Der Sonntagsreport vom 10.12.2017: Sich selber exponieren

Hallo ihr Lieben!

Na, habt ihr auch alle fleißig Schnee geschippt? Hier bei uns hat es tatsächlich noch einmal so geschneit, dass ich das zweite Mal an zwei aufeinander folgenden Tagen vor die Tür musste. Ich müsste jetzt ernsthaft nachdenken, wann das zuletzt der Fall gewesen ist.

Weil mich die ganze Schipperei aber rechtschaffen erschöpft hat, möchte ich gar nicht so viele Worte machen. Denn gefühlt mache ich die ja hin und wieder schon zur Genüge. Wobei das ja nichts Schlimmes ist, schließlich sind wir ja alle wegen genau dieser Worte hier: Ich, um sie zu schreiben und ihr, um sie zu lesen.

Aber kommen wir trotzdem zur Sache. Und zwar geht es mir heute darum, wie es ist, wenn man sich selber ein Stück weit exponiert. Ja, ich weiß, schon wieder Fremdwörter, aber ich denke, ihr kennt dieses Wort. Es heißt ja nichts anderes, als dass man sich ein Stück weit aus sich selbst herauswagt, sich zeigt und dabei in Kauf nimmt, auch gesehen zu werden. Jedenfalls ist das für mich eine gute Übersetzung.

Ich habe mich diese Woche gleich einige Male exponiert. Auch auf diesem Blog, wenn ihr zum Beispiel an das Jahresendzeitcoachingstöckchen (puh, was ein Wort) von Jule denkt, das ich aufgefangen habe.

Aber auch mit ganz banalen Dingen kann man, kann ich mich exponieren.

Mir ist zum Beispiel vorhin, als ich den Schnee geschippt habe, durch den Kopf gegangen, was für einen weiten Weg ich gegangen bin, dass ich das jetzt einfach so tun kann.

Das muss ich erklären, denke ich. Dazu müsst ihr nämlich wissen, dass ich früher, noch gar nicht so lange her, immer Angst davor hatte, dass irgendjemand am Fenster seiner Wohnung oder seines Hauses steht und mich dabei beobachtet, wie ich den Rasen mähe, Unkraut zupfe, oder eben den Schnee schippe.

Und wieso hatte ich Angst davor? Weil ich dachte, dass derjenige sich darüber lustig machen würde, dass ich das, was ich da gerade tue, vollkommen falsch mache. Dabei war mir auf einer Verstandesebene durchaus bewusst, dass es eigentlich keinen richtigen oder falschen Weg gibt, den Rasen zu mähen – solange das verdammte Gras hinterher kurz ist. Okay, sich hin zu knien und es zu essen, wie die Figur aus der Kurzgeschichte von Stephen King, das wäre wohl zumindest grenzwertig gewesen.

Aber man wächst ja an seinen Aufgaben und so musste ich irgendwann einsehen, dass es nun einmal nur so viele Personen gibt, die diese Aufgaben erledigen können und dass ich mich nicht immer davor drücken kann. Und irgendwann gewöhnt man sich an alles.

So, wie ich mich ja auch daran gewöhnt habe, oder gerade dabei bin, mich zu gewöhnen, auf diesem Blog ein Stück weit die Hosen runter zu lassen (kein Bildmaterial anliegend). Auch da habe ich gelernt, dass es euch, meine Leser, interessiert, was mich als Mensch beschäftigt. Und dass es okay ist, wenn ich hin und wieder zu verstehen gebe, dass mich Dinge beschäftigen, die das Äquivalent des Rasens oder des Schnees sind: Ich muss mähen und schippen und es könnte sein, dass jemand am Fenster steht und meint, dass ich es falsch mache. Aber das muss ich dann einfach akzeptieren und darf mich nicht davon beirren lassen.

Denn darum geht es auch bei meiner Arbeit, meinem Schreiben. Ich gebe Teile von mir in fremde Hände und setze mich der Beurteilung aus. Ein Teil von mir, der es lange gewohnt war, unsicher zu sein, exponiert sich damit bis auf das Äußerste. Aber das ist ein Muss und es ist okay, manchmal Angst davor zu haben. Es ist auch okay, sich hin und wieder umzublicken, ob sich nicht doch irgendwo eine Gardine verräterisch bewegt.

Aber es ist absolut nicht okay, deswegen alles verwildern zu lassen.

Ich muss mich exponieren, muss den Weg gehen, muss mich zeigen. Nur, wenn ich das tue, habe ich auch die Chance, wahrgenommen zu werden. Von Menschen, die mir nichts böses wollen, die nicht über mich lachen wollen und die nicht mit dem Finger auf mich zeigen. Und irgendwann, vielleicht in einer Woche, vielleicht in einem Monat, vielleicht aber auch schon morgen wird der misstrauische Teil in mir begreifen, dass diese Menschen doch irgendwie in der Überzahl sind.

