mich ausgefochten wird, nicht hat sollen sein, ist nicht euch anzulasten.

Der Sonntagsreport vom 20.08.2017 – Dreieinhalb Baustellen und nur eine Schaufel

Hallo zusammen,

schon wieder ist Sonntag und schon wieder ist es Zeit für einen entsprechenden Report. Bald gehen hier in NRW die Kinder wieder in die Schule und damit ist dann der Alltag im heimeligen Haus wieder vollends hergestellt. Die letzten Wochen fühlten sich doch ein wenig seltsam an – auch die Tage, an denen ich schon wieder arbeiten gehen musste.

Das Wetter da draußen schlägt ja auch munter eine Kapriole nach der anderen und auch wenn ich normalerweise nicht zu denen gehöre, die über das Wetter bloggen, muss ich doch kurz darauf zu sprechen kommen. Schließlich hat es dafür gesorgt, dass ich am Donnerstag eine berufliche Auszeit „genossen“ habe, die mir immerhin etwas eingebracht hat.

Als ich Donnerstag aus unruhigen Träumen erwachte, fühlte sich mein Schädel wie eine Piñata an, auf die mit mindestens drei Baseballschlägern gleichzeitig eingeknüppelt wurde. Also habe ich mich krank gemeldet und wieder umgedreht. Nur, um keinen wirklich erholsamen Schlaf zu finden.

Zwar bin ich immer wieder weggeduselt, aber das mir ansonsten typischer Weise gelingende „Gesundschlafen“ klappte nur in Ansätzen. Immer wieder schaute ich auf die Uhr, drehte sich in meinem Kopf alles, wenn wieder einmal von einer anderen Seite auf die Piñata eingedroschen wurde, und sank ich wieder in unruhige Träume.

Und einer dieser Träume brachte mir eine Geschichte.

Nun sollte man meinen, dass ein Autor nie einen Mangel an Geschichten hat. Hat er auch nicht. Alleine mit den potenziellen Sequels zu meinen Romanen könnte ich schon jede Menge Schreibzeit füllen (mal ganz davon abgesehen, dass hier noch zwei angefangene Rohentwürfe unfertig herumliegen). Aber das, was sich da in meinem inneren Flusensieb verfangen hatte, war eine wirklich von vorn bis hinten fertige Geschichte.

Ich hatte das Setting, ich hatte die Handlung, ich hatte den überwiegenden Teil der Personen. Wenn es die schon oft diskutierte Möglichkeit geben würde, die Gedanken aus den Träumen mitzuschreiben oder -zuzeichen, ich hätte ein komplettes Storyboard gehabt.

Und das passiert dann dich nicht so häufig, dass es nicht zumindest bemerkenswert wäre.

Was tat ich also? Ich kämpfte mich aus dem Bett hoch, schlurfte an meinen PC und warf Evernote an. Evernote ist, falls ihr es noch nicht kennt, eine Notizbuchsoftware, die sowohl am Desktop als auch auf dem Smartphone genutzt werden kann und sich miteinander synchronisiert. Danach schrieb ich den kompletten Plot in einem runter.

Nur, um mich danach in einem Dilemma zu befinden.

Wie ihr wisst, kann ich mich im Moment eigentlich nicht beklagen, dass ich nichts zu tun hätte, wenn es um das Schreiben und seine Nebenkriegsschauplätze geht:

  1. Das Manuskript von „Der Morgen danach“ musste im ersten Kapitel noch einmal von Grund auf neu überarbeitet werden.
  2. Ich schreibe an der Geschichte „Die Behüter des Wahren“.
  3. Mit einem Auge suche ich nach einer Möglichkeit, „Der Beobachter und der Turm“ und/oder „Darkride“ an den Mann zu bringen.

Gut Nummer drei zählen wir mal als einen halben Punkt.

