Acht Wochen sind ‚rum, die nächste Agentur bitte

Kinder, wie die Zeit vergeht. Erinnert ihr euch noch an den 28.12.2017? Weihnachten lag hinter uns, das Jahr in den letzten Zügen und die ganzen Katastrophen, die meine kleine Welt zum Jahresbeginn ereilen sollten, noch in der Zukunft.

Damals habe ich euch davon berichtet, dass ich meine erste Bewerbung bei einer Literaturagentur auf den Weg gebracht habe, namentlich bei der Michael Meller Agency. Diese Agentur hatte es sich vorab ausbedungen, acht Wochen lang exklusiv über dem eingereichten Exposé zu „Der Beobachter und der Turm“ brüten zu dürfen. So, wie sie zum gleichen Zeitpunkt sicherlich über hundert anderen gebrütet haben.

Nun, da die acht Wochen jetzt vorbei sind und ich nichts gehört habe, kann ich mich nach den Regeln des Business als abgelehnt betrachten. Und soll ich euch was sagen? Es macht mir erstaunlich wenig aus.

Gut, vor ungefähr einer Woche, als ich auf den Kalender sah, um festzustellen, dass es nur noch wenige Tage sind, in denen eine Rückmeldung zu erwarten stünde, habe ich schon mal sanft geschluckt und mir überlegt, wie es danach dann weitergehen soll. Denn, seien wir mal ehrlich, natürlich hört man lieber, dass man da was ganz Tolles geschrieben hat, als das Gegenteil. Oder, in diesem Fall, man hört halt gar nichts.

Aber ich bin Realist. Und als solcher war es von Anfang an meine Erwartungshaltung, dass es nicht auf Anhieb klappen würde. Ich meine, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Manuskripte jeden Tag in irgendeinem Posteingang landen, wieso sollte es dann ausgerechnet meins sein, das gesteigerte Aufmerksamkeit bekommt?

(Weil es gut ist, verdammt nochmal! 😉 )

Tatsächlich habe ich aber vor allem meinen inneren Pessimisten erstaunlich gut im Griff. Als der kurz sein hässliches Haupt reckte, um zu Protokoll zu geben, dass ich mir jede weitere Bewerbung sparen kann, weil mich sowieso alle Agenturen ablehnen werden, bekam er eins mit dem Manuskript übergebraten und zieht es seitdem vor, zu schweigen.

Ich werde also hinter diese Bewerbung einen Haken machen (für dieses Mal) und mich der nächsten Agentur zuwenden, bei der ich mein Glück versuchen will. Ich begreife dies als Möglichkeiten und Chancen, nicht als Notwendigkeit oder gar Qualitätsmerkmal. Manchmal kommt man einfach zur falschen Zeit mit dem falschen Stoff. Das ist dann so und sagt nichts über meine Fähigkeiten als Autor aus.

In diesem Sinne: Acht Wochen sind ‚rum, die Nächste bitte. Vielleicht schaffe ich es schon am Sonntag, die Unterlagen zusammenzustellen. Und wenn nicht, dann eben nächste Woche. Ich habe ja schließlich Zeit.

Und werde euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten 🙂 .

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Das Agenten-Suchspiel

In den letzten Tagen habe ich mich mal wieder mit dem Oberthema „Veröffentlichung“ beschäftigt. Es gibt da ja diese Texte auf meiner Festplatte, die sogar schon einmal bei einem Verlag vorgesprochen haben, es dort aber nicht zu einer Veröffentlichung brachten – und danach sang- und klanglos wieder in der Schublade verschwanden.

Das ist selbstverständlich kein Zustand. Das weiß ich selber. Aber da sonst niemand da ist, der mich angemessen (real und nicht virtuell) in den Hintern treten kann, muss ich immer selbst den Punkt finden, um aus dem Wissen um einen Umstand auch eine mehr oder weniger umständliche Aktion zu machen.

Sprechen wir also über „Der Beobachter und der Turm“. Ein Thema, das mich, euch und diesen Blog schon beinahe zwei Jahre begleitet (mich noch länger, aber ich rechne mal großzügig ab Fertigstellung).

Das Manuskript ist in meinen Augen so fertig, wie ich es nun einmal hinbekomme. Ich habe sehr wertvolles Feedback von Testlesern bekommen und eingearbeitet. Es gibt ein vollständiges Exposé mit Pitch, Beschreibung der wichtigsten Personen, und sogar schon eine Leseprobe. Das alles hatte ich für meine Bewerbung bei be, dem digitalen Imprint von Bastei Lübbe, gefertigt.