Soweit das Wort zum Sonntag. Danke euch fürs Zuhören und, wer weiß, vielleicht geht ja der eine oder die andere von euch morgen mit einem besseren Gefühl daran, den über Nacht neu gefallenen Schnee (er hüte sich!) vom Gehsteig zu schippen. Das wünsche ich euch.

Kommt schlitterfrei in die neue Woche!

Euer Michael

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Der Sonntagsreport vom 03.12.2017: Von Umfrageergebnissen und Selbstvertrauen

Hallo ihr Lieben!

Ich hoffe, ihr hattet einen schönen ersten Advent. Abgesehen davon, dass ich mal wieder (oder immer noch) leicht vor mich hin kränkel, kann ich mich nicht beklagen. Meine Familie und ich waren heute in Duisburg auf dem sogenannten Lichtermarkt. Dieser findet einmal im Jahr für drei Tage in der Kraftzentrale des Landschaftspark Nord statt und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es hier nicht das ewige Einerlei von

1. Würstchenbude
2. Glühweinstand
3. Strickwaren
4. Süßkram
5. Holzspielzeug
6. Würstchenbude
7. Glühweinstand
8. …

gibt, sondern dass viele originelle und auch wirklich handgemachte Artikel zum Verkauf angeboten werden. Besonders ins Auge gefallen sind mir handgedrechselte (!) Schreibutensilien, die richtig toll aussahen. Aber da ich niemanden kenne, der so ein schönes Stück gebrauchen könnte, sei es ein Kugelschreiber, ein Füller oder sonstwas, und ich selber ja nun so gar nicht gerne mit der Hand schreibe, blieben die Schönheiten am Stand.

Leider kann ich euch nicht mehr sagen, dass ihr hingehen sollt, weil der Markt für dieses Jahr nun einmal schon vorbei ist, aber vielleicht mögt ihr euch das ja für das kommende Jahr vormerken, wenn ihr in der Gegend wohnen solltet.

Dabei fällt mir wieder einmal auf, dass ich, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, gar keinen rechten Überblick habe, wo meine Leser eigentlich so beheimatet sind. Ist das wichtig? Nein, nicht unbedingt. Es wird höchstens dann wichtig, wenn ich irgendwann mal Lesungen hier in Duisburg und Umgebung veranstalten sollte und dann gezielt Leser meines Blogs dazu einladen wollte. Noch Zukunftsmusik, aber kann ja mal soweit kommen, nicht wahr?

Ihr merkt schon, ich traue mich, im Vergleich zu letzter Woche sogar in einem eklatanten Ausmaß, wieder den Blick in die Zukunft zu richten. Dazu hat es zwei Krankheitstage Anfang der Woche gebraucht, in denen sich der Körper erholte und der Kopf ein Stück weit resettete. Und es brauchte die Umfrage von Mittwoch, ob ich auf diesem Blog jammern darf oder nicht.

Leider haben nur zwölf Besucher eine Stimme abgegeben, wobei der Beitrag deutlich höhere Zugriffszahlen hatte. Ich nehme jetzt einfach mal an, dass diese Besucher alle der Ansicht sind, dass es ihnen egal ist. Mit dieser Annahme komme ich auf neun Leser, die mir eindeutig das „Recht“ zugestehen, zu jammern, wenn mir danach sein sollte, drei, denen es explizit egal ist und eben die Dunkelziffer.

Ich möchte mich bei jedem und jeder Einzelnen bedanken, der/die mir ihre/seine Meinung hier gelassen hat. Das habe ich wirklich gebraucht, mich auch hier bestärkt zu sehen. Denn das habe ich daraus gezogen: Neue Stärke und neues Selbstvertrauen, dass das, was ich hier auf meinem Blog veranstalte, so verkehrt nicht sein kann – selbst dann nicht, wenn es mir manchmal so vorkommt. Oder vielleicht gerade auch dann, wenn es mir so vorkommt.

Es hat mir aber auch gezeigt, dass gerade die Abwechslung auch mit zu dem beiträgt, was euch, meine lieben Leser, bei der Stange hält. Ich darf also am einen Tag mit meiner Existenz als Schriftsteller (oder Mensch) hadern, am nächsten Tag einen Kommentar zum literarischen Weltgeschehen abgeben und am übernächsten Tag etwas zu meinen momentanen Projekten schreiben. Wobei ich hoffe, dass das Letztgenannte jetzt bald mal wieder mehr werden wird.

