Warum schlechter Text dich weiterbringt: Das ist meine Begründung

Von Stephen King stammt die Autorenweisheit, dass man bei geschlossener Tür schreiben und bei geöffneter Tür überarbeiten soll. Damit meint er nichts anderes, als dass man sich während des Schreibprozesses auf sich selbst, auf seinen Text, auf seine Arbeit konzentrieren soll. Jede Störung von außen ist zu diesem Zeitpunkt genau das: Eine Störung, die den Arbeitsprozess negativ beeinflussen könnte. Oder positiv. Aber auf jeden Fall eine Beeinflussung.

King zielt mit diesem Ausspruch vor allem auf externe Einflüsse ab, etwa, indem man einen Text, an dem man arbeitet, einem Leser zur Begutachtung gibt. Oder, indem man einen Textteil schon einmal an einen Textprofi gibt.

Aber wie steht es eigentlich mit den inneren Einflüssen? Nun, das ist etwas, mit dem verschiedene Autoren ganz unterschiedlich umgehen.

Ich gehöre zu den Schreibern, die sich während des Schreibprozesses nicht zu sehr mit dem auseinandersetzen, was sie bis jetzt geschrieben haben. Von anderen Autoren weiß ich, dass sie sich, als Beispiel, vor dem Beginn der Arbeit die letzte Seite durchlesen, die sie am Tag zuvor geschrieben haben. Sie brauchen das, um wieder rein zu kommen in ihren Text.

Einige fangen sogar während dieses Schrittes schon an, den Text zu redigieren. Wenn ihnen etwas auffällt, dann verbessern sie es. Sie machen damit schon eine Teilüberarbeitung.

Mich würde das, gelinde gesagt, wahnsinnig machen. Außerdem bin ich der Ansicht, dass auch schlechter Text durchaus in der Lage ist, einen in der persönlichen Entwicklung weiter zu bringen.

Nehmen wir ein aktuelles Beispiel. Ich schreibe ja an einem Roman über das Schicksal eines Kindes zur Zeit der Judenverfolgung im vom Deutschen Reich besetzten Polen. Dieser Roman ist auf seine Art ein wenig speziell, weil ich zwar versuche, eine tatsächliche Handlung voranzutreiben (es wird also kein Drama), aber gleichzeitig sicherstellen möchte, dass ich nicht zu „flach“ werde in Sprache wie in Geschichte.

Das gelingt mir an manchen Tagen recht gut. Und dann gibt es Tage wie gestern, an denen ich schon während des Schreibens merke, dass irgendwas nicht so richtig stimmt. Lasst mich euch einen Textauszug zeigen:

Frantisek schaut sich Oleg von oben bis unten an, dann sieht er wieder zu Tomasz.
»Ich will so einen nicht in meiner Nähe haben.«
»Er ist ja nicht in deiner Nähe. Er ist bei mir im Haus.«
»Das direkt gegenüber liegt. Ich will den nicht hier haben«, wiederholt Frantisek.
»Hast wohl Angst, dass ich die Luft verpeste, oder was? Soll ich mal rüberkommen und dich anhauchen? Würde dir das gefallen?«
Oleg macht Anstalten, zu Frantisek zu laufen, aber Tomasz hält ihn davon ab: »Wir wollen keinen Ärger haben.«
»Ich hab keinen Ärger«, sagt der Alte. »Ich habe Spaß. Und ich habe Hunger. Wann gibt es jetzt endlich Frühstück?«

Zwei der drei Männer, die da auf der Straße stehen, sind dem Leser zu diesem Zeitpunkt schon gut bekannt. Tomasz ist derjenige, der den kleinen jüdischen Jungen im Wald aufgelesen und mitgenommen hat. Oleg, der vermeintliche Dorftrottel mit tragischer Vergangenheit, erweist sich als wertvolle Hilfe im Existenzkampf der kleinen Familie.

Der Nachbar Frantisek hat hier seinen ersten Auftritt. Seine Rolle im Roman ist mir noch nicht ganz klar, aber ich weiß, dass ich die Nachbarn nicht außen vor lassen kann, aus verschiedenen Gründen.

Schon während ich diesen kurzen Auszug schrieb (der Gesamtdialog ist noch ein wenig länger) wurde ich unzufrieden mit der Art, in der sich Frantisek verhält. Er agiert zu eindimensional, indem er Oleg, den er für eine Bedrohung seiner bürgerlichen Ordnung hält, direkt und, sagen wir, wie es ist, platt angreift. Dieser wiederum reagiert auf ähnliche Weise und schon habe ich einen Dialog, in dem sich zwei Männer, die sich vorher vielleicht höchstens vom Sehen kannten, gegenseitig anzicken.

Die Handlung des Romans wird dadurch nicht vorangebracht, ganz im Gegenteil, ich nehme mir vielleicht Optionen, die ich später in Bezug auf die Nachbarschaft zwischen Tomasz und Frantisek gewinnbringender einbauen könnte.

Wie gesagt, das Störgefühl hatte ich schon, als ich die Passage schrieb und dennoch befindet sie sich so in meinem Manuskript. Und wieso? Weil ich denke, dass es gerade auch die schlechten Textteile sind, die uns in unserer Arbeit weiterbringen können.

Text, den wir für gut befinden, schauen wir uns gerne immer mal wieder an. Jeder von euch, der selber schon mal geschrieben hat, wird es kennen, dass er sich besonders gelungene Passagen seines Werks gerne wieder durchliest und sich darüber freut, wie gut das doch gelungen ist.

Aber aus dieser Betrachtung, die nur zu schnell oberflächlich wird, kann man nichts lernen. Ich habe es versucht, glaubt mir, aber außer „boah, ist das gut“ bleibt einfach nicht viel im Gedächtnis.

Dagegen kann ich Passagen in meinen Romanen, bei denen ich (inzwischen) sehe, dass etwas nicht stimmt, auf eine Art und Weise betrachten, die mich weiter bringt. Auch wenn ich einräume, dass ich erst einige Erfahrungen sammeln musste, sei es durch Testleser, sei es durch das Lektorat, sei es durch das Schreiben an sich, um diese Stolpersteine in etwas gewinnbringendes umwandeln zu können.

Wenn ich mir diese Textstellen noch einmal durchlese, spätestens in der Überarbeitung, dann habe ich meist schon genaue Vorstellungen davon, wie ich sie anpassen muss. Und zwar, weil ich sie anpassen muss, da ich, inspiriert durch das schlechte Gefühl, das ich beim Schreiben hatte, zukünftige Stellen anders, ich denke besser, angehen kann.

Natürlich ergeben sich dadurch mögliche Inkonsistenzen. Aber ich behaupte, dass die sich sowieso ergeben. Zumindest dann, wenn man nicht alles von vornherein minutiös durchplant. Aber meine Einstellung dazu kennt ihr ja inzwischen 😉 .

Bezogen auf den oben gezeigten Ausschnitt bedeutet das soviel, dass ich mir nun, wo ich ein Problem erkannt habe, Gedanken dazu machen kann, wie ich meinen Nachbarn Frantisek eigentlich haben will. Bestenfalls dient dies dazu, ihn als Charakter, oder zumindest als Plotpunkt, greifbarer und dadurch auch besser zu machen.

Ja, meine drei Figuren werden sich immer noch auf der Straße getroffen haben. Aber die Tatsache als solche ist ja nicht das Problem. Ihr Zusammenspiel ist es. Und das kann im Zuge der Überarbeitung, wenn ich viel genauer weiß, wie sich das alles und die drei zueinander eigentlich verhalten, entscheidend verbessert werden.

Wenn ich den Text jetzt sofort löschen würde, dann könnte ich mich schlimmstenfalls hinterher nicht mehr daran erinnern, was genau mich eigentlich gestört hat. Klar, ich könnte es notieren oder den betreffenden Text sogar separat abspeichern, aber das wäre – für mich – nicht dasselbe.

