Kurz und schmerzvoll (13) Passt, passt nicht, Passwort!?

Ich stelle immer wieder in den letzten Tagen fest, dass manche Dinge, die zu meiner Blogpause geführt haben oder die sich in ihrem Verlauf wie auch seitdem gemeldet haben, immer noch meine Aufmerksamkeit brauchen. Oder sie auch schon mal einfordern.

Während meiner Pause habe ich mir verschiedene Themen als Stichpunkte für Blogeinträge zurecht gelegt. Verwirklicht habe ich von diesen Beiträgen keinen einzigen. Weil sie mir nicht passend erschienen. Oder vielleicht auch, weil ich dachte/befürchtete, dass ich durch sie nur unnötige Aufmerksamkeit auf Dinge richte, die vielleicht einfach besser nicht ausformuliert werden sollten.

Wie ihr wisst, habe ich in diesem Blog Werte wie Authentizität oder Offenheit immer groß geschrieben. Er ist gleichsam Spiegel meiner Aktivitäten als auch meiner Einstellung, Gedanken und – ja – Autorenseele. Aber dennoch bin ich mir zum ersten Mal unsicher, ob ich einfach schreiben soll, wie mir die Tastatur gewachsen ist.

Zum einen, weil ich niemanden langweilen möchte. Ja, ich weiß, ich zwinge niemanden dazu, hier mitzulesen und wenn jemanden nicht interessiert, was ich schreibe, dann kann er einfach weiterklicken und gut ist. Ich weiß auch, dass hier zuvorderst meine eigenen Bedürfnisse und Belange stehen sollten – bei aller Leserorientierung.

Dass ich das nicht einfach so durchziehen kann, ist allerdings ganz entscheidender und fundamentaler Bestandteil der Situation, wie sie sich zurzeit darstellt. Mal ganz die Frage außen vor gelassen, ob ich das überhaupt in aller Konsequenz würde haben wollen.

In meinem Kopf und in meinem Gefühl passiert im Moment so einiges, was das Schreiben und das Drumherum angeht. Vor einigen Tagen veröffentlichte ich folgenden Tweet:

Es war eine beruhigende Erfahrung, dass es mir nicht alleine so geht und doch fällt es mir wahnsinnig schwer, das Thema wirklich zum Thema zu machen. Weil es irgendwie dann doch von dem weg führt, wozu dieser Blog eigentlich dienen sollte.

Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich diese Beiträge schreiben, dann aber mit einem Passwort versehen sollte, damit niemand von ihnen „belästigt“ wird, der sie nicht sehen will. Es geht mir weniger um Selbstschutz, denn wie ihr wisst hatte ich noch selten Probleme damit, mir öffentlich die Narrenkappe aufzusetzen und zu meinen Schwächen und Sorgen zu stehen.

Ich weiß es nicht. Diesen Beitrag hier schiebe ich seit zwei, drei Tagen vor mir her. Dass ich ihn so schreibe, wie ich es jetzt tue, zeigt schon, wie schwer es ist, zu einem Entschluss zu kommen. Das lähmt.

Vielleicht bin ich doch einfach ein Schriftsteller-Emo, der nicht anders kann, als seine Befindlichkeiten vor sich her zu tragen. Aber vielleicht sehe ich das auch alles einfach viel zu verbissen und dogmatisch.

Ich weiß es nicht.

Aber es ist gut, es einmal aufgeschrieben zu haben.

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Reblog: Depression Comix Nr. 407

Two weeks ago I blogged about the „dark side“ of Social Media. This strip fits absolutely perfect for the kind of people I tried to describe. Thank you!

Vor zwei Wochen habe ich über die „dunkle Seite“ von Social Media gebloggt. Dieser Comic illustriert die Sorte Mensch, über die ich damals schrieb, absolut perfekt.

Depression Comix

Read at depression comix at https://wp.me/s3zYhM-407

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Namenswechsel – und wie man es meiner Meinung nach nicht machen sollte

Ergänzend zu dem Beitrag von gestern, dessen Kommentare mir bereits einiges an Denkanstößen geliefert haben, vielen Dank dafür, möchte ich noch kurz ein Beispiel vorstellen, wie man, meiner Meinung nach, den Namenswechsel einer Figur nicht aufziehen sollte.

