Das Ende des Abstiegs eines Buches

Was ist eigentlich ein Buch wert? Also, wenn es schon ein wenig älter ist. Wenn es vielleicht auch nicht mehr so sehr geliebt wird. Oder nicht einmal mehr aufgelegt. Soll ja vorkommen. Wenn es aber irgendwann mal in einer gigantischen Auflage gedruckt wurde, was ist dann? Dann verstopft es ja schließlich irgendwo ein Lager. Oder vielleicht auch die Garage eines (jetzt) armen Autoren. Also: Wie tief kann so ein Buch sinken?

Gegenüber anderen Medien hat ein Buch das Problem, dass es sich nur schwer über andere Kanäle zweitverwerten lässt. Wenn ich an einen Film denke, dann ist es einfacher. Ein Film kommt kurz nach der Kinoauswertung auf DVD heraus, läuft eine Weile zum Vollpreis, rutscht dann seitens des Publishers ins Nice-Price-Segment, wird vielleicht im Rahmen von Sondereditionen mit einem oder mehreren anderen Filmen zu einem Bundle geschnürt und irgendwann dann vielleicht als Cover-DVD für eine Fernseh- oder Computerzeitschrift ausgewertet. Dann ist das Ende seines Lebenszyklus erreicht und die Media Märkte dieser Welt können dafür verlangen, was sie wollen.

Bücher unterliegen den überwiegenden Teil ihres Lebens der Buchpreisbindung. Nebenbei gelangen zwar einzelne Exemplare immer mal wieder als Mängelexemplare auf die Wühltische der Republik, aber das ist nichts, was die Verlage beeinflussen würden. Die heben irgendwann vielleicht die Preisbindung auf, was aber meist damit einher geht, dass auch die Präsenz der Bücher in den Buchhandlungen gegen Null tendiert.

Ab da schlägt dann auch beinahe schon die Stunde des Antiquariats oder des Trödelmarkts. Die Bücher dort sind dann aber meistens nur in kleinen Stückzahlen oder vielleicht sogar in Einzelstücken vorrätig. Eine Massenschwemme eines Titels zu einem eklatant niedrigeren Preis findet nur in den seltensten Fällen statt.

Gleichzeitig sind Bücher aber manchmal ganz offensichtlich so wenig wert, dass es teurer ist, sie zu vernichten, als sie irgendwo – nun ja – einfach ins Regal zu stellen.

Meine Familie und ich waren heute in einem Möbelgeschäft. Ein neuer Esstisch und Stühle sollten es werden. Der Möbelladen war riesig und absolut schlauchartig aufgebaut. Was man halt so machen kann, wenn man richtig, richtig viel Platz auf der grünen Wiese hat, auf dem man sich ausbreiten kann.

Während der freundliche Verkäufer uns diesen und jenen Stuhl zeigte, regte sich bei mir ein menschliches Bedürfnis. Ich meldete mich also kurz ab und machte mich auf den Weg zur Toilette. Für den ich aufgrund der Größe des Ladens ungefähr fünf Minuten je Richtung brauchte. Jede Menge Zeit, um sich die Möbel links und rechts des Weges anzuschauen.

Dabei fiel mir auf, dass überall in und an den Möbeln Bücher herum standen. Es handelte sich um offenkundig „gut abgehangene“ Titel, denen man ihr Alter teils sehr deutlich aufgrund der Aufmachung ansah.

Und ich bemerkte, dass die Titel sich immer und immer wiederholten. Hier ein klassischer Frauenroman, dort eine Ausgabe mit alten Sagen, im Küchenbereich immer wieder Kochbücher: Gut bürgerlich neben Omas Küche neben Eintöpfen

Ich fragte mich, ob dies wohl das Ende der Verwertungskette eines Buches ist: Romane und Sachbücher im bequemen Tausenderpack, geeignet als Kulisse für Geschäftsräume, aber nicht mehr dazu gedacht, wirklich gelesen zu werden.

Eine Sekunde lang wurde ich, hier kann ich es ja zugeben, richtig traurig. Für jedes dieser Bücher hatte einmal jemand gebrannt. Jedes Buch hat eine eigene Geschichte gehabt und hatte einstmals eine Daseinsberechtigung auf dem Markt. Und jetzt ist es nur noch eine Kulisse, kaum beachtet und bestenfalls von irgendwelchen Kindern angegrabbelt, während Mama und Papa sich die Schrankwand anschauen, in dem es steht,

Kann ein Buch weiter absteigen als dies? Oder ist es am Ende gar kein Abstieg, sondern so etwas wie ein Opfergang, um den Menschen zu zeigen, dass es trotz aller Technik auch in einem modernen Wohnzimmer, in einem heutigen Schlafzimmer und sogar in einer multifunktionalen Küche Raum und Platz für Bücher geben sollte?

Ich versuche, den letzten Gedanken festzuhalten und nicht daran zu denken, dass das Möbelhaus hier wahrscheinlich einen Sonderposten für die sprichwörtlichen Erdnüsse gekauft hat. Außerdem habe ich ganz oft den Impuls, eines dieser Bücher quasi von seinem Los zu befreien, es einfach einzustecken und mitzunehmen. Sogar die in schwedischer Sprache abgefassten Bücher bei IKEA.

Weil auch Bücher am Ende ihres Abstiegs ein wenig Liebe verdient haben!

Meldung und Meinung: Lies doch mal zur Strafe ein Buch!

Es gibt ja immer mal wieder Meldungen, bei denen glaubt man, es gibt sie nicht. So ging es mir, als ich heute morgen über den Newsletter des Börsenblatts auf einen Fall in München aufmerksam wurde, über den die Welt berichtet hat.

