„Du hast gar nichts zum Welttag des Buches geschrieben. Schäm dich!“

Die Aussage aus der Artikelüberschrift ist fiktiv – und ist es irgendwie auch wieder nicht. Denn tatsächlich gab es da gestern, am Welttag des Buches, eine leise aber hartnäckige Stimme in mir, die mir permanent sagte: »Du hast noch gar nichts zum Welttag des Buches geschrieben. Schäm dich!«

Aber ich muss gestehen, dass mir nichts einfiel, was ich zu diesem Tag hätte beitragen können. Was ist das denn überhaupt, so ein Welttag? Soll sich an diesem Tag alles um das gedruckte Wort drehen? Und wenn dem so ist – wieso sollte ich dann das gedruckte Wort zelebrieren, indem ich virtuelle Buchstaben auf einen flachen Bildschirm zaubere? Das wäre ja wohl fast so etwas wie der Gegenentwurf zum Buch. Es sei denn, dass der Welttag des Buches endlich auch für eBooks gilt. In den Vorjahren hatte ich irgendwie nicht das Gefühl.

Diese leise Stimme hat mich mehrfach an diesem Tag ermahnt, ich müsse jetzt endlich meiner gottverdammten Pflicht nachkommen. Ich bin Autor, also muss ich irgendwas Schlaues über Bücher zu sagen haben. Verklagt mich, aber mir ist nichts schlaueres eingefallen als die Tatsache, dass Lesen Spaß macht, dass es bildet, dass es unterhält und dass es ein schützenswertes Kulturgut ist.

Keine bahnbrechende Erkenntnis und ganz gewiss keine, die von meiner Seite noch einmal wiederholt werden müsste, damit sie bei ihren Empfängern ankommt.

»Aber du bist doch …«

… Autor, ich weiß. Habe ich ja gerade schon gesagt.

Als Autor hätte ich euch an diesem Tag vielleicht etwas von meinen inspirierendsten Büchern erzählen können. Oder wahlweise irgendeinen Schwank über einen meiner Romane. Wobei das wiederum etwas witzlos gewesen wäre, gibt es diese doch nun einmal nicht als Buch zu kaufen. Vollkommen egal, ob als Buchstaben auf Papier oder als Buchstaben auf Flachbildschirm.

»Wenn schon einem wie dir, der Bücher ja ach-so-gern hat, nichts passendes zum Welttag des Buches einfällt, dann muss es mit dem Lesen ja wirklich kurz vor dem Ende stehen.«

Nun, Gott sei es gepfiffen und getrommelt, sehe ich mich nicht als den Nabel der Welt an. Ich muss mir nur die Bestsellerlisten ansehen, seien es die in den Geschäften oder die auf Amazon & Co. um zu wissen, dass es da draußen eine Menge Leute gibt, die eine Menge Bücher lesen, die ich noch nie in auch nur in der Hand gehabt habe. Da muss ich nicht einmal die Millionenseller „Harry Potter“ oder „Shades of Grey“ bemühen, auch wenn beide durchaus valide Beispiele wären.

Nein, ich denke, dass immer noch gelesen wird, auch wenn die Branche sich ganz sicher in einem Zwischenstadium befindet. Immer mehr Bücher drängen an den etablierten Verlagen vorbei auf den Markt, sei es, weil es auch für Kleinverlage immer einfacher (und lukrativer) wird, sich ins Business zu stürzen, oder weil viele Autoren gleich ganz ihr eigenes Ding machen. Von den sogenannten Hybridautoren mal ganz zu schweigen, die sich gleich gar nicht mehr auf eine Art der Veröffentlichung festlegen lassen wollen.

Ich finde das gut, zeigt es doch, dass es heute, mehr denn je, einen Markt auch für die kleinen Geschichten gibt. Es ist zwar so, dass man sich diese Märkte erschließen muss, aber sie sind potentiell da.

»Und trotzdem hättest du ja wenigstens einen weisen Spruch raushauen können.«

Ich eigne mich nicht gut für weise Sprüche. Das ist hier, im Blog, immer dann zu beobachten, wenn ich versuche, an dem Umstand etwas zu ändern 😉 .

