Was ich 2018 noch zu sagen hätte

Hallo ihr Lieben!

Lange habe ich diesen Beitrag vor mir her geschoben. Vielleicht zu lange. Ich weiß es nicht. Und genau das ist der Grund, aus dem der Beitrag nicht gekommen ist. Weil ich nicht wusste, was ich schreiben soll, wie ich es schreiben soll – und warum ich es schreiben soll.

Nun, zunächst hatte ich gute gesundheitliche Gründe, die ich vorschützen konnte. Sie waren auch zutreffend, das nur nebenbei. Schreiben am Tablet ist einfach das Letzte. Ich bewundere Menschen, die in der Lage sind, am Smartphone ganze Briefe zu verfassen. Ich kann das nicht, werde das in diesem Leben wohl auch nicht mehr lernen. Dazu habe ich aber auch beschlossen, dass ich das gar nicht brauche.

Nun ist aber meine PC-Tastatur seit einem guten Monat etwa gut für mich erreichbar und dennoch habe ich nicht geschrieben. Und da greifen dann voll die oben genannten Gründe, oder nennen wir sie Zweifel. Ich wusste einfach nicht, wo ich gerade stand, was ich da mache und wo ich von dort aus hingehen soll. Und ehrlich gesagt weiß ich es immer noch nicht hundertprozentig.

Aber kommen wir zuerst zum Thema Gesundheit, weil ich euch da noch den weiteren Verlauf schuldig bin. Danach möchte ich noch ein paar Worte zum Thema Schreiben und diesem Blog sagen. Dazu mehr nach der entsprechenden Überschrift (für die, die sich das nicht geben wollen).

Wie es mir gesundheitlich geht

Zuerst das Wichtigste: Mein Fuß ist deutlich auf dem Weg der Besserung, aber er ist noch nicht wieder völlig in Ordnung. Nachdem ich zuletzt geschrieben habe, ist noch eine lange Zeit vergangen, in der ich in der Hauptsache auf unserer Couch gelegen habe. In dieser Phase habe ich verstanden, wie Menschen es hinkriegen, bis zu acht Folgen (und mehr) einer Fernsehserie an einem Tag zu sehen. Es lässt den Tag einfach gemütlich an einem vorbei strömen, man ist beschäftigt, ohne sich wirklich mit etwas beschäftigen zu müssen.

Auf diese Weise habe ich seit Oktober die komplette Serie „Star Trek: Deep Space Nine“ nachgeholt, die ich vorher nur in Ausschnitten kannte. Dazu mit Sicherheit noch mindestens zehn andere Staffeln verschiedener Serien. Eigentlich eher fünfzehn bis zwanzig.

Die viele Ruhe hat allerdings dazu geführt, dass wirklich (fast) alles gut verheilt ist. Das Sprunggelenk und alles drumherum ist wieder komplett zusammen gewachsen. Noch etwas steif und zickig, wenn ich lange gesessen oder herumgelaufen bin, aber aus chirurgischer Sicht okay. Was noch besteht ist der Bruch am oberen Wadenbein. Der hat noch gar keine Anstalten gemacht, verheilen zu wollen. Das ist aber kein Problem, solange mir da keiner dagegen tritt, weil auf dem Bereich keine (große) Belastung liegt.

Inzwischen schaffe ich es, ungefähr drei Stunden am Stück an meinem PC zu sitzen, ohne dass nachher mein Fuß explodiert. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber vorigem Monat. Und nicht ganz unwichtig, schließlich besteht auch mein Job aus Schreibtischarbeit.

Ich hoffe, in der zweiten Januarwoche wieder stufenweise einsteigen zu können. Eigentlich wollte ich das schon mit meiner Hausärztin besprochen haben, aber es gab einen kleinen Rückschlag. Für meinen Weg zur Arbeit und zurück bin ich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Mal davon abgesehen, dass ich im Moment noch nicht wieder ans Steuer eines Wagens gehen würde, solange der Fuß noch nicht bei voller Reaktionsfähigkeit ist.

Als ich aber letzte Woche Freitag versuchte, mit dem Bus zu fahren, und leider beim Anfahren noch nicht saß, gab es einen kleinen Ruck im Fußgelenk und ich hatte sofort starke Schmerzen. Keine Ahnung, ob da wieder eines der Bänder angerissen ist, oder so. Jedenfalls lag ich danach drei Tage lang wieder fast komplett flach und konnte mich nur mit den verdammten Krücken fortbewegen – die ich ansonsten nur noch auf der Treppe brauche.

Also sprechen wir erst am 03.01. wieder über das Thema Arbeit. Und wenn es dann immer noch nicht geht, dann muss ich das akzeptieren. Ob meine Chefin das auch tut, muss man dann sehen. Schließlich haben wir im ersten Quartal Großkampfzeit im Job. Aber was nicht geht, das geht nicht. Schade fände ich es trotzdem. Denn es war sehr frustrierend, wieder so zurückgeworfen zu werden.

