Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse

In Frankfurt ist gestern die diesjährige Buchmesse zu Ende gegangen und wie ihr wisst, habe ich nicht daran teilgenommen. Ich habe in vergangenen Beiträgen an dieser Stelle schon einen kleinen Einblick darauf gegeben, wieso ich nicht dort gewesen bin. Also weiß ich nicht, inwiefern es euch interessiert, das noch einmal zu lesen. Es kann sein, dass ich mich wiederhole und Wiederholungen sind meistens langweilig. In diesem Fall danke ich euch für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch schon jetzt viel Spaß mit dem Beitrag von morgen.

Ihr seid noch da? Das ist lieb von euch! Dann will ich die Gelegenheit nutzen, über meine Gefühle der Buchmesse gegenüber zu schreiben.

Ich bin ein Mensch, der ziemliche Probleme mit Großveranstaltungen hat. Zu manchen Messen bin ich zwar schon gegangen, aber das war dann meistens mehr in Begleitung meiner Frau und weniger, weil ich ein großes Eigeninteresse gehabt habe. Der Grund dafür ist einfach, dass mir die Menschenmassen Angst machen. Ich werde furchtbar nervös, wenn ich mich in einer Halle mit jeder Menge anderen Menschen dränge.

Früher hatte ich da noch keine Probleme mit. Ich erinnere mich an so manche Cebit in den 90ern, als die Veranstaltung noch cool und spaßig war. Das hat mir gar nichts ausgemacht.

Aber auf einer Buchmesse würde ich mich, fürchte ich, doch ziemlich verloren fühlen.

Das hat einfach damit zu tun, dass mich das Thema Bücher, Verlage, Selfpublishing, etc. in Bezug auf meine Beteiligung daran immer noch ungemein nervös macht. Ich tue zwar angelegentlich so, als ob ich anfange, diese Dinge in den Griff zu bekommen, aber das ist nicht ganz die ungeschminkte Wahrheit. Deswegen kann ich mir nur schwer vorstellen, das zu tun, wofür solche Messen halt da sind:

  • Besuch von Fachvorträgen, wo jeder weiß, dass du ein Autor bist
  • Gespräche mit Verlagsmitarbeitern, falls es sich ergibt
  • Treffen mit anderen Menschen, die man sonst nur aus dem Internet kennt
  • Womöglich auch noch aktives Herzeigen von einem (dann hoffentlich endlich mal veröffentlichten) Buch

Ich habe die Berichterstattung vieler Bloggerinnen und Blogger von der Frankfurter Buchmesse ebenso wenig intensiv begleitet, wie ich mich auf Twitter herumgetrieben habe. Den Grund dafür hatte ich schon einmal genannt: Ebenso, wie mir die Vorstellung, mittendrin statt nur dabei zu sein Angst bereitet, löst sie doch eine gewisse Form von Sehnsucht aus. Sehnsucht der Sorte, die nicht mal eben weggeht. Das ist eigentlich ja durchaus ein gutes Zeichen und Signal meines Körpers an mich, der mir mitteilen will, dass ich für die Dinge, die da in Frankfurt und im Frühjahr in Leipzig passieren, brenne. Dass ich da keine Liebhaberei habe, sondern ein wirkliches Interesse – und das bei Weitem nicht nur unter dem Aspekt einer möglichen „Karriere“ als Schriftsteller.

Was mir fehlen würde, wäre eine Art Guide. Jemand, der mich ans Patschhändchen nimmt und sagt: Mache dir keine Sorgen, ich passe auf dich auf. Denn ich bin mir nicht sicher, ob ich das in diesem Setting für mich selber erreichen könnte. Zumal ich jetzt nicht der Mensch bin, der freudestrahlend auf andere zugeht, sich vorstellt und dann ganz zwanglos losplaudert.

Aber so sehr ich mich auch bemüht habe, ich konnte die Buchmesse selbstverständlich nicht ignorieren. Und jetzt, wo die ganzen Nachlesen und Fazits kommen, wird es noch einmal doppelt so schwer. Die letzten Tage waren schon nicht einfach, wo ich mich gefragt habe, ob ich nicht einfach einen Knall habe, dass ich nicht zur Messe gefahren bin.

Und diese Frage ist es auch, die mich jetzt bereits über das kommende Jahr nachdenken lässt. Soll ich es einfach wagen? Was habe ich zu verlieren? Eigentlich nichts, denn die Messe wäre für mich auch abseits jeglicher anderer Dinge als Besucher schon superspannend. Also stünden auch Ausgaben für Anreise und Hotel nicht auf der Verlustseite. Meine Frau hat mir auch schon gesagt, ich solle mir für nächstes Jahr doch einfach einen Aufenthalt organisieren.

Die Leipziger Buchmesse findet vom 23. bis 26. März statt. Und Frankfurt ist, welch Wunder, in etwa einem Jahr wieder, genauer gesagt vom 11. bis 15. Oktober. Dann kommt die Frage danach, welche Messe man besucht, was man eigentlich will, usw. usf.

Aber vorher muss ich, glaube ich, Mut schöpfen. Wie macht man das, Mut schöpfen?

Oder ich springe einfach ins kalte Wasser. Auf die Gefahr, vor lauter Kälte einen Herzschlag zu erleiden.

Ich weiß es noch nicht. Ehrlich nicht. Aber ich weiß, dass nach der Buchmesse vor der Buchmesse ist. Und dass für mich genau jetzt die Überlegungen anfangen müssen, ob ich 2017 mit dabei sein möchte.

