„Darkride“: Vom Fügen und Auseinandernehmen

Ich glaube, inzwischen kennt ihr meinen Romanentwurf „Darkride“ schon ein wenig, oder? Dabei weiß ich gar nicht so genau, was ich euch bis jetzt vom Inhalt erzählt habe und was nicht. Es kann also sein, dass die folgenden vier Absätze euch fürchterlich redundant vorkommen, dann möchte ich euch bitten, sie einfach zu überspringen. Ansonsten seid gerne eingeladen, eine kleine Beschreibung der Ausgangslage zu lesen:

Das „Dreamland“ ist der größte Freizeitpark Deutschlands. Vor wenigen Jahren in der Nachbarschaft eines kleinen Ortes mit immensen Mitteln aus dem Boden gestampft ist es ein Mekka der Freizeitparkfans geworden. In diesem Sommer steht die Veröffentlichung des neuesten Themenbereichs, der sogenannten „Ghost World“ an. Parallel hierzu veranstaltet das „Dreamland“ einen Kongress der Freizeitparkforen, die sich im Internet etabliert haben.

Der unbestrittene Stargast kommt allerdings von weither. Ein japanischer Edelfan hat sich angesagt. Peinlicher Weise wird ausgerechnet dieser Japaner ermordet in einer der Themenfahrten des Parks aufgefunden.

Oberkommissar Jakob Dillken erhält den Auftrag, unter Wahrung größter Diskretion den Mord aufzuklären. Hinter dem „Dreamland“ stehen oberste politische Kreise, die einen Skandal abwenden wollen. Das Schlimme: Dillken hasst Freizeitparks und er fürchtet Achterbahnen.

Während er versucht, zwischen verrückten Fans, genervten Anwohnern und unnachgiebigen Bossen seinem Job nachzugehen, scheint ihm der Darkride-Killer immer mindestens einen Schritt voraus zu sein.

Ich hatte „Darkride“ ja schon als potentiellen Titel ins Gespräch gebracht, mit dem ich mich ggf. bei dem einen oder anderen Verlag bewerben würde. Konkret geht es dabei ja um das Label be des Bastei-Verlags, denen zwar meine Schreibe, nicht aber mein Konzept zu „Der Beobachter und der Turm“ gefallen hatte.

Da ich im Augenblick ein paar Tage Leerlauf habe, bis es mit „Der Morgen danach“ weitergeht, dachte ich mir, ich könnte mich ein wenig mit Textprobe und Exposé für „Darkride“ beschäftigen.

Der erste Schritt bestand allerdings darin, das Manuskript noch einmal zu lesen. „Darkride“ war der letzte Roman meines Schreibrauschs, der zwischen Oktober 2011 und Mai 2013 anhielt und in dessen Rahmen fünf Romane mit ungefähr 2.500 Seiten entstanden. Allerdings hatte ich auch nach ihm direkt mit einem weiteren Manuskript angefangen, bevor ich die Reißleine zog, weil ich Angst hatte, in einen schriftstellerischen Burnout zu geraten.

Das bedeutet, dass ich den Roman in seiner Gesamtheit bis heute nicht wieder gelesen hatte. Es ergab sich einfach nie die Zeit oder der Anlass dazu – und noch seltener der Punkt, an dem beide Dinge mal übereinstimmend vorhanden gewesen wären.

Aber was bot sich besser an als die Fahrt mit dem Zug nach Leipzig und von Leipzig zurück!? Ganz klare Antwort: Das war die Gelegenheit. Und so lud ich mir das Manuskript auf mein Convertible und habe mich die gut 11 Stunden, die ich insgesamt unterwegs war, damit beschäftigt.

Und ich muss sagen, ich bin gleich in mehrfacher Hinsicht überrascht. Negativ überrascht, um damit zu beginnen, bin ich davon, wie viele offensichtliche Tippfehler, Schreibfehler und Grammatikfehler in dem Manuskript sind. Da sah die Rohfassung von „Der Morgen danach“ vollkommen anders aus. Aber ich denke, daran kann man ablesen, dass es eine gute Entscheidung war, bald nach „Darkride“ das Schreiben erst einmal wieder für eine Weile auszusetzen. Ich war einfach übertaktet.

