„Der Goldene Tod“ – Der neue Anfang

Nein, meine Lieben, ich werde jetzt nicht zum gefühlt dreißigsten Mal die Geschichte wieder aufrollen, wieso es notwendig wurde, zu meiner Geschichte „Der Goldene Tod“ einen neuen Anfang zu schreiben. Ihr wisst schon: Kurzgeschichte, die nicht mehr kurz sein wollte, und so.

Weil mir heute ein wenig die Inspiration fehlt, was ich euch schönes erzählen könnte, dachte ich mir, dass euch vielleicht interessiert, wie dieser neue Anfang aussieht. Immerhin hatte ich euch „damals“ ja auch den Einstieg in die Kurzgeschichte präsentiert.

Hier also, heute, jetzt, weltexklusiv und noch absolut ungeschminkt, der Beginn meines NaNo-Beitrags 2016 mit dem Titel „Der Goldene Tod“ :-).


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Die ganze Welt schaukelte. Samuel Liebenthal erwachte aus unruhigem Dämmerschlaf, richtete sich auf, stieß mit dem Kopf irgendwo an und schloss die Augen sofort wieder. Das hatte gesessen!

Nicht nur, dass ihm sowieso noch der Kopf von den Tiraden der Matrone, mit der er bis Würzburg das Abteil hatte teilen müssen, dröhnte, jetzt kamen auch noch handfeste Kopfschmerzen hinzu.

Er hasste das Bahnfahren!

Alles daran war ihm einfach zuwider: Das Schlagen der Waggons auf den unebenen Schienen, das Gepfeife der Lokomotive, wenn sie wieder irgendeinen Bahnübergang oder Tunnel passierten. Den Gestank des Qualms, der trotz der geschlossenen Fenster durch alle Ritzen in das Wageninnere zog.

Das alles erinnerte ihn viel zu sehr an Frankreich.

Das beste, was man machen konnte, wenn man dazu gezwungen war, eine längere Fahrt mit der Eisenbahn zu unternehmen, war es, zu schlafen. Das hatte er auch getan. Dank seiner alten Erfahrungen waren ihm praktisch direkt nach der Ausfahrt aus dem Hauptbahnhof von Frankfurt am Main die Augen zugefallen. Leider hatte das Vergnügen nicht lange gedauert, bis ihm das unerbittliche Schicksal, diese Frau Meyerling in das Abteil gespült hatte.

Und Frau Meyerling gehörte eindeutig zu den Frauen, die sich gerne reden hörten.

»Was sind das nur für Zeiten?«

Das war ihre Lieblingseröffnung gewesen.

»Was sind das nur für Zeiten, in denen eine alleinstehende Frau mit irgendeinem Mann zusammen in einem Abteil reisen muss? Nichts gegen Sie, junger Mann«, nein, natürlich nicht, dachte Samuel, »aber früher, Sie wissen schon, da hätte es das nicht gegeben. Da wurde noch auf Anstand und Sitte wert gelegt.«

Ganz ungeachtet der Tatsache, dass es ihm so fern wie irgendwas lag, in Hinblick auf Frau Meyerling, »verwitwet seit fünfzehn Jahren«, Anstand und Sitte zu verletzen, ging sie ihm einfach auf die Nerven. Alleine seine gute Erziehung verhinderte, dass er dies auch deutlich zum Ausdruck brachte.

So hatte er ihren nicht zu stoppenden Redefluss über sich ergehen lassen, hin und wieder an Stellen genickt oder den Kopf geschüttelt, die ihm passend zu sein schienen, und ansonsten den Mund gehalten. Und darauf gewartet, dass sie irgendwann aussteigen würde.

Diesen Gefallen hatte sie ihm kurz hinter Würzburg getan, nicht ohne ihn wissen zu lassen, dass es seltsame Zeiten waren, in denen eine Frau nicht nur alleine reisen, sondern sich auch noch alleine um ihr Gepäck kümmern müsse.

