AWDML (11) Wie ich selbst einmal ein Hörspiel schrieb

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Kommen wir noch einmal auf das Thema Hörspiele zurück, mit dem wir uns ja gerade erst beschäftigt hatten. Wie ich euch ja schon berichtete, füllte das Thema so rund um die Jahrtausendwende ein Großteil meiner Zeit aus.

Aber schon früher, weit, weit früher, beschäftigte ich mich damit. Und das sogar in der Art und Weise, dass ich selber Hörspiele schrieb.

Wie sollte es auch anders sein, schließlich waren die Geschichten vom Band oder von der runden Scheibe für mich ein beinahe ebenso großer Einfluss, wie es gedruckte Bücher waren. In Hinblick auf meine Liebe für manche Genres wahrscheinlich sogar ein größerer. So hörte ich, lange bevor ich sie las oder einen der Filme sah, die Geschichte des Grafen Dracula. Buchreihen wie die der „Fünf Freunde“, die als Jugendbuch sehr erfolgreich waren, gab es für mich nur in Form ihrer Hörspielumsetzung. Und auch meine Affinität zum gepflegten Trash wurde sicherlich durch Hörspiele wie die zu den Groschenromanserien „John Sinclair“, „Larry Brent“ oder „Macabros“ mitgeprägt.

Da lag es nahe, dass irgendwann der Wunsch aufkam, so etwas auch selbst zu machen. Und weil sich damals in einem durchschnittlichen Kinderzimmer immer ein Kassettenrecorder mit Aufnahmefunktion fand (sucht den mal in den Zimmern von heute) und auch die eine oder andere Leer-MC aufgetrieben werden konnte, war es gar kein Problem, sich seine eigenen Geschichten auf Band aufzuzeichnen.

Einen sehr großen Einfluss hatte damals die Toyline „Masters of the Universe“ auf meinen besten Freund aus Jugendtagen und mich. Eigentlich nicht mehr als testosterongeschwängerte Fantasy-Ausgaben der Barbie-Puppe, waren sie doch hinreichend beeindruckend in ihrer Formen- und Farbenvielfalt, dass uns die ganzen Diskussionen, die in der Welt der Erwachsenen über „Monster im Kinderzimmer“ geführt wurden, absolut egal waren.

Meine Eltern waren, was dieses Thema anging, zum Glück ausnehmend entspannt. Und so konnte ich bald auf einen großen Fundus an Masters-Figuren zurückgreifen, die alle ihren eigenen Charakter, ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Abenteuer versprachen.

Diese Versprechungen wurden genährt durch die Abenteuer, die es in Kassettenform vom damals wie heute omnipräsenten Hörspiellabel Europa gab. Insgesamt 37 Folgen erschienen damals und regten die Phantasie selbst dann an, wenn erkennbar war, dass der jeweilige Inhalt der Geschichte mehr als alles andere dazu dienen sollte, das zugehörige Spielzeug zu verkaufen.

Aber nichtsdestotrotz waren die Hörspiele absolut professionell gemacht und warteten mit Sprechern auf, die man schon damals zur Topriege ihrer Zunft rechnen durfte. Die Hauptrollen wurden etwa von Norbert Langer und Peter Pasetti gesprochen, die man damals vor allem als Synchronsprecher und als Schauspieler kannte.

Nun gut, lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann kamen wir auf die Idee, selber Masters-Hörspiele zu machen. Die meisten dieser Kurzfolgen entstanden vollkommen spontan und ohne „Drehbuch“. Aber ich kann mich erinnern, mindestens in einem Fall auch ein Script geschrieben zu haben, das allerdings nicht wirklich mehr war als ein Sammelsurium zusammengeklauter Szenen aus der Hörspielserie.

Erst einige Jahre später, als ich ernsthaft zu schreiben begann, sollte das Thema Hörspiel für mich wieder wichtig werden.

Ich habe 1987 damit begonnen, meinen Romanerstling „Silverstar: Angst im Perseus-Spiralnebel“ zu schreiben. Abgeschlossen habe ich ihn 1993. In der Zwischenzeit habe ich nicht etwa immer wieder ewig lange Pausen eingeschoben (okay, die gab es auch), sondern ich habe immer wieder neu angesetzt, die mir so wichtige Geschichte zu einem Ende zu führen. De facto dürfte dieser Roman derjenige sein, den ich bis heute am meisten überarbeitet habe – und der dennoch, Erstling eben, zurecht ein Dasein in der Schublade fristet.

Ich habe wirklich alles probiert. Zuerst machte ich aus einem Roman drei Romane, weil ich dachte, dass ich vielleicht zu viel in ein Buch reinquetschen wollte – was sich im Nachgang auch als richtig erwies. Dann setzte ich gefühlte hundert Mal wieder von vorne an, änderte einiges im Ablauf und versuchte, mich über den Punkt hinweg zu schreiben, an dem es mir nicht mehr gelang, der Geschichte zu folgen.

Und irgendwann kam mir dann die Idee, das Ganze als Hörspiel zu schreiben.

Ich hatte nie die Ambition oder die Absicht, aus „Angst“ wirklich ein Hörspiel zu machen. Es ging mir einfach um den neuen Ansatz und darum, dass ein Hörspiel unbestreitbare Vorteile bietet, wenn es nur darum geht, eine Handlung möglichst schnell voran zu treiben.

In einem Hörspiel gibt es per Definition (Ausnahmen bestätigen die Regel) keine Erzählerpassagen, die sich über mehrere Seiten hinweg ziehen. Bei einem Hörspiel sollen und müssen die Charaktere sich auf den Punkt und rasch äußern. Es muss praktisch immer irgendwas interessantes passieren, weil ansonsten die Aufmerksamkeit des Hörers – für mich waren das noch Kinder und Jugendliche wie ich selbst – nachlassen würde.