Auf diese Weise bringt auch schlechter Text mich weiter. Auf eine verquere Art vielleicht sogar eher, als guter Text es könnte. Obwohl wir letztlich doch alle nach Perfektion streben. Kann es einen schöneren Widerspruch in sich geben?

Seine Figuren von der Leine lassen

Am heutigen Donnerstag, den 08.02.2018, ist es wieder so weit: Überall in der Republik, am meisten aber hier im äußersten Westen, werden wieder die Pappnasen aufgezogen, vereinzelt tatsächlich noch Krawatten abgeschnitten und unsägliche Stimmungshits von alkoholisierten Menschen zur Vorstellung gebracht. Mit anderen Worten hat die Hochphase des Straßenkarnevals begonnen.

Ich selber habe zu diesem Brauchtum so gar keinen Bezug aufbauen können. Ich weiß, dass ich als Kind mal auf den Rosenmontagsumzügen und auch ein- oder zweimal bei Kinderkarnevalsfeiern dabei war, aber im Großen und Ganzen habe ich immer leicht skeptisch auf die Leute geschaut, die glaubten, dass am Altweibertag die Regeln für die kommenden paar Tage aus den Angeln gehoben werden und mehr oder weniger alles erlaubt ist.

Das hat sich im Laufe der Jahre noch mehr verfestigt. Ich muss gestehen, dass ich es schon schwer zu tolerieren finde, dass ich, wenn ich morgens mit dem Zug zur Arbeit fahre, den Wagen mit teils schon erheblich alkoholisierten Menschen teilen muss, die teilweise auch vor körperlichen Übergriffen nicht zurückschrecken.

Aber wie gesagt, manche glauben, dass sie an Karneval mal so richtig aus der Rolle fallen können.

Wobei das, wenn man darüber nachdenkt, eine nette Idee ist, die uns Autoren dabei helfen könnte, noch mehr über unsere Figuren zu erfahren.

Die meisten Autoren haben ziemlich klare Vorstellungen davon, wer ihre Figuren sind, wie sie sich verhalten, was sie denken und was sie so tun. Das liegt in der Natur der Sache, definiert sich ihr gesamtes Auftreten schließlich über uns und das, was wir mit ihnen vorhaben.

Diese Vorgehensweise kann sich aber auch dahingehend rächen, dass unser Protagonist oder auch der Antagonist (wobei der interessanter Weise meistens eher dagegen gefeit ist) sich nach einem bestimmten Schema bewegen, äußern und allgemein verhalten.

Das können harmlose Dinge sein wie bestimmte Floskeln, die eine Person immer wieder verwendet. Es können aber auch größere Sachen wie der Umgang mit anderen Figuren sein, vielleicht sogar handlungsbestimmende Aspekte der Herangehensweise an eine Problemstellung. Manchmal hat eine Figur auf diese Weise sogar ein mittelschweres Brett vor dem Kopf, das sie einfach nicht herunterreißen kann, weil sie so in ihren normalen Mustern festgefahren ist, dass man es als Autor oft erst im Rahmen der Überarbeitung feststellt. Und dann ist es mühselig, diesen Umstand wieder zu heilen.

Ich möchte daher dafür plädieren, die eigenen Figuren einfach mal von der Leine zu lassen.

Wie stelle ich mir das vor? Natürlich muss es nicht so sein, dass euer Protagonist sich zu Karneval ordentlich einen auf die Lampe gießt. Im Wein liegt zwar Wahrheit, wie man so schön sagt, aber vielleicht ist dies nicht immer die Wahrheit, die man herauskitzeln möchte. Andererseits: Was gibt es Schöneres zu schreiben als einen langen und bierseligen Dialog, der sich quer durch alle möglichen Emotionen von Rührseligkeit über Aggression hin zum Weinerlichen bewegt?

Bei anderen Figuren kann es dagegen interessant sein, sie einmal in ein vollkommen anderes Umfeld zu versetzen. Wie schlägt sich ein katholischer Pfarrer in einem Swingerclub? Wie Graf Dracula im Sonnenstudio? Und dann ist da diese Clique von Collegemädchen, die statt beim Spring Break in einem Nonnenkloster samt Schweigegelübde gelandet ist.

Der Reiz entsteht aus dem Kontrast, der zwischen den eigentlichen Erwartungen und der Notwendigkeit zur Anpassung besteht. Vielleicht führt der Pfarrer ein höchst erhellendes Gespräch über das Zölibat mit der Frau an der Bar. Oder Dracula stellt fest, dass er mit einem entsprechend hohen Lichtschutzfaktor endlich etwas gegen seinen blassen Teint tun kann.

In jedem Fall erlangt man neue Ansichten seiner Charaktere, die man in einer vorgezeichneten Geschichte auf diese Weise vielleicht nicht hätte gewinnen können.

Wichtig ist es aus meiner Sicht nur, dass man trotz aller Möglichkeiten, seine Figuren mal out of character beschreiben zu können, den Respekt vor ihnen nicht verliert. Sie werden nicht zur Schießbudenfigur, nur weil wir neue Seiten an ihnen ausloten.

Das unterscheidet sie im Übrigen auch von dem Karnevalisten, der morgens um halb acht schon so viel Alkohol getankt hat, dass er es vielleicht gar nicht mehr bis elf Uhr elf durchhält, ohne mit einer Vergiftung ins Krankenhaus eingewiesen werden zu müssen.

Ich schlage also vor, dass ihr, wenn ihr das nächste Mal das Gefühl habt, mit einer eindimensionalen Figur kämpfen zu müssen, einfach einen kleinen Text schreibt und diese Figur in eine vollkommen andere Situation versetzt. Welche das ist, das könnt ihr, als die Herren über euren Stoff, selbst am besten beurteilen.

Aber vielleicht habt ihr so etwas ja auch schon einmal gemacht? Dann würde ich mich über entsprechende Erfahrungsberichte in den Kommentaren freuen!

Und wenn ihr heute und in nächster Zeit nicht ansprechbar seid, weil ihr jeck und auf den Straßen unterwegs seid, dann sende ich euch ein dreifaches „Helau“ und bin im Stillen erleichtert, dass Aschermittwoch ja gar nicht mehr so lange hin ist …

Warum es sinnvoll sein kann, einen unerwarteten Knalleffekt vor einen erwarteten zu legen

Wie ich gestern schon angekündigte, hat die Exkursion des Tages mich auf die Idee zu einem neuen Blogartikel gebracht, zu dem mir nur keine vernünftige Überschrift eingefallen ist. Deswegen bitte ich, das komische etwas da oben zu entschuldigen. Ich brauche einfach mehr Worte um zu erklären, was ich meine.

Der Ausflug führte meine Familie und mich, mal wieder, in einen Freizeitpark. Ja, ich gebe zu, meine Kinder und ich sind da ein wenig süchtig nach und meine Frau spielt das Spiel liebenswerter Weise mit. Gestern waren wir in Belgien, im Bobbejaanland. Dort steht eine Anlage, die auf den schönen Namen „Typhoon“ hört. Es handelt sich um einen Eurofighter der Firma Gerstlauer Amusement Rides und das Charakteristikum dieser Bahnen, ihr Alleinstellungsmerkmal, ist die erste Abfahrt.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Bahnen wird hier keine Schräge durchfahren, sondern der Wagen wird senkrecht in die Höhe befördert und durchfährt danach einen steilen Drop, der im Spitzenwert einen Winkel von (in diesem Fall) 97° aufweist. Danach setzt sich die Fahrt dann mit anderen Elementen fort, die man auch von anderen Bahnen kennt.

Hier könnt ihr „Typhoon“ im Video bewundern:

Direkt an die erste Abfahrt schließt sich ein Looping an und das war der Ausgangspunkt eines Gespräches zwischen meiner älteren Tochter und mir. Sie ist nämlich in ihrem Leben noch keinen Looping gefahren und wollte das auch an diesem Tag nicht ändern. Dabei war sie total auf den Looping fixiert und sah weder das Element davor, noch sah sie die sich anschließenden Schrauben.