Aber auch da habe ich Vertrauen. Denn wenn ich mir die Geschichte von „Mein Traum vom eigenen Buch“ so ansehe, dann kann ich konstatieren, dass es immer mal wieder die Phasen gab, in denen nichts klappte und dann die Phasen, in denen es auf einmal besser lief. Der Blog ist und bleibt mir eine Triebfeder. Und dass ich nun (wieder) an ihn herangehe und ihn ernst nehme in seiner Variabilität und in seiner Tagesaktualität, wenn man es so nennen will, kann nur hilfreich sein.

Es wird hilfreich sein!

Schließlich habe ich nach wie vor viel vor. Ich hatte es vergessen, aber es ist mir wieder eingefallen. Stellenweise fehlt mir ein wenig die Kraft, aber das geht vorbei. Und solange schreibe ich einfach weiter und bleibe am Ball. Erst dann, wenn die Worte vollständig versiegen, wäre der Traum vorbei. Noch ist er es nicht. Und er soll es auch nicht sein.

Also, dementsprechend noch einmal meinen Dank an euch!

Habt einen guten Start in die kommende Woche. Noch drei Wochen bis Weihnachten. Wollte ich nur mal so gesagt haben 😉 .

Euer Michael

Der Sonntagsreport vom 26.11.2017: Irgendwie doch immer dasselbe

Hallo ihr Lieben!

Ich muss gestehen, dass ich inzwischen nahe an der Selbstzensur bin. Denn ich kann es ja selber nicht mehr lesen, wenn hier wieder steht, dass eine Woche lang kaum etwas nennenswertes passiert ist, weil da entweder die Zeit oder die Kraft oder beides nicht für gereicht hat. Ist doch irgendwie immer dasselbe. Will doch keiner mehr lesen – am wenigsten ich.

Aber!

Aber dann fällt mir wieder ein, dass es einen ganz basalen Grund dafür gibt, dass es diesen Blog gibt. Und der ist, dass ich mich mit seiner Hilfe (und natürlich vor allem auch EURER Hilfe) neu motiviere, wenn die Motivation gelitten hat und immer noch leidet. Wenn die Kraft fehlt.

Heute war ein gutes Beispiel dafür. Ohne, dass es einen besonderen Grund gegeben hätte, habe ich heute Vormittag ziemlich lange geschlafen. Gut, ein Grund war natürlich, dass der Rest der Familie dieses lange Ausschlafen ermöglicht hat 😉 .

Aber nach dem Frühstück habe ich mich dann erst einmal wieder eine Stunde aufs Ohr gelegt. Richtig geschlafen habe ich nicht, aber ich war irgendwie nicht auf dem Damm. Dann Aufstehen zur Mittagsstunde, um die Frau zur Arbeit zu verabschieden und drei Stunden lang versuchen, ein wenig geregelt zu bekommen.

Um drei Uhr ein Treffen mit der großen Tochter, um Vokabeln abzuhören. Im Anschluss einmal über die Unterlagen des Lektorats schauen, die mir inzwischen zugegangen sind und bei denen ich noch nicht weiß, wie ich auf einige Änderungsvorschläge/-wünsche reagiere, weswegen ich mir hier noch Gedanken machen muss.

Einfach mal auf der Couch sitzen bleiben für die kommenden zwei Stunden, die meiste Zeit mit geschlossenen Augen. Nicht schlafen, sondern einfach sitzen und versuchen, irgendwie wieder bei zu kommen.

Ich habe keine Ahnung, was da wieder los ist. Vielleicht ist das Jahr gefühlt einfach schon zu lang. Vielleicht setzt die Jahresendzeitstimmung langsam ein. Herüber gerettet aus einer Zeit, in der man noch glaubte, dass der erste Januar wirklich ein neuer Beginn wäre und nicht nur der gleiche Mist mit einer anderen Jahreszahl am Ende.

Vielleicht ist es einfach deswegen auch immer dasselbe und damit langsam langweilig, weil sich diese Erkenntnisse langsam durchsetzen. Langsam durchsetzen müssen. Schließlich bin ich ja kein Fantast – auch wenn ich manchmal fantastische Geschichten schreibe.

Wo, wenn nicht hier, kann ich einfach mal so drauflos schreiben. In welchen, wenn nicht in den Artikeln zum Sonntagsreport.

Nun sprach ich davon, dass ich Motivation und Kraft wiedergewinnen will. Und dafür muss ich dran bleiben! Darf nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Wenn ihr mich heute Nachmittag gefragt hättet, dann hätte ich gesagt, dass ich vielleicht einfach mal ein „vorübergehend geschlossen“-Schild an den Blog hängen sollte. Ein Teil von mir denkt das immer noch. Dass das Ding mir vielleicht nicht ganz so sehr hilft, wie ich es glaube, sondern eine zusätzliche Belastung darstellt.