Vorweg geschickt möchte ich sagen und um Verständnis dafür bitten, dass ich weder den Namen des Autors noch den des Romans hier nennen möchte. Es handelt sich um ein ziemlich aktuelles Werk, das von der Geschichte her durchaus interessant ist und mir auch beim Lesen Spaß gemacht hat. Deswegen möchte ich es nicht wegen dieses einen Details anprangern.

Wobei das schon eines der Probleme ist, die ich mit dem Namenswechsel gehabt habe: Er kam nämlich aus vollkommen heiterem Himmel, war in keiner Weise durch die Geschichte motiviert und hatte auch bis zum Schluss keine storyrelevante Bedeutung.

Es schien dem Autor einfach wie eine gute Idee vorgekommen zu sein, dieser Figur, immerhin Agent eines deutschen Geheimdienstes, einen neuen Namen zu verpassen.

Nun sind Agenten und Doppel-Agenten und Doppel-Doppel-Agenten natürlich prädestiniert dafür, sich mehrere Identitäten zu leisten. Sollen sie. Habe ich gar keinen Stress mit. Das größte Problem, das ich damit hatte, war nur, dass es für sprichwörtlich niemanden ein Problem gewesen ist.

Diese Figur änderte ihren Namen (noch dazu von einem deutschen Namen in einen englischen) und es wurde von allen anderen Figuren ohne Nachfrage akzeptiert. Es hat auch niemand mehr den alten Namen verwendet, an die Figur unter diesem Namen gedacht, oder sich daran erinnert, dass der Mann ursprünglich mal einen anderen Namen hatte.

Für mich als Leser war das verwirrend, weil ich eben nicht erkennen konnte, was das jetzt eigentlich sollte. Ich könnte mir vorstellen, dass es in einem weiteren Band (das Ganze ist als Reihe konzipiert) vielleicht noch einmal aufgegriffen wird. Oder vielmehr, ich hoffe, dass es so ist.

Aber nicht nur, dass die Figuren, die mit dem Namenswechsler zusammenarbeiteten, von Stund‘ an den neuen Namen benutzten und akzeptierten. Sowohl die Antagonisten, die ihn unter dem alten Namen kannten, als auch die Vertreter der Polizei, schluckten den neuen Namen widerstands- und widerspruchslos und verwendeten ab sofort diesen.

Der alte Name tauchte in keiner Weise mehr auf, auch nicht in den Gedanken dieser Person. Es war, als habe es ihn nie gegeben.

Halten wir also fest: Eine Figur änderte scheinbar grundlos und doch von allen akzeptiert ihren Namen. Es hatte keine Bedeutung für die Geschichte oder ihren Verlauf. Das einzige, wofür es gesorgt hat, war Verwirrung bei mir als Leser.

Spätestens, als ich das gelesen hatte, war mir klar, dass ich mit dem Namenswechsel in meiner Geschichte gut aufpassen, ihn gut unterfüttern und dann, nach Möglichkeit, auch plausibel durchziehen sollte.

Wie soll das Kind heißen? (WiP)

In der Regel ist es ja ganz einfach: Man erfindet für seine Geschichte eine Figur, gibt dieser eine Form, eine Struktur, eine Bestimmung. Und dann krönt man das alles mit einem passenden Namen. Ein Name, der vielleicht schon ein wenig über die Rolle der Figur aussagt, vielleicht aber auch einfach ihre Gewöhnlichkeit unterstreicht. Und wenn sie nicht im Laufe des Romans stirbt, dann trägt diese Figur ihren Namen noch heute.

Schwierig wird es immer dann, wenn eine Figur mehr als einen Namen besitzt. Jedenfalls für den geplagten Autor, der sich dieses Dilemma zwar selbst eingebrockt hat, aber sich nun damit herumschlagen muss. Denn es gibt ja einen guten Grund, aus dem diese Figur  ein Alias mit sich herum trägt.