Ich sagte ihr noch, dass sie vom Looping kaum etwas mitbekommen würde, weil der Körper noch damit beschäftigt sei, die Abfahrt zu verarbeiten, aber das änderte ihre Meinung nicht. Der Looping war ein Problem.

Reden wir aber jetzt nicht von Problemen, reden wir von Romanen. Reden wir vielleicht sogar von Romanen, die ein gewisses Standardrepertoire an Szenen abspulen. Ich vergleiche diese Szenen, die man je nach Gattung des Romans in so ziemlich jedem Genre finden kann, einmal mit den Standardelementen einer Achterbahn.

Wir haben die klassische Auffahrt, es wird Spannung aufgebaut. Im Roman passiert dasselbe. Wir lernen vielleicht die Figuren kennen, erhaschen einen ersten vagen Blick auf das, was sie verbindet und was sie trennt.

Wenn wir dann ganz oben angekommen sind, nimmt die Handlung Fahrt auf und wir arbeiten uns durch die Standardsequenzen durch, die beispielhaft so lauten könnten:

  • eine Beziehung geht im sprichwörtlichen Sinne den Bach herunter (Abfahrt)
  • die Situation wird durch etwas fremdes auf den Kopf gestellt (Looping)
  • die Handlung nimmt verschiedene Wendungen vor (Richtungswechsel)
  • dabei folgt der ersten großen Umwälzungen eine Abfolge von kleineren Twists (Schrauben)
  • je nachdem, wie rasant die Handlung ist, wird zwischendurch ein wenig abgebremst, um etwa Subplots einarbeiten zu können (Blockbremsen)
  • Happy oder Unhappy End (je nachdem, wie fest die Schlussbremsen greifen)

Die Schwierigkeit ist nun, diese Elemente so aneinander zu reihen, dass trotz ihrer hinlänglichen Bekanntheit immer wieder eine neue, eine überraschende Geschichte dabei herauskommt. Und da kann es sinnvoll sein, einen unerwarteten Knalleffekt vor einen erwarteten zu setzen (um die Überschrift wieder aufzugreifen).

Denn was macht „Typhoon“? Für jemanden, der die Bahn noch nie gefahren ist, ist das erste Element in seiner Heftigkeit eine Überraschung, die man auch von außen so nicht erwartet. Das aufgenommene Tempo sorgt für einen Druck, der den sich unmittelbar anschließenden Looping beinahe vergessen lässt. Man bekommt zwar mit, dass man kurz auf den Kopf gestellt wurde, aber das ist nicht die eigentliche Sensation.

Für einen Roman bedeutet das, dass man ruhig einmal damit spielen kann und sollte, vor die Knalleffekte, die der Leser oder die Leserin anhand des Genres erwarten würden, mal etwas Unerwartetes zu setzen – wobei ich natürlich gleich einräumen muss, dass es im Einzelfall gar nicht so leicht ist, dieses Unerwartete zu finden. Sonst würde es ja jeder machen 😉 .

In einem Krimi könnte dies zum Beispiel eine Szene sein, die vor dem obligatorischen Mordfall liegt, in welcher unsere Hauptperson ein privates Drama durchlebt. Vielleicht musste sich der Kommissar oder die Kommissarin einmal entscheiden, ob er das Leben einer Geisel oder das Leben eines Kollegen rettet.

So eine Szene vor der Handlung reißt den Leser sofort mit und und jetzt kommt das, was das Leben des Kommissars auf den Kopf stellt: Er hat sich für die Geisel entschieden, diese geheiratet und nun, zwei Jahre später, stellt er fest, dass er/sie begonnen hat, ihn zu betrügen. Wäre das nicht ein schönes Gefühlsdilemma, in dem alle miteinander stecken? Und wenn ihr euch dann noch entscheidet, dass aus Herrn Kommissar eben kein zynischer Alkoholiker wird, dann habt ihr den Leser direkt zu Beginn dreifach überrascht.

(Wenn ihr aus diesem rudimentären Gerüst eine Story machen wollt, wäre ich für eine Erwähnung bei den Danksagungen, ähm, dankbar 😉 )

Nach diesen Überraschungen könnt ihr dann getrost mit Elementen weitermachen, die erwartbar sind. Der Chef ist ein Arsch, der neue Fall zum Haare ausraufen und die neue Kollegin eine heiße Anwärterin darauf, den Job der ehemaligen Geisel als Lebensabschnittsgefährtin auszufüllen.

Wenn ihr das packend schreibt und nicht irgendwann unterwegs einschlaft, nehmt ihr den Schwung des Anfangs mit. Ihr nehmt die Erwartungen des Lesers mit, sowohl die erfüllten als auch die unerfüllten. Und mit ein wenig Glück, merkt der Leser gar nicht, dass ihr irgendwann doch wieder zu den Standardelementen zurückgekehrt seid, weil er immer noch von diesem einen Element am Anfang euphorisiert und überrascht ist.

Ich halte mir den Gedanken jedenfalls warm und werde es bei Gelegenheit genau so einmal ausprobieren. Mit einem Beispiel, das ich euch jetzt nicht verraten habe, gemein, wie ich bin.

Jetzt quält mich nur noch eine Frage (ein wenig): Bin ich eigentlich der Einzige, der beim Achterbahnfahren auf so komische Ideen kommt!?

Facebook, das ungeliebte Wesen

Wenn du Autor bist, dann musst du für deine Leser präsent sein – haben sie gesagt.
Wenn du Autor bist, dann musst du Social Media machen – haben sie gesagt.
Wenn du Social Media machst, schließt das Facebook ein – haben sie gesagt.

Und ja, ich bin ja für (fast) jeden Kram zu haben, wenn es denn der Sache dienlich ist und wenn es nicht absolut gegen meine Prinzipien, meine Überzeugungen oder die Legalität geht. Ist ja auch keine große Sache, so eine Facebookpräsenz, nicht wahr? Schließlich ist Facebook, wenn auch immer wieder auf den absteigenden Ast geredet, immer noch das zentrale Netzwerk wenn es darum geht, nun ja, zu netzwerken.

Aber irgendwie bin ich wohl zu dumm dafür. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass ich einfach nicht in meinen Schädel bekomme, wie das jetzt mit den verschiedenen Profilen funktioniert.

Ich habe zwei Profile auf Facebook, weil die, die von da oben, auch gesagt haben, dass man seine Persona als Autor und seine Persona als Mensch voneinander trennen sollte. Auch das ist auf dem Papier eine richtig gute Idee. Denn die Personenkreise, die man mit den verschiedenen Themen anspricht, sind ja nicht dieselben. Und selbst, wenn es dieselben wären, möchte man ja manchmal gar nicht, dass sie übereinstimmen.

Nun bin ich ja im Wartestand für eine Thrillerveröffentlichung und habe überhaupt kein Problem damit, dies unter meinem Namen zu machen. Aber ich kenne auch Autoren, die in anderen Genres unter Pseudonym arbeiten und spätestens da ist es angebracht, wenn man zwei Accounts hat, die fein säuberlich getrennt sind. Der eine, private, gehört dann Erna Koslowski, Hausfrau und Mutter zweier niedlicher Kinder, der andere gehört Sigmund Drachentöter, in dessen Dark Fantasy-Romanen Blut und diverse andere Körpersäfte nur so sprudeln.

Aber da könnt ihr mal sehen: Sogar Erna bekommt problemlos hin, was für mich in weiten Teilen ein Buch mit sieben Siegeln darstellt. Und bis jetzt habe ich mich auch als hinreichend lernresistent bewiesen, um erfolgreich weiter ein Facebook-Newbie zu bleiben.

