500 Beiträge online und ihr könnt was gewinnen!

Meine Lieben!

Dies ist der 500. Beitrag auf „Mein Traum vom eigenen Buch“. Als ich diesen Blog gestartet habe, hätte ich erstens nicht gedacht, dass ich so lange durchhalten würde und zweitens hätte ich nicht geglaubt, dass ich diese Beiträge vergleichsweise schnell erreichen könnte. Aber es macht nach wie vor so viel Spaß, hier für euch zu schreiben, dass ich gar nicht anders kann, als es zu tun.

Aber es macht für mich vor allem auch ganz viel Sinn! Nehmen wir nur die Geschichte mit der Anthologie gestern. Ich habe sofort so viel Zuspruch von euch bekommen, so viele interessante Ideen und Möglichkeiten, dass gar keine große Chance für trübsinniges Brüten bestand. Das empfinde ich als etwas ganz, ganz Großes!

Und deswegen habe ich mir eine Kleinigkeit ausgedacht, die euch vielleicht zur Feier des 500. Beitrags Spaß machen könnte. Wie ihr wisst, schreibe ich gerne. Deswegen macht es für mich Sinn, wenn ich auch etwas entsprechendes als kleinen Gewinn auslobe.

Ich verlose eine exklusive Geschichte für einen meiner Leser!

Jeder, der bis zum 08.10.2016 um Mitternacht hier unter dem Beitrag einen Kommentar hinterlässt, wandert in den Lostopf und einer von euch wird dann das Vergnügen haben, sich seine eigene Geschichte bei mir zu bestellen.

Dabei überlasse ich es dem Gewinner, wie er es gerne hätte. Ein mögliches Format wäre, dass ich auf Basis einer vorgegebenen Überschrift etwas schreibe. Ihr könnt mir aber auch eine Handvoll Stichworte an den Kopf schmeißen, aus denen ich dann etwas basteln muss. Oder ihr lasst euch etwas ganz anderes einfallen.

Der Gewinner kann mit dem Text machen, was er möchte. Er kann ihn auf seinem eigenen Blog veröffentlichen, hier zur Veröffentlichung freigeben oder auf seiner Festplatte speichern, weil er ja mal was wert sein könnte, wenn ich erst ein Bestsellerautor geworden bin. Auf jeden Fall habt ihr meine Zusage, dass ich sie exklusiv behandeln und nicht anderweitig verwenden werde.

Ich setze euch bewusst wenig Grenzen. Das einzige, aber das sollte sich verstehen, ist, dass ich keine Texte mit extremistischen oder verhetzenden Inhalten verfasse. Ich unterstelle aber niemandem meiner Leser, dass er oder sie auf so eine Idee kommen könnte. Es muss halt nur seine Erwähnung finden.

Die Geschichte wird einen Umfang von einigen Seiten haben. Wie viele es werden, dazu gebe ich keine definitive Aussage, weil es ja auch davon abhängt, was ihr mir so anbietet.

Ich bin gespannt, was dabei herauskommt und freue mich auf eure Teilnahme.

Zusammen haben wir die 500 Beiträge möglich gemacht – und jetzt geht es auf zur Nummer 1.000!

Euer Michael

Muss man in eine Geschichte verliebt sein?

Hmm… ist das nicht so wie in der Liebe? Festhalten und weitersuchen?
Bist du nicht richtig verliebt in eine der beiden Geschichten?

Dies ist ein Kommentar, den ich vor etwas über einer Woche von kitty auf diesen Beitrag hin bekommen habe.

In ihm und den zugehörigen Kommentaren berichtete ich von der Arbeit zu meinem Beitrag für die Duisburg-Anthologie der Mayerschen Buchhandlung. Und auch wenn die Frage an sich erst einmal einfach anmutet, ist die Antwort gar nicht so leicht zu geben. Schon gar nicht in Bezug auf Kurzgeschichten, bei denen ich mir immer noch nicht so sicher bin, ob ich sie „richtig“ schreibe.

Wie es sich nun einmal mit weit gefassten Ausschreibungen verhält, man muss vor lauter Möglichkeiten erst einmal einen Weg finden, einen Aspekt des Themas „Begegnungen“ zu finden, zu dem man sich das Schreiben einer Geschichte vorstellen könnte. Nachdem für mich recht schnell feststand, dass ich nichts zum, mir immer noch zu nahe liegenden, Thema „Flüchtlinge“ schreiben möchte, ließ ich meine Gedanken ein wenig schweifen und fand schließlich eine Idee, die sich für mich richtig anfühlte.

Auch als der geschriebene Text dann vorlag, war ich davon überzeugt, einen Beitrag geschrieben zu haben, der zumindest Chancen auf eine Veröffentlichung haben würde. Aber dann geschah es, dass ich mir eine zweite Geschichte aufdrängte. Auch diese schrieb ich und war sehr mit ihr zufrieden.

Und jetzt stand ich da und sagte, dass ich mir gute Gedanken machen müsse, welche der beiden Geschichten ich nun einreichen will, da nur eine Einsendung erlaubt ist. Daraufhin kam nun der oben zitierte Kommentar.

Wie ist es denn mit der Liebe? Ich denke, es gibt verschiedene Arten, zu lieben. Es gibt die bedingungslose Liebe auf den ersten Blick, die uns mit der Kraft eines Vorschlaghammers erwischt, die uns ein flaues Gefühl im Magen verschafft und gegen die wir uns nicht einmal dann wehren können, wenn wir es mit aller Macht wollen. Denn wir haben in diesem Fall keine Macht mehr. Nicht mehr über unsere Gefühle, nicht über unseren Körper und nicht über unsere Gedanken. Es ist die Liebe, wie sie in vielen Liedern besungen und in vielen Büchern beschrieben wird. Die bedingungslose Liebe ist wie ein Sturm, der uns umreißt, mit sich nimmt und erst Wochen, Monate oder Jahre später wieder an einem ganz anderen Ort absetzt, an den wir ohne ihn niemals gekommen wären.

