AWDML (11) Wie ich selbst einmal ein Hörspiel schrieb

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Kommen wir noch einmal auf das Thema Hörspiele zurück, mit dem wir uns ja gerade erst beschäftigt hatten. Wie ich euch ja schon berichtete, füllte das Thema so rund um die Jahrtausendwende ein Großteil meiner Zeit aus.

Aber schon früher, weit, weit früher, beschäftigte ich mich damit. Und das sogar in der Art und Weise, dass ich selber Hörspiele schrieb.

Wie sollte es auch anders sein, schließlich waren die Geschichten vom Band oder von der runden Scheibe für mich ein beinahe ebenso großer Einfluss, wie es gedruckte Bücher waren. In Hinblick auf meine Liebe für manche Genres wahrscheinlich sogar ein größerer. So hörte ich, lange bevor ich sie las oder einen der Filme sah, die Geschichte des Grafen Dracula. Buchreihen wie die der „Fünf Freunde“, die als Jugendbuch sehr erfolgreich waren, gab es für mich nur in Form ihrer Hörspielumsetzung. Und auch meine Affinität zum gepflegten Trash wurde sicherlich durch Hörspiele wie die zu den Groschenromanserien „John Sinclair“, „Larry Brent“ oder „Macabros“ mitgeprägt.

Da lag es nahe, dass irgendwann der Wunsch aufkam, so etwas auch selbst zu machen. Und weil sich damals in einem durchschnittlichen Kinderzimmer immer ein Kassettenrecorder mit Aufnahmefunktion fand (sucht den mal in den Zimmern von heute) und auch die eine oder andere Leer-MC aufgetrieben werden konnte, war es gar kein Problem, sich seine eigenen Geschichten auf Band aufzuzeichnen.

Einen sehr großen Einfluss hatte damals die Toyline „Masters of the Universe“ auf meinen besten Freund aus Jugendtagen und mich. Eigentlich nicht mehr als testosterongeschwängerte Fantasy-Ausgaben der Barbie-Puppe, waren sie doch hinreichend beeindruckend in ihrer Formen- und Farbenvielfalt, dass uns die ganzen Diskussionen, die in der Welt der Erwachsenen über „Monster im Kinderzimmer“ geführt wurden, absolut egal waren.

Meine Eltern waren, was dieses Thema anging, zum Glück ausnehmend entspannt. Und so konnte ich bald auf einen großen Fundus an Masters-Figuren zurückgreifen, die alle ihren eigenen Charakter, ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Abenteuer versprachen.

Diese Versprechungen wurden genährt durch die Abenteuer, die es in Kassettenform vom damals wie heute omnipräsenten Hörspiellabel Europa gab. Insgesamt 37 Folgen erschienen damals und regten die Phantasie selbst dann an, wenn erkennbar war, dass der jeweilige Inhalt der Geschichte mehr als alles andere dazu dienen sollte, das zugehörige Spielzeug zu verkaufen.

Aber nichtsdestotrotz waren die Hörspiele absolut professionell gemacht und warteten mit Sprechern auf, die man schon damals zur Topriege ihrer Zunft rechnen durfte. Die Hauptrollen wurden etwa von Norbert Langer und Peter Pasetti gesprochen, die man damals vor allem als Synchronsprecher und als Schauspieler kannte.

Nun gut, lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann kamen wir auf die Idee, selber Masters-Hörspiele zu machen. Die meisten dieser Kurzfolgen entstanden vollkommen spontan und ohne „Drehbuch“. Aber ich kann mich erinnern, mindestens in einem Fall auch ein Script geschrieben zu haben, das allerdings nicht wirklich mehr war als ein Sammelsurium zusammengeklauter Szenen aus der Hörspielserie.

Erst einige Jahre später, als ich ernsthaft zu schreiben begann, sollte das Thema Hörspiel für mich wieder wichtig werden.