Sei es drum, ihn scherte das nicht weiter. Die Episode mit Frau Meyerling war nervtötend gewesen, aber ansonsten nicht von weiterer Wichtigkeit. Dennoch hatte er, nachdem er bange Minuten damit verbracht hatte, darauf zu warten, ob das Schicksal noch so einen üblen Scherz mit ihm vorhatte, die Augen geschlossen und zu dösen begonnen.

Sein gut funktionierender Zeitsinn, ein weiteres Überbleibsel aus Frankreich, hatte ihn jetzt wieder wach werden lassen und als er nun erneut die Augen öffnete, war die Müdigkeit wie weggewischt. Und gegen die sich ankündigenden Kopfschmerzen würde sich auch ein Mittel finden lassen.

Samuel Liebenthal reckte sich auf seinem durchgesessenen Sitz und stand dann auf, um ein paar Leibesübungen zu machen. Dadurch, dass er das Bahnfahren nicht mochte, hatte er sich unwillkürlich verkrampft. Und diese Verkrampfung musste er nun erst einmal loswerden.

Dabei fiel sein Blick auf seine Tasche, die er in dem Gepäckfach über seinem Kopf untergebracht hatte. Es war eine einfache Reisetasche, nicht besonders groß, die gerade ausreichend Platz für ein wenig Wechselkleidung und seine Toilettenartikel bot. Das Gros seines Gepäcks, die wirklich wichtigen Dinge, wurden im Gepäckwagen für ihn aufbewahrt.

Samuel hätte es niemals verwunden, wenn ihm der Inhalt des schweren Koffers gestohlen worden wäre, während er zum Beispiel den Abort benutzte. Der Verlust könnte ihn weitaus mehr als nur symbolisch das Leben kosten.

Samuel seufzte und griff nun nach der Reisetasche. Er holte sie herunter und stellte sie neben sich auf den Sitz. Dann sah er kurz aus dem Fenster, auf die nichtssagende Landschaft davor und öffnete die Tasche.

Zuoberst lag ein Briefkuvert. Der Umschlag machte einen edlen und teuren Eindruck auf ihn und Samuel, der sich mit so etwas mittlerweile auskannte, hegte keinen Zweifel daran, dass der Absender sich dieses Papier einiges hatte kosten lassen. Zusammen mit dem in Wachs geprägten Siegel war der Anschein komplett, es hier mit Post eines wichtigen Menschen zu tun zu haben.

Im krassen Widerspruch dazu stand, dass Samuel noch nie etwas von dem Absender gehört hatte, bevor der Brief ihn am gestrigen Abend mit Botenzustellung erreicht hatte. Dabei glaubte er, sich inzwischen in den Kreisen des Adels ganz gut auszukennen.

Er nahm den Umschlag hervor, auf den mit etwas krakeliger Schrift, die so gar nicht zu dem edlen Gesamteindruck passen wollte, sein Name geschrieben stand. Er öffnete ihn und zog die eine Seite Papier, nicht von minderer Qualität als das des Umschlags, heraus, um sie noch einmal zu lesen.

Viel war es nicht, was in dem Brief stand.

»Werter Herr Liebenthal, mein Herr, der Graf Alois von Oberstforst, lädt Sie ein, ihn in einer geschäftlichen Angelegenheit auf seinem Anwesen zu beehren. Verwenden Sie das beiliegende Geld für den Erwerb eines Zugbilletts. Wir erwarten Sie morgen am Bahnhof von Meitingen.«

Die Unterschrift war noch unleserlicher als die restliche Schrift. Samuel nahm an, dass dieser Graf von Oberstforst einem seiner Angestellten die Aufgabe übertragen hatte, den Brief zu schreiben. Und was für eine Stellung dieser Mensch auch hatte, er war es nicht gewohnt, die Feder zu führen.

Sein Instinkt hatte ihm eigentlich davon abgeraten, sich auf diese Fahrt einzulassen, aber da zum einen der Bote, der ihm das Schreiben gebracht hatte, schon wieder verschwunden war und er zum anderen dringend das Geld für einen neuen Auftrag brauchen konnte, hatte er seine Zweifel überwunden und sich für die Reise fertig gemacht.

