Das langsame Sterben der digitalen Käufe – Eine Befürchtung

Ich gebe zu, dass man mich manchmal durchaus in die Schublade stecken kann, auf der „Bedenkenträger“ draußen drauf steht. Aber das bedeutet ja nicht, dass ich nicht mit der einen oder anderen Befürchtung, die mir so kommt, Recht haben könnte. Auch wenn ich im konkreten Fall hoffe, dass ich nicht richtig liege.

Was ist passiert?

Ich bin jemand, der seine Musikkäufe bereits vor einigen Jahren dahingehend umgestellt hat, dass er eigentlich ausschließlich digitale Downloads kauft (von Ausnahmen, die ich mit gebrauchten CDs mache, abgesehen). Damit fahre ich gut, weil ich keinen zusätzlichen Platz habe, außer auf meinen immer größer werdenden Festplatten. Und außerdem waren auf diese Weise immer auch Scheiben, die ansonsten im Handel nur schwer bis gar nicht zu bekommen gewesen wären, nur wenige Mausklicks und eine Transaktion weit entfernt.

Aber in den letzten Monaten ist es zusehends schwerer geworden, Musik wirklich als Download zu kaufen. Portale wie Juke, betrieben von Media-Markt und Saturn, oder Groove, betrieben von Microsoft, haben entweder die Pforten dicht gemacht, oder auf reine Streaming-Dienste umgestellt. Und in dieser Woche erschütterte (wieder einmal) die Meldung, dass Apple in Kürze seinen iTunes-Store schließen könnte und die Kunden auf Apple Music, auch ein Streaming-Angebot, umstellen wird, die digitale Musikwelt. Zwar wurde rasch dementiert, aber wir wissen alle, was solche Dementis in unserer schnelllebigen Zeit wert sind. Vor allem, wenn es darum geht, Aktionäre zu beruhigen …

Machen wir uns nichts vor: Medien kaufen ist lange nicht mehr so sexy, wie es das Streamen ist. Filme und Serien schaut man heute nicht mehr von DVD oder Blu-ray, sondern auf Netflix, Amazon Video oder vergleichbaren Portalen. Musik hört man via Spotify oder Amazon Music.

Und Bücher?

Bis jetzt sind Bücher noch die Oase im digitalen Markt, in der zwar nicht wirklich Milch und Honig fließen, aber in der doch überwiegend noch gekauft wird. Es gibt Angebote wie Amazon Kindle Unlimited, aber diese sind nicht für den Massenmarkt erschlossen. Noch nicht?

Wenn wir uns die Entwicklung bei anderen Medien ansehen, nehmen wir wieder die Musik, so kann man erkennen, dass über lange, lange Zeit hinweg, das physische Trägermedium das Kerngeschäft war. Selbst dann, als es schon die Bandbreite und die Technik gab, um Musik über das Internet zu verkaufen, taten sich viele Verlage sehr schwer mit dem Gedanken, Bits und Bytes zu verkaufen. Das änderte sich erst, als Napster und Co. mit den Rechteinhabern Schlitten gefahren sind.

Später dann gab es die legalen Anbieter und gerade eine Firma wie Apple, die mit ihrem iPod und dem dazu gehörigen Dienst iTunes den Markt aufgemischt hat, hat massiv hiervon profitiert. Das Ergebnis war, dass das Angebot an physischen Tonträgern, zumindest in den Kaufhäusern und Technikmärkten der Republik, teils drastisch zurückging. Zu dieser Zeit schlossen zum Beispiel Händler wie Kaufhof oder Karstadt ihre Multimedia-Abteilungen.

Und jetzt gibt es die Streamingdienste, bei denen ich so ziemlich jedes neu erschienene Album am Erscheinungstag hören kann, solange ich eine Abogebühr bezahle. Das kostet mich und meine Familie bei Amazon Music etwa 149 Euro im Jahr, für die bis zu fünf Personen hören können, was immer sie wollen. Für dasselbe Geld könnte ich mir auch ungefähr 13 CDs kaufen. Oder vielleicht 14 Downloads.

Aber was hat das mit Büchern zu tun?

Vielleicht nichts, vielleicht aber auch sehr viel. Deswegen habe ich diesen Beitrag mit „Eine Befürchtung“ überschrieben. Bis jetzt sind, wie bereits gesagt, Streaming- oder Flatrate-Modelle bei eBooks noch nicht die großen Verkaufsgaranten. Aber ist es wirklich so unwahrscheinlich, dass es irgendwann soweit kommen wird, dass sich das Käuferverhalten auch in diesem Marktsegment ändern wird?

Aus der Sicht der Autoren, vor allem der Selfpublisher, muss man sagen: Bloß nicht! Die Quoten, die über Kindle Unlimited an die Autoren ausgeschüttet werden, sind, nach den Erhebungen, welche regelmäßig durch die Seite selfpublisherbibel.de gemacht werden, jedenfalls eher mau. Man könnte argumentieren, dass sich das vielleicht ändert, dass die Händler die Quoten anheben, wenn sich mehr Geld mit den Flatrateangeboten verdienen lässt.