In meinem Fall hat es handfeste Gründe, aus denen eine zentrale Figur einen Tarnnamen bekommen hat.

Wie ihr wisst, geht es in meinem aktuellen Roman um ein jüdisches Kind, das von seinen Eltern aus einem Todeszug gerettet werden konnte und das nun von einer polnischen Familie aufgenommen wurde. Dieser kleine Junge hat einen typisch deutschen Namen und schnell wird den plötzlichen Pflegeeltern klar, dass es zu großen Problemen kommen könnte, wenn der Junge mit diesem Namen gerufen wird.

Die Konsequenz ist, dass sie sich einen Namen aussuchen, der eher polnisch klingt und einfach genug ist, damit das Kind sich daran erinnern kann. Da der Kleine in seinem Leben schon mehr gesehen und erlebt hat, als man in seinem Alter erleben sollte, ist ihm auch sofort klar, welchen Zweck diese „Umbenennung“ hat und gewöhnt sich schnell an seinen neuen Namen.

Soweit ist also eigentlich alles in bester Ordnung. Nur ich als Autor habe jetzt ein Problem, dessen Lösung mir noch nicht so richtig klar ist. Denn meine Protagonisten tun sich deutlich schwerer damit, diesen Namen zu verinnerlichen, als es das Kind getan hat.

In den Gedanken, die sich diese Menschen machen, und oft genug auch in den Gesprächen, die sie unter vier oder sechs Augen führen, können sie sich nicht entscheiden, wie sie den Jungen jetzt bezeichnen sollen. Manchmal benutzen sie den polnischen Namen, dann wieder den richtigen, den deutschen.

Das ist ein Mischmasch, den ich natürlich für die Geschichte vermeiden möchte. Aber ich weiß nicht, wie realistisch es ist, die Figuren auch den polnischen Namen denken zu lassen. Das ist in etwa so, als ob man genau weiß, dass der Himmel blau ist, man aber beschlossen hat, er ist ab sofort gelb. Den Himmel stört das natürlich in seiner Farbwahl überhaupt nicht und so hat man die tatsächliche Farbe immer vor Augen. Ebenso, wie meine Personen den tatsächlichen Namen immer „im Ohr“ haben.

In der Tat bin ich da noch ein wenig ratlos. Spätestens bis zur Überarbeitung sollte ich das Problem aber irgendwie in den Griff kriegen. Kann sich ja nur noch um Monate handeln …

Deswegen die Frage an euch: Kennt ihr Romane oder Geschichten, in denen es eine ähnliche Konstellation gegeben hat? Wie wurde das da gehandhabt und hat es euch überzeugt? Oder ist dieses Problem eigentlich gar keins, weil der Leser durchaus in der Lage ist, damit umzugehen und es für sich zu sortieren?

Ich bin auf eure Ansichten gespannt!

Schwerer als gedacht, dieses Autorenleben

Eigentlich sollte das alles ein grenzenloser Spaß und Quell der Freude sein. Findet ihr nicht auch? Alles das, was man freiwillig in seiner Freizeit macht, was man sich selber als Beschäftigung ausgesucht hat, das sollte doch etwas sein, das einem leicht fällt und an dem man, wenn auch nicht alle, doch die meisten Aspekte wertzuschätzen weiß.

Das gilt, vielleicht noch stärker als für andere Hobbies, für alle künstlerischen Dinge. Gefühle wie Langeweile, wie das Zaudern, wie das Zweifeln oder wie das der Überforderung sind Gift für die Muse, ohne die es nun einmal nicht geht. Sie verzieht sich dann fluchtartig auf ein sicheres Terrain, sinkt in sich zusammen und wartet darauf, dass der Sturm oder die Nebelbank sich wieder verzieht und der Autor wieder klare Sicht hat.

Vor fast drei Wochen habe ich meine sogenannte Schreib- und Blogpause beendet. Und ich muss selbstkritisch feststellen, dass es nicht an jedem Tag Spaß macht. Freude auch nicht. An manchen Tagen ist es einfach nur schwer und aufreibend und ermüdend. Gefühle und Empfindungen, die ich auch vor der Pause schon gehabt habe.