Ich habe 1987 damit begonnen, meinen Romanerstling „Silverstar: Angst im Perseus-Spiralnebel“ zu schreiben. Abgeschlossen habe ich ihn 1993. In der Zwischenzeit habe ich nicht etwa immer wieder ewig lange Pausen eingeschoben (okay, die gab es auch), sondern ich habe immer wieder neu angesetzt, die mir so wichtige Geschichte zu einem Ende zu führen. De facto dürfte dieser Roman derjenige sein, den ich bis heute am meisten überarbeitet habe – und der dennoch, Erstling eben, zurecht ein Dasein in der Schublade fristet.

Ich habe wirklich alles probiert. Zuerst machte ich aus einem Roman drei Romane, weil ich dachte, dass ich vielleicht zu viel in ein Buch reinquetschen wollte – was sich im Nachgang auch als richtig erwies. Dann setzte ich gefühlte hundert Mal wieder von vorne an, änderte einiges im Ablauf und versuchte, mich über den Punkt hinweg zu schreiben, an dem es mir nicht mehr gelang, der Geschichte zu folgen.

Und irgendwann kam mir dann die Idee, das Ganze als Hörspiel zu schreiben.

Ich hatte nie die Ambition oder die Absicht, aus „Angst“ wirklich ein Hörspiel zu machen. Es ging mir einfach um den neuen Ansatz und darum, dass ein Hörspiel unbestreitbare Vorteile bietet, wenn es nur darum geht, eine Handlung möglichst schnell voran zu treiben.

In einem Hörspiel gibt es per Definition (Ausnahmen bestätigen die Regel) keine Erzählerpassagen, die sich über mehrere Seiten hinweg ziehen. Bei einem Hörspiel sollen und müssen die Charaktere sich auf den Punkt und rasch äußern. Es muss praktisch immer irgendwas interessantes passieren, weil ansonsten die Aufmerksamkeit des Hörers – für mich waren das noch Kinder und Jugendliche wie ich selbst – nachlassen würde.

Und so wurde dann aus dem kompletten ersten Band meiner „Silverstar“-Serie, der später einmal runde 79.000 Wörter umfassen sollte, ein Hörspielmanuskript auf etwa 70 Seiten. Nachsehen kann ich leider nicht, weil auch dieser Entwurf, wie so vieles andere, wegen eines nicht mehr unterstützten Dateiformats für mich verloren ist.

Irgendwann merkte ich dann aber, dass ich nicht zum Hörspielautor geschaffen war. Genau das, was ich vorher als Vorteil ausgemacht hatte, fehlte mir schließlich. Ich wollte genauere Beschreibungen haben. Ich wollte auch in die Gedankenwelt meiner Charaktere eintauchen. Ich wollte die zusätzliche Ebene, die eben nur ein Buch liefern kann.

Also setzte ich alles wieder auf Anfang und begann, den verdammten Roman wieder von vorne zu schreiben. Aber diesmal kam ich über die Stellen hinweg, bei denen es mir vorher immer schwer gefallen war. Weil ich schon wusste, in welche Richtung ich schreiben wollte und was dort passieren sollte. Die Hörspielfassung hat mir also auf jeden Fall gute Dienste geleistet und ich bereue die Zeit keinen Moment, die ich auf sie verwendet habe.

Ob es mich heute noch einmal reizen würde, ein Hörspiel zu schreiben? Nein, eigentlich nicht. Das sollen die machen, die sich besser darauf verstehen. Und in der Zwischenzeit sind einige Menschen, die ich damals als Teil der Fanszene kennengelernt habe, auf die andere Seite gewechselt und machen heute ihr eigenes Ding. Mit überwiegend sehr guten Ergebnissen, wie ich feststellen kann.

Aber ich werde bei meinen Romanen bleiben. Auch wenn ich dem ganzen Hörspielding mit „Der Rezensent“ ja einen eigenen Thriller gewidmet habe. Irgendwann wird auch dieser Roman in irgendeiner Form das Licht der Welt erblicken. Da bin ich fast sicher.