Die positiven Überraschungen überwiegen allerdings. Ich habe ja nun schon zwei aufwändigere Überarbeitungsrunden hinter mir und kann allmählich auf etwas wie einen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Und aus diesem heraus kann ich nur feststellen, dass der Plot des Romans Sinn macht, die Figuren in ihren Perspektiven (ich habe drei Perspektivträger) glaubwürdig sind und dass es nur wenige Füllszenen gibt. Klar, Kürzungen tun jedem Roman gut (und das aus meinem Munde …), aber mich haben jetzt keine Passagen angeschrieen, die so öde und die Handlung ausbremsend sind, dass sie unmittelbar herausgerissen gehörten.

Die positivste Überraschung, nein, eigentlich mehr Bestätigung, war dann aber der Umstand, dass sich die Geschichte wirklich von vorne bis hinten wie geplant liest – obwohl sie nicht geplant war.

Nein, nicht falsch verstehen, ich hatte, als ich begann, grobe Ideen. Der Ausgangspunkt war der tote Japaner. Ich wusste einiges über meinen Kommissar und auch über einige der Leute, mit denen er es im „Dreamland“ zu tun bekommen würde.

Was ich zum Zeitpunkt des Arbeitsbeginns nicht wusste war, wer der Täter ist, was sein Motiv darstellt und wie ich es in die Handlung einbauen kann.

Und das bei einem Krimi.

Doch auch wenn ich das nicht wusste, so haben sich die einzelnen Teile doch passend zusammengefügt. Ja, es scheint wie eine Fügung, dass am Ende ein in sich stimmiger und stringenter Kriminalfall entstanden ist, den ich für logisch aufgebaut und ansprechend präsentiert halte. „Darkride“ ist mein größtes Plädoyer dafür, dass es funktionieren kann, auf der Basis einer Idee in ein Manuskript zu starten und dann als Discovery Writer weiter zu machen.

Tja – jetzt muss ich dieses gefügte Manuskript nur auseinanderreißen, um ein anständiges Exposé daraus zu machen. Und ich muss mir überlegen, ob die berühmten ersten dreißig Seiten wirklich passend sind, wie sie sind, um den Stoff auch interessant zu machen. Dabei wissen wir doch sowieso alle, was da passiert: Eine Leiche wird gefunden. Nicht die originellste Eröffnung für einen Krimi, aber hey, es hat schon seinen Grund, dass das immer wieder so gemacht wird.

Im Moment bekomme ich noch nicht den richtigen Dreh, wirklich mit der Arbeit anzufangen. Aber die kommenden zwei Wochen habe ich Urlaub (Osterferien), da sollte sich vielleicht die Zeit und die Motivation finden lassen.

Ansonsten tretet mir gerne beizeiten in den Hintern! 😉

AWDML (9) Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Jedem Anfang wohnt ein besonderer Zauber inne, so sagt man. Und wenn dies auf etwas im Universum besonders zutreffend sein müsste, dann doch wohl dem geschriebenem Wort. Der erste Satz, so bekommt man immer wieder zu hören, sei der wichtigste eines ganzen Romans. Dieser erste Satz kann darüber entscheiden, ob Leser auch den zweiten lesen, die erste Seite, das ganze Buch.

Ich beschäftige mich, wie ihr gestern im Sonntagsreport lesen konntet, gerade mit dem Gedanken, vielleicht einen neuen Roman zu schreiben. Ein Projekt für den diesjährigen NaNoWriMo. Und in diesem Zuge bin ich auch wieder auf den ersten Satz aufmerksam geworden, der mir dafür im Kopf herumschwebt.

Diesen werde ich an dieser Stelle nicht verraten, weil ich fürchte, dass es Unglück bringen könnte, wenn ich von ungelegten Eiern schreibe. Und ja, ich bin, was so etwas angeht, geradezu krankhaft abergläubisch (auch wenn ich es niemals zugeben würde, wenn ihr mich direkt darauf ansprecht).

Aber ich dachte mir, dass ihr vielleicht Interesse daran habt, wie meine bisherigen ersten Sätze ausgesehen haben. Bei einigen von ihnen weiß ich, dass sie nicht das sind, was ich oben beschrieben habe. Aber sie sind ja auch in den meisten Fällen nicht über den ersten Entwurf hinausgekommen und müssen noch entstaubt, aufgehübscht und geschminkt werden :-).

