Wieso es den „Tempest“ weiterhin geben sollte

Wie ich ja schon mehrmals hier im Blog berichtet habe, habe ich 1987 damit begonnen, meine eigenen Romane schreiben zu wollen. Damals gab es noch nicht die Formen des Austauschs miteinander, wie es sie heute gibt. Wir hatten ja nichts, damals. Doch der Drang, auch mal andere Meinungen zum Thema Schreiben zu hören, oder vielleicht Tipps und Tricks von Gleichgesinnten zu erhalten, der war natürlich da.

Deswegen stellte der Zugang in die wunderbare Welt des Internets auch einen Quantensprung in puncto Informationen dar. Auf einmal war da ein ganz neues Universum angefüllt mit neuen Menschen, mit den verschiedensten Hintergründen und den verschiedensten Ideen in den Köpfen.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich 1998, als ich meinen ersten privaten (und teuer bezahlten) Internetzugang bekam. Damals war ich geradezu süchtig danach, neue und interessante Webadressen herauszufinden. Mit den Themen Newsgroups und Message Boards hatte ich mich zwar vorher schon beschäftigt, war damit aber nicht so recht warm geworden.

Es war nur zwangsläufig, dass ich irgendwann auch damit begann, mir geeignete Adressen zum Thema Schreiben zu suchen. Da gab es, im Vergleich zu heute, allerdings noch nicht so viel. So etwas wie moderne Blogsoftware war noch nicht erfunden, mit der Programmierung in HTML wollten sich auch die Wenigsten auseinandersetzen und die Forensoftware, die es damals gab, war auch, sagen wir, gewöhnungsbedürftig. Erinnert sich hier noch jemand z.B. an Parsimony?

Viele Angebote sind seitdem gekommen, gegangen, wiederbelebt worden und haben sich verändert. Ein Angebot aber gab es damals schon und es war nur eine Frage der Zeit, bis ich darauf stoßen sollte bei meinen Streifzügen durchs Netz.

Der „Tempest“ ist ein monatlich erscheinender Newsletter der Website autorenforum.de. Er besteht aus zwei Teilen, die in jeweils einer separaten Mail versendet werden. Der erste Teil ist aus redaktionellen Inhalten gebildet, die teils in wiederkehrenden Rubriken geordnet sind, teils aber auch aufgrund aktueller Geschehnisse oder „einfach so“ gebracht werden. Wenn man so möchte also eine kleine Zeitschrift für Schriftsteller. Ergänzt wird diese durch den zweiten Teil, in dem es um Publikationsmöglichkeiten, Ausschreibungen, Stipendien und alles in dieser Richtung geht. Quasi also der Kleinanzeigenteil.

Im Laufe der Jahre sind im „Tempest“ eine Menge interessanter Inhalte gebracht worden, die sich etabliert und ihre Kreise gezogen haben. Ich denke da zum Beispiel an die Artikelreihen von Hans Peter Roentgen, in denen es um Exposés und Lektorate ging. Aber es ist wirklich nur ein Beispiel von vielen und egal, welche und wie viele ich aufzählen würde, ich würde unter Garantie irgendwas vergessen, jemandem Unrecht tun.

Was mir von Anfang an am besten gefallen hat am „Tempest“ ist allerdings die Frage- und Antwort-Rubrik. Experten in verschiedenen Gebieten wie Fantasy, Drehbuch, Verlagswesen, und, und, und stell(t)en sich den Fragen der Leser und versuch(t)en, diese bestmöglich zu beantworten. Hier gab es einiges zu lernen sowohl von den Fragenden, denn viele Probleme trieben mich ja genauso um, als auch von den Experten selbst.

Nun könnte also alles bestens sein, wenn nicht die Existenz des „Tempest“ akut auf dem Spiel stehen würde.

In den letzten Jahren wurde immer wieder einmal seitens der Redaktion darauf hingewiesen, dass man auf die Spenden von Lesern angewiesen sei, um die umfangreicher werdenden Tätigkeiten, die neben der eigentlichen Brot- und Kreativarbeit anfallen, gegenfinanzieren zu können – den rein technischen und administrativen Aufwand noch gar nicht gerechnet.

Der „Tempest“ ist frei von Werbung und kostenlos. Es gibt kein Abo, es gibt keine Zugangsbeschränkungen, man kann ihn einfach auf der Website abonnieren und bekommt ihn dann jeden Monat frei Haus.

