Der neue Duden: 5.000 Worte, die man vorher noch nicht kannte

Für uns Autoren ist er ja so etwas wie Hassobjekt und verehrter Kultgegenstand gleichzeitig: Der Duden. Das anerkannte Standardwerk zur deutschen Sprache, aufgeteilt in viele Bände und Disziplinen, deren Mittelpunkt jedoch stets das Wörterbuch der deutschen Sprache bleibt. Sicherlich das Buch, an das man synonym denkt, wenn jemand vom „Duden“ spricht.

Nun ist der Duden in einer neuen Auflage erschienen und jedesmal wieder überschlagen sich die Freunde und Feinde der Materie mit ihren Anmerkungen und Einlassungen. Denn eines steht fest, so sicher, wie das Amen in der Kirche: Recht machen können es die Macher des Bandes nie allen.

Da gibt es die Menschen, die darüber jammern, dass zu viele Anglizismen Einzug gehalten haben, die unsere deutsche Sprache verwässern würden. In diesem Zusammenhang bin ich übrigens immer versucht, ein möglichst teutonisches „teutsch“ zu benutzen.

Andere mokieren sich, dass Modewörter, die doch bitte hoffentlich und überhaupt nur für eine Saison tanzen, in das Wörterbuch aufgenommen und damit geadelt werden.

Wenn man heute an verschiedenen Orten im Netz nach den verschiedenen Reaktionen sucht, dann wird man sehr schnell fündig werden. Über den einen oder anderen Einwand kann man durchaus auch schmunzeln, wie über den eines Twitter-Nutzers, der bemerkt, dass die Aufnahme des Wortes „futschikato“ ungemein den Mann erfreuen wird, der dieses Wort 1958 als weltweit Letzter verwendet hat.

Was übrigens nicht ganz stimmt, denn ich kann mich an ein Hörspiel aus dem Jahr 1985, circa, erinnern, wo es auch Verwendung fand. Aber das nur am Rande.

Für uns Autoren ist der neue Duden eigentlich ein Pflichtprogramm – sollte man meinen. Ich persönlich sehe es ein ganz klein wenig anders, denn der Duden ist für mich nicht Bibel, sondern Unterstützung. Ich liebe es, meine geschriebenen Texte durch den automatisierten Duden-Korrektor zu schicken. Denn der kennt Wortkonstruktionen, die ich nicht kannte und ist auch in der Lage, solche Konstrukte, die nur ich mir ausgedacht habe, zu markieren und mich zum Umdenken zu bewegen.

Insofern freue ich mich jetzt schon auf die neue Ausgabe des Duden-Korrektors für den PC, der sich dann, hoffentlich, wieder so gut wie der bisherige bedienen lässt. Nämlich dermaßen unauffällig, dass man schlicht nicht mitbekommt, wie er im Hintergrund von Programmen wie SoftMaker Office oder Papyrus Autor werkelt.

Einen Duden in Papierform habe ich seit der Schulzeit nicht besessen. Ich sehe auch keinen (Zusatz-)Nutzen in ihm.

Apropos Schule: Dort wäre sein Einsatz vielleicht wünschenswert, alleine er wird nicht eingesetzt. Ich habe von meiner schulpflichtigen Tochter noch nie gehört, dass sie mal mit diesem Ding gearbeitet hätte. Vielleicht gibt es ihn auch gar nicht an der Schule. Oder nur in einer Auflage, in der vielleicht, so gerade eben, das Wort „Computer“ auftaucht. Wobei ich mich noch erinnern kann, dass es damals, als es genau um dieses Wort ging, auch schon eine Kontroverse gab, ob man dafür nicht einen schönen, teutschen, Begriff finden könnte.

So betrachtet ist der Duden auch immer eine Art Zeitreise.

Wie dem auch sei, jetzt hat die deutsche Sprache also offiziell 5.000 neue Worte, mit großem ß und allem, was sonst noch so dazu gehört. Bleibt mir nur noch, allen Beteiligten viel Spaß damit zu wünschen! 🙂

Mein Traum vom eigenen Buch: Ein Rundgang durch die Vergangenheit

Vergangenheit. Eine Zeit, mit der wir uns permanent auseinander zu setzen haben, sei es im Guten, sei es im Bösen. Die Gegenwart hat es an sich, dass sie sich quasi im Sekundentakt in Vergangenheit verwandelt und damit Dinge aus unserer Reichweite nimmt, sie unserer Kontrolle und unserem Einfluss entzieht. Ein falsches Wort gesagt, einen falschen Handgriff getan – und die Katastrophe kann da sein.

Wie gut haben es dann doch wir Autoren, die – in sehr vielen Fällen jedenfalls – in unseren Geschichten die Vergangenheit beschreiben, sie aber auch umschreiben. Und wenn uns etwas an ihr nicht mehr passt, dann können wir sie auch einfach mit einem Federstrich oder dem Druck auf die Delete-Taste ausradieren.

