Warum „husch-husch“ manchmal besser als „Eile mit Weile“ ist

Klären wir zu Beginn die Fakten: Ich habe mir ein Aschekreuz auf die Stirn gemalt, den Rest des Drecks auf mein Büßergewand gekippt und mir auch ein nettes kleines Reisigbündel zur Selbstkasteiung gebastelt. Ich bin also in voller Montur angetreten um zu bezeugen, dass ich einen Fehler gemacht habe.

Gut, es ist ein Fehler, der nur mich selbst trifft, weswegen ich auch auf das Tragen eines Dornengürtels verzichte, aber ärgerlich genug ist er trotzdem. Aber weil ein Fehler, den einer macht, ja doch für viele eine Warnung oder ein Fingerzeig sein kann, tue ich ihn hiermit kund:

Ich habe zu viel Zeit auf „Eile mit Weile“ verwendet, wo ein wenig beherztes „husch-husch“ wohl besser angebracht gewesen wäre.

Es geht um meine Agenturbewerbungen mit „Der Beobachter und der Turm“. Die Alteingesessenen unter meinen Lesern erinnern sich, dass ich dieses Manuskript im NaNoWriMo 2015 geschrieben, bzw. beendet habe. Danach lag es erst einmal eine Weile in der Gegend herum, weil ich direkt an „Die Welt der stillen Schiffe“ weiter schrieb. Ist ja auch okay so, man liest ja überall, dass man seine frisch gepressten Werke erst einmal ein wenig ruhen lassen soll, bevor man sie sich wieder zur Brust nimmt.

Deswegen war es auch vollkommen okay, dass ich erst im Sommer 2016 wieder zu meinem Manuskript zurückkehrte und es an eine Riege von Testlesern verschickte. Diese nahmen sich teils viel Zeit und machten hervorragende Vorschläge zur Verbesserung des Manuskripts, die ich auch gerne umsetzte, soweit ich mit ihnen übereinstimmte.

Und dann passierte … irgendwie gar nichts und doch unglaublich viel

Ich begann damit, einen neuen Roman zu schreiben, der bis jetzt unvollendet geblieben ist. Ich schrieb diverse Kurzgeschichten, von denen zwei für Anthologien angenommen wurden. Nebenbei schrieb ich meinen Roman „Der Morgen danach“ für eine geplante Verlagsveröffentlichung um. Irgendwie war immer irgendwas zu tun was auf irgendeine Art der Beschäftigung mit „Der Beobachter und der Turm“ im Weg stand.

Das fällt mir jetzt, wo ich mich wieder mit diesem Roman zu beschäftigen begonnen habe, richtig vor die Füße. Es war ein Fehler, nicht dran zu bleiben und, wie ich ja schon schrieb, die administrativen Arbeiten so einer Bewerbung frühzeitig in Angriff zu nehmen. Denn inzwischen hat sich mein Blick auf den Roman wieder verändert, ist gleichsam kritischer, aber auch unsicherer geworden.

Das habe ich gemerkt, als ich jetzt die verschiedenen Leseproben zurechtgeschnitten habe. Es fing schon damit an, dass ich in meinem Wust von verschiedenen Versionen Schwierigkeiten hatte, die zu finden, mit der ich mich nun tatsächlich seinerzeit bei be beworben hatte (es hat definitiv nicht geholfen, dass ich teilweise mit Word und teilweise mit Papyrus gearbeitet habe). Aber als ich diese dann gefunden hatte, fing das Drama erst an:

Ich las die ersten paar Seiten noch einmal und wurde auf einmal unsicher, ob die sich wirklich in dieser Form für eine Veröffentlichung eignen. Nein, es ging nicht darum, dass ich auf einmal glänzende neue Ideen, einen ganz neuen Blick auf meine Orthografie oder etwas ähnlich konstruktives gehabt hätte. Es war ein rein destruktives „das taugt nicht viel“.

Nun, ich habe das Glück, dass ich mit diesem Manuskript den Weg gegangen bin, andere Menschen mit ins Boot zu holen, denen ich in ihrem Urteil vertraue. Denn so konnte ich mir noch einmal die von dort stammenden Anmerkungen durchlesen und zu dem (halbwegs) gesicherten Schluss kommen, dass das, was da steht, doch nicht so schlecht ist. Und ich erinnerte mich auch noch einmal an den Kommentar des Lektors von be, der meine Schreibe prinzipiell gut fand, auch wenn der Romanbeginn ihm etwas zu bedeutungsschwanger daher kam (was ich durch einen neuen Prolog ein wenig ausgeglichen zu haben glaube).

Somit konnte die ganz große und existenzielle Krise (erst einmal) im Keim erstickt werden. Aber es wäre nie dazu gekommen, wenn ich nicht seinerzeit diesen dummen Fehler gemacht hätte.

Deswegen formuliere ich einen ganz einfachen Merksatz, den ich mir hinter die Ohren schreiben werde:

Bleibt an euren Geschichten dran, gebt ihnen etwas Zeit, aber dann kümmert euch um sie, treibt sie weiter und macht etwas daraus.