Hier zeigt ein Beispiel aus einem verwandten Bereich, nämlich dem Hörspiel, dass das Wunschdenken ist. Hier sind einzelne Verleger längst schon hingegangen und teilen ihre Produkte in bis zu 80 Tracks auf, weil sie pro abgespieltem Track nur eine kleine Marge erhalten. Durchaus vergleichbar mit dem Salär für eine gelesene Seite.

Weniger rechtschaffene Autoren haben hierauf schon mit findigen Tricks reagiert, mit denen sich dem System vorgaukeln lässt, ein Leser hätte statt 300 Seiten 1.000 Seiten gelesen. Nicht die feine englische Art, aber es zeigt auf, wo die Probleme liegen.

Fakt ist, zum Glück, dass auch in unserer hochdigitalisierten Zeit das gedruckte Buch so schnell nicht aussterben wird. Aber ich frage mich durchaus, wie lange es dauert, bis die nachrückenden Generationen hier das Verhältnis verändern. Wenn man mit der Bahn fährt, sieht man immer mehr Smartphones und Tablets – und immer weniger Bücher.

Klar, heute können wir uns nicht vorstellen, dass sich das einmal komplett ändern wird. Aber das konnten sich Unternehmen aus der Musikbranche auch nicht vorstellen, als es anfing, ungemütlich für sie zu werden.

Für eine kurze Zeit sah es so aus, als ob der Konsument sich Musik jetzt eben als MP3- oder FLAC-Datei kaufen würde. Jetzt werden die Käufer immer weniger und es sind nur noch wenige Plattformen, bei denen man sich versorgen kann. Weil es immer weniger Menschen wichtig ist, auch wirklich zu besitzen, was sie konsumieren.

Werden wir in zehn Jahren vielleicht erleben, dass das digitale Buch nicht mehr käuflich erhältlich ist, sondern nur noch in einer Ausleihe, sei es in einer öffentlichen Bibliothek oder bei einem Flatrate-Anbieter? Werden Menschen wie ich, die immer noch am liebsten ein gedrucktes Buch in der Hand halten, dann so etwas wie Dinosaurier sein, die langsam aussterben.

Ich weiß es nicht. Aber der sich vielleicht andeutende Rückzug von Apple aus dem Geschäft mit Download-Verkäufen beunruhigt mich. Denn wenn es soweit käme, würde hier nicht einfach irgendein Unternehmen irgendeinen Dienst einstellen. Es wäre vom Stellenwert her vergleichbar damit, dass Amazon für seinen Kindle nur noch Leihbücher anbietet. Und dann bekämen viele Autoren ein echtes Problem.

Zum Glück ist dies nur die Befürchtung eines Bedenkenträgers. Sie muss nicht eintreten und ich hoffe, sie wird nicht eintreten. Aber sie aufzuschreiben, das musste jetzt einfach mal sein.

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Meldung und Meinung: Veränderte Lesegewohnheiten bei Kindern

In der aktuellen „Federwelt“ findet sich ein sehr interessanter Artikel. Dafür hat sich die bekannte und umtriebige Autorin Jasmin Zipperling, oder vielmehr ihr Alter Ego „Madame La Zippi“, ganz tief über ihre Glaskugel gebeugt und mehreren Verlagen Prognosen und Trends abgerungen. Dabei ist an so ziemlich jedes Genre gedacht und dieses mit einem oder mehreren namhaften Verlagen bedacht worden. Herausgekommen ist ein extrem informativer Artikel, der für mich alleine schon den Kaufpreis des Hefts gerechtfertigt hätte, wenn ich nicht sowieso schon Abonnent wäre.

Eigentlich könnte an dieser Stelle mein Beitrag zu Ende sein, aber ich habe in diesem Artikel eine Aussage gefunden, die mich ein wenig nachdenklich zurückgelassen hat.

Getroffen wurde diese von Julia Gronhoff, Redakteurin für den Erstlesebereich und das Kinderbuch beim Loewe-Verlag, in dem viele bekannte und beliebte Reihen und Einzeltitel erscheinen. Auch in den Bücherschränken meiner Kinder lassen sich da entsprechende Bücher finden.

Auf die Frage, wo Frau Gronhoff die Trends in ihrem Segment für 2018 sieht, hat diese unter anderem geantwortet, dass einige der erfolgreichsten Reihen einem Relaunch unterzogen werden sollen. Und dabei soll, jetzt kommt es, der Text gekürzt werden. Damit reagiere man auf die veränderten Lesegewohnheiten der Kinder.

Die Aussage wurde von der Redaktion der „Federwelt“ offenbar auch als so bedeutsam eingeschätzt, dass sie fett abgedruckt wurde.

Ich halte also in eigenen Worten noch einmal fest: Weil Kinder heutzutage weniger lesen, wird in einigen Büchern des Loewe-Verlags der Anteil von Bild und Wort deutlich zugunsten des Bildes und zuungunsten des Wortes verschoben.

Ich finde diese Überlegung, so sehr sie wahrscheinlich auch aus wirtschaftlichen Beweggründen gerechtfertigt erscheint, zumindest diskutabel.

Meiner Meinung nach kommt insbesondere dem Bereich der Kinderbücher, und das setzt schon bei den ganz Kleinen an, die Aufgabe zu, Kinder an das Lesen heranzuführen. Deswegen habe ich auch sehr früh angefangen, meinen Kindern vorzulesen und nicht nur reine Bilderbücher mit ihnen anzuschauen. Der Erfolg gibt mir in gewisser Weise recht.