Das Schreiben eines Blogs ist in dieser Hinsicht noch eine Besonderheit. Ich schreibe einen Eintrag und veröffentliche diesen – und damit ist er in die Welt gesetzt. Da ich in meinen Blogeinstellungen eingestellt habe, dass ich sofort den vollständigen Text als E-Mail an meine Follower sende, könnte ich nicht einmal mehr, wenn ich es wollte, seine Verbreitung verhindern.

Aber auch der Blog selbst hat seine Vergangenheit. Bald zweieinhalb Jahre gibt es ihn nun und ich kann, wenn ich mich mit ihm und seiner Vergangenheit beschäftige, die Entwicklung sehen, die er und ich genommen haben.

Gerade in den letzten Tagen habe ich einmal einen solchen Rundgang durch das Archiv unternommen. Der Hintergrund hierzu ist, dass demnächst die Website der BartBroAuthors, des Autorenvereins, dem ich angehöre, relauncht wird und die Mitglieder dazu eingeladen sind, sich für den angeschlossenen Blog mit Beiträgen zu beteiligen. Ich habe angeboten, einige meine älteren Beiträge noch einmal zu überarbeiten und für die Nutzung frei zu geben.

Dafür habe ich mir eine Vielzahl der über 780 Beiträge, die bis jetzt hier veröffentlicht wurden, im Schnelldurchlauf noch einmal angesehen. Und ich fand es bemerkenswert – und auch ein wenig unheimlich, wie sehr an manchen Stellen die Veränderungen greifbar sind.

Ich stieß auf Texte, in denen ich mit meiner Arbeit hadere. Ich sah Momentaufnahmen, in denen ich nicht wusste, wie es denn jetzt weitergehen soll. Allzu oft bin ich mal nach links gegangen, dann nach rechts getaumelt und schien, aus heutiger Sicht betrachtet, den passenden Weg verloren zu haben.

Ich weiß jetzt wieder: Auch wenn ich heute manchmal glaube, ziellos unterwegs zu sein, im Vergleich zu früher ist es geradezu ein Musterbeispiel an Stringenz.

Aber ich habe auch Augenblicke noch einmal erlebt, die einfach schön waren! Da war natürlich die Fertigstellung der Romane, die in dieser Zeit entstanden sind. „Der Redner“, „Der Beobachter und der Turm“ und „Die Welt der stillen Schiffe“ sind auch Kinder dieses Blogs und ja, auch des Austauschs, der über diesen Blog zu Lesern und Autoren zustande gekommen ist.

Ich habe noch einmal die Momente passiert, an denen ich beschlossen habe, aus der Anonymität heraus zu gehen und mich mit allem, was dazu gehört, als Autor zu präsentieren. An einige der Artikel konnte ich mich noch erinnern, als seien sie gestern erst geschrieben worden. Andere waren dafür so gut wie vergessen und es war spannend, sie noch einmal zu lesen.

Und ich habe wieder einmal gelernt, dass wir zwar nicht in der Vergangenheit leben sollten, aber dass wir ohne unsere Vergangenheit nicht das wären, was wir heute sind. Kein Mensch, kein Autor, niemand.

Ich habe eine Reihe von Texten ausgesucht, die ich mir nun noch einmal vornehmen werde. Dabei geht es vor allem auch darum, sie ein Stück weit zu „neutralisieren“. Denn ich habe gesehen, dass ich quasi von Beginn an versucht habe, diesen Tonfall zu finden, der die persönliche Ansprache meiner Leser möglich macht. Es war mir wichtig, euch als Personen wahrzunehmen und euch als Person gegenüber zu treten. Nicht umsonst habe ich euch gleich zu Beginn auf die Veranda meines Hauses eingeladen.

Individualität ist für einen Gemeinschaftsblog von vielen Autorinnen und Autoren zwar auch wichtig, aber ich zumindest finde, dass erkennbar sein muss, dass da ein Jemand im Namen von Vielen schreibt. Außerdem sichert es auch die Individualität des eigenen Blogs, dieses Blogs hier. Denn der soll das bleiben, was er ist: Mein Sprachrohr, meine ganz eigene Sicht auf die Dinge und mein Reisebegleiter.

Der erste Schritt ist getan und viele weitere sollen noch folgen. Aus der Vergangenheit, in die Zukunft hinein. Immer weiter.

Danke, dass ihr den Weg mit mir geht!

»Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Gestern hatte ich euch ja von den Büchern berichtet, die ich neu ins Bücherregal stellen kann. Zu einem dieser Bücher gab es eine witzige Begebenheit, die ich euch kurz schildern mag.

Es handelte sich ja bei allen Büchern um Geburtstagsgeschenke und wie das so ist, schauen sich die anderen Gäste, so sie denn mit Büchern etwas anfangen können (und ich habe zum Glück eine Menge Menschen um mich herum, bei denen das so ist), auch die „Auslage“ an.

In dieser befand sich nun ja auch der Roman „Club der letzten Wünsche“ von Tamy Fabienne Tiede. Ich darf an dieser Stelle für die, die den Roman nicht kennen, einmal den Klappentext zitieren:

Was würdest du tun?