Aber was nun tun mit der neuen Kurzgeschichte? Zuerst einmal nachdenken. Mir war klar, dass die Geschichte einerseits nicht so lang werden würde, wie „Die Behüter des Wahren“ sich abzeichnen. Andererseits geht es um ein Thema, das auch nicht mal eben so abzutun ist – ich komme gleich noch darauf.

Natürlich könnte ich die Kurzgeschichte einfach liegen lassen. Schließlich ist sie ja geplottet. Aber: Genau jetzt habe ich das Gefühl noch im Bauch, das ich hatte, als ich diesen Traum geträumt habe. Genau jetzt habe ich noch die Emotionen, die beim Aufschreiben des Plots hoch kamen. Und deswegen ist genau jetzt eigentlich der Zeitpunkt, sie zu schreiben.

Da stand ich also mal wieder mit dreieinhalb Baustellen und im übertragenen Sinne nur einer Schaufel in meinen Händen. Es müssen also Kompromisse geschlossen und Dinge ausprobiert werden.

  1. Das erste Kapitel von „Der Morgen danach“ habe ich heute früh noch einmal überarbeitet und dabei die Anmerkungen meiner Lektorin mit berücksichtigt. Morgen werde ich mir das noch einmal durchlesen und ihr dann wieder zusenden (zusammen mit der schon einmal angesprochenen Änderung im hinteren Teil des Manuskripts).
  2. Ich werde „Die Behüter des Wahren“ weiter schreiben, aber
  3. parallel dazu entsteht auch die neue Kurzgeschichte „Das Kind“. Ich muss sehen, dass ich Zeit und Energie zwischen diesen beiden aufteile. Beide Geschichten sind grundverschieden, so dass sich zumindest die Art zu erzählen nicht gegenseitig negativ beeinflussen dürfte.
  4. Und dann die halbe Verlagssuche … ich werde mich mal ein wenig mit Google beschäftigen und auch mit dem Handbuch für Autorinnen und Autoren, das hier im Schrank steht. Beide bringen mich vielleicht auf Ideen, an wen ich mich wenden könnte und sollte. Einfach nur, um das Gefühl zu haben, dass sich in meiner Schublade etwas tut.

Also, so sieht es im Moment aus und ja, ich weiß, dass das verdammt viel ist, wenn man nur eine Schaufel in der Hand hat. Aber ich habe in einem Beitrag der vergangenen Woche über meine Motivation geschrieben und dass dazu auch der „Neid“ auf andere Autoren gehört, die anscheinend immer wieder und immer ganz leicht ihre Projekte verwirklichen. Ich weiß, dass es nicht so leicht ist, wie es aussieht. Aber trotzdem möchte ich etwas gegen dieses Gefühl tun – und das geht nur, indem ich mich auf den Hosenboden setze und „einfach mal“ irgendwas angehe und erledige.

So, das ist jetzt der Plan. Kein ausgeklügelter Plan, aber wenigstens etwas. Bei allen Bauchschmerzen, die ich habe, weil wieder so viele Dinge parallel laufen.

Entlassen mag ich euch aus diesem Sonntagsreport mit dem unkorrigierten Anfang von „Das Kind“. Ich hoffe, dass ich damit ein wenig zeigen kann, wieso es mir wichtig ist, die Atmosphäre so schnell und gut wie mir möglich zu schildern.

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und dass ihr von Wetterattacken möglichst verschont bleiben möget. Es sei denn, sie bringen euch gute neue Ideen ein …