Auch wenn das Ganze mehr an einen Befehl denn an eine freundliche Einladung erinnerte. Und mit Befehlen hatte Samuel schon reichlich schlechte Erfahrungen gesammelt.

Samuel steckte den Brief zurück in den Umschlag. Leider hatte er keine Zeit mehr gehabt, sich über das Ziel seiner Reise kundig zu machen. Es fuhr heute genau ein Zug von Frankfurt aus, der über Meitingen ging. Immerhin wusste er nun, dass dieser Ort in Bayern, unweit von Augsburg lag.

Wie da ein Graf von Oberstforst dazu passte, konnte ihm dieses Wissen jedoch nicht erklären. Und auch der Schaffner, der seine Fahrkarte kontrolliert hatte, konnte ihm keinen Aufschluss geben.

»Von einem solchen Mann habe ich noch nie etwas gehört«, hatte er auf die entsprechende Frage gebrummt. »Wenn er schon einmal mit der Bahn gefahren wäre, dann könnte ich mich sicher an ihn erinnern. Ich fahre die Strecke bereits seit fünfzehn Jahren. Mit Unterbrechungen, natürlich.«

»Natürlich«, hatte Samuel geantwortet und freundlich genickt. Sie alle hatten Unterbrechungen in ihren Lebensläufen. Das war normal in diesen Zeiten, wie Frau Meyerling es vielleicht ausgedrückt hätte.


 

Musik zum Schreiben: Drei Alben für den NaNoWriMo 2016

Schreiben und Musik ist immer so eine Sache bei mir. Mal geht es sehr gut zusammen, dass ich Musik höre, während ich mich auf meine Charaktere und die Handlung um sie herum stürze, mal ist es für mich praktisch nicht auszuhalten, wenn ich auch nur die kleinste Ablenkung habe. Ich finde es selber immer wieder überraschend, wenn ich das eine oder das andere Extrem feststelle.

Im diesjährigen NaNo hat es beide Phasen schon gegeben. Einige Tage lang habe ich in absoluter Stille geschrieben. Na ja, was man mit einer mechanischen Tastatur so Stille nennen kann ;-).

Aber dann kam plötzlich der Impuls nach Musik, nach Atmosphäre, nach Stimmung. Der Impuls, noch ein wenig Unterstützung haben zu wollen.

Dabei sind es (bis jetzt) drei Alben, die immer wieder in der Rotation landen und die ich deswegen hier einmal ein wenig vorstellen möchte.

Mike Oldfield – Tubular Beats

Wer meinem Blog schon ein wenig folgt, der weiß, dass Mike Oldfield zu meinen absoluten Lieblingsmusikern gehört. Das Album Tubular Beats hat einige seiner schönsten Tracks einmal kräftig durch den Ambient-Wolf gedreht und ihnen so noch einmal neue Facetten abgewonnen. Stücke wie das hier vorgestellte „Let There Be Light“, „Ommadawn“ oder „Far Above The Clouds“ eignen sich ganz hervorragend zum Schreiben. Aber auch die neuen Versionen von klassischen Songs wie „Moonlight Shadow“ oder „To France“ haben ihren ganz eigenen Reiz.

Moby & The Void Pacific Choir – These Systems Are Failing

Moby gehört sicherlich zu den Musikern, die man niemandem mehr gesondert vorstellen muss. Und genau deswegen lohnt es sich, zu diesem Album, das gerade vor einigen Wochen erschienen ist, ein paar Worte zu verlieren. Wo Moby in den letzten Jahren vor allem durch ruhige Tracks wie das sattsam bekannte „Why Does My Heart Feel So Bad?“ auffiel, ist dieses Album wesentlich energetischer. In manchen Stücken wird es sogar wieder richtig punkig wie in Mobys Anfangszeit. Ein Album für die etwas aufregenderen Passagen eines Romans.

Covenant – Leaving Babylon

Covenant sind eine skandinavische Band, die einen ganz eigenen Zugang zu treibender Elektronik für sich gefunden haben. Dabei harmonieren die charismatische Stimme von Sänger Eskil Simonsson und die mal harten, mal pulsierenden Arrangements der Musik so gut miteinander, dass es bisweilen schwer ist, sich der Auswirkung auf den Schreibfluss zu widersetzen. Covenant liefern die Blaupause für melancholische Stimmung ebenso wie für stringente Storyentwicklung.