Unter freiem Himmel schlafen, ans Meer fahren, dich ein letztes Mal Hals über Kopf verlieben?

Diese Fragen schwirren in Jesslyns Kopf, als sie die erschütternde Diagnose erhält: Sie hat Krebs. Dabei gibt es noch so vieles, was sie unbedingt erleben will. Also schreibt sie eine Liste, die ihre letzten kleinen und großen Wünsche erhält. Zum Glück hat sie gute Freunde, die ihr bei deren Erfüllung zur Seite stehen und ihr zeigen, dass das Leben – so kurz es vielleicht sein mag – wundervolle Momente bereithält.

Das Buch fiel meiner Cousine in die Hände, sie schaute sich das Cover an, stutzte, las den Klappentext, stutzte erneut, schaute dann erst ihren Lebensgefährten und dann mich ein wenig ratlos an und fragte dann: »Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Und ich muss gestehen: Ich hatte mir bis zu diesem Moment überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, weil das eigentlich für mich kein wirkliches Thema (mehr) ist. In meiner Art, zu lesen, haben sich nämlich in den vergangenen zwei Jahren enorme Veränderungen ergeben – spätestens seit dem Moment, in dem ich angefangen habe, mich für das Schreiben von befreundeten und mir persönlich bekannten Autorinnen und Autoren zu interessieren.

Früher wäre ich an einem Roman wie „Club der letzten Wünsche“ vorbei gegangen und zwar nicht, weil ich gegen „Frauenthemen“ generell eingenommen gewesen wäre, ansonsten müsste ich meine vollständige Serien-Edition von „Sex and the City“ rituell verbrennen, sondern weil ich einfach nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass mich so etwas als Roman interessieren könnte.

Aber durch die Vernetzungen, die bei mir stattgefunden haben, hat sich dies geändert. Ich lese inzwischen die Autorenseiten von Frauen (und Männern), die scheinbare Frauenromane schreiben. Der Roman, den ich gerade lese, „Ellas Schmetterlinge“ von Eva-Maria Obermann, ist ein reinrassiger Frauenroman – wobei ich den manchmal etwas abwertend benutzten Begriff Chick-Lit fast noch lieber mag.

Und ich lese auch bei ganz vielen Buchbloggerinnen und -bloggern mit, verlasse mich auf deren Urteile und lasse mich neugierig davon machen. Auf diesem Weg landete auch „Club der letzten Wünsche“ auf meinem Wunschzettel.

Aber das konnte ich in dem Moment so kurz alles gar nicht erklären, weil ich aus den genannten Gründen auch nicht (mehr) darauf vorbereitet war, eine Erklärung abzugeben. Deswegen habe ich irgendwie herumgedruckst und nur gesagt, dass ich mir da keine Scheuklappen auferlege. Das war sozusagen die Kurzfassung von dem, was ich jetzt, für euch, ein wenig weiter ausgeführt habe.

Was mich jetzt ja mal dringend interessieren würde: Wie sieht es denn bei euch so aus? So ein wenig kann ich euch, meine Stammleser und -kommentatoren ja inzwischen einschätzen, aber vielleicht mögt ihr mir dennoch verraten, ob ihr auch Romane lest, die eigentlich gar nicht für euch als Zielgruppe geschrieben zu sein scheinen. Habt ihr das immer schon gemacht? Hat sich da was verändert? Und wenn ja, warum? Oder seid ihr felsenfest bei den für euch „natürlichen“ Genres geblieben?

Ich bin sehr gespannt auf eure Gedanken hierzu! 🙂

Alle Männer gehen in den Puff und der Gärtner ist immer der Mörder

In Ergänzung zu meinem kürzlich geschriebenen Artikel über das Spiel mit den Erwartungen des Lesers habe ich heute eine Beobachtung bei mir gemacht, die ich noch einmal nachschieben möchte, weil sie viel von dem verrät, wie das mit den Erwartungen von Menschen funktioniert.

Ich musste heute mit unserem Wagen in die Werkstatt, weil das Tagfahrlicht seit zwei Monaten nicht funktioniert. Ja, so lange hat es gedauert, bis das Ersatzteil da war. Na ja, geschenkt. Die kürzeste Route zu meinem Autohändler des geringsten Misstrauens geht durch Duisburgs größtes Rotlichtviertel rund um die (auch überregional bekannte) Vulkanstraße. Ja, das ist die Gegend, über die ein ehemaliger Stadtplanungsdezernent mal gesagt hat, dass man schon am zweitklassigen Rotlichtviertel erkennen könne, dass Duisburg ein Problem habe. Keine Ahnung, ob der Mann über, ähm, Insiderwissen verfügte.

Nun gut, jedenfalls gibt es da eine Reihe von großen Laufhäusern und entsprechend einen ständigen Strom von Männern, die auf der Straße unterwegs sind, um in dieses oder jenes Haus hinein zu gehen.