Aber nachdem die mir antworteten, dass ihnen das Manuskript zu „bedeutungsschwanger“ sei, was immer genau darunter verstanden werden muss, habe ich mich wieder schlafen gelegt.

Gut, man kann sagen, dass ich andere Dinge um die Ohren hatte. Ich habe Kurzgeschichten geschrieben und in Anthologien platziert. Ich habe Romanentwürfe angefangen (und liegen gelassen, ähem). Ich habe viel, viel Zeit auf meinen Blog verwendet. Und ich habe versucht, einen weiteren Roman, „Darkride“, bei be zu platzieren – was auch nicht geklappt hat.

Aber „Der Beobachter und der Turm“ ist wieder aus dem Fokus geraten. Wie ein blinder Fleck auf einem Auge, der zwar da ist, den man aber nur dann wahrnimmt, wenn man bewusst versucht, sich auf ihn zu konzentrieren. Und da, so muss ich gestehen, war es für mich in den letzten Monaten einfach, mich eben nicht darauf zu konzentrieren, weil diese Konzentration mit den üblichen Zweifeln, Sorgen und Nöten einher gegangen wäre, für die ich viel zu anfällig bin.

Aber ich habe ja kürzlich gesagt, dass sich das jetzt ändern soll. Dass ich motiviert bin. Was ich verschwiegen habe war, dass ich durchaus ängstlich bin, mich auch wirklich an die Arbeit zu begeben. Kennt ihr ja sicherlich, dass eine Aufgabe umso größer wird, je länger man sie vor sich her geschoben hat.

Doch ich kann nun von mir behaupten, dass ich den ersten Schritt getan habe.

Und zwar möchte ich gerne, gemäß eines ganz alten Plans von mir, zunächst versuchen, mein Projekt bei einer Literaturagentur unterzubringen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass man an die Publikumsverlage nur heran kommt, wenn man einen Agenten an seiner Seite weiß, der die richtigen Kontakte und das nötige Durchhaltevermögen hat. Und weil ich, wer nicht, natürlich gerne ein großes Publikum hätte, versuche ich zunächst auf diese Weise mein Glück.

Aber wie die richtige Agentur heraussuchen? Nun, da geht es weniger um die richtige, sondern mehr darum, zuerst einmal überhaupt festzustellen, welche Agenturen einen Stoff wie den meinen eigentlich vermitteln. Denn nichts wäre peinlicher, als sich bei einer Agentur für Sachbücher vorzustellen, die dann auch nur den Kopf schütteln und sich fragen würden, wie doof ich eigentlich bin. Und man weiß ja nie, ob ich nicht doch mal ein Sachbuch schreibe und dann bei denen sofort durchs Raster falle, weil: doof 😉 .

Wieder einmal machte sich an dieser Stelle das „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ aus dem Uschtrin-Verlag bezahlt. Die Investition war zwar etwas höher, aber dafür findet man hier eine sehr umfangreiche Liste an Agenturen und ersten Hinweisen dazu, was durch sie vertreten wird – und was eben nicht.

Da das Handbuch nun aber auch schon wieder zwei Jahre alt ist, habe ich mich nicht darauf verlassen, sondern jede einzelne Website jeder einzelnen Agentur auch noch einmal aufgesucht und die Informationen quer gecheckt.

Im Ergebnis habe ich nun eine Liste von Agenturen, die zwölf Einträge umfasst. Das sind, gemessen an der Gesamtliste, nicht sehr viele. Es gibt einen Grund dafür und der lautet, dass ich anscheinend mit meinem Projekt ein wenig zwischen den Stühlen sitze. Es gibt Agenturen, die machen Fantasy. Nicht viele, aber es gibt sie. Nun hat mein Roman fantastische Elemente, aber es ist keine Fantasy. Es hat seinen Grund, dass ich als Vergleich (nur von der Story her) immer auf Stephen King verweise. Aber sind dessen Romane mit übernatürlichem Einschlag Fantasy? Sind sie Horror – eine Gattung, die bei den Agenturen selten explizit genannt wird? Oder sind sie inzwischen so dermaßen Mainstream, dass wirklich nur noch „Roman“ draußen drauf steht und sie im großen Topf der allgemeinen Belletristik verschwinden?

Auf jeden Fall macht dies die Agenturenauswahl nicht eben leichter. Aber ich denke, dass ich mit den zwölf, die sich jetzt herauskristallisiert haben, recht gut – und ohne mich zu blamieren – fahren werde.

Und, wer weiß, was danach passiert? Vielleicht finde ich auf diese Weise jemanden, der mich vertreten will. Vielleicht aber auch nicht.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie es mit den Bewerbungen voran geht. Denn eines steht leider auch jetzt schon fest: Einfach die Unterlagen von der Verlagsbewerbung wild in die Welt schicken, das geht nicht.

