Der Sonntagsreport vom 22.04.2018 – Viel passiert gerade nicht

Guten Abend zusammen!

Ich denke, dass ihr mir in Bezug auf die Überschrift über den heutigen Beitrag alle zustimmen werdet. Viel passiert auf diesem Blog im Moment wirklich nicht. Das hat bestimmte Gründe, die sich wiederum in meiner Motivation niederschlagen. Aber das soll euch nicht behelligen. Mich behelligt es auch nur mal so und mal so und insofern ist es schon okay.

Ich muss meine Energie gerade ein wenig einteilen, glaube ich. Wo es in der Vergangenheit häufig genug gereicht hat, einen Blogeintrag und gleichzeitig noch an meinem Romanmanuskript zu schreiben, ist es im Moment wieder einmal eine entweder/oder-Geschichte. Und da gewinnt zumeist das Manuskript.

Was jetzt nicht bedeutet, dass ich da die ganz großen Sprünge machen würde. Aber seit ich mich mit meinem Plot auseinandergesetzt und diesen inzwischen richtig lieb gewonnen habe, läuft es doch ganz gut. Hier mal tausend Wörter, dort man zweitausend, dann auch mal wieder „nur“ 600. Hauptsache, es läuft, denke ich mal.

Und ansonsten gibt es halt nicht so viel zu erzählen. „Der Beobachter und der Turm“ liegt bei einer weiteren Literaturagentur auf dem Bewerbungsstapel. Glaubt es, oder glaubt es nicht, ich habe es immer noch nicht geschafft, mir das Video zur Lesung bei 9lesen anzuschauen. Das war in den letzten zwei Wochen irgendwie so gar nicht drin. Aber irgendwann vor der nächsten Lesung, die es sicher irgendwann geben wird (vielleicht schaffe ich ja schon Frankfurt?) schaue ich sie mir an. Alleine schon, um daraus zu lernen.

Viel mehr kann ich euch zum Thema Schreiben auch nicht berichten.

Ansonsten versuche ich, halbwegs gut durch die Tage zu kommen. Das Wetter mit seinen Kapriolen macht es mir da nicht immer ganz leicht. An einigen Tagen der letzten Zeit habe ich einfach nur in den Seilen gehangen und bin dann auch mal früh ins Bett gegangen. Gut für den Kopf, schlecht für die Hobbies. Aber jetzt soll die Hitzewelle ja auch erst einmal wieder vorbei sein.

Heute habe ich übrigens zum zweiten Mal den Film „Es“, also die Neuverfilmung, gesehen. Gefällt mir wirklich gut, auch wenn er mit den Motiven des Buchs eher frei umgeht. Die Kunst liegt aber darin, dass es nicht störend oder gar negativ auffällt. Erst wenn man gezielt drauf achtet oder die Handlungen im Vergleich Revue passieren lässt, wird es sehr deutlich. Das tut man, oder tue ich, aber erst nach dem Film. Während er läuft ist die Handlung so rasant und sind die Schocks so gut gesetzt, dass man einfach mitgerissen wird.

Der Film hat seine Schwachpunkte. So kommen einige der sieben „Verlierer“ viel zu wenig zur Geltung. Der „Endkampf“ ist schlicht und ergreifend eine Enttäuschung. Aber die Stärken überwiegen. Und auch bei der Zweitsichtung bin ich der Ansicht, dass wir von der Darstellerin der Beverly Marsh, Sophia Lillis, noch hören werden – oder wenigstens sollten. Ich bin auf den zweiten Teil gespannt, aber der lässt ja noch ein wenig auf sich warten.

Dann habe ich in den letzten Tagen und Wochen einen Ohrwurm, den ich noch gerne mit euch teilen möchte. Es handelt sich um das Lied „World of Promises“ der österreichischen Band mind.in.a.box.

Diese erzählen nun schon über mehrere Alben hinweg eine fortlaufende Geschichte, die unter anderem an Versatzstücke von „1984“ oder auch „Matrix“ erinnert. Konzeptalbum reiht sich also an Konzeptalbum. Der Vocoder-Gesang ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich finde, dass gerade durch diesen Technikeinsatz eine enorme Atmosphäre und auch Gefühle transportiert werden, was bei einem klaren Gesang so nicht der Fall wäre:

Und last, but not least, möchte ich euch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass auch ich mich mit dem momentanen Schreckgespenst der Netzgemeinde, der Datenschutzgrundverordnung, auseinandersetzen musste und zumindest meine Datenschutzerklärung entsprechend angepasst habe. Ihr findet sie über das Menü oben oder hier.