Hier also, for your interest, die ersten Sätze meiner bisherigen Projekte. Die Jahreszahlen markieren das Jahr, in dem er erste Entwurf abgeschlossen wurde.

Angst im Perseus-Spiralnebel (1993):
Der Krieg war vorbei, Ruhe kehrte wieder in der Arcturian-Galaxis ein.

Expedition durchs All (1994):
Leya träumte wieder.

Kampf um Final Star (1996):
»Ich hoffe für dich, daß ich das nicht richtig verstanden habe!«, donnerte die gewaltig klingende Stimme der im Schatten sitzenden Gestalt.

Lichter (1999):
Ich hatte keine Ahnung, warum ich das alles überhaupt auf mich nahm.

Different Stories (2003):
Die Geschichte dieses Wochenendes im späten Frühling des Jahres 1991 begann ganz unscheinbar: Auf der neunzehnten Seite der in aller Welt geachteten und gelesenen London Times.

/97 (2005):
Jetzt schreibe ich schon vier Tage an dieser Studie über die letzten Tage von
/97.

Es zwingt einen dazu (2006):
Mit einem leisen Klingeln schloss sich die Ladentür hinter dem Mann, der sich nun eifrig umsah, als würde er etwas Spezielles suchen.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis (2009):
Als sich die Eingangstür hinter ihr schloss hatte Britta das Gefühl, in eine andere Welt einzutreten.

Der Morgen danach (2011):
Es war beängstigend, aus dem Nebel aufzutauchen, nur um festzustellen, dass der Nebel immer noch um ihn herum war.

Der Rezensent (2012):
Einige von euch werden sich sicherlich fragen, ob es das gebraucht hat: Noch eine Seite mit Besprechungen zu Hörspielen im Internet.

Das Haus am See (2012):
Irgendwann stellte ich fest, dass ich verrückt bin.

Der Ruf des Hafens (2013):
Wenn es ihm heute wieder nicht gelang, einen Fisch zu fangen, würde seine Familie hungern müssen.

Darkride (2013):
Eigentlich gehörte er nicht zu den Menschen, die sich im Dunkeln fürchten.

Der Redner (2015):
Mit einem satten Schmatzen fiel die Tür hinter Anton Lechleitner ins Schloss und schnitt ihn für einen Moment von seiner Umwelt vollkommen ab.

Der Beobachter und der Turm (2015):
Nichts tötet Liebe so zuverlässig und nachhaltig wie Hass!

Die Welt der stillen Schiffe (2016):
Wenn ich geahnt hätte, was mir blühte, als ich auf den beschissenen Vorschlag dieses beknackten Jörn Thoresen eingegangen bin, dann hätte ich ihm eins mit der Schippe über den Kopf gezogen, ihn liegen gelassen und wäre nach Hause gegangen, um mich zu besaufen.

Meine Güte, alleine diese Aufzählung sorgt schon dafür, dass ich ungeheure Lust aufs Schreiben bekomme *seufz*.

Also, wer weiß, vielleicht, irgendwie …

Ein leichtes Ziehen im Bauch

Beim Durchsehen meiner (schon wieder viel zu vielen) ungelesenen E-Mails bin ich gerade darüber gestolpert, dass die Anmeldungsseite für den NaNoWriMo 2016 an den Start gegangen ist. Ihr wisst schon, das ist diese Sache, bei der man im November einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern schreibt und sich dabei mehr oder weniger stark mit anderen Autoren vernetzt.

Ich habe bis jetzt zwei Mal erfolgreich am NaNo teilgenommen. Beim ersten Mal in 2013 entstand mein Roman „Der Ruf des Hafens“, beim zweiten Mal in 2015 das Finale von „Der Beobachter und der Turm“ und der Anfang von „Die Welt der stillen Schiffe“. Also drei Romane, die sich alle in einem „Universum“ befinden und so etwas wie eine Nordersand-Trilogie bilden.

Dieses Jahr werde ich nicht dabei sein, weder mit einer Geschichte aus dem hohen Norden, noch mit einer anderen Geschichte. Ich habe schlicht keine Zeit dafür. Ich muss überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten. Irgendwann muss nach dem Schreiben schließlich auch mal das Veröffentlichen kommen, oder?

Aber es zieht in meinem Bauch. Ein wehmütiges Ziehen, seit ich das Logo gesehen habe, das auch diesen Artikel ziert und dessen Rechte natürlich beim National Novel Writing Month liegen, der mir die Verwendung hoffentlich nicht übel nimmt.