Bis dahin höre ich weiter Hörspiele, auch die von damals, und erinnere mich daran, wie es war, als ich noch einfach so Geschichten und Geschichtchen in purer Dialogform erzählte.

Let’s take a walk down memory lane!

AWDML (10) Mein Ausflug in die Fan-Fiction

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Gestern habe ich euch von der ersten Geschichte erzählt, die ich in meinem Leben geschrieben habe. Drei Seiten einer sehr naiven Science-Fiction-Story. Heute möchte ich euch berichten, wie runde 15 Jahre später daraus mein bis heute einziger Ausflug in die Welt der Fan-Fiction wurde.

Für die unter euch, die mit dem Begriff nichts anfangen können, möchte ich ihn kurz erklären. Sehr viele Autoren spüren den starken Drang, zu bereits bestehenden Franchises eigene Geschichten zu entwerfen. Diese spielen manchmal parallel zur Handlung des Films oder Buchs, auf den sie sich beziehen, manchmal nach dessen Ende und manchmal auch in einer Alternativwelt. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel für Fan-Fiktion ist die Erotikromanserie „Fifty Shades of Grey“, das ursprünglich in der Welt der „Twilight“-Romane angesiedelt war, bis man die Autorin quasi aus dem Franchise ekelte. Zurückblickend war das das beste, was ihr passieren konnte. Aber das nur nebenbei.

Ich selber habe eigentlich nie den Impuls gespürt, Fan-Fictions zu schreiben. Gut, meine „Silverstar„-Romane basieren auf einem Konglomerat verschiedener Vorbilder, sind aber in dem Sinne keine Fan-Fiction, weil sie sich eben nicht zu 100% auf „Star Wars“ oder „Kampfstern Galactica“, oder was auch immer zurückführen lassen.

Wie kam es also im Jahr 2000 dazu, dass ich ausgerechnet eine Fan-Fiction zu Arthur C. Clarkes Romanserie um die Monolithen schrieb, die ihren Ursprung in dem Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ hatte?

In den Jahren von 1996 bis 1999 hatte ich an meinem Roman „Lichter“ geschrieben, einem sehr persönlichen, in Teilen autobiografischen Roman, der mich sehr gefordert und auch ausgelaugt hat. Danach war ich mir lange nicht sicher, ob ich überhaupt jemals wieder einen Roman würde schreiben können.

Aber irgendwann regte sich der Schreibmuskel wieder. Es erschien mir dennoch unmöglich, sofort einen neuen Roman zu schreiben – zumal der vierte „Silverstar“-Roman mir gerade unter den Händen weggestorben war.

Ich kam auf eine andere Idee. Im Stil meines schriftstellerischen Vorbilds Stephen King wollte ich eine Sammlung von Novellen verfassen. Diese bekam den Überschrift „Different Stories“, weil mein Konzept vorsah, drei unterschiedliche Geschichten zusammenzufassen.

Eine dieser drei Geschichten sollte ein Remake von „Raumschiff ‚Meteor‘ antwortet nicht“ werden. Das Remake einer dreiseitigen Geschichte eines zehnjährigen Jungen. In Novellenform. Ganz gesund kann ich damals eigentlich nicht gewesen sein, als ich diesen Entschluss fasste.

Da stand ich nun. Den Inhalt der Geschichte kannte ich noch, auch wenn der Text natürlich lange verschollen war. Aber wie sollte ich daraus eine lange Geschichte machen? Wie waren die Hintergründe? Was machte die ‚Meteor‘ auf ihrer Mission? Welchen Sinn hatte diese? Die ursprüngliche Prämisse mit den feindlichen Außerirdischen kam mir schlicht lächerlich vor. Deswegen nahm ich davon Abstand.

