Arbeit oder Vergnügen – oder doch beides?

Im Moment befinde ich mich in den letzten Zügen, was den momentanen Zwischenstand des Lektorats von „Der Morgen danach“ angeht. Ich hatte ja schon einmal berichtet, dass ich da step by step die aktuellen Änderungsvorschläge und -wünsche meiner Lektorin bekomme und die dann, so gut es mir eben möglich ist, abarbeite.

Jetzt gehe ich ja, wie ich ebenfalls berichtet habe, gerade durch eine etwas schwierige Phase, was das Schreiben in all seinen Facetten anbelangt. Es fällt mir wesentlich leichter, mich ablenken zu lassen und daher nicht darum zu kümmern, als es wirklich einfach mal zu tun.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich im Moment sehr gerne vor meinem Fernseher versumpfe. Vor langer, langer Zeit erzählte ich euch hier auf dem Blog, dass ich das Konzept „Serie schauen“, das für viele Menschen so eine enorme Bedeutung zu haben scheint, nie ganz zu packen bekommen habe. Ich bin immer mehr ein Filmfreak gewesen, der es durchaus zu schätzen weiß, wenn eine Handlung nach knackigen 120 Minuten abgeschlossen ist. Ausnahmen wie etwa die Star-Trek-Serien bis einschließlich „Voyager“ oder auch „Heroes“ bildeten die Regel.

Und selbst in Bezug auf diese Serien war ich eher ein untypischer Zuschauer. Denn viele sehen ihre Serien ja heute in einem Rutsch und inhalieren eine komplette Staffel an einem einzigen Wochenende. Für mich unvorstellbar.

Um zu illustrieren, wie unvorstellbar das ist, kann ich euch erzählen, wie ich die erste Staffel von „Arrow“, der Serie um den DC-Superhelden, gesehen habe. Ich habe damit im August angefangen und, man höre und staune, auch im August wieder aufgehört. Nur, dass das eine Datum im Jahr 2016 und das andere im Jahr 2017 lag 😉 .

In der Zwischenzeit habe ich nicht etwa eine andere Serie eingeschoben, sondern ich habe ausschließlich Filme gesehen. Wenn ich denn die Zeit dafür hatte, oder sie mir nahm.

Jetzt könnt ihr euch bestimmt besser vorstellen, wie ungewöhnlich das ist, was gerade passiert: Zu meinem Geburtstag im Juli habe ich die erste Staffel von „The Walking Dead“ geschenkt bekommen. Eine Serie, bei der ich immer irgendwie das Gefühl hatte, sie könne mir gefallen, bei der ich aber gleichzeitig größte Bedenken hatte. Lebende Tote im Fernsehen? Auf welchem Niveau sollte sich das schon bewegen. So etwas funktioniert nur, wenn man bereit ist, auch Härten und Gewalt zu zeigen.

Nun gut, ich gab der Serie eine Chance. Das muss so im frühen Oktober gewesen sein. Noch während der sehr kurzen ersten Staffel orderte ich mir Staffel zwei und drei bei reBuy. Immer noch mit dem Gedanken, dass ich damit, bei meinem Sehverhalten (und jeder Menge anderer ungesehener Serien im Regal), eine lange Zeit auskommen würde.

Tja, dann kam der Halloween-Tag mit meinem Filmmarathon und am nächsten Abend, also dem 01.11., begann ich mit der zweiten Staffel von „The Walking Dead“. Jetzt haben wir den 14.12. und ich fange wahrscheinlich heute Abend mit Staffel sechs an.

Gemessen an dem, was Hardcore-Seriengucker ableisten, ist das immer noch ein gemütliches Tempo. Aber für mich ist es absoluter Wahnsinn. Und es ist ein ziemlicher Faktor, der mir auch Zeit für das Schreiben bzw. das Überarbeiten wegnimmt – das muss ich ganz klar einräumen.

An manchen Abenden, wenn ich schon einen langen Arbeitstag in den Knochen habe (*), fehlt mir schlicht und ergreifend die Energie, um mich noch an den Schreibtisch zu setzen und mich mit meiner Geschichte zu befassen. Das sind die Momente, in denen ich mich frage, wie andere das wohl hinbekommen. Oder auch, wie ich selbst das früher hinbekommen habe. An diesen Tagen ist es nur zu leicht, einfach abzuschalten, sich ein wenig berieseln zu lassen und dann irgendwann halbwegs entspannt ins Bett zu gehen.