Gut, ihr Lieben, damit entlasse ich euch in den Sonntagabend. Ich wünsche euch einen guten Start in die kommende Woche. Passt auf euch auf und achtet darauf, dass die schönen Dinge in eurem Leben überwiegen.

Euer Michael

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Leipziger Allerlei 2018 (7) Die #9lesen Videos sind da!

*** Breaking News ***

Wow, das ging schnell und kam dann heute doch fast ein wenig unerwartet. Ich wusste zwar, dass die liebe Babsi eifrig bei der Arbeit ist, um die Lesungsvideos aufzubereiten, aber dass bereits heute alle zur Verfügung stehen und auch veröffentlicht sein würden, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet.

Lange Rede: Ab sofort könnt ihr die Videos der #9lesen-Autoren, die einer Veröffentlichung zugestimmt haben, ganz bequem über die Website anschauen, wo sie als YouTube-Playlist eingebettet sind. Natürlich sind die Videos auch einzeln auf unserem YouTube-Kanal zu sehen.

Freut euch also auf Texte von Andrea Schrader, Hannes Niederhausen, Jana Tomy, Julia von Rein-Hrubesch, Magret Kindermann und Barbara Weiß.

Ach ja – und von mir auch. Ich muss gestehen, ich habe das Video in voller Länge noch gar nicht angeschaut. Da brauche ich das richtige Mindset für, glaube ich. Es ist halt immer noch ungewohnt sich selbst zu sehen und zu hören. Und das jetzt auch noch im Internet.

Aber gut, ich habe mir das so ausgesucht und ich finde, es gehört auch dazu. Wenn ich mich schon vor Live-Publikum nicht blamiert habe, dann tue ich das auch vor euch nicht.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß mit meiner Lesung aus „Der Beobachter und der Turm“. Knappe neuneinhalb Minuten, die ihr ruhig mal investieren könnt 😉 .

Leipziger Allerlei 2018 (5) Mein Text bei #9lesen zum nachlesen

Da der Wunsch geäußert wurde und weil die Bereitstellung des Mitschnitts noch ein wenig auf sich warten lassen wird (ganz ehrlich: Ich möchte den Job nicht haben!), veröffentliche ich den Text, den ich bei #9lesen gelesen habe, hier auf dem Blog.

Darüber, wie die Stelle zustande gekommen ist, habe ich ja hier schon ein wenig erzählt. Deswegen will ich euch gar nicht lange mit weiterer Exposition nerven, sondern komme direkt auf den Punkt.

Ich wünsche euch viel Spaß mit der Leseprobe aus „Der Beobachter und der Turm“ und freue mich natürlich über Feedback 🙂 !

Richard begann zu laufen. Er sah nicht mehr zurück und achtete auch nicht auf die Personen, die ihm entgegenkamen. Er wurde erst langsamer, als er wieder auf der Promenade stand. Er rannte nach links, ungeachtet der tief stehenden Wolken und des Regens, der sich aus ihnen ergoss. Etwas in ihm löste sich, der Knoten platzte und der Regen vermischte sich mit dem aus seinen Augen fließenden Wasser.

Jetzt wurde er langsamer, blieb endlich stehen. Er beugte sich nach vorne und war für einen Moment überzeugt, sich übergeben zu müssen. Alles an Demütigung und Scham, an zerstörter Hoffnung und erstmals auch Verzweiflung kam hervor.

»Ja«, sagte eine Stimme ton- und emotionslos neben ihm. Richard sah auf. Er sah in das starre und ausdruckslose Gesicht des Beobachters. Der Mann sah ihn an und doch war es, als würde er ihn gar nicht zur Kenntnis nehmen. Ein Blitz zerfaserte die Wolkendecke und in dem kurzen Lichtschein konnte Richard einen genaueren Blick in die Augen des Mannes werfen. Sie waren starr wie die von Reptilien.

»Verschwinden Sie«, sagte Richard leise, aber der Mann machte keine Anstalten. Stattdessen wandte er sich dem Meer zu und sah auf die sturmgepeitschte See hinaus. Richard ließ ihn gewähren. Es war ihm egal. Sollte der Kerl doch machen, was er wollte. Im Augenblick wollte er niemanden sehen. Er wollte gar nichts sehen.

»Da!« Es war ein kehliger Laut, wie von einem nichtmenschlichen Wesen, das mühsam versucht, die menschliche Sprache zu imitieren. Richard musste gegen seinen Willen aufsehen. Der Beobachter stand an der Promenade und starrte wieder auf die See.