Ich habe gestern einmal nachgeschaut: Meine erste „Tempest“-Ausgabe in Mailform ist von 2003, wobei ich genau weiß, dass ich vorher immer schon im Archiv auf der Website mitgeschmökert habe, das ebenfalls barrierefrei und kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Gestern also erreichte eine dringende Mail des Teams hinter dem „Tempest“ die Abonnenten. Inhalt dieser Mail ist im Prinzip, dass man in der bisherigen Form nicht mehr lange wird weitermachen können und daher gezwungen wäre, den „Tempest“ zur Mitte des kommenden Jahres einzustellen. Und, wohlgemerkt, wir sprechen hier nur von der rein monetären Seite, denn auch redaktionell wird die Arbeit immer schwerer, weil sich mehr davon auf weniger Schultern verteilt.

Konkret gibt es eine Frist bis zum 01. März 2018. Dann wird sowohl redaktionell als auch monetär Kassensturz gemacht und danach eine Entscheidung getroffen.

Man könnte jetzt sagen, dass den Lesern hier die Pistole auf die Brust gesetzt wird, doch bitte einen „freiwilligen“ Beitrag zu leisten (wohlgemerkt: vorgeschlagen wird ein Betrag von 10 oder 15 Euro – pro Jahr!). Man könnte aber auch sagen, dass es ein Wachrütteln ist, sich doch – bitte – Gedanken zu machen, ob und was der „Tempest“ einem selbst wert ist.

Ich gebe zu, dass ich bis jetzt nicht zu den Unterstützern gezählt habe. Des Weiteren gebe ich zu, dass ich den „Tempest“ in den letzten paar Jahren, seit ich andere Wege des Austauschs und des Wissenstransfers für mich gefunden habe, auch nur noch wenig gelesen habe.

Aber: Ich halte ihn nach wie vor für eine Institution, die vor allem auch Anfängern richtig, richtig viele Informationen zu bieten hat. Nicht zuletzt durch sein umfangreiches Archiv. Und ich weiß die Arbeit, die in sowohl den redaktionellen als auch in den Rechercheanteil gesteckt wird, sehr zu schätzen. Ich selbst habe davon profitiert, mich gut informiert und, ja, auch unterhalten gefühlt. Daher sollte es den „Tempest“ auch weiterhin geben!

Also bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich letztendlich viel zu lange gezögert habe, mein geringes Scherflein beizutragen, dass diese Institution der Autorenszene im Internet fortbestehen kann. Dementsprechend habe ich meine paar Euro gestern über das entsprechende Formular auf der Website (via Paypal) überwiesen.

Dieser Artikel soll keine Aufforderung sein, es mir gleich zu tun. Den meisten von euch kann, wird und soll der Fortbestand dieses Newsletters weitgehend egal sein. Mir war es nur wichtig zu dokumentieren, dass gute Arbeit auch gute Honorierung verdient. Weil wir alle das für unsere Arbeit schließlich genauso haben möchten.

Und dass ich es den Machern hinter diesem Projekt irgendwie auch schuldig bin.

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Der Sonntagsreport vom 03.12.2017: Von Umfrageergebnissen und Selbstvertrauen

Hallo ihr Lieben!

Ich hoffe, ihr hattet einen schönen ersten Advent. Abgesehen davon, dass ich mal wieder (oder immer noch) leicht vor mich hin kränkel, kann ich mich nicht beklagen. Meine Familie und ich waren heute in Duisburg auf dem sogenannten Lichtermarkt. Dieser findet einmal im Jahr für drei Tage in der Kraftzentrale des Landschaftspark Nord statt und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es hier nicht das ewige Einerlei von

1. Würstchenbude
2. Glühweinstand
3. Strickwaren
4. Süßkram
5. Holzspielzeug
6. Würstchenbude
7. Glühweinstand
8. …

gibt, sondern dass viele originelle und auch wirklich handgemachte Artikel zum Verkauf angeboten werden. Besonders ins Auge gefallen sind mir handgedrechselte (!) Schreibutensilien, die richtig toll aussahen. Aber da ich niemanden kenne, der so ein schönes Stück gebrauchen könnte, sei es ein Kugelschreiber, ein Füller oder sonstwas, und ich selber ja nun so gar nicht gerne mit der Hand schreibe, blieben die Schönheiten am Stand.

