Reblog: Der Social-Media-Knigge (und ein paar Gedanken dazu)

Heute möchte ich euch einen sehr lesenswerten Artikel meiner geschätzten Autorenkollegin und BartSis Babsi a.k.a. TheBlueSiren ans Herz legen. Dies tue ich aber, trotz der Überschrift, nicht als ganz normalen Reblog, wie ich ihn über WordPress auf Knopfdruck haben könnte, sondern in Form eines ergänzenden Artikels. Weil ich denke, dass Ergänzungen nötig sind.

Also: Ein Social-Media-Knigge. Wieso das?

Nun, wer oder was ein Knigge ist, das dürften wir alle wissen, auch wenn die meisten von uns (ich eingeschlossen) niemals einen Blick hineingeworfen haben. Es geht darum, die Verhaltensweisen zwischen Menschen auf ein für alle Beteiligten angenehmen Niveau zu bringen. Und ja, wenn ich mir, zum Beispiel, bei Tisch in der Nase popel, dann kann ich davon ausgehen, dass 99% meiner Tischnachbarn das eher eklig finden.

Das Problem ist, dass wir einander sehr selten sehen, wenn wir in den sozialen Medien unterwegs sind. Da haben wir Facebook, wir haben Twitter, wir haben Pinterest, Snapchat, Instagram, YouTube, vielleicht noch XING oder LinkedIn. Die Älteren unter uns haben vielleicht noch MySpace oder StudiVZ. Und die ganz besonders aufgeschlossenen treiben sich auf Plattformen wie Tinder herum.

Ganz egal, wo wir uns im Netz bewegen, wir bewegen uns in unserem eigenen Kosmos. Andere lassen wir über unsere Äußerungen und unsere Informationen, die wir von uns preisgeben, daran teilhaben. Manchmal sogar gegen deren Willen, ganz einfach, weil sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhalten.

Okay, bevor ich mich noch ganz ins Unkonkrete rede, komme ich zu Babsis Artikel zurück.

Babsi hatte einen konkreten Anlass, aus dem sie diesen Artikel geschrieben hat. Ich werde diesen hier nicht benennen, weil ich zum einen nicht involviert war, und weil ich zum anderen auch keine Lust habe, mich involvieren zu lassen.

Aber das, was sie da schreibt, das sind Phänomene und Antworten darauf, die ich schon kenne, seit ich mich Anno 1996 oder ’97 das erste Mal in eine Mailingliste gewagt habe. Damals gab es nämlich schon dieselben Verhaltensweisen und auch dieselben – teilweise – Missverständnisse. Ja, ich behaupte, dass auch Missverständnisse dabei sind. Denn nur die wenigsten Menschen gehen bewusst hin und verstoßen gegen die Regeln des einträchtigen Miteinanders. Und die, die es tun, die sollte man nicht füttern. Das berühmte „Don’t feed the Trolls“ halt.

Als Kernsatz möchte ich den auch bei Babsi fett gedruckten Satz Für ein liebevolleres Miteinander! aufgreifen.

Denn was oft vergessen wird: Gleiches mit Gleichem zu vergelten macht denjenigen, der reagiert, nicht unbedingt besser als den, auf den er reagiert.

Wieder auf mein Beispiel bezogen wäre es etwa keine geeignete Reaktion, dem Nasenpopler das eigene Wasserglas ins Gesicht zu schütten – und es ihm danach auf dem Kopf zu zertrümmern.

Leider musste ich gerade in den letzten Wochen und Tagen feststellen, dass sich diese Einsicht nicht bei allen Beteiligten an den Vorkommnissen, die es gegeben hat, und auf die sich auch Babsi bezieht, durchgesetzt hat. Und das finde ich, ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder mir nicht zustehender Moralkeule, sehr, sehr schade.

Ich gehe nämlich davon aus, dass wir, die Autorinnen und Autoren im Netz, vom Grundsatz her erst einmal alle das Gleiche wollen. Wir wollen schreiben, Wege zum Erfolg ausloten, gemeinsam mit anderen diese Wege erkunden und dann irgendwann den Erfolg erringen. Ich gehöre zu denen, die glauben, dass man das wirklich besser gemeinsam tun kann. Jedes Gegeneinander schadet uns. Und wenn man ganz, ganz schwarz sieht, dann nicht nur den direkt Beteiligten, sondern auch allen anderen.