Aber wie dem auch immer sei: Die Entscheidung fällt nicht jetzt und sie fällt nicht hier. Hier und jetzt schreibe ich gleich den letzten Satz für diesen Tag, bevor ich mich auf eine neue Woche da draußen vorbereite. Eine Woche, in der ich mich mit meiner Lektorin kurzschließen möchte. Eine Woche, die mehr als dieses Gejammer im Blog sehen soll. Eine Woche, die mich wieder ein wenig mehr ich selbst sein lässt.

Ohne zu wissen, woran es diesmal eigentlich wieder gelegen hat oder noch liegt. Was aber auch egal ist, denn irgendwie geht es immer weiter. Egal, ob es das Jahresende ist, der Jahresanfang oder irgendwas dazwischen.

Es wird immer weitergehen. Und irgendwann ist es auch nicht mehr nur dasselbe.

Es tut gut, euch dabei zu haben!

Euer Michael

Der Sonntagsreport vom 19.11.2017: Kein zurück

Gestern Abend war ich mal wieder auf einem Konzert. Und zwar gab sich der Sänger Peter Heppner in Krefeld anlässlich seines dreißigjährigen Bühnenjubiläums die Ehre.

Würdet ihr mir vorneweg bitte bestätigen, dass irgendwer von euch (noch) weiß, wer Peter Heppner ist? Denn als ich meiner Kollegin (26), mit der ich mir das Büro teilte, den Namen nannte, wurde ich nur fragend angeschaut.

Ich helfe mal auf die Sprünge: Ab 1987 spielte Heppner sich zusammen mit seinem Partner Markus Reinhardt unter dem Bandnamen Wolfsheim zunächst in die Herzen der Synthie-Pop-Freunde. Frühe Szenehits wie „The Sparrows And The Nightingales“ fanden auch Zugang zu weiteren Hörerkreisen. Der Durchbruch für Heppner kam allerdings erst mit einer der zahlreichen Kollaborationen, die er mit anderen Künstlern eingegangen ist.

1998 erschien „Die Flut“, das Gemeinschaftswerk von Peter Heppner und Joachim Witt, das sensationell bis (fast) an die Spitze der deutschen Single-Charts geschossen ist. Hiervon profitierte auch Heppners Hauptband erheblich, bis hin zum Lied „Kein zurück“, das 2003 für insgesamt zehn Wochen in den deutschen Top Ten war und schließlich mit Gold ausgezeichnet wurde.

Kurz darauf trennten Wolfsheim sich und Heppner machte, mit leider geringerem kommerziellen Erfolg, solo weiter. Sein prägnantes Organ wird und wurde jedoch auch weiterhin von anderen Künstlern gerne als Ergänzung zu eigenen Songs verwendet. Bis heute hat Heppner unter anderem mit Künstlern wie Nena, Camouflage oder auch Schiller gearbeitet.

So, wer sich jetzt noch nicht erinnert, ist wahrscheinlich wirklich nicht dabei gewesen. Aber gut, eigentlich soll es auch nur am Rande um die Musik gehen, auch wenn der Beitrag bis jetzt einen anderen Eindruck gemacht haben sollte. Tatsächlich geht es nämlich um eine Botschaft, die in einigen von Heppners Songs zum Ausdruck kommt – was mir allerdings erst gestern wieder so richtig bewusst wurde.

Dein Leben dreht sich nur im Kreis
So voll von weggeworfener Zeit
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her
Du willst noch leben irgendwann
Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her.

Eigentlich sind diese Worte eine große Hülse aus Gedanken, die man in anderen Konstellationen schon oft gehört hat. Konzepte der Achtsamkeit, der bewussten Wahrnehmung, sie alle bauen auf den dahinter liegenden Gedanken auf. Wenn man so will, gehen sogar alte Bauernregeln wie „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ in die gleiche Richtung.

Was mich an dieser Passage, ebenso wie am ganzen Konzert, jedoch mehr gepackt hat, als ich es voraussah, war das Gefühl, irgendwie an einem ähnlichen Punkt in meinem Leben zu stehen.

Ich habe diesen Traum, den Traum vom eigenen Buch. Das wisst ihr alle, so steht es im Titel. Und ich habe mich gefragt, ob ich nicht in gewisser Weise auch diesen Traum immer mehr vor mir her schiebe. Klar, auch diese Frage an mich selbst ist jetzt alles andere als neu oder originell. Ändert aber nichts daran, dass sie legitim ist und gerade dann, wenn sie sich immer wieder aufdrängt, nach Beachtung giert.