»Wir feiern hier ’ne Party – und du bist nicht dabei!«

Es gibt Menschen, denen fällt es leicht, mit anderen in Kontakt zu kommen. Sie gehen auf eine Party, auf eine öffentliche Veranstaltung, oder sonstwohin und stellen sich im Zweifel einfach zu anderen dazu, machen ein freundliches Gesicht und beginnen damit, sich in die Konversation einzuschalten. Das machen sie so, dass niemand ihnen deswegen böse ist. Ganz im Gegenteil: Binnen kürzester Zeit sind sie nicht nur so integriert, dass jeder davon ausgeht, dass sie immer schon Teil dieser Gruppe waren, sie schwingen sich manchmal sogar zu deren Anführern auf. Den Wortführern, wenn man so will.

Und dann gibt es die Menschen, die leider nicht mit diesen Qualitäten gesegnet sind. Die, die nicht einmal genau zu sagen wissen, wie sie eigentlich genau auf die Party geraten sind, auf der sie nun irgendwo am Rand stehen, sich an ihrem Getränk festhalten und scheu in die Runde schauen – immer im schrecklichen Zwiespalt, ob sie nun darauf warten sollen, dass sich jemand ihrer erbarmt und sie anspricht, oder ob das genau das ist, wovor sie am meisten Angst haben.

Diese beiden Menschenschläge gibt es auch im Internet und auch bei Autoren. Nachdem ich mich jetzt schon eine ganze Weile in diesem Umfeld tummle, würde ich sagen, dass es gerade bei Autoren eine Menge Menschen gibt, die zu einem der beiden Extreme tendieren

In meinem Beitrag von gestern hat sich zufällig in den Kommentaren eine Unterhaltung ergeben, die mich auf diesen Artikel brachte. Oder sagen wir: Die bei mir mal wieder zum Vorschein brachte, dass ich mich ganz eindeutig der zweiten geschilderten Sorte von Menschen zugehörig fühle.

Es gibt eine Menge von Autorenvereinigungen, -kollektiven, -gruppen und wie man sie alle nennen möchte. Und alle diese Gruppen haben für mich eines gemeinsam: Sie machen mich auf der einen Seite ängstlich, auf der anderen Seite sehnsüchtig. Wie gerne würde ich rübergehen, mich vorstellen, dazu stellen, interessiert zwischen den Gesprächspartnern hin und her schauen und dann, ganz ungezwungen, meinen Mund aufmachen.

Alleine – ich kann es nicht!

Es ist manchmal absolut zum aus der Haut fahren, weil ich sehe, wie leicht das anderen Menschen zu fallen scheint. Und das sind nicht etwa alles Menschen, die nun viel anders wären, als ich es bin. Nein, einige von denen haben eigentlich sogar die gleichen Probleme wie ich, berichten von Schwierigkeiten, auf andere zu zu gehen, von Schwächen, die sie haben.

Und trotzdem scheint es da etwas zu geben, was mich noch mehr zurückhält. Ich glaube sogar, zu wissen, was es ist.

Damals, als ich mich noch sehr zeitaufwendig in einem gewissen Fandom herumgetrieben habe, versucht habe, Projekte mit anzuschieben und anderen Leuten mit meinem Wissen unter die Arme zu greifen, ist das für mich gewaltig in die Hose gegangen. Am Ende standen ein Nervenzusammenbruch und das ziemlich jähe Ende eines Lebensabschnitts im Internet.

Vielleicht bin ich deswegen einfach nicht in der Lage, vorbehaltlos auf andere Menschen zu zu gehen. Sollte man eigentlich gar nicht meinen, wenn man meinen Blog so liest, oder? Na ja, im Laufe der Zeit habe ich gelernt, mich gut zu verkaufen. Das könnte mir als Autor noch gute Dienste leisten [/Sarkasmus].

Aber was mache ich jetzt damit? Ich weiß, dass es da draußen diese „Partys“ gibt. Und ich weiß auch, dass es eigentlich total doof ist, nicht hinzugehen. Ebenso weiß ich, dass die meisten Partys durchaus offen dafür sind, dass sich Neulinge an Gesprächen beteiligen. Ich könnte auch meine eigene Party geben. Aber das ist ein Konjunktiv, der riesengroß und für mich nicht zu bewältigen ist.

Und so bleibt manchmal nur eine diffuse Traurigkeit über. Der ich mich irgendwie stellen muss. Ich weiß nur noch nicht genau wie.

Manchmal kommen die Zweifel

Vorhin habe ich einer Freundin auf ihre E-Mail geantwortet, die sie mir vor einiger Zeit geschickt hat. Ich gebe zu, manchmal brauche ich ein wenig, um solche Sachen zu erledigen. In dieser Mail brachte sie einen Punkt auf, der mir ein wenig Sorgen bereitet hatte. Zuvor hatte ich ihr nämlich geschrieben, dass mir die ganzen Dinge, die in Zusammenhang mit dem Thema Schreiben und Veröffentlichung stehen, hin und wieder auch einfach mal Angst machen.

Diese Angst resultiert zum einen daraus, alles „richtig“ machen zu wollen. Ich weiß, dass es die „richtige“ Vorgehensweise nicht gibt. Und schon gar nicht als Universallösung für alle Menschen, egal ob Autor oder nicht. Matthias Matting hat es in einem Artikel auf seiner Seite selfpublisherbibel.de mal in zwei Worten auf den Punkt gebracht: Einfach machen!