Da geht es um einen jungen Mann, der zweimal mit seinem Motorrad durch die Polizei hops genommen wurde, weil er sein Nummernschild wohl nur mit einem Gummiband „montiert“ hatte. So weit, so unspektakulär.

Aber jetzt kommt der Clou an der Sache: Die zuständige Richterin hat den Motorradfahrer dazu verurteilt, sich „auf intellektueller Ebene“ noch einmal mit seinem Vergehen auseinander zu setzen. Und wie regt man die intellektuelle Ebene am besten an? Ganz klar, man liest ein Buch. Demzufolge lautet das Urteil auch, dass der Gummibandbenutzer zwanzig Stunden lesen muss.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, auf wie vielen Ebenen ich dieses Vorgehen, das in Münchens Jugendgerichten gar nicht so unüblich zu sein scheint, für verkehrt halte!

Das fängt schon damit an, dass ich keinen direkten Zusammenhang zwischen Vergehen und Strafe sehe. Ich kann einem Menschen nicht auf der einen Seite mehr oder weniger unverblümt unterstellen, dass er – mit Verlaub – zu doof ist um zu kapieren, was er falsch gemacht hat, und ihn dann mit etwas bestrafen, das er nicht oder nur schwer mit dem Vergehen in Übereinstimmung bringt. Wo bleibt da der Lerneffekt? Wenn man den Jungen zum Straßenverkehrsamt geschickt hätte, Nummernschilder ausgeben, das hätte ich verstanden. Oder noch besser zum Schrottplatz, Nummernschilder abschrauben. Aber so!?

Des Weiteren finde ich es mehr als nur fragwürdig, dass der Erfolg der erzieherischen Maßnahme (an einem Erwachsenen? Oder ist man mit 19 in Bayern nicht erwachsen?) dadurch geprüft werden soll, dass der Verurteilte zu dem Buch, das er gelesen hat, einen Text abzugeben hat. Das kann ein Plakat sein, eine Kurzgeschichte oder – Himmel, hilf! – ein Rap. Gut, mit 19 ist man noch nahe genug an der Schule dran, um so etwas wohl ganz okay zu finden. Aber er soll es ja nicht okay finden, er soll etwas daraus lernen!

Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass auf diese Weise wirklich kreative Ergüsse herauskommen, die der Rede wert sind. Und wenn das nicht der Fall ist, was dann? Muss der Junge dann noch ein Plakat malen? Oder noch einen Rap schreiben, bis er Material für ein ganzes Album hat?

Das Allerschlimmste an diesem Urteil und allem, was dahinter steht, ist aber, dass man einen Menschen, den die Richterin ja anscheinend sowieso für ein wenig bildungsfern hält, per Urteil dazu zwingt, ein Buch in die Hand zu nehmen.

Ich frage mich, euch und letztlich auch die Richter in Bayern: Welchen Effekt wird es haben, wenn ich jemandem die Pistole auf die Brust setze und ihm sage, dass er jetzt lesen muss? Wird dieser Mensch im Folgenden freudestrahlend wieder zu einem Buch greifen, weil er endlich kapiert hat, dass Lesen eine wunderbare Sache ist?

Ich denke nicht.

Ich kann mir viel eher vorstellen, dass danach Bücher erst recht nur noch mit der berühmten Kneifzange angefasst werden, weil sie ab sofort mit Strafe in Zusammenhang gebracht werden. Vielleicht auch mit Scham gegenüber den Kumpels, der Freundin oder den Arbeitskollegen. Ganz sicher aber mit einer gewissen Demütigung. Denn so, mit Verlaub, dumm wird auch unser Motorradfahrer nicht sein, dass er nicht ebenso wie ich durchblickt, dass das Gericht ihn für genau das gehalten hat: dumm.

Ich finde es einfach nicht in Ordnung, dass hier eine wunderbare Sache wie das Lesen in eine Reihe mit Geldstrafen, Sozialarbeit oder gar Freiheitsentzug gestellt wird. Es will mir einfach nicht in meinen Schädel.

Deswegen habe ich beschlossen, einfach so zu tun, als hätte ich nie etwas von diesem Urteil gehört. Vielleicht gelingt mir das ja, bis der namenlose junge Mann sein Rap-Album auf den Markt bringt und darin zur Bücherverbrennung auffordert, weil Bücher voll der krasse Megascheiß sind, Bro’s!

Und dann wundern sich wieder alle, wo so etwas wohl herkommt.

kopfschüttelnd ab

»Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Gestern hatte ich euch ja von den Büchern berichtet, die ich neu ins Bücherregal stellen kann. Zu einem dieser Bücher gab es eine witzige Begebenheit, die ich euch kurz schildern mag.

Es handelte sich ja bei allen Büchern um Geburtstagsgeschenke und wie das so ist, schauen sich die anderen Gäste, so sie denn mit Büchern etwas anfangen können (und ich habe zum Glück eine Menge Menschen um mich herum, bei denen das so ist), auch die „Auslage“ an.

In dieser befand sich nun ja auch der Roman „Club der letzten Wünsche“ von Tamy Fabienne Tiede. Ich darf an dieser Stelle für die, die den Roman nicht kennen, einmal den Klappentext zitieren:

Was würdest du tun?

Unter freiem Himmel schlafen, ans Meer fahren, dich ein letztes Mal Hals über Kopf verlieben?

Diese Fragen schwirren in Jesslyns Kopf, als sie die erschütternde Diagnose erhält: Sie hat Krebs. Dabei gibt es noch so vieles, was sie unbedingt erleben will. Also schreibt sie eine Liste, die ihre letzten kleinen und großen Wünsche erhält. Zum Glück hat sie gute Freunde, die ihr bei deren Erfüllung zur Seite stehen und ihr zeigen, dass das Leben – so kurz es vielleicht sein mag – wundervolle Momente bereithält.