Ohne dem Ganzen eine Lächerlichkeit geben zu wollen, die ihm nicht angemessen ist, habe ich mich schon mal gefragt, ob es sich vielleicht um eine Art der Midlifecrisis handelt, die ich mir eingefangen habe. Ich bin Anfang Vierzig, mit einiger Wahrscheinlichkeit bin ich halt irgendwo um die Halbzeit meines Lebens. Andere Männer (und manche Frauen) kaufen sich in dem Alter einen dicken SUV, weil es zum Sportwagen rein geldtechnisch nicht reich. Manche suchen sich irgendeine Liebschaft, um sich wieder jung zu fühlen.

Das liegt mir beides fern, denn das, was ich eigentlich machen will, tue ich ja schon ganz, ganz lange Zeit: ich schreibe. Denn auch das wurde mir bewusst, als ich gestern Abend lange Zeit auf diesen Bühnen-Backdrop schaute. 1987 war auch das Jahr, in dem ich mich zum ersten Mal an meinen Computer gesetzt habe und die Absicht hatte, dass am anderen Ende eines Prozesses ein Roman dabei herauskommt. Peter Heppner steht dieses Jahr 30 Jahre auf der Bühne und ich sitze 30 Jahre an der Schreibmaschine.

Es geht mir nicht um den Vergleich, was ein anderer Mensch bereits erreicht hat und was ich nicht erreichte. Denn dann dürfte ich mich in Anbetracht so vieler engagierter und ambitionierter Autoren, die ihre Erstlinge teils schon vor ihrem zwanzigsten Geburtstag veröffentlichten, gar nicht mehr ins Internet wagen. Es geht höchstens um ein Thema wie stringente Vorgehensweise.

Aber auch an dem habe ich mich an dieser Stelle bereits oft genug abgearbeitet, denke ich. Es wird schwer, dem noch neue Aspekte abzugewinnen. Und langweilen möchte ich euch, liebe Freunde, ja auch nicht.

Jedenfalls stand ich gestern in dieser Konzerthalle, vom strömenden Regen draußen (trotz Schirm) stellenweise bis auf die Haut nass, und erlebte einen seltsamen Gefühlsmix aus Nostalgie, Ergriffenheit, Melancholie und Hoffnung. Denn es ist ja nicht so, dass es keine Möglichkeiten zur Veränderung gäbe. Die gibt es immer. Ich muss „nur“ meinen Hintern hoch bekommen und dann sind alle Dinge möglich, die ich brauche, um meinen Traum zu verwirklichen. Ganz einfach. Es liegt alleine an mir.

Für dieses Gefühl hatte Heppner übrigens auch ein passendes Lied im Gepäck:

Alleinesein, Alleinesein
Heute bin ich einfach mein
in vertrauter Einsamkeit
Alleinesein, Alleinesein
Heute bin ich mir genug
und das tut auch mal ganz gut

Also, was bleibt übrig, abgesehen von einem tollen Konzertabend, der einer Zeitreise glich, einem neuen T-Shirt im Schrank und, wenn ich Pech habe, dem nächsten Schnupfen wegen Kühle und Nässe beim Warten vor der Halle?

Ich denke, dass das Konzert ein weiterer Baustein sein kann auf meinem Weg, mich aus der Tiefe meines „ich kriege nichts gebacken, ich kann nicht schreiben, ich kann mich nicht bewerben, ich kann mimimimimi“ raus zu arbeiten. Inzwischen bin ich nicht mehr so vermessen zu glauben, dass irgendwas in irgendeiner Form eine alleinige Initialzündung sein kann. Wenn es nicht einmal das Gefühl von „du hast nur noch soundso viele gute Jahre vor dir“ kann, was denn dann 😉 ?

Nein, inzwischen glaube ich, dass man den Dingen seinen Lauf lassen muss. Dass man sich die Steine suchen muss. Als ob man aus einem riesigen Haufen von Puzzleteilen die sucht, aus denen sich ein Bild ergibt. Es bringt nichts, den Haufen immer wieder wild in die Luft zu werfen und zu hoffen, dass man deswegen auch nur einen einzigen Schritt schneller zu seinem Ziel kommt. Es braucht Ausdauer, es braucht Geduld, es braucht Ruhe und den Mut zur Langsamkeit.

Ich brauche den Mut zur Langsamkeit!

Oder, um es mit Heppner zu sagen:

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
es gibt kein Weg zurück

Also, gehen wir vorwärts. Und ich würde mich freuen, wenn ihr mich weiter auf meinem Weg begleitet!