Ein Verrückter. Er war überhaupt nur noch von Verrückten umgeben. Seine Frau war verrückt, weil sie auf einmal wieder versuchte, sich an ihn heranzuschmeißen. Die Hure war nymphoman und damit per Definition verrückt. Und daran, dass er selbst verrückt war, konnte es keinen Zweifel geben.

Und dieser Kerl hier? Der setzte den Verrücktheiten des Tages die Krone auf.

»Da!«, wiederholte die Gestalt.

»Halt den Mund!« Richard fuhr den Mann an und die Wut bekam ihm ausgesprochen gut. Er atmete, immer noch auf die Knie gestützt, zweimal tief durch.

Kurz wandte sich der Beobachter zu ihm und zum ersten Mal überhaupt wirkte es so, als würden sie sich gleichzeitig zur selben Zeit am selben Ort aufhalten. Richard fröstelte, als er die Augen sah. Nicht nur, dass sie starr waren, sie funkelten.

»Der Turm!«

Die Stimme wurde sicherer, ging Richard aber nach wie vor durch Mark und Bein. Doch dann reichte es ihm.

»So, jetzt pass mal auf. Ich habe dir im Guten gesagt, dass du verschwinden sollst. Du wolltest nicht hören. Eigentlich bin ich ein umgänglicher Mensch, aber …«

Er erzielte keinen Effekt. Richard stieß den Mann an, der nur ein wenig zur Seite wich. Und dann endlich sah Richard, was den Beobachter so in seinen Bann schlug.

»Was zum …«

Zwei Blitze folgten direkt aufeinander. Der Donner rollte über die See. Das Gewitter musste sich jetzt fast direkt über der Stadt befinden. Aber das alles störte in diesem Moment weder den Beobachter noch Richard. Der Anblick, der sich ihm bot, war viel zu unglaublich, als dass ein wenig Wetter noch eine Bedeutung hätte haben können.
Aus dem Meer, inmitten des alten Hafenbeckens, auf dem Fundament eines schroffen Felsen stehend, erhob sich ein Turm. Das Gebäude grenzte sich kaum gegen den fast schwarzen Himmel ab. Es war nur ein Schatten zwischen den heranrollenden Wellen und wenn die sich nicht an dem Felsen gebrochen hätten, dann hätte er an seiner Existenz gezweifelt.

»Der Turm!«

Richard schüttelte den Kopf, schloss krampfhaft die Augen, nur um sie wieder aufzureißen. Der Turm war immer noch da. Richard konnte nicht anders, als sich selbst eine Ohrfeige zu geben. Fest! Aber nichts änderte sich.

Weitere Blitze ließen keinen Zweifel daran zu, dass das Gebäude existierte.
Im Augenblick war es nur ein Schemen. Fast nicht zu sehen, aber doch zu sichtbar, als dass es einen Zweifel hätte geben können.

Dunkel, unheimlich und absolut unerklärlich. Und der Beobachter war in eine Art religiöse Verzückung geraten. Er stierte den Turm an und war nicht in der Lage, den Blick abzuwenden.

Richard zitterte. Die Kälte griff von innen und außen gleichzeitig nach ihm. Alle Gedanken froren ein und versperrten sich gegenseitig den Weg. Was er sah, ergab keinen Sinn.

Aber alles war Realität. Der verdammte Beobachter und der schreckenerregende Turm!

Der Beobachter hatte seine Lethargie abgeworfen und machte jetzt Anstalten, vor Begeisterung auf und ab zu hüpfen. Wenn es Antwort auf die Frage gab, was das hier war, dann gab es sie bei diesem Mann.

Richard hielt sich nicht mit Höflichkeit auf, er packte die Schulter des Mannes, drückte fest zu und musste doch erleben, wie er trotz aller Kraftanstrengung fast mit in die Luft gehoben und um die eigene Achse gedreht wurde bei jedem Satz, den die Gestalt machte. Wo holte diese skelettartige Figur nur ihre erstaunliche Kraft her?

»Was ist das da?«

»Der Turm!«

Möwen kreischten im Wind, irgendwo über ihm und zogen sich dann ins Landesinnere zurück. Richard wusste, dass das genau das war, was auch er tun sollte.
Aber noch konnte er sich nicht losreißen, war wie festgefroren. Das hier war unmöglich, einfach nicht real!

Der Beobachter hatte sich längst gelöst und drehte sich jetzt zu Richard um. Eine Sekunde später lag dieser auf seinem Rücken auf der kalten und regenüberfluteten Promenade. Der Beobachter hatte ihn einfach über den Haufen gerannt.