Leider kann ich euch nicht mehr sagen, dass ihr hingehen sollt, weil der Markt für dieses Jahr nun einmal schon vorbei ist, aber vielleicht mögt ihr euch das ja für das kommende Jahr vormerken, wenn ihr in der Gegend wohnen solltet.

Dabei fällt mir wieder einmal auf, dass ich, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, gar keinen rechten Überblick habe, wo meine Leser eigentlich so beheimatet sind. Ist das wichtig? Nein, nicht unbedingt. Es wird höchstens dann wichtig, wenn ich irgendwann mal Lesungen hier in Duisburg und Umgebung veranstalten sollte und dann gezielt Leser meines Blogs dazu einladen wollte. Noch Zukunftsmusik, aber kann ja mal soweit kommen, nicht wahr?

Ihr merkt schon, ich traue mich, im Vergleich zu letzter Woche sogar in einem eklatanten Ausmaß, wieder den Blick in die Zukunft zu richten. Dazu hat es zwei Krankheitstage Anfang der Woche gebraucht, in denen sich der Körper erholte und der Kopf ein Stück weit resettete. Und es brauchte die Umfrage von Mittwoch, ob ich auf diesem Blog jammern darf oder nicht.

Leider haben nur zwölf Besucher eine Stimme abgegeben, wobei der Beitrag deutlich höhere Zugriffszahlen hatte. Ich nehme jetzt einfach mal an, dass diese Besucher alle der Ansicht sind, dass es ihnen egal ist. Mit dieser Annahme komme ich auf neun Leser, die mir eindeutig das „Recht“ zugestehen, zu jammern, wenn mir danach sein sollte, drei, denen es explizit egal ist und eben die Dunkelziffer.

Ich möchte mich bei jedem und jeder Einzelnen bedanken, der/die mir ihre/seine Meinung hier gelassen hat. Das habe ich wirklich gebraucht, mich auch hier bestärkt zu sehen. Denn das habe ich daraus gezogen: Neue Stärke und neues Selbstvertrauen, dass das, was ich hier auf meinem Blog veranstalte, so verkehrt nicht sein kann – selbst dann nicht, wenn es mir manchmal so vorkommt. Oder vielleicht gerade auch dann, wenn es mir so vorkommt.

Es hat mir aber auch gezeigt, dass gerade die Abwechslung auch mit zu dem beiträgt, was euch, meine lieben Leser, bei der Stange hält. Ich darf also am einen Tag mit meiner Existenz als Schriftsteller (oder Mensch) hadern, am nächsten Tag einen Kommentar zum literarischen Weltgeschehen abgeben und am übernächsten Tag etwas zu meinen momentanen Projekten schreiben. Wobei ich hoffe, dass das Letztgenannte jetzt bald mal wieder mehr werden wird.

Aber auch da habe ich Vertrauen. Denn wenn ich mir die Geschichte von „Mein Traum vom eigenen Buch“ so ansehe, dann kann ich konstatieren, dass es immer mal wieder die Phasen gab, in denen nichts klappte und dann die Phasen, in denen es auf einmal besser lief. Der Blog ist und bleibt mir eine Triebfeder. Und dass ich nun (wieder) an ihn herangehe und ihn ernst nehme in seiner Variabilität und in seiner Tagesaktualität, wenn man es so nennen will, kann nur hilfreich sein.

Es wird hilfreich sein!

Schließlich habe ich nach wie vor viel vor. Ich hatte es vergessen, aber es ist mir wieder eingefallen. Stellenweise fehlt mir ein wenig die Kraft, aber das geht vorbei. Und solange schreibe ich einfach weiter und bleibe am Ball. Erst dann, wenn die Worte vollständig versiegen, wäre der Traum vorbei. Noch ist er es nicht. Und er soll es auch nicht sein.

Also, dementsprechend noch einmal meinen Dank an euch!

Habt einen guten Start in die kommende Woche. Noch drei Wochen bis Weihnachten. Wollte ich nur mal so gesagt haben 😉 .

Euer Michael

Linktipp: Wege aus der Stressfalle

Heute Abend möchte ich euch mit einem schnellen, aber nichtsdestoweniger sehr guten, Linktipp versorgen. Auf der Website vom Buchreport ist ein Artikel mit dem Titel „Wege aus der Stressfalle“ erschienen, den der Organisationsberater Edgar Rodehack verfasst hat.