Das Buch fiel meiner Cousine in die Hände, sie schaute sich das Cover an, stutzte, las den Klappentext, stutzte erneut, schaute dann erst ihren Lebensgefährten und dann mich ein wenig ratlos an und fragte dann: »Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Und ich muss gestehen: Ich hatte mir bis zu diesem Moment überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, weil das eigentlich für mich kein wirkliches Thema (mehr) ist. In meiner Art, zu lesen, haben sich nämlich in den vergangenen zwei Jahren enorme Veränderungen ergeben – spätestens seit dem Moment, in dem ich angefangen habe, mich für das Schreiben von befreundeten und mir persönlich bekannten Autorinnen und Autoren zu interessieren.

Früher wäre ich an einem Roman wie „Club der letzten Wünsche“ vorbei gegangen und zwar nicht, weil ich gegen „Frauenthemen“ generell eingenommen gewesen wäre, ansonsten müsste ich meine vollständige Serien-Edition von „Sex and the City“ rituell verbrennen, sondern weil ich einfach nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass mich so etwas als Roman interessieren könnte.

Aber durch die Vernetzungen, die bei mir stattgefunden haben, hat sich dies geändert. Ich lese inzwischen die Autorenseiten von Frauen (und Männern), die scheinbare Frauenromane schreiben. Der Roman, den ich gerade lese, „Ellas Schmetterlinge“ von Eva-Maria Obermann, ist ein reinrassiger Frauenroman – wobei ich den manchmal etwas abwertend benutzten Begriff Chick-Lit fast noch lieber mag.

Und ich lese auch bei ganz vielen Buchbloggerinnen und -bloggern mit, verlasse mich auf deren Urteile und lasse mich neugierig davon machen. Auf diesem Weg landete auch „Club der letzten Wünsche“ auf meinem Wunschzettel.

Aber das konnte ich in dem Moment so kurz alles gar nicht erklären, weil ich aus den genannten Gründen auch nicht (mehr) darauf vorbereitet war, eine Erklärung abzugeben. Deswegen habe ich irgendwie herumgedruckst und nur gesagt, dass ich mir da keine Scheuklappen auferlege. Das war sozusagen die Kurzfassung von dem, was ich jetzt, für euch, ein wenig weiter ausgeführt habe.

Was mich jetzt ja mal dringend interessieren würde: Wie sieht es denn bei euch so aus? So ein wenig kann ich euch, meine Stammleser und -kommentatoren ja inzwischen einschätzen, aber vielleicht mögt ihr mir dennoch verraten, ob ihr auch Romane lest, die eigentlich gar nicht für euch als Zielgruppe geschrieben zu sein scheinen. Habt ihr das immer schon gemacht? Hat sich da was verändert? Und wenn ja, warum? Oder seid ihr felsenfest bei den für euch „natürlichen“ Genres geblieben?

Ich bin sehr gespannt auf eure Gedanken hierzu! 🙂

Ein interessanter Fund: Neu im Bücherregal am 01.06.2017

Es gibt ja so Wortkombinationen, bei denen setzt es ein wenig aus im Hirn. Kennt ihr das auch? Das können Sätze sein wie »kommt alle mit, ich gebe eine Runde Eis aus«, oder auch »ich bin dann mal in Urlaub. Für sechs Wochen«.

Was bei mir eigentlich immer geht ist: »Keine Versandkosten bei reBuy bis zum …«.

Ja, ich weiß, ich habe mehr als genug Bücher. Ich habe auch mehr als genug Musik. Filme zu kaufen habe ich mir mangels Zeit ja schon fast abgewöhnt. Aber trotzdem zieht es mich dann immer wieder auf diese Website und das Dumme ist, dass ich bei Preisen ab 29 Cent (!) auch eigentlich immer was finde.

Hier also, kurz und knapp, meine Neuerwerbungen, die gestern angekommen sind:

  • Bodker Bruun: Verleumdung
  • Ken Follett: Nacht über den Wassern
  • Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf – Die Geschichte der SS
  • Guido Knopp: Die Machtergreifung
  • Egmont R. Koch: Wagners Geständnis – Wie sich ein SS-Mann als Jude tarnte
  • Jonas Torsten Krüger: Der Hüter des Bergwerks
  • Jonas Torsten Krüger: Der Racheengel von Venedig
  • Francois Lelord: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück
  • Jean-Claude Mourlevat: Winterspiele
  • Ingeburg Schäfer & Susanne Klockmann: Mutter mochte Himmler nie – Die Geschichte einer SS-Familie
  • Gudrun Schwarz: Eine Frau an seiner Seite – Ehefrauen in der SS-Sippengemeinschaft
  • Graeme Simsion: Das Rosie-Projekt
  • Wladislaw Szpilman: Der Pianist – Mein wunderbares Überleben
  • Peter Straub: Schattenland
  • Jochen von Lang: Die Gestapo – Instrument des Terrors

Diesmal ist relativ viel zur deutschen Geschichte bis 1945 enthalten. Ein Thema, mit dem ich mich seit meiner Schulzeit beschäftige und das mich sehr interessiert. Aber es finden sich auch normale Thrillerkost und mit „Das Rosie-Projekt“ ein Roman, der mir hier auf diesem Blog bereits ans Herz gelegt wurde.

