Wie viele Protagonisten gibt es in meinen Romanen?

Hallo zusammen!

Jede Woche veröffentlicht der Autor Richard Norden interessante Artikel rund um das Schreiben auf seinem Blog. Vergangenen Samstag ging es bei ihm um ein Thema, das den kleinen Statistiker (hört sich irgendwie pervers an, findet ihr nicht auch?) in mir angesprochen hat.

Es geht darum, wie viele Protagonisten ein Roman vertragen kann. Um nicht Nordens kompletten Artikel hier zu zitieren, den ihr euch dringend selbst durchlesen solltet, gebe ich nur eine Kernaussage wieder:

Derzufolge kommt es bestenfalls nicht, oder nur in klar umrissenen Ausnahmefällen, vor, dass ein Roman mehr als einen Protagonisten besitzt. Und das ist derjenige, der die größte Veränderung, den größten Konflikt, den größten Einsatz zu verzeichnen hat. Auch in Geschichten, die man als Film im „Buddy-Sektor“ verorten würde, oder selbst bei Liebesgeschichten, gibt es immer die eine Figur, die der zentrale Mittelpunkt der Handlung ist. Auch bei den meisten Heldenteams ist dies der Fall.

Die anderen Charaktere sind dann Sidekicks, Wegbegleiter oder manchmal auch simple Stichwortgeber.

Eine klare Ausnahme lässt Richard Norden nur für wirklich epische Geschichten gelten. Er nennt hier „Das Lied von Eis und Feuer“ als Beispiel, der Mehrheit inzwischen eher unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt. Ich würde sagen, dass generell bei Romanserien, die sich um eine Heldengruppe (wobei die Helden ja keine Helden sein müssen) drehen, in verschiedenen Einzelromanen die Gewichtung stärker auf verschiedenen Protagonisten liegen kann.

Wie gesagt, die Vorteile und Nachteile zu beschreiben, das kann Richard Norden besser als ich. Ich nutze die Gelegenheit dazu, einen meiner gefürchteten Blicke auf mein eigenes kleines Bücherregal zu werfen, in dem die von mir geschriebenen Romane stehen.

Aber keine Sorge, ich versuche, mich kurz zu fassen ;-)!


Silverstar I: Angst im Perseus-Spiralnebel
Mit diesem Band werden die meisten der Protagonisten eingeführt, die mich durch meine vielbändige Science-Fiction-Serie führen sollten. Es gibt eine klare Hauptfigur, die man übergreifend über alle Bände auch als Serienprotagonistin bezeichnen könnte. Wobei sie in einigen Bänden in den Hintergrund tritt/getreten wäre.

Silverstar II: Expedition durchs All
Wie das so ist in Serien, kommen hier noch zwei weitere Protagonisten hinzu. Am Fokus auf die eine zentrale Protagonistin ändert das allerdings zunächst nichts.

Silverstar III: Final Star
Dies ist der erste Roman der Serie (und gleichzeitig auch der letzte), in dem eine der anderen Figuren stärker in die Rolle des Protagonisten rückt. Man merkt der Geschichte allerdings auch an, dass sie dadurch zwar rasanter wird, aber eben jenen Fokus ein wenig verliert.

Lichter
Der Roman ist komplett aus der Sicht des Protagonisten geschrieben – mit kleinen Ausnahmen gen Ende, die aber nichts daran ändern, dass es immer um den einen zentralen Charakter geht.

Different Stories
Die Novellensammlung hat in allen drei Geschichten eine klare Hauptfigur, auf deren Schulter die Handlung liegt.

Es zwingt einen dazu
Die Handlung folgt vollständig einer Person, es gibt keine Szenen ohne sie. Auch ein deutliches Signal im übrigen dafür, dass diese Person der absolute Protagonist sein muss und, sozusagen, niemanden neben sich stehen hat.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis
Dem Namen nach sind hier zwar drei Kinder gleichberechtigt, es gibt aber eine deutliche Wortführerin – womit die Geschichte im Übrigen ganz in der Tradition so ziemlich jeder anderen Jugendserie (die daraus vielleicht mal geworden wäre) steht, wie mir gerade auffällt.

Der Morgen danach
Es gibt einen deutlichen Handlungsträger, der sogar über weite Strecken der Handlung ganz auf sich gestellt agiert. Vielleicht der deutlichste unter all meinen Protagonisten.

Der Rezensent
Die Handlung dieses Thrillers wird maßgeblich zwar durch andere Charaktere vorangetrieben, nicht zuletzt natürlich durch den Antagonisten, wie es sich für einen Thriller gehört, aber der Fokus liegt klar auf einer Hauptfigur, der später ein Sidekick beiseite gestellt wird.

Das Haus am See
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bietet allerdings durch sein enormes Personal eine ganze Menge an anderen Personen mit, welche die Handlung beeinflussen und welche auch den Protagonisten beeinflussen.

Der Ruf des Hafens
Auch diese Horrorgeschichte hat einen klaren Protagonisten – mit einer starken Frau an seiner Seite, aber eben „nur“ an seiner Seite.

Darkride
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es hier natürlich den Ermittler als einzigen echten Protagonisten zu verzeichnen. Zu ihm gehören, ebenfalls wie in den meisten guten Krimis, ein Sidekick, eine starke Partnerin und ein nervender Chef. Die einen nennen es Klischees, die anderen notwendige Zutaten ;-).

Der Redner
Das ist in der Tat ein Sonderfall, bei dem ich mich schwer tue, den einen Protagonisten zu benennen. Ich habe drei Figuren, die über weite Strecken des Romans alleine agieren und sich erst später zusammentun. Allerdings, bei strenger Auslegung von Richard Nordens „Regeln“, komme ich zu dem Schluss, dass der Reporter Kevin Ryason der Protagonist sein muss. Er macht die ersten seltsamen Beobachtungen und hält später in der Handlung die Fäden zusammen.

Der Beobachter und der Turm
Ganz klarer Fall: es gibt nur einen Protagonisten und der heißt Richard Lenhard. Auch wenn im zweiten Handlungsabschnitt die hier bereits einmal erwähnten Polizisten in den Fokus rücken, bleiben diese – wichtige – Nebenfiguren.

Die Welt der stillen Schiffe
Wieder ein Ensemblestück, bei dem aber alleine durch die Ich-Perspektive absolut unstrittig ist, wen man als die Hauptperson anzusehen hat.


Fazit:

Nicht nur, dass ich Richard Norden in seiner These generell zustimmen möchte, rein intutiv habe ich mich in den meisten Fällen auch an sie gehalten. In den meisten meiner Romane gibt es genau einen wirklichen Protagonisten, mit dem sich der Leser, wenn es gut läuft, identifizieren kann.

Wobei wir natürlich alle wissen, dass es auch gute Nebenfiguren sein können, die uns besonders ans Herz wachsen und wichtig für uns werden. Aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

Figurenentwicklung: Einen Charakter auf mehrere Stühle setzen

Heute möchte ich euch mal wieder einen kleinen Trick verraten, mit dem es für einen Autor leichter wird, sich in seine Figuren hinein zu versetzen und sie so zu besseren, lebendigeren Charakteren zu formen.

Manchmal ist es für den Autor schwer, mit den ganzen Eigenarten und Eigenwilligkeiten seiner Figuren Schritt zu halten. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass das, was er da tut, so eine Art Schizophrenie im geschützten Raum darstellt. Man spaltet sich als Autor in verschiedene Persönlichkeiten ab, die dann voneinander getrennt bleiben müssen, damit sie ihre Identität über den gesamten Roman hinweg behalten. Zumindest ist es für mich so.

Es ist also wichtig für mich, so viel wie möglich über meine Figuren zu wissen. Ich brauche nicht all dieses Wissen wirklich für den Roman, aber es ist hilfreich, wenn man immer ein wenig mehr Hintergrund in petto hat, als die jeweilige Szene gerade benötigt.

Man kann sich diesem Thema auf vielfältige Weise nähern, es gibt zum Beispiel viele Fragebögen, anhand derer man sowohl äußerliche Charakteristika einer Person festlegen kann, aber auch Dinge, die eher im Verborgenen liegen – bis hin zur Lieblingsfarbe oder dem Lieblingsbuch.

Eine andere Methode ist es, sich die jeweilige Figur einfach mal auf einen von mehreren Stühlen setzen zu lassen.

Die Technik der verschiedenen Stühle

Stuhlübungen sind aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen bekannt und werden dort auf vielfältige Weise verwendet. Sie werden von manchen Zahnärzten zur Prävention vor Behandlungsängsten eingesetzt.

Ebenso zur Behandlung von Ängsten oder anderer Beschwerden kennt man Stuhlübungen aus der Psychotherapie, vor allem aus dem Teilbereich der Verhaltenstherapie.

Dabei wird die Person, um die es geht, in unserem Fall also der handelnde Charakter, mit mehreren Stühlen konfrontiert. Eine Standardzahl ist hier die vier, es gibt aber auch noch andere mögliche Anwendungen. Für mein Beispiel wollen wir bei den vier Stühlen bleiben.

