Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Scylla Verlag

Ihr Lieben,

hiermit gebe ich bekannt, dass meine Zusammenarbeit mit dem Scylla Verlag mit dem heutigen Tage einvernehmlich beendet wurde. Dies bezieht sich auf die geplante Veröffentlichung meines Romans „Der Morgen danach“.

Ich bedanke mich beim Verlag und allen seinen Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit und wünsche dem Team für die Zukunft viel Erfolg.

Bitte seht mir nach, dass ich zu Einzelheiten keine Stellung nehmen werde. Ebenso möchte ich euch bitten, von Mutmaßungen, Nachfragen oder dergleichen abzusehen. Deswegen habe ich die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ausnahmsweise deaktiviert. Aber ich bin mir sicher, dass ihr meinen Wunsch respektieren werdet und ich nicht gezwungen bin, irgendwelche diesbezüglichen Kommentare unter anderen bestehenden oder zukünftigen  Beiträgen zu entfernen. Vielen Dank dafür!

Gleichzeitig nehme ich dies zum Anlass, auch wenn es nicht der alleinige Grund ist, in den kommenden Tagen ein wenig kürzer zu treten, was mein Autorenleben angeht. Ich habe das Gefühl, dass mir eine kleine Pause vom Schreiben, vom Bloggen, vom „Autor sein“ gut tun wird. Wie lange diese Pause ausfallen wird, weiß ich noch nicht. Aber ihr kennt mich: Es kann sein, dass mir schon in wenigen Tagen wieder etwas bloggenswertes unter den Nägeln brennt.

Wir hören voneinander!

Solange tut nichts, was ich nicht auch tun würde 😉 .

Euer Michael

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Wenn Geschichten sich weiterentwickeln

Neulich unterhielt ich mich mit Julia von Rein-Hrubesch, ihres Zeichens ebenfalls Autorin und Mitstreiterin in Sachen #9lesen. Es ging darum, wie Geschichten sich entwickeln und wie manche Geschichten sich eben von ihrer ursprünglichen Form in etwas anderes weiterentwickeln.

Ich habe über dieses Gespräch in den letzten Tagen, aus gegebenem Anlass, viel nachgedacht. Der Anlass sind mein unerwarteter Kreativitätsschub und die Folgen, die daraus erwachsen.

Wie ihr wisst, arbeite ich bereits seit längerem an einer Geschichte, in der es um ein Kind geht, das von seinen Eltern vor der Judendeportation aus dem Warschauer Ghetto gerettet worden ist. Ich hatte die Geschichte komplett aus einem Traum übernommen und, ganz gegen meine Gewohnheit, direkt eine Szenenfolge festgelegt. Fünf einfache Szenen, danach Abschluss und Ende. Eine Kurzgeschichte eben.

Im Normalfall schreibe ich meine Kurzgeschichten schnell, jedenfalls im ersten Entwurf. Deswegen war es schon eine Ausnahme, dass diese hier sich so langsam entwickelte und partout nicht fertig werden wollte. Ich schob es darauf, dass das Thema ein eher schwieriges ist. Diese Annahme verringerte das Gefühl, irgendetwas falsch zu machen.

Doch dann kam es zu einer langen Pause, in der ich die Geschichte gar nicht anfasste. Zurückblickend kann ich allerdings jetzt festhalten, dass ich eigentlich überhaupt nichts wirklich anfasste. Meine Kreativität kam zum Erliegen.

Als sie nun, im Zuge der letzten Ereignisse, langsam wieder aus ihrem Winterschlaf erwachte, stand für mich fest, dass ich mich nun zunächst um „Das Kind“ kümmern wollte. Und so fing ich an, weiterzuschreiben.

Leser, die hier schon länger mit dabei sind, werden ahnen, was passiert ist.

Die Geschichte wird länger und länger. An Stelle der kurzen Szenen sind nun längere getreten, die sich mehr Zeit für die Charaktere und das Setting des Jahres 1942 nehmen. Neue Charaktere wurden eingeführt, die sich aufgrund des geänderten Handlungsverlaufs einfach aufdrängten.