Der Regen schlug Richard ins Gesicht. Am liebsten wäre er einfach so liegen geblieben und hätte gewartet, bis dieser Wahnsinn ein Ende nahm. Irgendwann musste die Sonne wieder aufgehen und dann würde sich alles in Wohlgefallen auflösen. Es musste einfach alles wieder normal werden.

Aber etwas sagte ihm, dass er in Gefahr war, wenn er einfach hierblieb. Mühsam rappelte er sich wieder auf und der erste Blick ging zu dem schwarzen Turm, der alt und verfallen aussah, gleichzeitig aber wie ein Fanal der Bedrohung.

Der Beobachter rannte in einem irrsinnigen Tempo über die alte Mole. Wieselflink erreichte der schattenhafte Umriss, den Richard immer nur dann sehen konnte, wenn ein weiterer Blitz den Himmel erhellte, ihr Ende.

Richard sah noch einmal auf das Gebäude. Es bereitete ihm eine Form von mentalem Schmerz. Er konnte es immer noch nicht akzeptieren.

Als er wieder nach dem Beobachter schaute, stellte er fest, dass der Mann nicht mehr zu sehen war. Er musste ins Wasser gesprungen sein, um zu seinem Turm zu schwimmen, oder …

»Oder er ist einfach verschwunden«, sagte Richard und der Wind riss die Worte von seinen Lippen. »Genauso, wie er es bei jeder anderen Begegnung getan hat.«

Das war zu viel für ihn. Wenn er auch nur noch einen Moment länger hierblieb, dann würde er wahnsinnig werden. Oder er sprang selbst ins Wasser und brachte sich um. Irgendwas, nur um dem hier nicht mehr ausgesetzt zu sein.

Er zwang sich, wozu es großer Kraft- und Willensanstrengung benötigte, sich umzudrehen und mit von der See abgewandtem Kopf direkt auf einen der Durchgänge zur Innenstadt zuzuhalten. Über ihm kreischten wieder die Möwen, aber er ignorierte sie. Er durfte nicht zurücksehen. Er musste vergessen, was er gesehen hatte!

Richard ging schneller, verfiel in einen leichten Trab. Und als er in seine Straße abbog, war er schon lange am Rennen.

Aus dem Schatten der Häuserwand aber löste sich eine dunkle, in der Finsternis nicht näher auszumachende Gestalt. Auch die Blitze erhellten weder sie noch ihre Gesichtszüge. Deswegen hätte Richard sie wahrscheinlich nicht einmal dann gesehen, wenn er zufällig in ihre Richtung geblickt hätte. Mit unmenschlich schnellen Schritten bewegte sie sich auf den Eingang des Bordells zu, gab ein zischendes Geräusch von sich, richtete sich auf und verschwand dann um die nächste Häuserecke.

Leipziger Allerlei 2018 (3) #9lesen – so war es

Nun denn: Die Lesung am Freitag. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich das schreibe, ist die Veranstaltung schon beinahe zwei Tage her (und zu dem, wo ich es veröffentliche, noch ein wenig länger). Zwei Tage sind auf der Buchmesse beinahe so lang und intensiv wie zwei Monate im normalen Leben. Aber dennoch versuche ich, die Stimmung dieses Abends so gut wie möglich noch einmal für euch aufleben zu lassen.

#9lesen also. Es hatte etwas surreales, auf der Messe auf einmal vor einem der Plakate zu stehen, die für diese Veranstaltung warben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der eigene Name damit auf einmal in einer Reihe mit vielen anderen, viel etablierteren Autoren steht, für die an gleicher Stelle, nämlich an einer der langen Seitenwände der Hallen, geworben wird. Dienstbare Geister, namentlich Kia Kahawa mit Unterstützung, hatten dafür gesorgt, dass in so ziemlich jeder Halle eines der Plakate zu finden war.

Dennoch war ich erstaunlich ruhig, als ich am Freitag über die Messe lief. Das hatte mit Sicherheit damit zu tun, dass ich vorher noch Sorgen wegen meiner Anschlüsse und meiner Unterkunft hatte.

Auf der Messe habe ich mich dann erst eine Weile treiben lassen, zwischendurch einen Blumenstrauß gefangen (dazu schreibe ich einen eigenen Beitrag) und dann, bei der Gelegenheit, Jana Tomy und ihren Freund Chris aufgegabelt, mit denen ich mich kurz darauf auf den Weg in die Leipziger Innenstadt machte.