Ich hatte in diesem Zusammenhang aber auch noch von einer anderen Sorge berichtet, die mich umtreibt. Nämlich die, dass ich im Zweifel von einigen meiner Leser hier als Schwätzer angesehen werden könnte, der nun schon seit über anderthalb Jahren erzählt, dass er jetzt unbedingt seinen Traum vom eigenen Buch erfüllen will, es aber partout nicht auf die Kette bekommt, das jetzt auch stringent durchzuziehen.

Meine Freundin schrieb mir daraufhin folgende Sätze ins Stammbuch:

Aber eins find ich wichtig – mach nicht wegen der anderen weiter, sondern weil du es willst und weil es dein Traum ist. Selbst wenn du hinschmeißen würdest wärst du kein Schwätzer – du hast es doch versucht.

So sehe ich es den überwiegenden Teil der Zeit selber. Ich habe niemandem gegenüber eine Verpflichtung, was den Zeitpunkt und die Art meiner ersten Veröffentlichung angeht. Nicht einmal was den Titel des Romans angeht, habe ich eine Verpflichtung. Wenn ich auf die Idee käme, von jetzt auf sofort meine Pläne hinsichtlich „Der Beobachter und der Turm“ zu canceln, was soll dann passieren? Dann schauen einige Testleser mich schräg an, ich habe einen Lektor, der sicherlich nie wieder mit mir arbeiten will, aber meinen potentiellen Lesern wäre das vollkommen Schnuppe.

Die Frage ist doch, womit ich mich authentisch fühle.

Und da kommen manchmal die Zweifel. Die Zweifel daran, dass ich wirklich in der Lage bin, den eingeschlagenen Weg bis zu seinem Ende zu gehen. Die Zweifel, wie es nach einer Veröffentlichung weitergehen wird. Sehe ich mich wirklich zu 100% als Selfpublisher oder ist das letztendlich doch nicht mehr als eine Verlegenheitslösung? Ist es schlimm, wenn ich jetzt auf eigene Faust veröffentliche und damit gegebenenfalls viel Geld „verbrenne“?

Meine Güte, das sind Fragen, die schon mal an einem nagen können. Die Sorte Fragen, die einem typischerweise in der Nacht, zwischen Schlafen und Wachen, rund um Mitternacht oder im finstersten Morgengrauen kommen.

Ja, manchmal kommen trotz allem die Zweifel. Trotzdem ich das alles einigermaßen auf die Reihe bekomme, hinter einige kleinere Projekte einen Schlusspunkt setzen konnte und zwei größere Projekte sich in neuen und guten Perspektiven bewegen.

Es sind keine Zweifel an meiner Fähigkeit zu schreiben, das ist das perfide. Ich weiß, dass ich schreiben kann. Vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack, aber das ist, wie der Name es sagt, eben Geschmackssache. Es sind Zweifel an meinen Fähigkeiten als Organisator, Planer, Marketingmensch. Der große Zweifel, ob ich das wirklich „alles richtig“ machen kann.

Ja, manchmal denke ich immer noch ans Aufgeben, solange nicht mehr passiert ist, als dass ich mich dann vor einigen Lesern hier zum Volldepp gemacht habe. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich schließlich ungeniert. Das gilt auch für Schwätzer in eigenen Blogs. Manch einer hat eine Karriere darauf aufgebaut, ein Schwätzer zu sein.

Ich will das aber für mich nicht. Nicht so.

Und deswegen nehme ich mir die Sätze meiner Freundin zu Herzen. Ich mache weiter, weil es mein Traum ist, weil es mein Ziel ist. Ich will und werde kein Schwätzer sein. Und wenn alle meine Projekte und Hoffnungen sich zerschlagen, dann werde ich trotzdem auf irgendeine Weise weitermachen.

Weil ich es will. Und weil ich es kann!

Und dann lösen sich die Zweifel auf wie Frühnebel im Sonnenschein.

Erschöpft auf dem Zahnfleisch gehend

Meine Lieben,

der folgende Beitrag könnte Spuren von Jammern, Selbstmitleid und Überreizung enthalten. Für diejenigen von euch, die damit nichts anfangen können oder wollen, empfehle ich daher, diesen Beitrag schnell wieder zu schließen und auf morgen zu warten, wo dieser Blog sicherlich wieder in den normalen Modus zurückkehren wird. Vielen Dank!

So, nachdem wir jetzt in relativ beschaulicher Runde beisammen sitzen, kann ich ja ohne jegliche Scham zugeben, dass ich langsam kreativ und textlich gesehen das Gefühl habe, auf dem Zahnfleisch zu gehen. Es ist jetzt schon über eineinhalb Monate her, dass ich die Arbeit an „Die Welt der stillen Schiffe“ abgeschlossen habe und ich bin immer noch nicht so richtig in die Bearbeitung von „Der Beobachter und der Turm“ eingestiegen, wie ich es wollte.

Dafür liegen mehrere Gründe vor. Zum einen ist es die pure Sorge, den Text immer weiter zu verschlimmbessern. Ich hatte eine Vision vor Augen, als ich ihn schrieb (und ja, ich kenne den alten Spruch bezüglich Visionen), die ich nun nicht aus den Augen verlieren möchte.