Aber jetzt entschuldigt mich bitte, das viele Erzählen über Musik und das Schreiben hat mich in Schreibstimmung gebracht :-).

Der Sonntagsreport vom 13.11.2016

Guten Abend, meine Lieben!

Irgendwie ist dieses Wochenende deutlich schneller vergangen als die davor, kann das sein? War denn schon wieder Zeitumstellung und man hat uns eine Stunde geklaut? Oder zehn?

Ich hatte jedenfalls große Mühe, alles das, was ich am Wochenende erledigen wollte, auch in diese zwei Tage zu quetschen. Und wenn ich ehrlich sein soll, habe ich es nicht geschafft. Aber gut, ich denke, euch interessiert weniger, dass ich eigentlich noch ein paar Fotos von CDs machen wollte, die ich bei eBay verkaufen will. Muss ich halt nachholen. Euch interessiert wahrscheinlich auch nicht, dass ich es nicht geschafft habe, alles zu bügeln, was ich mir vorgenommen habe. Und dass ich irgendwie ein bis zwei Jeanshosen vermisse …

Aber doch, so sind sie eben auch, die Leiden eines Autors. Das richtige Leben lässt sich nicht ausschalten und das ist ja eigentlich auch ganz gut so. Denn nur aus diesem Leben kann man Inspiration ziehen, Motivation und auch Hoffnung.

Ja, Hoffnung ist ein ganz wichtiges Thema der vergangenen Woche gewesen. Ich habe etwas, auf das ich mir Hoffnung machen kann, wie ich ja in einem Beitrag schon angedeutet habe. Und das ist ein schönes und gutes Gefühl, kann ich euch verraten! Am liebsten würde ich es sofort in die Welt hinausbrüllen, aber es gibt da eben noch so kleinere Fragezeichen – auch wenn im Moment im Hintergrund eifrig daran gearbeitet wird, dass diese kleiner und noch kleiner werden.

Ansonsten drückt mir mal die Daumen, dass die Chinesen hinne machen. Ich habe mir doch ein neues Smartphone und am Freitag ein neues Tablet/Convertible geleistet. Und jetzt sollte das Ganze bitte auch endlich mal verschickt werden bzw. ankommen. Aber das ist eben der immaterielle Preis, den man zu zahlen hat dafür, dass man weniger an monetärem Preis zahlt. Amazon liefert zwar in manchen Gegenden am gleichen Tag, aber das halt auch zu entsprechenden Preisen. Und an beiden Geräten habe ich ordentlich gespart.

Aber egal, genug von mir als Person und hin zu dem, worum es in diesem Blog eigentlich geht, wie ich immer so gerne zu sagen pflege:

Mein Schreiben:

Die zweite Woche des NaNoWriMo liegt hinter uns und ich kann sagen, dass ich trotz allem immer noch einen guten Tag im Plus liege. Das ist nicht mehr ganz so viel, wie es zwischendurch gewesen ist, aber ich fühle mich damit ganz gut. Ich glaube, viel mehr muss ich euch zum NaNo fast nicht schreiben, denn ihr seid ja innerhalb der Woche immer mal wieder live dabei, wenn ich zu diesem Thema berichte.

Für diejenigen, die gezielt den Sonntagsreport ansteuern, nur eine Kurzfassung: Ich habe in meinem Roman zu Beginn eine Struktur gewählt, die mir ein wenig Kopfweh bereitet hat. Und zwar berichtete ich alternierend von Samuels erstem und seinem aktuellen Einsatz als Geisterjäger. Das hat den Vorteil, dass in einer der beiden Zeitebenen gleichzeitig eine Menge an Informationen zusätzlich zur Handlung vermittelt werden kann.

Die andere Zeitebene bereitet dafür auf die eigentliche Handlung vor, in die ich nun so richtig einsteigen kann. Darauf freue ich mich schon, so wie ich mich generell über diesen Roman freue.