Wieder mein Beispiel: Links und rechts der Tafel sitzen Autoren, vor Kopf Vertreter von Verlagen, des Feuilletons, Literaturagenten. Und die sehen nun mit an, wie sich die Autoren gegenseitig nicht zu benehmen wissen, wie sie sich an die Gurgel gehen und wie sie einander das Geschirr um die Ohren hauen. Soll es uns da verwundern, dass manch einer vor Kopf aufsteht und sich sagt, dass er mit „so welchen“ eigentlich nichts zu tun haben will und dass „die“ gerne wiederkommen können, wenn sie gelernt haben, sich zu benehmen?

Mag sein, dass ich das zu global sehe, mag auch sein, dass ich es zu schwarz sehe. Aber genau deswegen schreibe ich es hier separat und nicht als klassischen Reblog, weil ich es nicht so aussehen lassen möchte, als ob Babsi die gleichen Gedankengänge hat, wie sie sich mir nun aufdrängen.

Ich finde den Knigge fürs Social-Media gut. Und ich kann nur jeden bitten, ihn sich durchzulesen und dann genau zu überlegen, inwiefern er oder sie sich daran halten mag. Oder sich zu überlegen, wieso es für ihn oder sie nicht infrage kommt.

Ob es schade ist, dass so ein Knigge geschrieben werden musste? Keine Ahnung. Vielleicht leben wir einfach in einer Zeit, in der man es gewohnt ist, sich schnell die Frequently Asked Questions durchzulesen und dann alles zu wissen, was man wissen muss. Auch in dieser Hinsicht funktioniert Babsis Knigge sehr gut.

Auf jeden Fall kann ich jeden ihrer Punkte nur unterschreiben, packe mir da, wo es nötig ist, auch an die eigene Nase und gehe dann frisch und mutig wieder an mein Werk. Denn auch dieser Blog ist in in seinen Kommentaren ein Soziales Medium. Und ich glaube nicht, dass einer von euch mich beim Popeln erwischen möchte.

Ih-Bäh!

Muss i denn, muss i denn, zur Messe wieder hin?

Gerade eben kam er, der Newsletter, der dann doch das Gedankenkarussell wieder ein wenig ins Fahren bringt. Nein, keine Sorge, es geht nicht schon wieder um irgendwelche Fahrgeschäfte …

Nein, es geht um die jetzt auch schon wieder bald anstehende Buchmesse in Frankfurt. Leipzig ist fast ein Vierteljahr her, in etwas mehr als einem Vierteljahr ist also die große Schwester an der Reihe, der man – wohl mit einiger Berechtigung – nachsagt, dass sie sich wesentlich mehr aufs Business bezieht, auf Vertragsverhandlungen, auf professionelle Meet & Greet’s, als es Leipzig tut. Und wahrscheinlich wird der Anteil an Cosplayern auch deutlich geringer sein 😉 .

Ihr erinnert euch sicherlich noch, wie ich herumgeeiert bin in der Frage, ob ich nun nach Leipzig fahren will, oder doch lieber nicht. Interessanter Weise habe ich mir die Sache in Bezug auf Frankfurt nie so schwer gemacht.

Ich denke nicht, dass ich mich wohlfühlen würde, wenn ich in Frankfurt mehrere Tage auf der Messe bin.

Ich kann es nicht richtig erklären, nicht richtig begreifen. Aber ich habe eine Theorie. Nämlich die, dass gerade eben dieses businessmäßige mich abschreckt. Leipzig hatte das Feeling einer großen Convention, bei der man natürlich auch Geschäfte einfädeln kann oder über das Business spricht, wo es aber nicht im Vordergrund steht, stehen muss. Etwa so, wie es vor rund 20 Jahren der Unterschied zwischen der CeBIT und der Hannovermesse war.

Aber – und da ist es, das immer präsente Aber: Interessieren würde mich der ganze Zirkus ja schon irgendwie. Zumindest mal zum Anschauen. Und da setzen die Überlegungen jetzt ein, die durch den Newsletter angeregt wurden.

Denn eines steht ja fest. Auch einen Kurzbesuch von, sagen wir, einem Tag auf der Messe muss man ja gut und generalstabsmäßig planen. Im Endeffekt muss man ihn besser planen als einen dreitägigen Besuch, bei dem ich es mir auch erlauben konnte, einfach mal in den Messetag hinein zu schlendern. Und im Endeffekt trotzdem kaum etwas zu sehen. Der Eventcharakter stand halt im Fokus. Nicht die Buchmesse als Solches.

Doch Frankfurt müsste anders sein und damit steht fest, dass ich mich, wenn ich mich entschließe, hinzufahren, frühzeitig um einen Tag kümmern sollte, an dem ich da sein will, gekoppelt an die Frage, ob ich mich als „Fachbesucher“ akkreditieren lassen kann, oder nicht. Und dann muss ich natürlich auch wieder schauen, wie die Anreise und Rückreise funktionieren könnte.