Als wir im Morrison’s eintrafen, waren die meisten anderen Autoren und Autorinnen schon da. Vorne, an der Bühne, war die Technik aufgebaut, um die sich Kia, Babsi Weiß, Julia von Rein-Hrubesch und Hannes Niederhausen gekümmert hatten. Bei einigen war die Spannung beinahe greifbar, andere, ganz vorneweg unsere Chef-Organisatorin Andrea Schrader, wirkten sehr ruhig – und das, obwohl Andrea ja mit Baby vor Ort war. Magret Kindermann und Florian Eckardt vervollständigten unser Vorleser-Team.

Ich muss gestehen, dass ich in dem Moment, wo ich das Mikro sah, zum ersten Mal so wirklich realisierte, dass ich mich später dahin setzen würde und dass ich wirklich das, was ich mir herausgesucht hatte, vor Publikum lesen würde!

Überhaupt: Publikum! Von dort, wo ich gesessen und auf meinen Einsatz gewartet habe, war es schwer, einen Überblick über den Raum zu bekommen, der ohnehin eine nicht wirklich übersichtliche Grundfläche hatte. Aber ich habe mir sagen lassen, dass wir den „Saal“ gut gefüllt haben.

Ob ich das nicht selbst gesehen habe, als ich mich als Siebter von uns Neun auf die Bühne bewegt habe? Liebe Leute, ich war froh, dass ich das nicht zu genau gesehen habe! Das hätte mich schlimmstenfalls nämlich vollends aus dem Konzept gebracht.

Die Kolleginnen und Kollegen vor und nach mir haben wirklich sehr gut gelesen. Ich war ja glücklich, dass ich nicht zu früh dran war. Da war das Publikum nämlich schon „warm gelesen“. Und es sparte auch nicht mit Applaus für uns Autoren, von denen einige ja immerhin zum ersten Mal auf einer Bühne standen und das dann auch noch mit unveröffentlichten Texten.

Die Moderation für den Abend hat Jana übernommen, der man angemerkt hat, dass sie vom Theater kommt. Nachdem sie sich einmal eingegroovt hatte, war sie witzig, sie war charmant und sie brachte die Infos, die sie sich vorher von uns eingeholt hatte, sehr gut rüber.

Ich hatte ihr in den Block diktiert, dass ich mein ganzes Leben lang etwas mit Wörtern machen wollte und nun beruflich im Reich der Zahlen festhänge, dass ich 30 Jahre gebraucht habe, um zu begreifen, dass „Autor sein“ auch bedeutet, dass man mal was veröffentlicht – und dass ich eben aus diesem Grund dieses Jahr mein Debüt bei Scylla veröffentliche.

Und dann saß ich da, vor diesem Mikro, den Blick in den Raum gerichtet, einige mich zuversichtlich anlächelnde Gesichter vor mir. Schräg von mir hatte Babsi ihre Kamera aufgebaut, die das Ganze aufgezeichnet hat (wer es noch nicht mitbekommen hat: Ja, es wird einen Mitschnitt der meisten Lesenden geben!). Mein Beitragsbild hat im Übrigen Kia geschossen und über Twitter veröffentlicht.

Mir wurde ein wenig meine Größe zum Verhängnis, was dazu beitrug, dass ich den Blick ins Publikum nicht so suchen konnte, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich musste nämlich den Kopf ziemlich senken, um nicht über das Mikro hinweg zu reden. Hinterher habe ich gehört, dass ich dadurch fast schon zu laut war. Aber mir fehlte halt die Erfahrung.

Es war schon schlimm genug, meine eigene Stimme aus der Box neben mir zu hören. Ich empfinde meine Stimme, so wie wohl alle Menschen, ganz anders, als sie tatsächlich klingt. Es war überraschend, dass ich dann doch eine relativ dunkle Stimme hatte. Und das dann in laut und deutlich.

Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass ich recht schnell durch meinen Text gehuscht bin. In den Probedurchläufen hatte ich runde acht Minuten gebraucht, natürlich ohne vorher noch was zur Grundstory zu erzählen. Jetzt waren es mit der Einführung etwas über acht Minuten.

Die Nervosität hielt sich alles in allem dann doch in Grenzen: Ich bin weder vorher, noch hinterher in Ohnmacht gefallen. Und ich konnte den Applaus, den ich bekommen habe, auch annehmen, ohne mich veralbert zu fühlen.