Sonst geht es euch vielleicht so wie mir und ihr bekommt diese dummen Zweifel. Und Zweifel haben wir kreativen Menschen ja ohnehin meistens schon mehr, als sie von der Krankenkasse übernommen werden.

Also: dran bleiben! Ich werde es jetzt auch tun. Nachdem ich mich wieder umgezogen und den ganzen Dreck abgewaschen habe …

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Agenturen in der Übersicht

Es ist ja irgendwie immer dasselbe: Man steht am Anfang eines längeren Abschnitts freier Zeit, eines Urlaubs etwa, und denkt sich, dass man dieses oder jenes eigentlich gerne erledigen würde. Man hat ja jede Menge Gelegenheit dazu. Keine Arbeit, die einen abhält. Keine spärliche Freizeit, die man sich so einteilen muss, dass alle Interessen irgendwie zu ihrem Recht kommen. Und, ach ja, regenerieren muss man ja auch noch irgendwie. Sollte man nicht vergessen.

Und dann gehen die Tage ins Land und es passiert: nichts. Das kennt ihr sicher. Es finden sich immer andere Dinge, die man erledigen muss, oder die einfach gerade „dran“ zu sein scheinen. Dann, ehe man es sich versieht, ist der Urlaub doch schon wieder vorbei, steht der Alltag wieder vor der Tür und man bekommt Schweißflecken unter den Achseln, weil einem alle seine Sünden wieder einfallen.

In meinem Fall ist dies mit den Agenturbewerbungen so. Eigentlich, ihr erinnert euch sicher, wollte ich mich in meinem Urlaub mit „Der Beobachter und der Turm“ bei mindestens einer, wenn nicht sogar mehr, Agenturen beworben haben. Mein letzter Beitrag hierzu datiert vom 28.10. (!) und heute schreiben wir den 11.11.

Hat ja wieder einmal prima geklappt, nicht wahr? 😉

Ich muss also einsehen, dass es schwierig wird, eine Bewerbung jetzt wirklich noch zustande zu bringen, zumal ich nicht glaube, dass ich mir oder meinem Anliegen einen Gefallen damit tue, wenn ich die Sache jetzt übers Knie breche. Das geht bestenfalls zu Lasten meiner oben angesprochenen Regeneration (die ja sowieso, ich erwähnte es, eher fragwürdig ist), schlimmstenfalls macht es mir die ganze Bewerbung kaputt.

Was mich aber nicht davon abgehalten hat, zumindest einen weiteren Zwischenschritt zur Bewerbung zu unternehmen.

Ich hatte mir ja bereits ein Dutzend Agenturen ausgesucht, die anscheinend keine Berührungsängste zu dem von mir vorgelegten Genre zu haben scheinen. Eine dieser Agenturen ist jetzt noch einmal herausgeflogen, weil ich bei nochmaligem Studium der Website ein komisches Gefühl bekam, dem ich gefolgt bin.

Es bleiben also elf Agenturen übrig, die alle mal mehr und mal mehr voneinander abweichende Anforderungen an die Form, den Inhalt und die Gliederung der Bewerbungsunterlagen stellen. Diese Informationen habe ich mir von den Websites zusammen gesucht und übersichtlich in einer Excel-Tabelle zusammengefasst:

Die Tabelle gliedert folgende Punkte:

  • Name der Agentur
  • Webadresse
  • Mailadresse für die Bewerbung
  • Ansprechpartner (sofern angegeben)
  • Info darüber, ob eine Vita gewünscht wird (kurioser Weise nicht immer der Fall) und wenn ja, was drin stehen soll
  • Info darüber, ob eine Erklärung abzugeben ist, welche anderen Agenturen (und Verlage) das Werk bereits zur Prüfung vorliegen haben/hatten. Manchmal wird sogar gefordert, dass die Einschätzung dieser mitgeteilt wird
  • Info darüber, ob sich die Agentur einen Exklusivitätsanspruch ausbedingt
  • Weitere allgemeine Hinweise zu Besonderheiten (z.B. ein spezieller Fragebogen im Fall einer Agentur)
  • Info über Umfang eines beizubringenden Exposé
  • Info darüber, ob ein spezieller Pitch gewünscht wird
  • Info darüber, ob eine Zielgruppe angegeben werden soll
  • Info über den Umfang der gewünschten Leseprobe
  • Info darüber, ob die Charaktere des Romans kurz vorgestellt werden sollen
  • Info darüber, ob eine Einschätzung abgegeben werden soll, was das Alleinstellungsmerkmal des Romans ist
  • Die Angabe der Agentur, wie lange sie etwa für die Prüfung der Bewerbung brauchen wird …
  • … und ob sie eine Rückmeldung dazu gibt, oder ob einfach nach Ablauf einer Frist von einer Ablehnung auszugehen ist

Anhand dieser Liste kann ich jetzt weiter vorgehen und mir zum Beispiel morgen als vorbereitende Arbeit noch die Leseproben vornehmen, diese also in den jeweiligen Längen erstellen. Das Exposé, das ich seinerzeit für meine Bewerbung bei be geschrieben habe, passt ebenfalls zu den meisten Anforderungen. An der einen oder anderen Stelle muss ich nacharbeiten, aber das war mir ja bewusst.