Und dann sind da noch zwei Bücher von so einem komischen „Jonas Torsten Krüger“. Hat von dem schon einmal jemand was gehört? 😉

Einen kleinen und sehr interessanten Fund machte ich, als ich das Buch „Mutter mochte Himmler nie“ aufschlug. Es lag ein Brief darin, den die Autorin Susanne Klockmann geschrieben hat:

Da stellt sich ja schon die Frage, auf welchen Faden dieses Buch in das Sortiment bei reBuy gekommen ist, um dort dann für einen relativen Spottpreis verhökert zu werden. Ich kann eigentlich nur mutmaßen, dass der Mann, den Frau Klockmann damals angeschrieben hat, irgendwann seine Sammlung an (unverlangt?) eingesandten Büchern loswerden wollte. Oder er ist in den Ruhestand gegangen und seine Nachfolger im Verlag, den es durchaus noch gibt, haben mal tüchtig ausgemistet.

Eine kurze Recherche bei Amazon ergab, dass es offensichtlich für Frau Klockmann im Wesentlichen bei Auftragsarbeiten für Rowohlt geblieben ist. Ich denke man, dass es sich hierbei um unterstützende Ghostwritertätigkeiten für die Protagonisten der Bücher (in diesem Fall der genannten Mutter/Tochter) gehandelt haben dürfte. Schade, dass die wenigsten dieser Bücher auch ihren Namen tragen.

Aber dennoch ein nicht ganz alltäglicher Blick hinter die Kulissen einer Publikation, die ich mehr durch Zufall erworben habe.

Und was lehrt uns das, liebe Autoren? Genau aufpassen, was man in einem solchen Brief schreibt. Man weiß nie, wann und wo er wieder auftaucht!

Mein Schahatzzzzz: Neu im Bücherregal am 13.05.2017

Ich komme aus einer Familie, in der immer (welche Überraschung!) viel gelesen wurde. Meine ersten Begegnungen mit Schriftstellern wie zum Beispiel Edgar Wallace oder vor allem auch Stephen King habe ich dem Buchgeschmack meiner Eltern zu verdanken.

Aber meine Eltern hatten immer schon ein Verhältnis gegenüber Büchern, das die meisten von meinen Lesern und auch ich überhaupt nicht nachvollziehen können: Ein Buch wird gekauft (oder geschenkt), einmal gelesen und dann abgegeben.

Immerhin werden Bücher nicht einfach weggeworfen – solche Barbaren soll es geben! – sondern sie werden einer weiteren Verwendung zugeführt. Entweder werden sie innerhalb der Familie weitergereicht oder sie kommen ins Büchercafé.

Das Büchercafé ist eine Einrichtung in der Kirchengemeinde meiner Eltern. Es handelt sich im Wesentlichen um eine Bibliothek mit gebrauchten Büchern, die man kaufen, in denen man schmökern und in deren Gegenwart man sich auch mit Kaffee und Kuchen auf ein Schwätzchen im Gemeindeleben treffen kann.

Nun kam es dazu, dass aus dem Verwandtenkreis zwei Taschen voller Bücher direkt zu meinen Eltern kamen und nicht, wie sonst meistens, dem Büchercafé unmittelbar zugeführt wurden. Und ich wurde gefragt, ob ich mal schauen mag, ob ich davon was gebrauchen kann:

Der erste Gedanke war: Mein, alles meins! Mein Schahatzzzzz! Ich denke, das ist nun wiederum ein Gedanke, den die meisten meiner Leser nachvollziehen können 😉 .

Gut, ich hatte also schon in Aussicht gestellt, dass es sein könnte, dass nicht mehr ganz so viele Bücher den Weg ins Büchercafé finden könnten. Das wurde so hingenommen und deswegen bin ich auch fast gar nicht beschämt darüber, dass ich so ziemlich alle (hust) Bücher behalten werde.

Lange Rede, wenig Sinn, ich liste euch die Romane einfach mal auf. Hat einer von euch schon was davon gelesen und vielleicht einen Tipp für mich, was ich un-be-dingt sofort ganz nach oben auf meinen SuB legen sollte?

  • Jussi Adler-Olsen – Erwartung
  • Jussi Adler-Olsen – Verheißung
  • David Baldacci – Doppelspiel
  • Sandra Brown – Blinder Stolz
  • Sandra Brown – Ewige Treue
  • Roberto Costantini – Du bist das Böse
  • Catherine Coulter – Angst
  • Marc Elsberg – Blackout
  • Joy Fielding – Herzstoß
  • Tana French – Sterbenskalt
  • Robert Galbraith – Der Seidenspinner
  • Elizabeth George – Sturmwarnung
  • Martha Grimes – Die Nacht des Verfolgers
  • Jilliane Hoffman – Morpheus
  • Sabine Kornbichler – Wie aus dem Nichts
  • Charlotte Link – Die letzte Spur
  • Charlotte Link – Im Tal des Fuchses
  • Kathy Reichs – Nur die Tote kennt die Wahrheit
  • Kathy Reichs – Tote können nicht mehr reden
  • Chevy Stevens – Blick in die Angst
  • Markus Stromiedel – Feuertaufe
  • Simon Toyne – Sacramentum

Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür, dass ich mir bei dieser Liste erweiterte Inhaltsangaben spare …

Jetzt komme ich nur wohl über kurz oder sehr kurz nicht drumherum, meine Bücherregale umzuräumen. Na, das kann ja heiter werden.

Zum Welttag des Buches: #5Books

Der 23. April ist der Welttag des Buches. Damit ist er für viele Buchliebhaber, Schriftsteller wie Leser, ein hoher Feiertag. Ich denke, dass nicht extra betont werden muss, welchen Einfluss die Schriftsprache auf die menschliche Kultur gehabt hat und auch in Zukunft haben wird. Daran ändert auch die Zuwendung zu „neuen“ Techniken wie e-Readern nichts.