Ein Teil von mir träumt immer noch davon, in irgendeiner Weise teilzuhaben an diesem alljährlichen Spaß. Ideen hätte ich genug, aber man soll ja nicht über Dinge reden, die noch nicht spruchreif sind (es sei denn, genügend Leute machen »Bitte, Bitte« *g).

Und so werde ich die E-Mail jetzt seufzend löschen, als ob das irgendwas ändern würde … denn das Ziehen im Bauch, es wird bleiben. Und bis zum November sogar noch stärker werden. Aber ich kann mich nun einmal nicht in zwei Hälften teilen.

*Seufz*

Wie steht es mit euch, werte Kolleginnen und Kollegen: Irgendwelche Teilnehmer, die ich im Auge behalten sollte?

Eine Welt formt sich in meinem Kopf

Ich habe meine Entscheidung getroffen: Falls ich jetzt nicht noch irgendwie unvorhergesehen krank werde oder einen Unfall habe, der mich vom Schreiben abhält, werde ich beim Literaturwettbewerb von Clue Writing, Überschrift „Schmerzlos“, teilnehmen. Da dort die Möglichkeit besteht, sowohl in einem eBook, als auch in einem Printbuch, als auch als Hörbuch zu erscheinen, wenn man gewinnt, wäre eine Nicht-Teilnahme beinahe schon fahrlässig.

Zumal ich spontan eine Idee hatte, was ich schreiben könnte. Und jetzt ist das passiert, was leider nicht so oft passiert: Mehrere Ideen haben damit begonnen, sich zu einer ganzen Welt in meinem Kopf zu verbinden!

Altgediente Mitleser erinnern sich wahrscheinlich noch an die Zeit, als es hier regelmäßig eine Kurzgeschichte zu lesen gab, die meistens auf den Schreibaufgaben von Hanna Mandrello (lange nichts gehört, ich hoffe, es geht dir gut!) fußten.

Im Rahmen dieser Aufgaben habe ich zwei Geschichten geschrieben, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hatten. Es handelt sich dabei um die Stories „Abschnitt 238/a“ und „Jupiters Moorland“.

In der einen der beiden Geschichten ging es darum, dass eine Grenzwache von einem Haufen Angreifer, der offensichtlich von einer herrschenden Klasse unterdrückt wird, überrannt wird, nachdem diese verzweifelten Menschen sich endlich zum Angriff entschlossen haben.

Die andere Geschichte zeigte einen Philosophen, der darauf stößt, dass das seine Welt beherrschende Konkordat ein verbrecherisches Regime ist, dem kein Menschenleben etwas gilt.

Heute fragte ich mich, nicht zum ersten Mal übrigens, ob diese beiden Geschichten nicht vielleicht mehr gemeinsam haben, als ich es ursprünglich vorhatte. Und jetzt kommt Geschichte Nummer drei ins Spiel. Die, die ich für die Ausschreibung schreiben werde. Ich habe beschlossen, dass diese ebenfalls in der Welt von „Abschnitt 238/a“ und „Jupiters Moorland“ spielen wird. An einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, aber mitten hinein in die dort angerissenen Spannungsfelder.

Dadurch, dass die drei Geschichten nicht als Einheit geplant waren, gibt es kleinere Widersprüche in den Bezeichnungen. Aber das ist nichts, was ein geübter Autor nicht aus der Welt kritzeln könnte ;-).

Und so sitze ich jetzt hier und kann mich kaum konzentrieren, weil mir Geschehnisse und Handlungsfäden durch den Kopf gehen, für die es noch viel zu früh ist. Nichts davon soll verloren gehen, aber alles davon aufzuschreiben, wäre auch verfrüht.

Im Moment weiß ich nur eins: Selbst wenn es bei dem Wettbewerb nicht für einen Gewinn reichen sollte, hat er mir die Vorlage für einen großangelegten dystopischen Roman geliefert. Vielleicht sogar für einen Mehrteiler.

Und hier für die, die noch einmal ihre Erinnerung an die beiden Geschichten, die es schon gibt, auffrischen, oder die sie neu entdecken wollen, die Direktlinks dorthin:

Abschnitt 238/a                  Jupiters Moorland

Unter der Dusche vom Blitz getroffen

Vorbemerkung: Dies ist ein Artikel ohne Bilder! Ich bitte, dies lobend zu berücksichtigen ;-).

