Der Redner: Ich habe fertig!

Heute Nachmittag habe ich die Arbeiten an meinem Manuskript zu „Der Redner“ beendet. Auch die letzten Seiten flossen wie ganz von alleine in die Tastatur und auf einmal war der Moment da, in dem ich den letzten Absatz, den letzten Satz, das letzte Wort schrieb.

Was zurück bleibt ist erst einmal eine ungeheure Leere. Ich bin dann richtig ausgelaugt und sehe den kommenden Tagen und Wochen mit einem total zwiespältigen Blick entgegen, der sich gut beschreiben ließe als „und womit soll ich nun meine Zeit verbringen“?

Wahrscheinlich habe ich mich deswegen häufig direkt in den nächsten Entwurf, die nächste Geschichte geflüchtet. Etwas, das ich dieses Mal ja nicht tun möchte.

Für heute kann ich euch nur noch ein paar Zahlen liefern, dann muss ich das Erlebnis erst einmal verdauen. Verrückt, nicht wahr?

Habt noch einen schönen Abend und eine gute Nacht!


 

Der Redner

Zeit der Entstehung: ca. 01.10.2014 – 07.06.2015

Geschriebene Worte: 200.098

Anschläge: 1.253.533

Normseiten: 827


Time to say goodbye

Fast fertig.

So kann ich in zwei Worten den Status zusammenfassen, wenn es um „Der Redner“ geht. Das Romanprojekt, das mich seit Oktober begleitet hat, durch die eine oder andere sehr schwere Zeit. Und jetzt fehlt eigentlich nur noch der Epilog, wenn ich ihn einmal so nennen darf. Man könnte auch sagen, dass die Figuren noch ihre Auflösung brauchen, die Enden zusammengeknotet werden müssen.

Und dann war es das und ich muss von all diesen Figuren Abschied nehmen. Ein seltsam wehmütiges Gefühl, das mich immer wieder überraschend trifft, auch wenn ich mich nach mehr als zehn geschriebenen Romanen doch langsam daran gewöhnt haben müsste. Ob das Profiautoren auch so geht? Gibt es vielleicht deswegen so viele Serien mit wiederkehrenden Charakteren?

Für „Der Redner“ kommt eine Fortsetzung eher nicht in Frage. Die Personen sind weitestgehend auserzählt, wobei es besser ist, niemals nie zu sagen. Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass Kevin Ryason es nach immer fünfzehn Jahren noch einmal zu einer Hauptfigur bei mir bringen würde, dann hätte ich auch eher lächelnd abgewunken.

Ja, es ist Zeit, Tschüß zu sagen. Morgen wird es wohl soweit sein. Für heute habe ich abgebrochen, weil ich merkte, wie ich müde wurde, wie diese seltsame Roman-Abschluss-Stimmung mich überkam.

Und so setze ich mich jetzt noch ein paar Minuten auf meine eigene kleine Blog-Terrasse, schaue in den Sternenhimmel und denke über alte Zeiten nach.

Ich wünsche euch eine gute Nacht!

Kurz und schmerzlos (3)

Heute ist es mir irgendwie zu heiß, um viel zu schreiben – also um hier viel zu schreiben. Die Arbeit am „Redner“ geht nach wie vor gut von der Hand. Ob das daran liegt, dass mich mein eigenes kleines Ultimatum drückt? Demnach „müsste“ ich am 09.06. fertig sein …

Jetzt, runde 10.500 Worte später, sieht es wirklich so aus, als ob ich das hinbekomme.

Also entschuldigt, wenn ich mich hier ein wenig rar mache – ich habe einen Roman fertig zu schreiben!

Schwitzt nicht zu sehr!

Erst dies, oder erst das, oder …

Ich bin ja, wie in der Zwischenzeit sicherlich oft genug bemerkt, im Showdown von „Der Redner“. Das Setting ist ein Fußballstadion, in dem eine ganze Menge Menschen unter die Kontrolle einer dämonischen Macht geraten sind, welche sich nun anschickt, das Böse an sich heraufzubeschwören. Dem stellen sich mehrere Protagonisten gegenüber, von denen im Rahmen des Showdowns drei Perspektivträger sind. Hinzu kommt ein Antagonist mit eigener Perspektive und eine ganze Reihe an Nebenfiguren.