Und so wurde dann aus dem kompletten ersten Band meiner „Silverstar“-Serie, der später einmal runde 79.000 Wörter umfassen sollte, ein Hörspielmanuskript auf etwa 70 Seiten. Nachsehen kann ich leider nicht, weil auch dieser Entwurf, wie so vieles andere, wegen eines nicht mehr unterstützten Dateiformats für mich verloren ist.

Irgendwann merkte ich dann aber, dass ich nicht zum Hörspielautor geschaffen war. Genau das, was ich vorher als Vorteil ausgemacht hatte, fehlte mir schließlich. Ich wollte genauere Beschreibungen haben. Ich wollte auch in die Gedankenwelt meiner Charaktere eintauchen. Ich wollte die zusätzliche Ebene, die eben nur ein Buch liefern kann.

Also setzte ich alles wieder auf Anfang und begann, den verdammten Roman wieder von vorne zu schreiben. Aber diesmal kam ich über die Stellen hinweg, bei denen es mir vorher immer schwer gefallen war. Weil ich schon wusste, in welche Richtung ich schreiben wollte und was dort passieren sollte. Die Hörspielfassung hat mir also auf jeden Fall gute Dienste geleistet und ich bereue die Zeit keinen Moment, die ich auf sie verwendet habe.

Ob es mich heute noch einmal reizen würde, ein Hörspiel zu schreiben? Nein, eigentlich nicht. Das sollen die machen, die sich besser darauf verstehen. Und in der Zwischenzeit sind einige Menschen, die ich damals als Teil der Fanszene kennengelernt habe, auf die andere Seite gewechselt und machen heute ihr eigenes Ding. Mit überwiegend sehr guten Ergebnissen, wie ich feststellen kann.

Aber ich werde bei meinen Romanen bleiben. Auch wenn ich dem ganzen Hörspielding mit „Der Rezensent“ ja einen eigenen Thriller gewidmet habe. Irgendwann wird auch dieser Roman in irgendeiner Form das Licht der Welt erblicken. Da bin ich fast sicher.

Bis dahin höre ich weiter Hörspiele, auch die von damals, und erinnere mich daran, wie es war, als ich noch einfach so Geschichten und Geschichtchen in purer Dialogform erzählte.

Let’s take a walk down memory lane!

Wie viele Protagonisten gibt es in meinen Romanen?

Hallo zusammen!

Jede Woche veröffentlicht der Autor Richard Norden interessante Artikel rund um das Schreiben auf seinem Blog. Vergangenen Samstag ging es bei ihm um ein Thema, das den kleinen Statistiker (hört sich irgendwie pervers an, findet ihr nicht auch?) in mir angesprochen hat.

Es geht darum, wie viele Protagonisten ein Roman vertragen kann. Um nicht Nordens kompletten Artikel hier zu zitieren, den ihr euch dringend selbst durchlesen solltet, gebe ich nur eine Kernaussage wieder:

Derzufolge kommt es bestenfalls nicht, oder nur in klar umrissenen Ausnahmefällen, vor, dass ein Roman mehr als einen Protagonisten besitzt. Und das ist derjenige, der die größte Veränderung, den größten Konflikt, den größten Einsatz zu verzeichnen hat. Auch in Geschichten, die man als Film im „Buddy-Sektor“ verorten würde, oder selbst bei Liebesgeschichten, gibt es immer die eine Figur, die der zentrale Mittelpunkt der Handlung ist. Auch bei den meisten Heldenteams ist dies der Fall.

Die anderen Charaktere sind dann Sidekicks, Wegbegleiter oder manchmal auch simple Stichwortgeber.

Eine klare Ausnahme lässt Richard Norden nur für wirklich epische Geschichten gelten. Er nennt hier „Das Lied von Eis und Feuer“ als Beispiel, der Mehrheit inzwischen eher unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt. Ich würde sagen, dass generell bei Romanserien, die sich um eine Heldengruppe (wobei die Helden ja keine Helden sein müssen) drehen, in verschiedenen Einzelromanen die Gewichtung stärker auf verschiedenen Protagonisten liegen kann.

Wie gesagt, die Vorteile und Nachteile zu beschreiben, das kann Richard Norden besser als ich. Ich nutze die Gelegenheit dazu, einen meiner gefürchteten Blicke auf mein eigenes kleines Bücherregal zu werfen, in dem die von mir geschriebenen Romane stehen.

Aber keine Sorge, ich versuche, mich kurz zu fassen ;-)!


Silverstar I: Angst im Perseus-Spiralnebel
Mit diesem Band werden die meisten der Protagonisten eingeführt, die mich durch meine vielbändige Science-Fiction-Serie führen sollten. Es gibt eine klare Hauptfigur, die man übergreifend über alle Bände auch als Serienprotagonistin bezeichnen könnte. Wobei sie in einigen Bänden in den Hintergrund tritt/getreten wäre.

Silverstar II: Expedition durchs All
Wie das so ist in Serien, kommen hier noch zwei weitere Protagonisten hinzu. Am Fokus auf die eine zentrale Protagonistin ändert das allerdings zunächst nichts.

Silverstar III: Final Star
Dies ist der erste Roman der Serie (und gleichzeitig auch der letzte), in dem eine der anderen Figuren stärker in die Rolle des Protagonisten rückt. Man merkt der Geschichte allerdings auch an, dass sie dadurch zwar rasanter wird, aber eben jenen Fokus ein wenig verliert.

