Von der Schwierigkeit, eine Kurzgeschichte zu schreiben

Wenn ich einen Parameter dafür finden müsste, um auszudrücken, wie schwer mir das Schreiben in den letzten Monaten phasenweise fällt, dann könnte ich die Anzahl der geschriebenen Kurzgeschichten anführen. Oder, nein, eigentlich weniger die Anzahl der geschriebenen, sondern die der nicht geschriebenen. Und das wären eine ganze Menge.

Wie ihr wisst, habe ich hier im Blog schon eine ganze Reihe von Short Stories veröffentlicht. Die ganz überwiegende Mehrheit von ihnen hat gemeinsam, dass ich eine Idee ausgebrütet habe, die vielleicht auf eine Momentaufnahme, eine Wahrnehmung oder manchmal auch einfach auf die Nennung eines Titels zurückging. Danach war es meistens bis immer überhaupt kein Problem, die Geschichte, teils in kürzester Zeit, zu Papier zu bringen.

Dass dabei nicht immer große Kunst entstanden ist, ist klar. Aber dafür sind diese Geschichten ja auch nicht gedacht, sondern dafür, euch zwischendurch einfach mal etwas zum Lesen zu präsentieren. Wenn der komische Typ, der hier schreibt, schon der Ansicht ist, er sei ein Autor 😉 .

Tja – und nun stehe ich da und habe mir in letzter Zeit viel zu viele Gedanken gemacht, ob ich die Idee, die mir durch den Kopf geschossen ist, nun wirklich umsetzen soll. Und wenn ich dann zu dem Schluss kam, es doch einfach zu machen, dann ist es in die Hose gegangen.

Wer mir auf Twitter folgt (oder hier mal rechts auf die entsprechende Anzeige schaut) hat mitbekommen, dass ich im Moment an einer Kurzgeschichte schreibe. Eine der Geschichten, deren Idee mich schon vor einer ganzen Weile angesprungen hat.

Im ersten Anlauf habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, genau drei Sätze geschrieben. Dann habe ich sie wieder gelöscht und drei bis vier neue Sätze geschrieben. Danach habe ich auch die wieder gelöscht und die ganze Sache zu den Akten gelegt.

Ich habe es also ernsthaft probiert und bin daran gescheitert, dass es einfach nicht geklappt hat. Ich würde gerne sagen, dass es bestimmt daran gelegen hat, dass ich gleichzeitig so unheimlich viele andere Dinge geschrieben habe. Habe ich aber nicht. Weder hier im Blog, noch am Roman, noch irgendwas anderes.

Wenn ich ehrlich sein soll, dann war genau dieser Umstand die Motivation dafür, die Idee nun doch noch einmal aufzugreifen und mich dazu zu zwingen, diese Kurzgeschichte aufzuschreiben. Aber es zieht sich und quält sich. Wo ich früher eine Kurzgeschichte von 2.000 Wörtern in einer Stunde herausgeholzt habe, brauche ich nun mehrere Tage. Weil ich Pausen brauche. Weil Erschöpfung einsetzt.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob die Qualität der Geschichte davon profitieren oder darunter leiden wird. Aber wenigstens bin ich mir einigermaßen sicher, dass ich es schaffen werde, sie zu vollenden. Und dann stelle ich sie hier online und schaue mal, ob sie mir gefällt – oder nicht.

Nagelt mich aber nicht darauf fest, wann genau die Geschichte kommt. Wie ich schon sagte – oder zu sagen versuchte – ich bin da im Moment nicht ganz Herr meiner Entscheidungen. Und ob sie dann noch was taugt … nun, das werden wir dann ja sehen, nicht wahr? 🙂

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Wie soll das Kind heißen? (WiP)

In der Regel ist es ja ganz einfach: Man erfindet für seine Geschichte eine Figur, gibt dieser eine Form, eine Struktur, eine Bestimmung. Und dann krönt man das alles mit einem passenden Namen. Ein Name, der vielleicht schon ein wenig über die Rolle der Figur aussagt, vielleicht aber auch einfach ihre Gewöhnlichkeit unterstreicht. Und wenn sie nicht im Laufe des Romans stirbt, dann trägt diese Figur ihren Namen noch heute.