Ich weiß, dass es wahrscheinlich gut wäre, zu diesem Zeitpunkt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nicht in Bezug auf meinen Geisteszustand, da kann ich sowieso immer Hilfe gebrauchen ;-), sondern in Bezug auf die Textarbeit. Es gibt sehr gute Gründe dafür, dies zu tun und es gibt Gründe, die dagegen sprechen. Ich schiebe jetzt schon seit über einer Woche einen Beitrag vor mir her, in dem ich über dieses Thema genauer sprechen wollte. Auch so ein Zeichen, dass ich einfach k.o. bin.

Ein weiteres Zeichen ist, dass es mir, wie ich schon schilderte, an manchen Tagen unglaublich schwer fällt, mich überhaupt an die Tastatur zu setzen – und sei es nur für einen Blogeintrag. Ja, ich weiß, das Bloggen ist kein Muss. Aber in gewisser Weise ist es das für mich doch, weil es mich zumindest im Schreibfluss hält, falls ihr versteht, was ich meine.

Schlimm finde ich, dass meine kreative Ader im Moment ein wenig abgeklemmt zu sein scheint. Soll heißen: ich habe eigentlich konkrete Projekte vor mir liegen, zu denen ich mich aber nicht aufraffen kann. Wieder so ein Zahnfleischmoment. Und von meinen Aktivitäten im Bereich Social Media will ich mal gar nicht reden.

Also – gibt es noch Hoffnung für diesen Autor, der gerade ein wenig in den Seilen hängt? Ja, die gibt es! Es stehen einige Wochen Urlaub vor der Tür und auch wenn die sich überwiegend in den eigenen vier Wänden abspielen werden, wird mir diese Zeit hoffentlich gut tun, die kreativen Energien wieder ins Fließen zu bringen. Das rettet mich dann sicherlich auch in Bezug auf diesen Blog, der mir über die Maßen ans Herz gewachsen ist.

In Bezug auf die Überarbeitung des „Beobachters“ muss ich die Entscheidung, die ja eigentlich schon gefallen ist (siehe oben), eigentlich nur noch in die Tat umsetzen. Ja, ich weiß, da hatte ich neulich mal so einen Artikel über „einfach mal„. Auch dies ist so ein Fall.

Ich denke, ich brauche einfach ein wenig Zeit, neue Kraft und neuen Mut. Von all dem habe ich im Moment, gefühlt, viel zu wenig. Es lohnt sicher aber nicht, zu sehr dagegen anzukämpfen, weil dieser Kampf nur noch mehr Ressourcen binden und vernichten würde. Also werde ich jetzt versuchen, mich damit zu arrangieren und langsam, ganz langsam, wieder in den aufrechten Gang überzuwechseln.

Damit es meinem Zahnfleisch bald wieder besser geht, damit es mir bald wieder besser geht.

Und damit ich keine weiteren dieser Jammer-Beiträge schreiben muss, die ich eigentlich gar nicht schreiben will. Und doch tut es manchmal gut, es einfach herauszulassen. Danke, dass ihr mir zugehört habt!

Liebe Grüße
Michael

Der Beobachter, der Turm, der NaNo, die Angst, der Rest

Hallo ihr Lieben!

Zunächst möchte ich mich noch einmal für die Glückwünsche bedanken, die mich zur Fertigstellung meines Romans erreicht haben. Ich habe mich über jeden einzelnen, natürlich auch über die stummen Likes, sehr gefreut! Es ist nach wie vor komisch für mich, mich tatsächlich mit dem, was ich schreibe, in die Öffentlichkeit zu begeben. Aber es war wohl auch nicht zu erwarten, dass ich ein uraltes Muster binnen eines halben Jahres würde aufgeben können, nicht wahr?

Nun ist „Der Beobachter und der Turm“ also fertig. Das war ein sehr seltsames Gefühl, da ich diesen Roman nun wirklich über 15 Jahre im Hinterkopf mit mir herumgetragen habe. Bis ich mich vor zwei Monaten dazu entschloss, ihn nun doch noch einmal anzugehen und fertig zu stellen, war ich eigentlich davon überzeugt, dass er auf ewig ein unvollendetes Fragment bleiben würde. Ein Stachel in meinem Fleisch, der bohrte und piekste, sobald ich glaubte, es mir jetzt allmählich gemütlich machen zu können.

Der „Beobachter“ symbolisierte für mich ein Scheitern an mir selbst, ein scheitern vor allem an einem für mich schwierigen Thema, nämlich der Liebe, der Sexualität, der Veränderung. Und so wurde er in meinem Kopf immer größer und immer (ge)wichtiger. Bis ich richtig Angst vor diesem Manuskript bekam.

Ja, ich glaube, ich kann meine Angst von gestern jetzt ein wenig besser einordnen. Natürlich ist ein Teil die Angst, dass das Manuskript in die Welt gehen soll. Es hatten sich Testleser gemeldet (die ich nicht vergessen habe, die aber natürlich auch noch zurücktreten können, wenn sie wollen), ich habe ein Lektorat in Aussicht (Premiere für mich!) und ich denke ernsthaft über den Weg des Selfpublishing hierfür nach. Dass kann schon mal Angst machen.

Die zweite Angstkomponente kenne ich auch schon seit Jahren. Es ist die Angst, jetzt aber endgültig die letzte Geschichte erzählt, den letzten Roman geschrieben zu haben, der in meinem Kopf ist. Daraus erwächst die Manie, einen neuen Roman am besten direkt nach dem Tag anzufangen, an dem der letzte abgeschlossen wurde. Klingt nicht nur unentspannt, ist es auch.