Wie ihr wisst, schreibe ich relativ spontan und ungeordnet. Auf diese Weise fließen bei mir die Ideen besser in die Tastatur. Aber auf der anderen Seite bringt mich genau diese Arbeitsweise jetzt ein wenig in Probleme, die ich mit ein bisschen genauerer Planung vielleicht hätte verhindern können.

Wir haben vier Personen, die zum gleichen Zeitpunkt, also parallel, handeln. Dazu kommt noch, dass drei von ihnen zu mehreren Zeitpunkten nahe beieinander stehen, jedoch vollkommen unterschiedliche Bezugspunkte haben (einer mehr in Richtung der besessenen Menschen, einer mit Blick auf „das Böse“, usw.).

Ich glaube außerdem an die Wirkung von Perspektivwechseln. Das heißt, dass ich gerne hin und wieder einfach aus einer Perspektive heraus und in eine andere hineinspringe, weil das einen ganz eigenen Ablauf und Rhythmus für die Handlung mit sich bringt, als wenn ich stur bei einer Person bliebe.

So komme ich aber jetzt nicht umhin, manchmal zeitlich vorwärts und rückwärts zu springen, weil ansonsten der Ablauf keinen Sinn mehr machen würde.

Ein Beispiel: David Berg, Polizist und einer meiner Perspektivträger, kämpft mit seinem ehemaligen Kollegen, der ebenfalls unter die Besessenen geraten ist. Dabei stolpern sie beinahe über Anton Lechleitner, von dem ich ja schon mal erzählt habe, der gerade am Boden kniet und dort, sagen wir mal „beschäftigt“ ist. Jetzt bleibt die Perspektive allerdings noch bei David, weil dieser Handlungsabschnitt einfach dran ist. Auf Anton komme ich später zurück. Wenn ich das tue, muss ich allerdings auch erwähnen, dass er fast von David und seinem Gegner über den Haufen gerannt worden wäre, während er seinen Teil der Handlung übernimmt. Ich greife also teilweise auf schon Geschehenes zurück.

Und jetzt ist das Schwierige, zum einen nicht irgendwo eine vorher genannte Verknüpfung zwischen den Erzählperspektiven zu übersehen, was mir beinahe schon passiert wäre und dann irgendwie … dumm aussieht. Und zum zweiten sollte das Ganze dann ja noch in einer Reihenfolge sein, die spannend genug ist, um den Leser bei der Stange zu halten.

Das im ersten Anlauf zu schaffen ist schlechterdings unmöglich. Das habe ich jetzt akzeptiert, nachdem ich mich die letzten paar Tage schwer damit getan hatte und glaubte, zusammenhangloses und einfach schlechtes Zeug zu schreiben. Ich weiß, dass ich noch ganz viel Sortierarbeit vor mir haben werde, wenn ich dieses Manuskript irgendwann einmal in einen Roman verwandeln will – auf welchem Weg auch immer. Aber ich glaube auch, dass es sich lohnen wird, diese Arbeit zu machen.

Übrigens liege ich bis jetzt noch in meinem mir selbst gegebenem Zeitlimit. Man muss einfach mehr Worte pro Tag schreiben, dann ist es ganz einfach 😉 .

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend!

Immer und überall schreiben

Im Moment könnte ich wirklich immer und überall schreiben. Meine ersten Gedanken morgens gelten unter der Dusche oft dem Manuskript, auf der Arbeit denke ich zwischendurch immer wieder mal an das Manuskript und wenn ich dann nach Hause komme, dann führt mich mein erster Weg ganz oft direkt an die Tastatur meines PCs. Alle vorgenannten Aussagen gelten natürlich nur für den Fall, dass ich nicht gerade von anderen Dingen abgelenkt bin. Der Arbeit auf der Arbeit etwa oder meinem eigenen Gesang unter der Dusche 😉 .

Ernsthaft: im Moment könnte ich wirklich immer schreiben. Bis dann irgendwann, so nach 2.000 bis 3.000 Worten, der Moment erreicht ist, an dem ich merke, dass ich nicht mehr gut genug schreibe. Dann zwinge ich mich bewusst zu einer Pause, eigentlich eher zu einem Abbruch für den Tag, damit ich auch noch mal was anderes mache (1.) und hinterher nicht zu viel korrigieren muss (2.).

