Hoffentlich veröffentlicht jetzt nicht einer meinen Roman!

Das ist im Moment eine meiner größten Schriftsteller-Ängste: Dass jetzt plötzlich jemand auf die Idee kommt, meinen Roman zu veröffentlichen!

Gut, nachdem wir uns alle wieder von diesem Paradoxon erholt haben, sollte ich erklären, was ich damit meine. Und zwar handelt es sich dabei um ein sehr irrationales und dennoch irritierendes Gefühl.

Seit ich wieder so richtig in der Arbeit und im Gespräch an „Der Morgen danach“ bin, betrachte ich Novitäten insbesondere auf dem eBook-Sektor mit irgendwie anderen, misstrauischen Augen. Es ist jetzt nicht so, dass ich den ganzen Tag und Abend damit verbringe, mich bei Amazon durch die Kategorien zu klicken, aber manchmal kommt mir ein Romantitel daher, der auf den ersten Blick so klingt, als könne er etwas mit mir und meiner Geschichte zu tun haben.

Ich habe genügend Bücherblogs abonniert, um eigentlich mindestens einmal in der Woche einen kurzen Schrecken zu kriegen.

Nun muss mir niemand mit der Binsenweisheit kommen, dass Geschichten an sich nichts sind, was man sich schützen lassen kann. Jedenfalls nicht, solange sie noch nicht veröffentlicht sind. Denn bis dahin gelten sie mehr als Ideen und manche dieser Ideen liegen einfach zu einem gewissen Zeitpunkt X in der Luft und werden daher von mehreren Autoren aufgegriffen. Dabei können sogar manchmal ganz spannende Ergebnisse herauskommen.

Aber für meinen Romanerstling brauche ich das Erlebnis nicht unbedingt, wenn ich ganz ehrlich bin. Daher liegt es an mir, die ganze Angelegenheit so zu schleifen und zu formen, dass am Ende ein möglichst unverwechselbares Stück Unterhaltungsliteratur dabei herauskommt. Dieses Ziel zu erreichen eint mich wiederum mit meinem Verlag.

Denn bei aller Spannung, die das zeitgleiche Erscheinen ähnlich gelagerter Romanstoffe erzeugen kann, ist es doch ein Ärgernis, wenn am Ende die Käufer in die Bredouille geraten, sich zwischen dem einen oder dem anderen Buch entscheiden zu müssen. Ich erwarte nämlich, ganz realistisch betrachtet, nicht, dass ich einen neuen Trend setze, in dessen Zug sich auch noch der 871. Zauberlehrling, der 1.283 Glitzervampir oder der 12.381 Sado-Maso-Milliardär verkaufen lässt 😉 .

Womit ich jetzt nichts gegen die wirklich guten Romane unter den Epigonen gesagt haben möchte. Meine Erfahrung zeigt nur, dass die meisten nicht wirklich gut sind. Und da ich nicht der einzige Leser mit entsprechenden Erfahrungen bin, werden es zukünftige Phänomene dieser Art, zumal im realistischen Thrillerbereich, schwerer haben.

Und darin liegt auch die Auflösung des Paradoxons: Wenn mein Roman nur gut genug ist, wenn er eigenständig genug ist, wenn er mitreißend ist, dann ist es egal ob es etwas Ähnliches gibt. Denn niemand kann meinen Roman so schreiben, wie ich ihn geschrieben habe. Es sei denn, er schriebe ab, aber das ist noch einmal ein ganz anderes Thema.

Also warten wir ab, ob nicht vielleicht doch irgendjemand auf die Idee kommt, meinen Roman zu veröffentlichen, bevor ich es tun kann. Denn wenn das nicht passiert, dann werde ich der Trendsetter sein, der zuerst da gewesen ist!

Das wäre doch mal was, oder? 😉

Der Sonntagsreport vom 04.06.2017 – Gedruckte Bücher, Aufmerksamkeitsknick und viel zu viel Musik

Guten Tag zusammen und frohe Pfingsten!

So schnell ist also schon wieder eine Woche um. Ich kann im Augenblick geradezu meinen Sommerurlaub auf mich zu rasen sehen und das ist natürlich etwas vollkommen und uneingeschränkt Gutes. Gleichzeitig kann ich aber auch sehen, wie der Reihe nach jede Menge Wochen verstreichen, in denen ich so viel Produktives tun könnte, es aber nur hin und wieder auch tue. Ihr seht schon, das Prokrastinierungsthema ist immer noch ein wenig aktuell.