Jedenfalls bin ich, als mir die Stellschraube herausgedreht wurde, fast sofort in der Lage gewesen, meinen Fuß voll zu belasten. Was bei meinem Kampfgewicht schon etwas überraschend war. Und inzwischen ist auch die Wunde, die durch den von innen gegen die Haut drückenden Knochen nach dem Bruch verursacht wurde, geschlossen und dabei, abzuheilen. Hat ja auch nur acht Wochen gedauert …

Ich hoffe, dass ich die Feiertage gut überstehe. Vorher haben wir noch einen Geburtstag bei uns, zu dem wir morgen Gäste erwarten. Und da kann ich mich schlecht auf die Couch legen. Oder bei den Vorbereitungen aussetzen. Ich habe in den letzten Monaten meiner Familie ohnehin schon viel Arbeit aufgehalst. Aber es wird dennoch eine echte Belastungsprobe werden. Mal sehen, ob ich danach Schwierigkeiten haben werde. Drückt mir gerne die Daumen!

Ja, das ist, glaube ich, das Wesentliche, was ich zu meiner körperlichen Gesundheit sagen kann. Der Schwindel, der ja erst zum Unfall geführt hat, tritt nur noch vereinzelt auf, wenn ich zu schnell aufstehe. Körperliche Ursachen hat er nicht – sofern nicht das Ergebnis meines Langzeit-EKG und -Blutdrucks noch was anderes sagt, das der Kardiologe in der Klinik auch nach zwei Monaten (!) noch nicht zugestellt hat.

Die Medikamente, die wir als Verursacher im Auge haben, haben wir fast problemlos auf weniger als die halbe Stärke reduziert. Damit hätte ich auch nicht gerechnet. Manchmal braucht es scheinbar einen wichtigen Grund, der einem keine andere Wahl lässt.

Wie es meinem Schreiben geht

Das führt mich übergangslos zu dem anderen Thema, das euch als Leser dieses Blogs sicherlich interessiert. Denn auch da hat es einen wichtigen Grund gebraucht, der mir keine andere Wahl gelassen hat, um einzusehen oder mir einzugestehen, dass es in diesem Jahr einfach keinen Sinn mehr hat, mich an die Schreibmaschine zu quälen.

2018 war ein Katastrophenjahr. Ich habe das ja verschiedentlich anklingen lassen. Es gab finanzielle Herausforderungen, es gab gesundheitliche Herausforderungen. Ich habe meinen Verlagsvertrag verloren, was bei aller Folgerichtigkeit und Übereinstimmung in der Entscheidung ein heftiger Schlag war. Es ist zu Umwälzungen in meinem persönlichen (Autoren-)Umfeld gekommen. Ich habe mich in Dinge involviert, die mir im Nachhinein betrachtet nicht gut getan haben.

Und immer habe ich versucht, das einfach zu überspielen und weiter zu machen. Weil man das als „guter“ Autor doch nun einmal so macht, nicht wahr? Man schreibt einfach immer weiter, weil es wichtig ist, die Routine einzuhalten. Weil man das Garn spinnen muss, solange es noch nicht zu dünn geworden ist. Und weil man ja auch eine Verpflichtung gegenüber seinen Lesern hat oder denen, die man zu seinen Lesern zählt.

Streng genommen hat man eine ganze Menge Verpflichtungen. Oder macht sie zu seinen. Bildet sich ein, dass man sie hat. Ihr kennt mich und meine Anforderungen, die ich in dieser Hinsicht an mich selber stelle, gestellt habe und vielleicht auch wieder stellen werde. In Abwandlung eines alten Kraftwerk-Texts: Es muss immer weitergehn, Worte als Träger von Ideen.

Ja, ich habe mir früher im Jahr eine Auszeit verordnet. Aber egal, was ich in diesem Zusammenhang behauptet oder gesagt habe, ich hatte im Hinterkopf immer die Verpflichtung stehen. Das schlechte Gewissen.

Der Unfall nun hat mich dazu gebracht, dass ich nicht anders konnte, als jeden Gedanken an das alles zur Seite zu fegen. Was nicht ging, das ging nicht. Da half kein schlechtes Gewissen, kein Pflichtgefühl und auch keine Wut. Nicht einmal Tränen.

Und in dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich sehr gut auch ohne das alles leben kann. Als der schlimmste Phantomschmerz erst einmal überwunden war, hatte ich die Möglichkeit, darüber zu reflektieren, ob ich das, was ich bisher getan habe, so eigentlich wirklich will. Und falls nicht, was ich denn sonst will.

Die Welt hat nicht aufgehört, sich zu drehen, nur weil ich nicht geschrieben habe. Ich habe alle diese offenen Fäden vor mir liegen, von mittlerweile vier oder mehr Romanen, die ich bis zu einem gewissen Punkt getrieben und dann fallen gelassen habe. Und zum ersten Mal seit langer Zeit kann ich darauf schauen und kann es ohne Bitterkeit, ohne Angst, ohne Scham tun.

Damit nähere ich mich einem Gefühl für das Schreiben an, wie ich es zuletzt etwa 2013 gespürt habe. Ich habe geschrieben, weil die Geschichten heraus wollten. Nicht, weil ich jemandem etwas beweisen wollte. Nicht, weil ich sie unbedingt veröffentlichen wollte. Nicht, weil ich keine andere Wahl gehabt hätte.