Aber dazu ein anderes Mal mehr.

„Der Morgen danach“: Im Selbstlektorat

Heute in einer Woche ist es soweit und ich habe den ersten „echten“ Lektoratstermin meines Lebens. Dann werde ich mich mit den Macherinnen bei Scylla zusammensetzen und wir schauen mal, wo und wie wir meinem Manuskript mit dem Arbeitstitel „Der Morgen danach“ (den ich schrecklich vermissen werde) zu Leibe rücken müssen.

Ja, ich glaube, ich kann behaupten, ein wenig aufgeregt zu sein. Bis jetzt war alles mehr oder weniger einfach. Das Manuskript wurde angeschaut, für gut befunden und eingekauft. Aber jetzt geht es in die Tiefe. Jetzt geht es an die kleinen und großen Kleinigkeiten. Und ich werde mich vielleicht auch von der einen oder anderen lieb gewonnenen Idee ein wenig trennen müssen.

Ich weiß es nicht.

Aber auf jeden Fall steht fest, dass ich eine derart intensive Textarbeit an einem meiner Texte noch nicht mitgemacht habe. Deswegen bin ich dankbar dafür, dass sich der Verlag in Schlagdistanz von meinem Wohnort Duisburg befindet und ich mal eben für ein paar Stunden hinfahren kann, um gemeinsam den Weg abzustecken.

Ich habe eine Menge Fragezeichen in meinem Kopf, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt. Über ein paar Punkte haben wir bei meinem letzten Kurzbesuch im April schon gesprochen, andere kommen jetzt dazu.

Bei dem erwähnten Termin im April wurde mir geraten, dass ich mir selbst den Text noch einmal vornehme und mir notiere, wo ich eventuell Fragen habe, wo ich Veränderungen sehe und wo ich, wenn machbar, keine Veränderungen haben möchte.

Und so befinde ich mich im Moment quasi in einer Art „Selbstlektorat“. Das bedeutet, dass ich den Text von A bis Z noch einmal durchgehe und mir in Form von Kommentaren Anmerkungen und Fragen an den Rand schreibe, wie es eine Lektorin unter anderem auch tun würde.

In meiner Vorstellung sitzen wir dann nächste Woche in trauter Runde, jeder hat eine Ausfertigung des Manuskripts vor sich, und wir gehen zusammen die Änderungen durch, die zu machen sind. Und können natürlich direkt darüber sprechen, diskutieren und auch verhandeln.

Lektorat bedeutet ja nicht, dass jeder Änderungswunsch sklavisch umgesetzt werden muss. Es bedeutet allerdings sehr wohl, dass ich mir diese Wünsche anhöre und dann zum Wohle des Romans abwäge, ob er sinnvoll ist oder nicht. Ja, zum Wohle des Romans – nicht etwa zu meinem Wohl. Ich als Person stehe hinter dem geschriebenen Wort zurück. So sehe ich meine Rolle. Und eine gute Lektorin wird es nicht anders handhaben, denn es geht ja darum, den bestmöglichen Text auf die Welt los zu lassen.

In meinem Selbstlektorat habe ich schon gemerkt, dass ich, in Voraussicht darauf, bald eine solche Textanalyse durchführen zu können, einige Passagen meines Romans markiere, die mich eigentlich schon seit längerem stören, ohne dass ich mich dazu durchringen konnte, sie entweder zu verändern oder zu löschen. Sie sind seit inzwischen fünf oder sechs Iterationen des Romanentwurfs vorhanden, ohne dass ich eindeutig Stellung zu ihnen beziehen kann.

Es hatte etwas erleichterndes, diese Passagen jetzt zu markieren und damit zur Diskussion stellen zu können.

Ja, doch, ich bin gespannt darauf, wie es weitergehen wird. Und was dieses erste Lektorat meines Lebens mit mir und meiner Herangehensweise an die Manuskriptarbeit machen wird.

Heute in einer Woche werde ich es wissen.

„Darkride“: Jetzt gilt es!

Heute Mittag um kurz nach halb zwei war es, dass ich mich dazu durchgerungen habe, den „Senden“-Knopf zu drücken. Am Ende war es die nun schon bekannte Mischung aus Unbehagen und Selbstsicherheit, aus Hoffen und Bangen und einer gewissen LMAA-Einstellung. Ich glaube, die muss man auch haben, wenn man sich mit einem Manuskript irgendwo bewirbt. Nicht, weil es einem wirklich egal wäre, was nun passiert, sondern, um sich nicht in den folgenden Tagen immer wieder selber verrückt zu machen.