Und das bringt mich zu der Eingangs angesprochenen Weiterentwicklung: Inzwischen bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich die Geschichte, wie sie ursprünglich geplant war, eigentlich gar nicht mehr schreiben möchte. Meine Ursprungsidee war kurz, sie war grob, sie war düster. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich es grob und düster haben möchte.

Man könnte auch sagen, dass mir meine Charaktere, durch die Evolution, die sie gerade durchmachen, einfach zu nahe gehen, als dass ich sie eiskalt einem vorgeplanten Storybogen unterwerfen könnte, hinter dem ich auch nicht mehr vorbehaltlos stehe.

Julia schrieb zu diesem Phänomen: »Das ist toll! Die Geschichte ist eben gewachsen.«

Ja, das ist sie. Und damit komme ich wieder einmal in das Dilemma, dass ich nicht genau sagen kann, was das eigentlich ist, was ich da schreibe. Eine Kurzgeschichte ist es mit inzwischen fast 30.000 Wörtern jedenfalls nicht mehr. Wird es eine Novelle? Ein Kurzroman? Doch sogar ein „richtiger“ Roman?

Ich weiß, was an dieser Entwicklung nicht toll ist. Es ist die Sorge, dass mir das Projekt schließlich wieder unter den Händen wegsterben könnte, weil ich orientierungslos von einer Seite zur nächsten stolpere.

Momentan gibt es auf der anderen Seite aber auch nicht den kleinsten Anhaltspunkt, dass das passieren könnte. Stattdessen reiht sich gerade wieder Idee an Idee, Szene an Szene. Das einzige, was den Eindruck ein wenig trübt, ist der Fakt, dass ich nicht genau weiß, wann und wie ich die Geschichte enden lassen soll. Aber das ist wohl zu erwarten, wenn man mal eben das komplette Konstrukt samt geplantem Ende über den Haufen wirft.

Ein Teil von mir ist es dennoch gewohnt, sich schlecht damit zu fühlen, dass er das eigene Vorhaben nicht hat umsetzen können. Und er greift zu einem sehr perfiden Mittel, um mich das spüren zu lassen. Er stellt mir nämlich in einem fort die Frage, was ich eigentlich genau mit der Geschichte vorhabe, wenn sie denn irgendwann einmal fertig ist.

Tja, das ist eine gute Frage.

Ich habe mir ja vor einiger Zeit quasi geschworen, dass ich nie mehr für die Schublade schreiben möchte. Aber heißt das auf der anderen Seite, dass ich alles, was ich schreibe, auf Teufel komm raus direkt in irgendeiner Form verwerten muss?

Ich denke, dass genau hier ein weiterer Grund dafür begraben liegt, dass meine Kreativität zwischendurch so einschlafen konnte. Das Gefühl, mit dem, was ich schreibe, unbedingt etwas – womöglich auch noch gewinnbringendes – anstellen zu müssen.

In einem einfachen Satz formuliert heißt das nichts anderes, als dass ich mir selber massiven Druck mache. Oder gemacht habe.

Die meisten meiner Romane habe ich geschrieben, ohne ein konkretes Ziel mit ihren zu verfolgen. Ich habe sie geschrieben, weil sie einfach an der Reihe waren und auf die Welt gebracht werden wollten. Viele Kurzgeschichten schreibe ich einfach aus Spaß an der Freude, um sie hier im Blog zu veröffentlichen.

Aber je mehr man sich unter Autoren bewegt, desto mehr beginnt alles, auf einen abzufärben. Und dazu gehört auch dieser Drang, vorrangig mit dem Ziel der Veröffentlichung zu schreiben.

Ich will den Drang gar nicht schlecht machen, denn er ist es, der in manchen Punkten den Antrieb setzt für das, was ich tue. Ansonsten hätte ich nie einen Text von mir überarbeitet und schon gar nicht versucht, ihn für eine Veröffentlichung zu platzieren. Aber das kam immer im Nachgang, wenn die Geschichte schon geschrieben war.