Ja, ich weiß, dass es auch dazu gehört, mit seinen Kräften haus zu halten. Wenn ich permanent versuchen würde, meine Grenzen auszuloten, dann wäre die Gefahr real, dass ich irgendwann über diese Grenzen hinaus gehe. Und das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Nicht bei einer kreativen Tätigkeit wie dem Schreiben und dem Überarbeiten.

Aber ich habe immer, ihr kennt mich, ein latent schlechtes Gewissen verspürt, wenn es dann der zweite Tag war, an dem ich nichts getan habe. Oder vielleicht auch schon der dritte. Manchmal wünsche ich mir dann beinahe so etwas wie eine „Deadline“, der ich mich zu unterwerfen habe, weil der Druck mir vielleicht dabei helfen würde, mich aufzuraffen. Nur würde das auch nichts daran ändern, dass der Kräfteverschleiß ja da ist.

Nein, ich muss schauen, dass ich selbst, ganz für mich, einen Rhythmus hinkriege, der beides zulässt: Entspannung und Erfüllung der anstehenden Arbeiten. Deswegen möchte ich es jetzt auf folgende Weise versuchen:

Ich habe im Normalfall an den Werktagen jeden Abend so ab 20 Uhr verlässlich Zeit, mich um meinen Kram zu kümmern. Dann beginnt bei uns die sogenannte „Elternzeit“, in der Mama und Papa nur dann gestört werden sollen, wenn gerade das Haus abbrennt oder eines der Kinder unter einen Schrank geraten ist, oder sonstige Dinge dieser Art 😉 .

Ich werde nun versuchen, einen abwechselnden Rhythmus einzuführen. An einem Abend kümmere ich mich mindestens eine Stunde um meinen Roman oder was sonst so ansteht, dafür kann ich am nächsten Abend zum Beispiel eine Folge meiner Serie schauen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Die Zeit, die danach noch bis zum Schlafengehen ist, steht zur freien Verfügung. Irgendwann muss ich ja z.B. auch eure Blogs lesen und manchmal schalte ich den PC sogar aus 😉 .

Bis jetzt klappt das eigentlich ganz gut – vor allem auf der psychologischen Ebene. Denn den meisten Druck mache ich mir in der gegenwärtigen Konstellation ja halt selbst.

Dazu kommt noch eine weitere Komponente, wie ich festgestellt habe: Auch die Arbeit an meinen Projekten macht auf einmal wieder wesentlich mehr Spaß, weil sie einen festen Rahmen und eine feste Taktung in meinem Zeitplan haben, bei dem ich mir keine Gedanken machen muss, ob nicht gerade etwas anderes eher dran wäre. Und ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich gerade etwas andere vernachlässige. Weil alles zu seinem Recht kommt.

Somit hoffe ich, am Ende drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

  1. Ich komme endlich mit meiner Schreiberei wieder auf einen grünen Zweig
  2. Ich kann mir problemlos erlauben, auch mal einen Abend wirklich frei zu machen
  3. Ich habe dadurch wesentlich mehr Spaß an dem, was ich da gerade mache

Wie gesagt, noch läuft gewissermaßen die Erprobungsphase. Aber bis jetzt stehen die Sterne günstig. Ein leichtes Däumchendrücken kann dennoch nicht schaden 🙂 . Damit am Ende Arbeit und Vergnügen vielleicht sogar wieder zwei Seiten derselben Medaille darstellen.


(*) Hier bitte einen Beamtenwitz eurer Wahl einfügen. Oder gerne in die Kommentare damit! Es würde mich allerdings wundern, wenn ihr einen findet, den ich noch nicht kannte 😀 .

Advertisements

Neues aus dem Lektorat (5) Ein paar Gedanken zu Papier gebracht

Wenn man im Lektorat seines Romans drin steckt, dann erlebt man schon mal interessante Sachen. Eigentlich sogar die ganze Zeit über. Aber was definitiv interessant ist, ist der Umstand, dass man sich auf einmal in gewisser Hinsicht genötigt sieht, sich für manche Dinge, die man so geschrieben hat, zu rechtfertigen.