Aber: Ich tue etwas dagegen. Wie schon angekündigt, habe ich auch mit meinem behandelnden Arzt darüber gesprochen und wir sind überein gekommen, dass es vielleicht nicht schlecht ist, mir da auch ein wenig medikamentös unter die Arme zu greifen. Jetzt sitze ich zwar hier mit teils heftigen Nebenwirkungen, aber die nehme ich (für den Moment) gerne in kauf, wenn danach ein Nachlassen der Antriebsschwäche kommt.

Ihr seht, ich bin mal wieder schonungslos offen und kann nur hoffen, dass dieses Thema bei meinen treuen Lesern gut aufgehoben ist. Andererseits kann ich damit auch offen umgehen, weil ich ja nun einmal einen Beruf habe, bei dem ich nicht davon ausgehen muss, dass ich irgendwann noch einmal in die Verlegenheit komme, meinen Arbeitgeber wechseln zu müssen. Das heißt auch, dass mir nichts zum Nachteil gereichen kann, was ich hier online von mir „preisgebe“.

Aber das nur am Rande. Es passt nur sehr gut zu der Beobachtung, die ich gestern wieder einmal gemacht habe. Ich habe offensichtlich inzwischen eine ziemlich treue „Fangemeinde“, die wirklich darauf wartet, dass ich einen neuen Beitrag auf dem Blog veröffentliche. Denn an Tagen, an denen es keinen Beitrag auf „Mein Traum vom eigenen Buch“ gibt, kommen kaum Besucher hier vorbei. Daraus schließe ich, dass ich nur verhältnismäßig wenige Spontanbesucher und hauptsächlich Stammgäste habe. Gleichzeitig kann ich an der Entwicklung meiner Aufrufszahlen ausmachen, dass diese mit der Zeit immer mehr geworden sind.

An dieser Stelle ist es wieder einmal an der Zeit und mir ein Anliegen, euch allen für eure regelmäßigen Besuche, für eure Likes und eure Kommentare zu danken! Ohne euch würde ich diesen Blog wohl schon lange nicht mehr führen und dabei ist er mir inzwischen mehr als nur ans Herz gewachsen. So wie ihr auch!

(*Gruppenumarmung* . Halt, nicht weglaufen!)

Diese Woche ist dann noch etwas passiert, das für mich auch ein besonderer Moment war. Ich habe zum ersten Mal ein Buch in der Hand gehalten, in dem ein von mir geschriebener Text enthalten ist. Ja, die »Schmerzlos«-Anthologie ist eingetroffen. Sehr ungewohnt, irgendwie surreal, aber auch gut, dieses Gefühl.

Ebenso wie auch das Gefühl, die ersten Lektoratsänderungen abgeschlossen zu haben, die in „Der Morgen danach“ fällig waren. Jetzt kann ich meinen ersten „Packen“ an den Verlag zurückschicken und darauf warten, dass der nächste bei mir eintrifft.

Ihr sehr also, ich mache im Augenblick auch einige neue Erfahrungen, von denen ich für meine weitere Arbeit und „Karriere“ nur profitieren kann! Und auch hier wieder: Ich glaube fast, dass das jetzt alles so schnell aufeinander folgt, dass ich kaum Schritt halten kann, um das alles mal in Ruhe zu verarbeiten. Das wird wohl erst im Laufe der Zeit passieren.

Zeit werde ich auch brauchen, um den ganzen Packen an Musik zu hören, der bei mir kürzlich neu eingezogen ist. Ich bin ja nach wie vor ein Freund davon, Musik auch wirklich zu kaufen. Wir haben zwar einen Streaming-Vertrag mit Amazon Music Unlimited, aber den nutze ich eigentlich nur für Hörspiele. Für den Rest sind es CDs und gekaufte Downloads.

Da aber reBuy – ihr erinnert euch – nicht nur sehr günstige Bücher im Angebot hatte, sondern auch CDs ab 29 Cent, ist auch hier eine erkleckliche Menge zusammengekommen. Nein, ich schreibe jetzt nicht alle Titel auf, das wären mir zu viele 😉 .

Das muss natürlich auch irgendwie gehört werden. Dafür gehe ich hin und rippe mir die einzelnen Titel als MP3-Dateien auf die Festplatte und füge dann alle (!) neuen Alben in den Media Monkey ein, wo ich sie mir in eine eigene Playlist stelle. Und die wird dann nach zunehmender Länge aufsteigend sortiert. Und gehört.