Wichtig ist für mich aber auch, die potenziellen Laufzeiten und den Exklusivitätsanspruch im Blick zu haben. Da muss ich abwägen, bei welcher Agentur ich mich „lieber“ sähe, als bei einer anderen. Als Beispiel: AVA International erwarten absolute Exklusivität in allen Belangen. Dafür sind sie auch, so die Angabe auf der Website, binnen 30 Tagen in der Lage, eine Einschätzung abzugeben. Das kann ein Vorteil sein, kann aber auch ein Nachteil sein. Ganz nachdem, wie viel Geduld ich mitbringe, oder auch nicht.

Wie dem auch sei, einen kleinen Schritt bin ich damit wieder voran gekommen und mühsam ernähren sich ja bekanntlich nicht nur die Eichhörnchen, sondern auch die Schriftsteller. Wäre doch gelacht, wenn wir nicht noch rechtzeitig vor dem Winter einen kleinen Vorrat an Bewerbungsunterlagen geschrieben hätten, nicht wahr?

Ich halte euch gerne auf dem Laufenden, wenn ihr mögt 🙂 .

Das Agenten-Suchspiel

In den letzten Tagen habe ich mich mal wieder mit dem Oberthema „Veröffentlichung“ beschäftigt. Es gibt da ja diese Texte auf meiner Festplatte, die sogar schon einmal bei einem Verlag vorgesprochen haben, es dort aber nicht zu einer Veröffentlichung brachten – und danach sang- und klanglos wieder in der Schublade verschwanden.

Das ist selbstverständlich kein Zustand. Das weiß ich selber. Aber da sonst niemand da ist, der mich angemessen (real und nicht virtuell) in den Hintern treten kann, muss ich immer selbst den Punkt finden, um aus dem Wissen um einen Umstand auch eine mehr oder weniger umständliche Aktion zu machen.

Sprechen wir also über „Der Beobachter und der Turm“. Ein Thema, das mich, euch und diesen Blog schon beinahe zwei Jahre begleitet (mich noch länger, aber ich rechne mal großzügig ab Fertigstellung).

Das Manuskript ist in meinen Augen so fertig, wie ich es nun einmal hinbekomme. Ich habe sehr wertvolles Feedback von Testlesern bekommen und eingearbeitet. Es gibt ein vollständiges Exposé mit Pitch, Beschreibung der wichtigsten Personen, und sogar schon eine Leseprobe. Das alles hatte ich für meine Bewerbung bei be, dem digitalen Imprint von Bastei Lübbe, gefertigt.

Aber nachdem die mir antworteten, dass ihnen das Manuskript zu „bedeutungsschwanger“ sei, was immer genau darunter verstanden werden muss, habe ich mich wieder schlafen gelegt.

Gut, man kann sagen, dass ich andere Dinge um die Ohren hatte. Ich habe Kurzgeschichten geschrieben und in Anthologien platziert. Ich habe Romanentwürfe angefangen (und liegen gelassen, ähem). Ich habe viel, viel Zeit auf meinen Blog verwendet. Und ich habe versucht, einen weiteren Roman, „Darkride“, bei be zu platzieren – was auch nicht geklappt hat.

Aber „Der Beobachter und der Turm“ ist wieder aus dem Fokus geraten. Wie ein blinder Fleck auf einem Auge, der zwar da ist, den man aber nur dann wahrnimmt, wenn man bewusst versucht, sich auf ihn zu konzentrieren. Und da, so muss ich gestehen, war es für mich in den letzten Monaten einfach, mich eben nicht darauf zu konzentrieren, weil diese Konzentration mit den üblichen Zweifeln, Sorgen und Nöten einher gegangen wäre, für die ich viel zu anfällig bin.

Aber ich habe ja kürzlich gesagt, dass sich das jetzt ändern soll. Dass ich motiviert bin. Was ich verschwiegen habe war, dass ich durchaus ängstlich bin, mich auch wirklich an die Arbeit zu begeben. Kennt ihr ja sicherlich, dass eine Aufgabe umso größer wird, je länger man sie vor sich her geschoben hat.

Doch ich kann nun von mir behaupten, dass ich den ersten Schritt getan habe.

Und zwar möchte ich gerne, gemäß eines ganz alten Plans von mir, zunächst versuchen, mein Projekt bei einer Literaturagentur unterzubringen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass man an die Publikumsverlage nur heran kommt, wenn man einen Agenten an seiner Seite weiß, der die richtigen Kontakte und das nötige Durchhaltevermögen hat. Und weil ich, wer nicht, natürlich gerne ein großes Publikum hätte, versuche ich zunächst auf diese Weise mein Glück.