Zum Glück Frankfurt von Duisburg aus wesentlich schneller erreichbar, als Leipzig es gewesen ist. Hier profitiere ich klar von der zwischen Köln und Frankfurt ausgebauten ICE-Schnelltrasse. Bei einer Direktverbindung sind es keine zwei Stunden zwischen den beiden Hauptbahnhöfen. Und der Preis pendelt sich irgendwo bei 60 Euro ein. Klar, zusammen mit der Tageskarte für die Messe und die zu erwartenden Nebenkosten für Verpflegung, etc. ist das immer noch ein recht teurer Tagesausflug, aber was tut man nicht alles für die persönliche (Weiter-)Entwicklung?

Tja, aber hilft es denn wirklich in der Weiterentwicklung? Ist es wirklich ein „Muss“, in Frankfurt dabei gewesen zu sein, nur um hinterher sagen zu können, dass man eben dabei gewesen ist?

Um noch einmal kurz in den Osten der Republik zu schauen: Dass ich nächstes Jahr wieder nach Leipzig möchte, steht für mich schon so gut wie fest. Ob ich es dann auch wirklich hinkriege, das ist noch eine andere Sache und muss jetzt ja auch noch nicht entschieden werden. Aber der Wille, es zu machen, ist klar erkennbar.

Und da ist eben dieser Unterschied zwischen Leipzig und Frankfurt. Die nächste Fahrt auf dem Gedankenkarussell.

Aber, na ja, solange die nächste Runde nicht „rückwärts“ geht, ist, denke ich, alles noch halbwegs in Ordnung.

Meldung und Meinung: Amazon eröffnet eine Buchhandlung und ein Journalist findet es ganz, ganz schlimm

Na, da hat sich aber mal jemand richtig aufgeregt, bevor er seinen Artikel geschrieben hat. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist gestern ein Artikel erschienen, der netterweise heute auch online für all jene nachgelesen werden kann, die zwar gerne die FASZ lesen würden, für die der Sonntag aber schlicht zu kurz ist, um das auch wirklich tun zu können. So geht es mir zum Beispiel. Ich finde die Zeitung wirklich großartig, aber ich weiß einfach nicht, wann ich das alles lesen soll.

Da tut es dem eigenen Gewissen gut, wenn man dann auch mal einen Artikel sieht, der nicht so großartig ist. Und das ist im vorliegenden Fall leider geschehen.

Was also ist passiert? In simplen und schmucklosen Fakten kann man es wohl wie folgt darstellen:

  • Amazon hat in New York eine Buchhandlung eröffnet
  • Die Buchhandlung ist so mittelgroß und in einem Einkaufszentrum untergebracht
  • In der Buchhandlung ist das Sortiment ähnlich zu Amazons eigenen Empfehlungskriterien auf der Website aufgebaut
  • Bücher gibt es in dieser Buchhandlung zum aktuellen (Amazon-)Tagespreis
  • Was nicht vorrätig ist, wird über direkte Verknüpfung zum Onlineshop bestellt

So, ich gebe jedem von euch jetzt, sagen wir, dreißig Sekunden Bedenkzeit, um selbst herauszufinden, was an diesen Punkten denn so ganz, ganz schlimm ist, wie es der Journalist in seinem Artikel zum Ausdruck bringt.

[Nette Fahrstuhlmusik]

So, da wären wir wieder. Und, seid ihr fündig geworden? Schauen wir uns die Punkte doch im Einzelnen noch einmal an.

Amazon hat also eine Buchhandlung eröffnet. Daran erkenne ich erst einmal nichts Verwerfliches. Es ist noch nicht einmal Amazons erste Buchhandlung. Auch die Größe finde ich jetzt nicht weiter tragisch, auch nicht die im Artikel genannte Innenausstattung. Auch in deutschen Einkaufszentren findet man mittelgroße Buchhandlungen. Ich nenne da einfach mal den Namen Thalia.

Dass Amazon das Konzept seiner Website mit Herausstellung eigener Bestseller und Ähnlichem in den Laden überträgt, finde ich zum einen nicht so besonders (man denke an die Bestseller-Listen, die in unseren Buchhandlungen ausgehangen werden), zum anderen kann dies auch eine Chance darstellen für unbekanntere Autoren. Wenn sich nämlich ein Selfpublisher gut genug verkauft, dann steht er auf einmal prominent im Laden – mit dem Buchcover voraus, wie der Artikel noch erwähnt.