Habt ihr gemerkt, was gerade passiert ist? Ich habe etwas unterstellt und ich würde beinahe darauf wetten, dass die meisten unter euch meiner Unterstellung übergangslos gefolgt sind. Wer im Rotlichtviertel unterwegs ist, der ist da unterwegs, weil er gewisse Bedürfnisse befriedigen will. Lassen wir die ganzen moralischen Erwägungen mal beiseite (wie es auch die Kommunen inzwischen tun, die vollkommen selbstverständlich eine „Sexsteuer“ erheben und damit ein Interesse an florierenden Geschäften haben), so haben wir doch die Erwartung, dass jeder, der dort herumläuft auf das Eine aus ist.

Verdammt, mir selbst passiert es ja, dass ich mir im Vorbeifahren die Männer anschaue und mir überlege, auf welchen Typ Frau die es wohl heute abgesehen haben. Und das, obwohl ich weiß, Obacht (!), dass in unmittelbarer Nähe zum „Vulkan“ mehrere Firmen angesiedelt sind, angefangen mit den Duisburger Stadtwerken auf der einen Seite und aufgehört mit der Firma Siemens auf der anderen Seite.

Ist es also vollkommen ausgeschlossen, dass die Männer, die da unterwegs sind, einfach auf dem Weg zu oder von ihrem Arbeitsplatz sind? Nein, ist es nicht. Aber ist es unwahrscheinlich? Möglich. Doch wenn das so ist, dann hat es vielleicht damit zu tun, dass auch die Männer, die dort unterwegs sind, sich vollkommen klar sind, was man von ihnen denken könnte.

Ich spreche da aus eigener Erfahrung, denn wie der Zufall es so will, liegt mein eigener Arbeitsplatz in Sichtweite eben dieser bewussten Gegend. Und wenn ich, was schon mal vorkommt, in der Mittagspause einen kleinen Spaziergang mache, dann nehme ich immer einen großen Sicherheitsabstand wahr, denn ich will ja nicht, dass jemand auf die Idee kommt, ich könnte zur Mittagsstunde …

Ihr seht also, wie schnell man in Erwartungshaltungen abrutscht, weil das Gehirn auf der Grundlage von Erfahrungen (gerne auch aus Funk und Fernsehen gesammelt) Überlegungen anstellt und Schlussfolgerungen zieht. Alle Männer, die auf der und um die Vulkanstraße herum laufen, gehen in den Puff. ISSO.

Genauso, wie in (älteren) Krimis immer der Gärtner der Mörder ist. Ja, ja, heute lachen wir über dieses Klischee und lassen vollkommen außer acht, dass es nur zu einem Klischee werden konnte, weil über einen gewissen Zeitraum hinweg die Damen und Herren Kriminalautoren es wirklich für den Gipfel der Originalität hielten, wenn das Gesinde hinter den mörderischen Vorgängen im Herrenhaus steckte.

Wenn, zum Beispiel, in einem Roman ein auch nur leicht missgebildeter Mensch auftauchte, dann war er wenigstens willfähriges Ausübungsorgan für den dahinter stehenden Schurken, der sich selbst nicht die Finger schmutzig machen wollte. Man vergleiche unter anderem bei Edgar Wallace. Dasselbe galt auch lange für Angehörige anderer Ethnien, wie zum Beispiel Afrikaner oder Asiaten.

Ich sehe uns Autoren in der Verantwortung, diese Klischees und Automatismen beim Schopf zu packen und aus unseren Werken herauszuziehen, wie es ja zum Glück in den letzten Jahren auch schon geschehen ist. Dadurch, dass Gärtner heute auch mal Opfer sein dürfen. Oder dadurch, dass Menschen anderer Herkunft auch mal den Kommissar geben dürfen. Und dadurch, dass auch Männer, die in einschlägiger Umgebung unterwegs sind, ganz normale Passanten sind – und nicht zuvorderst Puffgänger.

Wie immer gilt jedoch auch hier, dass jede Veränderung nur um der Veränderung Willen nicht per Definition gut ist. Denn viele Dinge werden so gemacht, weil sie eben einfach gut funktionieren. Es ist eine Frage der Abwägung, vor allem in Hinblick auf die Radikalität, die man an den Tag legt.

Und da freue ich mich, wenn ich zukünftig immer mal wieder von meinen Kolleginnen und Kollegen überrascht werde – nur, um dann vielleicht am Ende am meisten davon überrascht zu sein, dass der Gärtner doch der Mörder war und er deswegen auffiel, weil er immer – und zwar ausschließlich – nach seinen Morden im Rotlichtviertel abgehangen hat.

Alles ist möglich – und das ist auch verdammt gut so!

Was wir Autoren vom „schlechtesten Regisseur aller Zeiten“ lernen können

Ich hatte darüber schon auf Facebook geschrieben: Als ich gestern morgen die Nachricht erhielt, dass der Schauspieler Martin Landau gestorben war, war für mich sehr schnell klar, dass ich, quasi ihm zu Ehren, den Film ansehen würde, für den er 1994 einen mehr als verdienten Oscar erhalten hatte.

