#Autorenwahnsinn, die Sommeredition: Kickoff und die Tage 1 und 14

Es herrscht wieder Autorenwahnsinn in den sozialen Netzwerken und den Blogs. Das Team vom Schreibwahnsinn hat es sich nicht nehmen lassen, nach der ersten Auflage des munteren Fragespielchens zu Jahresbeginn nun eine Sommeredition aufzulegen. Den Schreiberinnen und Schreibern soll sie dabei helfen, das Sommerloch ein wenig zu stopfen und den Leserinnen und Lesern, die jeweiligen Büchermenschen noch ein wenig besser kennen zu lernen.

Wie schon beim letzten Mal habe ich den Start in die Aktion bestmöglich verschlafen und hänge mich jetzt erst nachträglich hinten an. Das bedeutet zwangsläufig, dass es auch wieder zu Beiträgen kommt, in denen mehr als eine Frage Beantwortung findet. Ich werde mir aber, anders noch als im Januar, auch die Freiheit erlauben, die eine oder andere Frage einfach auszulassen, wenn sie mich nicht betrifft oder wenn mir zu ihr nichts einfällt. Aber ich denke, das ist schon ganz okay so.

Des Weiteren geht ein „eigener“ Beitrag, der mir unter den Fingernägeln brennt, immer vor. Auch wenn ich das beim letzten Mal nicht ganz durchgehalten habe, was zu massiven Doppelpostings am Tag führte. Aber das wird dann ein wenig zu viel des Guten, fürchte ich.

Nun dann, ohne weitere Vorrede starten wir mal mit „meinem“ Autorenwahnsinn des Sommers 2017:

Tag 01: Woran schreibst du diesen Sommer?

Nächste Frage, bitte. Nein, ernsthaft, ihr habt das Drama ja schon mitbekommen. Ich schreibe im Endeffekt viel zu wenig, aber ich gelobe Besserung. Meine Kurzgeschichte „Die Behüter des Wahren“ ist immer noch ein Thema und zwar eines, dem ich mich nun auch wieder widmen möchte.

Und dann habe ich, für mich selbst auch vollkommen überraschend, gestern noch einmal eine neue Idee für eine Szene in „Der Morgen danach“ bekommen, die jetzt nicht grundlegend neu ist, aber ein wenig Veränderung erfahren wird. Ich erhoffe mir davon, dass der Charakter meines Protagonisten und sein Antrieb noch einmal ein wenig geschärft werden – bevor es dann langsam in Richtung des Showdown geht.

Da muss ich aber natürlich auch wieder in den Clinch mit meiner Lektorin gehen, ob ihr das so überhaupt gefällt. Schauen wir mal!

Ansonsten trage ich mich mit dem Gedanken, vielleicht auch noch einmal eine neue Verlagsbewerbung für „Der Beobachter und der Turm“ zu schreiben. Die Verlagshomepage ist in meinem Browser jedenfalls seit Wochen in einem eigenen Tab geöffnet und wird brav bei jedem Start mitgeladen 😉 .

Tag 14: #Monday Motivation – Was motiviert dich?

Montags motiviert mich vor allem die Tatsache, dass bald schon wieder Wochenende ist.

Spaß auch hier beiseite. Die größte Motivationsquelle, die ich habe, ist und bleibt mein Blog. Da habe ich das Hohelied ja schon ein paar Mal gesungen. Man mag es als eine spinnerte Idee abtun, ihn so exzessiv mit Inhalten zu fluten, wie ich das tue, aber für mich ist es jeden Tag aufs Neue eine Erinnerung daran, was ich eigentlich tue und was ich eigentlich tun will. Er erinnert mich jeden Tag ans Schreiben, an meine Projekte, an meinen Traum.

Und dann sind da natürlich die motivierenden Erfolge auf dem Weg. Davon habe ich ja gerade am Samstag erst geschrieben. Der Kontakt zu Gleichgesinnten. Die Luftschlösser, die man sich so aufbaut.

Und ja, ich gebe es zu, ein ganz klein wenig werde auch ich durch etwas wie Neid motiviert. Zwar positiver Neid, aber es bleibt Neid. Wenn ich sehe, wie weit andere Autorinnen und Autoren es bereits gebracht haben, dann denke ich mir, dass ich das auch will. Regelmäßige Veröffentlichungen und das ganze Programm. Und sei es nur, dass ich neidisch auf die Traute bin, das alles auch im Zweifel auf eigene Faust im Selfpublishing durchzuziehen.