Ein größeres Problem stellt aber das „überall“ dar. Ich schreibe an einem handelsüblichen PC mit einem handelsüblichen Microsoft Word. Auf der Arbeit (wo ich auch schon oft geschrieben habe, meistens allerdings nur in der Mittagspause) habe ich einen Netzwerkclient mit einem Word, das sogar noch älter ist als mein privates – und das ist schon von 2006. Theoretisch ist das also kompatibel, aber da ich im Moment in der beruflichen Wiedereingliederung bin und damit keine Pause habe, fällt das schreiben am Arbeitsplatz aus. Oder sagen wir, ich würde es als sehr unverschämt empfinden, das zu tun.

Aber wie steht es eigentlich mit dem Weg zur und dem Weg zurück von der Arbeit? In zwei Worten: nicht gut! Ich habe einen relativ kurzen Arbeitsweg, den ich mit der Straßenbahn und der Deutschen Bahn zurücklege. Im Moment habe ich zwar einiges an Aufenthalt am Bahnhof, aber kein vernünftiges Equipment zum Schreiben. Theoretisch habe ich einen Kindle Fire, aber da fehlt mir eine vernünftige Textverarbeitung, die auch nur halbwegs kompatibel zu MS Word ist (Tipps bitte in die Kommentare). Mal abgesehen davon, dass die Eingabe, egal mit welchem Verfahren, ein rechtes Glücksspiel ist, wenn man halbwegs auf Tempo gehen will. Und das muss ich, denn ich tippe schnell und daran haben sich meine Gedanken beim Schreiben irgendwie angepasst.

In der Vergangenheit habe ich es auch schon mal mit Papier und Stift versucht. Kann man mal machen, aber nicht auf Dauer. Das ist meine Hand auch gar nicht mehr gewohnt, so viel zu schreiben.

Ihr seht also, ich könnte immer und überall schreiben. Wenn da nicht so viele Stolpersteine wären 😉 .

Ich wünsche euch einen schönen Resttag – und schreib gleich noch ein wenig weiter.

Die Angst vor dem Ende

Wenn Menschen in eine Beziehung gehen, dann denken sie meistens nicht an das Ende, das diese Beziehung nehmen könnte. Der Reiz des Neuen ist zu groß, das Gefühl, etwas Wunderbares zu erleben zu erhebend und generell ist man einfach geflasht, wie man in schönstem denglisch dazu sagen kann. Aber irgendwann stellt man dann fest, dass man am Ende des gemeinsamen Weges angekommen ist, sich vielleicht auch schon ein Stück auseinander gelebt oder sich einfach nichts mehr zu sagen hat. Man versucht vielleicht noch, die Tatsachen aufzuschieben oder sie wegzudrücken. Aber irgendwann muss man der Wahrheit ins Auge sehen, denn es lässt sich nicht auf ewig in die Länge ziehen. Und es würde beiden Seiten nicht gut tun, wenn dies doch wider besseres Wissen gelänge.

Äh, nein, in meiner Ehe ist insofern alles in Ordnung, wieso fragt ihr? Ach so, ihr habt den ersten Absatz in den falschen Hals bekommen. Das tut mir leid, denn ich wollte das nicht nur auf den zwischenmenschlichen Bereich beschränkt sehen. Denn wenn man mal ein wenig unvorbelastet durch Erwartungen heran geht, dann kann man feststellen, dass dieses Festhalten an Dingen, bei denen das eigentlich gar nicht mehr so optimal ist, häufiger vorkommt.

Hand hoch, wer schon mal aus Nostalgiegründen seinen Wagen behalten hat, auch wenn er eigentlich nicht mehr „wirklich schön“ war!

Hand hoch, wer trotz der herbsten Niederlagen standhaft zu seinem Fußballverein steht (und dabei Herzinfarkt und Schlaganfall riskiert)!

Hand hoch, wer immer noch zu seiner Stammkneipe geht, auch wenn das Publikum stark nachgelassen hat und der Wirt das Bier verpanscht!

Und dann bitte die Hand hoch für alle, die sich nicht von ihrem Romanentwurf trennen können, weil sie nicht wissen, wie sie danach weitermachen sollen. Schade, damit scheine ich im Moment relativ alleine zu sein.

Ich bin gerade dabei, die letzten losen Enden (sofern sie mir noch einfallen) im „Redner“ zu verknüpfen. Ich bin mitten in der Schlussauseinandersetzung, viel kann und darf (!) da nicht mehr kommen. Denn wenn ich jetzt alles künstlich in die Länge ziehe, dann tue ich dem Stoff keinen Gefallen und mir auch keinen Gefallen. Darum ist es nötig, dass ich mich jetzt langsam schnell davon löse!