Es ist ja nicht nur die Sache mit den Accounts. Es ist auch das verlinken, markieren, und wie das alles heißt. Auf Twitter habe ich das inzwischen recht gut raus. Aber Facebook …

Nun gut, angeregt durch eine Markierung, die mir auf diesem Portal widerfahren ist, habe ich beschlossen, noch mal mein Glück zu versuchen. Wundert euch also nicht, wenn in den nächsten Tagen zumindest hin und wieder ein Post dort erscheint. Meine Blogtexte werden ja eh an den Autorenaccount „durchgeschossen“. Und die stehen auch nach wie vor im Vordergrund, ist ja klar.

Wer also Lust hat, mir dabei zuzusehen, wie ich auf Facebook vor mich hin dilletiere, der darf gerne meinem privaten Account ebenso folgen wie meinem Autorenaccount. Und irgendwann lerne ich das noch, wie ich sie am besten auseinander halte.

Steht aber in meiner Prioritätenliste nicht ganz oben. Merkt man, nicht wahr?

Der Sonntagsreport vom 09.04.2017 – Irgendwas mit „30“ und Technik zum Verzweifeln

Hallo zusammen!

Es ist mal wieder Sonntag, aber kein normaler Sonntag, denn vor mir liegen zwei Wochen Urlaub. Den kann ich allerdings auch gut gebrauchen. Selbst wenn ich die Leipziger Buchmesse besser verkraftet habe, als ich es befürchtete, habe ich doch den Kräfteverschleiß nicht leugnen können. Jetzt habe ich die Zeit, meine Batterien ein wenig wieder aufzuladen. Und dann vielleicht auch mal wieder kreativ zu werden.

Seit ich vor beinahe einem Monat meinen Textentwurf an den Scylla Verlag geschickt habe, war in der Hinsicht nämlich ziemlich Ebbe. Ich hatte ja schon erzählt, dass es gerade dazu reichte, ein wenig vor mich hin zu spinnen, was denn ein Exposé für „Darkride“ anbelangt. Auch so ein Thema, das ich in Angriff nehmen will.

Ich wollte euch ja auch was zu meinem Convertible erzählt haben, diese Woche. Das scheiterte daran, dass ich, neugierig, wie ich bin, die erste sich bietende Gelegenheit genutzt habe, um mir das Windows 10 Creators Update auf die Rechner zu spielen. Bei meinem PC hat das hervorragend und problemlos geklappt. Bei dem Kleinen – geht so. Mal davon abgesehen, dass der Flashspeicher nicht der Schnellste ist, habe ich festgestellt, dass trotz aller Maßnahmen der Speicherplatz einfach begrenzt ist. Ich musste erst ein wenig tricksen, um die „Systempartition“ so weit leer zu kriegen, dass Windows sich nicht mehr weigerte, die Installation zu starten.

Da war es einfach nicht mehr drin, noch aussagefähige Fotos zu machen. Zumal ich das Ding zwischendurch am liebsten gegen die Wand geklatscht hätte – ich bin einfach durch die Geschwindigkeit meines PC total versaut. Aber auch das schaffe ich vielleicht in den nächsten zwei Wochen.

Und dann ist da noch die Sache mit der „30“, die ich in der Überschrift angesprochen habe. Margaux Navara hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der Bundesverband der jungen Autoren zu seinem 30. Jubiläum eine Ausschreibung über eine Kurzgeschichte gestartet hat, in der halt irgendwie die Zahl 30 auftauchen muss. Genre und so weiter sind frei. Und da sich die Rahmenbedingungen ziemlich gut lesen und ich halt auch gerne mal wieder meine Kreativität von der Leine lassen möchte, habe ich mir überlegt, dort mitzumachen.

Und jetzt sitze ich seit Tagen da und mir fällt nichts zu dieser Zahl ein, was nichts mit einem Geburtstag zu tun hat. Denn das wäre ja nun wirklich plump. Daran merke ich halt, dass die Akkus leer sind und Aufladung benötigen. Bis Ende April wollen in irgendeiner Weise 8.000 Zeichen geschrieben sein. Das ist nicht viel und setzt mich, den stadtbekannten Vielschreiber, damit gleich doppelt unter Druck.

Jetzt hätte ich beinahe den dritten Absatz in Folge mit „Und“ begonnen. Sehr guter Stil, Michael, sehr guter Stil!

Trotzdem: Außerdem habe ich mich gestern ein wenig mit der Technik meiner geplanten Website beschäftigt. Aber da stoße ich vorne, hinten, links und rechts immer wieder an Grenzen. Da schreibe ich euch die Tage noch einmal genauer von, das sprengt hier den Rahmen.

Aber einen Tipp kann ich an hoffnungsvolle Nachwuchsautoren schon einmal geben: Wenn ihr plant, eine eigene Homepage aufzuziehen und vorher einen Blog bei WordPress zu hosten, dann macht nicht den Fehler, den ich gemacht habe, und lasst diesen Blog zu groß werden. Besonders dann nicht, wenn ihr parallel schon eure Domain für E-Mails nutzt. Denn dann wird es kompliziert!

Ich denke, das wird deutlicher, wenn ich meinen längeren Beitrag schreibe. Dafür muss ich mich aber wirklich erst sortieren. Gestern habe ich einfach irgendwann alles wieder auf Anfang zurückgedreht und einen Haken dahinter gemacht.

So, das soll es dann für heute auch schon wieder gewesen sein. Ich wünsche euch allen einen Start in die kommende Woche. Und auch wenn ihr keinen Urlaub haben solltet, so ist sie ja durch den Feiertag für so gut wie alle von uns einen Tag kürzer als die normale Arbeitswoche.

Macht es gut!

Euer Michael

Reblog: 7 Dinge, die du bei deiner Erzählersprache beachten solltest

Gestern habe ich meine werte Bloggerkollegin Erin J. Steen für den Liebster-Award nominiert und heute möchte ich gerne ein Beispiel dafür zeigen, warum ich dies gemacht habe. Auch wenn Erin immer wieder betont, dass ihr Blog ja noch ganz jung sei, merkt man Artikeln wie diesem über die richtige Erzählersprache an, dass da einiges an Erfahrung, viel an Reflexion und Wissen dahinter steckt.

Deswegen möchte ich gerne diesen Artikel hier empfehlen. Ich finde, dass die Fragen, die der Artikel aufwirft, es wert sind, sich damit zu befassen. Gleichzeitig erlaube ich mir, für mich und mein Schreiben darauf hinzuweisen, dass ich einige dieser Fragen bewusst nicht (vorab) beantworte, sondern schaue, wohin mich die Reise beim Schreiben führt.

Aber das bin nur ich und ich weiß, dass meine Ansichten da manchmal etwas seltsam sind ;-).

Das soll euch nicht davon abhalten, es strukturierter zu machen als ich. Also viel Vergnügen mit den 7 Dingen, die du bei deiner Erzählersprache beachten solltest!

Erin J. Steen

In der vergangenen Woche habe ich dir erzählt, welche Erzählperspektiven es gibt.

Jede Geschichte erfordert hier eine Entscheidung von seinem Autor:
Wer erzählt die Geschichte?

Das hat Einfluss darauf, was der Leser über die Geschichte erfährt und was ihm entgeht. Sehr wichtig ist für deine Geschichte aber auch die Erzählersprache, denn die beeinflusst die Stimmung und die Identifikation mit dem Erzähler. Mit einer unpassenden oder inkonsistenten Erzählersprache klingt deine Geschichte irgendwie falsch. Zunächst lässt sich meist nur ganz schwer sagen, warum etwas falsch klingt.

Wenn du die folgenden 7 Dinge bei der Erzählersprache beachtest, sollte zumindest dein Erzähler richtig klingen. Auch beim Schreiben oder Korrigieren von authentischen Dialogen, solltest du einen Blick auf diese Themen werfen.