Lichter
Der Roman ist komplett aus der Sicht des Protagonisten geschrieben – mit kleinen Ausnahmen gen Ende, die aber nichts daran ändern, dass es immer um den einen zentralen Charakter geht.

Different Stories
Die Novellensammlung hat in allen drei Geschichten eine klare Hauptfigur, auf deren Schulter die Handlung liegt.

Es zwingt einen dazu
Die Handlung folgt vollständig einer Person, es gibt keine Szenen ohne sie. Auch ein deutliches Signal im übrigen dafür, dass diese Person der absolute Protagonist sein muss und, sozusagen, niemanden neben sich stehen hat.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis
Dem Namen nach sind hier zwar drei Kinder gleichberechtigt, es gibt aber eine deutliche Wortführerin – womit die Geschichte im Übrigen ganz in der Tradition so ziemlich jeder anderen Jugendserie (die daraus vielleicht mal geworden wäre) steht, wie mir gerade auffällt.

Der Morgen danach
Es gibt einen deutlichen Handlungsträger, der sogar über weite Strecken der Handlung ganz auf sich gestellt agiert. Vielleicht der deutlichste unter all meinen Protagonisten.

Der Rezensent
Die Handlung dieses Thrillers wird maßgeblich zwar durch andere Charaktere vorangetrieben, nicht zuletzt natürlich durch den Antagonisten, wie es sich für einen Thriller gehört, aber der Fokus liegt klar auf einer Hauptfigur, der später ein Sidekick beiseite gestellt wird.

Das Haus am See
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bietet allerdings durch sein enormes Personal eine ganze Menge an anderen Personen mit, welche die Handlung beeinflussen und welche auch den Protagonisten beeinflussen.

Der Ruf des Hafens
Auch diese Horrorgeschichte hat einen klaren Protagonisten – mit einer starken Frau an seiner Seite, aber eben „nur“ an seiner Seite.

Darkride
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es hier natürlich den Ermittler als einzigen echten Protagonisten zu verzeichnen. Zu ihm gehören, ebenfalls wie in den meisten guten Krimis, ein Sidekick, eine starke Partnerin und ein nervender Chef. Die einen nennen es Klischees, die anderen notwendige Zutaten ;-).

Der Redner
Das ist in der Tat ein Sonderfall, bei dem ich mich schwer tue, den einen Protagonisten zu benennen. Ich habe drei Figuren, die über weite Strecken des Romans alleine agieren und sich erst später zusammentun. Allerdings, bei strenger Auslegung von Richard Nordens „Regeln“, komme ich zu dem Schluss, dass der Reporter Kevin Ryason der Protagonist sein muss. Er macht die ersten seltsamen Beobachtungen und hält später in der Handlung die Fäden zusammen.

Der Beobachter und der Turm
Ganz klarer Fall: es gibt nur einen Protagonisten und der heißt Richard Lenhard. Auch wenn im zweiten Handlungsabschnitt die hier bereits einmal erwähnten Polizisten in den Fokus rücken, bleiben diese – wichtige – Nebenfiguren.

Die Welt der stillen Schiffe
Wieder ein Ensemblestück, bei dem aber alleine durch die Ich-Perspektive absolut unstrittig ist, wen man als die Hauptperson anzusehen hat.


Fazit:

Nicht nur, dass ich Richard Norden in seiner These generell zustimmen möchte, rein intutiv habe ich mich in den meisten Fällen auch an sie gehalten. In den meisten meiner Romane gibt es genau einen wirklichen Protagonisten, mit dem sich der Leser, wenn es gut läuft, identifizieren kann.

Wobei wir natürlich alle wissen, dass es auch gute Nebenfiguren sein können, die uns besonders ans Herz wachsen und wichtig für uns werden. Aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

Meine Mitschreiber von gestern: Where are they now?

Ich habe ja schon früher in diesem Blog erwähnt, dass ich trotz meiner Probleme, zu meinem Schreiben zu stehen, während meiner Jugend irgendwie immer einen Menschen an meiner Seite hatte, der ebenfalls geschrieben hat. Diese Tatsache ist als solche nicht wirklich bemerkenswert, denn ich glaube, das gerade viele Jugendliche den Traum vom Schreiben haben und wenig Skrupel, es einfach auszuleben. Später verlor sich das, genauso wie sich die Schreibpartner von früher verloren.

Und jetzt stelle ich mir die Frage, was sie wohl heute so treiben – ob sie immer noch schreiben, oder ob sie diesen Traum aufgegeben haben. Von einem meiner Freunde, mit denen ich mich neulich auf Facebook austauschte, weiß ich, dass bei ihm nichts daraus geworden ist. Zu den beiden anderen habe ich den Kontakt verloren.

Bleiben wir für einen Moment bei S., wie ich ihn nennen möchte. Er war für mich der beste Freund meiner Kindheit und live dabei, als ich mit dem Schreiben der ersten Geschichte rund um das Raumschiff Silverstar begann. Ich habe diese Begebenheit in einem Nachwort zu diesem Roman wie folgt beschrieben:

Jetzt sah ich den Zeitpunkt für gekommen und noch ehe S. überhaupt gegangen war, begann ich mit der Arbeit am ersten Kapitel eines Buches, das ich Expedition zur Erde nannte und in dem jene Figuren, die ich mir ausgedacht hatte, vorkamen. Der einzige Gedanke, den ich zu diesem Zeitpunkt als Leitfaden hatte war dieser : Die fünf hatten das langweilige Leben auf ihrer Heimatwelt Tantoo satt und wollten nach Arcturian fliegen, um zum Militär zu gehen.

Bei ihm handelt es sich auch um jenen Freund, mit dem ich mich immer abgewechselt habe, als es darum ging, später am PC unsere jeweiligen Geschichten zu schreiben. Darüber habe ich mal einen eigenen Blogeintrag verfasst, den ich an dieser Stelle gerne noch einmal verlinken möchte.