Hey, nicht falsch verstehen, ich gönne jedem von euch jeden erdenklichen Erfolg! Aber eigener Erfolg und eigene Motivation ist nicht zuletzt auch immer ein Resultat aus diesem „will ich auch“-Gefühl. Denkt ihr nicht auch?

Ich bitte also darum, dass mir das niemand übel nimmt 🙂 .

Der Sonntagsreport vom 13.08.2017 – Manchmal findet sich auch was wieder

Hallo zusammen!

Na, wie geht es euch? Habt ihr einen angenehmen Tag gehabt, bzw. ein angenehmes Wochenende? Meins war soweit ganz in Ordnung, wenn man davon absieht, dass ich mir wahrscheinlich meinen Schlaf-/Wachrhythmus vollkommen versaut habe, der in meiner ersten Arbeitswoche nach dem Urlaub schon für einiges an Bäh gesorgt hat. Na ja, das wird irgendwann schon wieder werden. Noch darf ich runde 30 Stunden Minus machen. Die Kollegin hat schon ins Spiel gebracht, was eigentlich passiert, wenn man zur Pensionierung Minusstunden hat. Na ja, das hat bei mir ja noch Zeit 😉 .

Ansonsten habe ich versucht, heute mal ein wenig Ordnung zu schaffen. Ich sitze ja immer noch in meinem Medienkeller und habe in meinem Rücken die Unmengen an Filmen und Büchern (ja, leider auch die wieder), die noch unsortiert in der Gegend herumstehen.

Angefangen habe ich damit, die nach meinem Geburtstag und dem anschließenden reBuy-Flash hinzugekommenen Blu-rays einzusortieren. Der nächste Schritt war, die noch verbliebenen Musik- und Hörspiel-CDs in Kartons zu räumen, um das nebenstehende Regal frei zu machen. Ich habe beschlossen, dass die CDs nun wirklich komplett das Feld räumen müssen. Ich höre sie schlicht und ergreifend nicht mehr. Alles ist digitalisiert und auf drei Festplatten und einem Cloudspeicher gesichert. Die physikalischen Datenträger taugen damit nicht mal mehr als Sicherungskopie.

So ändern sich die Zeiten …

Aber ich wollte ja erzählen, dass ich was wiedergefunden habe. Das war zum einen, relativ unspektakulär, ein schwarzer Stabilo-Fineliner. Ich mag diese Stifte und schreibe eigentlich ausschließlich mit ihnen, wenn ich es denn gar nicht vermeiden kann, mit der Hand zu schreiben. Ich habe auch immer eine Auswahl an verschiedenen Farben da. Die Älteren unter uns erinnern sich 😉 .

Eines Tages war nur der schwarze Stift verschwunden. Und genau von dem hatte ich nur noch einen übrig. Wie das so ist, manchmal ist man ja störrisch. Ich wusste nicht, wo der vermaledeite Stift gewesen ist, aber mir war klar, dass er irgendwo sein muss. Und deswegen habe ich mir keinen neuen gekauft. Bis – ratet mal – mir die Sache vor zwei Wochen zu doof wurde. Und heute finde ich das Ding dann wieder. Ganz unten links in meinem ehemaligen Hörspielregal. Ich weiß nicht, was der da zu suchen gehabt hat.

Jetzt liegt er jedenfalls wieder in der Schublade, wo er hingehört. Und wenn er wieder verschwindet, habe ich drei Brüder von ihm, um ihn zu ersetzen. So!

Aber ich habe in diesem Regal noch etwas gefunden, nämlich die Antwort auf eine Frage, die mich nicht gerade gequält hat, die mir aber doch auf die Nerven fiel. Und zwar habe ich bei einem meiner Kaufräusche bei reBuy den Roman „Blackout“ von Marc Elsberg gekauft. Weil er mich ansprach und weil er wirklich, wirklich günstig war.

Und das, obwohl ich mir irgendwie sehr, sehr sicher war, dass ich den Roman irgendwie schon hier herumstehen haben musste. Das sehr charakteristische Coverbild ließ eigentlich keinen Irrtum zu. Nur – ich fand das Buch nicht.