Jeder dieser vier Stühle steht nun für einen Teilbereich, unter dem der Betroffene eine sich ergebende Situation erleben oder begreifen kann. Es wird unterschieden in die Gedanken, die Gefühle, das Verhalten und den Körper.

Die Gedanken

Auf diesem Stuhl sitzend soll die Figur sich voll und ganz auf das konzentrieren, was die Situation, der sie sich gegenüber sieht, in ihren Gedanken auslöst. Worüber sie nachdenkt, was sie vielleicht auch für Assoziationen aufstellt. Sie kann die Gedanken nutzen, um Verknüpfungen zu bereits vorher erlebten Situationen zu weben und damit eine dichtere Verzahnung von einzelnen Situationen zu schaffen.

Es geht an dieser Stelle nur darum, in den Kopf der Figur hineinzusehen. Wenn ich weiß, was sich eine Figur denkt, dann kann ich ihre Handlungsweisen (wobei wir hier noch nicht dabei sind, wohlgemerkt) besser erklären und auch für den Leser plausibler machen.

Ziel ist es wohlgemerkt nicht, den Leser jetzt mit einer ganzen Litanei an innerem Monolog zu konfrontieren. Wie schon vorher gesagt, vielleicht findet sich auch so gut wie gar nichts von den hier gemachten Gedanken im Text wieder. Aber wenn man sich noch einmal vor Augen hält, dass es für den Menschen nicht möglich ist, nichts zu denken, wird die Wichtigkeit der Gedanken noch einmal nachvollziehbarer.

Die Gefühle

Gefühle sind etwas, das in vielen Geschichten schwer zu vermitteln ist. Wenn man zu viel von ihnen in eine Handlung legt, dann kann es passieren, dass man wahlweise zu kitschig wird, oder dass man die eigentliche Story lahmlegt. Gefühle sind also auf jeden Fall eher wohldosiert in den Text zu übernehmen.

Und doch wird jede Situation, in die der Autor seine Figur bringt, unweigerlich Gefühle bei ihr auslösen. Das können positive Gefühle ebenso sein wie negative. Vielleicht hat sie Angst im Angesicht eines Feindes, vielleicht fühlt sie sich verzweifelt.

Aber denkt daran: Menschen ist es zu eigen, dass sie oftmals versuchen, ihre Gefühle hinter einer Maske zu verstecken. Romanfiguren sind da nicht anders! Oftmals machen Autoren sich genau das ja auch zunutze, dass sie eine eigentlich ängstliche Figur auf einmal über sich hinauswachsen lassen. Dann ist es für den Autor gut zu wissen, dass diese Angst da ist – und auch, welches stärkere Gefühl (Verantwortung, Sorge, etc.) dazu führt, dass die Angst für diesen Moment überwunden wird.

Es schafft dreidimensionalere Figuren, die nicht auf einmal vollkommen gegen ihre Natur handeln, nur weil es gerade der Handlung dienlich ist.

Das Verhalten

Wie sich eine Figur verhält, ist, sollte man meinen, das einfachste von allen Disziplinen, die ein Autor anzuwenden hat, um seine Leser an die Geschichte zu binden. Die Figur handelt einfach. Ende der Sache.

Nein, so einfach ist es nicht. Denn ebenso, wie es bei den beiden anderen Punkten der Fall war, kann es durchaus sein, dass eine Figur sich ganz anders verhält, als es die Situation eigentlich rechtfertigen würde.

In Thrillern wird gerne mit solchen Elementen gearbeitet. In meinem Roman „Darkride“ beispielsweise schicke ich meinen Polizisten in einen Vergnügungspark und lasse ihn da Achterbahn fahren – obwohl er schon beim Anblick einer Kinderachterbahn Herzrasen bekommt. Das Verhalten, das er an den Tag legt, passt überhaupt nicht zu seiner inneren Einstellung. Zu wissen, woher dieses Verhalten kommt, hat mir geholfen, sowohl seine Angst als auch deren Überwindung im Rahmen der Ermittlungen einigermaßen glaubhaft (so hoffe ich wenigstens) darzustellen.

Wir verhalten uns eben nicht immer so, wie wir uns gerne verhalten würden. Und es ist interessant, viel über diese Diskrepanzen zu wissen und auch, es zu nutzen.

Der Körper

Abschließend noch ein paar Worte zum Körper, beziehungsweise zu den körperlichen Reaktionen. Dies ist nun, endlich, einmal relativ eindeutig. Denn die körperlichen Reaktionen, die wir, ebenso wie die Figuren in Romanen, an den Tag legen, lassen sich meistenteils nur schwer kontrollieren – und nicht für lange.

Hier muss man als Autor allerdings aufpassen, dass man nicht zu sehr in Klischees badet, etwa in den Charakteren, die vor Zorn zittern. Das ist sehr naheliegend, weil wir mit diesen Klischees groß geworden sind.

Aber wie ist es mit einer Figur, die nach außen hin vollkommen ruhig erscheint und sich wahnsinnig anstrengen muss, nicht einfach loszubrüllen – weil das Thema, um das es geht, so hochemotional besetzt ist? Ja, daraus ließe sich doch etwas machen, findet ihr nicht auch?

Mein Fazit

Selbstverständlich sind all diese Punkte, die ich zu den vier Stühlen benannt habe, nur Beispiele. Sogar recht einfache Beispiele. Nicht umsonst müssen sich Ärzte und Therapeuten lange, lange mit diesen Dingen auseinandersetzen. Wenn man das „Spiel“ mit echten Menschen spielt, muss man sich dessen bewusst sein, dass intensive Auseinandersetzung zu intensiven Reaktionen führen kann. Nun, zumindest das muss man bei Romanfiguren nicht befürchten.

Übrigens ist, glaube ich, der Aufwand, den man hierfür betreiben muss, so immens, dass es sowieso nur für wenige ausgesuchte Figuren in Betracht kommt, ihn zu betreiben. Aber auch einen der besagten Fragebögen füllt man nicht für eine Nebenfigur aus, die gerade einmal in zwei Szenen auftaucht.

Die Person, die man auf die Stühle setzt, ist die Hauptperson. Im echten Leben ebenso, wie im Roman.

Probiert es doch mal aus und sagt mir, was ihr davon haltet. Oder habt ihr sogar schon einmal nach dieser Methode gearbeitet? Ich bin gespannt!

Die Farben der Überarbeitung: Papyrus-Edition

Nachdem ich gestern davon schrieb, dass ich mich nun langsam aber sicher wieder an die Arbeit mit Papyrus herantaste, dachte ich, dass ich euch das Kernfeature, das mich überhaupt zu diesem Programm gebracht hat, einmal „in Farbe“ präsentiere. Es handelt sich dabei um die Stilanalyse, die man sechs verschiedenen Varianten auf den eigenen Text loslassen kann. Jede dieser Varianten dient dabei einem anderen Zweck, lässt den Text jedoch primär erst einmal in unterschiedlichen bunten Farben erstrahlen.

  1. ohne Stilanalyse
  2. flüssiges Schreiben
  3. selbstkritisches Schreiben
  4. Überarbeiten
  5. intensive Analyse
  6. Endkorrektur
  7. Vollanalyse

Ich denke, ich brauche an dieser Stelle keine langen Worte verlieren, aus welchem Grund das Ergebnis sehr beeindruckend, aber auch niederdrückend, sein kann, sondern zeige euch einfach einmal die Farben der Überarbeitung in der Papyrus-Edition:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Falls bei einigen von euch die Slideshow nicht funktionieren sollte, findet ihr die einzelnen Screenshots hier noch einmal zum durchklicken:

Die Überarbeitung von Texten – und wieso ich MS Word nicht mehr blind vertraue

Wer meinen Blog in den letzten paar Monaten auch nur rudimentär verfolgt hat, der kam gar nicht umhin, festzustellen, dass die Überarbeitung von Texten ein gewaltig großes Thema bei mir ist.

Überarbeitung ist wichtig, an ihr geht kein Weg vorbei, wenn man ein Ergebnis produzieren will, das nicht nur gut genug für die heimische Schublade ist, sondern das auch andere Menschen interessieren könnte – ihnen im optimalen Fall sogar irgendwann einmal den einen oder anderen Euro aus der Tasche lockt.

Ich habe das, zugegeben, erst lernen und verinnerlichen müssen, aber als ich dann so weit war, machte ich mich, wie es meine Art ist, auf die Suche nach Hilfsmitteln, die mir die Überarbeitung erleichtern. Und das fing für mich mit der Suche nach der richtigen Software an.

(Hinweis: wen meine ganze, lange Odyssee nicht interessiert, den bitte ich, direkt unter der Überschrift ‚Word verliert an Glaubwürdigkeit‘ weiterzulesen. Vielen Dank :-))

Die richtige Software finden

Der naheliegendste Gedanke ist natürlich, das Programm einzusetzen, mit dem man sowieso die ganze Zeit über geschrieben hat. In meinem Fall war das bis zum September 2015 Microsoft Word 2007. Mit diesem Programm kannte ich mich aus, kam auch gut damit zurecht. Aber was mich immer schon ein wenig störte war, dass die Rechtschreib- und Grammatikprüfung auf mich nicht den Eindruck machte, dass sie wirklich nach den Regeln der Neuen Deutschen Rechtschreibung funktionierte. Entsprechende schlechte Erfahrungen hatte ich unter anderem in meinem Brotberuf gemacht.