Aber die Messe ist nun gelesen, das Exposé mehrfach gecheckt, die Leseprobe auf Herz und Nieren geprüft und die Autorenvita um die kommende Veröffentlichung von „Der Morgen danach“ ergänzt (ein gutes Gefühl, by the way).

Da fällt es auch überhaupt nicht ins Gewicht, dass ich sofort eine Mail vom Autoresponder des angeschriebenen Lektors bekam, dass dieser sich zur Zeit im Urlaub befindet. Im Gegenteil, das bedeutet, dass ich mich entspannt zurücklehnen kann. Irgendwann wird er meine Mail lesen und dann wird sich entscheiden, ob es mit „Darkride“ etwas wird oder nicht.

An dieser Stelle etwas wird oder nicht.

Denn ich habe für mich eigentlich schon den Entschluss gefasst, dass ich es auf jeden Fall mit diesem Roman weiter versuchen werde. Ich glaube an die Geschichte, Krimis gehen eigentlich immer und für meinen Schreibstil habe ich nun auch schon viele nette Worte gehört. Bange machen gilt also nicht.

Und doch hätte ich mich, eigentlich, gerne noch einmal mit Jemandem über meinen Roman unterhalten. Mit irgendeinem Mitautor, einer Mitautorin, die sich mal mein Exposé anschaut und mir sagt, ob das so Sinn macht, oder nicht.

Ich weiß, dafür kann man sich Profis kaufen. Aber ehrlich gesagt würde ich hierfür keinen Profi haben wollen, sondern jemanden, der sich das Exposé anschaut, weil es ihn oder sie interessiert, weil er oder sie gespannt darauf ist.

Das Seltsame und Widersprüchliche ist, dass ich so jemanden wahrscheinlich sogar gefunden hätte, wenn ich den Mut oder den Entschluss hätte finden können, zu fragen. Aber, ich schrieb es bereits gestern, bei einem Krimi habe ich da Schwierigkeiten.

Es ging mir ja nicht darum, mein gesamtes Manuskript aus der Hand zu geben. Da weiß ich, dass noch viel Arbeit vor mir liegt, bis ich das wagen sollte. Bis jetzt habe ich ja nur die ersten Seiten für die Leseprobe überarbeitet.

Und hier haben wir das für mich nicht auflösbare Paradoxon: Ich würde mir jemanden wünschen, der auf den Roman gespannt ist – nur um ihm dann alle Spannung zu nehmen, indem ich ihm in einem Kurzabriss, den so ein Exposé nun einmal darstellt, das Ende der Geschichte verrate.

Nennt mich einen Gut-Autor, aber das wollte ich irgendwie niemandem zumuten.

Ob ich mir auch Sorgen gemacht habe, dass der imaginäre Kollege, die imaginäre Kollegin mir sagen würde, dass das alles Bullshit ist, was ich da geschrieben habe?

Ehrliche Antwort: Nein. Und falls ich doch genau das zu hören bekommen würde … nun, wie ich schon schrieb: Ich bin von dem Roman überzeugt.

Jetzt muss ich nur noch den Rest der Welt davon überzeugen!

Der Sonntagsreport vom 30.04.2017 – Von Exposés, Eskalation und Eins, zwei, drei, vier

Hallo ihr Lieben!

Ich habe gerade mal nachgeschaut, dass es tatsächlich drei Wochen her ist, seit ich den letzten Sonntagsreport geschrieben habe. Erst kam mir Ostern dazwischen, dann der Welttag des Buches. Beides ehrbare Gründe, aber so ein wenig fehlte mir mein patentiertes „Alles oder nichts“ bzw. „frei von der Leber labern“ dann doch. Aber keine Sorge, ich werde jetzt nicht versuchen, das auf Teufel komm raus in einem einzigen Beitrag zu kompensieren 😉 .

Ich habe in der Überschrift schon angedeutet, dass es drei Themen gibt, denen ich mich widmen möchte. Und ich denke, es macht Sinn, wenn ich die jetzt einfach mal angehe.