In diesem Artikel widmet er sich Themen rund um Stressprozesse in der Arbeitsumgebung, den Dynamiken, die diese annehmen können (und allzu oft auch tun) und was Betroffene wie auch Vorgesetzte tun können – und sollten – um dem zu begegnen.

Viele der Inhalte sind nicht neu. Wenn Menschen unter dem Einfluss von Stress erkranken, dann ist das nicht „einfach nur“ persönliche Schwäche. Wenn sie unter dem dauernden Einfluss von Stress Symptomatiken von Depressionen entwickeln (oder bereits vorhandene Symptomatiken verschlimmert werden), dann gibt es dafür Gründe. Und es gibt Lösungen. Vor allem aber gibt es Verantwortlichkeiten. Verantwortung, der nicht zuletzt Führungskräfte sich im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen stellen müssen.

Und Rodehack weist auf einen Umstand hin, der leider viel zu oft unter den Teppich gekehrt wird. Wenn in einer Abteilung, einem Team, erst einmal der Wurm drin ist, der Stress wie ein besonders giftiger Schimmelpilz wuchert, dann breitet er sich aus. Dann steckt er andere an. Nicht, weil die Betroffenen wie eine Art Typhoid Mary böswillig irgendwelche Viren verbreiten würden. Sondern weil das gesamte System erkrankt, wenn Einzelne erkrankt sind.

Wie ihr wisst, habe ich selber meine einschlägigen Erfahrungen gemacht. Deswegen habe ich an vielen Stellen des Artikels genickt, an anderen den Kopf geschüttelt, weil ich mich an eben diese Erfahrungen erinnert habe. Und ich kann die Schlussforderung des Artikels nur dick unterschreiben:

Sind Sie, Ihr Team, Ihre Abteilung oder gar Ihre Firma also gestresst? Dann gehen Sie das Problem sofort an!

Alles andere hilft nämlich nicht und ist nur Augenwischerei.

Den kompletten Artikel findet ihr hier.

Meldung und Meinung: Amazon Publishing kommt in den stationären Buchhandel

Gerade tobt mal wieder der Sturm im Wasserglas und wie immer dann, wenn der Großhändler Amazon beteiligt ist, tobt er besonders heftig. Mindestens mit Windstärke acht, würde ich schätzen.

Was ist passiert? Der ebenso geschichtsträchtige wie am Markt etablierte Barsortimenter KNV hat angekündigt, die Titel des Amazon-eigenen Verlagsprogramms Amazon Publishing in sein Sortiment aufzunehmen. Das bedeutet, kurz gesagt, das ab diesem Zeitpunkt jede Buchhandlung in der Lage sein wird, entweder auf eigene Veranlassung Bücher dieses Verlags ins Schaufenster zu legen, oder sie zumindest auf Kundenwunsch hin zu bestellen.

Nun sind diejenigen unter den Buchhändlern nicht weit, die bereits den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören. Da ist davon die Rede, dass KNV damit den Ast absäge, auf dem die Branche sitzt. Es wird geunkt, dass Amazon auf diese Weise den kompletten Markt des Selfpublishing übernehme und damit der Tolino-Allianz den Hahn zudreht. Einen guten Überblick über Reaktionen hat das Börsenblatt.

Meine Meinung dazu, die ich natürlich nicht exklusiv habe, wie auch einige Reaktionen auf den genannten Artikel zeigen, lautet, dass hier anscheinend mehrere Dinge in einen Topf geworfen werden.

Amazon Publishing ist – und das bleibt so, bis jemand das diabolische Gegenteil beweist – erst einmal ein Verlag wie jeder andere auch. Es gibt ein Lektorat, es gibt mehrere Imprints, es gibt Qualitätsstandards und es gibt Autoren, die angenommen oder eben auch abgelehnt werden. Alleine deswegen ist es schon unsinnig, diesen Verlag mit dem breiten Angebot der Selfpublisher in einen Sack zu stecken, denn auf diesem Gebiet kann nach wie vor jeder das veröffentlichen, wonach ihm gerade der Sinn steht. Das unterscheidet allerdings die Plattform Kindle nicht von der Plattform Tolino.