Als dann noch das Ende des Supports für das Officepaket von 2007 so langsam auf dem Kalender sichtbar wurde, stand für mich fest, dass ich etwas anderes probieren wollte.

OpenOffice

Wie es die Meisten in meiner Situation wohl auch tun würden, warf ich zuerst einen Blick auf kostenfreie Möglichkeiten, allen voran das mir schon bekannte OpenOffice. Doch leider ist einer der Hauptnegativpunkte bei diesem Office immer noch vorhanden: Es ist schlicht nicht möglich aufwändigere Excel- und Powerpoint-Dateien verlustfrei, also ohne Änderungen, zu importieren. Und von denen habe ich zwar nicht viele, aber einige wichtige.

TextmakerKompatibilität war also das Stichwort. Und mit dem landete ich schnell bei SoftMaker Office. Dieses Programm ist, unter diesem Aspekt betrachtet, wirklich eine Offenbarung! Selbst kompliziertere Excel-Berechnungen werden 1:1 aus den vorhandenen .xls-Dateien übernommen. Und auch in der Textverarbeitung gab es keinen Punkt, der mich negativ gestimmt hätte, zumal das Programm auch den Duden-Korrektor mit an Bord hat, der für hohe Qualität in der Textkorrektur bürgt.

PapyrusNebenbei liebäugelte ich schon lange mit dem Programm PapyrusAutor, das ich mir schließlich zwar anschaffte, dann aber für die tägliche Textarbeit nicht einsetzen konnte, weil ich, aus verschiedenen Gründen, Teile meiner Texte auch auf der Arbeit (natürlich nur in der Pause) schreiben wollte. Und dort konnte ich Papyrus nicht installieren. Ich fand die Idee aber gut, es vor allem zur Stilanalyse in der Hinterhand zu haben. Die Rechtschreibprüfung konnte ich ja getrost dem SoftMaker-Produkt überlassen.

Nun ist es aber doch so, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Und auch, wenn die Ribbon-Oberfläche von Microsoft sich im Jahr 2006 vollkommen komisch und in Teilen beinahe unbedienbar anfühlte, so hatte man sich doch im Laufe der Jahre zwangsläufig an sie gewöhnt. Und so war es schließlich meine Frau, die mir nett aber deutlich zu verstehen gab, dass sie mit der vergleichsweise traditionellen Oberfläche von SoftMaker Office nicht klar kam und ich vielleicht doch noch mal über Microsofts Office nachdenken solle.

Und so tat ich etwas, was ich mir vorher eigentlich aufgrund des seltsamen Lizenzmodells nicht vorstellen konnte: ich schloss ein Abo für Office 365 ab (wegen eines Features, das eigentlich mit dem Paket gar nichts zu tun hat und hier auch nicht hingehört). Bei meiner Frau auf dem Notebook zogen wieder Word, Excel und Powerpoint ein und sie war damit glücklich und zufrieden.

Und ich? Na ja – ich gebe ja zu, ich bin ein Spielkind, was Software angeht. Es reizte mich einfach, das nun schon einmal vorhandene Paket mit seinen vielen Lizenzen auch bei mir zu installieren. Und wie es dann so ist, ist es einmal da, dann benutzt man es auch.

Die Rechtschreib- und Grammatikprüfung machte einen besseren Eindruck als bei der rund zehn Jahre älteren Version. Und ansonsten hatte ich ja Papyrus noch in der Hinterhand. Aber für die „einfachen“ Dinge in der Überarbeitung würde Word schon reichen.

Der Modus Operandi: Meine blaue Liste

Blaue_ÜberarbeitungDen genauen Ablauf meiner Arbeiten in Bezug auf die Überarbeitung erspare ich euch jetzt an dieser Stelle einfach. Ich habe in vielen, vielen Beiträgen davon erzählt. Das Wesentliche, was ich an dieser Stelle aber noch einmal erwähnen muss, ist meine sogenannte „blaue Liste“, auf der ich viele Dinge zusammengefasst habe, von denen ich weiß, dass ich sie entweder falsch mache, sie zu häufig einsetze, oder dass sie mir einfach durchgerutscht sein könnten.

Diese Liste war mein Modus Operandi, mit ihr rückte ich Schritt für Schritt, und ja auch im Blog in Teilen dokumentiert, den ausgemachten Problemen zu Leibe. Es handelte sich durchweg um Dinge, von denen ich annahm, dass es kein Problem sein würde, sie mit Word zu machen, weil es wirklich „Basics“ waren, wie etwa das Auffinden von Doppelpunkten oder doppelten Leerstellen.

Mir war zu diesem Zeitpunkt schon bewusst, dass ich all das auch mit Papyrus hätte erledigen können, aber immer noch zählte für mich der Vorteil der örtlichen Ungebundenheit – zumal ich, dank entsprechender Lizenz, ja sogar von unterwegs auf meinem Smartphone mit Word arbeiten konnte.

Der Plan sah immer vor, nach den abgeschlossenen Arbeiten in Word, zu Papyrus zu wechseln, um dort „nur noch“ die Stilanalyse durchzuführen. Trotzdem machte ich in Word noch einmal, als allerletztes, die Rechtschreib- und Grammatikprüfung. In der besten Meinung, damit schon einmal gut vorgearbeitet zu haben. Und tatsächlich fand Word auch einige Dinge, hauptsächlich im Bereich der Groß-/Kleinschreibung von Wörtern.

Word verliert an Glaubwürdigkeit

Zunächst einmal begrüße ich an dieser Stelle alle Leser, die den Zwischenteil übersprungen haben, aufs Herzlichste! 🙂

Wir befinden uns gerade an dem Punkt, an dem in meiner Überarbeitung PapyrusAutor auf mein zuvor mit Microsoft Word 2016 gepflegtes Dokument losgelassen wurde. Das ist erst vor einigen Tagen der Fall gewesen. Da stand ich also nun mit meinem Dokument und erhoffte mir, dass ich nun möglichst schnell zu den Punkten kommen konnte, für die ich mir Papyrus ja explizit gekauft hatte.

Aber, weil gerade im Hintergrund irgendein Fußballländerspiel lief und ich nicht meine volle Konzentration am Text hatte, dachte ich mir, ich könne ja spaßeshalber mit der Rechtschreibprüfung anfangen. Die dürfte ja nicht viel finden.

Dazu sage ich nur:

Oh! Mein! Gott!Ich hatte ja keine Ahnung davon, wie viele Fehler man im Bereich der Groß- und Kleinschreibung machen kann! Word hatte mich, hauptsächlich nach dem Einsatz eines Doppelpunkts, so gut wie alle weitergehenden Satzanfänge in klein weiterschreiben lassen. Papyrus belehrte mich nun eines Besseren, nämlich, dass gemäß des Dudens Sätze, die auch vollständig für sich stehen könnten, nach dem Doppelpunkt groß begonnen werden. Und da der Dudenkorrektor integriert ist, bekam ich auch gleich die passende Regel zum Nachlesen dazu.

Hier fühlte ich mich zum ersten Mal von MS Word, sagen wir mal, nicht ganz gut beraten. Und in dem Stil ging es (leider) weiter. Da fanden sich Fehler im Satzbau, die ich teilweise (nicht alle, ich will ehrlich sein) wegen der Grammatikprüfung von Word eingebaut hatte. Aber auch bei den Fehlern, die nach wie vor ursächlich meine eigenen waren, hätte ich erwartet, darauf aufmerksam gemacht zu werden.

Dass Word bis heute nicht in der Lage ist, im Bereich der Kommasetzung umfassend korrigierend einzugreifend, sei den Machern insofern verziehen, dass die deutschen Regeln zur Zeichensetzung nicht ganz einfach sind und es sich bei Word immerhin um ein international eingesetztes Programm handelt, das sich vielleicht auch gar nicht so sehr auf den jeweiligen Markt anpassen lässt – zumal es ja externe Lösungen gibt, die man einbinden kann.

Aber was ich Word unter gar keinen Umständen verzeihen kann, auch gar nicht verzeihen will, ist die Tatsache, dass Papyrus auf einmal noch eine Handvoll Textstellen fand, bei denen sich zwei Leerzeichen statt einem in den Text verirrt hatten! Und das waren definitiv keine Stellen, bei denen ich mir das Ei durch nachträgliche Überarbeitung vielleicht selbst ins Nest gelegt habe!

Wenn einem so etwas vor die Augen kommt, dann stellt man sich doch zwangsläufig die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Prüfalgorithmen, die da zum Einsatz kommen. Wenn selbst etwas so einfaches wie das Aufstöbern von zwei aufeinander folgenden Leerzeichen nicht klappt, dann ist ganz schön was falsch im Staate Washington, wo Microsoft seinen Firmensitz hat.

Und nun, was lerne ich daraus?