Und doch ist es richtig und wichtig, dass es so einen Tag gibt. Denn wie steht es denn wirklich um das Buch? Wenn man morgens in einen der Pendlerzüge steigt, kann man das nicht mehr so leicht feststellen, wie man es noch vor Jahren konnte. Zwar starren geschätzte 85% der Menschen in ihre Smartphones, aber ob sie da etwas Gehaltvolleres lesen als den nie abreißenden Strom des Facebook-Rauschens, das lässt sich nicht feststellen.

Kürzlich wurde ich in einem Wartezimmer von einem ebenfalls Wartenden mit den Worten bedacht: »Das sieht man aber auch immer seltener, dass jemand ein Buch in der Hand hat.«

Meine Vereinskollegen von den BartBroAuthors und ich haben uns deswegen überlegt, dass wir heute unter dem Hashtag #5Books auf jeweils fünf Bücher aufmerksam machen, die uns am Herzen liegen.

Nun könnte ich mich hinstellen und eine ganze Menge an Toplisten aufstellen. Meine absoluten Lieblingsbücher? Viel zu schwierig. Meine fünf liebsten Bücher von Stephen King? Viel zu leicht zu erraten.

Ich habe mich für einen anderen Ansatz entschieden und mir gedacht, dass ich fünf Bücher heraussuche, die sich auf eine jeweils andere Art mit dem groben Oberbegriff „Angst und Horror“ beschäftigen. Außerdem wollte ich Bücher nennen, die vielleicht noch nicht alle von euch kennen und gelesen haben. Empfehlungen aussprechen also.

Leider sind nicht mehr alle diese Bücher neu erhältlich, einige wenigstens noch als eBook. Aber auch das gehört für mich dazu: Die Jagd und die Suche nach den Perlen im Buchmarkt. Vielleicht einmal nicht einfach auf einen virtuellen Warenkorb zu klicken, sondern auf einem Büchertrödel zu stöbern.

Wie dem auch sei, hier kommen meine #5Books in keiner speziellen Reihenfolge, sondern sortiert nach dem Nachnamen des Autors.


Steve Alten – meg

Im Marianengraben südwestlich von Burma hat Carcharodon megalodon überlebt – Meg, ein Vorfahre des weißen Hais. Meg ist eines der gefährlichsten Raubtiere, das je existierte – der Herrscher der Meere, ein aggressiver Einzelgänger, eine Killermaschine.
Jonas Taylor, Paläontologe und Tiefseeforscher, ist seit Jahren von diesem urzeitlichen Monster fasziniert – er glaubt, dass Meg überlebt hat. Auf einer Tauchmission in ozeanische Tiefen, in die sich noch kein Mensch gewagt hat, stellt sich heraus, wie recht er hat. Meg gelingt es, in die oberen Wasserschichten aufzusteigen, wo sie fortan ihr Unwesen treibt… Wissenschaftler, die US-Marine und die Sensationspresse beginnen mit der Jagd auf Meg.

Ihr dürft im Hinterkopf gerne die Titelmelodie von „Der weiße Hai“ anstimmen, denn in diese Richtung geht dieser Roman, der in den Vereinigten Staaten eine ganze Reihe von Nachfolgebänden hervorgebracht hat und dessen Verfilmung nach elendig langer Zeit nun endlich realisiert wurde.

Meg ist eine Bedrohung, die dazu geeignet ist, ein ganzes Ökosystem auf den Kopf zu stellen. Und aufgrund ihrer Größe auch dem Menschen und seinen technischen Errungenschaften gefährlich wird.

Ein Tierhorror-Thriller der mitreißenden Sorte!


Bentley Little – Unheil

Sie suchen Ruhe und Erholung? Dann ist das „Reata“ der perfekte Ort für Ihren Urlaub. Unser gemütliches Resort liegt mitten in der Wüste von Arizona, ruhig und abgeschieden. Ein wahres Paradies für Familien mit Kindern!

Leider hat es in letzter Zeit ein paar tödliche Unfälle gegeben. Stören Sie sich auch nicht daran, dass gelegentlich Gäste spurlos verschwinden. Für den Fall, dass Sie Blutflecken auf dem Teppich in Ihrem Zimmer entdecken, verständigen Sie bitte unser Reinigungspersonal. Und dann ist da noch dieses Ding im Pool.


Sollten Sie irgendwann der letzte Gast in unserem Hotel sein, denken Sie daran: In der Wüste hört Sie niemand schreien …

Bentley Little gehört für mich zu den unterschätztesten Horrorautoren überhaupt. Stilistisch ist er nicht weit von Stephen King entfernt und seine Horrorvisionen schleichen sich oftmals ebenso durch die Hintertür in den normalen Alltag ein, wie es bei diesem der Fall ist.

Unheil bietet eine Mischung aus Terror und Okkulthorror, die sehr gelungen ist und den Leser vor immer neue Einfälle stellt. Einige Szenen sind dabei so intensiv, dass sie direkt in die Magengrube gehen und dort für wohliges Unwohlsein sorgen. Oder wann erlebt man schon einmal, dass ein Golfspiel in einen Wettkampf umgewandelt wird, bei dem es darum geht, dass die Ehemänner ihre an Pfähle gebundenen Frauen beim Abschlag treffen? Und noch dazu, dass dies ganz offenbar einvernehmlich geschieht?

Eine Horror-Achterbahnfahrt mit vielen unvorhergesehenen Steilkurven!


Erich Maria Remarque – Der Funke Leben

509 sitzt in der Frühlingssonne. Er genießt die Wärme, er wartet, er hofft. Nur ein Funke Leben trennt ihn und die zu Nummern degradierten, zu Skeletten abgemagerten Insassen des Lagers Mellern vom Tod. Doch nach Jahren in einer gnadenlosen Hölle scheint der Tag der Freiheit nahe, in jenem Frühjahr 1945. Alle Hoffnung, aller Lebenswille spannt sich darauf, ihn kommen zu sehen und mit ihm das Ende der Qual.