Man erinnere sich an frühere Zeiten, so ungefähr vor fünfzehn, vielleicht auch mehr Jahren, als das Unternehmen BoD praktisch das Monopol auf Selfpublishing-Titel hatte (die damals noch keiner so nannte). Durch die Anbindung an die Mutter libri konnte BoD damals auch in alle Buchhandlungen geliefert werden, wenn sich denn ein Buchhändler dazu herabließ, den Kram von Amateuren zu bestellen. Ein hinkender Vergleich? Mag sein, aber ein Vergleich bleibt es.

Kehren wir zurück zu Amazon und den Buchhändlern. Ich verstehe nicht, worin für einen Buchhändler der Unterschied besteht, einen Titel z.B. bei Bastei Lübbe, bei einem Kleinverlag wie meinetwegen Scylla oder eben bei Amazon zu bestellen. Alle verlegten Titel haben, Preisbindung sei Dank, für alle die gleichen Konditionen. Egal, ob bei Amazon bestellt, oder bei Thalia aus dem Geschäft getragen. Und man muss schon ein ziemlich großer Verschwörungstheoretiker sein, um zu glauben, dass diese Kooperation mit Amazon Publishing der erste Schritt sei, um das ganze System auszuhebeln, nach dem der Buchhandel in diesem Land funktioniert. Wie soll das auch gehen? Welches Druckmittel sollte Amazon haben? Bestellt wird doch eh über die Sortimente und nicht bei Amazon. Gerade bei denen ja eben nicht.

Und, man kann es nicht oft genug betonen, wir sprechen hier von Amazon, dem Verlag und nicht von Amazon, der Verkaufsplattform!

Ich könnte es, vielleicht, noch verstehen, wenn die Verlage sich jetzt Sorgen zu machen beginnen. Weil man davon ausgehen könnte, dass Amazon ein größeres Potenzial mitbringt, neue Titel in den Markt zu drücken und Leser für eigene Autoren zu gewinnen. Aber das ist der Markt, mit dem Verlage schon seit Jahrhunderten zu tun haben und, mal ehrlich, am Ende reguliert der Markt sich von selbst. Auch Amazon wird nicht jeden daher gelaufenen Autor nehmen, weil dann nämlich die Marke schnell am Ende wäre. Und so wird aus Amazon Publishing ein Player wie jeder andere. Sicher größer als manch anderer, aber ein ganz normaler Mitspieler.

Ich bin gespannt, welche Formen dieser Sturm im Wasserglas noch annehmen wird und ob der stationäre Buchhandel es wirklich durchzieht, Kunden abzuweisen, die auf die Idee kommen, Bücher von Amazon Publishing im Laden erwerben zu wollen. Denn denen wird man den Unterschied zwischen Bastei, Scylla oder Amazon sicherlich noch weniger erklären können als mir. Und übrig bleibt dann ein Kunde, der nicht bekommen hat, was er haben wollte – und als Reaktion dann eben gleich bei dem Unternehmen bestellt, das denselben Namen hat wie der Verlag.

Darf auf diesem Blog „gejammert“ werden?

Liebe Blogbesucher,
liebe Follower,
liebe Freunde.

Wie in den letzten Wochen unschwer mitzuverfolgen war, kämpfe ich im Augenblick mal wieder mit dem einen oder anderen Problem. Diese haben nicht alle mit dem Schreiben zu tun. Genau genommen haben sie sogar nur sehr am Rande mit dem Schreiben zu tun. Da wären dann Dinge aufzuzählen wie eine Arbeitssituation, mit der ich nur so teilweise zufrieden bin, ebenso wie eine gewisse Küche, mit der ich nur so teilweise zufrieden bin und die uns nach wie vor in Atem hält, sowie noch das eine oder andere mehr.

Aber wie und was dem auch sei, es beeinflusst und beeinträchtigt natürlich meine Motivation und, wenn man so will, auch meine Befähigung, zum Schreiben. Das bekommt ja auch dieser Blog hier immer wieder zu spüren. Die liebe Frau Traumenit hat es in einem Kommentar diplomatisch genannt, dass ich mit meinem Blog hadere. Ich greife zum plakativeren: Manchmal jammere ich hier (gefühlt) herum.

Vielleicht auf hohem Niveau, das will ich gar nicht abstreiten. Und wenn ich auch nicht viel von Vergleichen auf der Basis von „mir geht es besser als dir, weil …“ oder „du hast weniger Recht, dich mies zu fühlen, denn …“ halte, so muss ich natürlich den Gegebenheiten ins Auge sehen, dass es sicherlich Menschen da draußen gibt, die gerne die Probleme hätten, die ich habe.