Für eine gelungene Erzählersprache solltest du deinen Erzähler zunächst so richtig gut kennenlernen. Hier ist ein detaillierter Charakterbogen wirklich sinnvoll!

Die Erzählersprache ist das Einzige, womit du vermitteln solltest, wer dein Erzähler ist. Deinem Leser ist…

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Eine Trilogie, die sich nicht wie eine anfühlt – Stephen Kings „Mind Control“

Lange angekündigt, wird es langsam dringend Zeit, ihn auch einmal zu schreiben, den Artikel über eine Trilogie, die sich nicht wie eine anfühlt.

Was ist das denn überhaupt, eine Trilogie? Nach meinem Verständnis, das ich mir durch lange Jahre Leseerfahrung angeeignet habe, ist eine Trilogie eine Folge von drei Geschichten, die sich weitgehend auf das gleiche Figurenensemble in einem sich aus der Handlung der einzelnen Teile heraus weiterentwickelndem Handlungsgebilde stützt. Der dritte und letzte Teil beinhaltet dann oftmals ein furioses Finale, in dem die gesamte

So ist in der originalen „Star Wars“-Trilogie eindeutig eine Fokussierung auf Luke Skywalker, Han Solo und Leia Organa auszumachen und wir folgen anhand der Weiterentwicklung dieser drei Figuren dem Kampf gegen das galaktische Imperium.

Ein weiterer, von vielen Fans oft als Trilogie angesehener Text, nämlich „Der Herr der Ringe“, war zwar von seinem Autor gar nicht so gemeint, wird heute aber durch seine Veröffentlichungsweise und vor allem die Filme so wahrgenommen. Auch hier wird die Handlung konsequent von einem Teil zum nächsten fortgesponnen, die Figuren entwickeln sich.

Und trotzdem ist sowohl dem einen wie auch dem anderen Beispiel zu eigen, dass der Ton der Geschichte ein ähnlicher bleibt – oder Änderungen sich wenigstens logisch anhand der Handlung nachvollziehen lassen. So wird „Das Imperium schlägt zurück“ allgemein viel düsterer rezipiert als der originale „Krieg der Sterne“, was aber sehr gut dazu passt, dass im ersten (jetzt 4.) Teil die verhältnismäßig kleine Rebellenallianz dem großmächtigen galaktischen Imperium gewaltig auf die Füße gestiegen ist und dieses nun mit umso härterer Gewalt zurückschlägt. Es ist eine folgerichtige Entwicklung.

Trilogien erfreuen sich in vielerlei Hinsicht großer Beliebtheit auch beim Leser. Er kennt die Figuren schon, kennt die Welt, die sie umgibt und kann sich ohne sich groß neuorientieren zu müssen, in die Handlung hineinbegeben. Die wirklich guten Trilogien (oder auch generell alle Mehrteiler) fühlen sich so an, als ob man in ein Paar gut sitzende Hausschuhe schlüpft.

Und das bringt mich zu der Trilogie, über die ich nach all dem theoretischen Basiswissen gerne schreiben wollte.

Ich habe vor kurzem den Roman „Mind Control“ von Stephen King gelesen. Niemandem, der meine Website öfter als zweimal besucht hat, erzähle ich etwas Neues damit wenn ich sage, dass Stephen King mein Lieblingsautor ist und sicherlich einer der entscheidenden Einflüsse, wieso ich jemals den Mut gefasst habe, überhaupt den Stift selbst in die Hand zu nehmen und zu schreiben.

Umso schwerer tue ich mich mit der Bewertung von „Mind Control“. Denn dieser Roman ist der dritte und damit abschließende Teil einer Trilogie – einer Trilogie, die sich für mich nicht nach einer anfühlt.

Die ersten beiden Bände, „Mr. Mercedes“ und „Finderlohn“ führten uns bereits in die Welt der Protagonisten ein. Die zentrale Figur ist William „Bill“ Hodges, ehemaliger Polizist, der zu dem Zeitpunkt, an dem wir ihn kennenlernen, kurz davor ist, sich umzubringen. Sein ganzes Leben scheint für ihn einfach keinen wirklichen Sinn mehr zu besitzen und so spielt er neben seiner TV-Fernbedienung auch immer wieder mit seiner alten Waffe herum.

Aus seiner Lethargie wird er dadurch gerissen, dass er auf seinem Computer von einem geheimnisvollen Mann kontaktiert wird, von dem sich im Laufe der Handlung herausstellt, dass es derselbe ist, der kurz zuvor mit einem gestohlenen Mercedes in eine Menschenmenge raste und dort eine ganze Menge Leid und Tod angerichtet hat. Obwohl der Killer Hodges eigentlich den letzten Schubs in den Tod geben will, erreicht er genau das Gegenteil: Der ehemalige Cop ermittelt und schafft es schließlich auch, den Killer zu stellen. Damit habe ich, denke ich, noch nicht zu viel verraten.

In diesem ersten Band lernen wir Bill Hodges kennen, sowie zwei weitere wichtige Figuren, die seinen Weg begleiten werden: Jerome Robinson, der ursprünglich eigentlich nur seinen Rasen mäht, und Holly Gibney, eine auf vielerlei Weise besondere Frau. Am Ende steht fest, dass Hodges sich nicht umbringen, sondern sich mit einer Detektei oder etwas Ähnlichem selbstständig machen wird.

Und genau hier setzt der zweite Teil, „Finderlohn“ ein. Wir haben dieselben Personen, wir haben dasselbe Setting, aber wir gehen jetzt einen Schritt weiter: Hodges hat seine Agentur eröffnet und bearbeitet einen vollkommen neuen Fall, in dem zwar auch Personen eine Rolle spielen, die durch die Ereignisse in „Mr. Mercedes“ beeinflusst wurden, die aber mehr der Ausgangspunkt als der Hauptinhalt sind.

„Finderlohn“, von dem ich handlungsmäßig gar nicht viel verraten möchte, weil diese für meinen mir wichtigen Punkt gar nicht so wichtig ist, fühlt sich sehr stark wie ein zweiter Teil einer Trilogie an. Es wird ein neuer Weg eingeschlagen, aber die Personen haben ihren stabilen Unterbau. Sie sind uns als Leser bekannt und wir freuen uns, sie wiederzusehen. Das Gefühl stimmt.

Sowohl „Mr. Mercedes“ als auch „Finderlohn“ lassen sich ohne große Magenschmerzen in das Genre „Krimi“ einordnen. Allerdings gibt es da eine kleine Andeutung zum Ende des Romans hin, die schon erkennen lässt, dass Mr. King nicht vergessen hat, für welche Art Romane er berühmt geworden ist.

Und nun also „Mind Control“. „Mind Control“ ist der dritte Band der Trilogie, der Band, in dem es das furiose Finale geben muss. Der Band, in dem uns die Figuren, die uns ans Herz gewachsen sind, noch einmal so richtig packen und mitreißen sollen.

Nun, das zumindest funktioniert. Besonders Bill Hodges und Holly Gibney sind inzwischen nicht mehr nur einfache Romanfiguren, sondern plastische Persönlichkeiten geworden. Das beherrscht Stephen King nach wie vor wie kaum ein anderer Autor.

Es gibt auch das grandiose Finale, das die ganze Trilogie von hinten aufrollt und damit zu einem Abschluss bringt, indem es noch einmal um den Killer aus „Mr. Mercedes“ geht.

Mein Problem ist nur: „Mind Control“ ist alles, aber kein Krimi mehr!

Natürlich gibt es Elemente, die diesem Genre artverwandt sind. Man kann die Personen und ihre Handlungen ja nicht völlig ohne die Detektivagentur sehen, oder ohne ihre Erlebnisse aus den letzten beiden Romanen. Aber ebenso wenig, wie die Geschehnisse aus „Finderlohn“ noch eine echte Rolle zu spielen scheinen, spielt die tatsächliche Ermittlungsarbeit eine echte Rolle.