 

 

Eine vollkommen andere Art des Horrors, eine von Menschen an Menschen begangene Grausamkeit. Die Menschen des Sterbelagers warten auf den Tod oder die Befreiung. Auf das, was schneller zu ihnen kommt. 509, der kaum noch in der Lage ist, sich an seinen Namen zu erinnern, ist der Chronist dieser letzten Tage, immer auf der Schwelle zwischen dem Sein und dem Gewesen.

Und liegt nicht das wahre Grauen darin, dass schon im Niedergang des einen Regimes erkennbar ist, wie sich die Zeit danach zu einer ebensolchen Teilung zwischen dem entwickeln wird, was die Ideologen beider Seiten als Gut und Böse betrachten?

Ein Roman mit philosophischer Tiefe, geprägt von Angst, Tod und Hoffnung!


Freda Warrington – Dracula, der Untote kehrt zurück

Sieben Jahre sind vergangen, seit Van Helsing, Jonathan und Mina Harker und ihre Freunde dem nächtlichen Treiben des Grafen Dracula ein grausames Ende setzten. Doch der schöne Schein trügt. Zunächst wissen die Verbündeten von damals die Zeichen nicht zu deuten: Plötzlich spielt die ansonsten friedliche Katze der Harkers verrückt, die frommen Eheleute werden von wüsten, erregenden Träumen heimgesucht, und auch das bezaubernde Kindermädchen Elena benimmt sich mit einem Mal höchst seltsam. Bald können sich die Harkers und ihre Freunde der schrecklichen Erkenntnis nicht entziehen: Dracula ist zurück …
Und weil ich hierzu weiter gar nicht viel enthüllen möchte, schreibe ich nur eines, als kleinen Teaser. Es stellt sich nämlich heraus, dass Dracula vielleicht noch das kleinere Übel ist, das im fernen Land Transsilvanien lauert!

Ein Gothic-Schauerroman in bester Tradition von Bram Stoker und Mary Shelley!


Sascha Westphal und Christian Lukas
Die SCREAM-Trilogie und die Geschichte des Teen-Horrorfilms

Als 1996 der Film SCREAM – SCHREI an den Kinokassen weltweit für Furore sorgte, sprachen viele von einer Eintagsfliege. Doch schon bald wurde klar, dass Regisseur Wes Craven ein Genre wiederbelebt hatte, das längst auf seine Renaissance gewartet hatte. Der Teen-Horrorfilm ist seit einigen Jahren erfolgreicher denn je, und ein Ende des Phänomens ist nicht in Sicht – wie die jüngsten Erfolge von ANATOMIE, FACULTY oder ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST unter Beweis stellen.

 
Der Titel des Sachbuchs verrät es schon: Es ist ein wenig betagt. Erstens ist „Scream“ inzwischen um einen vierten Teil ergänzt worden, zweitens ist der Teen-Horrorfilm wieder so mausetot, wie er es vor „Scream“ gewesen ist. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Dennoch finde ich dieses Buch sehr gelungen, denn es schildert die Geschichte dieser Filmgattung und gleichzeitig auch einer Lebensphilosophie in den Jahren, die sie geprägt hat, in anschaulicher und mitreißender Weise. Natürlich muss man ein Stück weit auch Fan sein, um das goutieren zu können, Aber wer mag nicht wenigstens einen der Archetypen dieser Schrecken zumindest ein ganz klein wenig?

Ein Fest für die Freunde von Ghostface, Freddy, Jason, Michael und Co.


Das sollen meine #5Books gewesen sein. Gibt es Romane oder Sachbücher, die in das hier vorgestellte Spektrum passen, die ich aber vielleicht selber übersehen habe? Seid doch so lieb und postet sie mir in die Kommentare. Denn auch ich suche und jage gerne nach neuen oder auch alten Büchern.

Habt einen schönen Tag – vielleicht mit einem guten Buch?

Neu im Bücherregal am 04.03.2017

Angenommen, ich hätte gestern noch einen Beitrag zur #wirsindtraumfaenger-Challenge geschrieben, was ich nicht tat, weil ich meinen anderen Beitrag nicht von der Pole Position verdrängen wollte, wäre es darum gegangen, wo ich eigentlich meine Bücher kaufe.

Ich muss gestehen, dass ich inzwischen eigentlich zu 100% meine Bücher online kaufe, von wenigen Impulskäufen einmal abgesehen. Ich finde leider die heutigen Buchhandlungen selten einladend dafür, einfach mal zu stöbern und sich Gedanken zu machen, ob das Buch etwas für mich sein könnte, oder eben auch nicht.

Aktuell informiere ich mich gerne über Buchblogs oder andere Empfehlungen und packe dann Bücher, die mir interessant zu sein scheinen, auf einen Wunschzettel bei Amazon, um sie nicht wieder zu vergessen. Und irgendwann kaufe ich sie dann, was aber nicht bei Amazon der Fall sein muss.

Gerade in letzter Zeit kaufe ich Bücher nämlich sehr gerne bei reBuy. Und just heute habe ich ein paar Neuzugänge zu vermelden, die ich euch einfach mal zeigen mag:

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H.G. Wells – Der Krieg der Welten
Ein absoluter Klassiker der Science Fiction. Außerirdische vom Mars landen auf der Erde und wollen die Menschheit vernichten. Es kann gar nicht hoch genug geschätzt werden, wie groß der Einfluss dieses Romans gewesen ist.