Allein, die jeweilige Toleranz Problemen und ihren Auswirkungen gegenüber ist individuell verschieden und damit von Natur aus weder verhandelbar noch zu vergleichen.

Halten wir also fest: Manchmal jammere ich hier herum, weil ich in diesen Momenten das Bedürfnis habe, zu jammern. Sei es, weil mal wieder an der Schreibfront nichts funktioniert, oder weil meine Motivation im Keller ist, oder was auch immer.

So – und jetzt kommen wir zu meinem heutigen Anliegen an euch. Ich würde nämlich gerne wissen, ob es für euch „okay“ ist, wenn ich hin und wieder jammere.

Ja, ich weiß, mein Blog, meine Regeln, mein Ding. Aber es ist nun einmal so, dass ich mich zu einem gewissen Grad auch als „Dienstleister“ meinen Lesern gegenüber verstehe. Das ist dann die Pflicht, die immer wieder als Empfindung hochsteigt und, wie ich weiß, auch von anderen Bloggern so gesehen wird. Und deswegen wüsste ich ganz gerne, ob ich Gefahr laufe, auch noch den letzten meiner Leser zu verlieren, wenn ich mich nicht ein wenig am Riemen reiße.

Dabei ist es an und für sich fast schon ein wenig schizophren: Ich scheine durch diese „Art“ der Beiträge auf einmal eine ganz neue Zielgruppe von Lesern zu erschließen, wenn ich danach gehe, wie viele neue Follower ich nach ihnen bekomme. Dafür sehe ich, dass manche altgedienten Kommentatoren zunehmend still geworden sind.

Ich tue mich auch schwer damit, die richtige Balance zu finden und dabei nicht unauthentisch zu wirken, wenn ich etwa an einem Tag mein Leid klage und am nächsten irgendeinen Artikel aus dem Web kommentiere. Deswegen verrottet der eine oder andere Beitrag langsam vor sich hin, weil irgendwie nie der richtige Zeitpunkt zu sein scheint, ihn zu schreiben und zu veröffentlichen.

Lange Rede, wie meine beste Freundin sagen würde. Jedenfalls möchte ich heute kurz und schmerzlos (ha, ha) von euch wissen: Darf hier, auf diesem Blog, gejammert werden?

Kommentare über die Abstimmung hinaus sind gerne gesehen, aber kein Muss. Ich denke, das wisst ihr auch.

Über zahlreiche Beteiligung würde ich mich jedenfalls freuen, weil ich mit dieser kleinen Frage tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes hadere!

Vielen Dank daher im Voraus,

euer Michael

Der Sonntagsreport vom 26.11.2017: Irgendwie doch immer dasselbe

Hallo ihr Lieben!

Ich muss gestehen, dass ich inzwischen nahe an der Selbstzensur bin. Denn ich kann es ja selber nicht mehr lesen, wenn hier wieder steht, dass eine Woche lang kaum etwas nennenswertes passiert ist, weil da entweder die Zeit oder die Kraft oder beides nicht für gereicht hat. Ist doch irgendwie immer dasselbe. Will doch keiner mehr lesen – am wenigsten ich.

Aber!

Aber dann fällt mir wieder ein, dass es einen ganz basalen Grund dafür gibt, dass es diesen Blog gibt. Und der ist, dass ich mich mit seiner Hilfe (und natürlich vor allem auch EURER Hilfe) neu motiviere, wenn die Motivation gelitten hat und immer noch leidet. Wenn die Kraft fehlt.

Heute war ein gutes Beispiel dafür. Ohne, dass es einen besonderen Grund gegeben hätte, habe ich heute Vormittag ziemlich lange geschlafen. Gut, ein Grund war natürlich, dass der Rest der Familie dieses lange Ausschlafen ermöglicht hat 😉 .

Aber nach dem Frühstück habe ich mich dann erst einmal wieder eine Stunde aufs Ohr gelegt. Richtig geschlafen habe ich nicht, aber ich war irgendwie nicht auf dem Damm. Dann Aufstehen zur Mittagsstunde, um die Frau zur Arbeit zu verabschieden und drei Stunden lang versuchen, ein wenig geregelt zu bekommen.