Und dazu kam dann jetzt doch die große Angst, gescheitert zu sein. Den Roman nicht so gut gemacht zu haben, wie er hätte werden müssen! Auch dies ausgelöst durch die lange Spanne, die zwischen dem ersten und dem letzten Wort des Projekts gelegen hat. Nun, das wird die Zeit zeigen.

„Der Beobachter und der Turm“ ist jedenfalls im ersten Entwurf fertig. Diesen werde ich jetzt an zwei bis drei Stellen noch einmal überarbeiten, wo ich bereits weiß, dass ich noch einmal was tun muss. Dann schaue ich mal, wie der weitere Weg am sinnvollsten ist. Erst veröffentlichen, dann lektorieren lassen? (Scherz!)

Für den NaNo habe ich mir etwas einfallen lassen, das mir ermöglichen wird, die noch „fehlenden“ rund 18.000 Worte schreiben zu können. Ich greife einen Faden/Bestandteil auf, der sowohl in „Der Beobachter und der Turm“, als auch in „Der Ruf des Hafens“ eine Rolle gespielt hat – die sich ja ein „Universum“ teilen.

Der Arbeitstitel der kleinen/großen (ich weiß ja vorher nie so genau, was sich ergibt) Geschichte lautet „Die Welt der stillen Schiffe“. Ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird.

Ansonsten versuche ich, es jetzt ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Die Arbeit der letzten Wochen hat mich mitgenommen. Das Tempo, das ich teilweise gegangen bin, hat Spuren hinterlassen. Ich möchte keinen erneuten Schreib-burn-out riskieren, wie ich ihn 2013 erlitten habe.

Nicht jetzt, wo ich langsam anfange, meiner schriftstellerischen Arbeit einen neuen Sinn zu geben!

Ich werde euch berichten, wenn ihr mögt! Danke fürs Zuhören und euer Interesse!

Michael

“Der Beobachter und der Turm” – Status nach der 6. Woche

Die letzte Woche war in Bezug auf den „Beobachter“ eigentlich sehr unspektakulär. Wenn man mal davon absieht, dass ich einfach ein paar Elemente aus der Handlung gekickt habe, die auf dem Papier vor fünfzehn Jahren ganz gut aussahen, aber zum jetzigen Manuskript einfach nicht mehr gepasst hätten. Und ich habe, wie ich ja auf Facebook angekündigt hatte, Richard in den Turm geschickt. Das heißt, eigentlich hat sich ja doch einiges getan, wenn ich es so Revue passieren lasse.

Den Part im Turm werde ich am Ende noch einmal etwas deutlicher überarbeiten müssen, glaube ich. Mein Problem ist, dass Richard über weite Teile dieser Szenen alleine agiert. Da fällt es im Eifer des Gefechts nur zu leicht, in eine Orgie von unnötigen Gedankenfetzen auszubrechen und damit Seite um Seite zu füllen. Das will natürlich keiner lesen. Und ich eigentlich auch nicht schreiben, aber manche Tage laufen so. Und mit dem kommenden NaNo im Blick, werde ich solche Anwandlungen auch nur in dem Maß unterdrücken, wie ich es sonst auch tue. Und vor allem dem Impuls widerstehen, das alles noch einmal zu löschen, weil es sowieso „doof“ ist.

Leider habe ich, ausgelöst durch verschiedene Nebenkriegsschauplätze, heute so eine Art Knick beim Selbstbewusstsein bekommen, was speziell diesen Roman angeht – aber irgendwie auch meine Schreiberei insgesamt. Ich hoffe mal, dass sich das im Laufe der Nacht wieder gibt und morgen wieder die Motivation und das Selbstvertrauen neu da sind. Es gibt solche Tage. Sie sind weniger geworden, aber leider gibt es sie noch. Da muss ich dann wohl durch.

Deswegen fasse ich mich jetzt auch ein wenig kürzer, als ihr das von mir an dieser Stelle gewohnt seid. Aber, wie immer, noch ein paar Worte zur Statistik. „Der Beobachter und der Turm“ umfasst nach sechs Wochen 100.398 Worte auf 401 Seiten. Das sind im Tagesdurchschnitt immer noch NaNo-kompatible 2.390 Worte. Klingt gut, finde ich.

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend, hoffentlich ohne Nebenkriegsschauplätze!

Das Anschreiben, die Versionen 3.0 und 3.1

Bei der gestrigen angenehmen Diskussion über die Frage, wie man denn nun am besten eine Literaturagentur anschreibt, ließen sich zum Schluss grob gesprochen zwei Richtungen identifizieren:

Die eine Variante war, das Schreiben im Grundton nüchtern und nur mit wenigen Einsprängseln von Leidenschaft zu formulieren (Version 3.0) und die andere, ein wenig mehr Leidenschaft und dafür nur einen Hauch an Nüchternheit zu verwenden (Version 3.1).

Nachdem ich jetzt noch einmal eine Nacht darüber geschlafen habe, habe ich mich entschlossen, sozusagen abschließend diese beiden Versionen noch einmal hier vorzustellen. Ich will da keine Abstimmung draus machen, weil ich mir sehr bewusst bin, dass am Ende des Tages ich derjenige bin, der mit diesem Anschreiben wird leben müssen. Das kann mir keine Abstimmung auf meinem Blog abnehmen.

Aber eure Meinungen interessieren mich natürlich brennend!