Ja, das gibt ein gewisses Kuddelmuddel. Aber ich hatte immer schon ein Herz für die Shufflefunktion meines CD-Players. Und so kann es durchaus sein, dass ein Stück von Jean-Michel Jarre auf irgendeinen Metalsong von irgendeinem Soundtrack folgt, dem wiederum ein Dancetrack aus den 90ern nacheilt, um schließlich von klassischer Musik abgelöst zu werden.

Diese Playlist dauert im Moment, hust, hust, runde 78 Stunden.

Aber was soll’s, ich habe ja Zeit!

Äh – oder doch nicht? Wie war das gleich am Anfang dieses Beitrags? Jetzt bin ich verwirrt. Ich glaube, ich mache jetzt mal Schluss und versuche, mich zu sortieren.

Ich wünsche euch einen unverwirrten Restsonntag und einen schönen Pfingstmontag!

Euer Michael

Der Sonntagsreport vom 28.05.2017 – Ozon liegt in der Luft

Hallo zusammen!

Na, sind das nicht herrliche Sommertage, die wir im Moment haben? Na gut, wem erzähle ich das. Mir ist es auch zu heiß. Außerdem sind ja die Ozonwerte, glaube ich, wieder besonders hoch. Oder ist das nur bei mir in meinem Keller so? Vielleicht liegt es ja daran, dass der Laserdrucker den halben Tag gelaufen ist. Ja, doch, das könnte der Grund sein.

Morgen habe ich den Nachholtermin für die erste Lektoratsbesprechung im Verlag und ich freue mich schon sehr darauf. Dafür musste ich natürlich jetzt ausdrucken, was ich mir an Kommentaren und dergleichen notiert habe. Mal davon abgesehen, dass das Manuskript nun einmal die Diskussionsgrundlage der ganzen Veranstaltung ist.

Ich kann nur noch einmal betonen, dass die Gefühle, die ich habe, sehr widersprüchlich sind. Das liegt, denke ich, daran, dass ein Teil von mir immer noch der Ansicht ist, dass dieser Roman es irgendwie gar nicht verdient hat, veröffentlicht zu werden. Ist natürlich vollkommener Käse und ich weiß das auch. Aber es ist dann einfach sehr, sehr seltsam, wenn man mit „fremden Menschen“ am Tisch sitzt und sich eben über diesen Roman unterhält.

Jedenfalls muss ich mich wohl langsam darum kümmern, meine Vorräte an Druckerpapier wieder ein wenig aufzufüllen, denn ich gehe davon aus, dass ich das Manuskript noch ein paar Mal werde ausdrucken müssen, bevor es dann irgendwann „fertig“ ist.

Drückt mir mal die Daumen, dass es entweder morgen nicht so heiß ist, oder dass zumindest die Autobahnen nicht verstopft sind. Da ich in Stoßrichtung Köln fahre, ist allerdings gerade dieser zweite Wunsch schon einer von der sehr frommen Sorte. Bis jetzt habe ich immer entweder auf der Hinfahrt oder auf der Rückfahrt im Stau gestanden. Bei allen beiden Verlagsbesuchen 😉 .

Was gibt es sonst noch berichtenswertes?

Da ich ja gestern vom Prokrastinieren schrieb, habe ich beschlossen, zumindest zwei Dinge noch in Angriff zu nehmen. Das ist zum einen „Darkride“ und zum anderen die Kurzgeschichte, in der es sich um die Zahl 30 dreht. Wie, die habt ihr schon wieder vergessen? Ja, das hatte ich auch fast, weil ich ja dachte, dass ich die Kriterien für die Ausschreibung nicht erfülle. Aber da die einem steten Wandel zu unterliegen scheinen, kann ich es ja doch vielleicht noch versuchen. Abgabetermin ist inzwischen der 31.05., aber da schreibe ich noch einmal gesondert einen Beitrag.

Und für „Darkride“ werde ich versuchen, mir noch ein oder zwei Meinungen einzuholen, die mir vielleicht dabei helfen, den Problemen mit der Erzählperspektive auf die Schliche zu kommen, die be mir ins Stammbuch geschrieben hat. Man selbst ist da ja doch manchmal betriebsblind. Ach ja, falls jemand unter meinen Lesern sich berufen fühlt, da lässt sich sicherlich was machen 🙂 .