Und so weit bin ich eben diesmal noch nicht.

Ich muss also für mich feststellen, dass meine Geschichte sich weiterentwickelt hat. Damit sprengt sie den ursprünglichen Rahmen und die zumindest vage Idee, was ich mit ihr anfangen wollte. Das führt zu einer Anzahl an Fragezeichen, die zuerst blockierend gewirkt haben. Der Kreativitätsschub hat mich aus dieser Blockade geführt und jetzt schreibe ich, ohne groß nachzudenken. Und stelle fest, dass es mir Spaß macht.

Damit könnte doch eigentlich alles gut sein. Sollte es sein. Wird es sein.

Wenn ich das, was ich nun für mich glaube, erkannt zu haben, festhalte und mich daran erinnere, wenn ich wieder in Gefahr gerate, mich selber in Gefangenschaft zu setzen.

Das passende Schlusswort gebührt diesmal Julia: »Was soll daran nicht toll sein?«

Vom Bitten und vom Betteln

Wie einige von euch sicherlich bemerkt haben, wird jeder neue Beitrag, den ich hier im Blog schreibe, auch in die Sozialen Netzwerke durchgeschoben. Ich bin ein lausiger Netzwerker und versuche auf diese Weise, wenigstens halbwegs „Präsenz“ zu zeigen.

Auf diese Weise ging auch mein vorgestriger Beitrag über die Bewerbung bei der Literaturagentur Meller rüber zu Twitter – dem Netz, auf dem ich noch am aktivsten bin. Dennoch habe ich erst heute einen Tweet als Antwort auf den meinen entdeckt, der mich nachdenklich gestimmt hat:

Bitten und Betteln – das sind zwei Worte, die man natürlich ungern im Zusammenhang mit dem eigenen Verhalten liest. Inzwischen sind noch ein paar Tweets hin und her gegangen und ich denke, dass es hier weniger um mich und meinen konkreten Text geht, sondern um eine allgemeine und grundlegend andere Auffassung vom Nutzen einer Literaturagentur. Oder eben der Abwesenheit eines solchen Nutzens.

Aber wie dem auch sei, ich habe, ebenfalls bei Twitter, eine Frage in die Runde meiner Follower gestellt, die ich hier gerne wiederholen möchte, weil mich Antworten darauf interessieren, andere Ansichten.

Es geht mir, das sage ich ausdrücklich, nicht darum, Victoria Benner in ihrer Ansicht umzustimmen oder zu „bekehren“, oder auch nur zu sagen: Soundso viele Leute sind anderer Meinung. Ich finde, dass es gerade in Hinblick auf die Wege die wir Autoren gehen, kein richtig und kein falsch gibt, sondern nur andere Herangehensweisen, die, hoffentlich, irgendwann im Bücherregal des Lesers ihr Ziel finden. Das ist es doch, worauf wir alle hinarbeiten.

Und dennoch, auch hier an dieser Stelle, die Frage für alle, die mir nicht bei Twitter folgen:

Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

Ich bin, ich kann, ich habe. Oder: Bewerbung bei einer Literaturagentur

Die Unterlagen sind zusammengestellt. Das Exposé wurde mit Geduld, Spucke und einer großen Schere auf die geforderten zwei Seiten (Maximum) zurecht geschnippelt. Die Leseprobe hat die benötigten 30 Seiten. Auch wenn mich stört, dass sie mitten in einem Absatz endet: So sind die Regeln. 30 Seiten heißt 30 Seiten. Nicht 29 und nicht 31. Man will ja zeigen, dass man in der Lage ist, die Ausschreibungsbedingungen zu lesen.