Das ist die eine Art der Liebe, die man erleben kann.

Aber es gibt noch eine andere Form der Liebe, die ich vielleicht als die etwas weniger prosaische, dafür aber realitätsbezogenere Liebe beschreiben würde. In diesem Fall sind wir zwar auch verliebt, aber wir behalten noch einen mehr oder weniger großen Rest an Kontrolle bei uns. Zumindest ein Bein bleibt auf dem Boden und stellt den einigermaßen sicheren Stand her, den man braucht, um sein Leben Schritt für Schritt an die durch die Liebe neuen Gegebenheiten anzupassen.

Natürlich träumen wir alle von der großen und bedingungslosen Liebe. Es ist das, was wir alle wenigstens einmal in unserem Leben erleben wollen. Diesen Rausch. Diese Sucht. Und auch das Verlangen, das dieser Liebe innewohnt. Deswegen mag es manchmal so wirken, als ob wir auch in der Liebe weitersuchen würden. Sonst würde es keine plötzlichen Trennungen mit anschließender Neuorientierung mehr geben.

Übrigens rede ich immer noch von Geschichten, falls ihr etwas anderes gedacht haben solltet ;-).

Meine Liebe zu den beiden Kurzgeschichten, die ich geschrieben habe, ist von rationaler Natur. Die zur ersten ein wenig mehr, als die zur zweiten. Diese hatte durchaus die Anlagen dazu, dass ich mich Hals über Kopf in sie hätte verlieben können. Wenn es da nicht schon die erste Geschichte gegeben hätte. Das ist der Moment, in dem man bei Facebook seinen Beziehungsstatus auf „es ist kompliziert“ verändert.

Beide Geschichten passen zur Ausschreibung. Beide haben einen ähnlichen Grundtenor. Und beide gefallen mir. Bei beiden kann ich allerdings nicht einschätzen, ob sie das sind, was die Jury lesen will. Dummerweise wage ich es bei Geschichte zwei eher zu bezweifeln als bei Geschichte eins. Dafür ist Geschichte zwei besser geschrieben.

Wenn man liebt, dann fragt man nicht danach, was der Rest der Welt von seiner Liebe hält. So sollte es sein. Aber bei Geschichten ist es leider so, dass sie in dem Moment zu Allgemeingut werden, in denen man sie zur Veröffentlichung vorstellt. Die Liebe wird begutachtet, seziert, beurteilt. Vielleicht auch verurteilt. Es ist immer noch etwas anderes, hinter verschlossener Tür zu hauchen, dass man einander liebt, als es mitten auf dem Marktplatz herauszubrüllen.

Ich bin der arme Kerl, der sich in zwei schöne Schwestern verliebt hat, von denen nur eine die richtige sein kann – oder auch keine, weil der gestrenge Vater mich vom Hof jagt.

Aber immerhin hat sich in der Zwischenzeit eine Tendenz herausgebildet und einen Vorteil hat es, dass sich die Analogie in diesem Fall auf Geschichten und nicht auf Frauen richtet: Es wird keine Eifersuchtsszenen geben.

Ich wünsche euch ein Wochenende mit viel Liebe – sowohl für eure Geschichten, wie auch für eure Herzensmenschen.

Warum habe ich eigentlich JETZT keinen Schreiburlaub!?

Das ist doch wieder so eine Angelegenheit aus der Abteilung „erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“. Da hatte ich doch einen geradezu aberwitzigen und unverschämt langen Sommerurlaub und kaum ist der vorbei, könnte ich eigentlich ganz dringend einen Schreiburlaub gebrauchen.

Ich habe ja gestern schon diffus durchscheinen lassen, dass sich da eventuell in Hinsicht auf ältere Romantexte von mir etwas ergeben könnte. Es geht, soviel kann ich ja sagen, um eine Verlagsbewerbung.

Hierfür muss ich allerdings noch einmal an den bestehenden Text ran, denn die nette Person, mit der ich da im Austausch bin, hat mir anhand von Fallbeispielen den einen oder anderen Hinweis gegeben, wie ich mehr aus meinen Texten herausholen, sie vielleicht auch marktgängiger machen kann.

Ehrlich gesagt empfinde ich das gerade wie einen Segen! Aber jeder Segen macht eben auch Arbeit.

Und so stehe ich nun hier: Die Arbeit an „Der Beobachter und der Turm“ samt anschließendem Lektorat vor der Brust, eine Kurzgeschichte, die ich schreiben wollte, im Nacken und ganz viele neue Impulse in Bezug auf den besagten älteren Romantext.

Und ich habe mal wieder keine Ahnung, wie ich das alles in meinen Alltag integrieren soll (jetzt hätte der gute alte Dr. Freud beinahe „ignorieren“ geschrieben).

Ich sage es ja: Ich brauche JETZT Schreiburlaub. Aber Urlaub habe ich erst wieder Anfang Oktober. Und bis dahin sollte ich einiges bis alles von dem, was ich gerade genannt habe, geschafft haben.

Es sieht so aus, als ob die nächsten Wochen anstrengend werden. Und jetzt fragen wir alle mit Bob dem Baumeister: »Können wir das schaffen?«

Und ich antworte dann wie Kranwagen Heppo: »Äh, ich glaube schon, ja …«

Fakt und Fiktion (15) Der Sturz

Disclaimer: Unter dem Label ‘Fakt und Fiktion’ veröffentliche ich kleine Episoden aus meinem Leben (Fakten), die in eine etwas ausgeschmückte (Fiktion) Form gepresst sind. Der Kern der Geschichten ist allerdings ein wahrer!