Dass es die Bücher zum jeweiligen und günstigen Tagespreis gibt – ja, mein lieber Herr Journalist, das ist nun einmal die Art, wie die Amis ihre Bücher verkaufen. Eine Buchpreisbindung gibt es da nicht. Das kann man gut oder auch schlecht finden, aber nicht Amazon vorwerfen. Übrigens spielen auch unsere einheimischen Buchhändler das Spiel mit. Wenn ich hier ein englischsprachiges Buch kaufe, dann zahle ich in der Bahnhofsbuchhandlung auch einen anderen Preis als in der Mayerschen dreihundert Meter weiter.

Und dass sofort bestellt wird, was nicht vorrätig ist … muss ich da wirklich etwas zu sagen!? Das ist doch nun bitte wirklich Standard heute, egal in welcher Branche, egal in welchem Laden. Thalia bestellt beim Grossisten. Weltbild bei sich selbst. Und Amazon eben – bei Amazon. Mit Lieferung nach Hause. Macht meine Apotheke übrigens auch, um ein Beispiel aus einer ganz anderen Branche zu bringen.

Ganz ehrlich, um die Sache hier abzukürzen. Ich weiß nicht, was mir dieser Artikel sagen soll, außer dass der Verfasser, wieso auch immer, einen Brass auf Amazon hat. Ja, man muss nicht alles gut finden, was dieser milliardenschwere Konzern treibt. Aber diese Sorte stationärer Buchhandlungen machen nichts kaputt, was nicht sowieso schon kaputt ist! Ich behaupte, dass deswegen nicht ein Kunde weniger bei gut sortierten Buchhändlern kauft, weil sich die Zielgruppen einfach nicht überschneiden. Das eine sind die Onlinekäufer, das andere die Vor-Ort-Käufer.

Manchmal wünschte ich mir wirklich, ich könnte geschichtlich Mäuschen spielen und mir ansehen, wie der Aufschrei im Einzelhandel war, als auf einmal Unternehmen wie Quelle, Otto und Neckermann, die eigentlich ja „nur“ Katalogware verkauften, Geschäfte in den Innenstädten eröffneten.

Die Debatte, inwieweit die Multis den alteingesessenen Händler vor Ort platt machen, ist also nicht neu. Und es geht eher darum, Strategien zu finden, um dem entgegen zu treten. So, wie es viele engagierte Buchhandlungen heute schon tun. Mit Ideen, mit persönlicherer Ansprache, mit Service.

Denn der „Kampf“, wenn er denn geführt werden muss, wird zwischen der Entscheidung online oder lokal getroffen. Und nicht zwischen den Alternativen Amazon Bookstore oder Thalia oder Anjas Antiquariat, die in einer Einkaufsstraße einträchtig nebeneinander liegen.

Oder wie seht ihr das? Mache ich es mir hier zu einfach oder es dem Journalisten zu schwer? Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Kommentare zu diesem Artikel, den ich bisher noch gar nicht verlinkt habe, weil ich erst meine Argumente aufzählen wollte.

Aber jetzt: hier!

Der Sonntagsreport vom 11.06.2017 – Noch ein Wort zu Freizeitparks und Bussen

Hallo, ihr Lieben!

Wieder ist Sonntag und wieder möchte ich die Gelegenheit nutzen, die Woche ein wenig Revue passieren zu lassen. Und ich würde mich freuen, wenn ihr mir auf meine Reise folgt, denn diese Reise hat mich an insbesondere zwei Stellen zu sehr interessanten Betrachtungen meiner eigenen Autoren“psyche“ geführt, wenn man das so bezeichnen kann. Aber keine Sorge, ihr müsst euch jetzt nicht alle auf die Couch legen, damit euch Professor Doktor Frust die Welt besser erklären kann. Falls ihr euch schläfrig fühlen solltet, halte ich euch aber auch nicht davon ab 😉 .

Diese Woche spielten vor allem zwei meiner Geschichten eine große Rolle. Das war zum einen die Kurzgeschichte „Auf der 30“, die ja beinahe gegen meinen Glauben als würdig angesehen wurde, in eine Anthologie aufgenommen zu werden, und zum anderen mein Roman „Darkride“, der alleine schon durch die simple Tatsache ans Licht gezerrt wurde, dass ich diese Woche zweimal in einem Freizeitpark war.