Ich gebe mir Stand jetzt noch eine Woche Zeit, dann sollte das Manuskript im Kasten sein. Als Ausrede gelten nur ein abgebrannter PC oder eine gebrochene Hand. Wenn ich am Tag ca. 2.000 Worte schreiben würde, wären das noch 14.000 Worte. Und dann sind irgendwann der Worte auch genug gewechselt.

Trotzdem macht es Angst, diese Beziehung zu beenden. Weil genau dann die Arbeit kommt, vor der ich richtig Bammel habe. Das Bewerben mit „Der Morgen danach“. Ich fürchte, da wird noch der eine oder andere Beitrag auf euch zukommen, in dem ich mich über meine Ängste ausbreite.

Aber bis dahin hoffe ich erst einmal, ihr habt einen angenehmen Tag und in euren Beziehungen läuft alles so, wie man es sich wünschen sollte!

Kurz und schmerzlos (2) Schreibstatistik Mai 2015

Kann sich noch jemand daran erinnern, wie ich Anfangs des Monats lang und breit von meiner Schreibblockade geschrieben habe, die mich in den Fängen hatte? Ja? Zwischenzeitlich führte das Miststück sogar nach Punkten. Aber in der zweiten Monatshälfte habe ich es ihr gezeigt!

Die ersten Worte am Manuskript des „Redner“ habe ich am 16.05. geschrieben. Und dann wurden es bis zum Monatsende 35.983 Worte. Das entspricht einem Tagesschnitt von 1.161 und einem Seitenschnitt für den Monat Mai in Höhe von 4,6. Und das in nur einem halben Monat! Ich muss zugeben, ein wenig stolz auf mich zu sein, mich so gut aus der Schreibblockade gerettet zu haben.

Und jetzt geht es in den Juni – mit besten Aussichten, dass zur Monatsmitte das Manuskript abgeschlossen sein wird. Drückt mir die Daumen!

Oh, diese Kopfschmerzen!

Ich habe mal wieder eine etwas (sehr) unruhige Nacht hinter mir. Das liegt daran, dass ich einen Traum hatte. Und zwar einen Traum von der Sorte, wo ich mir wirklich wünschen würde, dass die Traummaschine bereits erfunden wäre.

Was ist geschehen in diesem Traum? Nun, da war eine Frau, die von ihrem Mann im Keller eingesperrt wurde. Die Hintergründe weiß ich schon nicht mehr genau, vielleicht hatte es ursprünglich irgendwelche sexuellen Motive (kommt ja im Zuge von Shades of Grey in Mode), die außer Kontrolle geraten sind. Auf jeden Fall war die Frau hinterher richtig mit der Welt am Ende, ein krasser Fall von Mutismus und beinahe autistischen Zügen.

In meinem Traum ging es darum, dass diese Frau es nicht nur schaffte, sich alleine wieder aus dieser geistigen Gefangenschaft zu lösen, sondern langsam auch das Vertrauen ihres Mannes so sehr gewann, dass es ihr zuerst gelang, sich ihr Dasein im Keller erträglicher zu gestalten – zum Beispiel durch Einbau einer Dusche – und später sogar den Keller zu bestimmten Gelegenheiten verlassen zu dürfen. Am Ende stand dann eine Art Flucht oder dergleichen, auch das weiß ich nicht mehr genau.

Auf jeden Fall: versetzt euch mal in meine Lage! Da wacht man auf, am Sonntag Morgen um ungefähr sechs Uhr und hat ein Gerüst für eine Story, vielleicht sogar für einen kurzen Roman im Kopf. Jetzt streiten sich Engelchen und Teufelchen miteinander, ob man aufstehen und das aufschreiben, oder einfach weiterschlafen soll.

Weniger, weil ich Angst hatte, die Geschichte zu vergessen (im groben weiß ich sie ja noch, wie man sieht), sondern mehr, weil ich sie im Augenblick überhaupt nicht gebrauchen kann!