Schwierig wird es immer dann, wenn eine Figur mehr als einen Namen besitzt. Jedenfalls für den geplagten Autor, der sich dieses Dilemma zwar selbst eingebrockt hat, aber sich nun damit herumschlagen muss. Denn es gibt ja einen guten Grund, aus dem diese Figur  ein Alias mit sich herum trägt.

In meinem Fall hat es handfeste Gründe, aus denen eine zentrale Figur einen Tarnnamen bekommen hat.

Wie ihr wisst, geht es in meinem aktuellen Roman um ein jüdisches Kind, das von seinen Eltern aus einem Todeszug gerettet werden konnte und das nun von einer polnischen Familie aufgenommen wurde. Dieser kleine Junge hat einen typisch deutschen Namen und schnell wird den plötzlichen Pflegeeltern klar, dass es zu großen Problemen kommen könnte, wenn der Junge mit diesem Namen gerufen wird.

Die Konsequenz ist, dass sie sich einen Namen aussuchen, der eher polnisch klingt und einfach genug ist, damit das Kind sich daran erinnern kann. Da der Kleine in seinem Leben schon mehr gesehen und erlebt hat, als man in seinem Alter erleben sollte, ist ihm auch sofort klar, welchen Zweck diese „Umbenennung“ hat und gewöhnt sich schnell an seinen neuen Namen.

Soweit ist also eigentlich alles in bester Ordnung. Nur ich als Autor habe jetzt ein Problem, dessen Lösung mir noch nicht so richtig klar ist. Denn meine Protagonisten tun sich deutlich schwerer damit, diesen Namen zu verinnerlichen, als es das Kind getan hat.

In den Gedanken, die sich diese Menschen machen, und oft genug auch in den Gesprächen, die sie unter vier oder sechs Augen führen, können sie sich nicht entscheiden, wie sie den Jungen jetzt bezeichnen sollen. Manchmal benutzen sie den polnischen Namen, dann wieder den richtigen, den deutschen.

Das ist ein Mischmasch, den ich natürlich für die Geschichte vermeiden möchte. Aber ich weiß nicht, wie realistisch es ist, die Figuren auch den polnischen Namen denken zu lassen. Das ist in etwa so, als ob man genau weiß, dass der Himmel blau ist, man aber beschlossen hat, er ist ab sofort gelb. Den Himmel stört das natürlich in seiner Farbwahl überhaupt nicht und so hat man die tatsächliche Farbe immer vor Augen. Ebenso, wie meine Personen den tatsächlichen Namen immer „im Ohr“ haben.

In der Tat bin ich da noch ein wenig ratlos. Spätestens bis zur Überarbeitung sollte ich das Problem aber irgendwie in den Griff kriegen. Kann sich ja nur noch um Monate handeln …

Deswegen die Frage an euch: Kennt ihr Romane oder Geschichten, in denen es eine ähnliche Konstellation gegeben hat? Wie wurde das da gehandhabt und hat es euch überzeugt? Oder ist dieses Problem eigentlich gar keins, weil der Leser durchaus in der Lage ist, damit umzugehen und es für sich zu sortieren?

Ich bin auf eure Ansichten gespannt!

Leer geschrieben

Irgendwie fällt es mir im Moment schwer, diesen Blog kontinuierlich mit Leben zu füllen. Vorbei die Zeiten, in denen es jeden Tag einen neuen Beitrag gab. Gut, das wurde von nicht wenigen meiner Leser sowieso als „Wahnsinn“ und kaum nachzuhalten betrachtet.

Aber auch der Vorsatz, jeden zweiten Tag, oder so, einen neuen Artikel zu schreiben, hält im Moment nicht vor. Dabei mangelt es nicht an Dingen, über die ich schreiben könnte. Tatsächlich fange ich an, mir über einen neuen Beitrag Gedanken zu machen und stelle dann schnell fest, dass ich mich, momentan, nicht in der Lage sehe, ihn auch wirklich zu schreiben.

Unbefriedigend.

Aber ich schreibe. Das ist die positive Nachricht. Und „wir“ hatten uns ja hier schon mal darauf geeinigt, dass es in Ordnung ist, wenn ich Prioritäten setze. Die liegen im Moment auf meiner täglichen Dosis meines aktuellen Romanprojekts.