Zweimal? Ja, ganz genau. Denn dekadent wie wir waren, haben wir unserem ersten Besuch im Movie Park am Montag direkt noch einen zweiten gestern folgen lassen. Und da unter der Woche so nett das Für und Wider von realistischer Darstellung abnutzungsbedingter Erscheinungen in einem solchen Park diskutiert wurde, habe ich mir die eine oder andere Ecke, die mich störte, noch einmal genauer angeschaut. Vorab: Von genervten Mitarbeitern blieben wir diesmal zum Glück verschont. Damit sieht man einiges direkt viel lockerer.

Zuvor möchte ich sagen, dass ein Aspekt, der im Laufe der Kommentare zu dem genannten Beitrag herausgearbeitet wurde, vielleicht im Ursprungsartikel zu kurz gekommen ist. Deswegen möchte ich ihn noch einmal klarstellen. Natürlich ist die Handlung der Akteure in einem Roman viel wichtiger als das Umfeld, in dem sie agieren. Und noch über diesen Handlungen kommt ganz klar die Geschichte selbst, die Storyline. Denn wenn das alles nicht zieht, dann können die Beschreibungen und die Atmosphäre noch so toll sein, es wird einfach niemand lang genug durchhalten, um sich das Ganze über 300 oder mehr Seiten durchzulesen.

Aber gut, zurück zum Movie Park. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag angedeutet, dass der Park es nicht leicht gehabt hat in seiner Geschichte. Und das sieht man. Vor allem sieht man ihm das Sammelsurium an Attraktionen an, das die verschiedenen Besitzer hinterlassen haben. Da sind die Fahrgeschäfte, die noch aus der Anfangszeit als Warner Bros. Movie World stammen. Nehmen wir das Rafting „Mystery River“. Dies war ursprünglich mal „Die unendliche Geschichte“ mit einem wirklich tollen Theming. Als die Lizenz wegfiel, hat man das Ganze dann umgebaut. Und, bei Gott, man sieht es!

Die Warteschlange führt durch zwei als Bibliothek gestaltete Räume, die heute einfach keinen Sinn mehr haben. Früher war dies der Buchladen des Karl Konrad Koriander, komplett mit einer Pre-Show. Und in der Attraktion selbst gab es auch nicht irgendwelche Zwerge, die einander um einen Pilz jagen, das war nämlich die Rennschnecke, keine bewegungslosen Riesen aus Stein, das war der Steinbeißer, und, am deprimierendsten, keinen kleinen grünen Plastikdrachen, denn das war Fuchur, beinahe in Originalgröße.

Die Fahrt selbst ist nach wie vor top. Aber man ist doch die ganze Zeit damit beschäftigt, zu verdrängen, wie genial das alles mal ausgesehen hat. Darüber vergisst man glatt, sich vor dem hereinschwappenden Wasser zu schützen – was ich hinterher mit pitschnassen Klamotten gebüßt habe.

Aber auch an anderer Stelle herrscht manchmal „gewollt und nicht gekonnt“ vor. Hinter der Attraktion „Time Riders“, die im Inneren liebevoll ausgestaltet ist, zumindest für einen der klassischen Flugsimulatoren, erwartet einen ein Ausgang, der direkt an der uneingekleideten Hinterseite der Wellblechhalle vorbei führt.

Okay, natürlich weiß jeder, dass das Gebäude nichts anderes ist als eine solche Halle. Seit Google Earth kann sich jeder das ohne Probleme von oben ansehen. Aber man muss den Besucher nicht beim herauskommen so deutlich daran erinnern, im so die Illusion dessen nehmen, was er gerade erlebt hat. Gerade für Kinder ist das sehr ernüchternd, wie ich gestern festgestellt habe.

Ich könnte jetzt noch etwas zu den offensichtlichen Klebefolien, die eigentlich Fenster darstellen sollen, an der neuesten Achterbahn „Star Trek“ sagen, die erst in diesem Jahr eröffnet wurde, aber da verweise ich auf einschlägige Foren im Internet. Das artet sonst hier aus 😉 .

Was ich mit den ganzen Beispielen sagen will ist Folgendes: Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich solche Ecken in „meinem“ Park nicht haben will. „Mein“ Park soll die Leute dazu einladen, gerne auch noch das dritte und vierte Mal zu kommen.

Aber das nicht nur, weil ich es eben so haben will, weil ich ein Freizeitparknerd bin, der ansonsten Tränen im Knopfloch sammelt. Sondern auch, weil es für die Handlung meines Romans von entscheidender Wichtigkeit ist!

Wie ihr wisst, geschieht in meinem Freizeitpark ein Mord. Soweit so schlecht. Aber noch schlechter, jedenfalls für den ermittelnden Beamten, ist der Umstand, dass der Park aufgrund seiner immensen Bedeutung für die Wirtschaft ringsherum und für das Prestige des ganzen Bundeslands, unbedingt geöffnet bleiben soll.