Wie dem aber auch sei, nach diesen beiden Versionen, die ich gleich noch einmal präsentieren werde, werde ich mich an die Erstellung des endgültigen Exemplars machen. Dieses werde ich erst dann wieder hier posten, wenn es auf dem Weg zu den ersten Agenturen ist. Einfach, weil ich irgendwann für mich einen Strich unter diese Aufgabe ziehen muss. Und ich kenne mich gut genug: wenn ich immer weiter alles zur Disposition stelle, dann sitzen wir in drei Wochen noch vor unseren Tastaturen und debattieren über Version 98.0!

Daher als zunächst zu Version 3.0, der etwas nüchteren Variation. Ich habe die Anregungen weitgehend eingearbeitet, soweit es mir passend erschien. Vor allem das Einfließen lassen eines kleinen Ausblicks auf den Romaninhalt finde ich gar nicht schlecht. Der Rest ist ja recht nahe an meinem ersten Entwurf.


Version 3.0

Sehr geehrte …,

gerne stelle ich Ihnen mein Manuskript mit dem Arbeitstitel „Der Morgen danach“ vor. Es handelt sich dabei um einen Thriller, spielend im Deutschland der Gegenwart. Den Hintergrund bilden die in Teilen der Gesellschaft vorhandenen rechtsextremen Strömungen. Dabei folgt die Handlung folgt dem von Erinnerungslücken gequälten Protagonisten auf der Suche nach seiner Identität, seinem Platz in dieser Gesellschaft.

Wie ich Ihrer Website entnehmen konnte, haben Sie ein Interesse an der Prüfung von Werken neuer Autoren. Mit den beigefügten Unterlagen möchte ich Ihnen einen Eindruck von meinem Manuskript verschaffen. Sollte ich damit Ihr Interesse geweckt haben, sende ich Ihnen gerne den vollständigen Text zur weiteren Begutachtung und Prüfung zu.

Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen


 

Version 3.1 geht ein wenig spielerischer mit dem Inhalt des Anschreibens um. Den Traum habe ich zumindest am Beginn stehen gelassen, ihn aber am Schluss entfernt. Die Freude der Menschen, die meinen Roman lesen „dürfen“ habe ich mit einem unsicheren Grinsen aber dennoch gerne aufgenommen. Schön finde ich den Satz „Ich möchte diesen Traum gerne mit Ihnen zusammen verwirklichen“. Den werde ich wohl auf jeden Fall mit aufnehmen, egal wie das endgültige Anschreiben aussehen wird.


Version 3.1

Sehr geehrte …,

seit Jahren habe ich einen Traum. Ich träume davon, dass eines meiner Manuskripte den Weg in die Buchhandlungen findet und möglichst vielen Menschen Freude am Lesen bereitet. Ich möchte diesen Traum gerne mit Ihnen zusammen verwirklichen. Daher komme ich auf das auf Ihrer Website gemachte Angebot zurück, Werke von neuen Autoren auf eine mögliche Zusammenarbeit hin zu prüfen.

Deswegen ist es mir eine Freude, Ihnen mein Manuskript mit dem Arbeitstitel „Der Morgen danach“ vorzustellen. Es handelt sich hierbei um einen Thriller, der im Deutschland der Gegenwart vor dem Hintergrund der vorhandenen rechtsextremistischen Strömungen in Teilen der Gesellschaft spielt.

Die beigefügten Unterlagen sollen Ihnen ermöglichen, sich einen Eindruck von meinem Manuskript verschaffen. Sollte ich damit Ihr Interesse geweckt haben, sende ich Ihnen gerne den vollständigen Text zur weiteren Begutachtung und Prüfung zu.

Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen


 

Ich bedanke mich ausdrücklich noch einmal für eure Mithilfe und Inspiration. Diese werde ich auch für diese beiden Versionen gerne noch einmal berücksichtigen, im Zweifel noch einmal eine Nacht oder zwei darüber schlafen – und dann eine Entscheidung treffen. Ich weiß, dass ich das weiter oben im Text schon gesagt habe. Aber ich muss es mir im Moment, glaube ich, noch ein paar Mal öfter vorsagen, damit ich auch den Mut sammle, das so durchzuziehen …

Wie schreibt man eine Literaturgentur an?

Wenn es nicht so traurig wäre, dann müsste ich es eigentlich als lächerlich bezeichnen. Und lauthals lachen. Wobei mir das Lachen im Moment etwas im Hals stecken geblieben ist.

Wie ihr wisst, arbeite ich im Öffentlichen Dienst. Und auch wenn ich dort so gut wie keinen Kontakt zu Kunden außerhalb der Verwaltung habe (Querschnittsamt eben), so gehört das Abfassen von Anschreiben, egal ob per E-Mail oder per Post, zu meiner täglichen Arbeit ebenso dazu wie der erholsame Büroschlaf – um euch den Zahn mit den Beamtenwitzen mal direkt zu ziehen.

Und jetzt sitze ich hier und wälze meine gesamten vorhandenen Schreibratgeber, weil ich mir mittelprächtig unsicher bin, wie genau ich jetzt das Anschreiben an eine Literaturagentur abzufassen habe! Damit meine ich natürlich nicht die Form, die kenne ich. Wobei auch das bei Bewerbungen per E-Mail so eine Sache ist. Schreibe ich das Anschreiben direkt in die E-Mail oder mache ich eine eigene Datei daraus? Ich denke, ich werde vorsichtshalber beides machen, also das Anschreiben auch noch mal als PDF-Datei anhängen.