Die Kurzvita ist schon ein wenig schwerer. Was soll man reinschreiben, was lässt man draußen? Ich entschließe mich dazu, einiges von dem, was noch vor einem Jahr, als ich mich mit „Der Morgen danach“ bei meinem Verlag beworben habe, drin gewesen ist, rauszuwerfen. Ich fühle mich nicht mehr besonders wohl mit diesen Passagen und deswegen ist es wohl das beste, sie einfach zu eliminieren.

Was dann noch fehlt, ist nur noch eine Formsache. Das Anschreiben. Die Bewerbung.

Und dann sitze ich wie ein kleiner Doofie vor meiner Tastatur und starre auf die leere Seite meines Schreibprogramms. Tippe die ersten Worte: „Sehr geehrte Damen und Herren“. Lösche sie wieder. Leider ist auf der Homepage der Agentur kein konkreter Ansprechpartner erkennbar. Deswegen komme ich um eine unpersönliche Anrede nur schwer herum.

Ich atme tief durch, überlege kurz und ergänze dann: „Sehr geehrtes Team der Agentur xy, sehr geehrte Damen und Herren“. Das gefällt mir immer noch nicht, aber ich kann mir ja nicht einfach irgendeinen aus dem halben Dutzend auf der Webseite aufgeführten Agenten herauspicken. Zumal auch die E-Mailadresse eine anonyme ist. Leicht macht man es einem dort wirklich nicht.

Aber gut, die Anrede ist geschrieben. Und dann starre ich wieder auf das nur noch fast leere Blatt und überlege mir, was ich schreiben soll.

Ich möchte mich um eine Zusammenarbeit bewerben. Aber ist „bewerben“ eigentlich das richtige Wort? Die Webseite spricht davon, dass ich ein Angebot zur Zusammenarbeit mache. Aber ich kann doch nicht einfach schreiben: „Ich biete Ihnen an, mit mir zusammen an meinem Manuskript zu arbeiten“. Wie hört sich das denn an? Wohl größenwahnsinnig geworden, wie!?

Wie bewirbt man sich, wenn man nicht schreiben will, dass man sich bewirbt, weil es vielleicht zu unterwürfig klingt? Ich versuche herauszufinden, wie genau das Anschreiben an meinen Verlag damals gelautet hat. Aber irgendwie hilft mir das nicht weiter, denn ich hatte ganz andere Voraussetzungen. Und das Anschreiben an den zweiten Verlag, an den, bei dem ich mich mit „Der Beobachter und der Turm“ schon einmal beworben hatte, ist irgendwie Verschütt gegangen. Einfach weg! Bestimmt so gut weg sortiert, dass ich es selber nicht mehr finde.

Durchatmen. Ich kann das. Ich bin gut in so was. Es ist unter anderem mein Job, Menschen anzuschreiben und ihnen im Zweifel sogar zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Nein, falsch, vollkommen falscher Ansatz. Die Agentur soll nichts für mich tun und sie soll schon gar nichts für mich lassen. Sie soll mit mir zusammen arbeiten und die Unterlagen, die ich zusammengestellt habe, sollen mein Türöffner für diese Zusammenarbeit sein.

Ich erinnere mich an das, was ich mal über Stellenbewerbungen gelernt habe. Ist jetzt auch schon über 24 Jahre her, dass ich mich auf eine Stelle beworben habe. Aber ich weiß noch, dass es immer gut aussieht, wenn man kurz schreibt, wieso man eigentlich genau da, wo man nun hinschreibt, gerne arbeiten würde. Oder in diesem Fall halt zusammenarbeiten würde.

Ich schreibe einen entsprechenden Absatz. Ungefähr drei Mal, bis er halbwegs so aussieht, als ob er von mir stammt und nicht aus irgendeinem Ratgeber abgeschrieben ist. Es hilft ungemein, dass ich mir zwischendurch bewusst werde, dass ich schreibe, als hätte ich ein Lineal verschluckt. Nachdem ich es mühsam hervorgewürgt habe, geht es besser.