Ich habe es schon einmal irgendwo geschrieben, aber den Satz finde ich immer noch richtig und wiederholenswert: Es war die richtige Entscheidung, die Kurzgeschichte über Bord zu werfen und einen Roman daraus zu machen. Ansonsten hätte ich mich womöglich doch geärgert.

Mein Blog

Einen Tag habe ich nicht gebloggt und schon bricht wieder meine komplette Statistik ein. Woran liegt das nur? Glauben die Menschen, die an einem Tag mal nichts Neues finden, dass ich mich jetzt sofort und für alle Zeiten in Luft auflösen werde oder mich schon aufgelöst habe? Ehrlich, ich verstehe es nicht. Wenn einer von euch eine Idee dazu hat, dann bitte immer gerne zu mir damit.

Ansonsten merkt man dem Blog schon an, dass ich mich auf den NaNo konzentriere. Meine Artikel sind nicht ganz so lang wie sonst, was dem einen oder anderen ja vielleicht sogar entgegen kommt. Dabei liegen einige Themen bei mir im Arbeitsordner, über die ich gerne noch gebloggt haben wollte.

Auf jeden Fall werde ich für die nächste Woche eine neue Folge von „Das Schreiben der Anderen“ vorsehen. Und ich gehe mit mir selber hart ins Gericht, ob ich nicht trotz meines Aberglaubens zumindest ein wenig die Katze aus dem Sack lassen soll, was die Neuigkeiten angeht … aber darauf nagelt mich nicht fest.

Multimedia

Heute will ich die Rubrik zwar nicht ausfallen lassen, aber es gibt nicht viel zu berichten. Ich habe exakt gar keinen Film geschaut in der letzten Woche, weil mir dazu exakt jede Zeit gefehlt hat. Ich lese, leider nur sehr sporadisch, in dem Roman „Love Me The Hard Way“ von Margaux Navara, der mir sehr gut gefällt. Aber wenn ich den ganzen Tag um den NaNo gekämpft habe, fällt mir das Lesen schwer. Zumal der Stoff des Romans nun auch nicht das Ideale ist, um ihn morgens in der Kälte auf dem Bahnsteig zu lesen ;-).

Musik habe ich zum Schreiben gehört in dieser Woche. Insbesondere drei Alben waren dabei immer wieder in Rotation. Ich habe vor, diese Woche einen Blogeintrag dazu zu verfassen.

Famous Last Words

Übermorgen ist schon wieder Halbzeit im NaNo. Un-glaub-lich! Und wie immer fühlt es sich so an, als ob es kein Leben danach gäbe. Gibt es aber. Und ihr werdet, rein blogtechnisch, dabei sein.

Macht es gut!

Euer Michael

NaNo Tag 10: Worüber rege ich mich eigentlich auf!?

Gerade gestern habe ich euch ein dramatisches Bild von meiner Lage in Hinblick auf den NaNo gezeichnet. Wie ich dann später in den Kommentaren zu Evanesca Feuerblut sagte, verfolge ich in diesem Jahr aus irgendeinem Grund meine eigenen Statistiken nicht mit der Akribie, wie ich es in der Vergangenheit gerne getan habe.

Nun – hätte ich es mal getan! Denn dann hätte ich beizeiten festgestellt, dass ich, nachdem ich heute mein Tagessoll erreicht hatte, einen Puffer von ziemlich genau 3.000 Wörtern herausgeschrieben habe. Die NaNo-Seite gibt schließlich genauen Aufschluss darüber, wieviel man schon geschrieben hat, wie viel man noch schreiben muss und an welcher Stelle im Schreibprozess man sich gerade befindet.

Heute fiel mir das Schreiben übrigens sehr leicht!

Im Moment bin ich ja, sozusagen, bei der Einführung meiner Charaktere. Das mag jetzt komisch klingen, in Anbetracht der Menge, die ich schon geschrieben habe, aber es ist meinem Aufbau geschuldet.

Ich habe im Moment praktisch zwei Erzählstränge, von denen einer in der Gegenwart und einer in der Vergangenheit spielt. Ihr kennt ja schon die Besonderheit meines Protagonisten Samuel Liebenthal, der ein verhinderter Geisterjäger ist, oder vielmehr so tut.