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich habe immer noch den für diesen Blog titelgebenden Traum vom eigenen Buch. Aber ich habe erkannt, dass ich vielleicht, nur vielleicht, an manchen Punkten meines Schriftstellerlebens zu sehr gewollt habe. Zu sehr gedrängt. Und dass dann, wenn nichts dabei herauskam, der Sturz sehr tief war. Der Sturz in ein Loch, aus dem heraus zu klettern mit jedem Fallen schwieriger wurde. Und in diesem Jahr bin ich verdammt oft gefallen.

So sollte es aber nicht sein! Schreiben sollte nichts sein, was man tut, nur weil man glaubt, es jemandem schuldig zu sein. Ein kluger Spruch heißt, dass alles zu dem kommt, der warten kann. Keine Ahnung, ob das so ist. Aber wenn ich mir ansehe, wie ich damals zu meinem in diesem Jahr geplatzten Verlagsvertrag kam, dann war das mehr oder weniger ein Zufall. Nichts, was ich forciert hätte.

Ob mir so etwas noch einmal passieren wird, kann ich nicht vorhersagen. Aber ich kann es auch nicht erzwingen. Oder besser: Ich will es nicht erzwingen.

Was soll das nun bedeuten?

Das ist die Frage, nicht wahr? Und wenn ich ganz aufrichtig bin, dann kann ich nicht abschließend sagen, wie sie zu beantworten ist.

Rein organisatorisch habe ich mir vorgenommen, das Jahr 2018 verstreichen zu lassen und in diesem verfluchten Seuchenjahr nicht mehr zu versuchen, noch etwas zu schreiben. Das steht fest.

Wie es in 2019 weiter geht, ob ich am ersten Januar an diese Tastatur zurückkehre und dann alles anders und besser wird, das kann ich nicht prognostizieren. Aber so richtig wahrscheinlich ist es nicht. Schwierig wird es werden, wenn ich wieder arbeiten gehe. Denn dann werde ich wohl erst einmal wieder viel mit meinem geschwollenen Fuß zu tun haben und das wird mir wenig Raum für privates Schreiben geben. Schlimmstenfalls wird es noch einige Wochen dauern.

Was ich aber sagen kann: Ich merke beim Schreiben dieses Eintrags, dass ich das Bloggen immer noch auf eine seltsame Art und Weise mag. Es war damals der Antrieb für mich, mich mit meinem Schreiben zu „professionalisieren“. Und vielleicht kann es das wieder sein. Deswegen ist der erste Schritt, dass ich versuchen werde, wieder regelmäßiger hier zu schreiben. Ohne mir Druck zu machen. Ich freue mich über jeden, den meine Gedanken und meine Geschichte interessieren. Aber wenn ich wieder für mich alleine schreiben muss, dann werde ich es wahrscheinlich tun.

Und ich kann sagen, dass ich immer noch das Gefühl habe, die eine oder andere gute Geschichte in mir zu tragen. Geschichten, die ich erzählen möchte. Und wenn es irgendwann darauf hinausläuft, dass ich sie in Fortsetzungen hier auf dem Blog veröffentliche, dann ist das eben so. Und wenn ich zu dieser Entscheidung komme, dann wird sie gut so sein.

Und entschuldigt bitte, dass ich so viele Sätze mit „und“ beginne 😉 .

Zum ersten Mal seit langem habe ich das Gefühl, dass die Zukunft wirklich offen ist. Das ist ein gutes Gefühl. Trotz aller Unsicherheit und aller sich immer mal wieder einschleichenden Zweifel.

2019 kann nur besser werden, als 2018 war. Und dann ist alles möglich. Irgendwie, irgendwann.

Was ich 2018 noch zu sagen hätte

Damit bleibt mir, nach fast 2.000 Wörtern, nur noch, euch, euren Familien, euren Liebsten, und allen Menschen, die euch wichtig sind, ein besinnliches und schönes Weihnachtsfest zu wünschen. Lasst euch beschenken und beschenkt andere. Damit meine ich nicht das Materielle. Wir alle haben so viel mehr zu geben als Päckchen.

Wobei ich, wie wohl jeder, auch ein schönes Weihnachtspäckchen zu schätzen weiß 😉 .

Und, falls wir uns nicht mehr lesen sollten, wünsche ich euch einen guten Übergang nach 2019. Wenn 2018 zu euch so ein Arsch war, wie zu mir, dann hoffe ich, dass 2019 für uns alle besser wird. Wenn 2018 gut zu euch war, dann soll eure Glückssträhne anhalten. Und wenn ihr glaubt, dass es nicht mehr besser werden kann, dann soll 2019 den Gegenbeweis antreten.

Ich hoffe, euch alle irgendwie und irgendwo, irgendwann und aus irgendeinem Grund, hier oder anderswo wiederzusehen. Nicht, weil wir es müssen oder denken, es zu müssen. Sondern, weil wir es wollen.

Ich danke euch für eure Geduld, eure Aufmerksamkeit und euer Hier-Sein. Macht es alle gut!

Euer Michael