Nächster Absatz. Das ist einfach. Ein kurzer Pitch, worum es in dem Roman geht. Moment – habe ich wirklich das Gefühl, dass das einfach ist? So ziemlich das Schwierigste, was man machen kann: Kurz und knapp die eigene Story zusammenfassen?

Meine Güte, wie schwer muss mir der Rest fallen, wenn ich das auf einmal als einfach empfinde!

Los, ich muss zum Ende kommen, ansonsten bekomme ich entweder die Kopfschmerzen des Jahrhunderts oder ich bringe das gar nicht mehr fertig.

Schlussformel. Auch hier habe ich mal was gelernt, nämlich, dass man den Konjunktiv so gut es geht vermeiden soll. Ich bin hier, weil ich ein Angebot habe, das ihr eigentlich nicht ausschlagen könnt! Ich muss nicht „hoffen“ oder „würden“.

Mit so viel Mumm, wie ich aufbringen kann, schreibe ich: „Ich freue mich, wenn die beigefügten Unterlagen Sie in Bezug auf eine Zusammenarbeit überzeugen.“

Mit Mühe unterdrücke ich den Nachsatz: Und das werden sie! Denn das wäre nicht nur gelogen, sondern auch mehr als nur zwanzig, eher zweiundzwanzig, Schichten zu dick aufgetragen.

Dann lese ich das Ganze durch. Einmal, zweimal, dreimal, sechsmal. Suche Fehler, finde keine. Suche noch einmal, weil ich mir selbst nicht traue. Füge die Dateien an, checke auch diese zweimal gegen.

Alles passt.

Nur noch auf „Senden“ drücken. Aber das Gefühl kenne ich ja inzwischen, wie schwer es ist, diesen Button zu drücken, wenn es um das eigene Schreiben geht. Ihn zu drücken ist am Ende fast so leicht wie das Pitchen meiner Geschichte.

Und jetzt heißt es warten. Ungefähr acht Wochen lang. Dann wird der Frühling schon fast an die Tür klopfen.

„Auf der 30“: Geld und Glück und Glauben

Schaut mal, was für ein nettes Schreiben bei mir in der Post gewesen ist:

Zum einen ist es schön, den auch von der „anderen Seite“ unterschriebenen Vertrag in Händen zu halten. Aber noch viel schöner ist der Satz: Das Honorar werden wir in Kürze überweisen.

Das Honorar ist jetzt nicht so hoch, dass ich davon in Urlaub fahren könnte. Es reicht auch nicht, um mir eine neue Tonerkartusche für meinen Laserdrucker zu kaufen. Aber das alles ist vollkommen nebensächlich. Denn es reicht auf jeden Fall, um meine Familie zum Eis einzuladen. Oder eine Runde Pizza zu bestellen.

Aber auch das ist nur ein nebensächlicher Effekt. Viel höher ist der ideelle Wert!

Zum ersten Mal bezahlt jemand Geld für etwas, das ich geschrieben habe! Ja, ich habe den Vertrag über einen Roman in der Tasche, aber da dauert es noch, bis ich Einkünfte daraus haben werde. Und so kommt es, dass dieser im Rahmen der Jubiläumsanthologie des BVjA symbolische Betrag von 30 Euro brutto, der – so sehe ich voraus – mir bei der Steuererklärung 2017 noch gehörig auf den Sender fallen wird, mein erstes Honorar als Schriftsteller ist.

Ich habe nie geschrieben, weil ich Geld damit verdienen wollte. Für mich war immer das Schreiben an sich Belohnung und Antrieb genug. Aber es ist trotzdem so, dass ein Teil von mir, der vielleicht vorher irgendwo geschlummert hat, jetzt beim Lesen dieses Satzes Glück verspürt.

Wahrscheinlich, weil ich eine neue Form des Glaubens an mein Schreiben damit verbinden kann. Es gibt Menschen, denen nicht nur gefällt, was ich schreibe, sondern die sogar dafür bezahlen. Da spielt die Höhe, zu diesem Zeitpunkt meiner „Karriere“, keine entscheidende Höhe. Das kommt später.