Irgendjemand hätte mich warnen sollen. Davon bin ich inzwischen überzeugt. Ob es einer der Kursleiter hätte tun sollen oder doch – das glaube ich eher – ich selbst, das spielt im Nachhinein betrachtet keine Rolle mehr. Die Sache ist passiert, ich bin noch bei Gesundheit und außer einem leichten Sachschaden sind auch keine Auswirkungen entstanden. Okay, ein wenig angeknackster Stolz, aber das gehört dazu.

Und trotzdem: Als die Kursleiter fragten, wer es sich schon zutraut, den runden Kilometer zwischen dem Schulhof, auf dem wir geübt hatten, und dem Treffpunkt auf dem Rad zurückzulegen, da hätte ich vielleicht besser geschwiegen. Es wäre keine Schande gewesen, andere „Schüler“ sind auch gelaufen.

Ich aber sagte: »Ich probiere es, absteigen kann ich ja immer noch.«

Bin ich dann ja auch – wenn auch nicht so, wie ich es mir gedacht hatte.

Vor meinem geistigen Auge kann ich mich selber sehen, wie ich am Straßenrand stehe, den Hintern auf ein eigentlich für mich ein wenig zu niedrig eingestelltes Fahrrad gebettet. Die Lenkerstange und die Sattelstange sind nicht lang genug, meint der Kursleiter. Und dass ich mich schon mal darauf einstellen kann, dass ein Fahrrad, mit dem ich gut zurecht komme, einen Preis kosten wird, mit dem ich erst einmal zurecht kommen muss.

Fahrrad – wieso eigentlich ein Fahrrad? Und das jetzt, mit 41 Jahren? Weil ich es als Kind nie gelernt habe, wie man mit so einem Ding fährt. Damals hieß es seitens diverser Quacksalber Ärzte, dass Asthmatiker nicht radfahren sollten. Danke nochmal dafür. Und jetzt, wo ich Familie habe, finden meine Kinder schon, dass ich es sollte. Und was tut man nicht alles für seine Kinder!?

Nein, halt, ich tue es auch für mich. Schließlich habe ich es vor fünf Jahren schon einmal versucht, es zu lernen, und bin daran gescheitert. Scheitern ist eine Sache, die ich zwar immer gut antizipieren, aber nur schlecht aushalten kann. Deswegen wage ich diesen einen, den letzten Versuch.

Ich stehe also am Straßenrand, atme noch einmal tief durch und warte darauf, dass der Verkehr ruhig genug ist, dass ich unfallfrei auf die andere Straßenseite und den mit einer Linie abgetrennten Radstreifen fahren kann. Noch vor vierundzwanzig Stunden habe ich keinerlei Erfahrung mit Pedalen gehabt. Und jetzt stehe ich davor, in den Straßenverkehr zu gehen.

Alles mache ich so, wie man es mir beigebracht hat: Gerade Körperhaltung, Bremsen angezogen, rechtes Pedal auf „zehn nach zwölf“-Stellung. Umsehen, Bremse lösen, ein kräftiger Tritt auf das rechte Pedal, linken Fuß nachziehen – ich fahre!

Ein wenig Schwierigkeiten bereitet mir das Thema Gleichgewicht. Damit habe ich manchmal schon im Laufen Probleme. Eine Folge der Medikamente, die ich nehmen muss. Auch das ist nicht wirklich eine gute Voraussetzung für das Fahrradfahren, hat mich aber auf dem Schulhof nicht so sehr behindert. Jetzt, auf dem schmalen Streifen, der für „uns“ Radfahrer vorgesehen ist, sieht das schon ein bisschen anders aus.

Ich merke, wie ich ein wenig schlingere. Das ist nicht weiter schlimm, sage ich mir, solange ich innerhalb des begrenzten Bereichs bleibe. Aber was ich mir sage und was mein Körper daraus macht, das sind zwei unterschiedliche Dinge. Mein Körper ist der Ansicht, dass dies der perfekte Moment ist, den Adrenalinausstoß noch einmal so richtig hochzufahren.

Wenig förderlich ist, dass ich zum ersten Mal die Erfahrung mache, dass ein Auto hinter mir ist. Und der Fahrer überholt und überholt mich nicht, fährt aber, wie ich bei einem schnellen Blick nach hinten feststelle, fast an meinem Hinterrad. Gerne würde ich meine Hand vom Lenker nehmen und ihn vorbeiwinken, aber das traue ich mich noch nicht. Irgendwann wird es ihm von alleine zu dumm und er zieht an mir vorbei. Ich merke, wie ich ins Schwitzen gerate.

Zu diesem Zeitpunkt kann ich die anderen Radfahrer aus meiner Gruppe schon nicht mehr sehen. Ich bin zu langsam für sie, aber zu schnell für die andere Gruppe, die sich zum Laufen entschlossen hatte. Ich bin alleine auf weiter Flur. Ein komisches, ein irritierendes Gefühl, das Angst macht.

Und Angst ist ein denkbar schlechter Begleiter auf den ersten Kilometern, die man mit einem Fahrrad zurücklegt.

Spätestens hier hätte ich absteigen sollen. Wenn ich ehrlich zu mir selbst gewesen wäre, dann hätte ich es gewusst. Aber ich wollte nicht ehrlich sein, ich wollte etwas erzwingen. Wann ist das letzte Mal etwas gut gegangen, das erzwungen werden musste? Gestern war jedenfalls kein solcher Tag.