Manche Autoren tun sich ja schwer damit, Ideen für ihre Romane zu finden. Sie grübeln und zermartern sich das Hirn, laufen stundenlang im Kreis herum auf der Suche nach einem Geistesblitz, einer Initialzündung oder doch wenigstens einem möglichen Anknüpfungspunkt.

Zu dieser Sorte Autoren gehöre ich nicht. Bei mir reicht es, wenn ich mich unter die Dusche stelle und meine Gedanken einfach ein wenig schweifen lasse.

Unter dem fließenden Strahl der Überkopf-Brause kommen mir manchmal Ideen ganz von alleine. Sei es, dass mir Szenen einfallen, welche die Handlung nach vorne bringen können, oder manchmal auch die Handlungen von ganzen Romanen. Auf diese Weise ist beispielsweise „Der Rezensent“ entstanden, der mit einem Mal vollständig vor meinem inneren Auge entstanden ist.

Heute hatte ich wieder so ein Erlebnis. Es fühlt sich an, als ob auf einmal die Luft in der Duschkabine elektrisch aufgeladen wäre. Dieser spezielle Strom von kreativer Energie konzentriert sich, fährt mir in den Schädel, explodiert dort und formt sich zu einer Idee.

Die Elemente, die dieses Mal zu der Geschichte geführt haben, sind

  • Die Fußball-Europameisterschaft der Herren,
  • ein Tweet, den ich auf Twitter abgesetzt habe und
  • die Tatsache, dass ich vor kurzem mein „Inkognito“ als Autor gelüftet habe.

Diese drei Dinge vermischen sich zu einer Thrillerhandlung, die ebenso mit dem Thema Stalking wie mit dem Thema Fandom zu tun haben wird.

Schade eigentlich, dass einem die Ideen immer dann kommen, wenn man gerade gar keine Zeit für sie hat, nicht wahr? Aber ich freue mich trotzdem darüber, denn ich wollte auf jeden Fall nach den Überarbeitungen der nächsten Zeit wieder einmal ins Thriller-Genre zurückkehren. Nachdem ich zuletzt drei Romane im Mystery-/Horrorgenre geschrieben habe, ist es mal deutlich an der Zeit dafür.

So heißt es jetzt für mich, ein Exposé zu schreiben, zum Reifen an die Seite zu legen und zu warten, was noch daraus wird. Im Moment ist es ein zartes Pflänzchen, eine Möglichkeit. Eine Option auf die schreibende Zukunft.

Und euch anderen Autoren, die ihr manchmal Spuren in eure Teppichböden lauft, kann ich nur empfehlen, auch mal öfter duschen zu gehen. Wer weiß, ob nicht neben dem Wasser auch eure kreative Energie auf einmal neu zu fließen beginnt!

Reblog: Lesezeit ist Lebenszeit – über Seiten-Schinderitis

Ich frage mich, seit ich den Kommentar von Christoph Schröder beim Boersenblatt gelesen habe, woher der gute Mann mich kennt, woher er meine Romane kennt und wieso ich auf einmal so ein schlechtes Gewissen habe ;-).

In seinem sehr lesenswerten Artikel geht er darauf ein, dass sich in letzter Zeit die Autoren, selbst die Newcomer, mit immer längeren Werken zu übertreffen zu versuchen scheinen. Ich muss ja gestehen, dass ich den Buchmarkt weitaus weniger genau verfolge, aber wer weiß, wofür es gut ist, wenn der arme Herr Schröder sogar schreiend in seinem Stuhl sitzt, wenn er die Verlagsvorschauen studiert.

Aber wo kommt jetzt mein eigenes schlechtes Gewissen her? Nun ja, natürlich von meinen Romanen. Denn ich gebe zu, ich bin auch manchmal anfällig für das Phänomen, das Schröder als Seiten-Schinderitis beschreibt. Natürlich mache ich das nicht bewusst, das wäre jetzt zu viel der Schande. Aber ich habe bei meinen Überarbeitungen gemerkt, dass es doch den einen oder anderen Part gibt, den man ohne nennenswerte Verluste entfernen kann.