Und da habe ich mir die Frage gestellt: Würde irgendwer in der Landesregierung auch nur einen Finger für den Movie Park rühren, wenn man, zum Beispiel, im „Bermuda Dreieck“ eine Leiche verstecken würde? Ich glaube eher, der Park würde erst einmal bis Sankt Nimmerlein geschlossen werden. Was bei den exorbitanten Wartezeiten an den Kassen bestimmt nicht gleich auffallen würde 😉 .

Okay, genug zu diesem Thema geschrieben. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich trotzdem wieder in den Movie Park fahren würde und werde. Denn Achterbahn ist Achterbahn ist Achterbahn. Und eine Achterbahn, die einfach so auf Beton steht, ist besser als keine Achterbahn.

So, ich verspreche, dass ich mich zu dem anderen Thema ein wenig kürzer fasse, wenn ich mal so auf die Anzahl der Wörter im Text schiele. Das passt ja auch, geht es schließlich um eine Kurzgeschichte!

Als „Auf der 30“ ausgewählt wurde, in der Anthologie zum 30jährigen Bestehen des Bundesverband junger Autoren zu erscheinen, habe ich mich spontan sehr gefreut. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, dass dabei etwas herauskommen würde. Zum einen, weil es sich, mal wieder, um einen für mich eigentlich ungewohnten Stil handelte, in dem ich die Geschichte geschrieben habe, zum anderen, weil die ganze Vorgeschichte halt ein wenig skurril war.

Aber dann passierte etwas Seltsames. Die Freude war nicht verschwunden, aber sie flachte ab. Die wenigen Veränderungen, die ich nach dem Lektorat an der Story vornehmen sollte, machte ich relativ leidenschaftslos und schickte dann das entstandene Ergebnis wieder zurück. Und damit verschwand die Geschichte erst einmal wieder in meinem Hinterkopf.

Und seitdem beschäftige ich mich eigentlich mehr mit diesem Gefühl und diesen Gedanken, als mit der Story selbst. Die habe ich, in Gedanken, schon beinahe abgehakt. Aber die Reaktion ist sehr interessant.

Und heute, in diesem offenen Artikel, frage ich mich selbst: Bin ich als Autor schon so ein arroganter Sack geworden, dass ich mich nicht länger als 24 Stunden über eine kommende Veröffentlichung freuen kann?

Ich bin an diese Frage ergebnisoffen herangegangen und atme tief durch, wenn ich sie verneine. Denn das tue ich nicht. Ich denke nicht, dass es etwas mit Arroganz zu tun hat, wenn ich so reagiere. Ein besseres (und angenehmeres) Wort wäre: Professionalität! Ich denke, dass ich professionell mit dieser Einsendung umgehe.

Auch dafür finden sich Gründe, die vielleicht banal klingen, es aber nicht sind. Der Wichtigste, so scheint mir fast, ist die Tatsache, dass sowohl mein Kontakt zu den Ausrichtern, als auch der in umgekehrter Richtung, strikt im Businesstonfall gehalten ist. Das war seinerzeit bei den Cluewritern völlig anders. Beides war okay, aber es löst natürlich andere Reaktionen hervor.

Ein weiterer Grund ist, dass mir noch nicht so viele Informationen vorliegen, wie ich sie vielleicht bräuchte. Ich kenne keinen Zeitrahmen für die Veröffentlichung, habe keine Ahnung, was die weitere Vorgehensweise ist. So kommt das alles irgendwie und irgendwann auf mich zu und mein Verstand hat wahrscheinlich beschlossen, zurecht beschlossen, dass es keinen Sinn macht, jetzt die ganze Zeit über im Stand-by zu lauern, dass es in irgendeiner Form weitergeht oder neues Futter gibt.

Na, liest sich das nicht wesentlich netter als zu sagen, dass man arrogant ist? Für mich fühlt es sich jedenfalls netter an. Aber wenn ihr einen anderen Eindruck habt, dann scheut euch nicht, ihn mir zu nennen. Ich kann’s aushalten. Und wir kämen bestimmt in eine spannende Diskussion 😉 .

So, damit möchte ich auch wieder Schluss machen. Das Wörtchen „schon“ verkneife ich mir mal in Anbetracht des für einen warmen Sonntag sehr langen Artikel. Sorry!

Ich hoffe, ihr hattet dennoch ein wenig Freude am Lesen und bei der Einsichtnahme in meine Gedanken. Ich wünsche euch einen guten Start in die kommende Woche, die für den einen oder die andere von uns ja nur drei Arbeitstage umfassen wird. Für mich zum Beispiel …

Alles Liebe

Euer Michael

Kurz und schmerzlos (26) Eigenlob stinkt!