Vielmehr frage ich mich, ob nicht genau dort der Knackpunkt liegt. Kann es sein, dass immer mehr Eltern sich immer weniger Zeit nehmen, um ihren Kindern vorzulesen und deswegen viele Kinder mit dem gedruckten Wort nichts mehr anfangen können? Wäre es aber dann nicht an denjenigen, die den Trend setzen, die die Richtung vorgeben, dieser Entwicklung mit geeigneten Mitteln zu begegnen?

Sehen wir der Tatsache ins Auge: Eltern, die nicht vorlesen, ist es vollkommen egal, ob ein Kinderbuch nun 1.000 Worte, 500 Worte oder 250 Worte enthält. Sie werden es sowieso nicht in die Hand nehmen und man kann nur hoffen, dass die betreffenden Kinder irgendwann von alleine auf den Dreh kommen, dass Bücher Spaß bringen.

Der Markt im Allgemeinen und damit wirklich unisono alle an ihm Beteiligten beklagen zurecht, dass die Verkaufszahlen von Büchern im stetigen Sinkflug befindlich sind. Eine Theorie, die immer wieder einmal aufgeworfen wird ist die, dass sich durch Texte im Internet, Soziale Medien und die allgemeine Schnelllebigkeit eine Art Aufmerksamkeitsdefizit gebildet hat und viele Menschen es gar nicht mehr gewohnt sind, sich mit längeren Texten auseinander zu setzen.

Ich wäre geneigt, dieser These zuzustimmen.

Aber sollte man dann nicht lieber versuchen, in der Form gegenzusteuern, dass man Kindern, die hoffentlich noch nicht in dem Maße durch die schöne neue Technikwelt vereinnahmt wurden, auch zutraut, längere Texte zu lesen oder vorgelesen zu bekommen?

Bleiben wir fair und auf dem Boden. Die Aussage von Frau Gronhoff bedeutet nicht, dass Loewe in allen seinen Büchern und Reihen einen Kahlschlag an Wörtern vornehmen wird. Wahrscheinlich muss man sich erst einmal genau ansehen, wie genau das am Ende ausschauen wird.

Für mich als Autor wie als Elternteil ist es nur wichtig, dass die Wahlmöglichkeiten bestehen bleiben. Ich finde es gut, dass ich Bücher mit viel und mit wenig Text zur Verfügung habe und sie nach Belieben kombinieren kann. Und da bin ich halt ein wenig skeptisch, wenn ich auf das kleine Wörtchen „Relaunch“ schaue. Das klingt für mich sehr nach der Vornahme eines Ersatzes.

Ja, die Lesegewohnheiten der Kinder haben sich heute geändert. Ich finde: leider. Und wenn ich wirtschaftlich denke, dann ist es sicher gerechtfertigt, auf dieser Basis zu einer Veränderung des Verlagsportfolios zu kommen.

Das ändert nichts daran, dass ich dies persönlich bedaure und in Hinblick auf eine Gesamtentwicklung der Lesenden in der Zukunft für ein zumindest diskutables Zeichen halte.

Mich würde wirklich interessieren, was ihr dazu denkt 🙂 .

Frauen als Opfer und Beute: Genug davon, sagt eine britische Autorin

Gerade bin ich auf eine interessante Kurzmeldung beim Boersenblatt aufmerksam geworden. In dieser geht es um einen neuen Preis, eine Art „Anti-Preis“, den eine britische Drehbuchautorin ins Leben gerufen hat.

Und zwar hat Bridget Lawless im übertragenen Sinne die Nase voll. Sie hat die Nase voll davon, dass Frauen insbesondere in Thrillern fast durchweg die Opferrolle einnehmen müssen, dass sie diejenigen sind, die getötet, entführt und misshandelt werden. Mit dem von ihr ausgelobten „Staunch Book Prize“ möchte sie auf Titel aufmerksam machen, die ohne Gewalt gegen Frauen auskommen.

Diese kurze Meldung regt mich zum Nachdenken und zum reflektieren an. Wenn ich mal so Revue passieren lasse, wie es in der Literaturwelt aussieht, dann ist es in der Tat so, dass Frauen oft auf die Opferrolle abonniert sind. Und wenn sie nicht das Opfer sind, dann sind sie doch häufig schwach. Das betrifft übrigens nicht nur Romane, die von Männern geschrieben wurden, wie man jetzt vielleicht annehmen könnte, sondern auch Romane von Frauen. Und natürlich auch solche, die eigentlich versuchen, eine starke Frauenrolle, etwa durch eine Ermittlerin, in den Mittelpunkt zu rücken.

Woran mag es also liegen, dass es so relativ leicht fällt, Frauen auch in unseren aufgeklärten, emanzipierten und gegenderten Zeiten als schwach und Opfer zu skizzieren? Ich fürchte, dass in vielen Autoren und Autorinnen immer noch die alten Rollenbilder, wie sie vielleicht von den eigenen Eltern vermittelt wurden, vorherrschen. Andere nehmen diese Bilder durch die Medien auf, man denke hier neben dem Buch vor allem auch an den Film.