In der Gegenwartshandlung wird er zu einem neuen Fall gerufen und es geht darum, was bei seinem Auftraggeber geschieht (das ist der Erzählstrang, der ursprünglich mal die Kurzgeschichte werden sollte). Darin eingebettet sind immer wieder Einsprengsel die zeigen, wie und wieso aus Samuel das geworden ist, was er nun ist. Auf diese Weise liefere ich am Anfang praktisch einen Geisterfall „gratis“ mit und vermittle einiges an Hintergrundwissen, ohne zu einem Infodump greifen zu müssen.

Und beide Stränge sind jetzt so weit gediehen, dass die Haupthandlung in der Gegenwart bald richtig losgehen kann.

Doch, ich kann nach wie vor sagen, dass der Roman mir eine Menge Spaß macht. Er ist mal wieder etwas Neues, was ich so vorher noch nicht geschrieben habe. Und ich mag Experimente :-).

NaNo Tag 9: Auf der Suche nach dem verlorenen Tag

Am Sonntag habe ich kein einziges Wort am NaNo-Text „Der Goldene Tod“ geschrieben. Das hat mich zwar nicht gerade in Rückstand gebracht, aber dennoch meine Sicht auf die Veranstaltung einmal auf Links gekrempelt.

Wie ihr euch erinnern werdet, habe ich im Vorfeld des NaNo immer betont, dass ich versuchen möchte, den Schreibmonat als etwas zu sehen, das Spaß machen soll, keine Pflicht ist, sondern Freude. Vergnüglich.

Diese Leichtigkeit des Seins ist mir nach dem „verlorenen Tag“ ein wenig abhanden gekommen. Ich habe mich insbesondere gestern, aber auch schon vorgestern, dabei ertappt, wie meine Gedanken beinahe ständig um diese 1.667 Wörter kreisten. Wobei es zu diesem Zeitpunkt für mich schon nur noch 1.500 Wörter oder so im Mittel waren, die ich brauchte.

Mein Magen signalisierte mir sehr deutlich, dass ihm ein weiterer Zeitverlust nicht behagen würde. Ach, was schreib ich vom Zeitverlust: Es geht wirklich um die Suche nach dem verlorenen Tag, nach den verlorenen Wörtern.

Was ich auch gemerkt habe, war, dass die Wörter, die ich tatsächlich schrieb, irgendwie falsch zu sein schienen. Mein innerer Kritiker hat sich auf Maximalleistung gestellt und jeden Buchstaben unter die Lupe genommen. Die meisten haben ihm nicht wirklich gefallen.

Ich kenne dieses Verhalten von mir. Es stellt sich dann ein, wenn ich mich selbst unter Druck setze. Genau das, was ich im NaNo nicht machen wollte.

Wo kommt der Druck denn nun her? Ich denke, es ist das Gefühl, etwas schaffen zu wollen oder zu müssen. Und da liegt der NaNo nun einmal direkt vor meinen Füßen, bereit, aufgesammelt zu werden – oder über ihn zu stolpern.

Mir ist gegenwärtig vollkommen unverständlich und unvorstellbar, wie ich es letztes Jahr geschafft habe, den NaNo mit einer derartigen Entspannung zu schreiben, wie sie mir erinnerlich ist. Oder täuscht mich da mein Gedächtnis? In diesem Jahr scheint mir für alles die Zeit zu fehlen. Und das, wo vielleicht noch zwei andere Projekte in den Startlöchern stehen, zu denen ich aber noch nichts schreiben kann oder will.

Gestern habe ich mein Tagessoll erreicht. Aber solange ich nur das Soll erreiche und mir nicht wieder einen adäquaten Vorsprung herausarbeite, würde mich jeder neue „verlorene Tag“ wieder zurückwerfen und mir neue Probleme bescheren, die sich nicht ohne Weiteres lösen lassen.

Was kann ich also tun?

Möglichkeit eins ist, so komisch es klingt, noch härter daran zu arbeiten, es leichter zu nehmen. Zu versuchen, mir die Einstellung zu erarbeiten, die ich doch so gerne an den Tag gelegt hätte.