Der Film

In dem Film „Ed Wood“, der das Leben des jungen, dynamischen und notorisch erfolglosen Autors, Produzenten und Regisseurs Edward D. Wood jr. schildert, spielte Landau die Rolle des Bela Lugosi. Lugosi, der bei vielen heutigen Filmfans beinahe vergessen ist, wurde 1931 quasi über Nacht populär, als er in Universal Pictures Tonfilm-Adaption von Bram Stokers „Dracula“ die Titelrolle spielte.

Damit hatte der ungarisch-stämmige Schauspieler seinen Zenit in Hollywood erreicht, aber praktisch auch schon wieder überschritten. Er schlug im gleichen Jahr die Rolle aus, die aus Boris Karloff einen Superstar machte (Frankenstein) und musste sich im Folgenden mit Produktionen über Wasser halten, die entweder so gut wie kein Budget hatten, oder die inhaltlich eher schlecht als recht waren.

Tatsache ist, dass Lugosis Stern in den 50er Jahren, in denen „Ed Wood“ spielt, nicht nur am Verblassen war, sondern im Prinzip schon untergegangen war. Lugosi war alt, er war drogensüchtig und er war praktisch vollkommen mittellos.

Und etwa zu diesem Zeitpunkt kreuzten sich seine Wege mit denen von Ed Wood, einem glühenden Verehrer.

Landau spielt diese Rolle mit der nötigen Schwere. Man sieht seinem Bela an, dass er eigentlich noch in der glorreichen Vergangenheit leben möchte, aber dass er tief in seinem Herzen weiß, wie beschissen (Pardon) und aussichtslos seine Lage ist. Er ahnt auch, wie in einigen Szenen des Streifens gut vermittelt wird, wie tief gesunken er ist und dass er selber daran Schuld trägt. In der vielleicht bewegendsten seiner Szenen steht er in einem aufgestauten Tümpel, in dem er gleich mit einer Gummikrake kämpfen soll, und erzählt dem Filmteam, dass er es abgelehnt hat, „Frankenstein“ zu spielen. All die Last eines Lebens, das durch eine einzige Fehlentscheidung einen heftigen Absturz erlebt hat, wird hier fühlbar.

Ich müsste nachschauen, welche Schauspieler für den Oscar als Nebendarsteller in jenem Jahr noch nominiert waren, aber ich bin sehr sicher, dass die Wahl, die getroffen wurde, die richtige ist. In einem insgesamt sehr starken Ensemble, angeführt von Hauptdarsteller Johnny Depp, ragt Landau heraus und stiehlt jede Szene, in der er auftritt.

Ganz unabhängig von der Frage, ob man als Autor von der Ansicht dieses Films profitieren kann oder nicht, rate ich dringend dazu, ihn sich einmal zu Gemüte zu führen!

Das Buch

Der Stoff, auf dem dieser Film basiert, ist das gleichnamige Buch von Rudolph Grey, einer in Zitaten erzählten Biographie, über die ich tatsächlich in den Urzeiten dieses Blogs, also vor fast zwei Jahren, schon einmal geschrieben habe.

Ich möchte aus dem damaligen Text eine kurze Passage übernehmen, weil sie das zum Ausdruck bringt, was in der Quintessenz die Faszination des Buches ausmacht:

Die Geschichte von Ed Wood ist eine Geschichte des Scheiterns und von Gescheiterten. Und Rudolph Grey lässt sie alle in seinem Roman, der eigentlich nichts weiter ist als eine Zitatesammlung von Wegbegleitern Woods, zu Wort kommen. Am Ende hat man das Gefühl, Eddie in einer seiner immer schäbiger werdenden Wohnungen sitzen sehen zu können, wie er zwei bis drei Zigaretten gleichzeitig raucht, hier mal ein paar Absätze in die Tastatur seiner Schreibmaschine hämmert, sich dort zu einem anderen Projekt ein paar Notizen macht, dann wieder zum Telefon greift, um irgendwem vielleicht eine Idee verkaufen zu können und sich nebenbei noch mit seiner Ehefrau streitet.

Wood war ein Getriebener, der allerdings vor Ideen zur so sprühte. Dass es nicht immer die besten Ideen waren beweisen seine Filme, wie eben „Plan 9“ oder vor allem auch „Bride of the Monster“, ebenso wie die Tatsache, dass er am Ende seines Lebens Pornoromane schrieb, um über die Runden zu kommen.

Einer der traurigsten Absätze, die ich je über einen Schriftsteller gelesen habe, stammt aus diesem Buch:

Kathy Wood:

Er verpfändete seine Schreibmaschine um Geld für Schnaps zu kriegen […] Wenn wir Geld hatten, stand sie auf dem Schreibtisch. Wenn wir Geld brauchten, verpfändeten wir sie. Ich weiß nicht, wann es das letzte Mal war, aber es war … ein schlimmer Tag. Ein sehr trauriger Tag, an dem wir unsere Schreibmaschine verloren.