Alles Liebe

Michael

Der Sonntagsreport vom 12.11.2017: Alles nur in meinem Kopf

Der letzte Tag von so einem Urlaub ist doch irgendwie immer komisch. Vielleicht liegt es daran, dass er so oft auf einen Sonntag, also somit sowieso schon einen recht „toten“ Tag fällt. Für mich fühlt sich der letzte Urlaubstag immer an, als wäre er ein großes Ausatmen. Ein Ausatmen von Ruhe und selbstkontrollierter Zeit. Und dann versuche ich, das nächste Einatmen noch ein klein wenig länger hinauszuzögern, weil ich genau weiß, dass dieses Einatmen die Hektik mit sich bringt. Die Unruhe. Die Anstrengung.

Das ist nicht immer so gewesen. Ich kann mich an Zeiten erinnern, zu denen es zwar lästig war, dass die Arbeit wieder los ging, aber eben auch nicht mehr. Es gehörte dazu. Geht ja nicht anders. Nun, diese Zeiten scheinen vorbei zu sein und ich gehöre zu denen, die ganz langsam ausatmen und dann die Luft anhalten.

Und während ich die Luft anhalte und versuche, nicht blau dabei anzulaufen, versuche ich in meinem Kopf ein kleines Mantra ablaufen zu lassen. Eines, das mir sagt, dass das alles gar kein Problem ist. Es gibt kein Problem.

Das ist alles nur in meinem Kopf.

Sicherlich kennt ihr alle das Lied von Andreas Bourani, das diesen schönen Titel trägt. Ein Lied, das mir auch sehr gut gefällt. Doch während er in ihm Dinge beschreibt, die eigentlich gut und schön sind, die er gerne länger erlebt hätte, sind es bei mir oft Dinge, die ich alles andere als erleben möchte. Wobei mir nur hilft, weiter zu atmen. Wenn es nicht mehr geht, die Luft anzuhalten.

Es gibt Schriftsteller, die glauben, dass aus solchen Gefühlen, aus solchen Problemen, der Stoff gemacht ist, aus dem wir unsere Geschichten weben. Das ist ein Gedanke, der mir gefällt. Und ja, manchmal ist es sicherlich so. Ich habe es erlebt. Denn das Schreiben ist hin und wieder auch Kompensation für das, was mich bedrückt. Gerade auch für die Dinge, die mich bedrücken, obwohl es keinen logischen Grund dafür gibt.

Das ist alles nur in meinem Kopf.

Doch ich muss es hin und wieder heraus lassen, es in Worte kleiden. Und deswegen ist es für mich doppelt schwer, wenn ich nicht in der Lage bin, vernünftig zu schreiben. Denn dann bleibt viel von all dem einfach in mir eingeschlossen. Dort, wo es irgendwann wirklich anfangen kann, Unheil anzurichten. Mich am Atmen zu hindern.

Ich will nicht sagen, dass ich genau verstehe, was da passiert. Aber ich kann langsam die Mechanismen dahinter erkennen und versuchen, sie zu steuern. Deswegen wehre ich mich an einem toten Sonntag wie diesem nicht mehr dagegen. Und ich wehre mich auch nicht gegen das mulmige Gefühl, das ich früher nicht hatte, das aber nun zu einem Teil meiner Selbst geworden ist. Man könnte auch sagen, dass ich versuche, mich damit ernst zu nehmen.

Deswegen war der Tag okay so, wie er war. Und auch der morgige Tag wird okay sein. Und der danach. Und mit ein wenig Glück sogar noch der darauf folgende. Weil es sein muss. Weil es so geht.

Weil das alles nur in meinem Kopf ist!

Der Sonntagsreport vom 05.11.2017: Wassertreten auf gehobenem Niveau

Hallo ihr Lieben,

es ist wieder Sonntag und nachdem es letzte Woche ja schon keinen „richtigen“ Sonntagsreport gab und es hier im Moment ja sowieso ein wenig ruhiger ist, jedenfalls nach meinen Maßstäben, dachte ich mir, dass ich einfach mal kurz von mir hören lasse.

Gesundheitlich geht es bei mir so langsam aber bestimmt aufwärts. Einen letzten Härtetest haben meine Familie und ich gestern unternommen, da waren wir nämlich schwimmen. Einer der großen Wünsche von Kind 2, eigentlich schon den ganzen Sommer über. Aber wie das immer so ist, erst kommt man zu nichts und dann hat man keine richtige Lust.

Aber dafür freute sie sich dann besonders, dass sie doch noch eine Runde plantschen gehen durfte. Jedenfalls, solange sie kein Wasser ins Gesicht bekam. Kind 2 ist nämlich eine Vertreterin der Spezies „geh mit mir schwimmen, aber mach mich nicht nass“. Gut, dazu muss man wohl sagen, dass sie (noch) Nichtschwimmerin ist und deswegen das nasse Element zwar mit Spaß an der Freude, aber auch mit Skepsis sieht. Das ist dann ein schmaler Grat zwischen reinem Plantschen und vorsichtigem Hinführen zum Schwimmen. Soweit man das in einem Spaßbad machen kann.