Möglichkeit zwei könnte ansonsten nur sein, den NaNo 2016 abzubrechen und in aller Ruhe an der Geschichte weiterzuschreiben, wenn ich gerade Zeit, Lust und sonst alles habe, was hilfreich sein könnte.

Ich denke, dass ich nur mit Methode eins glücklich werden kann. Ansonsten würde ich mir immer vorhalten, zu früh aufgegeben zu haben und schlimmstenfalls vielleicht sogar die Arbeit an „Der Goldene Tod“ völlig abbrechen. Dabei mag ich den Roman, ich mag die Idee dahinter und ich mag den Stil, den er bis jetzt hat. Nach gut 16.000 Wörtern, die ich geschrieben habe, kann ich mir über den zumindest eine Meinung bilden, denke ich.

Also werde ich weiter machen und aufpassen, dass mir keine Tage mehr verloren gehen. Drückt mir die Daumen.

Der Sonntagsreport vom 06.11.2016

Einen wunderschönen guten Abend zusammen!

Meine Güte, es ist schon wieder so verdammt spät am Tag, aber wir waren heute so viel unterwegs, dass ich kaum an meinen Rechner gekommen bin. Was prinzipiell ja nicht tragisch ist, aber die eine oder andere Verpflichtung dann doch ein wenig ausbremst. So habe ich heute zum Beispiel kein einziges Wort an meinem NaNo-Projekt geschrieben. Zum Glück habe ich schon ein Polster herausarbeiten können, so dass mich das nicht zurückwirft.

Und schon sind wir mitten im Geschehen. Diese Woche ist also der NationalNovelWritingMonth wieder losgegangen und ich bin mit dem Roman „Der Goldene Tod“ dabei. Zu dem erzähle ich euch die Tage noch einmal ein wenig mehr, die Entstehungsgeschichte habe ich euch in der Zwischenzeit ja schon so oft erzählt, dass sie euch eigentlich zu den Ohren wieder herauskommen müsste.

Online gegangen ist am Montag die Geschichte „Der Hunter und der goldene Tod“, die ich für Nike Leonhard geschrieben habe, und die es bis auf Weiteres exklusiv auf ihrem Blog zu lesen gibt. Ich würde mich über euren Besuch freuen und über eure Meinung natürlich auch!

Ansonsten war die Woche jetzt nicht so aufregend, dass ich euch viel über sie erzählen könnte. Und auf andere Weise war sie es eben doch. Gerade in dieser Woche habe ich gemerkt, dass ich eine ganze Menge gleichzeitig zu stemmen versuche und es irgendwie auch geregelt bekomme. Es schafft Energie, wenngleich es sie auch nimmt.

So fehlt mir im Moment zum Beispiel beinahe die Energie für diesen Sonntagsreport und ich versuche, das durch ein wenig aufputschende Musik (Covenant) auszugleichen. Noch geht es, aber ich denke, ich halte mich heute mal wieder kurz ;-).

Mein Schreiben:

Ich bin, wie erwähnt, gut in den NaNo gestartet und stehe jetzt, nach der Zählweise von Papyrus, bei exakt 13.292 Wörtern. Die Sache mit dem Plotten hat leider mal wieder nicht so geklappt, wie ich sie mir gedacht hatte. Aber ich kann ja immer noch unterwegs ein wenig Plot festlegen. In meinem Kopf existiert ja sowieso eine grobe Struktur, so ist es ja nicht.

Des Weiteren habe ich von einer Testleserin den letzten Schwung an wirklich vielen und fundierten Anmerkungen zu „Der Beobachter und der Turm“ bekommen. ich muss es hier einfach noch einmal öffentlich schreiben: Ich bin begeistert und finde es großartig, dass sich da jemand die Mühe gemacht hat. Für mich! Dass das Gesamtfazit dann auch noch positiv ausgefallen ist, ist natürlich auch nicht schlecht :-).