Soll das nun bedeuten, dass die Pause zu kurz gewesen ist? War sie zu lang? Ist der Muskel, der all dies am Laufen hält, vielleicht zu sehr eingerostet gewesen, als dass ich ihn mit einem Kaltstart wieder richtig reaktivieren konnte?

Tatsache ist, dass manche Dinge einfach nicht so funktionieren, wie ich sie gerne hätte. Mein Schreibpensum ist pro Woche nicht einmal halb so hoch, wie ich es einmal anvisiert hatte. Aber das betrifft nicht nur meinen Roman oder diesen Blog. Es betrifft all die anderen Aktivitäten, die daneben stattfinden, und die etwas mit Schriftsprache zu tun haben. Fragt doch mal die Menschen, die mir Nachrichten geschickt haben und dann eine Woche (oder länger) darauf warten, dass ich ihnen antworte.

Nun ist es nicht so, dass ich mich durch äußere Umstände nicht in der Lage sähe, zu schreiben. Ich hätte die Zeit, ich hätte die Gelegenheit und ich hätte auch den Freiraum. Was ich nicht habe, ist an vielen Tagen die verdammte Motivation. Die Kraft dazu.

Ich weiß nicht, ob das immer noch diese verdammte Schreib-Depression ist, die mich zwischendurch im Griff hatte. Aber es fühlt sich an manchen Tagen genau so an. Ein Kennzeichen für eine depressive Episode ist ja, dass man mit einem Mal keinen Elan und keine Freude mehr für Dinge empfindet, die einem vorher Spaß gemacht haben.

Wenn ich dieses Kennzeichen als Maßstab anlege, dann kann ich nicht anders, als besorgt zu sein. Meine Reaktion Ende Mai war, einfach alle Bemühungen einzustellen und die Zeit für mich arbeiten und wirken zu lassen. Wie gesagt, vielleicht war es zu wenig Zeit. Aber in dem Zwiespalt zwischen Abwarten und Kämpfen habe ich mich für den Kampf entschieden. Und ich habe nicht vor, diesen nach nicht einmal drei Wochen aufzugeben.

Nur sollte ich ehrlich zu mir sein und nicht versuchen, es einfach zu ignorieren. Die Schwierigkeiten sind da. Das Gefühl, nur Minderwertiges zu sagen zu haben, ist da. Der Zweifel an mir, meiner Rolle in diesem Autorenleben und dem, was damit zu tun hat, die sind da.

Vielleicht könnte man sagen, dass ich auf der Suche nach meinem Platz bin. Auf der Suche nach meiner Identität. Und danach, den Graben zu schließen, der zwischen dem Autorendings und dem „richtigen“ Leben besteht.

Damit meine Muse mir irgendwann beruhigt die Hand auf die Schulter legen, mir aufmunternd zunicken und mich wieder in die richtige Richtung führen kann. Bis dahin geht die Suche weiter. Ich bin gespannt, was ich wo finden werde. Vielleicht sehen wir uns ja dort.

Das Schreiben der Anderen: „Einbruch und andere Geschichten“ von Hannes Niederhausen

Ich gebe zu, dass es schon ein wenig her ist, dass ich diese Kurzgeschichtensammlung gelesen habe. Gekauft habe ich sie mir, kurz nachdem Hannes Niederhausen und ich zusammen bei der ersten Auflage von 9lesen auf der Bühne gesessen haben. Gelesen habe ich sie dann während meiner Blogpause, so dass ich nicht sofort meine Meinung dazu veröffentlichen konnte.

Aber das Gute an Kurzgeschichten ist ja, dass man sich recht schnell wieder eingelesen hat. Und so steht einer Besprechung nichts mehr im Wege.