Gut, ich kann also sagen, dass ich fast drei Stunden Schwimmen überlebt habe, ohne dass mir heute wieder die Nase triefen würde. Dafür habe ich gestern festgestellt, dass ich langsam wohl wirklich alt werde.

In einem Spaßbad, in diesem Fall der Aquapark in Oberhausen, direkt beim Centro, gibt es ja eigentlich immer auch Rutschen. Noch vor einigen Jahren wäre ich vollkommen enthusiastisch auf jede dieser Dinger gegangen, so wie ich ja auch keine Achterbahn auslasse. Aber ich scheine entweder empfindlicher geworden zu sein, oder zimperlicher, oder einfach gebrechlich (aufgrund meines absurd hohen Alters von 42 Jahren 😉 ). Jedenfalls neige ich inzwischen dazu, mir in diesen Dingern immer irgendwie weh zu tun. Sei es an den Nähten zwischen den einzelnen Teilen, aus denen die Rutschen zusammengeschweißt wurden, sei es beim Auffangbecken. Irgendwo macht es Aua.

Das führt dazu, dass ich inzwischen schon angespannt an die Sache heran gehe. Und eigentlich hätte ich das Rutschen auch ganz ausfallen lassen, wenn ich mir nicht wenigstens einmal hätte ansehen wollen, ob man da das kleine Kind ohne Sorge rutschen lassen kann. Denn das ist ja das Seltsame: Auch wenn sie in gewissem Sinne wasserscheu ist, auf die Rutschen geht sie. Vollkommen egal, ob sie da am Ende nass wird im Gesicht.

Okay, jedenfalls stand ich dann da oben bei diesen Rutschen und entschied mich für die, auf der man ohne einen überdimensionalen Schwimmring rutschen durfte. Dabei nervte ich die hinter mir anstehenden Kids schon damit, dass ich mich an die ausgegebenen Sicherheitsregeln hielt. Abstand zum Vordermann halten ist heutzutage offensichtlich was für Pussies. Oder war es immer schon, aber es hat mich früher nicht gestört.

Irgendwann rutschte ich dann jedenfalls, angespannt, wie ihr euch erinnert, los. Ich hatte vorher gesehen, dass die Rutsche wegen der Lichtobjekte im Inneren zum Beispiel nicht für Epileptiker geeignet war.

Worauf ich nicht vorbereitet war, war allerdings der Punkt, dass durch meine innere Anspannung die Atmung etwas aus dem Takt geraten war. Und so wurde die kurze Rutschpartie, die teilweise durchs Dunkle, teilweise durch Nebel führte, für mich zu einer mittleren Tortur.

Und während Kind 1 und Kind 2 vollkommen enthusiastisch unten am Auffangbecken standen, war ich froh, heil unten angekommen zu sein. Ich werde wirklich zu alt für so etwas. Oder zu doof. Oder irgendwas anderes.

Na ja, aber lange Rede, gar kein Sinn: Jedenfalls scheine ich die Erkältung los zu sein. Damit fällt allerdings auch eine „Ausrede“ weg, nichts gebacken zu bekommen in Hinsicht auf meine Schreiberei und alles, was damit zu tun hat. Hm, da muss ich mir wohl was Neues einfallen lassen. Oder ich sehe einfach zu, dass ich meinen Arsch in die Luft bekomme.

Was meint ihr, was davon ist wahrscheinlicher? 😉

Lasst es uns gemeinsam in der kommenden Woche herausfinden. Wir sehen uns!

Habt einen schönen Wochenstart.

Euer Michael

Der Sonntagsreport vom 22.10.2017: Lasst uns eine Drehtür einbauen

Kennt ihr das, wenn es sich so anfühlt, als ob es Sinn machen würde, die heimische Tür aus festem Holz (oder Metall, oder Glas, oder wasauchimmer) durch eine Drehtür zu ersetzen? Ganz einfach, weil gefühlt alle zehn Sekunden jemand anderes herein kommt und wieder heraus geht? Und nein, ich spreche noch nicht einmal vom Kater, auch wenn der sich an manchen Tagen sicher sehr über eine Katzenklappe freuen würde – die er nicht bekommt, aus Prinzip nicht. So alt, wie unser tierischer Mitbewohner ist, kommt er prompt in den Katzenhimmel, wenn wir die Klappe für teuer Geld haben einbauen lassen. Lohnt also nicht.