Filme, in denen nur Männer die Opfer sind, sind eher rar gesät, wahrscheinlich schon aufgrund des Eye Candy, das Produzenten und Regisseure sich versprechen. Ganz zu schweigen von der Zielgruppe für eher harte Thriller – das Horrorgenre lassen wir mal besser ganz außen vor, weil da die Rollenbilder ganz überwiegend noch verstörender ausfallen.

Natürlich habe ich mir aber auch meine Gedanken gemacht, wie es mit meinen eigenen Romanen eigentlich bestellt ist. Und ja, da muss ich mich schuldig bekennen: Nicht in allen, aber doch in einigen meiner Geschichten sind Frauen Opfer. Ich glaube zwar, behaupten zu können, dass ich sie nie auf die Opferrolle reduziere, aber darum geht es nach den Kriterien von Bridget Lawless ja erst einmal nicht.

Aber ich kann immerhin für mich in Anspruch nehmen, auch Romane geschrieben zu haben, in denen Frauen, wenn überhaupt, dann „gleichberechtigt“ ums Leben kommen. Das mag jetzt seltsam klingen, aber in diesem Kontext finde ich durchaus, dass es in Ordnung geht, wenn ich, wie in „Es zwingt einen dazu“ geschehen, ein Pärchen gemeinschaftlich über die Klinge springen lasse.

Und dann sind da natürlich noch die starken Frauenrollen, ohne welche die jeweiligen männlichen Begleiter teilweise ziemlich dumm aus der Wäsche schauen würden. Auch in meinen Romanen „Der Ruf des Hafens“ und „Die Welt der stillen Schiffe“ wird zwar gestorben – und das teilweise auf sehr unangenehme Art -, aber hier sind die Frauen diejenigen, die überleben – weil sie sich einfach klüger anstellen als die Männer um sie herum.

Bridget Lawless möchte Autoren finden, die sich etwas anderes ausdenken. Nun, wie genau man sich das vorzustellen hat, oder besser gesagt, wie genau sie sich das vorstellt, werden wir spätestens am 25. November erfahren, denn dann möchte sie den ersten Preisträger bekannt geben. Der 25.11. ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Ein besseres Datum könnte es also für eine derartige Preisverleihung gar nicht geben.

Ich bin gespannt, ob ihr Beispiel vielleicht Schule im deutschsprachigen Raum machen wird. Oder ob wir bald Übersetzungen von Romanen lesen werden, die dezidiert das Label „Gewaltfrei gegenüber Frauen“ tragen.

Oder ist das alles der falsche Weg? Besser gemein, als gemacht? Lasst mir doch, wenn ihr mögt, einen Kommentar dazu hier.

Wo das Schreiben lebensgefährlich ist

Ich habe heute bei der Süddeutschen Zeitung einen sehr eindringlichen und nachdenklich stimmenden Artikel gelesen. Es geht um fünf Schriftsteller aus fünf Ländern der Erde, in denen es aus verschiedenen Gründen sehr schwer ist, einfach nur ein Autor zu sein. Sei es, weil Krieg und Veröffentlichungsverbot herrschen. Sei es, weil angeblich gegen politische oder religiöse Grundsätze verstoßen wird. Sei es, weil man seit über 40 Jahren im Exil lebt, weil es ein, auf dem Papier immer noch bestehendes, Todesurteil gibt.

Die Schriftsteller, die hier zu Wort kommen, stammen aus Syrien, dem Iran, der Türkei, Kuba und Somalia. Beim einen Land kommt man eher darauf, welche Probleme es dort gibt, bei anderen Ländern nicht sofort. So war mir zum Beispiel nicht bewusst, welche Einschränkungen es auf Kuba immer noch gibt, wo uns das Land doch in den letzten Jahren zunehmend als weltoffen und aus der Isolation erwacht präsentiert wird.

Das eindringlichste Zitat in diesem Artikel stammt von Amir Hassan Cheheltan aus dem Iran, der sagt, dass es sich als unabhängiger Schriftsteller in seinem Land so anfühlt, als sei man ein kommunistischer jüdischer Homosexueller im nationalsozialistischen Deutschland. Auch wenn in dieser Aussage sicher eine kalkulierte Übertreibung liegt, ist sie doch wie ein Schlag in die Magengrube.

Dem entgegen haben wir in Deutschland, eigentlich in der gesamten westlichen Welt, kaum mit größeren Repressalien zu kämpfen. Es ist ein Verdienst unserer Meinungsfreiheit, dass wir als Autoren schreiben dürfen, was wir möchten. Auch dann, wenn es anderen nicht immer in den Kram passt. Wie ihr wisst, spreche ich sogar den Urhebern von mir vollkommen fremden Geisteshaltungen durchaus das Recht zu, ihre Bücher zu veröffentlichen.

Und doch ist es auch in Deutschland noch nicht lange her, dass Autoren aus ihrem Heimatland fliehen mussten, weil sie hier um Leib und Leben fürchten mussten. Oder doch zumindest um ihre persönliche Integrität. Man muss nicht bis zu den Bücherverbrennungen der Nazis zurückgehen. Auch Autoren in der ehemaligen DDR hatten, wenn sie kritische Stimmen erhoben, mit Gegenwehr des Staates, in dem sie lebten, zu kämpfen. Nicht immer verliefen diese Kämpfe erfolgreich.