»Dir ist aber schon bewusst, dass du dir gerade selber ein Armutszeugnis ausstellst, oder?«

Nein, das sehe ich anders. Ich denke, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn man nicht krampfhaft versucht, sich an jede Gelegenheit dran zu hängen, nur damit man vielleicht wieder etwas geschrieben hat. Ja, es wäre ein Anlass gewesen. Aber nein, es machte keinen Sinn.

»Und jetzt konterkarierst du das durch diesen Blogeintrag gleich wieder selbst, tsk, tsk, tsk.«

Das könnte man so beurteilen, aber auch hier erlaube ich mir, anderer Meinung zu sein. Ich möchte mit diesem Beitrag dokumentieren, dass ich den Tag als solchen durchaus zur Kenntnis genommen habe und dass es am Ende eine bewusste Entscheidung gewesen ist, mir zu seinem Anlass nichts aus den Fingern zu saugen.

Vielleicht ist es nicht ganz klar, deswegen betone ich es noch einmal: Es war eine bewusste Entscheidung!

Ich habe die leise Stimme, die im Laufe des Tages irgendwann gar nicht mehr so leise gewesen ist, bewusst ignoriert, weil ich getan habe, was ich für richtig hielt. Und darauf kommt es doch am Ende an, denkt ihr nicht auch? Dass man die Signale seines eigenen Körpers, seines eigenen Geistes richtig zu deuten weiß und dann nach ihnen handelt. Nicht nach den Zwängen, die einem der Kalender oder, noch schlimmer, ein missgünstiger Knilch irgendwo in einem drin aufdrücken wollen.

Ich konterkariere nicht, ich erkläre. Ich erkläre es mir selbst und tue das bewusst in dieser Form. Ja, ich bin Autor, aber das bedeutet zuallererst, dass ich auf meine eigene Stimme hören muss. Ich muss auf meine Bedürfnisse achten und ich muss mir erlauben, so zu sein, wie ich sein will. Denn nur dann kann ich auch so schreiben, wie ich schreiben will.

»…«

Ja, da fällt dir nichts mehr ein! Gut so.

Gestern war der Welttag des Buches. Ein Tag, den ich für wichtig halte, zu dem mir aber in diesem Jahr irgendwie nichts Wichtiges einfallen wollte. So ist es eben im Leben. Kein Grund, mich dafür zu schämen.

Und ganz egal, was die leisen Stimmen in euch oder um euch herum euch einreden wollen: Es ist gut so, wie es ist!

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Der Sonntagsreport vom 22.04.2018 – Viel passiert gerade nicht

Guten Abend zusammen!

Ich denke, dass ihr mir in Bezug auf die Überschrift über den heutigen Beitrag alle zustimmen werdet. Viel passiert auf diesem Blog im Moment wirklich nicht. Das hat bestimmte Gründe, die sich wiederum in meiner Motivation niederschlagen. Aber das soll euch nicht behelligen. Mich behelligt es auch nur mal so und mal so und insofern ist es schon okay.

Ich muss meine Energie gerade ein wenig einteilen, glaube ich. Wo es in der Vergangenheit häufig genug gereicht hat, einen Blogeintrag und gleichzeitig noch an meinem Romanmanuskript zu schreiben, ist es im Moment wieder einmal eine entweder/oder-Geschichte. Und da gewinnt zumeist das Manuskript.

Was jetzt nicht bedeutet, dass ich da die ganz großen Sprünge machen würde. Aber seit ich mich mit meinem Plot auseinandergesetzt und diesen inzwischen richtig lieb gewonnen habe, läuft es doch ganz gut. Hier mal tausend Wörter, dort man zweitausend, dann auch mal wieder „nur“ 600. Hauptsache, es läuft, denke ich mal.