Ich finde, dass die Bewertung von Kurzgeschichten immer eine gewisse Schwierigkeit in sich birgt. Wenn man nicht gerade mit einem Autor zu tun hat, der thematisch und ggf. noch stilistisch in einer ganz eindeutig zuzuordnenden Ecke oder einem Genre beheimatet ist, wird man als Leser mit einer Vielfalt konfrontiert, die zwar ausdrücklich zu begrüßen ist, aber bei einer Bewertung immer mit leichten Ungerechtigkeiten behaftet ist. Was ist, wenn ich eine utopische Geschichte mag, eine Satire dagegen nicht – kann ich das wirklich der Kurzgeschichtensammlung anlasten?

Hannes Niederhausen, der die hier versammelten Geschichten ursprünglich im Jahr 2015 geschrieben und auf seiner Website veröffentlicht hat, ist ein solcher Kandidat. Er offenbart mit den insgesamt 19 Texten eine thematische Bandbreite, die beeindruckt. Dass dabei nicht jeder Text für jeden Leser ein Treffer ist, bleibt nicht aus. So konnte ich persönlich mit den beiden Drabbles (das sind Texte, die aus exakt 100 Wörtern bestehen) nicht ganz so viel anfangen. Andere Geschichten beinhalten jedoch ein solches Potenzial, dass ich mir gewünscht hätte, noch ein wenig länger in der dort geschilderten „Welt“ verbleiben zu können.

Das betrifft vor allem die beiden Geschichten „Phone“ und „Die Fresser“, die beinahe wie Fragmente oder Vorstudien von längeren Texten daher kommen. In „Phone“ geht es dabei um einen Mann, der nicht bemerkt, wie ihm sein Telefon abhanden kommt, was in der Gesellschaft, in der er lebt, einem Kapitalverbrechen gleich kommt. „Die Fresser“ berichtet von Menschen, die sich nicht mit dem Verzehr von Tierfleisch begnügen möchten – und dem Umgang mit ihnen.

Generell spielt Niederhausen in einigen der Texten mit Elementen der Dystopie, reißt Gesellschaftsformen an, die mal nahe bei unseren liegen, mal aber auch, sprichwörtlich, Welten davon entfernt sind. In „Flucht“ teilt sich der Protagonist den Platz an Bord eines außerirdischen Raumschiffes mit Menschen, die er nur als Kevins und Mandys bezeichnet – wobei man sofort ein prägnantes Bild im Kopf hat.

Der Mut zur bildhaften Zuspitzung lässt sich auch in anderen Texten dieser Sammlung finden. Dabei sind viele von ihnen Kurzgeschichten im besten Sinne: Sie greifen eine Episode auf, laufen gerne auf eine Pointe hinaus und hinterlassen dadurch beim Leser das Gefühl, gut unterhalten worden zu sein.

Weitere Highlights in meinen Augen sind die Geschichte „Rapunzel, kurzhaarig“, in der die Motive verschiedener Märchen äußerst kurzweilig durcheinander gemischt werden, sowie „Der Zeitrecycler“, das sich sowohl mit seinem Inhalt als auch mit seinem Stil gut in einer Kurzgeschichtensammlung von Stephen King gemacht hätte, etwa aus dessen „Nachtschicht“-Phase.

Wie gesagt konnte mich nicht jede Geschichte abholen. Auf die Gesamtstrecke allerdings habe ich das Lesen dieser Sammlung sehr genossen, auch wenn ich hier nicht im einzelnen auf jede Story eingehen will.

Es bleibt die Frage der Bewertung, die aufgrund der geschilderten Umstände nur höchst subjektiv ausfallen kann. Ich habe mich dazu entschlossen, „Einbruch und andere Geschichten“ vier Sterne zu geben, weil weit über die Hälfte der Geschichten, wenn ich sie einzeln hätte bewerten sollen, im Bereich von vier bis fünf Sternen rangieren und Ausnahmen, wie eben die beiden Drabbles, insgesamt nicht so sehr ins Gewicht fallen, dass sie eine Abwertung rechtfertigen würden.

Mein Fazit lautet also: Für Leser, die sich gerne auf kleine Geschichten aus vielen Bereichen der literarischen Genres einlassen möchten und die dabei keine Berührungsängste haben, ist dies eine gelungene Zusammenstellung. Noch dazu zu einem mehr als günstigen Preis!