Das Drama nimmt seinen Anfang mit einem sanften Gefälle. Ich werde schneller und merke, dass ich die Kontrolle über die Pedale verliere. Das heißt, dass meine Füße zwar fest darauf bleiben, aber ich quasi „Luft“ trete. Das verstärkt meine Unsicherheit und ich merke, wie ich zu wackeln anfange. Rechts ist ein weißer Kastenwagen geparkt, den ich auf keinen Fall anrempeln will. Also leichte Gewichtsverlagerung nach links.

Das Fahrrad und/oder mein Körper haben das Wort „leicht“ überhört und ich mache einen Schlenker nach links, der mich gefährlich nah an den Rand des Fahrradstreifens führt. Gleichzeitig höre ich, wie sich von hinten ein Wagen nähert.

In diesem Moment ist alles weg, was ich über das kontrollierte Bremsen und Anhalten gelernt habe. Ich reiße den Lenker nach rechts, was überhaupt nichts bringt, außer, dass das Fahrrad noch unkontrollierter einfach nach links, auf die Fahrbahn, ausbricht.

Mit einem lauten Aufschrei versuche ich erst jetzt, viel zu spät, zu bremsen, betätige, glaube ich, sowohl die Vorder- als auch die Hinterradbremse. Das Rad strauchelt und zusammen stürzen wir auf den harten Asphalt. Rad und ich liegen jeweils zur Hälfte auf dem Radstreifen und auf der Fahrbahn. Meine Brille hat es beim Aufprall mittig auf die Straße geschleudert.

In heller Panik versuche ich danach zu greifen, sehe schon das näherkommende Auto – es ist anthrazit, das kann ich aus meiner Perspektive als einziges erkennen – und erwische gerade noch die Brille.

Der Fahrer des Wagens ist allerdings schon lange in den Gegenverkehr ausgewichen, der in diesem Moment zum Glück nicht stattfindet. Anhalten tut er nicht. Auch die gerade vorbeigehende Frau fragt mich nicht, wie es mir geht.

Mir geht es bescheiden. Zwar scheint nichts verletzt zu sein und später stelle ich auch fest, dass ich außer ein paar Schrammen, blauen Flecken und aufgescheuerten Hautpartien keine körperlichen Schäden davongetragen habe, aber in meinem Kopf gähnt ein Abgrund. Und in diesen scheine ich zu fallen und zu fallen. Der Abgrund sagt: »Das kommt davon« und »Das hätte es gewesen sein können«.

Den Rest des Weges rolle ich das Rad. Es bleibt mir auch nichts übrig, denn das Vorderrad hat etwas abbekommen. Egal, sagt mir der Kursleiter hinterher, der ziemlich besorgt ist. Vielleicht stellt er sich die gleiche Frage wie ich auch, nämlich die, ob er mich hätte vor mir selbst schützen müssen. Auf jeden Fall fände er es gut, wenn ich nächstes Wochenende, zum zweiten Teil des Kurses, wiederkommen würde.

Als ich nach Hause fahre, kommt der Schock. Ich sitze im Wagen und merke, wie die ersten Tränen kommen. Später, zu Hause, kommen noch einige mehr dazu. Aber ich nehme auch die Freude und den Stolz meiner Frau entgegen, die sich ganz begeistert zeigt, dass ich nicht nur auf dem Rad gefahren, sondern auch so mutig gewesen bin, in den Straßenverkehr zu gehen.

So kann man es allerdings auch sehen. Vielleicht sollte man es so sehen.

Ich werde jedenfalls nächstes Wochenende wieder hingehen, das habe ich mir geschworen. Selbst wenn ich niemals ein guter Radler im Stadtverkehr werden sollte, so kann doch immer noch ein passabler Ausflugs-, Feld-, Wald- und Wiesenfahrer aus mir werden.

In meinen Träumen der Nacht sitze ich wieder auf dem Fahrrad. Und lasse mir den Wind um die Nase wehen. Bis zum Aufstehen, wo mir alle meine Knochen weh tun werden, ist der Sturz weit weg. Und ich hoffe, dass er es in fünf Tagen auch wieder sein wird, wenn es heißt: »Aufsitzen und losradeln!«

„Begegnungen“? Bloß nichts mit Flüchtlingen!

So, und nachdem wir jetzt alle den provokativen Titel gelesen haben, kommen wir auch alle wieder ein wenig runter ;-). Denn es geht mir in keiner Weise darum, dass ich etwas gegen Flüchtlinge hätte. Ganz im Gegenteil, ich finde es gut, dass den Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt, diskriminiert oder aus anderen Gründen am selbstbestimmten Leben gehindert werden, eine übergangsweise Heimat bei uns gewährt wird. Und im Gegensatz zu vielen Menschen finde ich es auch gut, dass man dort, wo es sich anbietet, über eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung nachdenkt und diese umsetzt.

Ich weiß, dass viele der Flüchtlinge alles versuchen, um sich in unserem, oftmals für sie völlig neuen, Kulturkreis zurechtzufinden. Sie lernen die Sprache, sie suchen nach Praktika, sie versuchen, am normalen Leben teilzuhaben. Viele Vorurteile, die aus gewissen Bevölkerungsschichten über Flüchtlinge kommen, sind absolut haltlos, wenn man sich mal die Mühe machen würde, alle sich noch bewegenden Gehirnzellen zusammenzunehmen und sie dazu zu nutzen, nachzudenken.

Das nur als Einleitung. Und trotzdem halte ich an meiner Überschrift fest. Sie bezieht sich nämlich auf die Anthologie der Mayerschen Buchhandlung Duisburg, die unter dem Namen „Begegnungen“ noch bis zum 30.09.2016 läuft.