Ich kenne nun nicht unbedingt jeden Roman in jeder Edition, den ich hier stehen habe. Das würde ich bei allem guten Gedächtnis für solche Dinge nicht behaupten. Aber dieses Cover …

Heute fiel mir dann die Lösung des Rätsels in die Hand: Die gekürzte Lesung des Romans auf zwei MP3-CDs. An die konnte ich mich nun wiederum nicht erinnern, obwohl sie ja auch auf meiner Hörspielfestplatte liegt. Aber das Cover, das hatte sich mir dann wohl eingeprägt. Ich liebe es, wenn ich hinter solche Dinge einen Haken machen kann!

Dann hatten wir noch einen dritten Anlass zum Suchen und Finden. Meine Kiddies haben eine erklecklich große Kollektion an Playmobil-Spielsachen – und spielen nicht damit. Die Große ist einfach genau das, zu groß nämlich. Und die Kleine sagt, sie spielt nur noch mit LEGO. Und dann spielt sie auch nur noch mit LEGO. Da ist sie konsequent.

Also haben wir uns gedacht, dass wir die vorhandenen Sachen sortieren, auf Vollständigkeit überprüfen und dann irgendwie verkaufen. Kann ja nicht so schwer sein.

Jetzt hört schon auf zu lachen!

Natürlich ist das schwerer, als es sich anhörte. Ich habe heute eine runde Stunde damit verbracht, in einem Sammelsurium aus Krimskrams kleine Blüten zu suchen. Macht Spaß – nicht. Und es ist noch viel, viel mehr zu sortieren und zu suchen. Da freut man sich richtig drauf.

Aber gut, wenigstens war ich heute zweimal suchend erfolgreich. Das ist doch auch was, oder?

Ohne jeden Zusammenhang zum Thema möchte ich euch zum Abschluss noch ein Lied mit auf den Weg geben, das ich gestern nicht direkt gesucht habe, bei dem ich mir aber auch die Frage gestellt hatte, was die zugehörige Band eigentlich gerade so treibt. Und kaum schaut man nach heißt es, dass es in Kürze ein neues Album gibt und gerade eine Single veröffentlicht wurde.

Die Band heißt Kettcar und der Song „Sommer ’89 ( Er schnitt Löcher in den Zaun)“. Mich hat er berührt und jetzt denke ich nach, ob ich mir die im Frühjahr 2018 stehende Tour einplanen soll.

So, meine Lieben, vielleicht findet ihr ja auch noch irgendwas oder habt schon was Schönes gefunden. Lasst es mich doch einfach wissen. Und sonst wünsche ich euch, wie immer, einen guten Start in die kommende Woche. Macht was draus!

Euer Michael

„Auf der 30“: Geld und Glück und Glauben

Schaut mal, was für ein nettes Schreiben bei mir in der Post gewesen ist:

Zum einen ist es schön, den auch von der „anderen Seite“ unterschriebenen Vertrag in Händen zu halten. Aber noch viel schöner ist der Satz: Das Honorar werden wir in Kürze überweisen.

Das Honorar ist jetzt nicht so hoch, dass ich davon in Urlaub fahren könnte. Es reicht auch nicht, um mir eine neue Tonerkartusche für meinen Laserdrucker zu kaufen. Aber das alles ist vollkommen nebensächlich. Denn es reicht auf jeden Fall, um meine Familie zum Eis einzuladen. Oder eine Runde Pizza zu bestellen.

Aber auch das ist nur ein nebensächlicher Effekt. Viel höher ist der ideelle Wert!

Zum ersten Mal bezahlt jemand Geld für etwas, das ich geschrieben habe! Ja, ich habe den Vertrag über einen Roman in der Tasche, aber da dauert es noch, bis ich Einkünfte daraus haben werde. Und so kommt es, dass dieser im Rahmen der Jubiläumsanthologie des BVjA symbolische Betrag von 30 Euro brutto, der – so sehe ich voraus – mir bei der Steuererklärung 2017 noch gehörig auf den Sender fallen wird, mein erstes Honorar als Schriftsteller ist.

Ich habe nie geschrieben, weil ich Geld damit verdienen wollte. Für mich war immer das Schreiben an sich Belohnung und Antrieb genug. Aber es ist trotzdem so, dass ein Teil von mir, der vielleicht vorher irgendwo geschlummert hat, jetzt beim Lesen dieses Satzes Glück verspürt.

Wahrscheinlich, weil ich eine neue Form des Glaubens an mein Schreiben damit verbinden kann. Es gibt Menschen, denen nicht nur gefällt, was ich schreibe, sondern die sogar dafür bezahlen. Da spielt die Höhe, zu diesem Zeitpunkt meiner „Karriere“, keine entscheidende Höhe. Das kommt später.