Exposé

Nachdem sich die Sache mit der Kurzgeschichte ja ein wenig zerschlagen hat, habe ich beschlossen, dass das ein mehr als deutliches Signal ist, die andere offene Baustelle endgültig anzugehen. Ich spreche natürlich von meiner Bewerbung mit „Darkride“. Um ehrlich zu sein treibt mich die blanke Angst, dass der Lektor, mit dem ich damals Mailkontakt hatte, schon gar nicht mehr bei be arbeiten könnte, wenn ich mir zu viel Zeit lasse. Stand heute tut er es noch, wenn ich seinem Facebookprofil Glauben schenken kann. Na ja, so sehr man Facebook Glauben schenken sollte …

Also habe ich mir den Text noch einmal zur Brust genommen, hier ein wenig umgestellt, dort ein wenig gestrafft. Ich finde immer noch, dass es eine ganz eigene Schwierigkeit besitzt, ein Exposé zu einem Krimi zu schreiben. Dazu kommt noch, dass ich mich schwer tue, mir dabei Hilfe zu suchen. Denn Hand aufs Herz: Wem möchte man schon vorweg die gesamte Handlung eines Krimis inklusive Auflösung andienen? Aber dazu schreibe ich noch einmal separat etwas, glaube ich.

Jedenfalls habe ich das Exposé jetzt soweit, dass ich denke, es bedenkenlos (ha!) aus der Hand geben zu können. Zur Sicherheit warte ich noch eine weitere Nacht ab, lese es morgen ein letztes Mal und tüte dann die gesamte Bewerbung in einen virtuellen Briefumschlag ein und schicke sie ab. Wird auch langsam Zeit dafür.

Schließlich muss ich mich danach dann ja wieder „Der Morgen danach“ widmen. In etwas mehr als zwei Wochen steht das erste große Lektoratsgespräch an und dafür will/soll ich mir schon einmal anschauen, welche Passagen mir besonders wichtig sind. Es geht also um Gesprächsgrundlagen.

Eskalation

Wie ich euch ja schrieb, war ich am Freitag bei einem Konzert der Band Welle:Erdball. Kommen wir erst einmal zu den blanken Fakten. W:E haben die Bühne im Kulttempel um kurz vor 22 Uhr betreten und (inklusive einer kurzen Pause für Umbaumaßnahmen) so gegen 1 Uhr wieder verlassen. Dazwischen liegen mit Sicherheit an die 30 Songs, die ich mir nicht alle merken konnte, die aber ein Gefühl von Euphorie hinterlassen haben, zumal die Band sich wirklich Mühe gibt, das Konzert in ein Happening zu verwandeln. Muss man gesehen haben (und von „1000 Engel“ habe ich einen Ohrwurm der übelsten Sorte)!

Aber wieso dann Eskalation? Ich hatte es schon getwittert. Ein Konzertbesucher verwechselte das freundliche hin- und herschubsen einiger Fans mit einem knallharten Moshpit, was dazu führte, dass er mir, unbeteiligt, mehrfach seine Ellbogen in den Magen rammte und die eine oder andere Frau in der Umgebung zur Flucht antrieb.

Auf einigermaßen freundliche Ansprache (okay, ich war genervt) pöbelte er dann herum und ging mir an die Wäsche.

Dabei habe ich eine interessante Erfahrung gemacht, nämlich wie schnell so eine Situation wirklich eskalieren kann. In Romanen baut sich das ja teilweise über lange Zeit hinweg auf. In der Realität geht das aber in ein, zwei Minuten und selbst ein friedliebender Mensch wie ich könnte ausrasten.

Zum Glück wurde besagter Besucher dann von einem anderen Fan eingenordet, was dazu führte, dass er erst demonstrativ seine Arme um den Körper schlug und dann den Rückzug antrat. Ich selbst bekam von einigen Umstehenden positive Reaktionen, was mir gut getan hat, denn ich mag eigentlich keine Aggression. Schon gar nicht, wenn ich beteiligt bin.

(Übrigens, falls du, mir namentlich nicht bekannter Mit-Fan, hier durch blanken Zufall irgendwann vorbeikommen solltest: Es ging mir wirklich nicht darum, irgendwem das Schubsen oder spielerische „pogen“ zu verbieten. Aber alles bitte in dem Rahmen, dass auch die anderen Konzertbesucher das Erlebnis genießen können. Und der Punkt ist überschritten, wenn man – und ich denke vor allem auch an die deutlich kleineren und leichtgewichtigeren Frauen – auf seine körperliche Unversehrtheit aufpassen muss.)

Wie gesagt, es war eine Erfahrung und auch etwas, das ich verarbeiten kann. Aber so schnell brauche ich das nicht wieder.

Eins, zwei, drei, vier

Bleiben wir noch ein wenig beim Thema Konzert. Aber ich hole dafür etwas aus. Durch das Web und vor allem viele Autoren- und Buchblogs schwappt zur Zeit die Welle der Auseinandersetzung mit der Darstellung von sexueller Dominanz Schrägstrich Missbrauch in Romanreihen wie 50 Shades, Paper Princes, Trinity und ich habe keine Ahnung, wie sie alle heißen.