Nein, Rechtfertigung ist eigentlich nicht der richtige Begriff. Es ist mehr eine Art Erklärung, die man abgibt für Dinge und Handlungsabläufe, die man sich irgendwann ja einmal genau so ausgedacht hat, weil man sie für richtig hielt, wie sie sich darstellten.

Die Aufgabe einer Lektorin ist es aber nun einmal, diese Steine alle anzuheben und, je nachdem, auch auf den Kopf zu drehen. Das ist für mich als Autor allerdings nicht immer ganz einfach und so kommt es, dass ich an der Stelle, an der ich gerade bin, vom konkreten Text abgeschweift bin und anfing, mir ein paar Gedanken zu machen.

Es ist nicht leicht, das spoilerfrei zu erzählen, deswegen muss ich leider etwas vage bleiben. Es geht um eine Haltung der Hauptperson, die meiner Meinung nach durch die angedachten Änderungen ein wenig zu früh gefestigt wird. In „meiner“ Fassung bleibt dies etwas länger offen, was den Effekt haben sollte, den Leser eine Weile länger im Unklaren zu lassen.

Ich weiß, dass man darüber streiten kann, aber ich hoffe doch, dass es ohne Streit ausgeht und meine Lektorin und ich uns einfach ein paar Gedanken dazu machen.

Der kleine Drecksack in mir, der sofort immer vom Worst Case ausgeht, nämlich davon, dass mir einfach „befohlen“ wird, das jetzt so zu machen, meint natürlich direkt wieder, er müsse sich schon in Widerstandsposition bringen. Aber wir sind aus meiner rationalen Sicht nicht dabei, irgendwelche Positionen zu beziehen, sondern gemeinsam das Beste aus diesem Roman zu kitzeln.

Dabei ist es nur normal, dass Autor und Lektorin sich schon mal über einzelne Punkte ein wenig uneins sein können. Dann ist es eine Frage der Argumentation.

Ich habe jedenfalls gerade eine E-Mail geschrieben, in der ich meine paar Gedanken kurz zum Ausdruck gebracht habe, bevor ich sie wieder vergesse. Damit komme ich zwar, wieder einmal, nicht wirklich im Lektorat weiter, was die Anzahl der bearbeiteten Seiten angeht. Aber für den Gesamtprozess gehört es, denke ich, absolut dazu.

Und falls nicht: Ich lerne das mit dem Lektorat ja schließlich gerade erst 😉 .

Verzögerungen aus vorausgehender Fahrt

Wer von euch hin und wieder das (Miss-)Vergnügen hat, an einem x-beliebigen Bahnhof zu stehen und auf einen Zug zu warten, der eigentlich schon lange hätte da sein sollen, der wird sicherlich die folgende oder eine ähnliche Durchsage kennen:

An Gleis drei: Bitte beachten Sie, ICE 40923 nach Buxtehude heute circa zehn Minuten später. Grund dafür sind Verzögerungen aus vorausgehender Fahrt.

So oder in der Art könnte ich auch eine Meldung hier im Blog bezüglich der Antwort auf eure Kommentare oder neuer Beiträge abgeben.

In den letzten Tagen hatte ich einiges mit Textarbeit zu tun. Da war das Lektorat für „Der Morgen danach“, wo ich eine Teillieferung fertig bearbeitet und an den Verlag zurückgeschickt habe, und da war/ist ein Vorgang auf der Arbeit, der auch viel mit Texten zu tun hat und in den ich voll involviert bin. Weil ich mich ja so gut mit Texten auskenne.

Das führt dazu, dass ich ansonsten, was Schreiben am PC angeht, im Moment ziemlich unmotiviert und auch recht müde bin. Deswegen kann es schon mal ein wenig länger dauern, bis ihr von mir hört. Wegen der vorausgehenden Arbeit. Aber keine Sorge, ich verschwinde nicht und die Antworten kommen auch früher oder später. Genauso wie der komische Zug, auf den man wartet, irgendwann doch noch ankommt.

Meistens jedenfalls …

Neues aus dem Lektorat (2) Abschied vom Dienst nach Vorschrift

Wie versprochen möchte ich versuchen, den Prozess des Lektorats für meinen Roman „Der Morgen danach“ möglichst dicht zu begleiten. Dabei kann es, das ist die Natur der Sache, dazu kommen, dass Dinge, die ich heute in Bezug auf die Angelegenheit fühle, morgen schon wieder ganz anders sind. Vieles ist Tagesform, da unterscheidet sich die Arbeit an einem Roman nicht von der Arbeit an ganz anderen Dingen.