Ich habe mir vorgenommen, dass ich an jedem Tag, an dem ich arbeiten gehe, wenigstens 500 Wörter schreibe. Das ist in etwa 20 Minuten erledigt und damit eigentlich immer einzuschieben. An Tagen, an denen ich frei habe, sollen es 1.000 Wörter sein. Bis jetzt, das sind knapp zwei Wochen, klappt das auf diese Weise ziemlich gut.

Aber irgendwie fühle ich mich danach auch leer geschrieben. Ich schreibe die 500 Wörter und merke richtig, wie der Schreibmuskel abschlafft. Als ob er überanstrengt worden sei. Aber davon kann in letzter Zeit nun wirklich keine Rede sein.

Nun gut, ich muss mit dem leben, was ich im Moment zustande bringe. Aber so ein kleines Jammern zwischendurch, sei mir dann doch vielleicht erlaubt 😉 .

Wie die Zeit (in Romanen) vergeht

Ein Roman führt seine Protagonisten von einem Punkt A zu einem Punkt B. Jedenfalls dann, wenn er sich so versteht, dass er die Reise einer Hauptfigur oder einer Gruppe von Hauptfiguren verfolgt. Die meisten Romane tun das. Und damit müssen sich auch die meisten Autoren damit auseinander setzen, wie sie diese Zeitabläufe, die sich daraus ergeben, im Roman darstellen wollen.

Denn nicht jede Handlung lässt sich in einem eng gesteckten Rahmen erzählen. Manche Geschichten spannen sich über Jahre, gar Jahrzehnte. Es gibt einige hervorragende Romane, die das gesamte Leben ihrer Hauptperson begleiten und diese zu verschiedenen einschneidenden Phasen dieses Lebens zeigen.

Andere Romane komprimieren ihr Geschehen auf einen eher überschaubaren Zeitstrahl. Das gilt, zum Beispiel, für viele Krimis und Thriller, in denen es oft eine direkte Bedrohung oder eine direkte Gefährdungslage gibt, welche es für die Handelnden nötig macht, einzugreifen und möglichst schnell zur Tat zu schreiten.

Aus dieser Verdichtung lässt sich Spannung erzeugen, denn wenn etwa das Leben einer Geisel auf dem Spiel steht, dann fiebert man mit hoher Aufmerksamkeit dem Moment entgegen, in dem der Ermittler den entscheidenden Schritt macht, um diese vielleicht doch noch den Fängen des Verbrechers zu entreißen. Hierfür ließen sich wirklich unendlich viele Beispiele aufführen.

Und dennoch ist das, was beim Lesen so leicht wirkt, eine gar nicht so einfache Disziplin, wie ich finde. Ich tue mich regelmäßig schwer damit, den richtigen Ton zu treffen, um einen kleineren oder größeren Zeitsprung einzufügen. Gerade dann, wenn ich zuvor über einen langen Zeitraum hinweg die Geschehnisse praktisch in Echtzeit geschildert habe.

In meinem aktuellen Romanprojekt „Das Kind“ ist es etwa so, dass die ersten acht Kapitel sich über einen Zeitraum von gerade einmal zwei Tagen erstrecken. Die kleinen Zeitsprünge, die es gibt, ergeben sich durch die notwendigen Ruhepausen, die meine Figuren einlegen. Also im Prinzip, indem sie einige Stunden verschlafen.

Ich brauche diese recht lange Wegstrecke, um das Setting für den weiteren Roman aufzubauen. Es wäre einfach nicht logisch, wenn sich zu diesem Zeitpunkt, an dem gerade der gerettete jüdische Junge in die Familie gekommen ist, mehrere Wochen vergehen würden, in denen praktisch nichts passiert.

Jetzt aber bin ich an dem Punkt, an dem ein solcher Zeitsprung nicht nur möglich, sondern sogar angeraten ist. Die Handlung, die ich mir zurechtgelegt habe, macht es nötig, einige Wochen zu überspringen. In dieser Zeit passiert natürlich trotzdem einiges, aber es ist nicht im Detail von Interesse.

Für mich fühlt es sich dennoch komisch an, auf einmal längere Zeiträume mit verhältnismäßig wenigen Worten zu überbrücken. Ein Grund dafür ist, dass ich eine sehr nahe Erzählperspektive gewählt habe und, wenn ich wollte, jeden Gedanken meines Protagonisten protokollieren könnte. Und von denen wird er sich, zwangsläufig, einige machen in der Zeit, die ich nicht schildern möchte.