3001Und beinahe wäre das ganze Projekt damit auch zum Erliegen gekommen, wenn ich nicht zufällig zu diesem Zeitpunkt einen Roman geschenkt bekommen hätte. Es handelte sich um „3001“, den finalen Akt von Arthur C. Clarkes Romanserie. Ich möchte nicht zu viel von der Handlung verraten, nur so viel: Die Monolithen, jene gigantischen, perfekten und unglaublichen Artefakte außerirdischer Lebensformen, die seit gut 1000 Jahren das Schicksal der Menschheit bestimmen, die sie schon viel länger evolutionär begleiten, scheinen ein Urteil über die Menschheit gefällt zu haben, das nicht zu unseren Gunsten ausfällt. Durch einen Einsatz des Kunstwesens HALman, einer Verbindung des Astronauten Dave Bowman und des Computers HAL 9000 (beide bekannt aus „2001“) kann der vernichtende Impuls gestoppt werden. Doch als Reaktion verschwinden alle Monolithen aus dem Sonnensystem. Der Roman endet damit, dass HALman in einer Kammer eingeschlossen wird, die alle Massenvernichtungswaffen enthält, die je von Menschenhand geschaffen wurden.

„3001“ war ein faszinierendes Buch. Bis auf sein Ende, das ich hier nicht spoilern möchte. Die Auflösung erschien mir einerseits zu simpel, andererseits schon grotesk frech. Denn anstatt auch nur den leisesten Hinweis darauf zu geben, was es denn jetzt mit den Monolithen wirklich auf sich hatte, woher sie stammten und welche Aufgabe sie hatten, verschwanden sie einfach. Da Clarke angekündigt hatte, dass dies die letzte Geschichte um dieses Universum sein würde, verschwanden sie für immer.

Ich war enttäuscht. Sogar ein wenig wütend. Und wie es manchmal so ist, bilden Enttäuschung und Wut einen guten Nährboden für Kreativität.

Mir kamen meine Geschichte und mein Problem wieder in den Sinn. Wie wäre es, wenn die Besatzung der ‚Meteor‘ nicht etwa zu irgendeinem anonymen, feindlichen Volk fliegen würde, sondern wenn sie ein Einsatz auf den Jupitermond Europa führen würde, wo durch die Monolithen dereinst außerirdisches Leben geschaffen worden war? Und wenn sie dort waren, vielleicht trafen sie auf eine weitere Lebensform.

clarke(Quelle: wikipedia.com, en:User: Mamyjomarash, gemeinfrei)

Gesagt, getan, konzipiert. Für mich stand fest, dass ich nicht so vermessen sein würde, die Besatzung der ‚Meteor‘ die Geheimnisse der Erbauer der Monolithen lüften zu lassen. Sollte Clarke diese mit ins Grab nehmen (was er dann ja auch getan hat). Aber ich konnte sie auf Wesen treffen lassen, die ebenso wie die Menschen auf der Suche nach der Wahrheit waren.

So entstanden die Netzjäger, welche die Besatzung der ‚Meteor‘ samt ihres Schiffs auf eine andere Bewusstseinsebene brachten, so dass das Raumschiff quasi aus unserem Universum verschwand. Und damit, wie im Titel angegeben, auch nicht mehr antworten konnte.

Ich verwendete verschiedene Settings aus Clarkes Romanen. So griff ich auf den Raumhafen auf Jupitermond Ganymed zurück, auf das Waffenlager auf dem Mond und auf die gesellschaftlichen Veränderungen. Auch eine der Hauptpersonen aus 3001 hat einen Auftritt.

Damit war klar, dass ich diesen Text nie würde veröffentlichen können. Aber Anno 2000 schrieb ich ja sowieso noch nicht mit der ernsthaften Absicht, Geschichten zu veröffentlichen. Deswegen machte mir das auch nichts aus.