Heute habe ich also damit begonnen, mir die Anmerkungen meiner Lektorin anzusehen und sie umzusetzen. Dabei bin ich auf eine Tatsache gestoßen, die mir zwar im Vorfeld bewusst war, von der ich aber nun feststellen muss, dass sie mich auf eine ganz andere Weise tangiert, als ich es dachte.

Ihr wisst ja, dass ich der „Man to go“ bin, wenn es bei mir auf der Arbeit darum geht, bestimmte Texte zu verfassen, zu überarbeiten oder zu korrigieren. Man kann halt nur eine gewisse Zeit lang Textarbeit verrichten und erzählen, dass man jetzt den nebenberuflichen Autor gibt, bis sich solche Abläufe von praktisch alleine etablieren.

Nun habe ich eine Vorgesetzte, die sehr akribisch (um das Mindeste zu sagen) an die verfassten Texte herangeht. Da kann es schon mal passieren, dass man auch noch eine zweite und dritte Fassung erstellen muss.

Die hierfür notwendigen Änderungen erreichen mich entweder in einem direkten Gespräch oder auch schon mal in Gestalt von Anmerkungen, die an den Rand des Schriftstücks geschrieben sind. Und dann ist es meine Aufgabe, diese Anmerkungen einzuarbeiten. In den allermeisten Fällen mache ich das auch stoisch, weil Chefs eben Chefs sind und damit das verbriefte Recht zur Endabnahme haben.

Und nun sehe ich mich Seiten aus dem Lektorat gegenüber, die dem, was ich auf der Arbeit habe, gar nicht mal so unähnlich sind. Es gibt Streichungen, es gibt Anmerkungen, es gibt Umstellungen und Ergänzungen.

Der erste Reflex, durch die Arbeit herausgebildet, lautet nun wie folgt: Einfach alles abarbeiten und 1:1 so übernehmen, wie die Lektorin es möchte. Sie ist der Boss, sie weiß am besten, was man für den Text machen muss, damit es ihm gut tut.

In der Tat habe ich auch so zu arbeiten angefangen, aber dann kamen im Laufe der ersten paar Seiten ganz seltsame Gefühle auf, die ich mir zuerst nicht erklären konnte. Es war eine Form von Unwohlsein, nicht direkt ein Unwille, aber auf jeden Fall unangenehm.

Die Antwort lag dabei auf der Hand. Ich arbeite hier nicht irgendein dienstliches Schreiben ab, an das ich null Herzblut investiere, sondern nicht mehr oder weniger den Text meines Romanerstlings. Das, was hinterher in diesem Manuskript steht, wird das sein, was in die Öffentlichkeit geht und was die Leser zu sehen bekommen werden, wenn sie ihn sich kaufen.

Plötzlich war jede Umstellung und Anmerkung mit einem Fragezeichen versehen. Jede Streichung fühlte sich wie eine Amputation an und jede Ergänzung wie das Wirken eines Chirurgen, der meinem Text ein zusätzliches Körperteil annähen will.

Was tat ich also?

Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück und versuchte, ganz in Ruhe durchzuatmen und mich selber wieder einzunorden. Denn die Sicht, die ich dabei war, zu entwickeln, war nicht weniger als selbstzerstörerisch. Denn bei Licht betrachtet macht eine gute Lektorin nichts anderes, als noch einmal den Meißel anzusetzen und aus dem Rohdiamanten eines Manuskripts das Beste heraus zu holen.

Dabei werden keine Änderungen gemacht, nur um auf dieser Manuskriptseite möglichst viel angestrichen zu haben. Alles hat einen Sinn, alles hat einen Grund.

Und vor allem: Jeder dieser Punkte ist mehr oder weniger verhandelbar, steht zur Diskussion offen. Wenn meine Vorgesetzte auf der Arbeit will, dass ich einen dicken Smiley über einen Text male, dann soll sie ihren Smiley haben. Denn sie ist der Boss.

Wenn meine Lektorin eine Änderung möchte, dann prüfe ich sie und entscheide, ob ich sie auch gut finde, oder nicht.