Man muss sich in seine Situation versetzen: Er nimmt ein großes Risiko nicht nur für sich, sondern auch für seine ganze Familie auf sich. Wenn es mir so ginge, dann würde ich wahrscheinlich den halben Tag mit Grübeleien verbringen.

Aber hier muss man als Autor den Cut machen und sich überlegen, ob diese Gedanken und Grübelphasen die Handlung wirklich vorwärts bringen. Und wenn das verneint werden kann, dann lässt man sie einfach weg. Ein Luxus, den wir im echten Leben nicht haben, wenn wir über Dinge nachgrübeln. Denn auch dort bringt es uns ja meistens nicht vom Fleck – das aber nur am Rande.

Im Film kann sich der Regisseur die Sache mit den Zeitsprüngen einfach machen: Er fügt einfach eine dieser berühmten Einblendungen zu, dass wir uns jetzt zwei Jahre später befinden. Und wenn sein Zeitsprung länger ausfällt, dann greift er auf einen begabten Maskenbildner oder gleich einen anderen Schauspieler zurück, um zu verdeutlichen, dass viel Zeit vergangen ist.

Prinzipiell kann man natürlich in einem Roman auch so vorgehen, keine Frage. Ich würde es aber eher als ein etwas grobschlächtiges Vorgehen ansehen.

Und so bin ich so schlau, als wie zuvor. Für den Moment behelfe ich mich mit einer kurzen Zusammenfassung der übersprungenen Wochen zu Beginn des aktuellen Kapitels. Ob mir das für die spätere Endfassung immer noch so gefällt, oder ob ich mir doch noch etwas besseres einfallen lasse, kann ich gerade noch nicht einschätzen. Bisher haben sich die meisten meiner Romane tatsächlich innerhalb weniger Tage abgespielt. Das war keine bewusste Entscheidung, sondern mehr dem Genre, in dem sie sich abspielen, geschuldet.

Mich würde interessieren, wie ihr es handhabt, falls ihr selber schon Geschichten mit kleineren oder größeren Zeitsprüngen geschrieben habt. Oder kennt ihr besonders gelungene Beispiele, in denen der Zeitwechsel nicht so wirkt, als sei er mit der Brechstange künstlich eingefügt oder dem Autor sei einfach nichts eingefallen, was er für diesen Zeitraum hätte erzählen können?

Verratet es mir doch gerne in den Kommentaren! 🙂

Wenn man nicht mehr weiß, wie der eigene Roman enden soll

Wenn man nicht mehr weiß, wie der eigene Roman enden soll – dann hat man ein ziemliches Problem. Denn selbst dann, wenn man, so wie ich, ein beinharter Discovery Writer ist, der eigentlich am liebsten vollkommen frei an die Arbeit geht und dann mal schaut, wohin sie einen so führt, sollte man doch zumindest eine vage Idee davon haben, wo denn der Endpunkt sein soll.

Eine Geschichte braucht einen fixen Anfang und sie braucht ein fixes Ende. Sie kann nicht einfach so ausfasern. Denn wenn sie das täte, dann würde sie nichts als enttäuschte Gesichter zurücklassen. Sowohl auf Autorenseite als vor allem auch auf Leserseite.

Tja. Dumm nur, dass ich mich genau in dieser Falle plötzlich gefangen sah.

Ihr erinnert euch vielleicht noch an mein Projekt „Das Kind“, das eigentlich mal eine Kurzgeschichte werden sollte und sich dann so langsam, aber sicher, auf den Weg zum Roman machte. Eine Entwicklung, die ich auf der einen Seite begrüßte, die mich auf der anderen Seite aber vor die Probleme stellte, von denen ich hier sprechen möchte.

Als die Geschichte, mit deren Titel ich im Übrigen zunehmend unzufriedener werde, ihren Anfang in meinen Gedanken nahm, bestand sie aus exakt fünf Szenen. Fünf Szenen, die vollständig ausdefiniert waren, die auch einen plausiblen Handlungsbogen ergaben. Und fünf Szenen, die sich irgendwann nicht mehr richtig, nicht mehr ausreichend, nicht mehr angemessen anfühlten.