Klingt das jetzt über die Maßen gemein? So ist es nicht gemeint. Aber, ihr kennt mich, ich bin ein sehr selbstkritischer Zeitgenosse und da liegt es mir natürlich nahe, dass ich nicht wirklich glauben kann, dass die positiven Reaktionen ernst gemeint sind. Aber das war nicht der Fall! Nein, ich fand den Applaus gut, er fühlte sich gut an.

Umso „tragischer“ ist, dass diese Stimmung nicht so lange anhielt. Das Lob, das ich anschließend von einigen Mitlesern und Zuhörern bekommen habe, konnte ich nur schwer annehmen. Es schien nichts mit mir zu tun zu haben. Ob das nur mir so gegangen ist? Oder ob andere auch, vielleicht heimlich, mit solchen Gedanken zu tun haben?

Jedenfalls habe ich Reaktionen bekommen, die mich gefreut und auch ermuntert haben. Sowohl für meine Art zu lesen, als auch für die Geschichte selbst. Auch wenn ich im ersten Moment sicherlich viel zu sehr „wie, ich?“ gewesen bin. Aber es passiert mir nicht alle Tage, dass ein Textausschnitt von mir mit H.P. Lovecraft verglichen wird …

Was ich an der ganzen Aktion ein wenig schade fand war, dass die Autoren viel zu sehr auseinander saßen. Aber das hatte halt auch was mit der räumlichen Situation zu tun. Wir haben das aber schon als einen der Punkte festgestellt, an denen wir bei der nächsten Lesung drehen wollen.

Ja, richtig gelesen: Wir planen bereits die nächste Lesung im Format #9lesen. Ob daran dieselben Autoren teilnehmen, oder ob wir im Laufe der Zeit so eine Art „Autorenpool“ bilden, aus dem sich zu den verschiedenen Events neun finden (lassen), das steht alles noch ein wenig in den Sternen. Aber Andrea und Jana haben sich schon fest vorgenommen und vor Publikum verkündet, dass anlässlich der Frankfurter Buchmesse wieder eine Lesung stattfindet.

Ob ich mir vorstellen kann, dann wieder dabei zu sein? Aber sicher! Wenn ich es denn hinkriege, nach Frankfurt zu fahren, wenn das irgendwie in meinen Terminplan und die Urlaubsplanung passt, dann kann ich mir das sogar sehr gut vorstellen. Ich weiß zwar noch nicht, was ich dann lesen würde, muss ich aber ja auch nicht. Ein Traum wäre es natürlich, wenn ich dann schon etwas aus „Der Morgen danach“ lesen könnte. Aber das ist eine andere Baustelle.

Jetzt freue ich mich erst einmal, dass das alles so gut geklappt hat. Und in den nächsten Tagen wird sicherlich das eine oder andere noch weiter durchsacken. Es dürfte spannend werden, wie sich das dann anfühlt.

An euch geht mein Dank, dass ihr mich im Vorfeld so ermutigt habt! Das hat mir wirklich geholfen. Und wenn es Neuigkeiten gibt, dann erfahrt ihr es natürlich. Zum Beispiel, wenn die Videos der Lesung online gehen 🙂 .

Und falls ihr Interesse haben solltet, kann ich natürlich auch gerne meinen Leseabschnitt als Leseprobe in den Blog stellen.

Leipziger Allerlei 2018 (1) #9lesen kann kommen!

Auch in diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, zumindest ein wenig von meinem Messeerlebnis auf der Leipziger Buchmesse zu berichten. Und ich dachte mir, ich könnte genauso gut jetzt schon damit anfangen.

Heute habe ich mir eine große Liste mit Dingen geschrieben, die ich auf keinen Fall vergessen darf, mitzunehmen. Und ganz oben stand, wie nicht anders zu erwarten, der Leseausschnitt, den ich für #9lesen ausgesucht habe.

Für die Lesung habe ich den Zeilenabstand vergrößert und die Schriftgröße heraufgesetzt. Damit verteilen sich die rund 1.300 Wörter jetzt auf ganze fünf Seiten. Muss ich halt zwischendurch ein wenig blättern. Aber das ist mir lieber, als dass ich hinterher das Papier genau vor mein Gesicht halten muss, weil ich sonst nichts erkennen kann.

Wobei … vielleicht wäre das ja die bessere Alternative? 😉

Wir werden es sehen, wenn hinterher der Videomitschnitt verfügbar ist. Falls ich den überhaupt freigebe. Ich mag meine Stimme nicht, wenn sie aufgenommen wird, ich stehe Fotos von mir eher skeptisch gegenüber, aber ein Video. Ja, nee, ist klar.