Nein, ich hatte euch doch vor einigen Wochen davon berichtet, dass bei uns in Kürze eine neue Küche einziehen wird. Und dieses „in Kürze“ ist in der kommenden Woche. Weil wir, meine Frau und ich, aber nicht nur eine neue Küche ins Auge gefasst haben, sondern auch noch das eine oder andere kleine oder große Projekt am Haus, geben sich hier die Vertreter verschiedener Handwerksbetriebe die Klinke in die Hand.

Dabei kann man erstaunliche Sachen erleben, wenn man sich die Mühe macht, den einen gegen den anderen Handwerker ein wenig auszuspielen. Beliebtestes Mittel der Wahl ist da immer die Debatte über den Preis.

Jetzt bin ich ja niemand, der jeden Pfennig zweimal umdreht (»nein, dreimal«, sagt meine Frau im Hintergrund), aber so ein wenig achte ich dann schon auf Preis und Leistung. Und da fand ich den Preisunterschied für das Terrassendach, das wir uns diese Woche haben skizzieren lassen, schon beachtlich.

Ich meine, vielleicht gibt es ja gute Gründe, warum das Dach einmal runde 11.000 Euro kosten soll und dabei noch nicht einmal so montiert werden kann, wie wir das gerne hätten, und das andere Dach kostet nur ein Drittel dieses Preises inklusive der von uns gewünschten Montage. Beide Unternehmen sind langjährig aktive Handwerksbetriebe mit entsprechenden Referenzen. Es ist einfach nicht nachvollziehbar.

Ich habe da im Stillen für mich eine kleine Querverbindung zum Literaturbetrieb gezogen, wo es ja auch Verlage gibt, die für die Publikation eines Romans mehrere tausend Euro von einem Autor haben wollen, während andere Verlage das sogar ganz umsonst machen! Ist das zu fassen? Man rechne sich mal aus, was für eine Marge da drin steckt. Dagegen ist der Mensch mit seinem 11.000-Euro-Terrassendach ja sogar noch günstig.

Aber ich muss gestehen, dass es mir so langsam doch ein wenig zu viel wird mit den Handwerkern. Nicht, weil das keine netten Menschen wären. Im Gegenteil: Wenn sie einem etwas verkaufen wollen, sind sie sogar die nettesten Menschen der Welt. Man schämt sich fast dafür, ihnen zu unterstellen, dass sie nur so nett sind, weil sie eben etwas verkaufen wollen. Aber ich bekomme langsam ein nervöses Augenzucken, wenn jemand einen Zollstock auspackt, um mal eben etwas ausmessen zu wollen.

Wäre es nicht schön, wenn das für Autoren auch so wäre? Also vor allem für Autoren meiner Kragenweite, die auf dem Weg zur ersten Veröffentlichung sind, aber noch lange nicht an einem Punkt, an dem man davon reden könnte, dass sie so etwas ähnliches wie einen Status besitzen.

Ich denke an eine Drehtür, durch die den ganzen Tag Agenten, Verlagsvertreter und Presseleute kommen und alle wollen etwas von einem. Bis es irgendwann so viele sind, dass man sich fast seine feste Tür wieder wünscht.

Aber das wird nicht passieren. Es werden weiter wir Autoren sein, die Klinken putzen müssen. Und die Türen, auf die wir stoßen, werden oft aus Materialien wie Eisen, Stahl, Beton oder Felsgestein sein. So dass man entweder eine Spitzhacke oder einen Schneidbrenner braucht, um hinein zu kommen.

Bis auf die wenigen von uns, die es wirklich schaffen, sich einen „Namen“ zu erschreiben. Und ich gönne es jeder und jedem von Herzen, es zu schaffen. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, von außen an der Tür zu kratzen und niemand macht auf. Das habe ich unserem Kater abgeschaut, der immer so tut, als wäre er verstoßen worden, wenn nicht binnen Sekunden jemand vor ihm materialisiert und die Türe öffnet. Und wehe, man ist dann nicht binnen weiterer Sekunden an den Futtertöpfen angekommen!

Also: Auch wenn die Drehtür ein Wunschtraum bleibt, sollten wir Autoren weiter dran bleiben. Und uns so teuer wie möglich, aber so realistisch wie nötig, verkaufen. Wir sind die mit dem Premium-Produkt zum guten Preis. Und wir haben es nicht nötig, uns über den Tresen – oder das 11.000-Euro-Dach – ziehen zu lassen.

Habt eine schöne Woche, nach Möglichkeit ohne Handwerker!

Euer Michael


PS: Dieser Beitrag könnte mit Spuren von Unsinn, Ironie oder einfach erhöhter Temperatur durchsetzt sein. Ich würde Fieber messen, aber der Kater hat das Thermometer versteckt.