Im Moment habe ich drei G: Geld, Glück und Glauben. Und fühle mich gut damit.

Und plötzlich sind die Ängste der Achtziger wieder unheimlich präsent

Ich habe über dieses Thema schon einmal, am Rande, geschrieben. Es geht darum, wie einen Erlebnisse und Erfahrungen, die man als Kind gehabt hat, auch bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter hinein prägen können.

Wir alle erleben in diesen Tagen die Rhetorik zwischen „The real“ Donald Trump und Kim Jong-Un. Wir alle erleben, wie sich da ein Konflikt aufschaukelt, bei dem es eigentlich gar kein weiteres Konfliktpotential brauchen würde. Und wir alle müssen uns eine Meinung darüber bilden, wo das Ganze eigentlich noch hinführen soll.

Und auf einmal bin ich wieder in den Achtzigern.

Wie in dem verlinkten Beitrag schon erwähnt, habe ich die Endphase des Kalten Kriegs sehr bewusst erlebt. Damals, gerade zu Beginn des Jahrzehnts, schien es durchaus möglich, dass dieser sehr plötzlich sehr heiß werden würde. Berichte über Manöver, die damals durchgeführt wurden, und die heute erst publik gemacht werden, zeigen ebenso deutlich, wie schnell es zu Missverständnissen hätte kommen können, wie auch die Geschichte des russischen Soldaten, der vor seinem Computerschirm saß, auf dem fehlerhaft angezeigt wurde, dass eine amerikanische Rakete im Anflug sei. Und der sich entschied, nicht auf den Knopf zu drücken.

Beides Situationen, die in einem verheerenden Konflikt hätten enden können. Und für mich, als Kind, war so die Angst vor einem atomaren Konflikt immer in irgendeiner Weise präsent. Und sei es nur, weil „die Bombe“ in manchen Filmen, Büchern oder Hörspielen ganz natürlich als das eine Allheilmittel genannt wurde, mit dem sich jedwede Probleme aus der Welt schaffen ließen (da fällt mir ein: Regisseur Roland Emmerich muss ungefähr dasselbe wie ich gelesen haben).

Natürlich weiß ich rein intellektuell, dass niemand so blöde sein kann, einen Atomkrieg vom Zaun zu brechen. Nicht einmal Donald Trump oder Kim Jong-Un.

Aber ist es nicht dramatisch genug, dass wir heute die Nachrichten einschalten und uns von Experten genau das erklären lassen müssen? Weil es eben doch den kleinen Funken Irrsinn gibt, der einen von beiden erfassen könnte, um dem Säbelgerassel der letzten Tage Taten folgen zu lassen.

In meinem oben verlinkten Beitrag erzähle ich von der Romantrilogie, die ich schreiben wollte und deren Ausgangspunkt ein globaler atomarer Konflikt ist. In einem Prolog schildere ich dort die politischen und kriegerischen Krisen, die zu dem Punkt geführt haben, an dem dieser Krieg unausweichlich wurde.

In einer späteren Szene schildere ich, wie die Ehefrau und die Tochter meines Protagonisten, der sich von beiden getrennt hat, um sich der ENDZEIT-Organisation anzuschließen, die den Fortbestand des Menschen nach dem Atomkrieg sichern will, in der Silvesternacht zum neuen Jahrtausend den Angriff auf die Stadt Köln erleben. Die Mutter stirbt und das Kind wird später vom Vater gefunden werden, aber das spielt eigentlich keine Rolle.

Es ist die Szene, die mir manchmal durch den Kopf geht, wenn ich in diesen Tagen in meinem Bett liege und die Gedanken, warum auch immer, zu diesen beiden Männern schweifen, die sich im Moment so geben, als gehe es darum, dem anderen zu zeigen, dass man das größere Eimerchen und das schönere Förmchen hat. In meinen Gedanken höre ich das Schlagen der Turmuhr und dann, wie beim zwölften Schlag, wann sonst, die Alarmsirenen ertönen. Manchmal kann ich sie wirklich hören!

Und auf einmal bin ich wieder in den Achtzigern.

Und auf einmal verstehe ich wieder, wie damals eine geplante Trilogie wie „Das Leben nach dem Jüngsten Tag“ entstehen konnte. Weil ganz einfach alles mehr oder weniger möglich erschien. Weil kein Konflikt zu abstrus war. Ich wusste noch kaum etwas von der Welt, aber vielleicht war genau das der Grund, warum sich dieser Stoff so entwickeln konnte, wie er es tat.