Begegnungen – das kann eine ganze Menge sein, nicht wahr? Der Mensch begegnet schließlich jeden Tag anderen Menschen, er begegnet aber auch Facetten an sich selbst, er begegnet Gedanken, seiner Umwelt, der Natur. Es gibt so viel, was man über Begegnungen schreiben könnte.

Und doch ist der erste Gedanke, der einem beinahe zwangsläufig kommt, der an eine Begegnung mit einem Flüchtling.

In dem Stadtteil von Duisburg, in dem ich lebe, ist vor kurzem eine freitragende Halle für Flüchtlinge eingerichtet worden. Ich wohne so weit von ihr entfernt, dass ich nicht selbst zu denen gehöre, die tägliche Begegnungen haben, aber wer in der Gegend wohnt, wird die Flüchtlinge jeden Tag treffen: beim Einkaufen, beim Gassi gehen, beim Joggen. Das bietet viel Raum für mögliche Begegnungen.

Aber wisst ihr, was ich befürchte? Dass nicht nur mir als erstes das Stichwort „Flüchtling“ in den Sinn kommt, wenn ich an Begegnungen denke, sondern auch dem überwiegenden Teil der anderen Autorinnen und Autoren. Nicht erst seit Frau Merkels Satz des Jahrzehnts ist das Thema schließlich in aller Munde. Und in einer Stadt wie Duisburg, in welcher der Umgang mit Ausländern immer schon ein spezieller war, ist es das auch nicht erst seit der aktuellen Flüchtlingswelle.

Das bedeutet, dass die Jury wahrscheinlich mit Texten überhäuft werden wird, die sich um dieses eine Thema drehen. Und deswegen muss mir dringend etwas einfallen, das am besten so wenig wie möglich damit zu tun hat. Sozusagen um ein wenig herauszustechen.

Dumm ist nur, dass das gar nicht so einfach ist, sich da etwas einfallen zu lassen. Zumal ich eine Geschichte im Kopf habe, die ich, glaube ich, wirklich gerne erzählen würde. Es handelt sich dabei nicht um eine direkte Begegnung mit einem Flüchtling, aber um das grobe Thema halt schon …

Noch sind es 49 Tage Zeit, bis ich die Geschichte eingereicht haben muss. Aber durch die geplante Überarbeitung von „Der Beobachter und der Turm“ ist der September relativ dicht.

Mich würde interessieren, ob ihr meinen Ansatz nachvollziehen könnt, das Thema Flüchtlinge besser unbehandelt zu lassen. Oder sollte ich mich da nicht selber zensieren? Tue ich das gar aus den falschen Gründen, ohne es zu merken?

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende mit möglichst vielen für euch angenehmen Begegnungen!

Fakt und Fiktion (14) Kürzlich gekürzt auf kurz

Disclaimer: Unter dem Label ‘Fakt und Fiktion’ veröffentliche ich kleine Episoden aus meinem Leben (Fakten), die in eine etwas ausgeschmückte (Fiktion) Form gepresst sind. Der Kern der Geschichten ist allerdings ein wahrer!


In dieser Woche habe ich eine Kurzgeschichte geschrieben und auch direkt hier veröffentlicht. Wie es in letzter Zeit bei dieser Sorte Projekt meistens der Fall ist, musste ich auch hier eine gewisse Beschränkung einhalten, was die Wort- oder Zeichenzahl anbelangte. Im Fall von „Der Kinobesuch der alten Dame“ waren es maximal 1.700 Wörter, die ich schreiben durfte. Keine Frage, dass ich diese Hürde im ersten Anlauf mal wieder um über 600 Wörter gerissen habe.

Hier lest ihr, was daraufhin in meinem Kopf passiert ist.

*

Tippgeräusche, abwechselnd im Stakkato und im langsamen Fluss.

Der Autor (murmelnd): …betraten wir den Kinosaal, der, obwohl der größte, sicherlich mehrfach in das kleinste Multiplexkino hineingepasst hätte.

Papyrus (spricht im Kopf des Autors): Achtung! Sie haben soeben mehr als 1.700 Worte geschrieben. Bitte beenden Sie Ihre Arbeit, speichern Sie ab und senden sie das Projekt ein.

Autor: … hineingepasst hätte …

Papyrus: Warnung! Sie sind dabei, deutlich mehr als 1.700 Wörter zu schreiben! Dies ist ein Verstoß gegen die Teilnahmebedingungen, der sicherlich mit dem Ausschluss Ihrer Geschichte gestraft werden wird.

Autor: Jetzt stell‘ dich nicht so an! Es sind doch erst knappe vierzig Wörter mehr!

Papyrus: Verzeihen Sie bitte, aber Ihre „knappen vierzig Wörter“ kenne ich! Am Ende werden da dann doch wieder vierhundert draus!

Autor: Ich pass schon auf. Kannst du mir glauben! Ich habe gar keine Zeit, mich wieder lang und breit mit der Überarbeitung aufzuhalten.

Papyrus: Was Sie ja noch nie von irgendwas abgehalten hätte.

Die Inspiration: Entschuldigung!? Könnten wir dann bitte an der Stelle weitermachen, wo …

Papyrus: Du sei still! Schließlich bist du Schuld an der ganzen Misere!

Autor: Also, als Misere würde ich das jetzt ja noch nicht bezeichnen.

Inspiration: Das muss ich mir nicht bieten lassen! Ohne mich wärt ihr beide gar nicht hier!

Papyrus: Oho, da muckt jemand auf!

Inspiration: Schreibknecht!

Papyrus: Phantast!