Und selbst dann bringt es der dritte Entwurf von „Der Beobachter und der Turm“ noch auf 545 Normseiten. Über Mammutwerke wie „Der Redner“ (827 Seiten), „Das Haus am See“ (823 Seiten) oder „Lichter“ (liegt nicht in Normseiten vor, sind aber 420 volle A4-Seiten) breite ich an dieser Stelle besser den Mantel des Schweigens.

Meistens sind es Männer, die sich nicht zusammenreißen können

Bei mir hat es nichts damit zu tun, dass ich mich nicht zusammenreißen könnte. Ich habe einfach viel zu viele Ideen und Worte, die aufs Papier wollen. Ja, das sagen sicherlich alle maßlosen Schreiberlinge. Aber irgendwie muss ich doch mein schlechtes Gewissen beruhigen.

Nein, Hand aufs Herz, ich weiß, dass ich in diesem Zusammenhang Lern- und Nachholbedarf habe. Aber genau das tue ich mit jedem neuen Entwurf, mit jeder Phase der Überarbeitung: ich lerne! Und das ist auf Dauer die beste Beruhigung von allen.

Und falls ich irgendwann in einer dieser Verlagsvorschauen auftauche und mein Roman auch „viel zu lang“ sein sollte – dann kann ich mit dem Aufschrei von Herrn Schröder, glaube ich, ganz gut leben.

Ich würde ihm auch eine Mail schicken, in der ich mich bei ihm entschuldige ;-).

Frauen in meinen Romanen – Eine Bilanz zum Internationalen Frauentag

Heute ist der Internationale Frauentag und ich tue gar nicht so, als ob ich das gewusst hätte, bevor Wikipedia mich darauf stieß. Aber tröstet euch, liebe Leserinnen, wenn es einen Männertag geben sollte (gibt es sowas?), dann wüsste ich auch nicht, wann der ist. Dafür wird euch meine Frau bestätigen, dass ich noch nie den Valentinstag, unseren Hochzeitstag oder (für unsere Kinder wichtig) den Muttertag vergessen habe ;-).

Also – der Internationale Frauentag. Ein Tag, der vollkommen den Rechten der Frau gewidmet ist. In Deutschland in den letzten Jahren ein wenig zwiespältig gesehen, da der westliche Teil der ehemaligen Bundesrepublik diesen Tag nicht so hoch hielt, wie es die Mitmenschen im Osten, in der Deutschen Demokratischen Republik taten. Das hatte mit Sicherheit etwas damit zu tun, dass es sich beim Internationalen Frauentag ursprünglich um eine sozialistische Erfindung gehandelt hat.

Aber solche ideologischen Grenzlinien sind mir hier vollkommen fremd, weswegen ich auch den politischen wie den gesellschaftlichen Teil hinter mir lasse und zu meiner Arbeit als Autor komme.

Ausgehend davon, dass heute der Internationale Tag der Frau ist, habe ich mir einmal angeschaut, welche Rolle Frauen eigentlich in meinen Romanen spielen. Und ich gebe zu, dass ich ein wenig überrascht wurde.

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne starke Frauenfiguren in Romanen lesen. Aber ich tue mich manchmal mit weiblichen Hauptfiguren schwer, weil ich sie häufig als, wie soll ich sagen, bemüht empfinde. Insbesondere dann, wenn Männer über diese Frauen schreiben. Wahrscheinlich habe ich mich deswegen, mit einer prominenten Ausnahme, auch nie daran gewagt, Frauen wirklich ganz in den Fokus zu rücken. Aber immerhin kann ich behaupten, nicht dem typischen Klischee entsprochen und Frauen komplett ausgebootet zu haben. Auch hier mit einer kleinen Ausnahme.

Zu den Romanen im Einzelnen:


In der Silverstar-Trilogie ist Leya Kuvan eine mehr als gleichberechtigte Hauptfigur. Streng genommen müsste man sagen, dass sie der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist. Jedenfalls wenn man die Anteile dessen als Maßstab nimmt, was sie tut und was sie bewirkt. Abseits von ihr gibt es eher wenige weibliche Figuren. Mit Teil 2 werden einige eingeführt, die im Laufe der Zeit größeren Anteil hätten haben sollen, aber dann habe ich ja die Arbeit an der Serie eingestellt.