Und ansonsten gibt es halt nicht so viel zu erzählen. „Der Beobachter und der Turm“ liegt bei einer weiteren Literaturagentur auf dem Bewerbungsstapel. Glaubt es, oder glaubt es nicht, ich habe es immer noch nicht geschafft, mir das Video zur Lesung bei 9lesen anzuschauen. Das war in den letzten zwei Wochen irgendwie so gar nicht drin. Aber irgendwann vor der nächsten Lesung, die es sicher irgendwann geben wird (vielleicht schaffe ich ja schon Frankfurt?) schaue ich sie mir an. Alleine schon, um daraus zu lernen.

Viel mehr kann ich euch zum Thema Schreiben auch nicht berichten.

Ansonsten versuche ich, halbwegs gut durch die Tage zu kommen. Das Wetter mit seinen Kapriolen macht es mir da nicht immer ganz leicht. An einigen Tagen der letzten Zeit habe ich einfach nur in den Seilen gehangen und bin dann auch mal früh ins Bett gegangen. Gut für den Kopf, schlecht für die Hobbies. Aber jetzt soll die Hitzewelle ja auch erst einmal wieder vorbei sein.

Heute habe ich übrigens zum zweiten Mal den Film „Es“, also die Neuverfilmung, gesehen. Gefällt mir wirklich gut, auch wenn er mit den Motiven des Buchs eher frei umgeht. Die Kunst liegt aber darin, dass es nicht störend oder gar negativ auffällt. Erst wenn man gezielt drauf achtet oder die Handlungen im Vergleich Revue passieren lässt, wird es sehr deutlich. Das tut man, oder tue ich, aber erst nach dem Film. Während er läuft ist die Handlung so rasant und sind die Schocks so gut gesetzt, dass man einfach mitgerissen wird.

Der Film hat seine Schwachpunkte. So kommen einige der sieben „Verlierer“ viel zu wenig zur Geltung. Der „Endkampf“ ist schlicht und ergreifend eine Enttäuschung. Aber die Stärken überwiegen. Und auch bei der Zweitsichtung bin ich der Ansicht, dass wir von der Darstellerin der Beverly Marsh, Sophia Lillis, noch hören werden – oder wenigstens sollten. Ich bin auf den zweiten Teil gespannt, aber der lässt ja noch ein wenig auf sich warten.

Dann habe ich in den letzten Tagen und Wochen einen Ohrwurm, den ich noch gerne mit euch teilen möchte. Es handelt sich um das Lied „World of Promises“ der österreichischen Band mind.in.a.box.

Diese erzählen nun schon über mehrere Alben hinweg eine fortlaufende Geschichte, die unter anderem an Versatzstücke von „1984“ oder auch „Matrix“ erinnert. Konzeptalbum reiht sich also an Konzeptalbum. Der Vocoder-Gesang ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich finde, dass gerade durch diesen Technikeinsatz eine enorme Atmosphäre und auch Gefühle transportiert werden, was bei einem klaren Gesang so nicht der Fall wäre:

Und last, but not least, möchte ich euch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass auch ich mich mit dem momentanen Schreckgespenst der Netzgemeinde, der Datenschutzgrundverordnung, auseinandersetzen musste und zumindest meine Datenschutzerklärung entsprechend angepasst habe. Ihr findet sie über das Menü oben oder hier.

Gut, ihr Lieben, damit entlasse ich euch in den Sonntagabend. Ich wünsche euch einen guten Start in die kommende Woche. Passt auf euch auf und achtet darauf, dass die schönen Dinge in eurem Leben überwiegen.

Euer Michael

Der Bart ist ab

Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich das Thema überhaupt hier ansprechen soll. Aber da ich ja diesen Blog nicht zuletzt führe, um mein Leben als Autor mit allem, was direkt und indirekt dazu gehört, zu dokumentieren, komme ich wohl nicht drumherum. Aber ich warne euch direkt vor, dass ich vage bleiben werde. Einfach aus dem Grund, dass die Details in gewisser Weise intern sind und es auch bleiben sollen.

Und trotzdem macht es was mit mir, dass ich gerade meine Kündigung bei den BartBroAuthors eingereicht habe.

Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich an dieser Stelle hin und wieder von meiner Mitgliedschaft in diesem Autorenverein berichtet habe. Ich habe euch erzählt, dass ich im Vereinsnamen getwittert habe. Oder ich habe euch von der Vereinslesung erzählt, aus der dann, durch gewisse Umstände, die nun auch, mit einiger Verzögerung, zu meiner Kündigung geführt haben, 9lesen wurde.