Wie gesagt, dieser Freund schreibt nicht mehr, jedenfalls nicht literarisch. Aber bei ihm war das Schreiben, wenn ich es so sagen darf, nie ganz weit vorne im Fokus. Er hat gut geschrieben, er hat gern geschrieben. Aber es war für ihn nie ein Ziel, das irgendwann mal auf einer anderen Ebene als der des Zeitvertreibs zu betreiben, Oder wenn es so war, dann hat er es mir nie erzählt.

Ganz anders sah die Sache da schon bei meinem zweiten guten Schreibfreund, T. mit Namen, aus. Der träumte davon, mit seinen Büchern reich und berühmt zu werden – und ich habe ihn damals dafür beneidet, wie viel Konsequenz er an den Tag gelegt hat, um sich zu verbessern. Leider hat er denselben Fehler gemacht wie ich und einfach zu wenig originell geschrieben. Er verstand es, mit Sprache und Ausdruck umzugehen, aber es fehlte ein wenig die eigene Stimme, die eigene Geschichte.

Der Roman, den er zum Film „Die Goonies“ geschrieben hatte, war besser als der eigentliche Roman zum Film. Aber für eine Veröffentlichung war das natürlich nicht geeignet.

Aber so war T. eben: wenn er etwas machte, dann konnte er sich ganz akribisch in Details verlieren. Ich erinnere mich an eine fiktive Welt, die wir für unser damaliges Pen & Paper-Rollenspiel erfanden. Da ging es sehr auch detailverliebt zur Sache!

Der Kontakt mit T. ist komplett abgebrochen und auch wenn es mir fern liegt, irgendwelche Schuldzuweisungen abzugeben, muss ich mir doch immer wieder sagen, dass er es war, der einfach die Haustür nicht mehr geöffnet hat! Aber das ist neunzehn Jahre her und damit verjährt.

Seltsam ist es nur, weil T. derjenige war, der von uns beiden ganz locker mit dem Schreiben umging. Ansonsten wäre unsere Schreibfreundschaft wohl auch nicht zustande gekommen.

In meinem Roman „Lichter“, der einige autobiographische Züge trägt, habe ich die entsprechende Szene beschrieben:

T. grinste auf eine Art, die ich in den nächsten Jahren noch allzu häufig sehen sollte. „Na ja, für den Augenblick reicht ’s mir schon, wenn du mir sagst, was du da schreibst!“
Wie oft hatte ich geleugnet? Keine Ahnung. Wie oft gelogen? Ebenfalls keinen Schimmer. Warum ich es dieses Mal nicht tat, konnte ich auch nicht sagen. Vielleicht hatte ich einfach keine Lust mehr auf Unwahrheiten.
„Ich schreibe an einem Buch“, sagte ich und wartete auf Hohn und Spott.
T. sah mich mit großen Augen an und setzte sich dann neben mich an den Tisch. Mit Verwunderung in der Stimme und gleichzeitig stark gefaßt, als wäre es das normalste von der Welt sagte er: „So ein Zufall, das tue ich auch!“

Die geringste „gemeinsame“ Zeit, was das Schreiben angeht, verbrachte ich mit N. Sie war ebenfalls über das Rollenspiel in mein Leben gekommen und hatte überhaupt keine Probleme damit, auch darüber zu sprechen, dass sie kurze Geschichten und Gedichte schrieb. Vielleicht ist das bei Frauen noch einmal etwas anderes als bei Männern, aber das kann ich nur mutmaßen.

Der Grund dafür, dass wir nur wenig, dafür aber intensiv über unsere Texte im miteinander im Austausch sein konnten, liegt darin, dass N. nach dem Schulabschluss nach Rostock zum Studieren gegangen ist. Wir haben den Kontakt noch eine Weile halten können, aber dann brach auch dieser ab. Bei ihr kann ich mir gut vorstellen, dass sie auch weiterhin aktiv geblieben ist. Sie war irgendwie der Typ dafür.

Ich hoffe, sie wird es mir nicht übel nehmen, wenn ich einen ihrer Texte namens „Traurige Tage“ hier veröffentliche, zumal ich ihren Namen nicht nenne. Ich habe ihn damals dem dritten Teil meines Romans „Lichter“ vorangestellt.

Nich so sehr die Tränen,
nicht so sehr die Tatsachen,
nicht so sehr das Unveränderliche;
triste Tage, traurige Stimmung und depressives Gefühl
– gefangen in den eigenen Gedanken.

Manchmal frage ich mich wirklich, was aus diesen Personen schreiberisch geworden ist. Wie gesagt, ein Drittel der Frage konnte ich klären. Ob es mir bei den beiden anderen gelingen wird?

Die Vergangenheit ist vorbei und nicht mehr zurückholbar. Was bleibt, sind die Erinnerungen. Ich werde versuchen, sie auch in Zukunft am Leben zu erhalten.

 

Reblog und Meinung: NaNo Pep-Talk von Andreas Eschbach “Schreib das Ding zu Ende!”

Hallo zusammen!

Ich bin zwar ein eifriger NaNo-Schreiber, aber ich stelle immer wieder fest, dass ich ein lausiger NaNo-Netzwerker bin. Ich finde das selber schade, aber es fällt mir sehr schwer, mich neben der eigentlichen Schreibtätigkeit (zu der für mich, trotz allem, nach wie vor ein täglicher Blogbeitrag gehört) auch noch mit den diversen Austauschmöglichkeiten zu befassen, die der NaNo bietet.