Denn schließlich möchte ich nach „Der Redner“ daran gehen, mich endlich, endlich um „Der Morgen danach“ und die Dinge, die für ein Einreichen bei Verlagen oder Literaturagenturen nötig sind, zu kümmern. Das geht aber nicht, wenn ich parallel schon wieder am nächsten Projekt arbeite. Das habe ich gemerkt, als sich direkt nach „Der Morgen danach“ damals mit „Der Rezensent“ das nächste Projekt anschloss. Dann kam nahtlos „Das Haus am See“, wieder direkt danach „Der Ruf des Hafens“ und als ich anschließend „Darkride“ fertig geschrieben hatte, war mein Selbstvertrauen weit genug aufgebraucht, dass es an eine Bewerbung mit meinem Roman keinen Gedanken mehr gab.

Man könnte sagen, es ist meine ganz eigene Form von extremer Prokrastination, das Veröffentlichen eines Romans durch das Schreiben eines neuen zu verhindern. Eigentlich eine lustige Vorstellung, wenn es nicht so traurig wäre.

Jedenfalls hat mein Kopf auf das Dilemma des Morgens mit hammerharten Kopfschmerzen reagiert. Das ist dann wohl das Los, das ich für meine Prinzipien zu tragen habe. Trotzdem habe ich heute schon wieder am „Redner“ geschrieben. Sonst wären die Schmerzen vielleicht noch schlimmer geworden, wer weiß?

Ich wünsche euch einen schmerzfreien Restsonntag!

PS: Ich weiß, dass es auf Ideen kein Urheberrecht gibt, aber falls einer von euch nun meine Idee aufgreift und den Roman dazu schreiben sollte, dann würde ich mich über eine Erwähnung im Nachwort freuen 😉 !

Langsam geht der „Redner“ dem Ende entgegen …

… und ich bin dabei, mir Gedanken zu machen. Der eine oder die andere mag jetzt sagen, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich mir die mal gemacht hätte, bevor ich auf Seite 705 des Manuskripts, mitten im Showdown und damit kurz vor dem Ende dieses Romanprojekts angekommen bin. Aber vorher musste ich das noch nicht tun, hatte ich noch ganz viel Raum vor mir. Raum, der sich erst jetzt mit Worten gefüllt hat.

Ich habe ja schon mal durchblicken lassen, dass es sich bei „Der Redner“ durchaus um einen apokalyptischen Roman handelt. Und auch wenn er sich mit Dingen wie Zerstörungen, Explosionen und Katastrophen vornehm zurückhält (also all den Dingen, die Roland Emmerich Spaß machen würden), wird die Welt in diesem Roman hinterher nicht mehr so sein, wie sie vorher gewesen ist.

Das stellt mich vor die Frage, wie ich damit umgehen soll. Ich werde auch diesen Roman nicht direkt nach dem Showdown enden lassen. Ich finde als Leser nichts schlimmer, als wenn eine Geschichte kein rundes Ende hat. Damit meine ich weder eine epische Zahl von Enden wie z.B. bei „Der Herr der Ringe“ oder einen Erklärbären, der alles noch einmal von vorne bis hinter erzählt. Nein, was ich meine ist das Gefühl, dass es sich bei den Protagonisten um Menschen handelt, die einen mal weniger (selten), mal mehr (oft) steinigen Weg gegangen sind und nun in die Zukunft blicken können.

Dazu kommt erschwerend, dass in der Realität, in welcher dieser Roman spielt, schon das ein oder andere übernatürliche Geschehnis stattgefunden hat. Ich habe mir als Kunstgriff nämlich ausgedacht, dass es eine Realität gibt, in der meine realistischen Romane (wie „Der Morgen danach“) spielen – und eine, in der auch das Übernatürliche seinen Platz hat (wie „Der Ruf des Hafens“). Also muss ich auch dafür im Blick behalten, dass meine kleine Welt weiterhin funktionieren kann, ohne dass ich mich in zu viele Widersprüche verheddere.

Aber das zentrale Element bleibt, dass ich noch keine Idee habe, wie die Figuren sich nach dem Showdown (der vielleicht, vielleicht auch nicht, „gewonnen“ wird) weiter verhalten sollen. Denn eines ist klar: eine Apokalypse geht nicht ohne Reibungsverluste über die Bühne!

Eine interessante Fragestellung, über die ich noch ein wenig Zeit habe, nachzudenken. Denn noch stecke ich halt, wie gesagt, mittendrin im Geschehen. Und bis jetzt gefällt mir sehr gut, was ich da zu Papier bringe!

Ich wünsche euch noch einen schönen Samstag!