Inspiration: Ich achte einfach nicht mehr auf dich. Also, Autor, die beiden betraten das Kino, und …

Autor: Weißt du, so ganz Unrecht hat Papyrus vielleicht nicht. Alles, was wir jetzt schreiben, müssen wir sowieso irgendwie wieder wegkürzen.

Papyrus: Ein Wunder! Einsicht!

Autor & Inspiration: Schnauze!

Inspiration: Einigen wir uns darauf, dass ganz am Ende 1.700 Wörter da stehen müssen. Aber jetzt gerade ist die Geschichte doch noch nicht am Ende! Und wenn wir sie jetzt nur wegen der Wortzahl abbrechen, dann taugt sie hinten und vorne nichts.

Papyrus: Vielleicht sollte man sich das nächste Mal doch vorher fünf Minuten lang hinsetzen und darüber nachdenken, was man jetzt eigentlich genau schreiben will, hm?

Autor: Wenn du jetzt nicht gleich still bist, dann schreibe ich ab sofort doch wieder in Word weiter! Dann kannst du sehen, wo du bleibst!

Papyrus: …

Inspiration: Also, was meinst du zu meinem Vorschlag?

Autor: Du musst das wissen. Ist das nicht irgendwie belastend, sich erst einiges an Inhalt auszudenken und bei einigen Sätzen schon vorher zu wissen, dass sie es nicht in die endgültige Fassung schaffen werden?

Schlechtes Gewissen: Ist das nicht irgendwie belastend, sich erst die ganzen Süßigkeiten reinzuschaufeln und dabei schon vorher zu wissen, dass die Waage alles andere als freundlich darauf reagieren wird?

Autor: Wo kam das denn jetzt auf einmal her?

Papyrus: Ich hab nichts gemacht!

Autor: Papyrus!?

Papyrus: Dumm, di dumm …

Inspiration: Ich glaube, ich gehe dann mal Pause machen. Wenn ihr fertig damit seid, herumzublödeln, dann könnt ihr mir ja Bescheid sagen.

*

Ja, manche Tage sind so. Zum Glück nicht alle Tage, denn ansonsten würdet ihr wahrscheinlich niemals etwas zu lesen bekommen auf diesen Seiten. Wie ihr wisst, hat sich am Ende die Inspiration durchgesetzt und dafür gesorgt, dass meine Geschichte geschrieben, danach gekürzt und schließlich veröffentlicht wurde.

Nur die Sache mit dem schlechten Gewissen, die muss ich noch unter genauerer Beobachtung halten …

Eine Anthologie für Duisburg

Über eine Meldung des Börsenblatts wurde ich auf eine besondere Aktion der Mayerschen Buchhandlung in Duisburg aufmerksam gemacht:

Im sogenannten „Duisburger Buchprojekt“ möchte die Mayersche ein Buch mit Texten von Duisburgern für Duisburger veröffentlichen. Das Thema lautet „Begegnungen“. Darunter lassen sich natürlich viele Inhalte fassen, wobei in den heutigen Zeiten selbstverständlich das Thema „Flüchtlinge“ sofort und von ganz alleine in den Fokus rückt.

Wie ihr wisst, lebe ich in Duisburg und könnte mich daher an dieser Anthologie beteiligen, zumal die Ausschreibungsanforderungen recht moderat sind. Im Wesentlichen muss man älter als 16 sein und in Duisburg leben. Dass der Text frei von Rechten Dritter sein muss, versteht sich von alleine.

Aus den besten Texten will die Mayersche, unter der Schirmherrschaft des Duisburger Oberbürgermeisters, besagtes Buch, eine Anthologie machen. Die Verkaufserlöse werden dabei gespendet.

Meine spontane Reaktion lautet: Wieso nicht? Es könnte nicht schaden, bei einer Ausschreibung mitzumachen, bei welcher der Kreis der Teilnehmer gegenüber anderen Ausschreibungen auf geographische Weise eingeschränkt ist. Vielleicht erhöht das meine Chancen. Und bis zum 30.09.2016 ist auch noch lange genug Zeit, um die maximalen 9.000 Zeichen zu schreiben.

Stoff für Begegnungen bietet Duisburg genug, zumal das Genre nicht eingeschränkt wurde. Neben den Texten zum Thema Flüchtlinge fällt mir spontan etwas zum Thema Begegnungen zwischen linksrheinischen und rechtsrheinischen Stadtteilen ein – immer noch ein heißes Thema in den betroffenen Gebieten. Oder man taucht in die Geschichte der Stadt ein und wählt sich ein Thema aus – es muss ja nicht der ewige Schimanski sein, zumal das aufgrund der Rechte schwierig werden dürfte ;-).

Was mir nicht so richtig gefällt ist, dass man der Mayerschen zeitlich uneingeschränkt die urheberrechtlichen Nutzungsrechte für die Anthologie einräumt. Ich gehe davon aus, dass die Anthologie ein eher kurzzeitiges Leben führen dürfte und hätte es daher nicht schlecht gefunden, diesbezüglich eine Regelung in den Teilnahmebedingungen aufzuführen. Aber vielleicht bin ich da auch zu Unrecht empfindlich. Mir fehlen schlicht auch die Erfahrungen. Es liest sich halt komisch.

Aber die wesentliche Frage ist ja, ob mir erstens wirklich ein guter Text in den Sinn kommt und ob der zweitens dann auch für die Anthologie ausgewählt werden würde.

Ich schreibe mir das erst einmal in meinen Kalender und dann sehen wir weiter :-).

Unter der Dusche vom Blitz getroffen

Vorbemerkung: Dies ist ein Artikel ohne Bilder! Ich bitte, dies lobend zu berücksichtigen ;-).