Jules Verne – Von der Erde zum Mond
Sogar noch klassischer als Wells‘ Roman – und bis jetzt leider komplett an mir vorbeigegangen.

Kevin J. Anderson – Die Liga der Außergewöhnlichen Gentlemen
Das Buch zum Film, der ganz offiziell die Karriere von Sean Connery beendete. Der Streifen war Murks, aber ich bin gespannt, was der eigentlich sehr talentierte Anderson aus dem Script gemacht hat.

Elfriede Vavrik – Nacktbadestrand
Eigentlich stehe ich nicht so auf Romane mit Bestseller-Aufdruck, aber der hier klang gut. Eine alte Frau sucht sich, auf Empfehlung ihres Arztes, noch einmal einen Mann und tastet sich neu ins (Liebes-)Leben.

Alan Dean Foster – Dark Star
Der Roman zum Debütfilm von John Carpenter. Ihr wisst schon, dem mit dem Alien, das von einem orangen Wasserball gespielt wird. Ihr wisst nicht? Dann aber nachholen!

Veronica Roth – Die Bestimmung
Hier habe ich keine Ahnung, was mich erwartet. Der Filmtrailer hat mich neugierig gemacht. Und außerdem wurde ich kürzlich auch sehr positiv überrascht von

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem, Flammender Zorn
Der letzte Band der Panem-Trilogie. Dazu muss ich wahrscheinlich nicht viele Worte verlieren, oder?

Perry Rhodan Werkstattband
Zu diesem Buch erzähle ich euch in den nächsten Tagen noch einmal etwas. Denn streng genommen war dieses Buch ein ganz entscheidender Faktor dafür, dass ich ernsthaft mit dem Schreiben angefangen habe!

Habt einen schönen Samstag 🙂 .

#wirsindtraumfaenger (2) Was liest du gerade?

Guten Abend!

Pünktlich für den frühen Abend mag ich euch erzählen, was ich im Moment eigentlich gerade so lese.

Nun, zum einen lese ich, mehr oder weniger konzentriert, das Manuskript meines Romans „Der Morgen danach“, in dem ich noch den einen oder anderen Schnitzer ausbügeln will, bevor ich ihn bis Monatsende an meinen Verlag schicke. Aber das ist ja Arbeit und keine Entspannung.

Zur Entspannung lese ich zurzeit den neuen Roman der lieben Nora Bendzko, deren Glücksfee mich besonders gern hat, denn ich habe bei einem Gewinnspiel gewonnen, bei dem es eben diesen Roman noch vor dem eigentlichen Erscheinungstermin zu gewinnen gab.

Ich muss leider gestehen, dass ich noch nicht besonders weit gekommen bin, aber bis jetzt macht „Kindsräuber“ einen guten Eindruck. Und das Beste ist: Ab Morgen habt ihr alle die Chance, euch davon zu überzeugen, da ist nämlich der offizielle Erscheinungstermin.

Und so sieht das gute Stück aus:

img_20170301_133732Wenn ich damit durch bin, wird es auf jeden Fall auch wieder eine Rezension von mir geben. Ist ja klar.

So – und nun wünsche ich euch noch einen schönen Abend. Macht was draus!

Euer Michael

Einfach mal lesen

Manchmal ist es schon komisch. In manchen Phasen fokussiert sich mein ganzer Körper, mein ganzer Geist auf das Schreiben. Selbst dann, wenn ich gerade nichts schreibe, bin ich doch in Gedanken ganz dabei. Ich beschäftige mich dann auch viel mit dem Thema, lese auf anderen Blogs, schreibe hier über das Schreiben oder denke halt einfach.

Was dabei manchmal glatt zu kurz kommt, ist das Lesen.

Mir ist heute mal wieder bewusst geworden, wie entspannend es sein kann, einfach mal ein Buch in die Hand zu nehmen und sich ganz gezielt die Zeit zu nehmen, zu lesen.

Ist es nicht wirklich absurd, wie man (damit meine ich) um das Goldene Kalb herumtanzt und dabei völlig außer Acht lässt, wofür man das eigentlich macht? Nämlich dafür, dass irgendwann ein Leser genau das macht, was ich mir heute endlich mal wieder gegönnt habe – und wofür ich erst durch eine Erkältung flach gelegt werden musste.

Ich habe mich einfach hingesetzt und das Buch, das ich gerade im Anbruch hatte, ausgelesen. Es spielt an dieser Stelle keine Rolle, welcher Roman das gewesen ist. Es reicht zu wissen, dass er mich so sehr fesseln konnte, dass ich nichts anderes vermisst habe.

Das ist das Ziel, auf das wir Autoren alle hinschreiben. Und von dem zumindest ich mich wegen der ganzen anderen „Verpflichtungen“ immer wieder einmal entferne.

Ich hoffe, dass ich mir diese Erkenntnis, die eigentlich gar keine ist, sondern eine Selbstverständlichkeit, bewahren kann. Ansonsten vertraue ich darauf, dass ihr mich bei Gelegenheit einfach mal fragt:

»Hey, Michael, wann hast du dir das letzte Mal bewusst Zeit genommen und ein Buch gelesen – um einfach mal zu lesen!?«

Ich wünsche euch einen schönen Abend. Vielleicht mit einem guten Buch!

Warum Vorlesen so wichtig ist – ein paar Gedanken zum Vorlesetag

Seit inzwischen 12 Jahren ist es eine schöne Tradition, dass einige Kulturschaffende, darunter initiativ die Zeitung DIE ZEIT, die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn Stiftung, am dritten Freitag im November den Vorlesetag ausrichten. Zu diesem Anlass soll und wird in Deutschland besonders viel vorgelesen werden, weil Unterstützer (z.B. der ADAC oder in Vorjahren auch McDonald’s) sich mit eigenen kleinen Vorlesetexten an der Aktion beteiligen und so dafür sorgen, dass es schon einmal nicht am notwendigen Lesestoff mangelt.