So, und da jetzt gleich das Abendessen auf dem Tisch steht, soll es das an dieser Stelle auch schon wieder gewesen sein mit dem eher knapp gefassten Sonntagsreport. Ich lüfte jetzt den Keller noch einmal ordentlich durch, dann in irgendeiner Form meinen Kopf und morgen geht es frisch und fröhlich ins Lektorat. Ich werde euch berichten!

Habt einen guten Start in die Woche.

Euer Michael

„Der Morgen danach“: Im Selbstlektorat

Heute in einer Woche ist es soweit und ich habe den ersten „echten“ Lektoratstermin meines Lebens. Dann werde ich mich mit den Macherinnen bei Scylla zusammensetzen und wir schauen mal, wo und wie wir meinem Manuskript mit dem Arbeitstitel „Der Morgen danach“ (den ich schrecklich vermissen werde) zu Leibe rücken müssen.

Ja, ich glaube, ich kann behaupten, ein wenig aufgeregt zu sein. Bis jetzt war alles mehr oder weniger einfach. Das Manuskript wurde angeschaut, für gut befunden und eingekauft. Aber jetzt geht es in die Tiefe. Jetzt geht es an die kleinen und großen Kleinigkeiten. Und ich werde mich vielleicht auch von der einen oder anderen lieb gewonnenen Idee ein wenig trennen müssen.

Ich weiß es nicht.

Aber auf jeden Fall steht fest, dass ich eine derart intensive Textarbeit an einem meiner Texte noch nicht mitgemacht habe. Deswegen bin ich dankbar dafür, dass sich der Verlag in Schlagdistanz von meinem Wohnort Duisburg befindet und ich mal eben für ein paar Stunden hinfahren kann, um gemeinsam den Weg abzustecken.

Ich habe eine Menge Fragezeichen in meinem Kopf, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt. Über ein paar Punkte haben wir bei meinem letzten Kurzbesuch im April schon gesprochen, andere kommen jetzt dazu.

Bei dem erwähnten Termin im April wurde mir geraten, dass ich mir selbst den Text noch einmal vornehme und mir notiere, wo ich eventuell Fragen habe, wo ich Veränderungen sehe und wo ich, wenn machbar, keine Veränderungen haben möchte.

Und so befinde ich mich im Moment quasi in einer Art „Selbstlektorat“. Das bedeutet, dass ich den Text von A bis Z noch einmal durchgehe und mir in Form von Kommentaren Anmerkungen und Fragen an den Rand schreibe, wie es eine Lektorin unter anderem auch tun würde.

In meiner Vorstellung sitzen wir dann nächste Woche in trauter Runde, jeder hat eine Ausfertigung des Manuskripts vor sich, und wir gehen zusammen die Änderungen durch, die zu machen sind. Und können natürlich direkt darüber sprechen, diskutieren und auch verhandeln.

Lektorat bedeutet ja nicht, dass jeder Änderungswunsch sklavisch umgesetzt werden muss. Es bedeutet allerdings sehr wohl, dass ich mir diese Wünsche anhöre und dann zum Wohle des Romans abwäge, ob er sinnvoll ist oder nicht. Ja, zum Wohle des Romans – nicht etwa zu meinem Wohl. Ich als Person stehe hinter dem geschriebenen Wort zurück. So sehe ich meine Rolle. Und eine gute Lektorin wird es nicht anders handhaben, denn es geht ja darum, den bestmöglichen Text auf die Welt los zu lassen.

In meinem Selbstlektorat habe ich schon gemerkt, dass ich, in Voraussicht darauf, bald eine solche Textanalyse durchführen zu können, einige Passagen meines Romans markiere, die mich eigentlich schon seit längerem stören, ohne dass ich mich dazu durchringen konnte, sie entweder zu verändern oder zu löschen. Sie sind seit inzwischen fünf oder sechs Iterationen des Romanentwurfs vorhanden, ohne dass ich eindeutig Stellung zu ihnen beziehen kann.

Es hatte etwas erleichterndes, diese Passagen jetzt zu markieren und damit zur Diskussion stellen zu können.

Ja, doch, ich bin gespannt darauf, wie es weitergehen wird. Und was dieses erste Lektorat meines Lebens mit mir und meiner Herangehensweise an die Manuskriptarbeit machen wird.

Heute in einer Woche werde ich es wissen.