Um drei Uhr ein Treffen mit der großen Tochter, um Vokabeln abzuhören. Im Anschluss einmal über die Unterlagen des Lektorats schauen, die mir inzwischen zugegangen sind und bei denen ich noch nicht weiß, wie ich auf einige Änderungsvorschläge/-wünsche reagiere, weswegen ich mir hier noch Gedanken machen muss.

Einfach mal auf der Couch sitzen bleiben für die kommenden zwei Stunden, die meiste Zeit mit geschlossenen Augen. Nicht schlafen, sondern einfach sitzen und versuchen, irgendwie wieder bei zu kommen.

Ich habe keine Ahnung, was da wieder los ist. Vielleicht ist das Jahr gefühlt einfach schon zu lang. Vielleicht setzt die Jahresendzeitstimmung langsam ein. Herüber gerettet aus einer Zeit, in der man noch glaubte, dass der erste Januar wirklich ein neuer Beginn wäre und nicht nur der gleiche Mist mit einer anderen Jahreszahl am Ende.

Vielleicht ist es einfach deswegen auch immer dasselbe und damit langsam langweilig, weil sich diese Erkenntnisse langsam durchsetzen. Langsam durchsetzen müssen. Schließlich bin ich ja kein Fantast – auch wenn ich manchmal fantastische Geschichten schreibe.

Wo, wenn nicht hier, kann ich einfach mal so drauflos schreiben. In welchen, wenn nicht in den Artikeln zum Sonntagsreport.

Nun sprach ich davon, dass ich Motivation und Kraft wiedergewinnen will. Und dafür muss ich dran bleiben! Darf nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Wenn ihr mich heute Nachmittag gefragt hättet, dann hätte ich gesagt, dass ich vielleicht einfach mal ein „vorübergehend geschlossen“-Schild an den Blog hängen sollte. Ein Teil von mir denkt das immer noch. Dass das Ding mir vielleicht nicht ganz so sehr hilft, wie ich es glaube, sondern eine zusätzliche Belastung darstellt.

Aber wie dem auch immer sei: Die Entscheidung fällt nicht jetzt und sie fällt nicht hier. Hier und jetzt schreibe ich gleich den letzten Satz für diesen Tag, bevor ich mich auf eine neue Woche da draußen vorbereite. Eine Woche, in der ich mich mit meiner Lektorin kurzschließen möchte. Eine Woche, die mehr als dieses Gejammer im Blog sehen soll. Eine Woche, die mich wieder ein wenig mehr ich selbst sein lässt.

Ohne zu wissen, woran es diesmal eigentlich wieder gelegen hat oder noch liegt. Was aber auch egal ist, denn irgendwie geht es immer weiter. Egal, ob es das Jahresende ist, der Jahresanfang oder irgendwas dazwischen.

Es wird immer weitergehen. Und irgendwann ist es auch nicht mehr nur dasselbe.

Es tut gut, euch dabei zu haben!

Euer Michael

Von Personenlisten in Romanen am Beispiel Stephen King

Ich habe euch ja noch gar nicht erzählt, dass ich mich im Moment durch den neuen Roman von Stephen King kämpfe, den er zusammen mit seinem Sohn Owen geschrieben hat. Dieser heißt „Sleeping Beauties“ und es geht um eine rätselhafte Schlafkrankheit, die sich zeitgleich auf der ganzen Welt ausbreitet, dabei allerdings nur Frauen befällt und dafür sorgt, dass diese sich selbst in eine Art Gespinst einweben. Wer dieses Gespinst durchbricht, hat schlechte Karten, denn dann verhalten die so Aufgeweckten sich ungefähr so kooperativ wie einer der „Beißer“ aus der Fernsehserie „The Walking Dead“ und es kann schon mal dazu kommen, dass der Mann, der so unvorsichtig war, eines Teils seiner Nase verlustig geht.

Ja, ihr habt richtig gelesen, ich kämpfe mich ein wenig hindurch, denn ich muss gestehen, dass der Roman mich bislang noch nicht so packen konnte, wie ich es mir eigentlich von jedem neuen „King“ erhoffe. Dabei sind die Zutaten eigentlich recht gut, wenn auch stellenweise eine Variation bereits bekannter Muster, einmal gut durchgemischt und mit einem Spritzer Zitrone versehen.