FragezeichenIch habe meine Lektion gelernt, auch wenn sie für mich leichte Unannehmlichkeiten in Bezug auf meine Flexibilität mit sich bringt. Und diese Lektion lautet, dass ich einige der Schritte, die ich anhand meiner blauen Liste in Word durchgeführt habe, zukünftig in die Hände von Papyrus legen werde. Dort gehören sie entweder sowieso zur eingebauten Stilanalyse dazu, oder sie haben sich als besser gepflegt und aufgestellt herausgestellt.

Im Endeffekt spare ich mir auf diese Weise sogar ein wenig Zeit, weil ich nicht Arbeitsschritte doppelt machen muss, weil ich einem der eingesetzten Programme nicht mehr zu 100% vertrauen kann.

Es mag sein, dass ich Microsoft Word ein wenig Unrecht tue, weil ich seine Standard-Rechtschreibprüfung gegen den Dudenkorrektor vergleiche. Das will ich gerne zugeben. Aber für die Sache mit den Leerzeichen braucht man keine auf eine Sprache spezialisierte Erkennungssoftware. Das ist im Deutschen so falsch wie im Englischen, im Französischen oder im Isländischen.

Und ihr so?

Zum Ende des wieder einmal recht lang gewordenen Artikels würde mich interessieren, ob ihr selber auch schon Erfahrungen gemacht habt, die euch an der Rechtschreib- und Grammatikprüfung von MS Office haben zweifeln lassen. Oder habt ihr vollkommen andere Eindrücke? Habe ich vielleicht irgendwas falsch gemacht?

Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Wie man eine Kurzgeschichte um ein Drittel kürzt

Ihr erinnert euch doch noch, wie ich davon erzählte, dass ich bei einer Kurzgeschichte ein Drittel des Umfangs zu kürzen haben würde, oder? Das war die Geschichte, die ich bei einer Anthologie einreichen möchte, bei der die Chancen auf Annahme größer sind, wenn die eingereichten Texte nicht länger als 10.000 Zeichen sind.

Und jeder, der hier schon länger als zwei Wochen mitliest weiß, wie schwer ich mich mit der Kürze von Texten tue. Ich bin Verfechter einer Sprachgewalt, die sich auch in gewaltigen Wortmengen ausdrücken darf ;-).

Trotzdem habe ich es, fast ohne Schmerzen, geschafft, die rund 15.800 Zeichen auf das gewollte Maß zusammenzustreichen. Und in diesem Beitrag möchte ich euch einmal erzählen, wie ich das gemacht habe.

Mehrere Durchläufe machen

Der beste Tipp, den ich zu geben habe, ist es wert, direkt zu Beginn genannt zu werden. Für mich hat es sich deutlich bezahlt gemacht, nicht etwa in einem Gewaltakt alle Zeichen auf einmal kürzen zu wollen, die ich kürzen musste. Ich habe gemerkt, dass es mich blockieren würde, wenn ich das versuche.

Das Kürzen einer Kurzgeschichte kann man entweder, um bildlich zu sprechen, mit dem vorsichtigen herausschneiden von einzelnen Verästelungen vergleichen – oder mit dem Text Chainsaw Massacre. Bei diesem Blutgericht des Textes würde dann der eine oder andere Textbestandteil, den man hinterher noch bitter bedauern würde, mit verloren gehen.

Ich habe mir für meine Geschichte vier Durchläufe gegönnt. Mein Ziel war es, in jedem einzelnen Durchlauf so viele Zeichen wie möglich zu entfernen, ohne dass darunter die Geschichte leiden sollte. Durch die behutsame Vorgehensweise erreichte ich, dass gar kein schlechtes Gefühl bei mir aufkommen konnte. Gleichzeitig lernte ich, als Nebeneffekt, meine Geschichte immer besser kennen und erkannte Kürzungspotenzial an anderen Stellen. Dennoch war ich nicht dazu gezwungen, wild im Text hin und her zu springen, weil ich wusste, dass ich noch einmal an dieser Stelle „vorbeikommen“ würde.

Durch die Aufteilung auf mehrere Durchläufe fühlt es sich wesentlich organischer an, die Teile aus dem Text zu lösen, die diesen (im Sinne der Ausschreibung) unnötig aufblähen. Außerdem ist es ungeheuer motivierend, wenn man sich im Laufe der Arbeit sagen kann: noch einmal 800 Zeichen weniger! Ich habe das gestern z.B. mit meiner Twitter-Timeline geteilt und auch von dort Zuspruch bekommen.

Von „richtigen“ und „falschen“ Namen

Es ist eigentlich eine Kleinigkeit, aber auf die muss man erst einmal kommen! Habt ihr euch schon einmal Gedanken gemacht, wie oft in einer Geschichte die Namen der Beteiligten genannt werden? Das hatte ich vorher auch nicht. Aber glaubt mir, es sind eine Menge!

Meine Geschichte ist ein Stück mit nur zwei Personen, aber selbst die sprachen sich dauernd mit ihrem Namen an. Und jede dieser Nennungen fraß Zeichen. Die Lösung war also, dass sie entsprechend kürzere Namen bekommen mussten!

Vergleicht das mal: Aus einem Friedrich wird ein Fritz. Aus einer Hannelore eine Lore. Kommt natürlich auf die Geschichte an. Wenn ich im Milieu einer Bank handle, dann kann es sein, dass der Geschäftsführer Dr. Müller-Riebesiehl heißt. Aber ob ich mir damit einen Gefallen tun würde, da bin ich mir nicht sicher.

Verwendet kurze Namen, das spart einiges ein!

Sprechen die Figuren richtig miteinander?

Dialoge sind das Salz in der Suppe jeder Geschichte. Aber mit ihnen kann man auch einiges falsch machen. Wobei „falsch“ in diesem Zusammenhang hier eigentlich nicht richtig ist.

Die literarische Sprache neigt dazu, derart ausgefeilt zu sein, dass auch in Dialogen mehr oder weniger vollständige Worte benutzt werden. Das finde ich gut und legitim. Aber wenn die eigenen Figuren es hergeben – warum nicht ein wenig abkürzen?

In meiner Geschichte geht es um zwei junge Menschen. Und da finde ich, dass die durchaus auch schonmal in nicht 100% korrekten Sätzen miteinander reden dürfen. Nein, eigentlich nicht nur dürfen, sondern es ist absolut gerechtfertigt und steigert sogar noch den Realismus!

Oft neigt man auch dazu, in Dialogen Dinge zu wiederholen, die vorher schon im Text gestanden haben. Wenn zum Beispiel eine Haiflosse aus dem Wasser herausgeschossen kommt, ruft mit Sicherheit irgendwer: „Da kommt ein Hai!“

Ich bin mir sicher, dass sich dort Kürzungspotenzial versteckt. Der Hai kann ja genausogut einen Überraschungsangriff starten, ohne Vorankündigung!

Noch mehr unnütze Dopplungen

Aber das Phänomen der zweifelhaften Dopplungen gibt es nicht nur im Umfeld von Dialogen. Auch in Beschreibungen schleichen sie sich ein. Vor allem dann, wenn, so wie in meinem Fall, die Handlung an einem einzigen Ort stattfindet. Meine beiden Figuren sind in einem Waldgebiet. Da neigt man schnell dazu, überspitzt gesagt, fortlaufend jeden einzelnen Baum zu beschreiben oder die Art, in der die Tiere sich verhalten.

Stellt euch hier knallhart die Frage, wen das eigentlich im Zusammenhang mit der Story interessiert. Einmal kann man das bringen, um das Setting deutlich zu machen. Aber schon das zweite Mal ist, immer in Bezug auf die Länge gedacht, überflüssig. Auch auf diese Weise lassen sich einige Zeilen Text streichen. Dafür kann man lieber bei der Erstbeschreibung ein wenig (!) ausführlicher werden.

Für fast jedes Wort gibt es ein kürzeres

Und der absolute Klassiker muss hier natürlich auch erwähnt werden – auch wenn, oder gerade weil, er am wenigsten Spaß macht. Aber nicht umsonst haben unsere Textverarbeitungssysteme diese neckischen Thesaurusse eingebaut, mit denen man nach anderen Wörtern für das, was man eigentlich gerade verwenden wollte, suchen kann. Denn für fast jedes Wort gibt es ein kürzeres!

Nehmen wir gleich diesen Absatz gerade. Statt „unsere Textverarbeitungssysteme“ hätte ich auch einfach schreiben können „eure Textverarbeitung“. Oder verkürzt „hat Word“. Es kommt natürlich auch hier wieder auf den Zusammenhang an. Aber es ist schon ein starkes Argument, wenn „Textverarbeitungssystem“ dreiundzwanzig Wörter hat und „Word“ gerade mal vier.

Hier müsst ihr euch auf euer Gefühl für euren Text verlassen, weil es schwer ist, allgemeine Hinweise zu geben. Außerdem ist nicht jeder gleichermaßen bereit, seinen normalen Wortschatz auf diese Weise zu verbiegen. Aber versucht, es eben nicht als etwas zu sehen, vor dem ihr auch beugen müsst, sondern nehmt es als aktive Erweiterung eures Wortschatzes! Dann macht die Arbeit vielleicht auch wieder mehr Spaß.