Deswegen habe ich auch nicht in mein NaNo-Postfach geschaut und gesehen, dass es dort heute einen sogenannten „Pep-Talk“, eine Art Motivationsmal, des von mir sehr verehrten Autors Andreas Eschbach gibt. Aufmerksam wurde ich erst, weil ich eine Benachrichtigung der von mir ebenfalls sehr geschätzten Hanna Mandrello bekam, die diesen Pep-Talk in Gänze auf Ihrem Blog veröffentlicht hat:

http://mandrello.com/2015/11/15/nano-pep-talk-von-andreas-eschbach-schreib-das-ding-zu-ende/

In seinem Artikel fabuliert – und ich benutze das Wort im sehr positiven Kontext – Eschbach darüber, wie es wäre, wenn man einen Anruf mit seinem Ich in der Vergangenheit führen könnte. Was würde man diesem, seinem jüngeren Ich erzählen?

Da ja Eschbachs Satz schon in der Überschrift steht, kann ich kurz meinen persönlichen Satz dazu geben: Ich würde meinem jüngeren Ich, das ungefähr achtzehn gewesen sein muss, sagen, dass es selbstbewusster in die Zukunft schauen soll, dass manche Dinge nicht so sind, wie sie zu sein scheinen und dass es immer Möglichkeiten gibt. Damit wäre, auch in Bezug auf das Schreiben, bei mir schon viel abgedeckt.

Ich habe ja schon an verschiedenen Stellen in meinem Blog davon berichtet, dass ich meine Schwierigkeiten damit gehabt habe, meine ersten Geschichten zu einem Ende zu führen. Lange gab es da ein Triumvirat aus den Genres, mit denen ich mich gerne beschäftigt habe:

Angst im Perseus-Spiralnebel (Science-Fiction)
Der Bund der Sieben (Fantasy)
Fort Apocalypse (Utopie)

Fertiggestellt habe ich nur eines von den dreien. Und ich habe mich schon öfter gefragt, wo ich heute wäre, wenn ich auch die beiden anderen beendet hätte. Denn im Gegensatz zu Eschbachs jüngerem Ich habe ich sie nicht an die Seite gelegt, weil ich sie schlecht fand, ich habe sie an die Seite gelegt, weil sie im Vergleich zu den „Silverstar“-Romanen der schwerere Weg gewesen wären!

Als ich damals, 1993, das Ende von „Angst im Perseus-Spiralnebel geschrieben hatte, konnte ich praktisch nahtlos mit „Expedition durchs All“ weitermachen. Es war ja eine Serie, da war es einfach. Ich musste mir keine Gedanken über einen Einstieg machen, die Personen, die wichtig waren, standen fast alle fest – ich wusste sogar schon, wo der Übergang zu Band 3 sein würde. Der sich dann auch folgerichtig ein rundes Jahr später mit „Final Star“ einstellte.

All das hätte ich bei den beiden anderen Projekten nicht gehabt und deswegen denke ich heute, dass ich wirklich sehr viel von ihnen hätte lernen können. Ich hätte lernen können, mich durchzubeißen, mir selbst zu vertrauen. Auch, dass ich in der Lage bin, textliche Herausforderungen zu meistern.

„Nur Sachen, die du zu Ende schreibst, zählen!“ – So schreibt Eschbach. Und ich bin geneigt, ihm zuzustimmen. Das bedeutet für mich nicht, dass ich jetzt jedes Fragment, das ich irgendwo in der Schublade liegen habe, beenden will, kann oder gar muss. Andererseits habe ich gerade erst mit „Der Beobachter und der Turm“ für mich den Beweis angetreten, dass es wirklich etwas bringt, wenn man zu Ende schreibt. Und sei es nur, dass der eigene Gefühlshaushalt danach etwas ausgeglichener ist.

Beschließen möchte ich meine Ausführungen mit einem weiteren Zitat von Andreas Eschbach, das ich allen, die im Moment im NaNo stecken und vielleicht anhand ihres Wordcounts verzweifeln wollen, nur ganz herzlich hinter die Ohren schreiben kann:

Also, Leute – schreibt weiter, und schreibt das Ding vor allem zu Ende. Und wenn es erst am 2. Dezember passieren sein sollte, dass Ihr »Ende« darunter schreibt, macht es auch nichts.

In diesem Sinne: Frohes Schreiben!

AWDML (4) Das schreibe ich, und das – und ein wenig was von dem auch noch

Als ich noch ein junger und noch unerfahrenerer Autor war als ich es heute bin, da hatte ich immer einen Wunsch. Oder man könnte auch sagen: ich hatte ein Problem. Ein Problem, das viele Schriftsteller gerade am Anfang ihres Weges haben, wie ich mittlerweile mehrfach nachlesen konnte. Ich konnte einfach nicht einsehen, dass ich nicht in der Lage bin, mehr als ein Projekt auf einmal zu verfolgen.

Ungeduld ist eine Eigenschaft, die für einen Autoren mit Sicherheit nicht wirklich erste Wahl bei den zu fördernden Talenten darstellt. Es dauert nun einmal, sich durch die Handlung eines Romans zu beißen, an manchen Tagen auch zu quälen. Man schreibt eben nicht jeden Tag 10.000 Worte. Viel häufiger sind die Tage, an denen man sich quälen muss, überhaupt vierstellig zu werden. Und die dann noch auf mehrere Projekte aufzuteilen …

Es gibt Autoren, die können das. Die schaffen es, sich in drei oder vier voneinander abgetrennte Welten zu versetzen und je nach Lust und Laune (oder dem, was auf dem Terminplan steht) mal an dieser, mal an jener Story zu schreiben. Das bewundere ich! Das bewundere ich nicht nur, da könnte ich neidisch werden!