Manche Autoren tun sich ja schwer damit, Ideen für ihre Romane zu finden. Sie grübeln und zermartern sich das Hirn, laufen stundenlang im Kreis herum auf der Suche nach einem Geistesblitz, einer Initialzündung oder doch wenigstens einem möglichen Anknüpfungspunkt.

Zu dieser Sorte Autoren gehöre ich nicht. Bei mir reicht es, wenn ich mich unter die Dusche stelle und meine Gedanken einfach ein wenig schweifen lasse.

Unter dem fließenden Strahl der Überkopf-Brause kommen mir manchmal Ideen ganz von alleine. Sei es, dass mir Szenen einfallen, welche die Handlung nach vorne bringen können, oder manchmal auch die Handlungen von ganzen Romanen. Auf diese Weise ist beispielsweise „Der Rezensent“ entstanden, der mit einem Mal vollständig vor meinem inneren Auge entstanden ist.

Heute hatte ich wieder so ein Erlebnis. Es fühlt sich an, als ob auf einmal die Luft in der Duschkabine elektrisch aufgeladen wäre. Dieser spezielle Strom von kreativer Energie konzentriert sich, fährt mir in den Schädel, explodiert dort und formt sich zu einer Idee.

Die Elemente, die dieses Mal zu der Geschichte geführt haben, sind

  • Die Fußball-Europameisterschaft der Herren,
  • ein Tweet, den ich auf Twitter abgesetzt habe und
  • die Tatsache, dass ich vor kurzem mein „Inkognito“ als Autor gelüftet habe.

Diese drei Dinge vermischen sich zu einer Thrillerhandlung, die ebenso mit dem Thema Stalking wie mit dem Thema Fandom zu tun haben wird.

Schade eigentlich, dass einem die Ideen immer dann kommen, wenn man gerade gar keine Zeit für sie hat, nicht wahr? Aber ich freue mich trotzdem darüber, denn ich wollte auf jeden Fall nach den Überarbeitungen der nächsten Zeit wieder einmal ins Thriller-Genre zurückkehren. Nachdem ich zuletzt drei Romane im Mystery-/Horrorgenre geschrieben habe, ist es mal deutlich an der Zeit dafür.

So heißt es jetzt für mich, ein Exposé zu schreiben, zum Reifen an die Seite zu legen und zu warten, was noch daraus wird. Im Moment ist es ein zartes Pflänzchen, eine Möglichkeit. Eine Option auf die schreibende Zukunft.

Und euch anderen Autoren, die ihr manchmal Spuren in eure Teppichböden lauft, kann ich nur empfehlen, auch mal öfter duschen zu gehen. Wer weiß, ob nicht neben dem Wasser auch eure kreative Energie auf einmal neu zu fließen beginnt!

Ein Drittel muss weg – Wenn die Worte zu sehr sprudeln

Guten Tag zusammen, mein Name ist Michael, ich bin Autor – und ich habe ein Problem.

Dieses Problem ist, dass ich mich nur sehr schwer kurz fassen kann. Nein, ehrlich, da wo andere Schwierigkeiten haben, sich überhaupt etwas einfallen zu lassen, egal, ob fiktional oder nicht, da sprudeln die Worte nur so aus mir heraus. Und ich verwende dieses abgegriffene Sinnbild in vollem Bewusstsein seiner Bedeutung.

Denn was haben sprudelnde Dinge, denken wir mal an Wasserhähne, Flussläufe oder Gartenbrunnen, so an sich, wenn man sie erst einmal ins Laufen bringt? Sie lassen sich nur mit Einsatz wieder stoppen, wenn überhaupt (wobei ich heute noch darüber lache, dass es im Sauerland Quellen zu Flüssen gibt, die nur zeitweise sprudeln. Aber das ist ein anderes Thema).

Und so geht es mir auch mit den Worten, denn wenn ich erst einmal anfange zu schreiben, dann finde ich meist kein rechtes Maß mehr. Ihr erinnert euch sicher noch an die zahlreichen Male, die ich mich mir selbst gegenüber aufgeregt habe, dass mein Roman „Die Welt der stillen Schiffe“ immer länger und länger wurde, was so gar nicht geplant gewesen war. Jetzt könnte man mir wieder sagen, dass ich halt besser plotten müsse, aber spätestens bei einer anderen Disziplin des Schreibens bringt auch das nicht mehr so viel: der Kurzgeschichte nämlich.

Eine Kurzgeschichte erstreckt sich meistens über einen nur kurzen Zeitrahmen, einen bestimmten Raum von Szenen. Natürlich kann man eine Kurzgeschichte auch plotten, das will ich gar nicht anders behauptet haben. Aber wenn es dann wirklich ans Schreiben geht, dann macht es kaum noch einen Unterschied, ob man wirklich eine geplottete Story verfolgt, oder ob man sich an das Konstrukt der Szenen in seinem Kopf hält. Beide Ergebnisse sollten, vom Handlungsverlauf her betrachtet, identisch sein.

Und da geht es dann mit dem Sprudeln los. Man muss schon aufpassen, dass man so eine Story nicht zerquatscht, sie nicht zum halben Roman macht. Ich habe da so meine leidvollen Erfahrungen und genau deswegen habe ich beschlossen, mich jetzt an ein Experiment zu wagen:

Der Schreiblust-Verlag hat für eine Anthologie aufgerufen, Texte einzureichen, die als einzige Vorgabe den ersten Satz beinhalten. Dieser muss lauten: „Wenn das rauskommt, haben wir ziemlich große Probleme!“. Weil mich das Thema ansprach und mir, wie ich auf Facebook berichtet hatte, auch bald zwei Ideen dazu gekommen waren, habe ich mir überlegt, da mitzumachen. Es geht zwar nur um Ruhm und Ehre, aber eine Veröffentlichung wäre eine Veröffentlichung.