Aufmerksam wurde ich auf die BartBros im Herbst 2016. Mitglied wurde ich dann, glaube ich, im Oktober – kurz, nachdem aus dem lockeren Künstlerverbund ein richtiger Verein geworden war.

Die folgenden Monate waren sehr interessant, teils intensiv, aber vor allem nicht langweilig. Dabei knirschte es hin und wieder zwar im Gebälk, aber es gab auch viele sehr schöne Erlebnisse. Viele Autorinnen und Autoren, die ich heute kenne, hätte ich ohne die Bärte vielleicht nicht oder jedenfalls nicht so gut kennengelernt.

Dann kam es jedoch – und das ist inzwischen auch schon weit über ein Vierteljahr her – zu Ereignissen, die den Verein in seinen Grundfesten erschüttert haben. Und im Endeffekt hat er sich davon nie wieder richtig erholt. Wer sich damit beschäftigt hat, wird zum Beispiel bemerkt haben, dass es auf den Social-Media-Kanälen nicht nur still geworden ist, sondern dass sie inzwischen unter einer dicken Staubschicht liegen.

Lange habe ich zu denen gehört, die versucht haben, konstruktiv einzuwirken, wo sie es konnten. Deswegen habe ich auch, selbst als sich nur wenig bewegte, die Stellung zu halten versucht. Aber das hat mir nicht gut getan und gipfelte zu Anfang des Jahres in einem depressiven Schub, den ich in dieser Weise sicherlich nicht gebraucht hätte.

Wie gesagt, ich gehe nicht in die Details. Ich mache niemanden verantwortlich. Weder hier, noch intern. Manche Dinge passieren einfach. Und irgendwann muss man dann einsehen, dass es keinen Zweck mehr hat, darauf zu warten, dass sich noch etwas bewegt.

Mich macht das traurig. Die Bärte haben mir ein Gefühl von Zusammengehörigkeit gegeben, das mir in einigen schwierigen Situationen Mut und Kraft zum Weitermachen gegeben hat. Die Gruppe, selbst wenn sie für meine Person in der Hauptsache im Internet bestand, füllte Leerräume aus, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gegeben hat. Oder von deren Existenz ich nur eine verschwommene Ahnung hatte, die ja schließlich auch dazu führte, dass ich Mitglied geworden bin.

Nun ist es Zeit zu gehen – und gleichzeitig auch die Zeit, nach vorne zu schauen. Zu schauen, wie es jetzt mit mir in dieser Hinsicht weitergehen soll.

Denn eines ist klar: Nachdem ich einmal das Gefühl von Gemeinschaft erlebt habe, kann, will und werde ich nicht einfach wieder in meine einsame Künstlerkemenate zurückkehren. Das täte mir nicht gut und es wäre der falsche Weg. Das haben mir nicht zuletzt die Erfahrungen der Leipziger Buchmesse deutlich gemacht.

Der Bart mag vielleicht ab sein, aber das bedeutet nicht zwingend das Ende. Streng genommen bedeutet es nicht mehr als das Ende eines Abschnitts. Und, wer weiß, vielleicht wachsen ja selbst auf dieser frischrasierten Stelle irgendwann ein paar zaghafte Stoppeln wieder nach. Wer kann es wissen?

Also nehme ich mir die Zeit, ein klein wenig traurig zu sein, weil heute offiziell etwas für mich zu Ende gegangen ist. Und dann mache ich mich auf die Suche nach einem Anfang. Ohne Druck. Überlegt. Zuversichtlich.

Der Anschlag

Auch das ist Autorenleben: Man tippert den ganzen Tag (übertrieben) auf irgendeiner Tastatur herum, die mal mehr, mal weniger gut dazu geeignet ist. Ich selbst habe mir für Daheim ja schon vor geraumer Zeit eine mechanische Tastatur angeschafft, weil ich das Schreibgefühl darauf unheimlich gut finde, den Druckpunkt zu schätzen weiß und – ja, auch das – ich den Sound mag, den diese Tasten erzeugen.