Dem Kind einen Namen geben

Ich bin nicht gut darin, meinen Figuren Namen zu geben. Das passt dazu, dass es auch nicht die einfachste Geburt war, meinen beiden Töchtern einen Namen zu geben, aber lassen wir das an dieser Stelle 😉 .

Nein, wenn ich eine neue Person in den Text einführe, den ich gerade schreibe, dann sitze ich oft sinnierend vor dem Bildschirm und versuche mir einen Namen auszudenken, der einerseits zu der Figur passt, vielleicht auch zu der Rolle, die ihr zugedacht ist und andererseits nicht wer weiß wie langweilig klingt. Seien wir ehrlich: auch wenn gefühlt die Hälfte der Deutschen Müller, Meier oder Schulze heißt, so wäre es alles andere als lustig, wenn auch die Hälfte der Romanfiguren so heißen würde.

Seit ich mich seinerzeit dazu entschlossen habe, ab „Der Morgen danach“ meine Geschichten nur noch in Deutschland spielen zu lassen, ist es etwas einfacher geworden. Davor habe ich – wie viele andere Autoren übrigens – immer das Gefühl gehabt, dass eine Geschichte in den Vereinigten Staaten spielen müsse, damit sie funktionieren kann. Aber da war das Namensproblem dann noch gravierender, weil man durch die ganzen Fernsehserien ja schon irgendwie mit Klischeenamen gefüttert ist.

Kommen wir zurück nach Deutschland. Mein Namensproblem wurde so richtig zum Problem, als ich an „Das Haus am See“ arbeitete. Das Haus am See ist eine kleine Klinik, in der rund dreißig Personen plus Personal die Szenerie bevölkern. Und ich wusste, dass ich für alle diese Personen zumindest einen Namen, ein Alter und einen Beruf haben musste. Ich habe stundenlang, eher tagelang an einer entsprechenden Liste gesessen und mehrfach mit mir gerungen, ob dieser oder jener Name jetzt passend ist oder nicht.

Bei „Der Redner“ ging es irgendwie recht einfach. Ich wusste, ich würde drei Hauptpersonen haben: den Krankenpfleger Anton Lechleitner, den Polizisten David Berg und den Journalisten Kevin Ryason. Letzterer stammt ja aus einer älteren Geschichte von mir, der Name stand also fest. Anton bekam seinen Namen, weil er so urbayrisch klang (wie diese Figur dann doch nicht geworden ist) und David passte gut zum geplanten Verlauf der Story.

Zu den zahlreichen Nebenfiguren gehört auch Davids Verlobte, der ich den Namen Sarah Kirsch gab. Falls dieser Name bei jemandem ein Glöckchen klingeln lässt, dann kennt er diese Person besser als ich. Ich bin gestern zufällig über diese Lyrikerin gestolpert, die mir zumindest bewusst nicht bekannt war. Ich bin halt kein Dichter, sondern Autor 🙂 .

Spontan habe ich mich dann daran erinnert, dass es einen solchen Zufall schon ganz am Anfang meines Hobbies gab, nämlich in „Angst im Perseus-Spiralnebel“. Die Besatzung des Raumschiffs Silverstar (um die sich diese dreiteilige Serie drehte) lernt auf einem Meteoriten einen jungen Gardisten kennen, den ich vollkommen unbeschwert Randy Newman nannte. Okay, den könnte man auch kennen, oder? Kannte ich aber nicht.

Offensichtlich gibt es Namenskombinationen, die ich irgendwann mal irgendwo aufgeschnappt habe und die sich dann so in meinem Kopf festsetzen, dass mein Gehirn sie als „gut klingend“ wieder ausspuckt, sobald ich auf der Suche nach einem geeigneten Namen für eine Person bin.

Und jetzt bin ich ein wenig uneins mit mir selbst. Soll ich den Namen Sarah Kirsch abändern, weil irgendein Leser (wenn es ihn denn dann mal geben sollte) vielleicht denkt, ich hätte den Namen einer Lyrikerin geklaut? Oder vertraue ich darauf, dass diese Namenskombination noch Dutzende Male in deutschen Telefonbüchern zu finden ist?

Randy Newman durfte damals übrigens bleiben, wahrscheinlich weil mir von vornherein klar war, dass die Silverstar-Romane nie zur Veröffentlichung kommen würden. Aber was ich mit Sarah Kirsch mache, da muss ich erst noch mal drüber nachdenken.

Gibt es irgendwelche Tipps oder Anregungen, die ihr mir geben könnt/mögt?