Aber wie die richtige Agentur heraussuchen? Nun, da geht es weniger um die richtige, sondern mehr darum, zuerst einmal überhaupt festzustellen, welche Agenturen einen Stoff wie den meinen eigentlich vermitteln. Denn nichts wäre peinlicher, als sich bei einer Agentur für Sachbücher vorzustellen, die dann auch nur den Kopf schütteln und sich fragen würden, wie doof ich eigentlich bin. Und man weiß ja nie, ob ich nicht doch mal ein Sachbuch schreibe und dann bei denen sofort durchs Raster falle, weil: doof 😉 .

Wieder einmal machte sich an dieser Stelle das „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ aus dem Uschtrin-Verlag bezahlt. Die Investition war zwar etwas höher, aber dafür findet man hier eine sehr umfangreiche Liste an Agenturen und ersten Hinweisen dazu, was durch sie vertreten wird – und was eben nicht.

Da das Handbuch nun aber auch schon wieder zwei Jahre alt ist, habe ich mich nicht darauf verlassen, sondern jede einzelne Website jeder einzelnen Agentur auch noch einmal aufgesucht und die Informationen quer gecheckt.

Im Ergebnis habe ich nun eine Liste von Agenturen, die zwölf Einträge umfasst. Das sind, gemessen an der Gesamtliste, nicht sehr viele. Es gibt einen Grund dafür und der lautet, dass ich anscheinend mit meinem Projekt ein wenig zwischen den Stühlen sitze. Es gibt Agenturen, die machen Fantasy. Nicht viele, aber es gibt sie. Nun hat mein Roman fantastische Elemente, aber es ist keine Fantasy. Es hat seinen Grund, dass ich als Vergleich (nur von der Story her) immer auf Stephen King verweise. Aber sind dessen Romane mit übernatürlichem Einschlag Fantasy? Sind sie Horror – eine Gattung, die bei den Agenturen selten explizit genannt wird? Oder sind sie inzwischen so dermaßen Mainstream, dass wirklich nur noch „Roman“ draußen drauf steht und sie im großen Topf der allgemeinen Belletristik verschwinden?

Auf jeden Fall macht dies die Agenturenauswahl nicht eben leichter. Aber ich denke, dass ich mit den zwölf, die sich jetzt herauskristallisiert haben, recht gut – und ohne mich zu blamieren – fahren werde.

Und, wer weiß, was danach passiert? Vielleicht finde ich auf diese Weise jemanden, der mich vertreten will. Vielleicht aber auch nicht.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie es mit den Bewerbungen voran geht. Denn eines steht leider auch jetzt schon fest: Einfach die Unterlagen von der Verlagsbewerbung wild in die Welt schicken, das geht nicht.

Aber dazu ein anderes Mal mehr.

#Autorenwahnsinn, die Sommeredition: Die Tage 05 und 19

Heute lassen wir das erste Mal einen Tag beim Autorenwahnsinn aus, denn die Frage des 18. Tages hätte sich darum gedreht, was für ein Notizbuch ich im Moment verwende. Die Antwort darauf – gar keins – wäre jetzt nicht besonders interessant gewesen.

Deswegen machen wir nahtlos mit dem fünften und dem neunzehnten Tag weiter, was meint ihr? Gut!

Tag 05: Wenn du mit deinen Protagonisten in den Urlaub fahren könntest … Welcher von ihnen würde dich begleiten? Wohin geht es?

Das ist eine wirklich schwere Frage, weil einem auf die eine oder andere Art natürlich jeder einzelne Protagonist ans Herz wächst. Auch wenn sich der eine oder die andere von ihnen schon einmal ein wenig zickig gezeigt hat in der Vergangenheit. Aber das ist ja bis zu einem gewissen Grad nun auch wieder meine Schuld, aus der ich nicht wirklich herauskomme. Was erschaffe ich auch so freigeistige Charaktere? Andererseits: Wer will schon von Personen lesen, die immer nur das tun, was man ihnen sagt …

Die nächste Frage, die sich sofort anschließt, ist die, ob es sich bei diesem Urlaub nun um einen reinen Erholungsurlaub handeln soll, oder ob es im Urlaub auch ein wenig „Action“ geben darf. Denn dann würde ich mich jeweils für andere Protagonisten entscheiden.

Meine Wahl für einen reinen Urlaub am Strand und in der Sonne wäre Sascha Wolf, der Protagonist aus „Das Haus am See“. Der Grund dafür wäre, dass wir uns in Bezug auf unsere jeweiligen Macken und Problemchen recht ähnlich sind (ach, nee …). Damit wäre wahrscheinlich für hinreichende Harmonie am Pool gesorgt. Trotzdem hätten wir uns genug zu erzählen, dass uns nicht allzu langweilig werden sollte.

Wenn es ein wenig handfester im Urlaub sein darf, dann habe ich die Qual der Wahl zwischen Jakob Dillken, dem Protagonisten aus „Darkride“ und Hinnerk Klagen, dem Protagonisten aus „Die Welt der stillen Schiffe“. Ich glaube, ich würde mich für Hinnerk entscheiden. Denn der lebt an einem Ort, an dem es sich sicher lohnen würde, mal Urlaub zu machen.