Die „Moral“ von der Geschichte

In meinem damaligen Text habe ich geschrieben, dass ich nicht wisse, was dieses Buch für mich so unheimlich motivierend macht, dass ich es inzwischen wirklich schon beinahe in seine einzelnen Bestandteile zerlesen habe und manche Passagen daraus auswendig hersagen kann. Ich denke, dass ich in der Zwischenzeit ein wenig klarer sehe.

Um als Autor zu einem Erfolg zu kommen, braucht man in diesen Zeiten folgende Zutaten: Glück, Glück, Talent, Glück, Arbeitswille, Glück, Arbeitswille, Mut, Glück, Zielstrebigkeit, Zielstrebigkeit und noch viel, viel mehr an Zielstrebigkeit!

Eddie Wood hatte von diesen Zutaten, wenn wir mal das Glück substrahieren, jede Menge. Er verbiss sich immer wieder direkt in das nächste Projekt, wenn er ein anderes zum Abschluss gebracht hatte. Das tat er nicht, weil er kein Interesse daran gehabt hätte, gute Arbeit abzuliefern und sein Geschriebenes zu überarbeiten (in einer Filmszene sagt Johnny Depp sinngemäß: »Man kann ein Manuskript gar nicht oft genug überarbeiten«), sondern weil er einfach durch seine Nöte und Zwänge dazu getrieben wurde, immer schon das nächste Projekt zu verfolgen.

Und er hatte eine Kreativität, die man loben muss, auch wenn manche Ideen (na gut, fast alle Ideen), nicht wirklich im Wortsinne gut waren. Aber wenn Wood ins Archiv der großen Filmgesellschaften auf dem Backlot von Hollywood ging und sich dort Filmschnipsel ansah, die sonst niemand haben wollte, schaffte er es, aus drei oder vier Versatzstücken schon fast ein halbes Manuskript in seinem Kopf zu formen.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass Wood, anders als wir, nicht die Chance hatte, einen missglückten Entwurf mal eben abzuspeichern und für später aufzubewahren. Er musste mit dem arbeiten, was er gerade hatte. Nicht nur, weil der nächste Film immer irgendwie fertig, der nächste Pornoroman irgendwie die Miete einbringen musste, sondern auch, weil er es sich wirtschaftlich gar nicht leisten konnte, etwas weg zu werfen. Papier und Farbbänder kosteten schließlich auch eine nicht ganz so kleine Kleinigkeit.

Was wir Autoren aber im Wesentlichen lernen können, ist Folgendes: Es ist keine Schande, wenn man scheitert! Es ist überhaupt kein Problem, wenn ein Projekt mal im Sande verläuft oder wenn es sich nicht entwickelt, wie man gedacht hat. Auch die zwanzigste Absage eines Verlags ist kein Problem. Zum Problem wird es erst, wenn man aufgibt! Erst dann hat man keine Chance mehr, die Sache noch zu einem guten Ende zu bringen.

Ed Wood war jemand, der im Prinzip nur gescheitert ist. Im tiefsten Inneren wusste er, dass Filme wie „Plan 9 from outer space“ oder „Glen or Glenda“ nicht so gut waren, wie sie mit ein wenig besseren Möglichkeiten hätten sein können. Aber er hatte nun einmal keine anderen Möglichkeiten, nicht mehr Geld, nicht mehr Zeit. Das hielt ihn nicht davon ab, Zeit seines Lebens seinem großen Idol Orson Welles („Citizen Kane“) nachzueifern.

Wir haben die Möglichkeiten! Jeder, der das hier liest, hat irgendeine Maschine, mit der er Texte schreiben kann. Und wenn das nicht, dann hat er eine Hand! Fünfhundert Seiten reinweißes Kopierpapier kosten heute 3,50 Euro im Supermarkt.

Und dann schreibt man. Und reicht seine Geschichten herum. Und schreibt weiter. Bis man irgendwann das Erfolgserlebnis hat, entweder „nur“ als Autor (bei einem Verlagsvertrag) oder auch als sein eigener Produzent (als Selfpublisher).

Die Moral von der Geschichte lautet, dass jeder es schaffen kann, Dinge zu erschaffen, an die andere sich erinnern werden. Selbst der von einigen so genannte „schlechteste Regisseur aller Zeiten“.

Nutzen wir diese Chancen, die wir haben. Auf dass wir es nie nötig haben werden, unsere Schreibmaschine, unseren PC oder unser Tintenfass zu versetzen!

»Ist es normal, Wörter zu zählen?«

Es ist schon eine kleine Weile her, als mich eine Suchanfrage, die jemanden auf meinen Blog geführt hat, heftigst zum Schmunzeln gebracht hat. Die Frage lautete sinngemäß: »Ist es normal, Wörter zu zählen?«

Nun, gehen wir mal davon aus, dass wir hier davon sprechen, dass jemand Wörter in einer entstehenden Geschichte zählt (oder zählen lässt). Wenn es sich um pathologisches Zählen handeln sollte, so wie manche Menschen ihre Schritte zählen, würde ich den Besuch eines spezialisierten Arztes anraten.