Eine immer wieder aufkommende Frage ist dabei, wieso eigentlich diese Romane so einen Anklang finden und wieso immer noch und immer mehr davon gekauft und gelesen wird.

Ich will hier an dieser Stelle gar keine tatsächliche Theorie dazu aufstellen. Da ich keins dieser Bücher gelesen habe, steht mir eine inhaltliche Auseinandersetzung auch nicht zu. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man sich als Leser irgendwann einfach auf das, was man da gelesen hat, „eingroovt“ und im folgenden einen Roman nach dem anderen konsumiert, ohne vielleicht überhaupt noch inhaltlich zu reflektieren, was da passiert.

Beruhigt euch wieder, ich habe weder geschrieben, noch gemeint, dass ihr Leser in irgendeiner Form „doof“ seid.

Aber ich habe bei dem Konzert am Freitag gemerkt, dass es einfach Schlüsselreize gibt, die einen packen und trotz aller inhaltlicher Leere und/oder Ärgernisse wieder mitreißen können.

Am Freitag spielte im Vorprogramm von W:E die Band „The Sexorcist“. Die Musik kann man beschreiben als EBM-Einheitsstampf im ewig gleichen Takt, bei dem es, ehrlich gesagt, manchmal schwer fiel, herauszuhören, wo denn nun der eine Song endet und der nächste anfängt. Dazu kam dann noch ein Sänger mit einer Umbra-et-Imago-Gedächtnisstimme, was das Erlebnis nicht unbedingt angenehmer machte.

Die Texte bewegten sich irgendwo im Spektrum zwischen, mit Verlaub, ficken und Blödsinn („Klugscheißerman“ irgendjemand?).

Ich habe die Gesichter rund um mich noch vor Augen, von denen sich viele fragend, dann belustigt und zunehmend ungläubig anschauten. Während ihre Beine zuckten und zappelten. Ja, ganz ehrlich: Während der Kopf noch mit Nachdenken beschäftigt war, übernahm der Körper bereits automatisch die Kontrolle und erteilte Tanzbefehl. Und der Grund dafür war, dass diese Rhythmik und irgendwie auch die Attitüde bei vielen Szenemenschen und Konzertgängern als festes Muster gespeichert ist.

Vielleicht ist das ja bei Buchlesern ähnlich? Braucht es auch da nicht mehr als einen Millionär, ein unerfahrenes Hascherl und Zeit und Gelegenheit, um den Kopf auszuschalten und den Kaufimpuls zu setzen?

Übrigens braucht ihr nicht zu glauben, dass es mir anders gegangen wäre. Ich habe mich ernsthaft gewehrt, weil es mir während der Anti-Veganerhymne (fragt nicht) zu doof wurde, aber schon beim nächsten Lied zuckte es wieder.

Und als dann zum Schluss eine Coverversion von „Skandal im Sperrbezirk“ gespielt wurde, stand ohnehin der ganze Saal Kopf.

Manchmal ist das schon seltsam mit den unbewussten Reaktionen und Triggern, die gesetzt und angesprochen werden. In der Musik auf jeden Fall. Vielleicht auch bei Büchern? Zählt man die auch an: Eins, zwei, drei, vier?

Darüber können wir ja noch ein wenig gemeinsam nachdenken. Für irgendwas muss der morgige Feiertag ja gut sein.

Ich wünsche euch einen schönen 1. Mai! Und wenn ihr heute noch reintanzen solltet, dann habt viel Spaß dabei!

Alles Liebe

Euer Michael

Die Stunden danach

So, das wäre geschafft! Nein, das klingt jetzt nach etwas negativem, als hätte ich einen Besuch beim Zahnarzt hinter mir, oder beim Anwalt meines geringsten Misstrauens. Dabei hatte ich doch heute nur ein Gespräch bei meinem Verlag (es schreibt sich immer noch ein wenig seltsam).

Leider, leider, leider kann, darf und will ich euch nicht zu viel verraten, weil wir hart am Inhalt diskutiert haben. Es gibt einige Vorstellungen, wie man noch an der Aussage des Romans Verbesserungen vornehmen könnte und dazu wollte man meine Meinung hören. Denn, so die wiederholte Versicherung, ohne meine Zustimmung als Autor geht das alles nicht.

(Dass in dem phasenweise lustigen Gespräch angedeutet wurde, dass es auch Mittel und Wege gäbe, einen Autor gefügig zu machen, nehme ich jetzt mal nicht so bierernst. Oder!?)

So ganz genau in die Details haben wir jetzt noch nicht geschaut. Es ging halt darum, dass ich mich mit den Anmerkungen anfreunden kann.