Mit dem Exposé das ich unbedingt noch geschrieben haben wollte, habe ich bis jetzt übrigens genau gar nichts angefangen. Ich muss schauen, dass ich das in den nächsten Tagen auf die Kette bekomme.

Mein Blog

Ich habe mich sehr gefreut, dass die Aktion „Das Schreiben der Anderen“ positives Feedback bekommen hat! Ich habe noch ein paar Rezensionen, die ich dafür aufbereiten kann und werde dann versuchen, auch zeitnah weitere zu liefern. Tatsache ist leider, dass ich im NaNo deutlich weniger zum Lesen komme, weil das Lesen in der Mittagspause wegfällt. Aber ich gebe mein Bestes, dass die Rubrik mit Leben gefüllt wird!

Ansonsten bestimmte die Berichterstattung zum NaNo auch ein wenig den Blog. Aber ich versuche, ein ausgewogenes Verhältnis zu wahren. Ab sofort kann ich euch ja auch ein wenig zum #Projekt24 erzählen. Auch hierzu: später mehr.

Multimedia

Seht es mir nach, dass ich diese Rubrik heute mal wieder ausfallen lasse. Aber es wird auf meiner Uhr irgendwie immer später …

Famous Last Words

Ich wünsche euch allen eine gute Nacht und einen guten Start in die neue Arbeitswoche!

Beste Grüße

Euer Michael

NaNo Tag 4: Kleine Motivationsprobleme stellen sich ein

In den vergangenen drei Tagen war ich im Prinzip ständig mit den Gedanken bei meinem Romanmanuskript. Ja, auch während der Arbeitszeit, wobei mich das ja nicht am Arbeiten hindert. Jedenfalls nicht spürbar, was ich für die Hauptsache halte.

Heute allerdings habe ich das erste Mal einen kleinen Hänger. Ich denke an die Geschichte und habe das Gefühl, dass sie mich selbst nicht wirklich reizt. Das ist jetzt kein besonderes Alarmsignal, denn man kann ja nicht erwarten, dass man von einer Woge der Euphorie durch den gesamten NaNo getragen wird.

Außerdem habe ich in den letzten drei Tagen schon über 9.000 Wörter geschrieben, so dass mir selbst ein Tag, an dem ich kein einziges Wort hinzufüge, nicht wirklich weh täte.

Woran liegt es nun aber, dass ich mich so fühle?

Ich denke, ich kenne den Grund und würde es als ein strukturelles Problem, entstanden aus der ursprünglichen Kurzgeschichte, die der Roman ja mal werden sollte, ansehen.

„Der Goldene Tod“ umfasst bis jetzt die Anreise des Geisterjägers Samuel Liebenthal auf die Burg des Grafen von Oberstforst. Daneben habe ich aber, um meinen Protagonisten als Person genauer zu etablieren, die eine oder andere Rückansicht auf seine Anfänge im Geschäft eingebaut.

Rückblenden sind in Romanen immer etwas problematisch, aber da es sich in diesem Fall ja nicht um einen Suspense-Roman handeln wird, jedenfalls nicht in Bezug auf seine Hauptperson, ist es meines Erachtens nicht notwendig, erst langsam und allmählich die Dinge zu benennen, die Samuel in seiner Rolle ausmachen. Im Gegenteil finde ich es spannender, schnell zu zeigen, wie er in die Situation gekommen ist, in der er nun steckt.

Für mich als Discovery Autor hat das nur den Nachteil, dass ich das ja schon alles weiß. Es fordert mich nicht großartig, es aufzuschreiben. Und daran merke ich wieder einmal, dass es für mich nicht der richtige Weg wäre, alles minutiös vorzuplotten. Ich würde meines eigenen Texts überdrüssig werden.

Also warten wir mal ab, ob und wann und in welcher Form mich die Muse heute noch küssen wird. Die erste Begegnung zwischen Samuel und dem Grafen steht an. Und ich habe gestern einen Mann in einem Restaurant gesehen, der mir eine nette Schablone für den Grafen abzugeben schien. Leider konnte ich kein Foto von ihm machen ;-).

Ich halte euch auf dem Laufenden und wünsche jetzt erst einmal einen angenehmen Freitag!