Aber für das Zählen von Wörtern gibt es eine ganze Reihe von Gründen, die mir einfallen:

  1. Man nimmt an einem Wettbewerb bei, bei dem eine Geschichte nur eine bestimmte Zahl von Wörtern umfassen darf,
  2. man hat sich zum Ziel gesetzt, einen richtigen Roman™ zu schreiben, der dafür mindestens xy Wörter haben „muss“,
  3. weil man einfach ein Statistikfreak ist.

Für mich war jahrelang der dritte Grund gerade gut genug. Wer sich ein wenig durch meine Beiträge auf diesem Blog wühlt, wird immer wieder Belege dafür bekommen, dass ich Wörter gezählt habe, weil ich Spaß daran hatte, meine Entwürfe zu vergleichen. Ich verglich sie der Länge nach, als ob es dafür irgendetwas zu gewinnen gäbe.

Meine erste Instanz waren dabei die im Internet kursierenden Statistiken bezüglich der Romane von Stephen King. Ich kann mich noch gut erinnern, dass da die Zählung bei 25.000 Wörtern für die erste größere Kurzgeschichte los ging. Der erste richtige Roman™ kam dann bei irgendwas um die 50.000 Wörtern („Amok“). Und irgendwann kamen dann Gefilde, die ich selber als „richtig“ definierte. Und das war dann meist erst bei Zahlen mit sechs Stellen der Fall.

Später dann, nachdem ich erst einmal selber genug richtige Romane™ geschrieben hatte, nahm ich auch diese zu Vergleichszwecken heran. Es entwickelte sich so eine Art Wettlauf gegen mich selbst und irgendwann ging es beinahe nur noch um höher, schneller oder weiter.

Dennoch würde ich sagen, dass das alles noch legitime Gründe sind, auch in den Auswirkungen.

Aber irgendwann wurde ich von meinem Zählwahn kuriert und ich kann auch genau sagen, wann das war. Das war der Zeitpunkt, zu dem ich ernsthaft in die Überarbeitung meiner Romane (ihr wisst schon) einstieg. Denn Überarbeitung hat im ersten Schritt ganz viel mit Streichen zu tun. Während des ersten Entwurfs schreibt man sich alles vom Herzen, von der Seele und vielleicht auch aus der Birne, was da drin ist. Dabei kommt eine Menge Stoff zustande.

Aber dann geht man einen Schritt zurück und sieht oft, dass man, um nur ein besonders plakatives Beispiel zu nennen, auf zwanzig Seiten dreimal beschrieben hat, wie eigentlich ein Haus von außen aussieht. Selbst wenn diese Beschreibung konsistent immer gleich ist (was sie in den seltensten Fällen sein wird), sind doch zwei Beschreibungen definitiv zu viel am Platz.

Wenn man nun hingeht und die Beschreibungen kürzt, ändert sich natürlich auch sofort der Wordcount. Und so kann es passieren, wird es passieren, dass der Roman, den man mühselig auf immer und immer mehr Wörter gepusht hat, hinten heraus so viele von ihnen wieder verliert, dass er im eigenen Ranking hinter andere Romane zurückfällt.

Gut, jetzt kann man sagen, dass das ja nichts daran ändert, dann man die Zahlen der ersten Entwürfe miteinander vergleichen kann. Klar, kann man. Interessiert nur hinterher keinen mehr. Nicht bei einem Roman, nicht bei einer Kurzgeschichte. Entscheidend ist das Endergebnis.

Das ist eine Erfahrung, die ich machen musste, die mich in Bezug auf den Zählwahn auch verändert hat. Heute zähle ich meine Wörter eigentlich nur noch dort, wo ich es muss. Nämlich bei Ausschreibungen. Anderenorts kommt es nämlich kaum auf sie an. Das war keine ganz einfache Erfahrung für mich, hat mir Wörterzählen und „viele Wörter schreiben“ doch schon seit der Schule Spaß gemacht. Aber es hat auch etwas Befreiendes an sich.

Um also dem unbekannten Fragesteller ganz konkret zu antworten: Ja, Wörter zu zählen ist normal. Es kann Spaß machen, es ist in mancherlei Konstellation auch gar nicht zu umgehen oder zu vermeiden. Aber man muss sich vor Augen halten, dass es an manchen Stellen letztlich keine Aussagekraft besitzt. Wenn dir der Spaß an der Freude reicht, dann mach dein Ding. Aber sei nicht enttäuscht, wenn dein Rekordmanuskript im Laufe der Zeit federn lassen wird.

Und fürs Protokoll: Dieser Text hat exakt 700 Wörter.

Die Profis aus der zweiten Reihe (oder: Was der Confederation Cup mit dem Schreiben zu tun hat)

Zunächst einmal ein dickes Sorry für diese lange Beitragsüberschrift. Aber ohne den Nachsatz hätte der Vorsatz keinen Sinn gemacht. Eh …

Gut, kommen wir zum Thema: Fußball! Nein, nein, bitte hier bleiben, wir streifen das Thema nur am Rande, meine Damen und Herren! Es ist nur Ausgangspunkt für eine kleine Betrachtung über die Wertigkeit von Arbeit und die Erwartungshaltung, die Menschen entgegen gebracht wird, die nicht in der Weise im Rampenlicht stehen, wie die großen Vorbilder es tun.