Und dann sind da noch die momentanen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten von Amerika, der, nach eigener Auffassung, demokratischsten und fortschrittlichsten Nation von allen. Dort schreibt jemand ein Buch, das dem Präsidenten nicht in den Kram passt und schon wird der gesamte Staatsapparat in Feuerstellung gebracht. Da ich das Werk nicht gelesen habe, kann ich nichts dazu sagen, ob es diesen Bohei rechtfertigt, aber die Tendenz zur Unterdrückung einer missliebigen Meinung finde ich, sagen wir mal, mindestens bedenklich.

Dennoch sind das alles Luxusprobleme im Vergleich zu dem, was die fünf Autoren aus dem Zeitungsartikel erleben. Das soll nicht schmälern, dass es auch in anderen Ländern zu prekären Situationen kommen kann. Ich finde nur, dass es wichtig ist, manche Dinge im richtigen Kontext und damit auch im rechten Licht zu betrachten. Auch wenn Donald Trump wütend ist, wird er nicht gleich die Todesstrafe für einen Schriftsteller fordern.

Wir sollten nicht müde werden, uns dafür einzusetzen, dass Autoren, Schriftsteller, Künstler auf der ganzen Welt die gleichen Rechte, die gleiche Selbstbestimmung und die selben Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung erhalten, wie sie für uns selbstverständlich sind. Und wir sollten uns diese Beispiele vor Augen halten, um einfach nicht aus dem Blick zu verlieren, was Zensur anrichten kann. Selbst dann, wenn sie vielleicht noch so gut gemeint sein sollte.

Den sehr lesenswerten Artikel der Süddeutschen findet ihr hier.

Meldung und Meinung: Amazon Publishing kommt in den stationären Buchhandel

Gerade tobt mal wieder der Sturm im Wasserglas und wie immer dann, wenn der Großhändler Amazon beteiligt ist, tobt er besonders heftig. Mindestens mit Windstärke acht, würde ich schätzen.

Was ist passiert? Der ebenso geschichtsträchtige wie am Markt etablierte Barsortimenter KNV hat angekündigt, die Titel des Amazon-eigenen Verlagsprogramms Amazon Publishing in sein Sortiment aufzunehmen. Das bedeutet, kurz gesagt, das ab diesem Zeitpunkt jede Buchhandlung in der Lage sein wird, entweder auf eigene Veranlassung Bücher dieses Verlags ins Schaufenster zu legen, oder sie zumindest auf Kundenwunsch hin zu bestellen.

Nun sind diejenigen unter den Buchhändlern nicht weit, die bereits den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören. Da ist davon die Rede, dass KNV damit den Ast absäge, auf dem die Branche sitzt. Es wird geunkt, dass Amazon auf diese Weise den kompletten Markt des Selfpublishing übernehme und damit der Tolino-Allianz den Hahn zudreht. Einen guten Überblick über Reaktionen hat das Börsenblatt.

Meine Meinung dazu, die ich natürlich nicht exklusiv habe, wie auch einige Reaktionen auf den genannten Artikel zeigen, lautet, dass hier anscheinend mehrere Dinge in einen Topf geworfen werden.

Amazon Publishing ist – und das bleibt so, bis jemand das diabolische Gegenteil beweist – erst einmal ein Verlag wie jeder andere auch. Es gibt ein Lektorat, es gibt mehrere Imprints, es gibt Qualitätsstandards und es gibt Autoren, die angenommen oder eben auch abgelehnt werden. Alleine deswegen ist es schon unsinnig, diesen Verlag mit dem breiten Angebot der Selfpublisher in einen Sack zu stecken, denn auf diesem Gebiet kann nach wie vor jeder das veröffentlichen, wonach ihm gerade der Sinn steht. Das unterscheidet allerdings die Plattform Kindle nicht von der Plattform Tolino.

Man erinnere sich an frühere Zeiten, so ungefähr vor fünfzehn, vielleicht auch mehr Jahren, als das Unternehmen BoD praktisch das Monopol auf Selfpublishing-Titel hatte (die damals noch keiner so nannte). Durch die Anbindung an die Mutter libri konnte BoD damals auch in alle Buchhandlungen geliefert werden, wenn sich denn ein Buchhändler dazu herabließ, den Kram von Amateuren zu bestellen. Ein hinkender Vergleich? Mag sein, aber ein Vergleich bleibt es.

Kehren wir zurück zu Amazon und den Buchhändlern. Ich verstehe nicht, worin für einen Buchhändler der Unterschied besteht, einen Titel z.B. bei Bastei Lübbe, bei einem Kleinverlag wie meinetwegen Scylla oder eben bei Amazon zu bestellen. Alle verlegten Titel haben, Preisbindung sei Dank, für alle die gleichen Konditionen. Egal, ob bei Amazon bestellt, oder bei Thalia aus dem Geschäft getragen. Und man muss schon ein ziemlich großer Verschwörungstheoretiker sein, um zu glauben, dass diese Kooperation mit Amazon Publishing der erste Schritt sei, um das ganze System auszuhebeln, nach dem der Buchhandel in diesem Land funktioniert. Wie soll das auch gehen? Welches Druckmittel sollte Amazon haben? Bestellt wird doch eh über die Sortimente und nicht bei Amazon. Gerade bei denen ja eben nicht.