Ich bin also im Ergebnis noch einmal die Seiten zurückgegangen, die ich schon abgearbeitet hatte und habe mir die einzelnen Änderungen noch einmal angesehen. Und mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen hat jede diese Änderungen den Text entweder nach vorne gebracht oder sie war zumindest so, dass ich aus der Überzeugung heraus sagen konnte, dass sie ihn weder verfälschte, noch verwässerte. Auch als Autor muss und sollte man nicht an jedem einzelnen Wort kleben.

Und so komme ich nun, hoffe ich, vom Dienst nach Vorschrift zum gemeinsamen Dienst an der Sache. Dienst ist Dienst und das hier ist etwas ganz anderes.

Muss ich auch erst lernen und verarbeiten.

Neues aus dem Lektorat (1) Zwischen Hoffen und Bangen

So eine Sommerpause kann sich verdammt lange hinziehen. Bis jetzt war mir gar nicht bewusst, wie viel Zeit so Sommerferien in Anspruch nehmen und wie lange es danach dauert, bis alles wieder ins Rollen kommt.

Ich hatte ja vor geraumer Zeit berichtet, dass meine Lektorin sich mit dem von mir geänderten Anfang von „Der Morgen danach“ noch einmal gesondert auseinandersetzen wollte. Das ist in der Zwischenzeit auch geschehen und ich konnte ihr die Anpassungen zukommen lassen … bevor wir in die Sommerpause hinein liefen.

Machen wir uns nichts vor: Wenn zwei Menschen aufeinander treffen, die sich neben dem kreativen Output auch noch um die Bespaße von Kindern zu kümmern haben, dann steht ziemlich schnell fest, wer oder vielmehr was da den Kürzeren zieht.

Aus diesem Grund passierte über die Sommerferien (NRW) nicht wirklich viel, denn meine Lektorin und ich waren, wie es in solchen Fällen ja immer ist, auch noch abwechselnd in Urlaub bzw. nicht eben gut ansprechbar.

Nun sind die Sommerferien schon eine Weile vorbei gewesen und Jeannette hatte mir mit einer E-Mail angekündigt, dass sie sich jetzt noch einmal verstärkt in das Manuskript reinknien würde und ich dann – in absehbarer Zeit – einen Packen Papier von ihr bekommen würde.

Und ihr wisst ja, wie „gut“ ich manchmal warten kann …

Nein, ich kann eigentlich durchaus warten, aber wenn ich solche Anwandlungen habe, wie ich sie in den letzten Wochen hatte, dann kann das Warten zu einem zusätzlichen Stressor werden, der ein Grübeln auslöst, das manchmal einfach nur lächerlich ist, wenn man das Licht der Objektivität darauf richtet.

Ganz ehrlich, ich war zwischendurch nicht nur davon überzeugt, dass ich einen Packen Papier bekommen würde, der in roter Tinte ersäuft (und das, wo Jeannette eigentlich nur mit dem Bleistift arbeitet), sondern ich war schon drauf und dran mir einzubilden, dass man heimlich still und leise zu dem Entschluss gekommen sein könnte, meinen Roman besser doch nicht zu verlegen, weil … ja, weil keine Ahnung.

Zum Glück wusste ich aber, dass es sich dabei um irrationale Einflüsterungen handelt, ansonsten hätte ich wahrscheinlich am laufenden Band irgendwelche nervösen E-Mails an den Verlag geschickt und den Eindruck erweckt (bzw. verstärkt), ein übernervöses und kopfloses Huhn zu sein.

Dabei kann ich nicht einmal überzeugend gackern!

Nach einigen Wochen des Hoffens und Bangens sind nun die versprochenen Seiten gestern bei mir angekommen und bei einem kurzen Überblättern hatte ich nicht den Eindruck, an irgendeiner Stelle in totale Ungnade bei meiner Lektorin gefallen zu sein. Das ist schon mal eine ganze Menge wert und lässt einen kleinen Kieselstein vom Herzen plumpsen.

Ich werde mich jetzt am kommenden langen Wochenende an den Text setzen und schauen, was genau für Anmerkungen darin sind, was sich davon umsetzen lässt, was ich umsetzen möchte und worüber vielleicht noch einmal zu sprechen ist.