Gestern ist in Russland der diesjährige Confederations Cup zu Ende gegangen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat ihn in einem nicht ganz souveränen, aber packenden Finalspiel gegen Chile gewonnen.

Das ganze Turnier über zeigte sich die Mannschaft um Spieler wie Julian Draxler, Leon Goretzka, Timo Werner, Emre Can, Niklas Sühle, Amin Younes, Marc-Andre Tersteegen, Lars Stindl oder Sebastian Rudy in einer guten Form.

»Moment mal«, höre ich den einen oder die andere fragen, die sich jetzt nicht jeden Tag mit dem Thema schwarz-weißer Ball auseinander setzen. »Was für Leute sind das denn? Da kenne ich ja so gut wie keinen von! Was war denn mit Manuel Neuer, mit Thomas Müller, Toni Kroos, Mesut Özil, Mats Hummels und wie die alle noch heißen?«

Tja – die hatten gerade frei. Genauer gesagt hatte sich Bundestrainer Joachim Löw ausgedacht, dass er einige der etablierten und arrivierten Spieler mal in den Urlaub jetten ließ und dafür eine bessere „Jugend forscht“-Gruppe mit nach Russland nimmt.

Der überwiegende Tenor vor der Reise war, dass Deutschland am besten direkt zu Hause hätte bleiben können. Die Fußballwelt in- und außerhalb des Landes war sich einig, dass dieses Team gegen Mannschaften wie Chile oder Portugal, die jeweils mit Bestbesetzung anreisten, keine Chance haben würde.

Tja, so irrt der Lauf der Geschichte.

Und damit kommen wir zu den Geschichten. Denn viele Nachwuchsautoren, nicht nur im Bereich des Selfpublishing, aber gerade dort, stehen vor ähnlichen Problemen, wie die Younes, Sühles und Werners dieser Welt. Sie werden in der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Und wenn sie es doch werden, dann meistens in der Art und Weise, dass sie doch niemals an das Niveau der „besten“ Autoren heranreichen können.

Wer kauft schon einen Erwin Müller, wenn er einen John Grisham haben kann?

Wer eine Martina Mustermann, wenn eine Donna Leon verfügbar ist?

Und was bilden sich diese ganzen Heerscharen von Fantasy-, Thriller-, Krimi-, Liebes-, Horror-, und, und, und Geschichten eigentlich ein, dass sie sich auf den gleichen Markt begeben, auf dem auch die Großen spielen – und am Ende vielleicht sogar noch Geld dafür haben wollen?

In den Köpfen vieler Menschen ist leider immer noch nicht angekommen, dass es mehr Autoren auf der Welt gibt, die in der Lage sind, einen Handlungsfaden aufzunehmen, ihn zu stricken und zu einem wunderschönen Ergebnis zu vollenden, als die, die sich auf irgendeiner Bestsellerliste tummeln.

Die Menschen, die dann gerne fragen, ob man denn von seinem Schreiben leben kann, wie viele Bestseller man denn schon veröffentlicht hat, oder – der Klassiker – ob man eigentlich keinen richtigen Verlag gefunden hat, sind im übertragenen Sinn dieselben Menschen, die bei der Zusammenstellung des Kaders für Russland mit den Augenbrauen geschlackert haben. Getreu dem alten Motto, dass der Bauer das, was er nicht kennt, ganz einfach nicht isst.

Aber gehen wir für einen Moment weg von der Weltspitze. Reden wir nicht über Frau Rowling, Herrn King, Frau Leon oder Herrn Grisham. Es geht auch eine Nummer kleiner, nämlich zu Menschen, die noch nie einen Bestseller geschrieben haben und in diesem Leben auch niemals einen schreiben werden. Trotzdem leisten sie gute Arbeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten und es kann Spaß machen (macht es meistens), sich mit ihrer Arbeit zu beschäftigen.

Auch ein Spiel der Nationalmannschaft Maltas kann Spaß machen. Oder das Lesen eines Romans von Lieschen Müller. Meistens nehmen wir uns nur nicht die Zeit, unseren Blick dorthin zu lenken.

Und so vereint sich zum Ende meines Beitrags der Blick auf den Fußball und der auf das Schreiben wieder ein Stück weit. Die Menschen waren skeptisch, als eine (relative) No-Name-Truppe nach Russland geschickt wurde. Und die Menschen sind skeptisch, wenn sie auf Romane von Autoren stoßen, von denen sie nie gehört haben.

Ich möchte mir wünschen, dass diese Profis aus der zweiten Reihe als genau das wahrgenommen werden, was dieses Wort schon aussagt. Als Menschen, die in dem aufgehen, was sie tun, die sich reinhängen in das, was sie tun und die professionell leben mit dem, was sie tun.

Die Jungs beim Confed-Cup haben es geschafft, die Skeptiker zu überzeugen. Und wir Autoren werden es auch schaffen. Davon bin ich überzeugt!