Fazit

Es ist, wenn auch mit einiger Fleißarbeit, durchaus möglich, aus 16.000 Zeichen 10.000 zu machen. Und wenn ich das geschafft habe, dann kann das, so prognostiziere ich, jeder schaffen!

Habt ihr noch mehr Tipps, die ich vergessen habe? Nennt sie mir gerne in den Kommentaren!

Die blaue Liste (4) Eigentlich scheint ziemlich wahrscheinlich …

… ja, was denn eigentlich?

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitautorinnen und Mitautoren und entschuldigt den etwas unorthodoxen Start in diesen Beitrag. Aber genau darum soll es gehen, dass am Ende niemand mehr so recht den Durchblick hat, was nun eigentlich wirklich Sache ist, was nur Gedankenspiel, was vielleicht auch nur eine Fiktion oder Überlegung.

Ihr seid immer noch nicht schlauer? Dann lasst euch von mir mitnehmen auf einen Exkurs in den Bereich der eindeutigen Sprache.

Wir lieben es, wenn Sprache eindeutig ist. Jeder von uns zieht eine klare Aussage einer unklaren vor. Ich jedenfalls höre viel lieber den Satz

„wir gehen ein Eis essen“

als den Satz

„wahrscheinlich gehen wir ein Eis essen“.

Während mir der erste Satz bereits das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, hat der zweite ein bitteres Hintertürchen, das jederzeit zugeschlagen werden könnte. Der Mensch sehnt sich nach Sicherheit, nach der Sicherheit, wie sie aus klaren Formulierungen gezogen werden kann. Das ist nicht nur bei der persönlichen Lustbefriedigung in Form eines großen Eisbechers so, sondern auch in fast allen anderen Bereichen des täglichen Lebens.

„Eigentlich liebe ich dich“

wird niemals den Vorrang bekommen vor

„Ich liebe dich“.

Darüber sind wir uns, glaube ich, einig. Auch hier gilt das gleiche Prinzip: das Wort „eigentlich“ bietet Ansatz zur Verunsicherung, zur Unklarheit. Das wollen wir nicht. Wir wollen uns nicht in jeder Aussage wieder neu den Kern Wahrheit heraussuchen, der hoffentlich vorhanden ist.

In einer normalen Konversation ist dies schon störend – in einem Roman kann es bei zu inflationärem Gebrauch sogar tödlich werden. Denn hier fehlen die ganzen weiteren Metainformationen, die man im persönlichen Gespräch bekommt. Wenn ich meiner Frau den ersten der beiden Liebes-Sätze sage und sie dabei frech angrinse, bekomme ich vielleicht einen Knuff auf den Oberarm, aber bestimmt auch ein Lächeln zurück. Gewiss, eine solche Szene kann ich auch im Roman schreiben, aber eben nur in gewissem Maß und in gewisser Weise.

Der Leser erwartet vom Autor des Buches, dass er sich über das, worüber er schreibt, im Klaren ist. Denn er ist der einzige Wegweiser, die einzige Instanz, die den Leser durch das Buch führen kann. Der übermäßige Gebrauch von Wörtern wie „wahrscheinlich“, „eigentlich“, „ziemlich“ und „scheint“ schwächt diese Führung.

Lesen wir einen Satz, der zum Beispiel so lautet:

„Der Turm war ziemlich groß und wahrscheinlich schon sehr alt. Er schien schwarz zu sein, aber eigentlich war Richard sich da nicht so sicher.“

Wenn ich diesen Satz (der übrigens kein Original aus meinem Manuskript ist, vielen Dank!) lese, dann bekomme ich den kaum zu widerrufenden Eindruck, dass der Autor selber keine Ahnung hat, wie dieser Turm eigentlich aussieht. Jetzt heißt es schnell sein und diesen Eindruck korrigieren, aber nichts ist so schwer gerade zu rücken wie ein erster, schlechter Eindruck.

An dem Beispiel wird auch deutlich, dass ein dosierterer Einsatz solcher Wörter durchaus auch dazu dienen kann, einen geheimnisvollen Eindruck zu hinterlassen, was bei einem Roman wie „Der Beobachter und der Turm“ ja nicht einmal schlecht ist. Es kommt eben darauf an. Mit ein wenig mehr Zurückhaltung würde sich der Satz etwa so lesen:

„Der Turm war mindestens dreißig Meter hoch und augenscheinlich sehr alt und verwittert. Die Farbe mochte schwarz sein, aber eigentlich war Richard sich da nicht so sicher.“

Ja, welche Farbe hat der Turm denn jetzt und was wird Richard tun, um es herauszufinden? Spannend, oder?

In anderen Erzählperspektiven klappt es noch weniger, den Leser an die Hand zu nehmen, wenn man sich permanent um klare Aussagen drückt. In der Ich-Perspektive geschriebene Geschichten sollten, so empfinde ich es zumindest, ganz besonders darauf abgesucht werden, ob man sich nicht durch unklare Sprache ein erzählerisches Eigentor schießt. Schlechte Beispiele wären hier Sätze wie etwa

„wahrscheinlich habe ich Hunger“ statt „ich habe Hunger“

„Eigentlich ist er nett“ statt „Ich finde ihn nett“

Natürlich kann man, wie bereits gesagt, auch die ersten Sätze verwenden. Aber bitte behutsam und nicht im Übermaß.

Denn eigentlich will der Leser ziemlich wahrscheinlich eine Geschichte, in der sich der Protagonist, der Antagonist und alle anderen auch sicher zu sein scheinen, was sie tun, warum sie es tun, wie ihre Wahrnehmungen, ihre Wünsche, ihre Pläne aussehen und was sie bereit sind, dafür zu tun, um sie zu erreichen.

Gönnen wir sie ihnen, würde ich sagen, liebe Mitautoren und Mitautorinnen!

Meinem Manuskript hat es jedenfalls sehr gut getan, all diese Formulierungen aufs Korn zu nehmen und auszusortieren. Und ich war überrascht, wie oft mir Wörter wie „wahrscheinlich“ durchgerutscht sind. Seitdem versuche ich übrigens auch in meinem Sprachgebrauch darauf zu achten, diese nicht mehr so inflationär zu gebrauchen.

Wobei das wahrscheinlich noch eine ziemliche Weile dauern wird ;-).


[Nachtrag]

Ich wurde von Evanesca darauf aufmerksam gemacht, dass in Dialogen die Verwendung dieser Wörter natürlich ein wenig anders gelagert ist. Da kann es durchaus sein, dass die Figur einfach mal unsicher ist und sich deswegen so äußert. Sie kann ins Spekulieren geraten. Sie kann auch schlicht Angst vor etwas haben. Das ist legitim und sollte dann auch so beschrieben und belassen werden. Diesen Sonderfall wollte ich noch in den Beitrag mit aufnehmen, weil er ansonsten unvollständig gewesen wäre. Danke an Evanesca für den Hinweis! 🙂

Die blaue Liste (2) Die Macht der Gedanken

Guten Morgen zusammen!

Heute wollen wir uns mal ein wenig mit Schreibtheorie beschäftigen. Aber keine Sorge, ich versuche, es nicht zu trocken zu gestalten. Und eine Klassenarbeit schreiben wir auch nicht darüber ;-).

Eine Geschichte funktioniert immer auf mehreren Ebenen – jedenfalls dann, wenn sie gut konstruiert ist. Sie packt uns mit ihrer Handlung, sie fesselt uns mit ihrem Einfallsreichtum und sie fasziniert uns mit ihren Charakteren. Und genau darum soll es heute gehen, um diese Charaktere.

Eine der grundlegenden Eigenschaften jedes Menschen ist es, dass er permanent denkt. Manchmal denkt er große Gedanken, manchmal sich auch nur seinen Teil. Das kommt immer auf die Situation an und auch auf seinen persönlichen Erfahrungshorizont. Größere Geister denken nicht unbedingt mehr als kleinere. Sie machen sich auch nicht unbedingt bessere Gedanken. Gedanken sind erst einmal, wie der alte Spruch es zutreffend sagt, frei. Und das sind sie auch bei Romanfiguren – worin eine große Macht liegt!

Wie schafft man es nun als Autor, die Gedanken seiner Figuren an den Leser zu bringen? Dazu gibt es verschiedene Methoden, von denen ich euch die drei, mit denen ich in der Hauptsache arbeite, an dieser Stelle vorstellen möchte.

Eingebundene Gedanken

Die, wie ich denke, häufigste Methode ist, dass Gedanken und Gefühle des Protagonisten, in diesem Fall gleichbedeutend mit dem aktuellen Perspektivträger, einfach in die Handlung eingebunden werden. Dies geschieht im wahrsten Sinne des Wortes nebenbei, nicht von den anderen Aktivitäten zu trennen, wie das Beispiel illustriert:

Sam lief die Straße entlang und holte gleichzeitig seine Dienstwaffe hervor. Irgendwo musste der Mistkerl stecken, der es gewagt hatte, auf ihn zu schießen. Und sobald er herausgefunden hatte, wo das war, würde dieser sein blaues Wunder erleben!