Auf jeden Fall bin ich froh, dass es jetzt wieder weiter geht. Sieht so aus, als ob irgendwo eine Instanz des Schicksals beschlossen hat, dass ich jetzt genug schriftstellerisches Trübsal geblasen habe und es an der Zeit ist, wieder an die Arbeit zu gehen.

Der Sonntagsreport vom 20.08.2017 – Dreieinhalb Baustellen und nur eine Schaufel

Hallo zusammen,

schon wieder ist Sonntag und schon wieder ist es Zeit für einen entsprechenden Report. Bald gehen hier in NRW die Kinder wieder in die Schule und damit ist dann der Alltag im heimeligen Haus wieder vollends hergestellt. Die letzten Wochen fühlten sich doch ein wenig seltsam an – auch die Tage, an denen ich schon wieder arbeiten gehen musste.

Das Wetter da draußen schlägt ja auch munter eine Kapriole nach der anderen und auch wenn ich normalerweise nicht zu denen gehöre, die über das Wetter bloggen, muss ich doch kurz darauf zu sprechen kommen. Schließlich hat es dafür gesorgt, dass ich am Donnerstag eine berufliche Auszeit „genossen“ habe, die mir immerhin etwas eingebracht hat.

Als ich Donnerstag aus unruhigen Träumen erwachte, fühlte sich mein Schädel wie eine Piñata an, auf die mit mindestens drei Baseballschlägern gleichzeitig eingeknüppelt wurde. Also habe ich mich krank gemeldet und wieder umgedreht. Nur, um keinen wirklich erholsamen Schlaf zu finden.

Zwar bin ich immer wieder weggeduselt, aber das mir ansonsten typischer Weise gelingende „Gesundschlafen“ klappte nur in Ansätzen. Immer wieder schaute ich auf die Uhr, drehte sich in meinem Kopf alles, wenn wieder einmal von einer anderen Seite auf die Piñata eingedroschen wurde, und sank ich wieder in unruhige Träume.

Und einer dieser Träume brachte mir eine Geschichte.

Nun sollte man meinen, dass ein Autor nie einen Mangel an Geschichten hat. Hat er auch nicht. Alleine mit den potenziellen Sequels zu meinen Romanen könnte ich schon jede Menge Schreibzeit füllen (mal ganz davon abgesehen, dass hier noch zwei angefangene Rohentwürfe unfertig herumliegen). Aber das, was sich da in meinem inneren Flusensieb verfangen hatte, war eine wirklich von vorn bis hinten fertige Geschichte.

Ich hatte das Setting, ich hatte die Handlung, ich hatte den überwiegenden Teil der Personen. Wenn es die schon oft diskutierte Möglichkeit geben würde, die Gedanken aus den Träumen mitzuschreiben oder -zuzeichen, ich hätte ein komplettes Storyboard gehabt.

Und das passiert dann dich nicht so häufig, dass es nicht zumindest bemerkenswert wäre.

Was tat ich also? Ich kämpfte mich aus dem Bett hoch, schlurfte an meinen PC und warf Evernote an. Evernote ist, falls ihr es noch nicht kennt, eine Notizbuchsoftware, die sowohl am Desktop als auch auf dem Smartphone genutzt werden kann und sich miteinander synchronisiert. Danach schrieb ich den kompletten Plot in einem runter.

Nur, um mich danach in einem Dilemma zu befinden.

Wie ihr wisst, kann ich mich im Moment eigentlich nicht beklagen, dass ich nichts zu tun hätte, wenn es um das Schreiben und seine Nebenkriegsschauplätze geht:

  1. Das Manuskript von „Der Morgen danach“ musste im ersten Kapitel noch einmal von Grund auf neu überarbeitet werden.
  2. Ich schreibe an der Geschichte „Die Behüter des Wahren“.
  3. Mit einem Auge suche ich nach einer Möglichkeit, „Der Beobachter und der Turm“ und/oder „Darkride“ an den Mann zu bringen.

Gut Nummer drei zählen wir mal als einen halben Punkt.

Aber was nun tun mit der neuen Kurzgeschichte? Zuerst einmal nachdenken. Mir war klar, dass die Geschichte einerseits nicht so lang werden würde, wie „Die Behüter des Wahren“ sich abzeichnen. Andererseits geht es um ein Thema, das auch nicht mal eben so abzutun ist – ich komme gleich noch darauf.