Ich habe nie die Ambition gehabt, die Trilogie wieder aufleben zu lassen. Aus dem einfachen Grund, dass die Welt heute nicht mehr so ist oder ich zumindest mehr von der Welt verstehe – zu verstehen glaube. Mir war einfach klar, dass sich ein globales Ereignis, bei dem am Ende nur Verlierer übrig bleiben, in dieser Form nicht mehr würde ereignen können.

Heute lese ich den Anfang des ersten Bands und denke mir: „Ja, doch, wenn es ein ganz klein wenig anders gelaufen wäre, dann wäre es möglich gewesen.“

Und ich denke mir: „Hoffentlich sind diese beiden ebenso mächtigen wie gernegroßen Männer in der Lage, das zu erkennen. Wenn es ein wenig anders läuft, dann wäre es vielleicht möglich. Und dann haben wir den Salat.“

Und noch ein letzter Gedanke: „Mir war wesentlich wohler, als ich den Kram, den ich da geschrieben habe, als ‚hat sich überlebt‘ ins Altpapier der Geschichte legen konnte.“

Wie gesagt, ich gehe davon aus, dass sowohl der eine als auch der andere Narzisst schlau genug sein wird, um es nicht zum Äußersten zu treiben. Aber Erinnerungen sind gemein, sie schleichen sich an und beißen sich in einem fest.

Mehr kann ich leider nicht dazu sagen, denn ein Fazit hat die Geschichte zu diesem Fall noch nicht geschrieben.

„Der Morgen danach“: Und immer wieder ein neuer Anfang

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, jede Sinfonie mit dem ersten Ton und jeder Roman mit dem ersten Wort. Oder alternativ auch mit den ersten Seiten. So weit, so gut.

Was den Roman von den beiden anderen Beispielen ein wenig unterscheidet ist, dass er mit diesen ersten Seiten bereits die Leser einfangen muss, die zu begeistern er sich vorgenommen hat. Bei einer Reise habe ich ein genaues Bild von dem Ort im Kopf, zu dem es mich zieht. Und eine Sinfonie ist einfach wesentlich schnelllebiger als ein Buch. Da sind schon die ersten fünf wegweisenden Minuten gespielt, bevor ich zweimal umgeblättert habe.

Wie ihr wisst, befindet sich mein Roman „Der Morgen danach“ im Lektorat. Und ich kann nur noch einmal sagen, dass ich an eine sehr engagierte und auch – ich benutze das Wort jetzt positiv konnotiert – penible Lektorin geraten bin.

Eigentlich hatten wir die ersten Seiten ja schon fertig. Eigentlich. Denn irgendwie stellte sich irgendein neues Störgefühl ein, dem Jeannette, meine Lektorin, dann nachgehen wollte und quasi in Erfüllung ihres Jobs auch musste.

Sie hatte mich bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass insbesondere der Anfang, also vor allem die ersten beiden Seiten, noch einmal der Überarbeitung bedurften. Was sie sich darunter vorstellte, wurde mir bereits vor anderthalb Wochen zugeschickt, so dass ich eine gewisse Zeit hatte, mich damit zu beschäftigen, bis unser nächster direkter Kontakt zustande kam. Urlaubszeit und so …

Ich wollte über diesen neuen Anfang nichts schreiben, bis wir nicht miteinander gesprochen hatten. Denn, wenn ich mal wieder schonungslos ehrlich bin, die Änderungen hatten mich schon ein wenig geplättet.

Da waren Bruchstücke meines Textes in meiner Sprache eingebettet in einen neu strukturierten und auch teilweise neu formulierten Text. Stilistisch war das eine Melange aus Versatzstücken meiner Art zu schreiben und ihrer Art zu schreiben. Es las sich nicht schlecht, aber der Gedanke, dass das nun der Weg sein war, den das gesamte Manuskript gehen sollte, hinterließ bei mir ein gewisses Magengrummeln.

Entsprechend aufgeregt war ich vor unserem heutigen Telefonat. In dem sich, wie eigentlich ja immer, alles eine Nummer kleiner darstellte, als ich es mir schon wieder ausgemalt hatte.

Jeannette beruhigte mich dahingehend, dass es ihr nie darum gegangen wäre, meinen Stil komplett zu ändern. Es handle sich auch nicht um ein generelles „Problem“, sondern um eine Schwäche, die vor allem auf diesen beiden Seiten bestanden habe.