Euer Michael

Das Kind

I. Der Zug

Dunkel ist die Welt dort draußen und dunkel ist auch die Welt im Inneren. Das dröhnende Heulen der Klage, das noch vor wenigen Stunden die Luft erfüllte wie die flirrende Masse eines Mückenschwarms über stehendem Gewässer im Frühsommer, ist lange schon in sich zusammengefallen zu einem leisen Flüstern und Murmeln bangender Ungewissheit.
Sie sind nicht mehr als eine verbringbare Masse, das ist jedem dieser Menschen klar, die dicht an dicht gepresst in dem nach menschlichen Ausscheidungen stinkenden Güterwaggon beieinander stehen. Das Vorrecht zu sitzen genießen nur wenige von ihnen, die besonders Alten und die besonders Jungen. Die Kranken sind, teils unter heftigem Protest ihrer Angehörigen, ganz an den Rand gelegt worden. Dorthin, wo sie von der Wärme der Gemeinschaft nicht mehr erreicht werden können.
Vereinzelt hebt sich eine Stimme, die aber von den Umstehenden schnell zur Ruhe gebracht wird. Der Gespensterzug eilt in monotoner Stille seinem Ziel entgegen.

#Autorenwahnsinn, die Sommeredition: Die Tage 05 und 19

Heute lassen wir das erste Mal einen Tag beim Autorenwahnsinn aus, denn die Frage des 18. Tages hätte sich darum gedreht, was für ein Notizbuch ich im Moment verwende. Die Antwort darauf – gar keins – wäre jetzt nicht besonders interessant gewesen.

Deswegen machen wir nahtlos mit dem fünften und dem neunzehnten Tag weiter, was meint ihr? Gut!

Tag 05: Wenn du mit deinen Protagonisten in den Urlaub fahren könntest … Welcher von ihnen würde dich begleiten? Wohin geht es?

Das ist eine wirklich schwere Frage, weil einem auf die eine oder andere Art natürlich jeder einzelne Protagonist ans Herz wächst. Auch wenn sich der eine oder die andere von ihnen schon einmal ein wenig zickig gezeigt hat in der Vergangenheit. Aber das ist ja bis zu einem gewissen Grad nun auch wieder meine Schuld, aus der ich nicht wirklich herauskomme. Was erschaffe ich auch so freigeistige Charaktere? Andererseits: Wer will schon von Personen lesen, die immer nur das tun, was man ihnen sagt …

Die nächste Frage, die sich sofort anschließt, ist die, ob es sich bei diesem Urlaub nun um einen reinen Erholungsurlaub handeln soll, oder ob es im Urlaub auch ein wenig „Action“ geben darf. Denn dann würde ich mich jeweils für andere Protagonisten entscheiden.

Meine Wahl für einen reinen Urlaub am Strand und in der Sonne wäre Sascha Wolf, der Protagonist aus „Das Haus am See“. Der Grund dafür wäre, dass wir uns in Bezug auf unsere jeweiligen Macken und Problemchen recht ähnlich sind (ach, nee …). Damit wäre wahrscheinlich für hinreichende Harmonie am Pool gesorgt. Trotzdem hätten wir uns genug zu erzählen, dass uns nicht allzu langweilig werden sollte.

Wenn es ein wenig handfester im Urlaub sein darf, dann habe ich die Qual der Wahl zwischen Jakob Dillken, dem Protagonisten aus „Darkride“ und Hinnerk Klagen, dem Protagonisten aus „Die Welt der stillen Schiffe“. Ich glaube, ich würde mich für Hinnerk entscheiden. Denn der lebt an einem Ort, an dem es sich sicher lohnen würde, mal Urlaub zu machen.

Mehr kann ich euch, aufgrund massiver Spoilergefahr, dazu aber leider nicht erzählen 😉 .

Tag 19: Hot, hot, hot! Heute wollen wir ein heißes, sinnliches Zitat von dir lesen.

Wenn es um ein sinnliches Zitat aus einem meiner Romane gehen soll, geht der Blick zwangsläufig als erstes in Richtung „Der Beobachter und der Turm“. Allerdings muss ich gestehen, dass mir spontan jetzt gar keines einfällt, das in die passende Kategorie fällt und nicht einen weiteren Zusammenhang benötigt.

Schnell mal nachschauen …

Okay, ich glaube, ich habe eine Stelle. Ist zwar auch mehr als nur ein kurzes Zitat, aber wir haben ja hinreichend Platz hier, nicht wahr?