Der Roman Lichter hat mit Mel eine weibliche Mit-Hauptfigur, die durch ihre zurückhaltende Art oftmals durch die mitwirkenden Kerle in den Hintergrund gedrängt wird. Sie kann aber in einzelnen Szenen zeigen, dass sie nicht nur eine starke Meinung hat, sondern auch großes Durchsetzungsvermögen. Daneben gibt es keine weitere weibliche Rolle.

In Es zwingt einen dazu ist die Chinesin Chie Qwan Lu eine echte Hauptfigur, die der männlichen Hauptfigur wichtige Impulse für die Handlung gibt. Weitere weibliche Personen handeln eher im Hintergrund.

Mein Kinderbuch Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis hat einen Frauenüberschuss von zwei zu eins. Dabei ist Britta eindeutig die Anführerin und Hauptperspektivträgerin. Wenn man so will, bin ich also ausgerechnet in meinem für mich ungewöhnlichsten Buch von meiner sonstigen Linie abgewichen. Für mich überraschend.

Im Thriller Der Morgen danach spielen Frauen nur in Nebenrollen mit, auch wenn insbesondere einer von ihnen eine große Bedeutung zukommt. Die Sichtweise bleibt aber durchweg männlich in einem von Männern dominierten Umfeld. Auch eine Überraschung, dass ausgerechnet in dem Roman, den ich mit am rasantesten von meinen Büchern finde, keine starke Frauenrolle vorkommt.

Im danach geschriebenen Der Rezensent änderte sich das wieder. Nathalie kann man durchaus als gleichberechtigte Frauenfigur sehen, ihr zur Seite steht mit Julia eine etwas schwächere, aber in der Handlung sehr präsente Figur. Die Hauptperspektive liegt allerdings auch hier wieder bei einem Mann.

Das Ensemblestück Das Haus am See bietet Platz für jede Menge Frauenfiguren, von denen sich, alleine schon durch die Ich-Perspektive des Erzählers, kaum eine hervortun kann. Mit Linda gibt es eine gravierende Ausnahme, die aber dennoch nicht mehr als eine führende Nebenrolle einnimmt.

In Der Ruf des Hafens ist die junge Rieke als streitbare, ortsansässige und intelligente Frau die absolut gleichberechtigte Hauptfigur neben dem neuen Inselautor Stephan. In Nebenrollen tauchen auch weitere Frauen auf.

Beim Krimi Darkride besetzt Sandra Jung als Marketingleiterin des Freizeitparks, in dem der Roman spielt, eine sehr starke Frauenrolle, die nicht ganz groß genug ist, um von einer Hauptrolle sprechen zu können. Weitere Frauen agieren nur am Rand.

Der Horror-Roman Der Redner bietet mit Sarah, der Freundin eines der drei Protagonisten, eine sehr wichtige Nebenrolle auf. Sie ist damit aber auch schon die einzige wirklich wichtige Frau.

Ohne Frauen würde die gesamte Handlung von Der Beobachter und der Turm in sich zusammenbrechen. Sie handeln nie als Hauptfigur, sind aber mehr als wichtige Impulsgeberinnen. Allen voran natürlich Richards Ehefrau.

Und auch mein im Entstehen begriffener Roman Die Welt der stillen Schiffe besitzt mit der jungen Maria eine gleichberechtigte Hauptfigur, die allerdings ein wenig in den Mustern ihrer Zeit (immer dran denken, sie kommt aus dem Jahr 1941) verhaftet ist.


Ziehen wir also Bilanz:

In 14 Büchern (ich zähle jeden Silverstar-Teil einzeln) haben wir

  • 1 absolute Hauptfigur
  • 9 gleichberechtigte Hauptfiguren
  • 7 wichtige Nebenfiguren
  • 6 markante Nebenfiguren
  • und 2 Romane mit nennenswertem weiblichen Ensemble

Ist das jetzt gut oder ist das jetzt schlecht? Wer will schon darüber urteilen – wichtig ist es doch, dass es in sich und in den Geschichten stimmig ist. So würde ich das jedenfalls gerne sehen wollen. Aber wenn ihr anderer Meinung seid, dann lasst mir gerne einen Kommentar da! 🙂

Und an die Autoren und Autorinnen unter meinen Lesern mag ich die Frage richten, wie ihr mit dem jeweils anderen Geschlecht umgeht. Gibt es da irgendwelche Berührungsängste in euren Schilderungen? Oder signifikante statistische Auffälligkeiten? Ich bin gespannt!