Am Ende umfasste die Novelle „3099 – Raumschiff ‚Meteor‘ antwortet nicht“ runde 33.000 Worte und entstand in einem Zeitraum von vier Monaten. Man kann hin und wieder wirklich nur staunen, was aus einem unscheinbaren Samen wie einer dreiseitigen Story eines Grundschulkinds werden kann.

Ob ich heute Ambitionen habe, den Text zugänglich zu machen? Ich gebe zu, ich habe schon einmal darüber nachgedacht. Es gibt schließlich inzwischen im Internet einige Anlaufstellen, an denen man Fan-Fictions veröffentlichen kann. Aber ich habe mich, zumindest für den Moment, dagegen entschieden. Schließlich stehe ich kurz davor, meinen ersten Roman zu veröffentlichen. Und da möchte ich nicht vorneweg mit einer Geschichte in die Öffentlichkeit gehen, die nun auch schon wieder 17 Jahre alt ist und in die ich noch einige Arbeit stecken müsste, bis sie veröffentlichungsreif ist.

Aber, wer weiß, vielleicht irgendwann, irgendwie … schließlich lautete die Maxime meiner „Different Stories“ schon damals:

diffstor

#Autorenwahnsinn Freitagsfrage 3: Wann und wie hast du mit dem Schreiben angefangen?

Wie ihr euch sicher erinnern könnt, habe ich den ganzen Januar über an der Challenge #Autorenwahnsinn von den Schreibwahnsinnigen teilgenommen. Diese Challenge geht weiter und es wird jeden Freitag eine Frage gestellt, die die Teilnehmer dann auf den sozialen Netzwerken oder eben auch in ihren Blogs beantworten können. Und da es mir gesundheitlich immer noch ziemlich hust geht und die Frage mich heute anspricht, mache ich da einfach mal wieder mit.


Autorenwahnsinn #3: Wann und wie hast du mit dem Schreiben angefangen?

Meine erste Geschichte schrieb ich bereits im Grundschulalter. Wir sollten damals einen Aufsatz schreiben, oder vielleicht sogar gezielt eine Geschichte. Das weiß ich nicht mehr. Ich kann auch nicht mehr genau sagen, in welcher Klasse ich gewesen bin. Aber da die Geschichte schon etwas länger war, so ungefähr drei Seiten in diesen A5-Heftlein, denke ich mal, dass es die dritte oder vielleicht auch schon die vierte Klasse gewesen sein muss.

Meine Geschichte war eine einfache kleine Science-Fiction-Story namens „Raumschiff ‚Meteor‘ antwortet nicht“. Die Besatzung des Raumschiffs ‚Meteor‘ wird ausgesandt, um mit einem gegnerischen Volk Friedensverhandlungen zu führen. Allerdings wird das ganze Raumschiff verkleinert und in eine leere Zigarettenschachtel (!) gesteckt. Als dann bald darauf der Präsident der Erde zum Staatsbesuch kommt, bietet der Anführer der Aliens ihm eine Kippe an, aus besagter Schachtel. Da diese scheinbar leer ist, entsorgt der Präsident sie in einem Müllschlucker. Ende der Geschichte.

Die Geschichte, so hanebüchen sie auch sein mag, brachte mir immerhin einen dieser Käferstempel ein, die man in der Grundschule für besonders tolle Hausaufgaben bekam. Ich kann mich erinnern, dass ich verdammt stolz gewesen bin.

Bis ich danach wieder etwas geschrieben habe, vergingen allerdings, warum auch immer, mehrere Jahre. Und es sollte ungefähr 15 Jahre dauern, bis ich ein Quasi-Remake der Geschichte schrieb.

Aber ich glaube, darüber erzähle ich euch morgen ein wenig mehr.