Sie ging rückwärts voraus, immer mit dem Gesicht auf ihn gerichtet. Dabei leckte sie sich die Lippen und warf ihm Blicke zu, die alles versprachen. Richard wurde abwechselnd heiß und kalt. Sein Verlangen steigerte sich ins Übergroße und eben als er vorpreschen und sie einfach packen wollte, erreichte sie die Schlafzimmertür und stieß sie auf, wozu sie sich leicht zur Seite drehte.
Richard konnte den Schwung, denn er war tatsächlich losgelaufen, nicht mehr abbremsen rauschte durch die Tür und fiel der Länge nach aufs Ehebett.
Veronika lachte leise und schloss die Tür. Sie fuhr sich durch die Haare, was Richard jedoch nur hörte und nicht sah, denn er war platt wie eine Flunder liegen geblieben. Und noch etwas hörte er sehr deutlich: Wie sie den Kimono von ihren Schultern gleiten ließ.

Das Schreiben der Anderen: „Bärenbrut“ von Nora Bendzko

Zwei Werke von Nora Bendzko habe ich bis jetzt auf diesen Seiten besprochen. Und beide hatte ich bei Gewinnspielen gewonnen. Deswegen war es für mich quasi Ehrensache, diese Geschichte am Erscheinungstag zu kaufen – auch wenn die Aussicht bestand, sie für eine Newsletteranmeldung umsonst bekommen zu können. Aber eine Autorin lebt ja nicht vom Verschenken allein, nicht wahr?

Also, schauen wir doch mal, was wir mit diesem Galgenmärchen für eine Geschichte kredenzt bekommen.


Mit „Bärenbrut“ erscheint nun bereits die dritte Folge von Nora Bendzkos Galgenmärchen, nachdem uns zuvor bereits „Wolfssucht“ und „Kindsräuber“ in Form von zwei durchaus beachtenswerten Märchenadaptionen heimgesucht haben. Nachdem zuletzt ein Stoff in Romanlänge verarbeitet wurde, handelt es sich hier der Länge nach mehr um eine Kurzgeschichte, die zudem, auch wenn sie explizit als drittes Galgenmärchen bezeichnet wird, mehr so eine Art Galgenmärchen 0.5 ist. Denn es handelt sich um ein Prequel zu „Wolfssucht“, angelehnt an das vergleichsweise unbekannte Märchen „Der Bärenhäuter“.

Ein Prequel also. Eine nicht ganz einfache Sache, die gewisse Gefahren in sich birgt. Denn oftmals ist es so, dass Prequels dem Kenner der nachfolgenden Geschichte nichts wesentlich Neues erzählen können und damit recht überflüssig sind, oder sie nehmen so viel vorweg, dass danach kein Anreiz mehr für den Leser herrscht, sich mit dem Nachfolger zu befassen.

Nora Bendzko tappt nicht in diese Falle, indem sie die Verbindung zu „Wolfssucht“ zwar spürbar macht, aber nicht zu sehr ausspielt.

Die Geschichte handelt von dem jungen Thorben, dem wir zuerst als Dreizehnjährigem begegnen, als er mit seinem Vater, dem Jäger des Dorfes, in den Wäldern unterwegs ist. Doch dann geschieht etwas Schreckliches: Sein Vater wird von einer wilden Bestie, einem gewaltigen Bären, ermordet. Aber nicht nur das, denn an der Stätte des Unheils trifft Thorben auf einen unheimlichen Fremden, der ihm eine Heidenangst einjagt.

Mit letzter Kraft kann Thorben sich nach Hause schleppen. Doch fühlt er sich dort nicht wirklich angenommen. Er ist in der Gemeinschaft des Dorfes nicht verwurzelt. Lediglich zwei Personen nehmen größeren Raum in seinem Leben ein. Da ist zum einen Pater Gottwalt, der Priester des Ortes, der einen großen Einfluss auf die Gemeinschaft ausübt. Und, quasi am anderen Ende der dörflichen Hackordnung, Meister Kummer, einst ein Kaufmann, der allerdings inzwischen dem Suff verfallen ist. Mehr nicht.