Aber es bleibt bezüglich des Inhaltes schwierig. Die Sprache soll nüchtern sein, eben im Tonfall eines Geschäftsbriefes. Kann ich. Gleichzeitig soll es nicht so ausführlich werden. Kann ich schon deutlich schlechter. Und nach Möglichkeit soll es nicht direkt so abschreckend wirken, dass der Literaturagent am anderen Ende der Leitung die Mail direkt ungelesen löscht.

Ein Zitat, das ich in einem der Ratgeber gefunden habe lautet: „Beim Anschreiben braucht man gar nicht besonders kreativ zu sein – die Kreativität sollte man sich für den Roman aufsparen.“

Da liegt sehr viel Wahrheit drin, aber genau das ist im Moment mein Problem – dass ich eigentlich doch lieber kreativ wäre, als mich in und durch Formalien zu kämpfen. Ich glaube, es wird wirklich höchste Zeit, dass ich den ersten Schwung an Bewerbungen auf die Reise schicke. Sonst werde ich noch vollkommen verrückt und unsicher deswegen!

Was mich zurück zum Anschreiben bringt. Da mein kleiner Blog ja nun noch nicht so bekannt ist, dass potentielle Agenten sofort wissen, was ich getan habe, würde ich euch gerne den Entwurf meines Anschreibens präsentieren und um Anmerkungen bitten.

Ihr würdet ein wirklich gutes Werk an mir verrichten!

Also, los geht’s (den formalen Kram mit Anschriften und so lasse ich mal weg):

Sehr geehrte …,

da mich die Informationen, die ich Ihrer Website entnehmen konnte, sehr angesprochen haben, möchte ich gerne auf das dort gemachte Angebot zurückkommen, Werke von neuen Autoren auf eine mögliche Zusammenarbeit hin zu prüfen. Zu diesem Zweck darf ich Ihnen mein Manuskript mit dem Arbeitstitel „Der Morgen danach“ vorstellen.

Es handelt sich hierbei um einen Thriller, der im Deutschland der Gegenwart vor dem Hintergrund der momentan leider vorhandenen rechtsextremistischen Strömungen in Teilen der Gesellschaft spielt.

Ich würde mich freuen, wenn Sie die beigefügten Unterlagen einer Prüfung unterziehen. Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben, sende ich Ihnen gerne den kompletten Text zur weitergehenden Begutachtung zu.

Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

Danach folgt noch die Auflistung der Anlagen.

Was meint ihr, ist das zu viel, zu wenig, oder zu … bäh?

Ich bin auf eure Meinungen gespannt!

Die Traum-Agentin

Vor langer, langer Zeit, also zumindest in Bezug auf die Lebensspanne dieses Blogs gerechnet, habe ich einmal davon phantasiert, wie es wäre, wenn es eine Maschine gäbe, die all das, was man träumt, praktisch mitschreibt. Auf diese Weise erhoffte ich mir viele schöne neue Ideen zu Geschichten, Romanen und so weiter. Ein Alptraum wäre es hingegen, wenn manche Träume wahr werden würden.

Ich schlafe in den letzten Tagen nicht besonders gut. Die Gründe, aus denen das so ist tun hier nicht wirklich etwas zur Sache, aber es bringt mir nichts, wenn ich sie ignoriere. Deswegen werden die Träume, die ich habe, aber nicht unbedingt angenehmer. Sagen wir es einmal so: lustig sind diese Geschichten im Moment eher nicht.

Und ganz besonders gequält hat mich der Traum, den ich vorgestern gehabt habe und den ich jetzt aufschreiben möchte, um ihn aus meinem Kopf zu verbannen. Ich weiß, dass das bei mir funktioniert – und ihr müsst da jetzt einfach mal durch:

Es ist ein sonniger und heißer Tag. Die Sonne spiegelt sich in den großen Fenstern des vielstöckigen Gebäudes vor mir. Unter meinem Arm habe ich einen großen Papierumschlag im A4-Format. Ich merke, dass ich nervös bin und von einem Fuß auf den anderen trippel.

Endlich fasse ich mir ein Herz und betrete das Gebäude, das von innen fast noch einen unpersönlicheren Eindruck macht, als es das von außen bereits getan hat. Zielstrebig gehe ich auf einen der Fahrstühle zu, steige ein und drücke auf einen der Knöpfe.

(Einwurf: ich bin mir nicht sicher, aber ich könnte schwören, dass es der zur achten Etage ist. Was Sinn machen würde, denn ich selbst arbeite in der achten Etage. Psychologen an die Front!)

Angekommen öffnet sich die Tür wieder und ich stehe direkt in einem großen Zimmer, das mit geschmackvollem Teppich ausgelegt ist. Abgesehen von drei Schreibtischen ist es leer. Türen gehen zu beiden Seiten im 45°-Winkel ab. Ehe ich es noch richtig mitbekommen habe, stehe ich auch schon mitten in diesem Zimmer, die Tür des Fahrstuhls hat sich hinter mir geschlossen.

Ich bin allein. Aber wie es in Träumen häufig der Fall ist, tauchen binnen einer Millisekunde weitere Menschen auf. Zwei Frauen und ein Mann. Alle drei sitzen hinter jeweils einem der Tische, der Mann mir gegenüber.