Nun wird diese Vorliebe aber nicht von jedem Menschen geteilt.

So kam es, dass ich mich in dieser Woche mit der Beschwerde meiner Arbeitskollegin auseinandersetzen musste, dass ich so laut tippe, dass sie sich dabei kaum konzentrieren kann. Gut, dass ich laut schreibe, das weiß ich selber. Was es in diesem Zusammenhang nicht gebraucht hätte, war der freundliche Hinweis, ich würde ja ohnehin viel privates schreiben …

Nur zum Protokoll: Ich schreibe dies während meiner Mittagspause und in Abwesenheit der Kollegin. Genauso wie alles andere private im Normalfall auch! Aber ich habe nun einmal einen Job, in dem ich viel schreiben muss und da lässt es sich nicht vermeiden, dass da auch mal längere Passagen dabei sind. Ich bin halt, was das Schreiben angeht, zügig dabei.

Gut, die Sache ist zwischen uns geklärt und technische Abhilfe soll auch geschaffen werden, indem man mir eine Tastatur mit leiserem Anschlag beschafft. Ich bin mal gespannt, ob und wenn ja, was für ein Modell das wird. Im Moment schreibe ich hier auf einer 08/15-Tastatur von Microsoft, die an allen Ecken und Enden klappert.

Tja, mein Anschlag. Aber was kann ich dafür? Ich habe das Schreiben auf einer Computertastatur Mitte der 80er-Jahre auf einem Schneider CPC „gelernt“. Ich stelle das in Anführungszeichen, weil ich Tastaturschreiben nie gelernt habe. Ich verwende heute noch ein fünfeinhalb-Finger-System, das zwar einigermaßen schnell, aber lange nicht so elegant wie Zehn-Finger-Schreiben ist.

Und die Tasten damals waren schwergängig. Wenn man eins der Programmlistings aus den Computerzeitschriften jener Tage abtippte, dann war das eine lange und anstrengende Prozedur. Aber wir hatten ja sonst nichts (außer ein paar beglaubigte Sicherheitskopien, ähem).

Auch das Schreiben von Romanen begann ich auf dieser Tastatur und irgendwie ist mir der harte Anschlag seit damals erhalten geblieben. Das ist mir, wie gesagt, selbst bewusst, aber ich kann da nicht so ohne Weiteres aus meiner Haut. Und sehe es, ehrlich gesagt, eigentlich auch gar nicht wirklich ein. Zumal die Kollegin, wenn sie es drauf anlegt, mit ihren zehn Fingern auch nicht leiser ist, als ich es bin. Es ist eben immer eine Frage der Wahrnehmung.

Nun soll es also eine geräuschreduzierte Tastatur richten. Ich habe keine Ahnung, ob das was bringt und wie viel das bringt. Hat da jemand von euch schon mal Erfahrungen mit gemacht oder vielleicht sogar konkrete Vorschläge, was für eine Tastatur man in die engere Wahl nehmen sollte?

Mir hat die Sache jedenfalls temporär die Lust am Tippen fast vergällt. Aber wie ihr seht: Zwei Tage war der Autor krank, jetzt tippt er wieder, Gott sei Dank. Wird auch Zeit, schließlich steht das Lektorat an.

Leipziger Allerlei 2018 (2) Nur kurz erzählt

Ihr Lieben,

ja, ich habe die Lesung überstanden.

Ja, ich lebe noch.

Nein, ich glaube nicht, dass ich es versaut habe.

Ich würde euch gerne mehr erzählen, aber das muss leider noch warten. Meine Unterkunft ist ziemlich basic, es gibt kein Internet, und somit komme ich zurzeit nur über’s Handy online.

Und bloggen über das Handy macht leider so gar keinen Spaß.

Aber das hole ich alles in den nächsten Tagen nach. Versprochen!

Bis bald!

Euer Michael

Ich, der Autoren-Zombie

Ich mache ja kein Geheimnis daraus, dass in meinem Kopf manchmal nicht alles richtig verdrahtet ist. So rein gefühlsmäßig und auch von der Einordnung mancher Geschehnisse gibt es da das eine oder andere „Defizit“ (über den Begriff kann und darf man streiten), die mir das Leben manchmal schwer machen.