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.

Die dunkle Seite von Social Media

Wie ihr wisst, habe ich ein ziemlich ambivalentes Verhältnis zu den sozialen Netzwerken. Das mag auf die eine Art überraschend sein, wenn man bedenkt, dass ich mich mit meinem Blog recht aktiv im Bereich Social Media bewege. Aber wenn man sich das eine oder andere ansieht, das insbesondere bei Facebook üblich ist, dann wird es vielleicht verständlicher.

Wer von euch hat sich nicht schon einmal über die Menschen amüsiert oder aufgeregt, die Freundschaftsanfragen im Dutzend verschicken, weil ihr größtes Seelenheil darin zu liegen scheint, dass sie eine mindestens vierstellige Freundezahl haben? Eine nicht kleine Zahl belässt es nicht einmal dabei, sondern lässt einem, wenn man es nicht unterbindet, laufend Aufforderungen zu irgendwelchen Spielen zukommen oder dazu, sich das eine oder andere anzuschauen. Einigen reicht nicht einmal das, sondern sie bedrängen einen mit Chat-Anfragen, die erkennbar nirgendwo hin führen. Wie auch, wenn man außer der Plattform keine Gemeinsamkeiten miteinander teilt?
Das alles ist natürlich harmlos und lässt sich gut ignorieren. Man vergibt sich ja nichts deswegen und es führt auch zu keinen Konsequenzen. Es ist ja nicht so, als ob Leben davon abhingen, nicht wahr?

Das Buch, das ich gerade lese, hat mich dennoch ein wenig nachdenklich gemacht. Es handelt sich um den Thriller „Die Gästeliste“ der Autorin Sanne Averbeck. In diesem geht es um die Geschäftsfrau und hauptberufliche Influencerin Carola, die ein dichtes Netz aus sozialen Kontakten, mehr oder weniger angeblichen Freunden und ganz vielen Menschen, die sich durch die Bekanntschaft mit ihr Vorteile erhoffen, um sich gewoben hat. Dabei ist diesen Menschen überwiegend nicht klar, dass Carola am Ende nur ihren eigenen Vorteil im Blick hat und ebenso schnell bereit ist, einen Kontakt auszusortieren, wenn er ihr keinen Vorteil mehr bietet, wie sie sich bereit findet, neue Gesichter in ihren inneren Zirkel aufzunehmen, solange nur irgendwas dabei herauskommt.

Nun kommt es, wie es in einem Thriller kommen muss: Irgendwann beginnen sich in Carolas Umfeld die Todesfälle von mehr oder weniger guten Freunden und Geschäftspartnern zu häufen. Sogar ihre beste und wahrscheinlich einzige aufrichtige Freundin Bianca wird beinahe zum Opfer des Täters.

So ziemlich jeder Mensch würde sich in dieser Situation sicherlich Sorgen um die Leute in seinem Umfeld und sich ansonsten ins Höschen machen vor Sorge, dass er bald der nächste Todeskandidat auf der Liste des Killers sein könnte. Nicht so Carola. Carola sieht alle diese Taten als Zeichen, sie persönlich fertig und gesellschaftlich unmöglich zu machen. Auf die jeweilige Todesnachricht reagiert sie nur insofern entsetzt, wie es ihrem Standing als Social-Media-Persönlichkeit schaden könnte. Sanne Averbeck schildert Carola als absolut empathielos gegenüber dem Leid anderer.

Ich stelle mir die ganze Zeit – ich bin, wie gesagt, noch nicht mit dem Roman durch – die Frage, inwiefern ein solches Verhalten realistisch ist oder sein könnte. Und das führt mich zurück zu meiner persönlichen Beziehung zum Social Media.

Ich kenne eine ganze Reihe an ganz hervorragenden, netten und lieben Autorinnen und Autoren, Bloggerinnen und Blogger. Einige persönlich, andere bis jetzt leider nur virtuell. Die meisten von ihnen tun das, was sie tun, mit ehrlichem Enthusiasmus und einer Neugierde nicht nur auf die Welt, von der sie berichten, sondern auch auf die Menschen, die sich in ihr bewegen.