Ich tappte in die Falle, die manch Plotter jedem Discovery Writer weissagt: Ich verlief mich in meiner eigenen Geschichte und sah nicht mehr den Weg, der mich aus dem gefühlten Labyrinth herausbringen konnte.

Die Kurzgeschichte sollte ein Ende haben, wie es für eine Kurzgeschichte üblich ist und auch funktioniert. Hart, dreckig, ein Downer. Plausibel beschrieben und durchgetaktet. Schließlich hatten wir ja auch noch keine besondere Gelegenheit, uns an die handelnden Personen zu gewöhnen. Da kann man das schon mal so machen.

Aber so langsam habe ich mich an meine Personen gewöhnt! Und das brachte mit sich, dass ich mir auf einmal nicht mehr so sicher war, ob das Ende in dieser Form denn jetzt funktionieren kann (würde es) und ob ich es überhaupt noch so will (wusste ich nicht).

Und das hat mich blockiert. Nachdem ich zwischendurch einen Zwischensprint eingelegt hatte, kam die Arbeit an dem Roman für einen kompletten Monat zum Erliegen. Ich wusste zwar noch, wie die Szene, an der ich gerade arbeitete, weitergehen sollte, aber wohin das alles führen sollte, lag komplett im Nebel.

Die Sorte Nebel, durch die man nur hindurchsteuern kann, wenn man ein starkes Leuchtfeuer und das eine oder andere Nebelhorn in seiner Nähe hat.

Aber weder das eine, noch das andere, wollte sich einstellen. Ich war kurz davor, die Sache einfach dran zu geben und mich mit irgendwas anderem zu beschäftigen. Aber der Gedanke wurmte mich wahnsinnig. Ich sitze inzwischen auf nicht weniger als vier unvollendeten Manuskripten. Und das Letzte, was ich gebrauchen konnte, war, mich auf ein weiteres Projekt zu stürzen, das dann diesen Stapel noch erhöhen würde.

Denn das ist die Falle, in die man nur zu leicht gerät, wenn man sich erst einmal für diesen, nur vermeintlich, einfachen Weg entschieden hat. Man fängt Dinge an, schreibt an ihnen, bis es zum ersten Mal Probleme gibt, kaut ein wenig darauf herum und legt sie dann zur Seite, weil ein neues Projekt „einfacher“ zu sein verspricht.

Auf diese Weise habe ich mit Sicherheit schon an die zehn Romananfänge kaputt gemacht. Der Unterschied ist nur: Inzwischen bin ich viele Jahre älter und eigentlich weiß ich um die Prozesse, die da ablaufen und dass man ihnen nicht nachgeben soll und darf. Deswegen kam diese „Lösung“ auch nicht infrage.

Aber was dann?

In meiner Not habe ich etwas getan, was ich bis jetzt nur sehr, sehr selten getan habe: Ich habe mich hingesetzt und habe mir überlegt, was für Szenen ich bis jetzt gedanklich vorgesehen hatte und wo sie mich und meine Handlung hinbringen würden.

Und dann geschah das Unglaubliche. Ich schrieb eine Szene in Stichworten auf – und sofort reihte meine Vorstellungskraft eine nächste dahinter. Dann fiel mir wieder etwas ein, was ich über einen meiner Protagonisten wusste und hatte eine weitere Szene. Damit ich aber dorthin kommen konnte, musste dieses und jenes passieren. Und das wiederum führte zu etwas ganz, ganz anderem, an das ich bis jetzt noch gar nicht gedacht hatte.

Jetzt werden die Plotter befriedigt die Arme verschränken und sagen: „Siehst du, haben wir dir doch gleich gesagt, dass es mit Plotten viel einfacher geht.“

Nun, wer bin ich, um euch zu widersprechen? Aber das, was ich gemacht habe, kann man nur schwerlich plotten nennen. Denn damit würde ich diesem Konzept Unrecht tun. Was ich getan habe, ist eine Szenenfolge aufzustellen. Und diese Folge von Szenen führt mich am Ende – zu einem Ende.

Und jetzt weiß ich wieder, wie mein Roman enden soll. Und ich weiß, was auf dem Weg dorthin passieren soll. Ich habe ein Gerüst, mit dem ich arbeiten kann, das mir aber gleichzeitig noch genügend Freiheiten lässt, um mich auszutoben.