Nehmen wir alleine den Vorfall von gestern, als ich auf einmal die Horrorvision hatte, zur Buchmesse ohne eine gesicherte Unterkunft dazustehen. Eine mögliche Reaktion wäre gewesen, jetzt mal so richtig auszurasten. Laut zu werden. Mit der Hand auf den Tisch hauen. Irgendwas, um klar zu machen, dass da so nicht funktioniert. Der Adrenalinpegel hätte sich im höchsten Bereich befinden sollen.

Stattdessen: Resignation, tiefe Sorge und im Prinzip schon Angst, eine weitere Nachricht an meine Gastgeberin zu senden, weil diese mir ja vollständig von der Angel gehen könnte. Immerhin hatte ich ja noch diese andere Unterkunft, die sie mir angeboten hatte, in der Verlosung.

Und so wartete ich ab einem gewissen Zeitpunkt auf eine bestimmte Nachricht, eine neue Bestätigung, irgendwas.

Aber es kam: nichts.

Und so lief ich den ganzen Tag herum, als wäre ich ein Zombie. Ein Autoren-Zombie. Ich war kaum in der Lage, an etwas anderes zu denken und musste mich massiv auf meine Arbeit konzentrieren, um nicht einfach nur Löcher in die Luft zu starren und mich irgendwo unter meinem Schreibtisch in Fötus-Stellung zusammen zu rollen. Das hätte meine Kollegin wahrscheinlich auch sehr seltsam gefunden 😉 .

Irgendwann habe ich mir ein Herz gefasst und habe noch einmal eine Nachricht geschickt. Und im folgenden Gespräch konnten wir dann die Modalitäten soweit klären, dass ich jetzt sagen kann, dass ich wohl doch eine Unterkunft in Leipzig haben werde.

Wobei natürlich aufgrund der Umstände eine gewisse Skepsis bleibt. Aber ich muss mich jetzt darauf verlassen und werde mich darauf verlassen. Immerhin hat die Gastgeberin bis jetzt überwiegend sehr positive Bewertungen erhalten und es kann immer mal passieren, dass einem durch einen persönlichen Schicksalsschlag etwas entgleitet.

Sagt der Autoren-Zombie. Der, der nicht mit der Hand auf den Tisch gehauen hat. Was, gemäß der AGB von AirBnB, ja auch gar nichts gebracht hätte – was ich nach wie vor für den wesentlich größeren Skandal an der Sache halte.

Und nun, bin ich jetzt wieder richtig verdrahtet? Keine Ahnung. Jedenfalls kann ich mich wieder einigermaßen in ganzen Sätzen artikulieren. Noch heute Mittag hätte ich diesen Blogbeitrag nicht schreiben können. Zombie eben. Wir wissen alle, wie gut die sich artikulieren können.

Ich hoffe nur, dass jetzt alles gut weitergeht und dann auch endet. Damit ich mich wieder unbelastet auf Mitte März freuen kann.

Damit Kreativität nicht zur Belastung wird

Ich behaupte, ich habe diese Woche etwas gelernt. Gut, das habe ich schon häufiger geglaubt, aber vielleicht schaffe ich es dieses Mal, diesen Gedanken nicht nur zu fassen, sondern ihn auch zu kultivieren, also ihn längerfristig in die Tat umzusetzen.

In der Vergangenheit habe ich oft mit meinem kreativen Output gehadert. Ich fühlte mich sehr schlecht, wenn ich nicht gefühlt jeden Tag mindestens xy Worte an meiner gerade in Arbeit befindlichen Story geschrieben und nach Möglichkeit noch einen Blogbeitrag rausgehauen habe. Und dann war da ja noch der ganze Krimskrams drumherum, der erledigt werden sollte, so wie Social-Media, die Vereinsarbeit oder administrative Dinge.