Kommen wir zurück zu mir als jungem Autor. Damals, wir befinden uns ungefähr im Jahr 1993, träumte ich noch lange nicht den Traum, mal ein Buch zu veröffentlichen, sondern ich musste erst einmal den Traum fertig träumen, einen Roman überhaupt zu Ende zu schreiben!

Ich arbeitete seit rund sechs Jahren mal mehr, mal weniger und immer mal wieder von Vorne an „Angst im Perseus-Spiralnebel“, dem ersten Band meiner Abenteuer rund um das Raumschiff Silverstar. Nun hatte ich mir hierzu die Handlung ja schon mehr oder weniger auf die nächsten zehn Bände ausgedacht und deswegen war das Schreiben „langweilig“.

(Natürlich war es nicht langweilig, aber es fühlte sich für mein achtzehnjähriges Ich so an.)

Ich wollte etwas Neues entdecken, etwas anderes anfangen. Es gab Ideen, die unbedingt und jetzt sofort verwirklicht werden mussten! Das eine war eine Fantasy-Geschichte im Stil von „Der Herr der Ringe“ (was auch sonst) und das andere war eine Trilogie um das Leben nach dem Jüngsten Tag, deren erster Band den Untergang der Menschheit in einem Atomkrieg schildern sollte, während der Zweite das Wiedererwachen der Zivilisation und der dritte den Aufbruch zu den Sternen zum Thema hatte.

Da stand ich jetzt mit meinen drei Projekten: „Angst im Perseus-Spiralnebel“, „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ (dessen Titel ich mir bei einem Commodore 64-Spiel geborgt hatte).

Meine Idee: schreib doch alle drei gleichzeitig! Und zwar immer brav eine Seite pro Projekt und das im Wechsel. Also wirklich am ersten Tag „Angst“, am zweiten Tag „Bund“, am dritten Tag „Fort“, am vierten wieder „Angst“ …

Ich weiß bis heute nicht, ob nur die Methode totaler Humbug war, oder ob ich anderweitig überfordert wurde. Jedenfalls hielt ich, glaube ich, keinen Monat durch. Dann begann ich, in längeren Intervallen an den Geschichten zu schreiben. Die Fragmente von „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ habe ich noch, wenn auch keine Ambitionen, sie jemals wieder anzufassen.

Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt war klar, ich musste mich entscheiden, wenn ich nicht riskieren wollte, alle drei Projekte zu verlieren. So, wie ich vorher schon etliche Geschichten verloren hatte. Und auf einmal erwiesen sich die mittlerweile rund 40 geplanten Bände von Silverstar gar nicht mehr als Hemmschuh, sondern als Sicherheitsfaktor. Und so traf ich die Entscheidung zugunsten von „Angst im Perseus-Spiralnebel“, das dann auch mein erster vollendeter Roman wurde.

Nach einem weiteren missglückten Versuch, 1997 den vierten Teil der Serie parallel zu meinem neuen Projekt „Lichter“ zu schreiben, gab ich es dann endgültig (?) auf.

Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, mehrere Projekte gleichzeitig zu verfolgen. Hier und da mal eine Kurzgeschichte, so wie bei Hannas Schreibaufgaben, die ich, ohne groß darüber nachzudenken, in ein bis zwei Stunden herunterschreiben kann, das geht noch. Aber einen längeren Roman? Lieber nicht!

Und trotzdem ist es ein Traum gewesen und Träume lässt man, glaube ich, niemals so ganz los. Deshalb klingt immer noch eine Saite in mir an, wenn ich lese oder höre, dass jemand das tut, was mir nie gelungen ist …

Let’s take a walk down memory lane!

AWDML (1) Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs „Silverstar“

Im Moment läuft in einer anderen Ecke des Internets (das ja aus unzählig vielen Ecken, Enden und Kurven besteht um die man schauen kann) eine Blogparade zum Thema „Obsessionen aus den 80er Jahren“. Ich bin über den Blogeintrag auf Tonight is gonna be a large one darauf aufmerksam geworden und konnte nicht umhin, mich in den Kommentaren ein wenig zu beteiligen. Irgendwann kam dann die Sprache auf so schöne Dinge wie das MASK-Spielzeug und die ersten Star-Wars-Figuren der Firma Kenner/Parker, die damals nicht nur in meinem Besitz waren, sondern die auch eifrig bespielt wurden. Und nun Erinnerungen in mir weckten.

Aber zunächst sollte ich wohl kurz erläutern, was es mit den kryptischen Zeichen vorne im Beitragstitel auf sich hat. Das ist die Abkürzung für „A walk down memory lane“, also für einen Spaziergang in die Erinnerungen. Eine kleine Beitragsreihe, in der ich mich in unregelmäßigen Abständen ein wenig an alte Geschichten rund um meine Schreiberei erinnern möchte – und euch vielleicht auf die Reise mitnehmen kann, wenn ihr mögt :-).

Nun aber zurück in das Jahr 1987. Ich war damals 12 Jahre alt, noch nicht alt genug, um nichts mehr mehr mit Spielzeug anfangen zu können, schon alt genug, um mich nicht mehr sklavisch an das zu halten, was durch die Hersteller und Lizenzinhaber an Background zu den einzelnen Figuren und Fahrzeugen mitgegeben wurde.

In der Tat habe ich damals so gut wie nie das gespielt, was eigentlich mit den diversen Spielzeugen vorgesehen war. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Eine Ausnahme stellen höchstens die „Masters of the Universe“-Figuren dar, die rein größenmäßig den Nachteil hatten, überhaupt nicht kompatibel zu anderen Spielzeugen zu sein.