Ein Hoch auf die Heckenschere! – Eine Analogie

Gestern gab es keinen Sonntagsreport. Ein Grund dafür war, dass mir die Arme weh getan haben. Denn gestern war das Wetter gut genug, um ein wenig Gartenarbeit zu verrichten, für die es nicht den Einsatz von elektronischen und damit lauten Gerätschaften benötigt.

Wir hatten in unserem Garten bis letztes Jahr ein Trampolin und einen Sandkasten für die Kinder stehen. Beides ist inzwischen wegen Desinteresse entfernt worden und gab den Zugriff auf die dahinter liegende Hecke frei. Und der bin ich dann mit der Heckenschere zu Leibe gerückt. Dabei ging es vor allem um die tiefer im Wirrwarr der Holzverästelungen befindlichen dicken Äste, an denen teilweise ganz eigene neue Hecken herangewachsen waren.

Ich bin mit meinen zwei Metern Körpergröße nun wirklich nicht klein, aber teilweise waren die Auswucherungen der Hecke bestimmt sechs Meter hoch, weil eben seit Jahren niemand zum Schneiden heran kam. Und da musste ich mich ganz schön strecken, um den nötigen Zugriff zu bekommen.

Und so ist es auch mit manchen Geschichten. Man schreibt an ihnen, sie wachsen. Man investiert Zeit in sie, sie wachsen weiter. Kreativität regnet auf sie hinab und sie verästeln sich. Die Äste beginnen, ihrerseits neue Triebe auszubilden, an denen sich weitere Handlungsstränge hervor schieben, so dass der Kreislauf von Neuem beginnt.

Während des Schreibens ist es oft so, als ob jemand uns Hindernisse in den Weg gestellt hätte, die uns am Erreichen dieser Triebe hindern. Wir können ihnen nur beim Wachsen zusehen und versuchen, sie vielleicht dadurch zu bekämpfen, dass wir sie nicht hegen und pflegen.

Doch ebenso wie die Natur findet auch die Literatur einen Weg, sich von ganz alleine um diese ungewollten und manchmal auch ungeliebten Nebenpfade und -äste zu kümmern. Das tut sie auf perfide Weise, indem wir Hinweise auf diese Stränge in die Textteile mit aufnehmen, die wir bewahren und behalten wollen.

Und dann kommt der Moment, an dem wir vor der Hecke, vor unserem Roman stehen und feststellen, dass er viel zu sehr ausgeschlagen hat, dass uns das alles zu hoch geworden ist. So hoch, dass der Leser das Wesentliche gar nicht mehr sehen kann.

Dann schlägt die Stunde der Heckenschere. Ich schlage vor, mindestens drei Exemplare zur Hand zu haben: Eine lange mit großer Spannweite, mit der wir tief in die Verästlungen hinein greifen und dort mit maximalem Druck die großen und schweren Hauptäste abschneiden können. Jene, von denen wir wissen, dass wir sie nicht mehr brauchen werden.

Die zweite Schere ist ein wenig kürzer, hat aber nicht weniger Kraft. Sie ist besonders geeignet, um jene Wucherungen zu entfernen, die von den Hauptästen unserer Geschichten abgehen und den Blick darauf erschweren. Es kann sein, dass wir ein wenig von eben diesen Hauptästen mit entfernen müssen, aber das ist in Ordnung. Wir haben ein Instrument mit der notwendigen Präzision.

Und für die kleinen und feinen Schnitte, bei denen manchmal nur ein schmaler Ast entfernt werden muss, haben wir dann noch eine kleine Heckenschere. Eine, die mehr zu sein scheint, als sie wirklich ist. Die gefährlich aussieht, aber im Endeffekt noch viel präziser ist. Das muss sie auch sein, denn mir ihr operieren wir im Endeffekt am Herzen unserer Geschichte, an ihrer Glaubwürdigkeit.

Das Ziel muss sein, dass wir am Ende eine gesunde Hecke, eine gesunde Geschichte haben. Der erste Blick mag bei beidem erschrecken, denn auf einmal sehen wir auf die ungeschminkten und nicht kaschierten Grundgerüste unserer Geschichte. Und es kann sein, dass wir uns fragen, wie diese eigentlich das ganze Konstrukt tragen können, wo sie jetzt von dem ganzen Ballast befreit sind. Von all dem, was vorher so schmuckvoll wirkte.