Mehr kann ich euch, aufgrund massiver Spoilergefahr, dazu aber leider nicht erzählen 😉 .

Tag 19: Hot, hot, hot! Heute wollen wir ein heißes, sinnliches Zitat von dir lesen.

Wenn es um ein sinnliches Zitat aus einem meiner Romane gehen soll, geht der Blick zwangsläufig als erstes in Richtung „Der Beobachter und der Turm“. Allerdings muss ich gestehen, dass mir spontan jetzt gar keines einfällt, das in die passende Kategorie fällt und nicht einen weiteren Zusammenhang benötigt.

Schnell mal nachschauen …

Okay, ich glaube, ich habe eine Stelle. Ist zwar auch mehr als nur ein kurzes Zitat, aber wir haben ja hinreichend Platz hier, nicht wahr?

Sie ging rückwärts voraus, immer mit dem Gesicht auf ihn gerichtet. Dabei leckte sie sich die Lippen und warf ihm Blicke zu, die alles versprachen. Richard wurde abwechselnd heiß und kalt. Sein Verlangen steigerte sich ins Übergroße und eben als er vorpreschen und sie einfach packen wollte, erreichte sie die Schlafzimmertür und stieß sie auf, wozu sie sich leicht zur Seite drehte.
Richard konnte den Schwung, denn er war tatsächlich losgelaufen, nicht mehr abbremsen rauschte durch die Tür und fiel der Länge nach aufs Ehebett.
Veronika lachte leise und schloss die Tür. Sie fuhr sich durch die Haare, was Richard jedoch nur hörte und nicht sah, denn er war platt wie eine Flunder liegen geblieben. Und noch etwas hörte er sehr deutlich: Wie sie den Kimono von ihren Schultern gleiten ließ.

#Autorenwahnsinn, die Sommeredition: Kickoff und die Tage 1 und 14

Es herrscht wieder Autorenwahnsinn in den sozialen Netzwerken und den Blogs. Das Team vom Schreibwahnsinn hat es sich nicht nehmen lassen, nach der ersten Auflage des munteren Fragespielchens zu Jahresbeginn nun eine Sommeredition aufzulegen. Den Schreiberinnen und Schreibern soll sie dabei helfen, das Sommerloch ein wenig zu stopfen und den Leserinnen und Lesern, die jeweiligen Büchermenschen noch ein wenig besser kennen zu lernen.

Wie schon beim letzten Mal habe ich den Start in die Aktion bestmöglich verschlafen und hänge mich jetzt erst nachträglich hinten an. Das bedeutet zwangsläufig, dass es auch wieder zu Beiträgen kommt, in denen mehr als eine Frage Beantwortung findet. Ich werde mir aber, anders noch als im Januar, auch die Freiheit erlauben, die eine oder andere Frage einfach auszulassen, wenn sie mich nicht betrifft oder wenn mir zu ihr nichts einfällt. Aber ich denke, das ist schon ganz okay so.

Des Weiteren geht ein „eigener“ Beitrag, der mir unter den Fingernägeln brennt, immer vor. Auch wenn ich das beim letzten Mal nicht ganz durchgehalten habe, was zu massiven Doppelpostings am Tag führte. Aber das wird dann ein wenig zu viel des Guten, fürchte ich.

Nun dann, ohne weitere Vorrede starten wir mal mit „meinem“ Autorenwahnsinn des Sommers 2017:

Tag 01: Woran schreibst du diesen Sommer?

Nächste Frage, bitte. Nein, ernsthaft, ihr habt das Drama ja schon mitbekommen. Ich schreibe im Endeffekt viel zu wenig, aber ich gelobe Besserung. Meine Kurzgeschichte „Die Behüter des Wahren“ ist immer noch ein Thema und zwar eines, dem ich mich nun auch wieder widmen möchte.

Und dann habe ich, für mich selbst auch vollkommen überraschend, gestern noch einmal eine neue Idee für eine Szene in „Der Morgen danach“ bekommen, die jetzt nicht grundlegend neu ist, aber ein wenig Veränderung erfahren wird. Ich erhoffe mir davon, dass der Charakter meines Protagonisten und sein Antrieb noch einmal ein wenig geschärft werden – bevor es dann langsam in Richtung des Showdown geht.

Da muss ich aber natürlich auch wieder in den Clinch mit meiner Lektorin gehen, ob ihr das so überhaupt gefällt. Schauen wir mal!

Ansonsten trage ich mich mit dem Gedanken, vielleicht auch noch einmal eine neue Verlagsbewerbung für „Der Beobachter und der Turm“ zu schreiben. Die Verlagshomepage ist in meinem Browser jedenfalls seit Wochen in einem eigenen Tab geöffnet und wird brav bei jedem Start mitgeladen 😉 .

Tag 14: #Monday Motivation – Was motiviert dich?

Montags motiviert mich vor allem die Tatsache, dass bald schon wieder Wochenende ist.