Getrieben von seiner Unruhe verlässt Thorben seine Heimat und findet sich bald inmitten eines unmenschlich geführten Krieges wieder. Als er dem Tode nahe ist, erscheint ihm jener unheimliche Fremde und macht ihm ein verlockendes Angebot …

Da die Geschichte nicht besonders lang ist, halte ich heute auch die Zusammenfassung einmal kürzer als gewöhnlich. Viel interessanter finde ich es, noch einmal auf die Bindungen zu sehen, die zwischen diesem dritten Galgenmärchen und seinen beiden Vorgängern bestehen.

Wenn der Begriff nicht so gnadenlos abgenutzt wäre, seit jeder Filmkonzern versucht, sich mit irgendeiner Reihe ein „Universum“ aufzubauen, würde ich sagen, dass Nora Bendzko genau das allmählich mit ihren Märchenadaptionen gelingt. Weniger entscheidend als die inhaltlichen Anknüpfungspunkte sind hierbei die Aspekte Atmosphäre, Stimmung und Setting.

Man kann sich ohne Probleme vorstellen, wie alle drei Geschichten teils parallel, teils nacheinander, aber innerhalb eines überschaubaren Zeitraums in einem überschaubaren örtlichen Rahmen abspielen – sei dahingestellt, ob sie es tatsächlich tun. Natürlich ist diese Verbindung zwischen „Bärenbrut“ und „Wolfssucht“ durch die Figur des Skandar, Thorbens Sohn, besonders stark.

Was mir große Freude bereitet hat ist, dass die Figuren durch die Bank hinweg keine simplen Abziehbilder sind, auch wenn es sich stellenweise beinahe schon anbieten würde, sie so anzulegen: Wir haben den verlorenen Sohn, den geheimnisvollen Fremden, den Priester, im späteren Verlauf Thorbens Ehefrau und seine Mutter. Einige von ihnen verhalten sich so, wie man es von ihnen vermuten würde, andere bieten die eine oder andere Überraschung an.

Allerdings wird diese Überraschungsfreude nicht in allen Belangen durchgehalten. Die Entwicklung der Geschichte insgesamt ist von Beginn an relativ stringent und, mit kleineren Ausnahmen, absehbar. Hier wird nicht auf eine große Enthüllung zu gesteuert, allenfalls auf ein alles miteinander (und der Quasi-Fortsetzung) verbindendes Gesamtwerk.

Im Gesamtkontext der Galgenmärchen fügt sich „Bärenbrut“ harmonisch als ein weiterer Baustein ein. Sprache, Stil und Erzählfreude sind auf dem inzwischen schon gewohnt hohen Standard und machen beim Lesen einfach Freude.

Leider ist diese aber viel zu schnell vorbei, denn was nicht verschwiegen werden soll ist, dass die bei Amazon angegebene Seitenzahl auch durch umfangreiche Leseproben der beiden anderen Galgenmärchen erreicht wird. Es handelt sich also um ein eher kurzweiliges Lesevergnügen. Wenn man sich allerdings dessen bewusst ist, dass man hier eine Kurzgeschichte erwirbt, wird man auch vom Umfang nicht enttäuscht werden.

Nichts desto trotz gibt „Bärenbrut“ als Bestandteil seines Galgenmärchen-Universums eine gute Ergänzung ab. Durch die kurze Form und dadurch, dass das Ende mit dem ersten Band verknüpft sein musste, hat Nora Bendzko sich vielleicht ein wenig selbst der erzählerischen Freiheit beraubt. Daher würde ich mir wünschen, dass sie sich für die nächste Adaption wieder mehr Freiraum gewährt.

Insgesamt vergebe ich für „Bärenbrut“ gute vier Sterne, verknüpft mit dem Hinweis, dass ich Nicht-Kennern der Galgenmärchen empfehlen würde, zuerst über eine der anderen beiden Geschichten in dieses Universum einzutauchen.