Und, man kann es nicht oft genug betonen, wir sprechen hier von Amazon, dem Verlag und nicht von Amazon, der Verkaufsplattform!

Ich könnte es, vielleicht, noch verstehen, wenn die Verlage sich jetzt Sorgen zu machen beginnen. Weil man davon ausgehen könnte, dass Amazon ein größeres Potenzial mitbringt, neue Titel in den Markt zu drücken und Leser für eigene Autoren zu gewinnen. Aber das ist der Markt, mit dem Verlage schon seit Jahrhunderten zu tun haben und, mal ehrlich, am Ende reguliert der Markt sich von selbst. Auch Amazon wird nicht jeden daher gelaufenen Autor nehmen, weil dann nämlich die Marke schnell am Ende wäre. Und so wird aus Amazon Publishing ein Player wie jeder andere. Sicher größer als manch anderer, aber ein ganz normaler Mitspieler.

Ich bin gespannt, welche Formen dieser Sturm im Wasserglas noch annehmen wird und ob der stationäre Buchhandel es wirklich durchzieht, Kunden abzuweisen, die auf die Idee kommen, Bücher von Amazon Publishing im Laden erwerben zu wollen. Denn denen wird man den Unterschied zwischen Bastei, Scylla oder Amazon sicherlich noch weniger erklären können als mir. Und übrig bleibt dann ein Kunde, der nicht bekommen hat, was er haben wollte – und als Reaktion dann eben gleich bei dem Unternehmen bestellt, das denselben Namen hat wie der Verlag.

Links, rechts, egal!? Die Buchmesse und die Radikalen

Eigentlich …

Die Straße der guten Vorsätze ist mit Backsteinen aus „eigentlich“ gepflastert. Denn eigentlich wollte ich mich aus der Betrachtung der Geschehnisse auf der Frankfurter Buchmesse heraus halten. Ich bin nicht dabei gewesen und aus der Ferne ist es immer schwer, einen wirklich differenzierten Kommentar abzugeben. Die eigene Meinung wird zwangsläufig durch das was man liest und wo man es liest beeinflusst.

Also, obwohl ich eigentlich meinen Mund dazu halten wollte, nehme ich ein heute erschienenes Interview des „Neuen Deutschland“ mit Kathrin Grün von der Kommunikationsabteilung der Frankfurter Buchmesse zum Anlass, doch ein paar Worte dazu zu schreiben. Ganz einfach, weil ich das Interview für größtenteils sehr offen und fair geführt halte (mal abgesehen von der sehr reißerischen Überschrift), auch wenn natürlich zu jeder Zeit deutlich ist, dass der Fragesteller eher links verortet ist.

Aber zunächst noch einmal in Kurzform zu dem, was passiert ist: Auf der Frankfurter Buchmesse kam es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der rechten Szene und Gegendemonstranten bei verschiedenen Veranstaltungen der Neuen Rechten. Diese wurden teils durch massiven Polizeieinsatz begleitet, bis schließlich eine dieser Veranstaltungen abgebrochen werden musste. Des Weiteren kam es zu einem tätlichen Übergriff auf einen Verleger. An den Vortagen waren Messestände rechtsgerichteter Verlage beschmiert oder schlicht „leer geräumt“ worden.

Und am Ende haben wir eine Situation, in der alle auf alle zeigen und jeder jeden für verantwortlich befindet. Dabei hat es der Buchmesse sicherlich nicht geholfen, dass man sich in den ersten Statements zumindest unglücklich ausgedrückt hat.

Ich habe ja bereits vor der Buchmesse darauf hingewiesen, dass ich grundsätzlich die Meinungsfreiheit als ein hohes Gut ansehe und diese – bei allen Magenschmerzen, die ich persönlich deswegen habe – zunächst auch für rechts gerichtete Verlage oder Autoren gilt. Wer möchte, kann die Diskussion dazu gerne hier nachlesen.

Mit dieser Ansicht liege ich, wenig überraschend, auf der offiziellen Linie der Buchmesse selbst. Was man sich vielleicht im Hinterstübchen für Gedanken macht, kann von meiner Seite aus nicht beurteilt werden.

Was mir aber zu denken gegeben hat, ist in der Tat der Fakt, dass für einen neutralen Beobachter (so es diese denn überhaupt gibt, aber ich denke da zum Beispiel auch an ausländische Medienvertreter) manchmal nicht recht zu erkennen war, wer bei diesem Konflikt nun eigentlich die „Guten“ oder die „Bösen“ gewesen sind.

Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Körperliche Gewaltanwendung ist der Punkt, ab dem es keine Diskussion mehr darüber geben kann, ob hier nun jemand auch oder genauso provokant aufgetreten ist, wie die Gegenseite. Wenn ein Mensch verletzt wird, nur weil er von eben dieser freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat, um die es in dieser Debatte hauptsächlich geht, dann ist die Grenze überschritten und ich hoffe, dass der dafür Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Aber ich kann auch die Aussagen der Buchmesse verstehen, die sehr deutlich darauf hinweist, dass die Provokationen gegenseitig waren. Und hier haben sich, leider, vor allem die Gegner der rechten Verlage nicht mit Ruhm bekleckert.