Spaß auch hier beiseite. Die größte Motivationsquelle, die ich habe, ist und bleibt mein Blog. Da habe ich das Hohelied ja schon ein paar Mal gesungen. Man mag es als eine spinnerte Idee abtun, ihn so exzessiv mit Inhalten zu fluten, wie ich das tue, aber für mich ist es jeden Tag aufs Neue eine Erinnerung daran, was ich eigentlich tue und was ich eigentlich tun will. Er erinnert mich jeden Tag ans Schreiben, an meine Projekte, an meinen Traum.

Und dann sind da natürlich die motivierenden Erfolge auf dem Weg. Davon habe ich ja gerade am Samstag erst geschrieben. Der Kontakt zu Gleichgesinnten. Die Luftschlösser, die man sich so aufbaut.

Und ja, ich gebe es zu, ein ganz klein wenig werde auch ich durch etwas wie Neid motiviert. Zwar positiver Neid, aber es bleibt Neid. Wenn ich sehe, wie weit andere Autorinnen und Autoren es bereits gebracht haben, dann denke ich mir, dass ich das auch will. Regelmäßige Veröffentlichungen und das ganze Programm. Und sei es nur, dass ich neidisch auf die Traute bin, das alles auch im Zweifel auf eigene Faust im Selfpublishing durchzuziehen.

Hey, nicht falsch verstehen, ich gönne jedem von euch jeden erdenklichen Erfolg! Aber eigener Erfolg und eigene Motivation ist nicht zuletzt auch immer ein Resultat aus diesem „will ich auch“-Gefühl. Denkt ihr nicht auch?

Ich bitte also darum, dass mir das niemand übel nimmt 🙂 .

Der Sonntagsreport vom 21.05.2017 – Über die Zeit

Hallo ihr Lieben!

Der Mai schreitet weiter voran und es ist kaum zu glauben, aber wahr, damit haben wir bald schon fünf Zwölftel des Jahres wieder hinter uns gebracht. Ja, ich weiß, für diese Erkenntnis hättet ihr mich jetzt nicht unbedingt gebraucht, aber ich finde es dennoch einfach erstaunlich, wie schnell die Zeit doch immer wieder vergeht. Gerade auch, wenn ich mich so umschaue und versuche zu realisieren, was sich in Bezug auf meine Schreiberei so getan hat und tut.

Es ist jetzt beinahe wieder eine Woche her, dass die Absage für „Darkride“ in meinem Postfach landete. Und in dieser Woche habe ich genau gar nichts gemacht, um mich diesem „Problem“ auf andere Weise zu widmen. Eine Woche ist nicht viel Zeit, könnte man sagen und doch ist es irgendwie sehr viel Zeit – eben, weil sie so schnell vergeht.

Anfang des Monats, übrigens auch schon wieder vor drei Wochen, habe ich geschrieben, dass es mir im Moment leicht fällt, Dinge zu erledigen. Na ja, bei manchen Sachen ist das nach wie vor so, andere gestalten sich mal wieder schwieriger. E-Mails beantworten, zum Beispiel.

Aber auch, die Dinge in die Hand zu nehmen und mich auf den Hosenboden zu setzen, um vielleicht meine beiden Projekte „Darkride“ und „Der Beobachter und der Turm“ in die Welt zu bringen.

Ich habe diese Woche eine E-Mail von meinem Vater bekommen (schöne Grüße!) in welcher dieser mich auf meinen Blogartikel von Dienstag ansprach. Das war der, in dem ich von der Philosophie des Scheiterns sprach. Er war darin über meine Gedanken zu den unterschiedlichen Projekten gestolpert und blickte nicht mehr so richtig durch.

Das hat in mir zwei Fragen ausgelöst. Erstens: Blicken eigentlich alle meine Leser noch durch? Und zweitens: Blicke ich selber noch richtig durch?

Auch hier spielt der Faktor Zeit eine Rolle. Dass ich angefangen habe, mich mit dem Projekt „Darkride“ wieder umfangreicher zu beschäftigen, ist dieser Tage auch schon wieder zwei Monate her – ebenso wie die Leipziger Buchmesse, man stelle sich vor.

Und wann ich das letzte Mal richtig an „Der Beobachter und der Turm“ gearbeitet habe, da müsste ich inzwischen schon auf den Zeitstempel der entsprechenden Dateien schauen, um das nachvollziehen zu können.

Die Zeit rast also nur so dahin und ehe man es sich versieht, wird auch der Juni und damit ein halbes Jahr herum sein. Was kann, was soll bis dahin passieren?

Im Beruf ist es wichtig, sich Deadlines zu setzen. Ich frage mich allmählich, ob es sinnig wäre, genau das auch für meine Schreibprojekte zu tun. Nun ja, wenigstens in Bezug auf „Der Morgen danach“ wird es genau dazu ja bald kommen – wobei da die Erkrankung meiner Lektorin (gute Besserung!) ja auch zeigt, dass es anders kommen kann, als man denkt.