Vielleicht liegt es auch an dem Anteil von Owen King, dass ich diesmal nicht so mitgerissen bin wie bei vielen anderen Büchern des Autors. Die Übersetzung macht es unmöglich, genau den Finger darauf zu legen, wo Stephen aufhört und wo Owen anfängt. Falls man es im Original überhaupt kann. Die Kunst des Miteinanderschreibens besteht ja gerade darin, dass man keinen Bruch zwischen den beiden Erzählerstimmen bemerkt.

Von „Sleeping Beauties“ möchte ich euch aber in diesem ersten Schritt nur so am Rande erzählen, denn ich habe den Roman ja erst zu ungefähr einem Drittel gelesen.

Vielmehr geht es mir darum, von einer Besonderheit zu berichten, die man in nicht allzu vielen Romanen vorfindet. Und zwar geht es dabei um eine dem eigentlichen Geschehen vorangestellte Liste mit allen im Roman auftauchenden Personen:

Ich muss gestehen, dass ich nicht richtig wusste, was ich mit dieser Liste anfangen sollte, als ich ihrer angesichtig wurde. Und das liegt daran, dass ich keine Ahnung habe, was die Autoren glauben, was ich damit anfangen soll.

Es gibt ein Genre, in dem gerne mit Personenlisten gearbeitet wurde (ob das noch so ist kann ich aufgrund mangelnder aktueller Einsicht nicht sagen). Das ist der Heftroman. Gerade in fortlaufenden Serien, die teils Handlungsstränge über viele Romane hinweg entwickeln, fand sich früher ein Kasten zu Beginn des Romans, in dem auf die Hauptpersonen der folgenden rund 64 Seiten hingewiesen wurde. Aber diese wurden, zumindest in meiner Erinnerung, nicht einfach nur in Listenform heruntergeschrieben, sondern es stand auch noch kurz etwas zu ihrer Rolle im folgenden Geschehen, so dass man sie bereits vor dem Lesen ein wenig einordnen konnte. Das prominenteste Beispiel, das mir einfällt, ist die Serie „Perry Rhodan“.

Diese Art der Personenlistung habe ich durchaus als hilfreich empfunden, denn so wusste ich, auf wen ich beim Lesen mein Augenmerk legen konnte. Ja, es ist eine einfache Form des Selbstbetrugs wenn man so will, dass man von vornherein die Hauptfiguren stärker für sich ins Gewicht nehmen kann als die Nebenfiguren.

Andererseits machen wir das in fast allen Bereichen, bei denen wir es mit Ensembles zu tun haben, doch auch so. Der Film und das Theater verraten uns schon auf den Plakaten, auf wen wir besonders achten sollen. Bei Konzerten mit klassischer Musik heißt es nicht nur, wer da jetzt gerade spielt, sondern vor allem, was, also welcher Künstler mit welchen Stücken, gespielt wird.

Nein, eine Liste mit Informationen zu den Hauptpersonen finde ich, rein vom Prinzip, gar nicht schlecht, auch wenn ich bisher noch nie so gearbeitet habe – es aber zumindest für meine eigene Science-Fiction-Serie durchaus in Erwägung zog.

Aber was soll ich mit der über mehrere Seiten gehenden Liste im King-Buch anfangen? Sie bietet keine Informationen darüber, wer im kommenden Handlungsverlauf wichtig ist. So wird etwa der als erstes genannte Meth-Koch gleich zu Beginn des Romans ermordet. Bis dahin hatte man kaum Gelegenheit, sich an seinen Namen zu gewöhnen.

Ich verstehe es einfach nicht. Soll ich vielleicht einen Stift nehmen und jeden Namen abhaken, der mir im Roman begegnet ist? Ich gebe nämlich zu, dass mir ein solcher Gedanke durchaus schon gekommen ist, auch wenn er, das weiß ich selbst, albern ist.

Aber vielleicht kann mir jemand von euch einen Tipp geben, wofür die Liste gut sein könnte. Würdet ihr euch vielleicht sogar wünschen, dass so etwas häufiger in Romanen zu finden ist? Das würde mich wirklich interessieren, denn dann könnte ich ja überlegen, etwas ähnliches bei meinen eigenen Geschichten zu unternehmen.

Dann aber bitte mit kurzer Erläuterung zur Person und nicht „nur“ als reine Liste. Denn die finde ich eher uninformativ. Aber, hey: überzeugt mich! 🙂