Die beiden Lektorinnen gehen jetzt noch einmal in medias res und dann setzen wir uns im Mai zusammen und sprechen die ersten konkreten Änderungen durch. Bis dahin kann ich auch schon mal an den Dialogen feilen und mir Stellen im Skript markieren, die ich auf keinen Fall geändert haben möchte. Mir obliegt das letzte Wort, wurde jedenfalls so betont.

Und dann gibt es auch schon einen sehr vorsichtigen Zeitplan bis zur Veröffentlichung des Romans. Aber der ist so vorsichtig, dass ich auch hier ungern einen genauen Termin nennen würde. Der ja sowieso nur grob einen Monat benennen könnte. Viel hängt ja auch davon ab, wie schnell ich die Änderungen, die sich im Lektorat ergeben werden, umsetzen kann.

Außerdem stehen noch zwei Entscheidungen an, die sehr weitreichend sind und die wir heute nur einmal als notwendig auf die Agenda geschrieben haben, auch wenn sie noch weiter weg sind. Das eine ist, dass für den Roman ein Cover gefunden werden muss. Hier darf ich mich gerne künstlerisch austoben, wenn mir irgendwas vorschweben sollte. Die Worte lauteten so ähnlich wie »immer her damit!«

In der Tat habe ich schon eine vage Idee, wie das Cover aussehen könnte. Aber die muss noch reifen.

Wesentlich schwerer wird es werden, einen Veröffentlichungstitel zu finden. Denn beim Arbeitstitel „Der Morgen danach“ kann und wird es nicht bleiben. Den gibt es nämlich schon bei einem anderen Roman. Tja, schade, aber bei einem so generischen Titel nicht anders zu erwarten. Auch hier kann ich mir Gedanken machen und mich inspirieren lassen. In der gemeinsamen Hoffnung, dass dabei vielleicht schon etwas Nutzbares herauskommt.

Also, lange Worte, gar kein Sinn: Ich bin mit einem sehr guten Gefühl aus Refrath nach Hause gefahren. Alleine schon, weil mir ganz oft gesagt wurde, wie gut das Manuskript, die Idee und die Entwicklung sind. Wer hört so etwas nicht gerne? Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit meinem Verlag und den tollen Menschen dort!

„Darkride“: Vom Fügen und Auseinandernehmen

Ich glaube, inzwischen kennt ihr meinen Romanentwurf „Darkride“ schon ein wenig, oder? Dabei weiß ich gar nicht so genau, was ich euch bis jetzt vom Inhalt erzählt habe und was nicht. Es kann also sein, dass die folgenden vier Absätze euch fürchterlich redundant vorkommen, dann möchte ich euch bitten, sie einfach zu überspringen. Ansonsten seid gerne eingeladen, eine kleine Beschreibung der Ausgangslage zu lesen:

Das „Dreamland“ ist der größte Freizeitpark Deutschlands. Vor wenigen Jahren in der Nachbarschaft eines kleinen Ortes mit immensen Mitteln aus dem Boden gestampft ist es ein Mekka der Freizeitparkfans geworden. In diesem Sommer steht die Veröffentlichung des neuesten Themenbereichs, der sogenannten „Ghost World“ an. Parallel hierzu veranstaltet das „Dreamland“ einen Kongress der Freizeitparkforen, die sich im Internet etabliert haben.

Der unbestrittene Stargast kommt allerdings von weither. Ein japanischer Edelfan hat sich angesagt. Peinlicher Weise wird ausgerechnet dieser Japaner ermordet in einer der Themenfahrten des Parks aufgefunden.

Oberkommissar Jakob Dillken erhält den Auftrag, unter Wahrung größter Diskretion den Mord aufzuklären. Hinter dem „Dreamland“ stehen oberste politische Kreise, die einen Skandal abwenden wollen. Das Schlimme: Dillken hasst Freizeitparks und er fürchtet Achterbahnen.

Während er versucht, zwischen verrückten Fans, genervten Anwohnern und unnachgiebigen Bossen seinem Job nachzugehen, scheint ihm der Darkride-Killer immer mindestens einen Schritt voraus zu sein.

Ich hatte „Darkride“ ja schon als potentiellen Titel ins Gespräch gebracht, mit dem ich mich ggf. bei dem einen oder anderen Verlag bewerben würde. Konkret geht es dabei ja um das Label be des Bastei-Verlags, denen zwar meine Schreibe, nicht aber mein Konzept zu „Der Beobachter und der Turm“ gefallen hatte.