Wir haben hier keine gesonderte Darstellung der Gedanken. Sie werden uns nicht in der Form präsentiert, dass Sam wirklich einzelne Gedanken denkt, sondern wir erleben sie in einer komprimierten Form, die uns ausreichend über seine Absichten und auch Gefühle informiert, aber eine gewisse Distanz aufrecht erhält.

Diese Darstellung hat sich, so glaube ich, deswegen durchgesetzt, weil sie erlaubt, das Tempo einer Szene hoch zu halten. Wir sind bei Sam, aber nicht das, was in ihm vorgeht, steht im Vordergrund, sondern seine Handlungen, seine Aktionen. Aus diesem Grund bietet sich diese Technik meines Erachtens vor allem für aktionsreiche Szenen an.

Innerer Monolog

Der Gegenteil der aktionsreichen Szene ist die, in der anscheinend gar nicht viel passiert – jedenfalls äußerlich. Innerlich allerdings geschieht bei der Person, bei der wir uns gerade aufhalten, eine ganze Menge. Es passiert sogar so viel, dass der ganze Abschnitt, den wir als Leser verfolgen können, im Prinzip nichts anderes ist als ein einziger langer Gedankengang, oft in Form eines inneren Monologs.

Wenn Sam über die Morde nachdachte und wie er ein ums andere Mal zu spät gekommen war, wurde ihm übel. Er erinnerte sich an jedes Detail, ging sie immer wieder in Gedanken durch. Das Blut, die Spuren, die toten Augen. Sam wusste, dass er davon in der kommenden Nacht träumen würde. Er träumte immer von seinen Fällen, wenn es nicht gut lief. Und hier lief gar nichts gut. Es machte ihn fertig!

Der Protagonist reflektiert über Dinge, die er gesehen hat, genauso wie über sein normales Verhalten. Wir erfahren nicht, wo genau er sich aufhält, was er dort genau tut, aber wir sehen tief in ihn hinein und erleben so, wie er sich dazu aufmacht, von einem bloßen Abziehbild zu einer Figur zu werden. Ich wette, wenn wir den Abschnitt ganz bis zu seinem Ende verfolgen würden, wüssten wir wesentlich mehr über Sam, als wir dies vorher taten.

Deswegen ist diese Technik meines Erachtens bestens für die Charakterbildung zu empfehlen und klappt, das nur nebenbei, auch sehr gut, wenn die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird!

Flankierende Gedanken

Das ist die Sorte Gedanken, die ich besonders gerne einsetze, wenn ich an Dialogen sitze. Das hat damit zu tun, dass meines Erachtens wenig den Denkapparat zu anregt, wie es eine Unterhaltung tut. Wenn man mit einem anderen Menschen spricht, wird, zumindest bei mir, parallel eine alternative Unterhaltung im Kopf geführt. Die einen versuchen, die kommenden Sätze zu antizipieren, um sich vielleicht einen Vorteil zu verschaffen. Andere taktieren damit, bloß nichts falsches zu sagen. Wieder eine andere Situation könnte sein, dass man die Unterhaltung, die man führt, eigentlich stinklangweilig findet und deswegen in Gedanken Schäfchen zählt. Soll alles schon da gewesen sein ;-).

„So, jetzt erzählen Sie mir mal, wann Sie Baker das letzte Mal gesehen haben“, sagte Sam und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. In Gedanken ergänzte er: Nicht, dass ich dir auch nur irgendein Wort glauben würde, du Stück Dreck!

Die direkte Aussprache des Gedanken schafft eine Nähe zum Charakter und führt die Unterhaltung auf eine zweite Ebene. Sam glaubt der Person, mit der er spricht, kein Wort. Ohne den Gedanken würden wir dies nicht wissen. Gut, man könnte es auf andere Weise einbinden und erkennbar machen, aber das direkte, das eindringliche von Sams deutlichen Worten würde verloren gehen.

Ich arbeite genau aus diesem Grund sehr gerne mit dieser Technik. Allerdings muss man sie sparsam einsetzen, weil ansonsten die Gefahr besteht, sich auf den verschiedenen Ebenen zu verzetteln – sowohl für den Autor, wie auch für den Leser. Und das gilt es schließlich unbedingt zu vermeiden!

Wenn du denkst …

In welcher Weise auch immer die Gedanken der Figuren in eurem Roman deutlich gemacht werden, es kann der Geschichte nur gut tun, wenn auf diese Weise noch ein wenig mehr der Motivation, des Antriebs und der Persönlichkeit zum Vorschein gebracht werden. Ob ihr euch für eine der Methoden entscheidet, oder ob ihr einen Stilmix anwendet, ob ihr flankierende Gedanken kursiv setzt oder nicht, das ist letztlich eine Formfrage, die ihr für euch selber beantworten und vielleicht einfach mal austesten müsst.

Ich hoffe, dass mein kleiner Artikel euch gefallen hat. Ich bin nicht der beste Theoretiker, was Sprache angeht – dafür handle ich zu oft aus dem Bauch heraus. Deswegen erhebt dieser Beitrag weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch auf absolute Allgemeingültigkeit.

So mache ich es – und so denke ich es. Und vielleicht denkt ihr ja in einer ähnlichen Richtung wie ich. Ich freue mich wie immer, von euch zu hören!

Habt einen angenehmen Tag!

Der Umgang mit Selbstzitaten – Am Beispiel von Star Wars Episode VII

Es ist Mittwoch, der vierte Mai 2016. Möge die Macht mit euch sein!

Eigentlich habe ich mit dem jährlich an diesem Tag ausgerufenen Star-Wars-Day, basierend auf dem englischen „May the 4th be with you“ nicht viel zu schaffen, aber weil ich gerade am Sonntag, als wahrscheinlich letzter Mensch in der westlichen Hemisphäre, den siebten Teil des Franchises gesehen habe, bot es sich an, für den heutigen Artikel darauf Bezug zu nehmen.

In diesem Artikel soll es um den Umgang mit Selbstzitaten gehen. Als Selbstzitat verstehe ich dabei Motive, Dialoge oder Szenen, die sich in ähnlicher (oder gleicher) Form schon in früheren Folgen oder auch in anderen Büchern/Filmen einer Serie finden. Gezielt geht es mir um die Frage, ob Selbstzitate etwas Gutes sind, etwas Schlechtes oder so ein Mittelding daraus.

Die Antwort lautet, wie meistens im Leben: Es kommt darauf an!

Die Vorteile einer Serie, das, was sie für viele Menschen attraktiv macht, liegt zu einem Teil in der Wiederholung von Ritualen, von bekannten Abläufen. Natürlich spielen die agierenden Personen im Wortsinne die Hauptrolle, aber schon bei den Nebenfiguren kann es dazu kommen, dass diese nur deswegen auftauchen, um dem Leser/Zuschauer dieses spezielle Gefühl der Vertrautheit zu geben. Oder um ihn in die Geschichte hinein zu ziehen.

Allerdings muss man darauf Acht geben, es nicht zu weit damit zu treiben. In manchen Reihen haben sich im Laufe der Zeit so viele „Nebenkriegsschauplätze“ angesammelt, dass sie Gefahr laufen, die Haupthandlung zu erdrücken oder zu beliebig zu machen.

Somit möchte ich an dieser Stelle zu meinem Star-Wars-Erlebnis vom Wochenende kommen. Wer den Film noch nicht gesehen hat (gibt es das? hey, meine Sechsjährige hat den gesehen! 😉 ), möchte vielleicht nach der zweiten Linie weiterlesen.


Vor langer, langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis … kamen mir einige Dinge sehr bekannt vor. Gut, weder die im Vorfeld veröffentlichten Trailer, noch die Berichte von den Dreharbeiten, noch das Cover der Blu-ray machten einen Hehl daraus, dass wir es wieder mit einigen bekannten Gesichtern aus dem Universum zu tun bekommen würden, in dem Star Wars spielt.

Die Fans konnten sich demzufolge auf ein Wiedersehen mit Han Solo, Prinzessin Leia, Luke Skywalker und den ewigen Sidekicks Chewbacca, C3-PO und R2-D2 freuen. Sie schlugen als Brückenelemente eine Verbindung zwischen den jetzt als Episode IV bis VI bekannten Filmen zu diesem siebten. Und ja, ich habe mich auf dieses Wiedersehen gefreut. Uneingeschränkt. Nicht, weil ich den Machern von Episode VII nicht zugetraut hätte, sich neues, eigenständiges Personal auszudenken, sondern weil genau die Mechanismen bei mir griffen, die ja auch vorgesehen waren.

Im Laufe des Films wurde ich an manchen Stellen aber mehr oder weniger unsanft aus dieser halb-erwartungsvollen, halb-nostalgischen Stimmung herausgerissen. Und das war immer dann der Fall, wenn ich den Eindruck hatte, dass die Macher des Films zu sehr auf Nummer sicher gehen wollten und Elemente, die (teils mehrfach) in den alten Filmen auftauchten, erneut aufgriffen – oder sie sogar mehr oder weniger stark persiflierten.