Es widerstrebt mir eigentlich, einen genauen Terminkalender zu führen. Vor allem, weil ich ja bei den meisten Dingen total eigenverantwortlich bin. Aber tut das gut? Ist eine Mischform vielleicht angebrachter und erstrebenswert?

Ich glaube, ich schreibe ziemlich wirr, aber das sind eben Gedanken, die mir in Bezug auf das Zeitmanagement so kommen. Oder auch in Bezug auf die Zeit an sich. Wir nehmen uns für so viele Dinge Zeit, aber selten dafür, einfach mal über die Zeit nachzudenken.

Ja, doch, eindeutig ein wirrer Blogbeitrag, den ich hier produziere. Aber das ist ja nicht das erste Mal, nicht wahr? 😉

Wie handhabt ihr das, wenn ihr mehrere Dinge „gleichzeitig“ auf der Pfanne habt? Arbeitet ihr die nach Lust und Laune ab? Nach einem festen Stundenplan? Organisiert ihr euch selbst oder seid ihr Chaoten? Ich wäre euch wirklich für eure Gedanken und Anregungen dankbar.

Damit ich vielleicht von dem dummen Gefühl herunterkomme, Teile meiner Zeit auch einfach so zu verschwenden.

Hach, ich „liebe“ es, wenn ein Beitrag ganz anders wird, als er gedacht war …

Euch trotzdem einen guten Wochenstart!

Euer Michael

Romanüberarbeitung: Wann ist „fertig“ wirklich fertig?

Die Ausgangslage

Die ersten gut drei Monate des Jahres 2017 waren stark vom Thema Überarbeitung geprägt. Mein Roman „Der Morgen danach“ soll, so steht es im geschlossenen Vertrag, nach Möglichkeit in diesem Jahr noch erscheinen und dazu muss natürlich von vielen Seiten Hand in Hand gearbeitet werden. Ich als Autor bin dabei derjenige, der zuerst einmal „liefern“ muss.

Sicherlich ist die Situation, die ich bei und mit diesem Manuskript gehabt habe, nicht stellvertretend für alle Manuskripte anwendbar. Die Umstellung der Erzählperspektive war eine Aufgabe, die mich mehr gefordert hat, als ich es dachte. Und es war eine Aufgabe, die ich in dieser Weise vorher noch nie zu bewältigen hatte.

Bisher schrieb ich alle meine Romanentwürfe für die berühmte Schublade. Es war egal, ob sie perfekt waren, es war auch egal, ob sie sich stringent lasen. Aber dieser Roman hier, der wird zu einer Art Visitenkarte für mich werden. Bestenfalls wird er für den Verlag und für mich zu einem Erfolg, der sich für beide Parteien am Ende auszahlt. Und für den Leser natürlich.

Die verschiedenen Phasen der Überarbeitung

Interessant war, dass ich bei dieser Überarbeitungsrunde einen ganz anderen Arbeitsweg ausprobieren konnte, als es z.B. letztes Jahr bei der Überarbeitung meines Romans „Der Beobachter und der Turm“ war. Damals habe ich überarbeitet, dann den Roman an Testleser geschickt, und hinterher deren Feedback eingearbeitet – wobei sich auch Dinge herauskristallisierten, die ich grundsätzlich bei einer Überarbeitung beachten sollte, und die auch jetzt wieder ihre Rolle gespielt haben.

Bei „Der Morgen danach“ war es so, dass ich bis zuletzt im eigenen Saft schwamm. Abgesehen von der Textprobe, die mir den Vertrag mit dem Scylla Verlag eingebracht hat, hat niemand dieses Manuskript gelesen und mir belastbare Änderungsvorschläge dazu gegeben. Ich war also auf mich allein gestellt.

In der ersten Phase der Überarbeitung bin ich das gesamte Manuskript durchgegangen und habe die Erzählperspektive umgestellt. Parallel dazu habe ich eifrig Kürzungen vorgenommen, wo sie mir angeraten erschienen.

Ein zweiter Durchlauf durch den Gesamttext war eigentlich dafür vorgesehen, nur noch Erwähnungen in der falschen Perspektive aufzustöbern, die mir zunächst entgangen waren. Es stellte sich aber heraus, dass ich diesen Durchlauf auch benötigte, um einige Logikbrüche zu kitten, die durch die vorangegangenen Kürzungen entstanden waren.

Am arbeitsintensivsten stellte sich aber die dritte Phase heraus. Und das überraschte mich wirklich. In dieser Phase nahm ich mir meine Lieblingswörter und -floskeln vor und arbeitete sie akribisch ab. Das bedeutet, wie auch in einem separaten Artikel geschildert, dass ich das Wort in die Suchhilfe eingab und dann zu jedem einzelnen Verwendungsort sprang, wo ich dann versuchte, umzuformulieren, umzustellen oder auch einfach zu löschen, wo es ging.

Diese Methode hat sich als sehr effektiv im Sinne der Textbearbeitung erwiesen, mich allerdings in gewisser Weise auch an die Grenzen des Machbaren geführt. Denn zwangsläufig bekommt man so die meisten Textpassagen immer und immer wieder zu Gesicht, bis man sie irgendwann nicht mehr sehen mag. Und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Kann man einen Roman zu sehr überarbeiten?