„Mind Control“ ist von Anfang an ein echter Stephen King. Das macht aus ihm einen guten Roman. Aber einen nur sehr unbefriedigenden Abschluss seiner Trilogie.

Die Figuren müssen sich auf einmal mit Dingen auseinandersetzen, die für sie vollkommen fremd sind. Um das „Star Wars“-Beispiel vom Anfang aufzugreifen ist das Gefühl hier in etwa so, als wenn Episode IV und V ganz normale Science-Fiction gewesen wäre und in Episode VI auf einmal jemand gesagt hätte: »Ach, übrigens, es gibt da diese geheimnisvolle Macht, die alles umfließt. Fragen danach den grünen Zwerg du musst.«

Der ganze übernatürliche Aspekt, der zwar in „Finderlohn“ schon angedeutet wurde, wird nicht etwa langsam und vorsichtig in die Handlung integriert, sondern mit der Gewalt einer Dampfwalze hineingepresst.

Mehr als einmal ertappte ich mich beim Lesen dabei, dass ich das Gefühl hatte, dass diese Figuren in einen vollkommen falschen Roman hineingeraten sein könnten. Vor allem wurde ich die Frage nach dem Motiv für diese Vorgehensweise nicht los. Keine Frage, Stephen King hat die eine oder andere steile Stirnfalte hervorgerufen, als er plötzlich „normale“ Krimis veröffentlichte. Aber bei einem Autor, dem man schon zu Beginn der Achtziger nachsagte, er könne auch seinen Einkaufszettel veröffentlichen und die Leute würden ihn kaufen, erwarte ich eigentlich nicht, dass er vor dieser Meinung eingeknickt ist.

King ist in Teilen ein Discovery Writer. Das bedeutet, dass er von einer Idee ausgehend schreibt, ohne ein vollständiges Konzept zu haben. Natürlich ist er inzwischen so routiniert, dass trotzdem ein Werk dabei herauskommt, dass sich liest, als sei es durchkonzeptioniert. Hier habe ich das erste Mal das Gefühl gehabt, dass es nicht so gut geklappt hat, wie sonst.

Ist „Mind Control“ also als misslungener Abschluss zu betrachten? Ja und nein. Für die Trilogie-Puristen muss er sich wie eine Enttäuschung anfühlen. Für die altgedienten King-Fans, die sich nach dem Übernatürlichen umsehen und immer freuen, wenn sie es finden, dürfte anderes gelten.

Ich persönlich bleibe diesem Roman gegenüber zwiespältig, was dazu führt, dass ich ihn persönlich als den schwächsten dieses Dreiteilers in Erinnerung behalten werde. Auf der anderen Seite finde ich ihn aber, als Anschauungsobjekt, auch wieder sehr spannend, weil er zeigt, dass ein gutes Buch allein nicht garantiert, auch ein guter Abschlussband für eine Trilogie zu sein.

Wie steht es mit euch – habt ihr diese Trilogie gelesen und eine ganz andere Meinung? Oder empfindet ihr Trilogien an sich anders, als ich es geschildert habe? Mögt ihr überhaupt Fortsetzungsgeschichten?

Verratet es mir doch in den Kommentaren!

Reblog: Marketing für Selfpublisher: Vier Dinge, die man von den Großen lernen kann

Manchmal liegen Themen anscheinend so in der Luft. Im Moment ist es das Thema „Marketing“ und da insbesondere das, was man auch als vermeintlich kleiner oder Nachwuchsautor tun kann, um sich und sein Werk bekannt zu machen.

Nike Leonhard hat auf ihrem Blog eine Auseinandersetzung mit einem Artikel des Börsenblatts des deutschen Buchhandels veröffentlicht, der ich mich in weiten Teilen anschließen kann und die ich deswegen gerne hier teile. Es geht darin um Dinge, die man sich von Publikumsverlagen abschauen kann, weil sie auch für einen Selfpublisher ohne ungebührlich großen Aufwand umsetzbar sind.

Die Schwierigkeit liegt wie immer in der Umsetzung, in Zeitnöten und sonstigen persönlichen Faktoren begründet.

Aber genau deswegen ist dieses Thema ja eines, das latent immer in der Luft liegt: Weil es jeden betrifft und weil es einfach nie alt wird. Ganz zu schweigen davon, dass jemand ein Patentrezept erfunden hätte.

Ich freue mich auf die weiteren Diskussionen und Unterhaltungen zum Thema!

Nike Leonhard - Fantasy und Historisches

Im Börsenblatt des Buchhandels bin ich auf einen Beitrag über Beziehungsmarketing gestoßen. Unter der Überschrift „geliked, geshared, gekauft?“ wird dort über den Aufwand berichtet, den z. B. der Dressler Verlag betreibt, um die Leserinnen schon im Vorfeld auf „Die Feder des Greifs“ von Cornelia Funke aufmerksam zu machen. Da ist von Verlags-, Autoren- und Buchseiten im Internet die Rede, Social-Media-Accounts, Buchtrailern auf einem eigenen YouTube-Kanal, Trailer-Ads auf Facebook und Youtube, Teaserposts an ausgewählte Buchblogger, klassischen Online-Bannern und Gewinnspielen.

Uff, nein!

Als Selfpublisherin lässt sich dieser Aufwand unmöglich auch noch stemmen.

Trotzdem lohnt ein zweiter Blick auf den Artikel, denn einiges lässt sich doch übernehmen und ist nicht mal soooo schwierig umzusetzen.

1. Früh anfangen

Was als erstes auffällt ist, wie lange im voraus diese Kampagnen ansetzen. Das Buch soll am 26. September erscheinen, aber schon Anfang September habe ich die ersten „Gerüchte“ gehört, es werde eine Fortsetzung von Drachenreiters geben…

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Meldung und Meinung: Schreibprogramme im Vergleich

Es ist ja schon eine Crux mit dem Schreiben am Computer: Eigentlich sollte man meinen, dass es nichts einfacheres gibt, weil die Dinger doch inzwischen ziemlich erfolgreich die Schreibmaschine getötet haben und mittlerweile die ersten Generationen von Kindern aufwachsen, die sich nicht einmal vorstellen können, was das denn genau gewesen sein soll.

Andererseits hatten Schreibmaschinen einen entscheidenden Vorteil. Es war letztlich egal, ob da nun Adler, Olympia oder IBM draufstand. Sie alle tippten mehr oder weniger sauber Buchstaben auf Papier, eine Klingel ertönte und dann musste man irgendwann die Seite rausnehmen, um auf einer neuen weiterschreiben zu können.

Die leeren Seiten liegen heute im Drucker und werden erst dann befüllt, wenn man die gleichfalls leere Seite auf dem Bildschirm gefüllt hat. Und da kommt dann das ins Spiel, was Computer und Schreibmaschine über die Maßen unterscheidet. Als Autor habe ich eine geradezu unübersichtliche Möglichkeit, wie ich meine Texte in die Maschine tippen will.

Dabei gibt es heute ja sogar noch Vorteile, von denen die frühen Computerschreiber, zu denen wohl auch ich mich rechnen darf, nur träumen konnten. Nicht nur, dass man sich keine Gedanken mehr über das Medium machen muss, auf dem man seine Geschichten sichert (Musikcassette sage ich da nur!), man kann dank eines Quasi-Standards mit Microsoft Word auch fast jedes Programm dazu benutzen, Dateien munter zwischen den Programmen auszutauschen.

Das bedeutet, dass sich die Macher von Schreibsoftware heute schon einiges einfallen lassen müssen, um sich ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten und Kundschaft anzulocken.

Damit komme ich nach langer Einleitung zu dem Bericht, den Matthias Matting diese Woche auf seiner Seite veröffentlicht hat. Darin stellt er einen kurzen Vergleich zwischen den verschiedenen Programmen an, die sich gezielt an Autoren wenden und mit Funktionen punkten wollen, welche durch die normalen Officeprogramme wie eben Word, OpenOffice oder auch Textmaker nicht bieten.