Im Moment habe ich drei G: Geld, Glück und Glauben. Und fühle mich gut damit.

„Der Morgen danach“: Und immer wieder ein neuer Anfang

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, jede Sinfonie mit dem ersten Ton und jeder Roman mit dem ersten Wort. Oder alternativ auch mit den ersten Seiten. So weit, so gut.

Was den Roman von den beiden anderen Beispielen ein wenig unterscheidet ist, dass er mit diesen ersten Seiten bereits die Leser einfangen muss, die zu begeistern er sich vorgenommen hat. Bei einer Reise habe ich ein genaues Bild von dem Ort im Kopf, zu dem es mich zieht. Und eine Sinfonie ist einfach wesentlich schnelllebiger als ein Buch. Da sind schon die ersten fünf wegweisenden Minuten gespielt, bevor ich zweimal umgeblättert habe.

Wie ihr wisst, befindet sich mein Roman „Der Morgen danach“ im Lektorat. Und ich kann nur noch einmal sagen, dass ich an eine sehr engagierte und auch – ich benutze das Wort jetzt positiv konnotiert – penible Lektorin geraten bin.

Eigentlich hatten wir die ersten Seiten ja schon fertig. Eigentlich. Denn irgendwie stellte sich irgendein neues Störgefühl ein, dem Jeannette, meine Lektorin, dann nachgehen wollte und quasi in Erfüllung ihres Jobs auch musste.

Sie hatte mich bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass insbesondere der Anfang, also vor allem die ersten beiden Seiten, noch einmal der Überarbeitung bedurften. Was sie sich darunter vorstellte, wurde mir bereits vor anderthalb Wochen zugeschickt, so dass ich eine gewisse Zeit hatte, mich damit zu beschäftigen, bis unser nächster direkter Kontakt zustande kam. Urlaubszeit und so …

Ich wollte über diesen neuen Anfang nichts schreiben, bis wir nicht miteinander gesprochen hatten. Denn die Änderungen waren schon recht umfangreich.

Entsprechend aufgeregt war ich vor unserem heutigen Telefonat. In dem sich, wie eigentlich ja immer, alles eine Nummer kleiner darstellte, als ich es mir schon wieder ausgemalt hatte.

Jeannette beruhigte mich dahingehend, dass es ihr nicht etwa darum ginge, grundlegend etwas an meiner Schreibe zu ändern. Es handle sich auch nicht um ein generelles „Problem“, sondern um eine Schwäche, die vor allem auf diesen beiden Seiten bestanden habe.

Der Hintergrund hierzu ist, dass viele Änderungen in den zahlreichen Fassungen von „Der Morgen danach“ sich gerade in diesen Passagen widerspiegeln und es dadurch dazu gekommen ist, dass da zwar der richtige Text steht, aber nicht die richtigen Gefühle geweckt werden.

Ein Romantext muss mitreißen, muss direkt zu Beginn dem Leser das Gefühl geben, dass er unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Und das ist etwas, was meiner Version des Anfangs von „Der Morgen danach“ nach den verschiedenen Versionen nicht mehr so richtig gelang. Es waren noch alle Informationen da, aber irgendwie passten sie nicht mehr zueinander.

Nun ist genau das Erkennen von solchen Problemen die Aufgabe, die einem Lektorat zukommt. Denn ich selbst war nicht mehr in der Lage, dieses Manko zu erkennen. Zu sehr bin ich mit meinem Text verwachsen, könnte ich gerade diese Anfangssituation auch mitten in der Nacht erzählen, wenn mich jemand aus dem Tiefschlaf reißt.

Insofern habe ich eine weitere spannende Erfahrung gemacht, was die Zusammenarbeit mit einer Lektorin angeht.

Also: Auch wenn es sich manchmal anfühlt, als ob mit dem Manuskript gar nichts passiert – die Mühlen mahlen weiter. Langsam, aber sie mahlen.