Ich denke, dass ich diese Frage ohne Umschweife mit einem „Ja“ beantworten kann. Allerdings nicht, ohne ihr ein kleines „Aber“ hinterher zu schicken.

Die Erfahrung, die ich mit „Der Morgen danach“ gemacht habe, hat mir gezeigt, dass es für einen Autor nicht gut ist, wenn er zu sehr auf sich alleine angewiesen ist. Deswegen kann ich nur allen angehenden, abgehenden und sonstwie in die Welt gehenden Kolleginnen und Kollegen immer wieder raten, dass sie sich Unterstützung suchen. Sei es, dass sie Testleser finden, oder dass sie einen Lektor beauftragen.

Ich habe mir im Rahmen der Überarbeitung, besonders zu ihrem Ende hin, als der Spaß am Manuskript exponentiell abnahm, sehr oft die Frage gestellt, ob man es mit der Überarbeitung so sehr übertreiben kann, dass man irgendwann den richtigen Zeitpunkt verpasst, um diesen noch in die Welt zu entlassen.

Ich möchte nicht wissen, wie viele Manuskripte einen langsamen und qualvollen Tod in der Überarbeitungshölle sterben, weil ihren Urhebern genau das passiert, was mir auch gut hätte passieren können, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es da diese Verlagsmenschen gibt, die darauf warten, mein Manuskript zu bekommen.

Es hilft auch, die Verantwortung ein Stück weit abgeben zu können. Nicht die Verantwortung dafür, dass die Arbeit, die man abliefert, eine gute ist. Aber zumindest die dafür, alles alleine entscheiden zu müssen

Und wie läuft es bei Selfpublishern?

Hier könnte und kann ich nur in den Kanon derer einstimmen, die immer wieder darauf hinweisen, dass man sich auch als Selfpublisher keinen Gefallen damit tut, wenn man sein eigenes Süppchen kocht und nur auf sich selber hört.

Ich habe mit „Der Beobachter und der Turm“ so viele Fortschritte gemacht, weil es die Testleser gab, die mich teilweise mit sensationell hilfreichem Feedback versorgt haben. Es gibt Schreibforen, in denen man sich engagieren und seine Texte auch vorstellen kann. Auch aus Schreibratgebern kann man lernen, wenn man der Typ dafür ist.

Und dann gibt es natürlich die Dienstleister, die Lektorat, Korrektorat, Cover, Satz, alles, was so anfällt im Zusammenhang mit einer Buchveröffentlichung, abnehmen.

Aber das alles entbindet einen Autor nicht davon, zu einem Zeitpunkt X eine Entscheidung zu treffen, eine Frage zu beantworten. Und diese lautet ganz schlicht:

Bin ich wirklich fertig mit meinem Roman?

Es ist wichtig, sich dieser Aufgabe zu stellen. Umso wichtiger, je mehr man in der Eigenverantwortung steht. Am Anfang steht das Wort, alles andere kommt danach.

Wann ist denn jetzt „fertig“?

Um also die Frage vom Anfang zu beantworten, so gut ich sie mit meiner bescheidenen Erfahrung beantworten kann: „Fertig“ ist ein Roman im Wortsinne niemals. Es gibt immer noch den einen Satz, den man umstellen, das eine Wort, das man ändern könnte. Und es wird immer unterschiedliche Meinungen darüber geben. Das Feedback meiner Testleser war teilweise höchst widersprüchlich und auch bei meiner Überarbeitung vom „Morgen danach“ hatte ich Situationen, in denen ich zuerst einen Satz rausnahm, um ihn fünf Minuten später wieder reinzutun, weil ich merkte, dass ich ihn doch noch brauche.

Deswegen vielleicht noch ein praktischer Tipp: Legt euch zu jedem wichtigen Zwischenschritt eine Manuskriptkopie an. Speicherplatz kostet heute nur noch Erdnüsse. Keiner muss mehr mit Disketten jonglieren, auf denen nur 1,44 Megabyte Platz fanden. Auch wiederbeschreibbare CDs sind in Vergessenheit geraten. Auf einen USB-Stick für 8 Euro passen heute 16 oder gar 32 Gigabyte an Speicher und die meisten von euch werden garantiert nicht auswendig wissen, wie viel Festplattenspeicher der Rechner hat, an dem ihr schreibt.

Ich habe von „Der Morgen danach“ bestimmt fünfzehn verschiedene Fassungen, die es mir zu jedem Zeitpunkt ermöglichen, eine bestimmte Passage zu rekonstruieren oder wieder ins Manuskript zu holen.

Weil ein Roman eben niemals „fertig“ ist. Irgendwann wird er halt veröffentlicht, was eine Zäsur darstellt. Aber in Zeiten des eBooks hat nicht einmal diese Tatsache noch etwas Definitives.

Goldene Zeiten für Autoren, findet ihr nicht auch?