Dann ist es gut und wichtig, dass wir ganz nach unten gehen, uns anschauen, was eigentlich die Wurzel des Ganzen ist. Dort, wo die Äste der Geschichte im Boden stecken. Und auf einmal erkennen wir, dass die Geschichte nicht nur trägt, sondern dass sie stark ist! Dass sie so stark ist, dass sie nicht nur sich selber, sondern auch den ganzen unnötigen Ballast getragen hat!

Das ist es, was im Garten die Heckenschere für uns tut. Und die Überarbeitung am Schreibtisch.

Gut, dass wir dieses Werkzeug besitzen!

Und jetzt liegen im Garten ganz viele Äste herum, die zum Wegwerfen viel zu schade wären. Also, was machen wir damit? Wir jagen sie durch den Häcksler und benutzen sie als Grundstoff für neue Aussaat. Als Dünger.

Ebenso können wir es mit den Teilen unserer Geschichten halten, die wir abschneiden mussten. Denn dass sie nicht für diese Erzählung gepasst haben, bedeutet doch nicht, dass sie nie und nirgendwo passen, nicht wahr?

Die Stunden danach

So, das wäre geschafft! Nein, das klingt jetzt nach etwas negativem, als hätte ich einen Besuch beim Zahnarzt hinter mir, oder beim Anwalt meines geringsten Misstrauens. Dabei hatte ich doch heute nur ein Gespräch bei meinem Verlag (es schreibt sich immer noch ein wenig seltsam).

Leider, leider, leider kann, darf und will ich euch nicht zu viel verraten, weil wir hart am Inhalt diskutiert haben. Es gibt einige Vorstellungen, wie man noch an der Aussage des Romans Verbesserungen vornehmen könnte und dazu wollte man meine Meinung hören. Denn, so die wiederholte Versicherung, ohne meine Zustimmung als Autor geht das alles nicht.

(Dass in dem phasenweise lustigen Gespräch angedeutet wurde, dass es auch Mittel und Wege gäbe, einen Autor gefügig zu machen, nehme ich jetzt mal nicht so bierernst. Oder!?)

So ganz genau in die Details haben wir jetzt noch nicht geschaut. Es ging halt darum, dass ich mich mit den Anmerkungen anfreunden kann.

Die beiden Lektorinnen gehen jetzt noch einmal in medias res und dann setzen wir uns im Mai zusammen und sprechen die ersten konkreten Änderungen durch. Bis dahin kann ich auch schon mal an den Dialogen feilen und mir Stellen im Skript markieren, die ich auf keinen Fall geändert haben möchte. Mir obliegt das letzte Wort, wurde jedenfalls so betont.

Und dann gibt es auch schon einen sehr vorsichtigen Zeitplan bis zur Veröffentlichung des Romans. Aber der ist so vorsichtig, dass ich auch hier ungern einen genauen Termin nennen würde. Der ja sowieso nur grob einen Monat benennen könnte. Viel hängt ja auch davon ab, wie schnell ich die Änderungen, die sich im Lektorat ergeben werden, umsetzen kann.

Außerdem stehen noch zwei Entscheidungen an, die sehr weitreichend sind und die wir heute nur einmal als notwendig auf die Agenda geschrieben haben, auch wenn sie noch weiter weg sind. Das eine ist, dass für den Roman ein Cover gefunden werden muss. Hier darf ich mich gerne künstlerisch austoben, wenn mir irgendwas vorschweben sollte. Die Worte lauteten so ähnlich wie »immer her damit!«

In der Tat habe ich schon eine vage Idee, wie das Cover aussehen könnte. Aber die muss noch reifen.

Wesentlich schwerer wird es werden, einen Veröffentlichungstitel zu finden. Denn beim Arbeitstitel „Der Morgen danach“ kann und wird es nicht bleiben. Den gibt es nämlich schon bei einem anderen Roman. Tja, schade, aber bei einem so generischen Titel nicht anders zu erwarten. Auch hier kann ich mir Gedanken machen und mich inspirieren lassen. In der gemeinsamen Hoffnung, dass dabei vielleicht schon etwas Nutzbares herauskommt.

Also, lange Worte, gar kein Sinn: Ich bin mit einem sehr guten Gefühl aus Refrath nach Hause gefahren. Alleine schon, weil mir ganz oft gesagt wurde, wie gut das Manuskript, die Idee und die Entwicklung sind. Wer hört so etwas nicht gerne? Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit meinem Verlag und den tollen Menschen dort!