Jetzt muss ich das Ding nur noch schreiben. Und wisst ihr was? Ich habe richtig Lust darauf! Und einen Titel, der mir besser gefällt – und der besser passt – als „Das Kind“, den finde ich auch noch. Ihr werdet es mitbekommen.

Der Anschlag

Auch das ist Autorenleben: Man tippert den ganzen Tag (übertrieben) auf irgendeiner Tastatur herum, die mal mehr, mal weniger gut dazu geeignet ist. Ich selbst habe mir für Daheim ja schon vor geraumer Zeit eine mechanische Tastatur angeschafft, weil ich das Schreibgefühl darauf unheimlich gut finde, den Druckpunkt zu schätzen weiß und – ja, auch das – ich den Sound mag, den diese Tasten erzeugen.

Nun wird diese Vorliebe aber nicht von jedem Menschen geteilt.

So kam es, dass ich mich in dieser Woche mit der Beschwerde meiner Arbeitskollegin auseinandersetzen musste, dass ich so laut tippe, dass sie sich dabei kaum konzentrieren kann. Gut, dass ich laut schreibe, das weiß ich selber. Was es in diesem Zusammenhang nicht gebraucht hätte, war der freundliche Hinweis, ich würde ja ohnehin viel privates schreiben …

Nur zum Protokoll: Ich schreibe dies während meiner Mittagspause und in Abwesenheit der Kollegin. Genauso wie alles andere private im Normalfall auch! Aber ich habe nun einmal einen Job, in dem ich viel schreiben muss und da lässt es sich nicht vermeiden, dass da auch mal längere Passagen dabei sind. Ich bin halt, was das Schreiben angeht, zügig dabei.

Gut, die Sache ist zwischen uns geklärt und technische Abhilfe soll auch geschaffen werden, indem man mir eine Tastatur mit leiserem Anschlag beschafft. Ich bin mal gespannt, ob und wenn ja, was für ein Modell das wird. Im Moment schreibe ich hier auf einer 08/15-Tastatur von Microsoft, die an allen Ecken und Enden klappert.

Tja, mein Anschlag. Aber was kann ich dafür? Ich habe das Schreiben auf einer Computertastatur Mitte der 80er-Jahre auf einem Schneider CPC „gelernt“. Ich stelle das in Anführungszeichen, weil ich Tastaturschreiben nie gelernt habe. Ich verwende heute noch ein fünfeinhalb-Finger-System, das zwar einigermaßen schnell, aber lange nicht so elegant wie Zehn-Finger-Schreiben ist.

Und die Tasten damals waren schwergängig. Wenn man eins der Programmlistings aus den Computerzeitschriften jener Tage abtippte, dann war das eine lange und anstrengende Prozedur. Aber wir hatten ja sonst nichts (außer ein paar beglaubigte Sicherheitskopien, ähem).

Auch das Schreiben von Romanen begann ich auf dieser Tastatur und irgendwie ist mir der harte Anschlag seit damals erhalten geblieben. Das ist mir, wie gesagt, selbst bewusst, aber ich kann da nicht so ohne Weiteres aus meiner Haut. Und sehe es, ehrlich gesagt, eigentlich auch gar nicht wirklich ein. Zumal die Kollegin, wenn sie es drauf anlegt, mit ihren zehn Fingern auch nicht leiser ist, als ich es bin. Es ist eben immer eine Frage der Wahrnehmung.

Nun soll es also eine geräuschreduzierte Tastatur richten. Ich habe keine Ahnung, ob das was bringt und wie viel das bringt. Hat da jemand von euch schon mal Erfahrungen mit gemacht oder vielleicht sogar konkrete Vorschläge, was für eine Tastatur man in die engere Wahl nehmen sollte?

Mir hat die Sache jedenfalls temporär die Lust am Tippen fast vergällt. Aber wie ihr seht: Zwei Tage war der Autor krank, jetzt tippt er wieder, Gott sei Dank. Wird auch Zeit, schließlich steht das Lektorat an.

Könnten wir vielleicht schon eine Woche später haben?

Okay. Was jetzt folgt, ist panisches, hektisches und ziemlich wirres Geschwurbel. Ich werde versuchen, es kurz zu halten. Aber ich bin seinerzeit angetreten, um mit diesem Blog meinen Weg als Autor authentisch zu begleiten. Und zur Authentizität gehören nun einmal auch die nicht so positiven Stimmungen.