Die großen Namen lauten in diesem Segment Papyrus Autor, Scrivener oder Patchwork. Aber auch neben diesen gibt es weitere Alternativen, die dem einen oder anderen vielleicht noch nicht bekannt waren.

Ich persönlich habe mich mit den meisten der genannten Produkte mal mehr, mal weniger ausführlich auseinandergesetzt. Nun muss ich dazu sagen, dass ich im Gegensatz zu vielen Autoren (bisher) nicht so viel Wert auf die Funktionen zum Plotten eines Romans gelegt habe und damit einiges an Wert des jeweiligen Programms für mich vielleicht gar nicht ersichtlich wird.

Ich habe mich seinerzeit für Papyrus entschieden, weil hier der DudenKorrektor und eine mächtige Stilanalyse integriert sind, die mich zwar in Bezug auf meine Romane etwas in die Verzweiflung treiben, aber für Kurzgeschichten durchaus sehr hilfreich sind. Scrivener, das ich mir zum gleichen Zeitpunkt angesehen habe, hat mich von der Art der Textverarbeitung her nicht überzeugt. Außerdem fehlten ihm exakt diese Dinge, die ich bei Papyrus fand.

Patchwork war mir vor fast einem Jahr, als ich meine Wahl traf, man möge mich dafür belächeln, noch gar nicht bekannt. Als ich es nun testete, sagte mir die Integration der Rechtschreibkorrektur des Dudens nicht zu. Schade, denn eigentlich bietet die Software einige sehr gute Ansätze zur Planung. Letztendlich hat es mich aber nicht zu einem Umstieg bewegen können.

Das Fazit, dass Matting zieht, kann ich nur eins zu eins wiederholen: Testet die Software und schaut, was sich für euch am besten anfühlt. Falls ihr denn überhaupt Gebrauch von spezieller Software machen wollt.

Denn eines muss ich zugeben … die meisten Texte schreibe ich immer noch in Microsoft Word und importiere sie später zur Bearbeitung nach Papyrus. Nennt es die Macht der Gewohnheit ;-).

Habt ihr schon einmal Schreibsoftware getestet? Was wäre das Killerfeature, das euch dazu bringen könnte, so ein Programm zu kaufen?

Wann ist der richtige Moment für ein Lektorat?

So, lange genug habe ich mich davor gedrückt, habe immer wieder andere Artikel vorgezogen und so getan, als könne ich das Thema damit aus der Welt schaffen. Aber wie ihr dem Sonntagsreport vom 24.07.16 entnehmen konntet, bin ich inzwischen konkret an der Planung, Realisation und Umsetzung eines Lektorats dran. Und damit ist es ein Thema, das auch für den Blog auf die Agenda gehört.

»Was ist denn eigentlich ein Lektor?«

Ich glaube zwar, dass ich diese Frage schon das eine oder andere Mal auf meinem Blog behandelt und beantwortet habe, aber ich kann ja nicht davon ausgehen, dass jeder jeden Beitrag gelesen hat. Und um ehrlich zu sein, ich verliere bei über 430 Artikeln auch langsam den Überblick.

Einen Lektor kann man sich, vereinfacht ausgedrückt, wie einen Textdoktor vorstellen. Er kümmert sich um das, was der Autor ihm bringt und versucht, es aus seiner Expertise heraus besser zu machen. Im Fall von Romanen heißt das oftmals, dass grobe strukturelle Probleme angesprochen werden, ebenso wie stilistische und inhaltliche Probleme.

Die Grenzen zu einem Korrektorat, das im Wesentlichen die klassische Prüfung auf Rechtschreibung und Grammatik darstellt, ist bei einigen Lektoraten fließend. Teils werden sie als sich ergänzende Bausteine angeboten, teils erhält man auch beides zusammen.

Der Lektor ist auf jeden Fall immer ein Profi, der mit einem professionellen Blick an den Text geht. Eventuelle Skrupel, den Autor auf Dinge, die den Text schlechter machen, als er sein müsste, hinzuweisen, kennt ein Lektor nicht. Daher ist es sowohl für den Profi als auch für seinen Auftraggeber wichtig, dass das Verhältnis untereinander offen und produktiv ist. Ein Lektor kann immer nur so gut für einen Text sein, wie es der Autor für die Anmerkungen des Lektors ist. Dennoch bleibt ein Lektor ein Dienstleister.

»Kümmert sich um so ein Lektorat nicht der Verlag?«

Jaha, das tut er – eigentlich. Aber wir haben in der heutigen Zeit zunehmend die Situation, dass viele Romane gar nicht mehr durch einen Verlag veröffentlicht werden, sondern dass dies in Eigenregie geschieht. Spätestens durch die Revolution des E-Books ist eine lebendige Szene aus Selfpublishern entstanden, die nie, oder wenigstens nicht immer, mit einem Verlag zusammenarbeiten.

Aber selbst die Zusammenarbeit mit einem Verlag garantiert heute, leider, kein sauber lektoriertes Buch mehr. Das hat etwas damit zu tun, dass die Verlagslektoren heute mehr und mehr in die Rolle eines Marketingbeauftragten gedrängt werden. Es geht, noch stärker als früher, um die Frage, ob und wie sich ein Text verkaufen lässt. Sicher, es war immer schon Aufgabe des Lektorats, einen Titel im Verlag schmackhaft zu machen, mit ihm hausieren zu gehen. Aber die Verteilung der zeitlichen Anteile ist mehr und mehr dabei, sich zu verschieben.

Heute hört man von vielen Autoren, dass das vermeintliche Lektorat sich am Ende als Korrektorat herausgestellt hat, was man manchen Romanen auch anmerkt. Leider.

»Okay, man sucht sich also einen Lektor. Sofort, nachdem man mit dem Schreiben fertig ist?«

Um Himmels Willen, nein! Oh ja, ich kenne den Impuls: Man hat das Wort „Ende“ unter einen Text geschrieben (bzw. so wie ich die Wortzahl) und fühlt sich, als müsse man diesen Roman, in den man Wochen und Monate an Arbeit gesteckt hat, sofort an den Leser bringen.

Früher wären die meisten Autoren hingegangen und hätten sofort E-Mails in die Welt geschickt, an alle die sie kennen und an alle Verlage sowieso. Inzwischen hat sich aber weitgehend herumgesprochen, dass die eigentliche Arbeit erst jetzt beginnt – nämlich mit der Überarbeitung. Und diese Überarbeitung, die sollte man selbst durchführen.

Denn natürlich könnte man sich jetzt einen Lektor suchen und mit ihm einen Vertrag aushandeln. Je nachdem wäre das eine helle Freude – für den Lektor, denn dieser Vertrag dürfte ihm einen saftigen Profit einbringen.

Die erste Fassung von allem ist immer Mist, so lautet ein geflügeltes Wort. Und auch wenn nicht alles Mist ist, so hat jeder unserer Texte seine kleinen schmutzigen Ecken. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann wissen wir das auch. Wir stehen jetzt vor der Entscheidung, noch eben schnell hinter uns selbst her zu putzen, oder gleich jemanden kommen zu lassen, der das auch tut, sich aber pro Quadratmeter bezahlen lässt.

Ich empfehle, selbst zu überarbeiten. Und das am besten nicht nur einmal, sondern mindestens zweimal. So lange, bis man das Gefühl hat, betriebsblind zu werden, also die Schmutzhaufen nicht mehr sehen zu können, selbst wenn sie direkt vor einem liegen.

»Aber dann! Dann hole ich mir einen Lektor ins Boot!«

Kann man so machen, ja. Es ist die Frage, ob man nicht lieber seine Ungeduld zügelt und sich noch ein paar andere Meinungen einholt.