„Darkride“: Der Anfang wäre gemacht

Anfang der Woche hatte ich noch darüber geschrieben, wie schwer ich mich getan habe, um meinen Hintern hoch zu bekommen und endlich mit dem anzufangen, was ich mir für diesen Urlaub im schriftstellerischen Sinn ganz fest vorgenommen hatte. Ich wollte und will die (mögliche) Veröffentlichung von „Darkride“ vorantreiben. Und dazu gehört, dass die nötigen Grundvoraussetzungen geschaffen sind.

Ich fasse diese noch einmal kurz zusammen:

  1. Ich brauche eine aussagefähige Leseprobe des Romans
  2. Ich benötige ein vollständiges und formell korrektes Exposé
  3. Dann kommt noch der „Kleinkram“ wie Anschreiben und Vita hinzu.

Wie ihr ja wisst, möchte ich „Darkride“ bei Bastei Entertainments eBook-Label be einreichen, die seinerzeit schon meinen Roman „Der Beobachter und der Turm“ zur Prüfung auf dem Tisch hatten. Dieser fand zwar anhand des Exposés kein Gefallen, aber meine Schreibe sagte dem Lektor zu, der meine Anfrage geprüft hatte und deswegen ermutigte er mich, mich wieder mit einem neuen Projekt an ihn zu wenden.

Es hat lange gedauert, bis ich mich durchgerungen habe, aber egal: Here we go!

Der Vorteil, der sich durch diesen vorangegangenen Kontakt ergibt, liegt auf der Hand: Erstens habe ich schon einen konkreten Ansprechpartner im Verlag, zweitens kenne ich schon genau die Charakteristika, welche die einzureichenden Unterlagen haben sollten, damit ich nicht sofort aussortiert werde.

Ich hoffe, dass mir das die Arbeit an den Punkten zwei und drei vereinfachen wird.

Den Anfang stellte aber, wie bei solchen Aufzählungen meistens, der erste Punkt dar. Und der war gar nicht so leicht. Dazu muss man wissen, dass mein Roman, selbstverständlich, mit einer Leiche beginnt. Diese taucht allerdings nicht schon auf den ersten paar Seiten auf, sondern ich baue erst die Stimmung des Freizeitparks auf, in dem die Handlung spielt. Dann kommt die Entdeckung der Leiche und dann wird meine Hauptfigur, Kriminaloberkommissar Jakob Dillken, in Gang gesetzt.

In meinem ersten Entwurf brauchte das alles runde 50 Seiten. Viel, viel zu lang – nicht nur für den fertigen Roman, sondern vor allem auch für die Leseprobe. Diese sollte nicht länger als 30 Normseiten sein. Es galt also, 20 Seiten in irgendeiner Form loszuwerden.

Und ich muss sagen, ich bin überrascht davon, wie gut es mir mittlerweile gelingt, meine Texte zu filetieren. Ich schneide ab, wo zu viel Füllstoff ist und trenne heraus, wo die Handlung sehnig wird. Man wächst wirklich an und mit seinen Erfahrungen, nehme ich an. Denn diejenigen von euch, die schon länger hier mitlesen, werden sich sicher erinnern, was für Probleme mir genau diese Disziplin anfänglich gemacht hat. Und jetzt, nach drei Tagen konzentrierter Arbeit (die ich natürlich nicht durchgearbeitet habe, bewahre!) habe ich die Leseprobe fertig. Es ist alles drin, was drin sein soll und sie ist auch nicht eine Seite zu lang.

Das macht Mut!

In den kommenden zwei Tagen werde ich sehr wahrscheinlich nicht viel zum Arbeiten kommen, wegen österlicher und geburtstaglicher Verpflichtungen. Aber im Laufe der kommenden Woche, die ich ja noch frei habe, sollte es mir gelingen, das Exposé auch noch in die Tastatur zu hauen.

Und dann geht mal wieder ein Entwurf von mir auf die Reise. Ich würde nicht sagen, dass ich mich daran gewöhnt habe. Wahrscheinlich gewöhnt man sich niemals daran. Aber es verursacht bei mir auch kein Gefühl des Erschreckens oder der Panik mehr.

Alles entwickelt sich weiter. Selbst der Autor.

Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, wie es mit „Darkride“ und allem drumherum weitergeht! Falls wir uns nicht mehr lesen sollten, wünsche ich euch aber jetzt erst einmal ein paar schöne Ostertage!