Und dann ist da der kleine, entscheidende Hinweis, dass Geschichten, die weniger als 10.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen) umfassen, mehr Chancen haben, angenommen zu werden als solche, die diesen Wert überschreiten.

Hört ihr es sprudeln, liebe Freunde? Könnt ihr es hören? Nein? Aber ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schwer es für jemanden wie mich, der manchmal unter Buchstabendiarrhoe leidet ist, so ein Limit einzuhalten.

Ich habe eine Idee für eine nette kleine Geschichte. Nichts wirklich dramatisches. Ein Schauplatz, zwei Personen, ein Handlungszeitraum von vielleicht einer halben Stunde. Das sollte doch möglich sein, in 10.000 Zeichen abzuhandeln, oder?

Ich sprach einmal davon, wie meine Muse und mein Hirn, sich bei dem Gedanken tränenlachend umarmten! Sie hatten ja so etwas von Recht, die beiden Miststücke!

Aus den 10.000 Zeichen wurden im ersten Entwurf runde 16.000. Ich muss also ein Drittel der Kurzgeschichte kürzen, wenn ich nicht meine Chancen, damit erwählt zu werden, drastisch einschränken will. Aus einer Kurzgeschichte muss, sozusagen, eine Kürzestgeschichte werden – jedenfalls für meine Verhältnisse.

Um ehrlich zu sein, ob ich das hinbekomme, weiß ich noch nicht so richtig. Aber genau darin liegt ja jetzt das Experiment begründet! Vielleicht schaffe ich es, bei ausreichendem Training, meinem Kopf beizubringen, dass man eine Quelle auch mal nur im Bedarfsfall sprudeln lassen, dass man manche Passagen auch einfach mal weglassen kann.

Damit möchte ich nicht sagen, dass ich alles das, was ich „zu viel“ geschrieben habe, als unnötiges Geschwafel ansehen würde. Aber meine Idee ist so simpel gewesen, dass es einfach möglich sein muss, so viel Fett herunterzuschneiden, dass am Ende das Filetstück übrig bleibt. In jedem Fall wird die Überarbeitung erst einmal mit der ganz groben Kelle erfolgen müssen: kürzen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und dann behutsam wieder einfügen, was ich schon noch gerne drin hätte.

Ich habe Zeit bis zum 30.06. um zu schauen, wie gut mir das gelingt. Ich werde die Geschichte wahrscheinlich auf jeden Fall einreichen, auch wenn meine Chancen halt bei mehr als den angegebenen Zeichen sinken. Doch alleine das Gefühl, einen Text eingereicht zu haben, ist ja auch schon etwas wert.

Und dann gibt es da ja noch die zweite Idee, zu der ich etwas schreiben will. Ich weiß jetzt schon, dass ich mich da kürzer fassen sollte. Nein, nicht sollte, sondern muss! Obwohl das Thema viel mehr Raum zum Ausschmücken bieten würde …

Wie geht es euch denn, falls ihr auch schon mal auf eine Begrenzung hin geschrieben habt? Könnt ihr das? Wie geht ihr an die Überarbeitung heran? Ich freue mich auf Erfahrungsberichte!

Wieder auf Normaltemperatur kommen

Hallo zusammen zu später Stunde. Habe ich schon mal so spät noch einen Eintrag für diese Seite verfasst? Müsste ich mal recherchieren. Aber mir ist danach, noch ein paar Worte an meine Stammleserschaft zu richten ;-).

Die letzten beiden Tage waren sehr seltsam und auch sehr intensiv. Meine Große wurde konfirmiert und entsprechend viel war zu tun, vorzubereiten und zu erledigen. Heute haben wir die Feier nun über die Bühne bekommen, das Kind ist glücklich, die Gäste alle zufrieden, meine Frau und ich geschafft – also alles so, wie es zu erwarten war.

In den letzten zwei Tagen war daher aber leider auch nicht daran zu denken, irgendwas zu schreiben. Hier nicht, wie im Manuskript nicht. Aber meint ihr, mein Kopf hätte deswegen Pause gemacht? Oh nein, meine Damen und Herren! Allerdings hat er sich ein wenig von der Haupthandlung emanzipiert und war eher auf der Schiene der Kurzgeschichte unterwegs. Durchweg der Geschichten aus dem satirischen Bereich.

Freut euch also, falls ich sie wirklich schreiben sollte, auf Kurzgeschichten mit Namen wie „Die Mafia fährt Honda“ oder „Wenn der Pfarrer zweimal predigt“. Aber das muss im Zweifel warten. Ich hab ja noch was anderes zu tun. Zum Beispiel, mich mit den ganzen Blogs wieder zu synchronisieren, die ihr so schreibt. Ich hinke im Augenblick überall maßlos hinterher und das ärgert mich genauso: maßlos nämlich.

Ansonsten würde ich euch bitten, mir ein wenig die Daumen zu drücken. Ich habe in eben den bewussten letzten zwei Tagen massive Kreislaufprobleme gehabt. Einmal hat es mich glatt von den Beinen gehauen (und mir die Brille so ins Gesicht, dass ich aussehe, als hätte ich mich mit irgendwem geprügelt). Wenn das anhält, werde ich wohl auf ausgedehnte Ärztetour gehen müssen. Und darauf habe ich keine Lust, weil ich genau weiß, dass mir das auf die Kreativität schlägt, wenn ich von den Doktores durch die Mangel gedreht werde. Also hoffen wir das Beste.

So, ihr Lieben, das war jetzt das Wort zum Sonntag! Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, wir lesen uns in Kürze wieder – wenn ich wieder in den normalen Rhythmus gefunden habe.

Gute Nacht!