Aber gut, die Vorbereitungen sind soweit durch, die Kolleginnen und Kollegen, die sich um die Technik kümmern, sind für alle Eventualitäten gerüstet und jetzt kann die Lesung eigentlich kommen.

Nein, das negiert nicht meinen Beitrag von vorgestern. Aber so langsam komme ich an den Punkt, wo ich akzeptiere, dass es nun einmal bald soweit ist und dass es jetzt auch „sein muss“. Das ist ein geringfügiger Unterschied.

Die Erleichterung und hoffentlich auch der Stolz, es durchgezogen zu haben, kommt dann hoffentlich hinterher. In ungefähr 48 bis 49 Stunden wissen wir alle mehr.

Wollt ihr einen Blick auf meinen Lesungstext werfen? Dann hier, bitteschön, der Anfang davon:

Mehr gibt es erst am Freitag im Irish Pub – oder halt danach 🙂 . Und falls ihr noch einmal die Infos zur Lesung haben wollt, die findet ihr hier.

#9lesen – Was ich lese und warum ich es lese

Kinder, wie die Zeit vergeht. Inzwischen sind es nur noch neun Tage, bis für mich nicht nur die Leipziger Buchmesse losgeht, sondern bis ich am Abend des 16.03. auf einer Bühne stehen werde, um aus einem meiner Texte vorzulesen.

Wie ich ja schon in dem kleinen Interview, das ich mit mir selber geführt habe, verraten habe, werde ich aus meinem Roman „Der Beobachter und der Turm“ vorlesen. Es war die logische Wahl. Wenn wir, mein Verlag und ich, im Reifeprozess für „Der Morgen danach“ schon weiter gediehen wären, dann wäre ich vielleicht auf diesen Roman umgeschwenkt, aber da ist im Moment noch zu viel im Fluss. Dasselbe gilt für das Projekt, an dem ich gerade schreibe, der ehemaligen Kurzgeschichte „Das Kind“ – die noch einen neuen Namen erhalten wird.

Ich habe einfach beschlossen, dass der „Beobachter“ an der Reihe ist. Nicht zuletzt ja auch, weil ich nun versuche, für ihn eine Veröffentlichungsmöglichkeit aufzutun. Das hat zwar keinen direkten Bezug zur Lesung, aber irgendwie hat es doch etwas davon, seinen Marktwert ein wenig zu testen.

Dabei kann ich nur noch einmal sagen, dass ich selbst von diesem Roman überzeugt bin. Muss ich wohl sein, wenn mir das Ding auch anderthalb Jahre nach seiner Fertigstellung und über siebzehn Jahren seit seiner rudimentären Erstfassung nicht aus dem Kopf geht.

Woraus ich lesen würde, stand also relativ schnell fest. Ein wenig schwerer habe ich mich mit der Wahl getan, was genau ich denn vorlesen möchte. Die Textstelle sollte einigermaßen prägnant sein, sie sollte Lust auf Mehr machen und sie durfte vor allen Dingen nicht zu lang sein. Da wir bei #9lesen mit, Überraschung, neun Autoren auf der Bühne sein werden, hat jeder von uns runde zehn Minuten Zeit für sich. Ansonsten würde der Abend eine unendliche Geschichte werden und kein Publikum der Welt hat unendliche Geduld.

Nun gehöre ich zu den Autoren, die schon mal ein wenig länger brauchen, bis sie in einer Szene auf den Punkt kommen. Eine weitere Schwierigkeit, die zu umschiffen war. Dazu kommt die Struktur des „Beobachters“. Auch wenn ich ihn nominell in die Sparte Horror einsortieren würde, nimmt er sich eine relativ lange Anlaufzeit, bis er endgültig in diese Richtung schwenkt. Nicht umsonst nenne ich ihn auch manchmal spaßeshalber meinen eigenen „Stephen-King-Roman“.

Allerdings gibt es in diesem Roman, ebenfalls der Struktur geschuldet, den einen Moment, in dem die Stimmung endgültig kippt. Nachdem es vorher leise Andeutungen gegeben hat, dass im Leben meines Protagonisten Richard Lenhard nicht alles mit rechten Dingen zugeht, ist ab dieser Szene klar, woher der Wind weht. Und zwar immer schön in Richards Gesicht. Das macht diese Szene zu einer sehr guten Stelle, um sie vorzulesen. Es wird sozusagen alles geboten, was der Titel verspricht.

Aber dadurch, dass ich mir dann doch ziemlich schnell einig mit mir selbst war, dass ich diese Szene lesen wollte, hatte ich andererseits noch viel Gelegenheit, mir die Frage zu stellen, ob das denn wirklich eine gute Wahl ist.