 


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.

#Autorenwahnsinn, die Sommeredition: Die Tage 03, 04 und 17

Auch heute geht es hier ein wenig wahnsinnig zu. Ein wenig nur, weil ich heute irgendwie einen verdammt schlechten Tag mit meinem Kopf erwischt habe. Heftige Kopfschmerzen haben mich bis gegen Mittag ans Bett gefesselt – was immerhin dadurch versüßt wurde, dass ich aufgewacht bin und eine komplette Kurzgeschichte im Kopf hatte, die ich jetzt „nur noch“ aufschreiben muss.

Ich habe sie sogar schon geplottet, was für mich nun wirklich sehr ungewöhnlich ist. Leider wird die Geschichte wohl einen ein ganz klein wenig tragischen Anstrich bekommen, aber da kann ich nichts dran machen. Jede Geschichte fordert ihr Recht auch in Bezug auf das Setting und die Figuren.

Aber darum soll es hier ja eigentlich gar nicht gehen, sondern um weitere drei Tage des Autorenwahnsinns.

Tag 03: Wo verbringst du diesen Sommer?

Meinen Sommerurlaub habe ich ja leider schon hinter mir. Meine Familie und ich sind dieses Jahr zu Hause geblieben, weil … na ja, über Geld spricht man nicht 😉 .

Statt weg zu fahren haben wir uns in der näheren Umgebung einige Sehenswürdigkeiten angesehen, die von Auswärtigen immer gerne angesteuert werden, die man selbst aber irgendwie kaum besucht. Das ist mir jetzt schon mehrfach aufgefallen. Im Urlaub woanders fährt man auch schon mal eine Stunde, um sich z.B. ein Museum anzusehen. Hier meistens nicht. Und dabei ist von Duisburg aus so viel Sehenswertes im näheren Umkreis.

Wir haben also eine gesunde Mischung aus Unternehmung und Ruhezeit gesucht und ich denke auch gefunden. Hier im Blog war ja zum Beispiel von unserem Ausflug ins Bobbejaanland zu lesen. Und mindestens ein weiterer Beitrag, der mit einem Urlaubserlebnis zu tun hat, ist noch geplant.

Aber nächstes Jahr möchte ich trotzdem gerne mal wieder ein paar neue Eindrücke woanders sammeln.

Tag 04: Es ist Sommer! Und wir wünschen uns ein sommerliches Zitat aus deinem Manuskript!

Nun, ein im Wortsinne „sommerliches“ Zitat habe ich nicht im Angebot. Aber zwei meiner Romane, von denen hier in letzter Zeit häufiger zu lesen war, spielen im Hochsommer. Das ist zum einen „Darkride“, zum anderen aber auch der zur Veröffentlichung anstehende „Der Morgen danach“. Aus diesem gibt es hier einen kleinen Auszug:

Die Hitze stand in den Straßen Freiburgs und mich lachte das Angebot einer Eisdiele an, an der ich vorbei kam. Also kaufte ich mir drei Kugeln im Hörnchen und setzte mich auf eine der Bänke, die hier überall herum standen.
Für diesen einen Augenblick gab ich mich der Illusion hin, ich wäre ein Passant wie alle anderen, die einkauften, bummelten oder wie ich in der Sonne saßen. Aber ganz konnte ich nicht ausblenden, wie auch hier auf meine Erscheinung reagiert wurde.

Na, immerhin gibt es für meinen Protagonisten ein Eis 😉 .

Tag 17: Wo schreibst du am liebsten, wenn es draußen regnet?

Wie schon einige Male erwähnt habe ich ein Kellerbüro. Das bedeutet, dass es für mich völlig unerheblich ist, ob es regnet, ob die Sonne scheint, ob es schneit, ob es stürmt. Und genau deswegen schreibe ich hier am allerliebsten: Es bedeutet Kontinuität und Sicherheit, Gleichklang und auch -form.