Der Hintergrund hierzu ist, dass viele Änderungen in den zahlreichen Fassungen von „Der Morgen danach“ sich gerade in diesen Passagen widerspiegeln und es dadurch dazu gekommen ist, dass da zwar der richtige Text steht, aber nicht die richtigen Gefühle geweckt werden.

Ein Romantext muss mitreißen, muss direkt zu Beginn dem Leser das Gefühl geben, dass er unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Und das ist etwas, was meiner Version des Anfangs von „Der Morgen danach“ nach den verschiedenen Versionen nicht mehr so richtig gelang. Es waren noch alle Informationen da, aber irgendwie passten sie nicht mehr zueinander.

Nun ist genau das Erkennen von solchen Problemen die Aufgabe, die einem Lektorat zukommt. Denn ich selbst war nicht mehr in der Lage, dieses Manko zu erkennen. Zu sehr bin ich mit meinem Text verwachsen, könnte ich gerade diese Anfangssituation auch mitten in der Nacht erzählen, wenn mich jemand aus dem Tiefschlaf reißt.

Insofern habe ich eine weitere spannende Erfahrung gemacht, was die Zusammenarbeit mit einer Lektorin angeht. Ein kleines wenig Restzweifel bleibt bei mir noch, ob nicht die Änderungen zu Beginn, die ich jetzt stilistisch noch einmal ein wenig glätten und angleichen „darf“ und „muss“, zu weiteren Anpassungen im Textverlauf führen müssen. Aber das werden wir in Ruhe beurteilen, wenn dieser Anfang gemacht ist.

Und bei meinem nächsten Besuch im Verlag zeigt mir Jeannette dann mal die beiden Seiten mit all ihren Originalanmerkungen, die sie dazu bewogen haben, es der Einfachheit halber lieber mit einem eigenen und sauberen Entwurf zu probieren, weil ansonsten da kaum ein Durchkommen gewesen wäre. Da freue ich mich schon drauf.

Also: Auch wenn es sich manchmal anfühlt, als ob mit dem Manuskript gar nichts passiert – die Mühlen mahlen weiter. Langsam, aber sie mahlen.

Fakt und Fiktion (19) Die neue Küche

Frauen gehören in die Küche.

Dieser Satz, der mittlerweile mehr als zwei Jahrhunderte auf dem Buckel hat, hat in diesen Tagen eine Abwandlung erfahren. Frauen gehört die Küche! Und zwar in einer Art und Weise, die manche Zeitgenossen immer noch zu überfordern scheint. Aber auch zu begeistern, wie ich gleich schildern werde.

Nachdem sich das Drama um das Erbe meiner Frau (die Stammleser unter euch erinnern sich vielleicht, dass ich im Oktober 2015 (!) mal was zu dem Thema geschrieben habe) so langsam seinem Ende zuneigt und sie das als eine perfekte Gelegenheit begriffen hat, ihr ganz persönliches Drama mit unserer Küche, die sie nie wirklich lieb gewonnen hat, zu beenden, fand ich mich am Montag in einem Möbelgeschäft wieder. Dieses Geschäft warb zusätzlich just in dieser Woche mit immensen Preisnachlässen auf frei geplante Küchen des ausgeguckten Herstellers.

Und, meine Güte, war diese Küche frei geplant! Meine Frau hatte buchstäblich den kompletten Sonntag darauf verwandt, mit den diversen Planungstools der diversen Hersteller einen Küchenblock zusammenzustellen, der den Platz in unserer nicht allzu großen Küche mal eben halbieren, oder – in anderer Lesart – bestmöglich ausnutzen würde.

Nun unterlief dem Mitarbeiter, als er sich uns näherte, der beinahe klassische Faux-pas: Er gab erst mir und danach meiner Frau die Hand. Woher kommt es eigentlich, dass die meisten Mitarbeiter in Möbelläden, Autogeschäften und Technikmärkten der Ansicht sind, der Mann habe beim Kauf die Hose an? Dass es in diesem Fall nicht so sein würde, merkte der davon abgesehen sehr kompetente und freundliche Mitarbeiter dann recht schnell.

Es folgte ein zweistündiger Parforce-Ritt durch die Niederungen und Widrigkeiten der Küchengestaltung. Das hatte etwas vom Hasen und dem Igel: Wann immer der junge Mann eine Frage stellen wollte, bekam er schon die Antwort meiner Frau darauf, die sich genau darüber bereits Gedanken gemacht hatte.