Das traf zwar in kleinerem Maßstab auch auf MASK und Star War zu, aber da war es nicht ganz so störend. Störender wäre es gewesen, wenn ich wirklich ein Raumschiff hätte haben wollen, in dem fünf Personen in einer Kommandozentrale Platz hatten …

Eines Tages kam mir die Idee, einfach so. Wie Ideen eben manchmal kommen und dann auch bleiben. Ich hatte auf einmal fünf junge Menschen vor Augen, die der Ödnis ihres bisherigen Lebens und ihres langweiligen Planeten entflohen, weil sie Abenteuer erleben wollten. Diese fünf Menschen wurden durch entsprechende Star-Wars-Figuren repräsentiert:

Leya KuvanFrank Boone John StarfieldThei Johnson Ivan Johnson

 

 

 

Darf ich vorstellen? Dies sind Leya Kuvan, Frank Boone, John Starfield und die Zwillinge (diese Ähnlichkeit ist frappierend, oder?) Thei und Ivan Johnson. Alle zusammen sind die Besatzung eines Raumschiffs, benannt nach einem silbernen Stern am Nachthimmel über der Wüstenwelt, von welcher die Fünf stammen. Der Silverstar, repräsentiert durch das mittlere Teil eines MASK-Fahrzeugs:

Silverstar

Die beiden zweirädrigen Wagen müsst ihr euch einfach mal wegdenken.

Wie gesagt, es war das Jahr 1987, ich war zwölf Jahre alt und ich hatte noch keine wirkliche Ahnung, was ich da eigentlich tat. Aber ich setzte mich, nachdem das Spiel irgendwann vorbei war, an meinen Computer (ein Schneider CPC 464) und schrieb die ersten Kapitel eines Buchs, das den Namen „Angst im Perseus-Spiralnebel“ trug und in dem es darum ging, wie das Raumschiff Silverstar und seine Besatzung auf der Reise zur Hauptwelt der Galaxis ein beinahe tödlich endendes Zusammentreffen mit einem Meteoriten hat, auf dem wider Erwarten eine menschliche Kultur existiert.

Heute weiß ich, dass das alles hochgradig refenziell, abgekupfert und nicht mal unbedingt gut geklaut ist. Nein, gewusst habe ich das damals schon, aber da hat es mich noch nicht gestört. Und es hat mich auch nicht gestört, dass ich diese Story ungefähr ein halbes Dutzend Mal neu angefangen habe zu schreiben, bis ich dann 1993 das erste Mal das Wort „Ende“ unter ein Romanmanuskript setzen konnte.

Dieses Manuskript wird nie das Licht der Öffentlichkeit sehen. Das ist einerseits klar, andererseits auch schade. Manchmal hadere ich sogar mit der Zeit, die ich auf die drei zustande gekommenen Silverstar-Romane verwandt habe. Was hätte ich in der Zeit alles schreiben können? Aber das ist natürlich großer Mumpitz. Denn wenn ich eins gelernt habe in der Zwischenzeit, dann dass mehr Zeit zum Schreiben nicht heißt, dass man auch wirklich mehr schreibt.

Also schaut noch einen Moment mit mir zurück auf die Vergangenheit, in der im Kopf eines Jungen Abenteuer begannen sich auszuformen und dann die ersten zaghaften Versuche unternahmen, wirklich und wahrhaftig Romane zu schreiben.

Let’s take a walk down memory lane!

Dem Kind einen Namen geben

Ich bin nicht gut darin, meinen Figuren Namen zu geben. Das passt dazu, dass es auch nicht die einfachste Geburt war, meinen beiden Töchtern einen Namen zu geben, aber lassen wir das an dieser Stelle 😉 .

Nein, wenn ich eine neue Person in den Text einführe, den ich gerade schreibe, dann sitze ich oft sinnierend vor dem Bildschirm und versuche mir einen Namen auszudenken, der einerseits zu der Figur passt, vielleicht auch zu der Rolle, die ihr zugedacht ist und andererseits nicht wer weiß wie langweilig klingt. Seien wir ehrlich: auch wenn gefühlt die Hälfte der Deutschen Müller, Meier oder Schulze heißt, so wäre es alles andere als lustig, wenn auch die Hälfte der Romanfiguren so heißen würde.

Seit ich mich seinerzeit dazu entschlossen habe, ab „Der Morgen danach“ meine Geschichten nur noch in Deutschland spielen zu lassen, ist es etwas einfacher geworden. Davor habe ich – wie viele andere Autoren übrigens – immer das Gefühl gehabt, dass eine Geschichte in den Vereinigten Staaten spielen müsse, damit sie funktionieren kann. Aber da war das Namensproblem dann noch gravierender, weil man durch die ganzen Fernsehserien ja schon irgendwie mit Klischeenamen gefüttert ist.

Kommen wir zurück nach Deutschland. Mein Namensproblem wurde so richtig zum Problem, als ich an „Das Haus am See“ arbeitete. Das Haus am See ist eine kleine Klinik, in der rund dreißig Personen plus Personal die Szenerie bevölkern. Und ich wusste, dass ich für alle diese Personen zumindest einen Namen, ein Alter und einen Beruf haben musste. Ich habe stundenlang, eher tagelang an einer entsprechenden Liste gesessen und mehrfach mit mir gerungen, ob dieser oder jener Name jetzt passend ist oder nicht.

Bei „Der Redner“ ging es irgendwie recht einfach. Ich wusste, ich würde drei Hauptpersonen haben: den Krankenpfleger Anton Lechleitner, den Polizisten David Berg und den Journalisten Kevin Ryason. Letzterer stammt ja aus einer älteren Geschichte von mir, der Name stand also fest. Anton bekam seinen Namen, weil er so urbayrisch klang (wie diese Figur dann doch nicht geworden ist) und David passte gut zum geplanten Verlauf der Story.