»Andere Meinungen? Wie soll das gehen?«

Ganz einfach: Ich spreche von Testlesern! Wenn man einigermaßen im Internet präsent ist, kommt man mit ein wenig Freundlichkeit durchaus an Menschen, die bereit sind, das, was man geschrieben hat, im „Betastadium“ zu lesen und eine ehrliche Meinung dazu abzugeben. Hey, ich habe das geschafft, also schafft ihr das auch!

Der Vorteil von Testlesern ist, dass sie, im Gegensatz zum Lektor, in den meisten Fällen „nur“ auf die Handlung schauen dürften. Jedenfalls, solange der Text keine einzelne Stilblüte, sondern ein ganzes Stilblütenbeet darstellt. Und wenn man ganz viel Glück mit seinen Testlesern hat, dann liefern sie ein Feedback, das dazu führt, dass man Schwächen in seinem Roman erkennt und beheben kann. Meistens auch noch vollkommen kostenlos.

Nehmen wir einmal an, ihr habt eine wunderbare Nebenhandlung in eurem Krimi geschrieben, in der die Mutter des Täters die Bekanntschaft der Mutter des Opfers im gemeinsamen Altenheim macht. Eine nette Geschichte, findet ihr nicht auch? Ja, aber nicht, wenn ihr eigentlich einen temporeichen Psychothriller schreiben wolltet, der dem Leser von der ersten bis zur letzten Seite den Atem raubt. Da ist es nicht sonderlich passend, zwischendurch immer wieder auf das Nachmittagsbingo umzuschalten.

Wenn ihr diese Handlung aus dem Roman streicht (oder für spätere Romane wegsichert), dann fallen vielleicht fünfzig Seiten fort. Und das sind fünfzig Seiten weniger, die der Lektor bearbeiten und die ihr entsprechend bezahlen müsst. Eigentlich also eine ganz einfache Rechnung, findet ihr nicht auch?

»Gut. Überarbeitung, Testleser, Kürzungen … darf ich jetzt endlich einen Lektor ansprechen?«

Das darfst du schon die ganze Zeit, ich kann dir ja nur schreiben, wie ich es mache und wieso es sich bei mir so lange hingezogen hat, bis ich mich dermaßen ernsthaft mit dem Thema Lektorat befasst habe, dass ich angefangen habe, mir Kostenvoranschläge einzuholen.

Außerdem musste ich mich ja erst noch entscheiden, ob ich jetzt zuerst ein Probelektorat, ein Textgutachten, oder sofort ein Volllektorat suche.

»…«

Ja, ist ja gut, ich verstehe schon. Ich komme auch langsam zum Schluss. Versprochen.

Viele Lektorate bieten für wenige bis gar keine Kosten an, erst einmal ein paar Seiten des Romans zur Probe zu lektorieren. Ziel dessen ist es nicht nur, sich gegenseitig und die Arbeitsweise des anderen kennenzulernen, sondern auch, den Aufwand abschätzen zu können, der auf den Lektor und damit auf den eigenen Geldbeutel zukommt. Klar im Vordergrund steht aber wirklich der Aspekt, herauszufinden, ob man miteinander harmoniert.

Denn man muss sich im Klaren darüber sein, dass ein ehrlicher Lektor, eine ehrliche Lektorin, einem Dinge um die Ohren hauen wird, die man nicht gerne hören mag. Sicher, meist werden sie ein wenig abgemildert in ihrer Heftigkeit, wie bereits beschrieben, aber wenn es knallhart sein muss, dann ist es manchmal auch knallhart. Einer der von mir in Augenschein genommenen Lektoren sagt bereits auf seiner Homepage, dass er gewisse Projekte rundheraus ablehnt, weil er weiß, dass sich die Autoren damit ins Unglück stürzen würden. Und wer hört so etwas schon gerne, der gerade mit großem Aufwand die eigene Familienchronik bis zurück ins 18. Jahrhundert geschrieben hat!?

Hier sind wir eigentlich schon fast im Bereich dessen, was an anderer Stelle als sogenanntes Textgutachten gehandelt wird. Dabei kann es darum gehen, zunächst auf Grundlage eines Exposés oder einer Handlungsbeschreibung die zentralen Versatzstücke eines Textes herauszuarbeiten – und vielleicht schon zu retten, was gerettet werden kann, bevor der Autor sich viel Arbeit mit Textteilen gemacht hat, die er danach sowieso wieder entfernen muss.

Ein Textgutachter macht mit euch so etwas ähnliches wie eine Analyse des Stoffes, mal mehr, mal weniger auch an den Gepflogenheiten des Marktes ausgerichtet. Es werden Dinge wie der Spannungsbogen analysiert, wie die Originalität und dergleichen. Eine Probe des eigenen Textes ist dabei nicht obligatorisch, macht es aber natürlich einfacher für den Profi, zu erkennen, inwieweit ihr als Autor in der Lage seid, das, was ihr euch da ausgedacht habt, auch wirklich zu schreiben. Einen Pitch für einen Roman wie „Krieg und Frieden“ zu schreiben ist die eine Sache – den Roman dann auch wirklich durchzuziehen eine ganz andere.

Wenn ihr aber irgendwann dann endlich, wirklich endlich!, am Ende seid mit allen Vorbereitungen, mit allen Testlesungen, mit allen eventuellen Testlektoraten, dann schlägt die große Stunde: Ihr solltet euch für einen Lektor entscheiden, mit dem ihr euch eine Zusammenarbeit vorstellen könnt, die nicht nur fruchtbar für den Text ist, sondern auch euren Geldbeutel nicht zu sehr strapaziert.

»Geldbeutel? Ja, wie teuer ist das denn?«

Mit welchen Kosten man rechnen kann? Das ist, natürlich, immer so eine Sache. Ich werde hier keine Kostenvoranschläge posten, die mir genannt worden sind. Das hielte ich für sehr unseriös. Wenn ihr ein wenig auf den Seiten von Lektoraten herumsurft, dann werdet ihr feststellen, dass die Preise sehr schwanken. Auch die Art der Abrechnung unterscheidet sich – mal wird in Stunden gerechnet, mal in Seiten. Mal wird der Aufwand mit einberechnet, mal das Korrektorat.

Tatsache ist, dass man, je nachdem, ganz schön viel Geld für ein Lektorat ausgeben kann. Aber die Investition lohnt sich, denke ich, in jedem Fall!

»Und wo lässt du lektorieren? Kannst du eine Empfehlung geben?«

Ich habe in der Tat bereits ein Lektorat ins Auge gefasst. Allerdings ist da noch nichts spruchreif, sprich: Wir haben noch keinen Vertrag miteinander geschlossen. So lange werde ich da an dieser Stelle auch noch nichts zu sagen. Und danach auch erst, wenn ich das Okay bekomme, hier über die Zusammenarbeit zu schreiben. Ihr versteht sicherlich, dass da die Persönlichkeitsrechte deutlich vor der Lust am Bloggen gehen.

Selbstverständlich ist für mich aber, die dann – hoffentlich – gute Zusammenarbeit auch hinterher dort lobend zu erwähnen, wo es sich gehört: Im fertigen Roman!

Ich würde euch an dieser Stelle also auf jeden Fall die Empfehlung geben, euch selbst ein wenig umzutun. Es hängt stark vom persönlichen Gefühl ab. Genau wie eine Partnerwahl. Denn nichts anderes ist ein guter Lektor: Ein Partner auf Zeit, der für euch und euer Werk seine Profession, sein Wissen und sein Know-how einsetzt.

»Wann, also, ist denn jetzt der richtige Moment für ein Lektorat?«

Das, mein lieber Freund, kann ich nicht ultimativ für dich entscheiden. Ich hoffe, ich habe dir ein paar Hinweise geben und du hast etwas aus meinen Überlegungen und Gedanken für dich mitnehmen können.

Letztendlich kann ich nicht mehr tun als zu sagen, wie es sich für mich verhält:

Für mich ist genau jetzt der richtige Moment für ein Lektorat gekommen!