Denn jetzt mal ehrlich. Welchem Kindergarten ist denn die Idee entsprungen, die Stände eines Verlages und einer Zeitschrift leer zu räumen? Und welchem Rowdy fiel ein, die Stände mit Parolen zu beschmieren?

Ich kann es ja verstehen und in gewissem Sinne auch nachfühlen. Aber ich sehe eben auch, dass man sich mit solchen Aktionen nicht wirklich auf die moralisch sichere Seite eines Konfliktes stellt, bei dem es, meiner Meinung nach, sehr wohl auch um ein moralisches Bild geht, das man abgeben sollte. Denn die Sprecherin der Buchmesse hat Recht, wenn sie sagt, dass man den Auftritt eines Björn Höcke nicht unterbinden kann, weil er eben der Landesvorsitzender einer dort auf demokratischen Weg gewählten Partei ist. Man kann höchstens hinterfragen, ob es moralisch zu verantworten ist, wenn man Leuten wie Höcke, aber auch Autoren wie Akif Pirinçci, die sich beide bereits mehr als einmal deutlich gegen eine weltoffene Kultur positioniert haben, ein Forum gibt.

Das Problem bleibt bestehen, wie bereits früher angesprochen. Mit jeder nicht durch die Verfassung gedeckten Aktion, die man gegen die Rechte fährt, drängt man sie mehr in eine Märtyrer-Position. Und wenn es etwas gibt, worauf die Anhänger dieses Gedankenguts besonders abfahren, dann sind es Märtyrer. Das war schon immer so und das wird wohl auch immer so sein. Leider.

Heißt das jetzt, dass man nichts gegen die Rechten auf der Buchmesse unternehmen kann? Jein. Man kann ihnen, dazu stehe ich, nicht mit Ausschluss und Verboten begegnen. Denn dann müsste man sich als Messe in jedweder Beziehung politisch neutralisieren. Was meinem Verständnis von Literatur vollkommen zuwider läuft.

Was wir, und damit meine ich alle im weitesten Sinne Kulturschaffenden, vielmehr brauchen, ist eine gesteigerte Rechtssicherheit. Also eine Aussage dazu, was geht und was eben nicht mehr geht. Wie die Messe selber sagt: Solange ein Werk nicht verboten ist, darf eine Zensur nicht stattfinden. Wenn ein Werk nun aber zu verbieten wäre, dann müssen die entsprechenden Instanzen, die es ja gibt, auch entsprechend schnell tätig werden.

Jeder von uns kann und sollte seinen eigenen kleinen Beitrag leisten. Dazu zähle ich aktive Gegenwehr gegen rechtspopulistische Strömungen in unserer Gesellschaft. Auch zähle ich dazu die Solidarisierung mit allen, die durch die Anhänger dieser Strömungen diffamiert, diskriminiert oder ausgegrenzt werden.

Wir müssen nur scharf aufpassen, dass wir die Trennlinie nicht überschreiten zwischen dem, was moralisch richtig ist und dem, was uns selber in unserer Haltung angreifbar macht. In Frankfurt wurde diese Linie, nach allem, was ich weiß, leider stellenweise überschritten. Und am Ende sitzen die Populisten auf der Bühne und freuen sich einen Keks, dass sie die weltweite Aufmerksamkeit auf ihrer Seite haben und irgendwo, an irgendeinem Stammtisch, ein weiterer Mensch beschließt, ab sofort die AfD zu wählen.

Darin sehe ich die wahre Gefahr.

Thema Sicherheit: Und dann macht es KRACK

Heute wird es ein wenig technisch auf diesem Blog, aber wirklich nur ein wenig, weil ich einfach schamlos die relevantesten Infos verlinken werden, sofern sie jetzt schon vorliegen. Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, wenn ich versuche, Sachverhalte in umschreibende Worte zu kleiden, für die Experten in diesen Dingen schon passende Worte gefunden haben.

Seit gestern geistert ein Begriff durch das Internet, der sich so liest, als sei er aus der Übersetzung eines Donald-Duck-Comics entsprungen: KRACK. Ich hatte das zuerst allerdings gar nicht mitbekommen, weil ich gestern direkt nach dem Job schon wieder unterwegs war, um mir mit den „Female Voices 2017“ ein Rock-/Metal-Minifestival in Bochum anzuhören. Deswegen trafen mich die alarmierenden Neuigkeiten unvorbereitet.

KRACK steht für „Key Reinstallation Attack“, also in etwa „Attacke durch Neuinstallation des Schlüssels“. Es bezieht sich auf das (bis jetzt?) sicherste Verfahren zur Verschlüsselung von WLAN-Funknetzen, den sogenannten WPA2-Standard, der in eigentlich allen moderneren Servern und Clients Verwendung findet, die drahtlos miteinander kommunizieren.

Bis jetzt hatte man geglaubt, dass WPA2 de facto nicht zu kompromittieren sei, auch wenn es immer mal wieder gegenläufige Aussagen gab. Jedenfalls galt das hinterlegte Passwort als sicher und aufgrund der Verschlüsselung für nicht knackbar.