Sicher, es gibt horriblere Stellen im Manuskript. Stellen, die vielleicht auch repräsentativer für den Roman wären. Aber trotz aller Zweifel komme ich immer wieder zu dem Punkt, dass ich glaube, eine passende Passage gefunden zu haben: Eine Passage, die zeigt, was im Manuskript steckt, die gleichzeitig einen Entwicklungspunkt markiert und, nicht ganz unwichtig, recht gut für ein Publikum einzuordnen ist, das vorerst nicht mehr von dieser Geschichte zu hören und zu sehen bekommen wird als das, was ich in neun Tagen vorlesen werde.

Jetzt muss ich das Ganze noch zwei- oder dreimal üben und schauen, ob ich noch einige Sätze kürzen muss, um auf eine passende Zeit zu kommen. Mein letzter Lesedurchgang tickte bei etwas mehr als acht Minuten ein, was mir zwei Minuten für Intro und Outro lässt. Ob das reichen wird, das muss ich sehen. Ich werde jedenfalls meine Einleitung nicht vom Blatt ablesen, das habe ich mir fest vorgenommen.

Und ansonsten vertraue ich darauf, dass mich jemand rechtzeitig von der Bühne zerrt 😉 .

Merkt man eigentlich, dass ich langsam aufgeregt bin? Nur noch neun Tage – Kinder, wie die Zeit vergeht!

Acht Wochen sind ‚rum, die nächste Agentur bitte

Kinder, wie die Zeit vergeht. Erinnert ihr euch noch an den 28.12.2017? Weihnachten lag hinter uns, das Jahr in den letzten Zügen und die ganzen Katastrophen, die meine kleine Welt zum Jahresbeginn ereilen sollten, noch in der Zukunft.

Damals habe ich euch davon berichtet, dass ich meine erste Bewerbung bei einer Literaturagentur auf den Weg gebracht habe, namentlich bei der Michael Meller Agency. Diese Agentur hatte es sich vorab ausbedungen, acht Wochen lang exklusiv über dem eingereichten Exposé zu „Der Beobachter und der Turm“ brüten zu dürfen. So, wie sie zum gleichen Zeitpunkt sicherlich über hundert anderen gebrütet haben.

Nun, da die acht Wochen jetzt vorbei sind und ich nichts gehört habe, kann ich mich nach den Regeln des Business als abgelehnt betrachten. Und soll ich euch was sagen? Es macht mir erstaunlich wenig aus.

Gut, vor ungefähr einer Woche, als ich auf den Kalender sah, um festzustellen, dass es nur noch wenige Tage sind, in denen eine Rückmeldung zu erwarten stünde, habe ich schon mal sanft geschluckt und mir überlegt, wie es danach dann weitergehen soll. Denn, seien wir mal ehrlich, natürlich hört man lieber, dass man da was ganz Tolles geschrieben hat, als das Gegenteil. Oder, in diesem Fall, man hört halt gar nichts.

Aber ich bin Realist. Und als solcher war es von Anfang an meine Erwartungshaltung, dass es nicht auf Anhieb klappen würde. Ich meine, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Manuskripte jeden Tag in irgendeinem Posteingang landen, wieso sollte es dann ausgerechnet meins sein, das gesteigerte Aufmerksamkeit bekommt?

(Weil es gut ist, verdammt nochmal! 😉 )

Tatsächlich habe ich aber vor allem meinen inneren Pessimisten erstaunlich gut im Griff. Als der kurz sein hässliches Haupt reckte, um zu Protokoll zu geben, dass ich mir jede weitere Bewerbung sparen kann, weil mich sowieso alle Agenturen ablehnen werden, bekam er eins mit dem Manuskript übergebraten und zieht es seitdem vor, zu schweigen.

Ich werde also hinter diese Bewerbung einen Haken machen (für dieses Mal) und mich der nächsten Agentur zuwenden, bei der ich mein Glück versuchen will. Ich begreife dies als Möglichkeiten und Chancen, nicht als Notwendigkeit oder gar Qualitätsmerkmal. Manchmal kommt man einfach zur falschen Zeit mit dem falschen Stoff. Das ist dann so und sagt nichts über meine Fähigkeiten als Autor aus.

In diesem Sinne: Acht Wochen sind ‚rum, die Nächste bitte. Vielleicht schaffe ich es schon am Sonntag, die Unterlagen zusammenzustellen. Und wenn nicht, dann eben nächste Woche. Ich habe ja schließlich Zeit.

Und werde euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten 🙂 .