Vorlesen ist wichtig. Es ist wichtig für die Entwicklung eines Kindes und es ist wichtig für die Entwicklung einer Gesellschaft. Der Umgang mit Worten und mit Sprache lässt sich vielleicht in der Schule mühsam erlernen, doch nie wieder wird es uns so leicht gemacht, wie im direkten Kontakt mit Menschen, denen wir vertrauen und denen wir einfach gerne zuhören.

Deswegen ist es auch egal, ob der oder die Vorleser/in besonders sprachlich begabt ist oder nicht. Niemand muss eine tatsächliche „Lesung“ abhalten, wie man sie aus dem Hörbuchbereich kennt. Viel wichtiger ist die direkte Beziehung.

Kinder mögen es, wenn sie Geschichten erzählt bekommen. Denn in und mit Geschichten entdecken sie ihre Welt. Darum gibt es auch ein solch großes Portfolio an Geschichten, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Man gehe nur einmal in eine beliebige Buchhandlung und betrachte sich das Portfolio an Vorlesebüchern. Oder man wühle einmal in der charakteristischen Plexiglasschale mit den kleinen Büchlein, die wohl jeder von uns aus seiner Kindheit kennt. Da ist eine Bandbreite, die von Rittern zu Astronauten und von Tiergeschichten zu Geschichten über Bagger und Planierraupen reicht.

Kinder lieben es, diese Bandbreite zu erkunden. Nur leider ist es für viele Menschen heute nicht mehr selbstverständlich, diese Aufgabe auch auf sich zu nehmen. Denn, die Eltern unter euch werden es wissen, es kann auch eine Aufgabe sein, wenn man das gleiche Büchlein zum dreißigsten Mal hintereinander vorlesen muss. Oder wenn man an einem Abend nicht ein oder zwei, sondern vier oder fünf Geschichten vorlesen soll.

Deswegen ist es wohl auch schon vor einigen Jahrzehnten dazu gekommen, dass man diese Aufgaben an Hörbücher und Hörspiele abgegeben hat. Zumindest teilweise. Und ich will da auch gar nichts Schlechtes drin sehen. Auch ich habe gerne den Märchen gelauscht, die mir über den Schallplattenspieler zugänglich gemacht wurden. Auf diese Weise wurde ein Mann wie der Schauspieler Hans Paetsch zum Märchenonkel einer ganzen Generation.

Und dennoch habe ich es noch mehr genossen, wenn mein Vater mir vorgelesen hat. Das hat er oft zum Einschlafen getan und es kursieren heute noch die Witze in der Familie, dass der Einzige, der dabei eingeschlafen ist, er selber war.

Aber wie dem auch sei, für mich stand von vornherein fest, dass auch ich meinen Kindern vorlesen möchte. Und das habe ich dann auch getan.

Meine große Tochter hat sich schon von klein auf gerne vorlesen lassen. Und sie war ein forderndes Kind, nicht nur in diesem Bereich. Schon bald reichten ihr die kurzen Geschichten aus den kleinen Bändchen nicht mehr aus. Es mussten längere Geschichten sein, umfangreichere Geschichten. Geschichten, die sie forderten und bei denen ihre Fantasie auf Reisen gehen konnte.

Noch bevor sie zehn Jahre alt war, habe ich ihr auf diese Weise Klassiker vorgelesen wie „Die unendliche Geschichte“, „Momo“, „Alice im Wunderland“ und als Höhe- und Schlusspunkt „Der Herr der Ringe“. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie viele Abende wir dafür gebraucht haben, die wir, als allabendliches Ritual, mit mindestens einer halben Stunde Vorlesezeit auf der Couch verbracht haben.

Meine kleine Tochter ist da, ich möchte fast sagen, anders. Bei ihr sind wir nie zu den langen Geschichten gekommen. Sie hatte nicht einmal besonderes Interesse an den kleinen Büchlein. Das entdeckt sie erst jetzt, wo sie selber immer besser zu lesen lernt.

Für mich war das, nun ja, nicht gerade eine Enttäuschung, aber doch der Beweis dafür, dass jedes Kind anders ist. Und doch gab es auch für uns beide die Gelegenheiten, zu denen wir uns gemeinsam auf der Couch wiederfanden und ich dann eine Geschichte, gerne auch in mehreren Stimmlagen, als wäre ich ihr ganz privates Hörspiel, vorgelesen habe.

Für Kinder ist das Vorlesen wichtig. Und gerade der Boom der Hörbücher, der immer noch anhält, beweist eindrucksvoll, dass viele Erwachsene sich dieses gute Gefühl aus ihrer Kindheit bewahrt haben. Das gute Gefühl, dass jemand sich Zeit für sie nahm, um ihnen einfach eine Geschichte zu erzählen.

So, wie es seit Generationen immer schon gewesen ist.

Deswegen: Wenn ihr jemanden in eurer Nähe habt, egal ob Kind oder nicht Kind, dann überlegt doch einmal, ob ihr ihm oder ihr nicht vorlesen wollt. Auch euer Partner freut sich vielleicht darüber. Meiner Frau habe ich eine Zeit lang sehr viele Bücher vorgelesen.

Nehmt diesen Tag wichtig und nehmt die wichtig, die er betrifft. Gerade auch als Autor sollte man sich immer dessen bewusst sein, dass diejenigen, denen heute vorgelesen wird, die sind, die in der Welt von Morgen das Interesse an Literatur und an Büchern lebendig halten.

Ich wünsche euch einen schönen Vorlesetag!