Natürlich könnte ich die Kurzgeschichte einfach liegen lassen. Schließlich ist sie ja geplottet. Aber: Genau jetzt habe ich das Gefühl noch im Bauch, das ich hatte, als ich diesen Traum geträumt habe. Genau jetzt habe ich noch die Emotionen, die beim Aufschreiben des Plots hoch kamen. Und deswegen ist genau jetzt eigentlich der Zeitpunkt, sie zu schreiben.

Da stand ich also mal wieder mit dreieinhalb Baustellen und im übertragenen Sinne nur einer Schaufel in meinen Händen. Es müssen also Kompromisse geschlossen und Dinge ausprobiert werden.

  1. Das erste Kapitel von „Der Morgen danach“ habe ich heute früh noch einmal überarbeitet und dabei die Anmerkungen meiner Lektorin mit berücksichtigt. Morgen werde ich mir das noch einmal durchlesen und ihr dann wieder zusenden (zusammen mit der schon einmal angesprochenen Änderung im hinteren Teil des Manuskripts).
  2. Ich werde „Die Behüter des Wahren“ weiter schreiben, aber
  3. parallel dazu entsteht auch die neue Kurzgeschichte „Das Kind“. Ich muss sehen, dass ich Zeit und Energie zwischen diesen beiden aufteile. Beide Geschichten sind grundverschieden, so dass sich zumindest die Art zu erzählen nicht gegenseitig negativ beeinflussen dürfte.
  4. Und dann die halbe Verlagssuche … ich werde mich mal ein wenig mit Google beschäftigen und auch mit dem Handbuch für Autorinnen und Autoren, das hier im Schrank steht. Beide bringen mich vielleicht auf Ideen, an wen ich mich wenden könnte und sollte. Einfach nur, um das Gefühl zu haben, dass sich in meiner Schublade etwas tut.

Also, so sieht es im Moment aus und ja, ich weiß, dass das verdammt viel ist, wenn man nur eine Schaufel in der Hand hat. Aber ich habe in einem Beitrag der vergangenen Woche über meine Motivation geschrieben und dass dazu auch der „Neid“ auf andere Autoren gehört, die anscheinend immer wieder und immer ganz leicht ihre Projekte verwirklichen. Ich weiß, dass es nicht so leicht ist, wie es aussieht. Aber trotzdem möchte ich etwas gegen dieses Gefühl tun – und das geht nur, indem ich mich auf den Hosenboden setze und „einfach mal“ irgendwas angehe und erledige.

So, das ist jetzt der Plan. Kein ausgeklügelter Plan, aber wenigstens etwas. Bei allen Bauchschmerzen, die ich habe, weil wieder so viele Dinge parallel laufen.

Entlassen mag ich euch aus diesem Sonntagsreport mit dem unkorrigierten Anfang von „Das Kind“. Ich hoffe, dass ich damit ein wenig zeigen kann, wieso es mir wichtig ist, die Atmosphäre so schnell und gut wie mir möglich zu schildern.

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und dass ihr von Wetterattacken möglichst verschont bleiben möget. Es sei denn, sie bringen euch gute neue Ideen ein …

Euer Michael

Das Kind

I. Der Zug

Dunkel ist die Welt dort draußen und dunkel ist auch die Welt im Inneren. Das dröhnende Heulen der Klage, das noch vor wenigen Stunden die Luft erfüllte wie die flirrende Masse eines Mückenschwarms über stehendem Gewässer im Frühsommer, ist lange schon in sich zusammengefallen zu einem leisen Flüstern und Murmeln bangender Ungewissheit.
Sie sind nicht mehr als eine verbringbare Masse, das ist jedem dieser Menschen klar, die dicht an dicht gepresst in dem nach menschlichen Ausscheidungen stinkenden Güterwaggon beieinander stehen. Das Vorrecht zu sitzen genießen nur wenige von ihnen, die besonders Alten und die besonders Jungen. Die Kranken sind, teils unter heftigem Protest ihrer Angehörigen, ganz an den Rand gelegt worden. Dorthin, wo sie von der Wärme der Gemeinschaft nicht mehr erreicht werden können.
Vereinzelt hebt sich eine Stimme, die aber von den Umstehenden schnell zur Ruhe gebracht wird. Der Gespensterzug eilt in monotoner Stille seinem Ziel entgegen.