Man soll sich ja nicht selber loben. Deswegen tue ich das auch nicht (na ja, selten 😉 ). Aber heute habe ich von meinem Leser Sebastian ein ganz, ganz tolles Lob bekommen, das ich nicht einsam und alleine bei den Kommentaren zu diesem Beitrag stehen lassen wollte, sondern das ich jetzt ans Tageslicht zerre:

Dein Blog motiviert mich, an meinem eigenen Projekt weiterzuarbeiten.

Wenn das, was ich mir hier zusammen kritzle, diese Wirkung auf Menschen, auf kreative Menschen ausüben kann, dann habe ich mehr damit erreicht, als ich mir jemals zu wünschen gewagt hätte!

Vielen Dank für dieses tolle Kompliment, das mich wiederum motiviert, weiter zu machen.

Projekte drängen mit Macht ans Licht

Manchmal habe ich diese Tage, an denen mir partout nichts einfallen will, worüber ich einen Blogeintrag schreiben könnte. Gut, nicht schlimm, dann mache ich halt etwas anderes. Und dann passiert es, so wie heute, dass mich auf einmal der Blitz trifft und durch Zufall ein Thema sich geradezu mit Macht aufdrängt.

Ja, mit Macht. Ich benutze dieses Wort bewusst hier, wie auch in der Überschrift. Lasst es mich erläutern.

Für meine Kurzgeschichte „Auf der 30“ sollte ich, nachdem ich die paar wenigen Änderungswünsche des Lektorats eingebaut hatte, eine kurze Vita von höchstens 500 Zeichen schreiben. Auch wenn ich anfänglich erst meine üblichen Probleme hatte, ging es hinterher ganz gut zustande. Ich glaube, an manche Dinge kann man sich echt gewöhnen.

Als ich feststellte, dass ich nach dem Üblichen (ich bin, schreibe seit, träume meinen Traum) sogar noch Platz übrig hatte. Platz, den ich nicht ungenutzt lassen wollte. So überlegte ich kurz und kam schließlich auf folgenden Satz:

Weitere Projekte sind bereits geplant und drängen mit Macht aus seiner mit Ideen und Entwürfen gut gefüllten Schublade.

Ich brauche euch ja nichts davon zu erzählen. Wer hier schon länger als, sagen wir, eine Woche mitliest, der wird zwangsläufig über meine fixen Ideen gestolpert sein, die sich „Darkride“ und „Der Beobachter und der Turm“ nennen. Deswegen hätte der Satz alleine vielleicht auch noch nichts weiter bewirkt, als dass ich recht zufrieden mit meiner Arbeit auf den Senden-Knopf drückte und damit die Kurzgeschichte zurück ans Lektorat gab.

Kurz darauf erhielt ich aber noch einen Kommentar meines lieben Kollegen und Stammlesers Simon Segur zu eben jener Kurzgeschichte, in dem er bemerkte: »Du hast ja einen richtigen Lauf.«

Tja – eine ziemlich dumme Kombination von Gedanken. Denn jetzt gibt es wirklich, mal wieder, dieses kleine Männchen in meinem Ohr, das mir einflüstert, ich müsse diesen Lauf ausnutzen, dessen Vorhandensein ich beim besten Willen nicht leugnen kann. Und ja, ich glaube daran, dass man eine Glückssträhne haben kann. Nennt es Schicksal, nennt es göttliches Wirken, nennt es auch einfach nur Zufall. Aber manchmal passiert so etwas einfach.

Und wenn ich nun die Zeit ungenutzt verstreichen lasse, endet dann mein Lauf, ohne dass ich etwas produktives aus ihm herausgeholt habe? Stünden jetzt meine Sterne gut, um vielleicht noch eines dieser ominösen „weiteren Projekte“ an den Start zu bringen?

Ja, ich weiß, diese Gedanken sind nicht gerade neu und originell an dieser Stelle. Das ist das Los, das ihr als Leser eines Blogs tragen müsst, in dem der Autor (herrlich doppeldeutig an dieser Stelle) über sein Leid klagt 😉 .

Ich habe ja diese beiden, dem Grunde nach, fertigen Bewerbungsunterlagen. Ich müsste mich „nur noch“ dazu überwinden, mich auch irgendwie mit ihnen zu bewerben. Es existieren für mich sogar feste Arbeitsabläufe, die ich gerne umsetzen würde. Aber ich tue es nicht.