Mit zunehmender Dauer des Gesprächs konnte man sehen, dass die Sache anfing, dem Verkäufer Spaß zu machen. Das wurde auch durch seine Kommentare deutlich:

„Wieso wusste ich, dass ich auf diese Frage eine Antwort bekommen würde?“

„Ich brauche die Frage gar nicht erst zu stellen, nehme ich an?“

„Das war genau das, was ich hören wollte.“

Dass die Zusammenstellung der Küche dennoch an die zwei Stunden dauerte, war zum einen der Vielzahl an Elementen geschuldet, zum anderen aber auch der Akribie, mit der das Spielchen betrieben wurde.

Ich gebe zu, dass es für mich zwischendurch ein wenig eintönig wurde. Für mich wäre die alte Küche noch gut gewesen, wobei „alt“ ein dehnbarer Begriff ist. Wieder O-Ton des Verkäufers:

„Wie oft kauft man sich schon eine neue Küche?“

Bei uns liegt der Schnitt irgendwo bei sieben Jahren, Tendenz fallend 😉 . Da musste er dann einräumen, dass er ein wenig daneben gegriffen hatte mit seinem Kommentar.

Aber gut, das Geld ist da/wird da sein und wenn es denn der Sache und dem Seelenfrieden meiner Frau dient, dann bitteschön.

Für mich war nur sehr angenehm, dass einige Punkte, die der nette Herr ansprach, durchaus zu dem passten, was auch ich vorher in den zwei, drei Diskussionen, die wir zu Hause geführt hatten, erwähnt hatte. Etwa, dass man für ein neues Induktionskochfeld auch neue Töpfe brauche. Meine Bemerkung auf einen entsprechenden Versuch des Verkäufers war ein großer Lacher:

„Geben Sie sich keine Mühe, die neuen Töpfe reden Sie meiner Frau nicht aus. Ich hab’s versucht!“

Irgendwann, kurz bevor die Putzfrauen kamen und den Laden durchfegten, waren wir dann aber doch so weit, dass man zur Auswertung des Geplanten und damit auch zum Preis kommen konnten.

Der Verkäufer fing an zu machen und zu tun, klickte mal hier in seinem Programm und mal dort und wies uns prophylaktisch schon einmal darauf hin, dass wir bitte nicht

„reflexartig die Flucht ergreifen“

sollten. Mich konnte er eh nicht schocken, denn ich hatte mir schon einen ungefähren Preis überlegt, auch wenn ich mich standhaft geweigert habe, den vorher preiszugeben. Und siehe da: Am Ende kommen wir fast dabei heraus.

Ihr würdet jetzt gerne eine Zahl haben, oder? Nee, die verrate ich euch nicht. Ich sage nur so viel: Unser Auto hat weniger gekostet als das, was der Küchenhersteller alleine für die Schränke aufgerufen hat. Durch die Preisaktion und das eine oder andere Entgegenkommen des Verkäufers, dem man sehr deutlich anmerken konnte, dass er a) so eine Küche nicht oft plant und b) auf Provisionsbasis bezahlt wird, zahlen wir aber doch um einiges weniger als für einen neuen Wagen. Inklusive der Elektrogeräte, die auch alle neu sind.

In der Zwischenzeit hatte sich schon eine Traube von anderen Verkäufern um uns gebildet, die immer mal wieder vorbei kam, um sich das Modell auf dem aufgehängten Fernseher anzuschauen. Auch der, der uns die letzte/jetzige Küche verkauft hatte, war dabei. Der erinnerte sich sogar noch an uns. Aber wahrscheinlich nur, weil er damals für eine Unachtsamkeit verantwortlich war, die für eine ungeplante Änderung sorgte, die wiederum mit dafür verantwortlich ist, dass meine Frau mit der Küche nie glücklich gewesen ist.

Hm, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, müsste der gute Mann eigentlich einen Teil der neuen Küche übernehmen …

Zum Ende hin konnte ich dann aber doch noch einmal was für mein Selbstwertgefühl tun, indem ich meiner Frau quasi die Pistole auf die Brust setzte, jetzt diesen Kaufvertrag zu unterschreiben. Denn zum einen gelten die günstigen Konditionen nur noch bis Donnerstag und zum anderen kann ich mir nicht vorstellen, dass die anderen kleinen „Klitschen“, die uns von der Küchenfirma als Händler angegeben worden sind, bei diesem Preis mitgehen können. So war ich am Ende doch in verantwortlicher Position am Kauf dieser Küche beteiligt. Gut, nicht?