Es macht Spaß, sich mit ihnen auszutauschen und ich bedaure aufrichtig und mehrmals in der Woche, dass ich nur so ein begrenztes Zeitkontingent habe, um eben dies zu tun. Aber die Arbeit arbeitet sich nicht von alleine und Romane schreiben sich, zum Glück, auch noch nicht von selbst.

Allerdings habe ich auch Menschen kennengelernt, die ein klein wenig von Carola in sich haben. Nun, niemand von ihnen würde über Leichen gehen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Da wollen wir die Fiktion und die Realität doch schön auseinander halten.

Aber manchmal beschleicht einen schon das Gefühl, dass das, was gerade passiert, das Gespräch, das gerade läuft oder die Dinge, die man so mitbekommt, nur deswegen passieren, weil sich jemand davon ein gewisses Vorankommen verspricht.

Das dumme ist nur, dass man es im Internet den Menschen nicht von der Nasenspitze her ansehen kann. Man muss lernen, die Worte zu interpretieren und auf die kleinen Nachlässigkeiten zu achten, die sich hin und wieder einschleichen. Dabei sind im übrigen nicht automatisch die, die sich gerne selbst darstellen, die „Bösen“ und die, die immer zuerst danach fragen, wie es dir eigentlich gerade geht, die „Guten“.

Wie gesagt: Das Leben ist vielschichtiger als ein Roman.

Perfide ist, dass wir alle hin und wieder anfällig dafür sind, uns ein wenig weiter in die Gefilde der Selbstdarstellung zu begeben, als wir es eigentlich gerne von uns selbst hätten. Ich musste mich jedenfalls schon bei dem Gedanken ertappen, dass es vielleicht sinnvoll sein könnte, sich hier und dort genau dann und wann sehen zu lassen. Oder bei diesem und jenem vielleicht und sofort mitzumachen. Oder genau dieses und jenes genau jetzt in meinen Blog zu schreiben. Weil es mich weiterbringen könnte.

Machen wir uns nichts vor – jeder möchte gerne vorankommen. Hey, diesen Blog gibt es auch nicht nur, weil ich ein Schwätzer bin, der sich selber gerne reden hört. Na ja, nicht nur halt … 😉 .

Und machen wir uns weiter nichts vor, dass wahrscheinlich die meisten von euch gerne wüssten, ob ich Personen im Hinterkopf habe, die genau das tun, was ich hier beschreibe. Soll ich euch was sagen? Würde mir genauso gehen. Und es wäre ein weiterer Schritt dorthin, Social Media etwas von seiner Großartigkeit, die es unbestritten hat, zu nehmen und statt dessen lauernd mit dem Finger aufeinander zu zeigen. Wie sagt man doch so schön: Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.

Was ich mit diesem Beitrag eigentlich, angeregt durch diesen Thriller, sagen möchte ist, dass wir alle gut auf uns selbst und aufeinander aufpassen sollten, um ein gesundes Maß zwischen dem Wunsch nach eigenem Vorteil und einem wirklich zugewandten Umgang miteinander zu finden und dann auch zu pflegen.

Ich schreibe gerne hier im Blog und würde gerne mehr in den anderen Netzwerken schreiben. Aller Ambivalenz zum Trotz. Und auch wenn ich natürlich, so wie alle anderen, meine Aufrufzahlen und dergleichen mehr halbwegs im Blick habe, schaffe ich es doch meistenteils, eben nicht nur dem nächsten Reichweitenrekord hinterher zu jagen oder mir sonst wie bessere Ausgangslagen zu verschaffen.

Social Media, wie ich es begreife, sollte Spaß machen. Sollte dem Austausch dienen. Ist dafür da, sich nicht nur zu vernetzen, sondern sich auch zu unterstützen. Nicht mit Hintergedanken, sondern weil man wirklich bereit ist, an einem Strang zu ziehen.

Dafür möchte ich werben. Der Rest passiert dann irgendwann ganz von alleine.