Ich habe ein paar Szenen herausgegriffen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Wichtige Informationen im Droiden versteckt

Episode IV begann damit, dass Prinzessin Leia R2-D2 eine Holo-Botschaft einspeiste, die den jungen Luke Skywalker dazu brachte, ihr zur Hilfe zu eilen. Im weiteren Handlungsverlauf erfährt der Zuschauer dann auch, dass ebenfalls die Konstruktionspläne des Todessterns in ihm verborgen waren.

In Episode VII vertraut Poe Dameron seinem Droiden BB-8 das Teilstück einer Sternenkarte an, die benötigt wird, um Luke Skywalker zu finden. Wieder entbrennt eine Hetzjagd zwischen Gut und Böse nach diesen Informationen.

In beiden Fällen dient das Element dazu, die Handlung, die auch dieses Mal nicht allzu kompliziert ausgefallen ist, in Gang zu bringen. Die Karte ist der klassische McGuffin, das Dings, das alle haben wollen. Ein Motiv, das für die Literatur- wie Filmwelt beinahe unerlässlich ist. Ich habe es nicht als störend empfunden.

Große Einsatzbesprechung

Die große Einsatzbesprechung, bevor die Rebellen (oder der Widerstand, wie sie in Episode VII heißen) sich auf den Weg zur finalen Schlacht machen, kam mir vor wie eine Beinahekopie entsprechender Szenen in Episode IV und VI. Ganz besonders stieß mir die Art von Han Solo hier auf, mit der er alle Schwierigkeiten verbal vom Tisch zu wischen versuchte. Ich stelle das mal verkürzt dar:

Solo: „Wir fliegen da jetzt rein.“
Sprecher: „Aber es ist gesichert.“
Solo: „Dann schalten wir es halt ab.“

Ja, das hat in Episode VI auch geklappt. Aber ich hätte mir schon gewünscht, dass es da vielleicht etwas anderes gegeben hätte, was man hätte machen können. Nun ja, wenigstens tauchten keine Ewoks auf …

Die Konfrontation

Einmal am Einsatzort angekommen, trifft Han Solo auf Kylo Ren, hinter dem sich sein Sohn Ben verbirgt, den er gemeinsam mit Leia hat. Ich gehe jetzt einmal nicht darauf ein, dass die gesamte Person Ben Solo einen ausgeprägten Großvaterkomplex (und wir wissen alle, wer das war) mit sich herumschleppt. Das macht im Filmsinne sogar Sinn. Aber wir erleben hier zum wiederholten Male eine Szene, in der ein Mentor/Vater/Meister versucht, seinen Schüler/Sohn/Padawan mit mehr oder weniger großem Einsatz an Gewalt von seinem Tun abzuhalten.

So lauteten die Paarungen im Laufe der Jahre:

  • Obi-Wan Kenobi vs. Anakin Skywalker
  • Count Dooku vs. Yoda
  • Obi-Wan Kenobi vs. Darth Vader
  • Darth Vader vs. Luke Skywalker

Dazu kommt noch der dramatische Schlusskampf zwischen Qui-Gon Jinn und Darth Maul, die allerdings meines Wissens weder verwandt, noch verschwägert waren.

Erschwerend kam in dieser Szene noch hinzu, dass das Setting, eine Brücke über einen endlos tiefen Schacht, in ähnlicher Form ebenfalls schon einige Male Verwendung fand. Es gab auch wieder die Protagonisten, die zusehen mussten, wie sich die Szene entwickelt. In Episode I war dies Obi-Wan, der zusehen musste, wie Qui-Gon getötet wurde. In Episode IV sah Luke dabei zu, wie Darth Vader Obi-Wan umbrachte. Und in Episode VII war es daher (für mich) keine Überraschung mehr, dass der liebe Ben seinen Papa mit dem Laserschwert durchbohrte.

Hier wurde durch die Wiederholung von zu vielen Elementen aus früheren Folgen der Reihe eindeutig Potential verschenkt!

Hayden Christensen kehrt zurück

Bleiben wir noch kurz bei Kylo Ren. Bei diesem handelt es sich ja um einen gewaltigen Fan von Darth Vader, der dessen Weg fortschreiten und die einmal begonnene Arbeit beenden möchte. Das zeigt sich nicht nur in seinem Outfit, sondern auch in seinem gesamten Stil.

Als mit großer Erwartung die Maske gelüftet wird, kommt darunter nämlich kein stahlharter Krieger zum Vorschein, sondern ein Lookalike von Hayden Christensen, der in Episode II und III von viel negativer Kritik begleitet den jungen Anakin Skywalker verkörperte. Sogar Pickel wurden dem armen Schauspieler ins Gesicht geschminkt.

Ich weiß nicht, wer das für eine clevere Idee gehalten hat, aber für mich hatte Kylo Ren danach ungefähr das vergleichbare Bedrohungspotential zu Lord Helmchen aus „Spaceballs“.

Ein neuer Todesstern?

Am meisten gestört hat mich aber, dass die Handlung im Wesentlichen wieder auf das hin läuft, was schon in Episode IV und VI den Showdown bildete: beide Male mussten die Rebellen eine mächtige Waffe, einen planetenzerstörenden Todesstern angreifen.

„Ein neuer Todesstern?“, lautet die Frage, die zu irgendeinem Zeitpunkt im Film einer der Charaktere stellt. Nein! Denn der Todesstern war ja ganz klein – dieser „Starkiller“ ist aber gewaltig groß! Was aber nichts macht, denn natürlich gibt es da diesen Wartungsschacht, der …

An dieser Stelle habe ich mich ein wenig geärgert, wirklich und immer das gleiche zu sehen zu bekommen. Ich habe mich gefragt, ob die Drehbuchschreiber ihr Publikum so wenig ernst nehmen, dass sie ihm nicht zutrauen, auch einmal mit einer anderen Handlung klarzukommen. Vielleicht handelte es sich um „Safety First“ für den Start der neuen Trilogie – nachdem die Episoden I bis III ja nur gespaltene Kritiken eingeheimst hatten.

So ist es denn wahrscheinlich auch kein Zufall, dass der erste Spin-Off, der in diesem Jahr unter dem Titel „Rogue One“ in die Kinos kommen soll, davon handelt, wie die Baupläne des ersten Todessterns in die Hände der Rebellen gelangten …


Nicht, dass wir uns falsch verstehen: „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ hat das, was er getan hat, auf eine einfache Ebene gebracht sehr gut gemeistert. Er ist unterhaltsam, er ist bunt, er ist rasant, er ist witzig, er bringt Emotionen mit und er fügt sich nahtlos ins Franchise ein. Ich würde mir den Film jederzeit wieder ansehen.

Aber ich hätte mir auch mehr Überraschungen gewünscht! Einiges, was es hier zu sehen gab, droht zum Klischee zu werden – fast wie die Binsenweisheit, dass im Krimi immer der Butler oder der Gärtner der Mörder ist.

Ich mag einige Elemente, die hier aus der Historie der anderen Filme erklärbar werden. Wenn Han Solo auf dem „Starkiller“ fragt, ob es eigentlich eine Schrottpresse gäbe, dann ist das irre komisch! Oder wenn Leia ihn fragt, wann seine Alleingänge jemals zu etwas gut gewesen wären und schnell hinterher schiebt: „Jetzt sag nicht Todesstern!“

Ich denke aber, dass die von mir zwischen den Linien genannten Beispiele, die, wie gesagt, eine willkürliche Auslese darstellen, auch die Gefahren dieses Vorgehens aufgezeigt haben.

Wenn ich irgendwann (noch) einmal in die Verlegenheit kommen sollte, eine echte Serie zu schreiben, werde ich mich jedenfalls bemühen, die richtige Balance für die Selbstzitate zu wahren. Auch wenn mich niemals so viele Menschen lesen werden, wie Star Wars Zuschauer hat :-).

In diesem Sinne noch einmal: May the force be with you! Möge die Macht mit euch sein!

Warum verschiedene Perspektiven auf eine Figur wichtig sind

Heute Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, fuhr ich wie immer mit der U-Bahn. Ich habe nur eine kurze Strecke von zwei Haltestellen, nachdem mich der Zug über den Rhein gebracht hat, aber ich nehme dann doch lieber die Bahn, als zu laufen. Schließlich arbeite ich auf Stempelkarte ;-).

Normalerweise reicht die Zeit also kaum aus, um mehr zu tun, als sich wieder auf das Aussteigen vorzubereiten. Heute habe ich aber eine interessante Beobachtung machen können.

Schon am Bahnsteig war mir ein junges Mädel, eigentlich mehr eine junge Frau, aufgefallen, die eine ganze Reihe von Piercings spazieren trug. Das bedeutet: jeweils mehrere an beiden Ohren, durch die Nase, durch die Unterlippe. Ich habe da kein Problem mit, überhaupt nicht. Sie fiel mir eigentlich auch nur deswegen auf, weil sie eine ziemlich große Tasche bei sich hatte, die einen ganz anderen Stil vertrat. Dieser war eher bieder und schien mir so gar nicht zu ihr passen zu wollen.