Denn bei aller Angst, einen Lauf verpassen zu können, ist meine Angst, mich zu überlasten und am Ende gar nichts auf die Kette zu bringen, nicht weniger groß. Ich habe jetzt eine Geschichte in einer Anthologie veröffentlicht, eine weitere wird veröffentlicht werden. Und ich stecke im Lektorat von „Der Morgen danach“. Das alles neben meinem Beruf, neben meiner Familie, neben meinem sonstigen Leben.

Verlange ich zu viel von mir? Tue ich zu wenig dafür? Oder sollte ich die ganzen scheiß Gedanken einfach mal beiseite schieben und einfach versuchen, zu genießen, was da ist – alles zu seiner Zeit!?

Manchmal ist dieses ganze „Autor sein“ einfach wahnsinnig anstrengend.

Hoffentlich veröffentlicht jetzt nicht einer meinen Roman!

Das ist im Moment eine meiner größten Schriftsteller-Ängste: Dass jetzt plötzlich jemand auf die Idee kommt, meinen Roman zu veröffentlichen!

Gut, nachdem wir uns alle wieder von diesem Paradoxon erholt haben, sollte ich erklären, was ich damit meine. Und zwar handelt es sich dabei um ein sehr irrationales und dennoch irritierendes Gefühl.

Seit ich wieder so richtig in der Arbeit und im Gespräch an „Der Morgen danach“ bin, betrachte ich Novitäten insbesondere auf dem eBook-Sektor mit irgendwie anderen, misstrauischen Augen. Es ist jetzt nicht so, dass ich den ganzen Tag und Abend damit verbringe, mich bei Amazon durch die Kategorien zu klicken, aber manchmal kommt mir ein Romantitel daher, der auf den ersten Blick so klingt, als könne er etwas mit mir und meiner Geschichte zu tun haben.

Ich habe genügend Bücherblogs abonniert, um eigentlich mindestens einmal in der Woche einen kurzen Schrecken zu kriegen.

Nun muss mir niemand mit der Binsenweisheit kommen, dass Geschichten an sich nichts sind, was man sich schützen lassen kann. Jedenfalls nicht, solange sie noch nicht veröffentlicht sind. Denn bis dahin gelten sie mehr als Ideen und manche dieser Ideen liegen einfach zu einem gewissen Zeitpunkt X in der Luft und werden daher von mehreren Autoren aufgegriffen. Dabei können sogar manchmal ganz spannende Ergebnisse herauskommen.

Aber für meinen Romanerstling brauche ich das Erlebnis nicht unbedingt, wenn ich ganz ehrlich bin. Daher liegt es an mir, die ganze Angelegenheit so zu schleifen und zu formen, dass am Ende ein möglichst unverwechselbares Stück Unterhaltungsliteratur dabei herauskommt. Dieses Ziel zu erreichen eint mich wiederum mit meinem Verlag.

Denn bei aller Spannung, die das zeitgleiche Erscheinen ähnlich gelagerter Romanstoffe erzeugen kann, ist es doch ein Ärgernis, wenn am Ende die Käufer in die Bredouille geraten, sich zwischen dem einen oder dem anderen Buch entscheiden zu müssen. Ich erwarte nämlich, ganz realistisch betrachtet, nicht, dass ich einen neuen Trend setze, in dessen Zug sich auch noch der 871. Zauberlehrling, der 1.283 Glitzervampir oder der 12.381 Sado-Maso-Milliardär verkaufen lässt 😉 .

Womit ich jetzt nichts gegen die wirklich guten Romane unter den Epigonen gesagt haben möchte. Meine Erfahrung zeigt nur, dass die meisten nicht wirklich gut sind. Und da ich nicht der einzige Leser mit entsprechenden Erfahrungen bin, werden es zukünftige Phänomene dieser Art, zumal im realistischen Thrillerbereich, schwerer haben.

Und darin liegt auch die Auflösung des Paradoxons: Wenn mein Roman nur gut genug ist, wenn er eigenständig genug ist, wenn er mitreißend ist, dann ist es egal ob es etwas Ähnliches gibt. Denn niemand kann meinen Roman so schreiben, wie ich ihn geschrieben habe. Es sei denn, er schriebe ab, aber das ist noch einmal ein ganz anderes Thema.

Also warten wir ab, ob nicht vielleicht doch irgendjemand auf die Idee kommt, meinen Roman zu veröffentlichen, bevor ich es tun kann. Denn wenn das nicht passiert, dann werde ich der Trendsetter sein, der zuerst da gewesen ist!

Das wäre doch mal was, oder? 😉