Da ich im Augenblick ein paar Tage Leerlauf habe, bis es mit „Der Morgen danach“ weitergeht, dachte ich mir, ich könnte mich ein wenig mit Textprobe und Exposé für „Darkride“ beschäftigen.

Der erste Schritt bestand allerdings darin, das Manuskript noch einmal zu lesen. „Darkride“ war der letzte Roman meines Schreibrauschs, der zwischen Oktober 2011 und Mai 2013 anhielt und in dessen Rahmen fünf Romane mit ungefähr 2.500 Seiten entstanden. Allerdings hatte ich auch nach ihm direkt mit einem weiteren Manuskript angefangen, bevor ich die Reißleine zog, weil ich Angst hatte, in einen schriftstellerischen Burnout zu geraten.

Das bedeutet, dass ich den Roman in seiner Gesamtheit bis heute nicht wieder gelesen hatte. Es ergab sich einfach nie die Zeit oder der Anlass dazu – und noch seltener der Punkt, an dem beide Dinge mal übereinstimmend vorhanden gewesen wären.

Aber was bot sich besser an als die Fahrt mit dem Zug nach Leipzig und von Leipzig zurück!? Ganz klare Antwort: Das war die Gelegenheit. Und so lud ich mir das Manuskript auf mein Convertible und habe mich die gut 11 Stunden, die ich insgesamt unterwegs war, damit beschäftigt.

Und ich muss sagen, ich bin gleich in mehrfacher Hinsicht überrascht. Negativ überrascht, um damit zu beginnen, bin ich davon, wie viele offensichtliche Tippfehler, Schreibfehler und Grammatikfehler in dem Manuskript sind. Da sah die Rohfassung von „Der Morgen danach“ vollkommen anders aus. Aber ich denke, daran kann man ablesen, dass es eine gute Entscheidung war, bald nach „Darkride“ das Schreiben erst einmal wieder für eine Weile auszusetzen. Ich war einfach übertaktet.

Die positiven Überraschungen überwiegen allerdings. Ich habe ja nun schon zwei aufwändigere Überarbeitungsrunden hinter mir und kann allmählich auf etwas wie einen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Und aus diesem heraus kann ich nur feststellen, dass der Plot des Romans Sinn macht, die Figuren in ihren Perspektiven (ich habe drei Perspektivträger) glaubwürdig sind und dass es nur wenige Füllszenen gibt. Klar, Kürzungen tun jedem Roman gut (und das aus meinem Munde …), aber mich haben jetzt keine Passagen angeschrieen, die so öde und die Handlung ausbremsend sind, dass sie unmittelbar herausgerissen gehörten.

Die positivste Überraschung, nein, eigentlich mehr Bestätigung, war dann aber der Umstand, dass sich die Geschichte wirklich von vorne bis hinten wie geplant liest – obwohl sie nicht geplant war.

Nein, nicht falsch verstehen, ich hatte, als ich begann, grobe Ideen. Der Ausgangspunkt war der tote Japaner. Ich wusste einiges über meinen Kommissar und auch über einige der Leute, mit denen er es im „Dreamland“ zu tun bekommen würde.

Was ich zum Zeitpunkt des Arbeitsbeginns nicht wusste war, wer der Täter ist, was sein Motiv darstellt und wie ich es in die Handlung einbauen kann.

Und das bei einem Krimi.

Doch auch wenn ich das nicht wusste, so haben sich die einzelnen Teile doch passend zusammengefügt. Ja, es scheint wie eine Fügung, dass am Ende ein in sich stimmiger und stringenter Kriminalfall entstanden ist, den ich für logisch aufgebaut und ansprechend präsentiert halte. „Darkride“ ist mein größtes Plädoyer dafür, dass es funktionieren kann, auf der Basis einer Idee in ein Manuskript zu starten und dann als Discovery Writer weiter zu machen.

Tja – jetzt muss ich dieses gefügte Manuskript nur auseinanderreißen, um ein anständiges Exposé daraus zu machen. Und ich muss mir überlegen, ob die berühmten ersten dreißig Seiten wirklich passend sind, wie sie sind, um den Stoff auch interessant zu machen. Dabei wissen wir doch sowieso alle, was da passiert: Eine Leiche wird gefunden. Nicht die originellste Eröffnung für einen Krimi, aber hey, es hat schon seinen Grund, dass das immer wieder so gemacht wird.

Im Moment bekomme ich noch nicht den richtigen Dreh, wirklich mit der Arbeit anzufangen. Aber die kommenden zwei Wochen habe ich Urlaub (Osterferien), da sollte sich vielleicht die Zeit und die Motivation finden lassen.

Ansonsten tretet mir gerne beizeiten in den Hintern! 😉