Er fragt mich, was ich möchte. Immer noch habe ich meinen Papierumschlag in der Hand, der immer schwerer zu werden scheint. Ich sage keinen Ton, aber die linke der beiden Frauen, gekleidet in einem dieser typischen schwarzen Businessanzüge, der herrlich mit den blonden gewellten Haaren kontrastiert, scheint auch so verstanden zu haben. Sie steht auf und bedeutet mir, mit ihr zusammen das Nachbarzimmer zu betreten.

Wieder ein Sprung und ich sitze an einer Art Konferenztisch, der eine schwarze Steinplatte obenauf hat. Die Blondine nimmt mir gegenüber Platz und zeigt auf den Umschlag. Ich öffne ihn und hole (bitte die Psychologen wieder holen, danke!) eine Bewerbung für die Veröffentlichung von „Der Morgen danach“ hervor.

Die Frau nimmt sich die Unterlagen, wirft einen kurzen Blick darauf und fragt mich dann sinngemäß, wieso ich gerade hierher gekommen sei.

Ich antworte, stotternd, dass ich gerne mein Manuskript anbieten möchte.

Aber so etwas veröffentlichen wir gar nicht, lautet die Antwort.

Inzwischen steht mir der kalte Schweiß auf der Stirn – der übrigens auch nach dem Aufwachen noch da sein wird.

Ich frage, ob sie es sich nicht einmal richtig anschauen mag.

Nein, denn sie weiß auch so schon, dass es nicht gut genug ist. Und ein Teil von mir gibt ihr Recht!

Trotzdem gewährt sie mir die Chance, in zwei Sätzen zu sagen, was ich zu dem Manuskript zu sagen habe. Und ich kann nicht mehr sprechen! Mir versagt die Sprache einfach!

(Hierfür brauche ich jetzt keine Psychologen mehr, danke auch. Ich habe leider schon Erfahrungen mit stressbedingtem Sprachverlust machen müssen, danke auch.)

An dieser Stelle bin ich hochgeschreckt und der Traum hat sich – einigermaßen – verflüchtigt.

Über das, was er mir sagen will, bin ich mir absolut im Klaren. Über das, was ich ihm entgegensetzen sollte, auch. Nur irgendwie habe ich im Moment Schwierigkeiten, mich selbst auf dieses Ziel zu fokussieren. Da spielt wieder die Angst vor Ablehnung hinein. Und das Gefühl, vor den Bewerbungen einfach davon zu laufen, Ausflüchte zu suchen. Ein Teil von mir rebelliert gegen die Stagnation und will mir auf diese Weise wahrscheinlich in den Hintern treten, damit ich eben diesen endlich hoch bekomme.

Aber ja, ich habe Angst. Und im Moment muss ich darum kämpfen, diese Angst als Antriebskraft zu nutzen und nicht als Ausrede, mich weiterhin zu verstecken.

Als einen ersten Schritt in die richtige Richtung sehe ich diesen Beitrag an, den ich nicht leichten Herzens verfasst habe. Aber ich habe mir, als ich meinen Traum vom Buch öffentlich gemacht habe vorgenommen, ehrlich zu mir und ehrlich zu euch zu sein. Bitte schön, das war ehrlich.

Ehrlich ist nicht immer schön und leicht 😦 .

Ich wünsche euch dennoch einen guten Start ins Wochenende! Und schöne Träume!

Wisst ihr, was komisch ist?

Wisst ihr, was wirklich, wirklich komisch ist? Ich habe doch tatsächlich Angst, mich an die Erstellung meines Exposés zu machen!

Um den Begriff noch einmal kurz zu erläutern: das Exposé ist so etwas wie die Kurzzusammenfassung einer kompletten Romanhandlung, wenn man so möchte also ein auf wenige Seiten konzentriertes Extrakt des Manuskripts. Auch dieses Instrument ist wieder der notorischen Knappheit an Zeit geschuldet, die ein Lektor oder Agent sich mit einem einzelnen Projekt befassen kann. Man kann also schon sagen, dass dem Exposé eine gewisse Wichtigkeit zukommt.

Nun habe ich mich gut vorbereitet, unter anderem durch passende Literatur. In diesem Fall ist es das wirklich gute Buch „Drei Seiten für ein Exposé“ von Hans Peter Roentgen. In diesem zeigt er an mehreren Beispielen, wie man ein Exposé verbessern kann, indem man seine Schwächen und gleichzeitig auch Schwächen in der eigenen Romanhandlung entdeckt.

Nur, um das auf meinen Roman anwenden zu können, müsste ich wohl erst einmal ein Exposé haben. Und da streikt es bei mir gerade ein wenig. Ich bin mir total unsicher, wie ich schreiben soll, was ich schreiben soll und warum ich schreiben soll.

Und ich suche unbewusst schon wieder nach Gründen, doch noch was zum Umschreiben zu haben, was die Arbeit am Exposé und damit den Bewerbungsunterlagen verhindert. So dachte ich heute darüber nach, ob ich nicht eine Mitarbeiterin der Freiburger Bahnhofsmission, die meinem Protagonisten beim Start in die Stadt ein wenig unter die Arme greift, später noch einmal auftreten lassen sollte, wie sie wieder Partei für ihn ergreift, als er sich dem Angriff von mehreren Punks ausgesetzt sieht. Aber das würde der Story nichts hinzufügen als einen sehr unwahrscheinlichen Zufall. Deswegen sollte ich es bleiben lassen. Werde ich wohl auch tun.

Aber jetzt muss langsam Butter bei die Exposé-Fische! Gleich morgen. Oder übermorgen.