Es steht ja schon in der Überschrift: Könnten wir vielleicht schon eine Woche später haben?

In einer Woche wäre nämlich die ganze Buchmesse mit allem drum und dran schon vorbei. Klingt das paradox? Glaubt mir, so fühlt es sich auch an. Ist die Buchmesse nicht ein Highlight? Eine der Veranstaltungen, auf die man das ganze Jahr hindurch hin fiebert?

Ja – und nein.

Ja, ich fiebere darauf hin, weil ich mich freue, wieder nach Leipzig zu kommen. Ich mag die Stadt, wenigstens das, was ich davon gesehen habe. Und ich mag die Messe mit ihrem Trubel und den vielen, vielen Menschen, von denen ich hoffe, einige wiederzusehen und andere zum ersten Mal zu sehen.

Nein, ich fiebere nicht darauf hin, weil ich das Gefühl nicht los werde, dass ich damit nicht klar kommen werde, mit dem Ganzen. Ehrlich, jedes Mal, wenn wieder einer meiner Internet-Bekannten einen euphorischen Vorausblick auf die Messe schreibt, denke ich mir: Ja, ich gönne es dir. Viel Spaß. Wir sehen uns vielleicht nächstes Jahr.

Ich weiß sogar, woran das liegt. So langsam machen sich die ganzen Problemchen bemerkbar, die den Messebesuch ein wenig überschatten. Ich bin immer noch nicht ganz auf dem Damm, was meine Gesundheit angeht. Und ich fürchte, dass sich das bis Freitag, wenn mein Messeabenteuer startet, auch nicht wesentlich verbessern wird.

Ein weiterer Punkt ist, dass mir die Sache mit der Unterkunft (ihr erinnert euch) massiv nachhängt. Ich bin inzwischen so paranoid, dass ich bei jedem Pling meines Smartphones als erstes nachschaue, ob ich eine neue Nachricht von AirBnb bekommen habe, die besagt, dass ich am Freitag ohne Obdach da stehen werde. Unnötig zu sagen, dass ich fast davon ausgehe, dass meine Zugverbindungen alle nicht klappen werden, oder?

Und über die Lesung darf ich auch nicht so wirklich nachdenken. Entgegen dem, was ich ja erst noch neulich schrieb, fühle ich mich nämlich überhaupt nicht vorbereitet. Aber mal so gar nicht. Ich habe zwar nicht direkt Angst, mich zu blamieren, aber das ganze Drumherum … ehrlich, das macht mir schon Sorgen.

Aber auch wenn die Lesung vorbei ist, dann sind da ja noch die Messetage selbst zu füllen. Ich habe ja extra darauf verzichtet, mir ein zu starres Korsett aus Terminen überzustreifen. Aber jetzt fühlt es sich so an, als habe ich damit auch jede Struktur zum Teufel geschickt. Als würde aus einem „ich schaue mal, was es so gibt“ ein „es gibt alles und nichts und nichts davon habe ich gesehen“.

Nein, diese Labilität fühlt sich nicht gut an. Aber ich muss da jetzt durch. Ich kann und will mir nicht die Bettdecke über den Kopf ziehen und so tun, als ginge mich das alles nicht an. Meine Probleme werden sich nicht in Luft auflösen, aber vielleicht werde ich feststellen, dass doch alles einigermaßen gut geklappt hat. Was auch immer „gut“ dann im einzelnen bedeutet.

Ich habe letzte Woche mit meinem Psychodoc über das Thema gesprochen und er hat mich gefragt, was ich ihm denn gerne bei unserem nächsten Treffen, kurz nach der Messe, darüber erzählen würde. Ich habe ihm drei Punkte aufgezählt, die ich jetzt nicht verraten werde (das wäre böses Voodoo). Aber hinterher werde ich euch gerne wissen lassen, ob meine „Wünsche“ in Erfüllung gegangen sind.

Und bis dahin muss ich die negativen Stimmungen einfach aushalten. Weil der größte Teil von mir eben dann doch nicht will, dass wir schon eine Woche später haben.

Weil der größte Teil von mir denkt, dass so eine Buchmesse ein geiles Event ist!