Und das ist das „komische“ an dieser neuen Art der Attacke: Das Passwort ist wohl nach wie vor sicher, denn der potentielle Angreifer setzt an einer ganz anderen Stelle an. Dazu muss ich doch ein wenig technisch werden, fürchte ich.

Das WLAN-Signal wird durch einen Server, in den meisten Fällen einen Router (etwa die Speedport-Modelle der Telekom oder die Fritz!Boxen von AVM) ausgestrahlt. Der Client, also das Gerät, welches das Signal auffängt und sich gerne verbinden möchte, sendet nun seinerseits, dass er da ist und Kontakt haben will. In Folge beginnen die beiden Geräte eine Art Austausch miteinander darüber, ob sie kompatibel sind, ob der Client das Kennwort kennt, usw.

Unter anderem tauschen die beiden Geräte auch eine Session-ID miteinander aus, die nichts anderes bedeutet, als dass die Geräte für die Dauer dieser Sitzung miteinander verbunden bleiben können. Und hier setzt nun der Designfehler in WPA2 an, der es möglich macht, die weiteren sicherheitsrelevanten Schritte zu umgehen: Der Angreifer kann sich einklinken und kann die übermittelte Session-ID ein weiteres Mal verwenden. Dies öffnet ihm Tür und Tor auf den Datenaustausch zwischen dem Client und dem Server – ganz ohne Kenntnis des Passwortes.

Besonders betroffen von dem Problem sind, nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge, Geräte, die auf Linux- oder Android-Basis arbeiten. Hier soll es teilweise sogar möglich sein, die Session-ID mit Nullwerten auszuhebeln.

Eine positive Nachricht gibt es allerdings auch: Verschlüsselter Datenaustausch, im Browser erkennbar an dem Präfix https:// bzw. auch, je nachdem, an einem geschlossenen Sicherheitsschloss, kann nicht mitgehört werden. Dementsprechend braucht sich also wohl niemand Sorgen um seine Geschäfte im Online-Banking zu machen.

Die negative Nachricht ist allerdings, dass durch die Art des Fehlers ein Update der Software des Servers, also des Routers, nicht ausreichen wird. Vielmehr müssen alle Clients einzeln versorgt werden. Und das ist Aufgabe des Herstellers.

Für die großen PC-Betriebssysteme liegen wohl bereits entsprechende Patches vor, wenn man den Meldungen Glauben schenken kann. Schwieriger wird die Lage bei den 1397 verschiedenen Smartphone-Varianten, die dort draußen im Umlauf sind. Viele werden von ihren Herstellern gar nicht mehr gepatcht oder wenn doch, dann vielleicht erst in Monaten.

Aber weswegen ich den Fall überhaupt hier, auf einer dem Schreiben und dem Lesen gewidmeten Seite, in epischer Breite auswalze, ist das: Denkt nur einmal an all die eReader, die ihr zum Lesen benutzt. Denkt an WLAN-Drucker, auf denen ihr eure Manuskripte ausdruckt. Denkt an das obskure China-Netbook, auf dem ihr eure Texte schreibt.

Ob alle diese Geräte ein Update erhalten werden? Ich fürchte, dass nicht. Zumindest kann ich es mir für mein China-Netbook nicht vorstellen (wobei, bevor das Argument wieder kommt, die Lage bei einem Aldi-Netbook wahrscheinlich nicht rosiger aussähe). Und auch Amazon wird mich wohl eher zum Kauf eines neuen Kindle-Fire auffordern, als noch einen Patch für mein Tablet der dritten Generation nachzuschieben. Wie sich Brother als Hersteller meines Druckers stellen wird, wage ich noch gar nicht einzuschätzen.

Und das sind nur die Geräte, die unmittelbar mit dem Schreiben zu tun haben! Was ist etwa mit dem Amazon-Fire-TV oder dem Smart-TV, auf dem ihr eure bevorzugte Serie schaut, um euch inspirieren zu lassen? Was ist mit der Spielkonsole, auf der ihr zur Entspannung ein wenig zockt? In einigen Ecken des Internets diskutieren sie bereits über die Folgen, die KRACK für die Steuerung eines Smart-Home, also etwa eure Heizung, haben könnte.

Bis jetzt ist das alles bewiesene Theorie, nur ein Proof of Concept in einem belgischen Labor. Und es ist ein es dieser typischen Probleme der Sorte „mit Geld kann man alles lösen“. Aber dennoch ist es alles andere als trivial. Nicht zuletzt für meinen Etat.

Jetzt habe ich doch versucht, in meinen Worten zu erklären, was da eigentlich passiert ist. Trotzdem verlinke ich euch noch die Übersichtsseite von Heise Security, die ich in den nächsten Tagen etwas intensiver im Auge behalten werde. Ebenso wie die Internetseiten des einen oder anderen Hardwareherstellers. Vielleicht überrascht mich ja eine Firma wie Amazon, eine wie Teclast oder eine wie Vernee doch noch positiv.

Wenn man eines als Autor frühzeitig lernt, dann ist es, dass man die Hoffnung niemals aufgeben sollte.