Aber dennoch, da beißt die Maus keinen Faden ab: Diese Küche gehört meiner Frau. In jeder Beziehung.

*Geht weinend in seinen Keller ab*

😉

Der neue Duden: 5.000 Worte, die man vorher noch nicht kannte

Für uns Autoren ist er ja so etwas wie Hassobjekt und verehrter Kultgegenstand gleichzeitig: Der Duden. Das anerkannte Standardwerk zur deutschen Sprache, aufgeteilt in viele Bände und Disziplinen, deren Mittelpunkt jedoch stets das Wörterbuch der deutschen Sprache bleibt. Sicherlich das Buch, an das man synonym denkt, wenn jemand vom „Duden“ spricht.

Nun ist der Duden in einer neuen Auflage erschienen und jedesmal wieder überschlagen sich die Freunde und Feinde der Materie mit ihren Anmerkungen und Einlassungen. Denn eines steht fest, so sicher, wie das Amen in der Kirche: Recht machen können es die Macher des Bandes nie allen.

Da gibt es die Menschen, die darüber jammern, dass zu viele Anglizismen Einzug gehalten haben, die unsere deutsche Sprache verwässern würden. In diesem Zusammenhang bin ich übrigens immer versucht, ein möglichst teutonisches „teutsch“ zu benutzen.

Andere mokieren sich, dass Modewörter, die doch bitte hoffentlich und überhaupt nur für eine Saison tanzen, in das Wörterbuch aufgenommen und damit geadelt werden.

Wenn man heute an verschiedenen Orten im Netz nach den verschiedenen Reaktionen sucht, dann wird man sehr schnell fündig werden. Über den einen oder anderen Einwand kann man durchaus auch schmunzeln, wie über den eines Twitter-Nutzers, der bemerkt, dass die Aufnahme des Wortes „futschikato“ ungemein den Mann erfreuen wird, der dieses Wort 1958 als weltweit Letzter verwendet hat.

Was übrigens nicht ganz stimmt, denn ich kann mich an ein Hörspiel aus dem Jahr 1985, circa, erinnern, wo es auch Verwendung fand. Aber das nur am Rande.

Für uns Autoren ist der neue Duden eigentlich ein Pflichtprogramm – sollte man meinen. Ich persönlich sehe es ein ganz klein wenig anders, denn der Duden ist für mich nicht Bibel, sondern Unterstützung. Ich liebe es, meine geschriebenen Texte durch den automatisierten Duden-Korrektor zu schicken. Denn der kennt Wortkonstruktionen, die ich nicht kannte und ist auch in der Lage, solche Konstrukte, die nur ich mir ausgedacht habe, zu markieren und mich zum Umdenken zu bewegen.

Insofern freue ich mich jetzt schon auf die neue Ausgabe des Duden-Korrektors für den PC, der sich dann, hoffentlich, wieder so gut wie der bisherige bedienen lässt. Nämlich dermaßen unauffällig, dass man schlicht nicht mitbekommt, wie er im Hintergrund von Programmen wie SoftMaker Office oder Papyrus Autor werkelt.

Einen Duden in Papierform habe ich seit der Schulzeit nicht besessen. Ich sehe auch keinen (Zusatz-)Nutzen in ihm.

Apropos Schule: Dort wäre sein Einsatz vielleicht wünschenswert, alleine er wird nicht eingesetzt. Ich habe von meiner schulpflichtigen Tochter noch nie gehört, dass sie mal mit diesem Ding gearbeitet hätte. Vielleicht gibt es ihn auch gar nicht an der Schule. Oder nur in einer Auflage, in der vielleicht, so gerade eben, das Wort „Computer“ auftaucht. Wobei ich mich noch erinnern kann, dass es damals, als es genau um dieses Wort ging, auch schon eine Kontroverse gab, ob man dafür nicht einen schönen, teutschen, Begriff finden könnte.

So betrachtet ist der Duden auch immer eine Art Zeitreise.

Wie dem auch sei, jetzt hat die deutsche Sprache also offiziell 5.000 neue Worte, mit großem ß und allem, was sonst noch so dazu gehört. Bleibt mir nur noch, allen Beteiligten viel Spaß damit zu wünschen! 🙂