Das alles zu erledigen fiel mir nie besonders leicht und in Zeiten wie diesen, in denen es noch große Belastungen außerhalb des Schreibens gibt und gab, wurde es zu einer Unmöglichkeit. Ich bin ein schneller Schreiber, aber dennoch kann ich nicht 500 Wörter für einen Blogbeitrag und, sagen wir, noch einmal 500 Wörter für einen Text raushauen, nebenbei mehrere Forenposts erstellen, Twitter füttern, Literaturagenturen raussuchen und anschreiben, und, und, und. Und das alles in der kurzen Zeit, die mir neben Brotjob, Familie und Entspannung bleibt.

Also ging es mir, in Hinsicht auf meinen kreativen Output, eigentlich permanent mies. Gewiss, es gab Tage, an denen es sich so anfühlte, als ob ich „die Kurve kriegen“ und das Unmögliche möglich machen könnte. Aber das waren Ausnahmen, die noch dazu viel Energie auffraßen. Energie, die mir dann am folgenden Tag doppelt und dreifach wieder fehlte.

Nun bin ich ja nicht dumm, behaupte ich einfach mal. Vielleicht manchmal schwer von Begriff, aber nicht dumm. Und deswegen ist es beinahe schon eine Schande, dass ich die Scheuklappen nicht früher abgesetzt habe.

Diese Woche bin ich für mich zu dem Entschluss gekommen, dass im Endeffekt alles, was ich unter dem Banner „Autor“ treibe, eine kreative Arbeit ist. Denn ich erschaffe etwas aus dem Nichts, das vorher nicht da gewesen ist: Ich schreibe einen neuen Blogeintrag, ich schreibe eine Geschichte. Ich bringe neue Weisheiten (oder so ähnlich) über Twitter unters Volk. Ich mache und plane an Projekten herum, die mit der Schriftstellerei zu tun haben.

Um nur Beispiele zu nennen:

Wenn ich mich mit der Planung für meine Lesung in Leipzig beschäftige, dann ist das Autorentätigkeit.

Wenn ich mich lang und breit mit dem Programm der Leipziger Buchmesse beschäftige, dann ist das Autorentätigkeit.

Wenn ich E-Mails oder sonstige Nachrichten mit anderen Autoren austausche, dann ist das jenes berühmt-berüchtigte „Netzwerken“ und damit eine Autorentätigkeit.

Und wenn ich mich damit befasse, Geschichten von mir an eine Agentur oder einen Verlag zu bringen, dann ist das eine Autorentätigkeit.

Und, wohlgemerkt, damit habe ich noch keinen einzigen Satz an irgendeinem tatsächlichen Romanprojekt geschrieben. Schande über mich.

Die Lösung für mich, um mein permanentes schlechtes Gewissen zu überlisten, lautet in Zukunft also so, dass ich anstrebe, mich jeden Tag mit irgendeiner Tätigkeit aus dem breiten Spektrum der Autorentätigkeiten zu beschäftigen. Das kann eine lange Beschäftigung sein, das kann eine kurze Beschäftigung sein. Manchmal kann es auch überraschend lang werden, so wie gerade heute, als ich mich mit dem Backend einer Homepage herumgeärgert habe, wofür locker eineinhalb Stunden drauf gegangen sind.

Wichtig ist, dass ich mich nicht selber niedermache, nur weil der Wordcount nicht gestiegen ist oder es vielleicht den zweiten Tag in Folge keinen Blogbeitrag gegeben hat. Und daran will ich arbeiten.

Denn wenn Kreativität eine Belastung wird, dann versteht es sich von selbst, befürchte ich, dass die Ergebnisse entsprechend mittelmäßig ausfallen. Und dann habe ich weder auf dem Weg dorthin, noch zum Ende wirklich Spaß an dem, was eigentlich Spaß machen sollte. Nämlich mit der Beschäftigung als Autor, als kreativer Geist.

Und deshalb habe ich auch kein schlechtes Gewissen, dass ich heute keine Zeile an meiner aktuellen Story geschrieben habe. Na und, dafür waren es gestern über 2.000.

Ein wenig mehr Mut zur Gelassenheit und alles könnte ganz anders aussehen. Ich bin bereit, es auszuprobieren.