Wie es der Zufall so wollte, setzte sie sich in der U-Bahn so, dass ich mehr oder weniger schon fast dazu gezwungen war, sie weiterhin im Auge zu behalten. Sie öffnete ihre Tasche und holte einen Schwung Papier heraus. Dann kramte sie nach einem Stift – einem roten. Und obwohl ich noch dachte, dass das jetzt so gar nicht passte, fing sie tatsächlich an, Mathearbeiten zu korrigieren.

Während ich mich noch wunderte, musste ich auch schon aussteigen – und kam über die verschiedenen Perspektiven ins Nachdenken, die ein Mensch für unterschiedliche Betrachter einnehmen kann.

Für mich, als Mensch etwas gesetzteren Alters *g, war die Frau jung und zeichnete sich durch die vielen Piercings als eine eher jugendliche, vielleicht sogar flippige Person aus. Wenn sie nachher die korrigierten Klassenarbeiten bei ihren Schülern abliefert, wird sie die strenge Lehrerin sein, die mal wieder viel zu schwere Aufgaben gestellt hat.

Ich überlegte, wie sich die Sache mit meinen eigenen Lehrern wohl verhalten hat, als ich noch zur Schule ging. Nun muss man sagen, dass es so etwas wie die Sache mit den Piercings zu meiner Zeit nicht gegeben hätte. Damit hätte sich der Träger oder die Trägerin gesellschaftlich einigermaßen in die linke Ecke (und damit oftmals auch ins Aus) geschossen. Undenkbar für eine Lehrkraft. Aber wie war das mit den anderen? Denen, die einem damals so unglaublich alt und teils auch unglaublich spröde vorkamen?

Ich habe gerade einmal die Homepage meiner alten Schule besucht und bin dort hängen geblieben, weil ich darauf gestoßen wurde, wie viele meiner ehemaligen Lehrer just in den letzten fünf Jahren in den, sicherlich wohlverdienten, Ruhestand gegangen sind. Das bedeutet, dass einige vielleicht ungefähr in meinem Alter waren, als sich unsere Wege trennten. Andere waren wesentlich jünger, als wir gemeinsame Schulstunden verbrachten. Aus meiner heutigen Sicht wären sie also jung, aus meiner damaligen waren sie, sorry, steinalt.

Kommen wir zurück zu unserer Lehrerin mit den vielen Piercings. Ich unterstelle, dass sie mit diesen auch im Kollegium ihrer Schule noch heraussticht – da ich zwei schulpflichtige Kinder habe, glaube ich, mir da ein Urteil erlauben zu dürfen. Also sehe ich alleine an der Schule schon mehrere Perspektiven, aus denen sie wahrgenommen werden dürfte:

  • Die Kinder sehen sie als „alte“ Frau, die vielleicht sogar „versucht“ auf „cool“ zu machen, wegen ihrer Piercings
  • Eltern nehmen sie vielleicht nicht richtig ernst, aufgrund ihrer Jugend
  • Ältere Kollegen schauen ein wenig mitleidig lächelnd auf sie herab, das junge Gemüse, das sich schon noch die Hörner abstoßen und ruhiger werden wird
  • Jüngere oder gleichaltrige Kollegen schauen zu ihr auf, weil sie sich auch gerne trauen würden, sich so zu präsentieren, wie sie es tut.

Wisst ihr, was mich neben ihrem Aussehen übrigens am meisten irritiert hat? Dass sie die Klassenarbeiten eben dort korrigiert hat, wo viele Schüler traditionell ihre Hausaufgaben machen: morgens auf dem Weg zur Schule. Wenn das nicht eine ganz besondere Würze der Ironie ist :-).

Aber was wir nicht außer Acht lassen dürfen ist, dass zu den Perspektiven, die ich gerade aufgezählt habe, ja noch viele weitere dazu kommen:

  • als Tochter
  • vielleicht als Mutter
  • als Schwester
  • als Freundin
  • als Ehefrau
  • als Nachbarin
  • als Mitglied im selben Verein
  • als Partybiest im Club
  • und, und, und!

Das alles ist aber immer noch der gleiche Mensch, die gleiche Person. Sie vereint die verschiedenen Blickwinkel auf sich und wird in der Summe zu dem, was sie in der Darstellung ausmacht.

Wenn unsere Lehrerin nun eine Romanfigur wäre, würde es Sinn machen, sich immer vor Augen zu führen, dass sie mehr ist als ein plattes Abziehbild eines realen Menschen. Zu leicht läuft man Gefahr, eindimensional zu denken. Eindimensionale und klischeebehaftete Charaktere aber bergen die Gefahr in sich, dass der Leser die Person als Ganzes nicht ernst nimmt, sie schlimmstenfalls sogar ablehnt.

Es trägt einfach zur Charakterbildung bei und sorgt dafür, Personen greifbarer und realistischer zu machen. In dem Roman, an dem ich gerade schreibe, taucht auch eine junge Frau auf. Diese bewegt sich in einem Spagat zwischen ihrem Vater einerseits und einem ihr genehmen jungen Mann andererseits. Dazu kommen noch epochentypische Zwänge und Vorstellungen. Dinge wie die Piercings, welche die meisten Menschen so interpretieren dürften, wie ich es tue. Und die bei einem Vater wie dem meiner Romanfigur nicht gut ankommen dürften.

Natürlich kann und muss man nicht jede Facette der Persönlichkeit aufzeigen. Das würde den Rahmen der meisten Romane sprengen. Aber ich denke schon, dass es für den Autor gut ist, sich diese Perspektiven anzusehen und sich ihrer dort, wo es angebracht erscheint, zu bedienen. Vieles, was ich über Maria Maier weiß, werde ich meinem Leser nie verraten. Er muss es nicht wissen. Aber es schadet nicht, dass ich es weiß!

In diesem Sinne hoffe ich, dass „meine“ Lehrerin einen entspannten Arbeitstag hat, sich nicht mit den Eltern ihrer Schüler herumschlagen muss und von eben diesen Schülern vielleicht sogar als „cool“ eingeschätzt wird. Trotz der Noten, die sie bekommen haben.

Jetzt ist er weg … und der Rest ist allein, allein?

Mein Manuskript „Die Welt der stillen Schiffe“ nähert sich unweigerlich der Zielgeraden. Nicht in der Terminologie, dass ich schon genau in Worten, Seiten oder Stunden messen könnte, wann es abgeschlossen sein wird, aber auf jeden Fall in Bezug auf die Szenen, die jetzt noch kommen – und in Bezug auf die Entscheidungen, die zu treffen waren.

Eine Entscheidung betraf eine von mir ungefähr zur Halbzeit des Manuskripts eingeführte Figur. Vielleicht erinnert ihr euch noch, ich habe bereits schon einmal darüber geschrieben, dass ich da eine Figur mit mir herumschleppe, mit der ich eigentlich gar nicht so richtig etwas anzufangen weiß. Sie war genau an einer Stelle wichtig für die Handlung und hat danach, nicht nur streng genommen, gar nichts mehr zu ihr beizutragen.

Dennoch wusste ich noch nicht genau, was jetzt mit ihr zu tun sei. Sollte ich sie einfach weiter mitlaufen lassen? Mich bei einer der nicht gerade wenigen Gelegenheiten schnell und dreckig ihrer entledigen? Oder sie mehr oder weniger aus dem Manuskript herausschreiben?

Ich habe mich jetzt zu der dritten Variante durchgerungen. Diese Figur wird einen kleinen Auftritt haben und dann schnell wieder verschwinden – ob im Guten oder im Schlechten, das werden wir zu geeigneter Zeit sehen.

Daraus ergab sich für mich jetzt aber eine neue Situation, was das fortschreitende Manuskript angeht. Denn natürlich tauchte dieser Mensch nicht nur an verschiedenen Stellen noch auf, gerade jetzt auf der Zielgerade muss natürlich zumindest sein Schicksal geklärt sein.

Ich habe hin und her überlegt, wie ich das machen soll. Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten: entweder kann ich so tun, als hätte es die Figur nie gegeben oder ich schreibe kurz von ihr, lasse sie dann aber wieder links liegen.

Eine witzige Variante wäre es gewesen, wenn ich meine Figuren von diesem Menschen hätte sprechen lassen und alle sich immer wieder fragen würden, wo der eigentlich abgeblieben sei. Das erinnert mich an eine Bildstrecke der Rubrik EinesTages bei Spiegel Online, die ich kürzlich gesehen habe. In der ging es um Tricks in Fernsehserien, um das Ausscheiden und Wiedereinsteigen von Serienstars zu erklären. Da hätte meine kleine Einlage dann auch hineingepasst.

Um die Kontinuität zu wahren, sieht es jetzt aber so aus, dass ich so tun werde, als sei der Mensch zu einem gewissen Zeitpunkt in der Handlung gestorben. Damit bekommt er ein paar letzte Worte und ist danach regulär verschwunden. Ich komme nicht durcheinander und im zweiten Entwurf wird seine Rolle von Anfang an zusammengestrichen.

Wie dem auch sei: Jetzt ist er weg … und der Rest ist allein, allein. Passt schon so, finde ich. Solange er nicht eines Tages einfach so unter der Dusche wieder auftaucht … (siehe Link).