Zu den zahlreichen Nebenfiguren gehört auch Davids Verlobte, der ich den Namen Sarah Kirsch gab. Falls dieser Name bei jemandem ein Glöckchen klingeln lässt, dann kennt er diese Person besser als ich. Ich bin gestern zufällig über diese Lyrikerin gestolpert, die mir zumindest bewusst nicht bekannt war. Ich bin halt kein Dichter, sondern Autor 🙂 .

Spontan habe ich mich dann daran erinnert, dass es einen solchen Zufall schon ganz am Anfang meines Hobbies gab, nämlich in „Angst im Perseus-Spiralnebel“. Die Besatzung des Raumschiffs Silverstar (um die sich diese dreiteilige Serie drehte) lernt auf einem Meteoriten einen jungen Gardisten kennen, den ich vollkommen unbeschwert Randy Newman nannte. Okay, den könnte man auch kennen, oder? Kannte ich aber nicht.

Offensichtlich gibt es Namenskombinationen, die ich irgendwann mal irgendwo aufgeschnappt habe und die sich dann so in meinem Kopf festsetzen, dass mein Gehirn sie als „gut klingend“ wieder ausspuckt, sobald ich auf der Suche nach einem geeigneten Namen für eine Person bin.

Und jetzt bin ich ein wenig uneins mit mir selbst. Soll ich den Namen Sarah Kirsch abändern, weil irgendein Leser (wenn es ihn denn dann mal geben sollte) vielleicht denkt, ich hätte den Namen einer Lyrikerin geklaut? Oder vertraue ich darauf, dass diese Namenskombination noch Dutzende Male in deutschen Telefonbüchern zu finden ist?

Randy Newman durfte damals übrigens bleiben, wahrscheinlich weil mir von vornherein klar war, dass die Silverstar-Romane nie zur Veröffentlichung kommen würden. Aber was ich mit Sarah Kirsch mache, da muss ich erst noch mal drüber nachdenken.

Gibt es irgendwelche Tipps oder Anregungen, die ihr mir geben könnt/mögt?

Jetzt reicht es aber langsam mit dem Zählen!

Ja, tut es, ich verspreche es euch! Aber ein drittes Mal muss ich noch auf meinen Statistik-Fetisch eingehen. Denkt immer daran, ich tue das nicht, um mich an den Zahlen einfach nur zu ergötzen, ich nutze sie zur Motivation.

Übrigens bin ich noch einmal in mich gegangen und habe festgestellt, dass ich diese Art Zählerei schon zu Schulzeiten gerne betrieben habe. Auf dem Weg zum Abitur gab es doch immer diese Klausuren, in denen gefordert war, nicht weniger als x oder höchstens y an Seiten zu schreiben. Und ich habe mir damals einen Spaß daraus gemacht, möglichst viele Worte auf diese zur Verfügung stehenden Seiten zu quetschen. Ich weiß noch, dass mein Englischlehrer, der meine Klausur im 3. Abi-Fach korrigieren musste, gar nicht sehr erbaut war über die rund 2.200 Worte, die ich zu George Orwells „1984“ zu Papier gebracht habe. Aber mal ernsthaft: wenn man schon so ein Thema zur Wahl stellt, muss man sich dann wundern!?

Nun aber zurück zu meinen heutigen Zahlenspielereien. Wie ich ja schon beim letzten Mal erzählt habe, orientiere ich mich in Sachen Umfang eines Textes mangels anderer Quellen ausschließlich an einer Aufstellung über englischsprachige Werke von Stephen King. Das habe ich inzwischen bei so vielen Romanen getan, dass ich einige Zwischenschritte beinahe auswendig kenne.

Und genau aus dem Grund, dass es eben inzwischen einige Romanprojekte gewesen sind, die ich zu einem Ende führen konnte, habe ich mir eine eigene kleine Liste nach dem Vorbild der King-Liste gebastelt:

Meine Romane

Da ich in Bezug auf Informationen zu den jeweiligen Projekten ja an der Quelle sitze, konnte ich für die meisten Projekte auch noch genau aufschreiben, von wann bis wann ich daran gearbeitet habe. Wie ihr sehen könnt, habe ich immer mal wieder Pausen drin. In einer dieser Pausen war z.B. meine aktive Zeit mit eigener Homepage, für die ich extrem umfangreiche Texte geschrieben habe. Eine andere Pause war gesundheitlich bedingt. Aber insgesamt bin ich schon auf gewisse Weise stolz, seit inzwischen 22 Jahren (1993 stellte ich als ersten Roman „Angst im Perseus-Spiralnebel“ fertig) mit der Schreiberei mehr oder weniger am Ball geblieben zu sein.

Auch wenn es immer mal wieder Phasen gab in denen ich mir sicher war, dass ich es verlernt hätte, zu schreiben. Diese Phasen gehören inzwischen zum Glück der Vergangenheit an.

Nun, wie gestern bereits angekündigt, ist „Der Redner“ inzwischen in Sachen Umfang auf Platz 3 vorgestoßen und wird auch da bleiben. So wie sich der Showdown entwickelt, kommen da bestimmt keine vierzigtausend Worte mehr zusammen. Und es muss ja auch nicht immer höher, schneller, weiter gehen. Im Gegenteil: Manchmal wünsche ich mir, mich auch mal richtig schön kurz fassen zu können.

Daran muss und werde ich arbeiten. Und jetzt arbeite ich gleich noch ein wenig am „Redner“ weiter.

Ich wünsche euch einen schönen Abend und gute Erholung von meinen ganzen Zahlenspielen!