AWDML (9) Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Jedem Anfang wohnt ein besonderer Zauber inne, so sagt man. Und wenn dies auf etwas im Universum besonders zutreffend sein müsste, dann doch wohl dem geschriebenem Wort. Der erste Satz, so bekommt man immer wieder zu hören, sei der wichtigste eines ganzen Romans. Dieser erste Satz kann darüber entscheiden, ob Leser auch den zweiten lesen, die erste Seite, das ganze Buch.

Ich beschäftige mich, wie ihr gestern im Sonntagsreport lesen konntet, gerade mit dem Gedanken, vielleicht einen neuen Roman zu schreiben. Ein Projekt für den diesjährigen NaNoWriMo. Und in diesem Zuge bin ich auch wieder auf den ersten Satz aufmerksam geworden, der mir dafür im Kopf herumschwebt.

Diesen werde ich an dieser Stelle nicht verraten, weil ich fürchte, dass es Unglück bringen könnte, wenn ich von ungelegten Eiern schreibe. Und ja, ich bin, was so etwas angeht, geradezu krankhaft abergläubisch (auch wenn ich es niemals zugeben würde, wenn ihr mich direkt darauf ansprecht).

Aber ich dachte mir, dass ihr vielleicht Interesse daran habt, wie meine bisherigen ersten Sätze ausgesehen haben. Bei einigen von ihnen weiß ich, dass sie nicht das sind, was ich oben beschrieben habe. Aber sie sind ja auch in den meisten Fällen nicht über den ersten Entwurf hinausgekommen und müssen noch entstaubt, aufgehübscht und geschminkt werden :-).

Hier also, for your interest, die ersten Sätze meiner bisherigen Projekte. Die Jahreszahlen markieren das Jahr, in dem er erste Entwurf abgeschlossen wurde.

Angst im Perseus-Spiralnebel (1993):
Der Krieg war vorbei, Ruhe kehrte wieder in der Arcturian-Galaxis ein.

Expedition durchs All (1994):
Leya träumte wieder.

Kampf um Final Star (1996):
»Ich hoffe für dich, daß ich das nicht richtig verstanden habe!«, donnerte die gewaltig klingende Stimme der im Schatten sitzenden Gestalt.

Lichter (1999):
Ich hatte keine Ahnung, warum ich das alles überhaupt auf mich nahm.

Different Stories (2003):
Die Geschichte dieses Wochenendes im späten Frühling des Jahres 1991 begann ganz unscheinbar: Auf der neunzehnten Seite der in aller Welt geachteten und gelesenen London Times.

/97 (2005):
Jetzt schreibe ich schon vier Tage an dieser Studie über die letzten Tage von
/97.

Es zwingt einen dazu (2006):
Mit einem leisen Klingeln schloss sich die Ladentür hinter dem Mann, der sich nun eifrig umsah, als würde er etwas Spezielles suchen.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis (2009):
Als sich die Eingangstür hinter ihr schloss hatte Britta das Gefühl, in eine andere Welt einzutreten.

Der Morgen danach (2011):
Es war beängstigend, aus dem Nebel aufzutauchen, nur um festzustellen, dass der Nebel immer noch um ihn herum war.

Der Rezensent (2012):
Einige von euch werden sich sicherlich fragen, ob es das gebraucht hat: Noch eine Seite mit Besprechungen zu Hörspielen im Internet.

Das Haus am See (2012):
Irgendwann stellte ich fest, dass ich verrückt bin.

Der Ruf des Hafens (2013):
Wenn es ihm heute wieder nicht gelang, einen Fisch zu fangen, würde seine Familie hungern müssen.

Darkride (2013):
Eigentlich gehörte er nicht zu den Menschen, die sich im Dunkeln fürchten.

Der Redner (2015):
Mit einem satten Schmatzen fiel die Tür hinter Anton Lechleitner ins Schloss und schnitt ihn für einen Moment von seiner Umwelt vollkommen ab.

Der Beobachter und der Turm (2015):
Nichts tötet Liebe so zuverlässig und nachhaltig wie Hass!

Die Welt der stillen Schiffe (2016):
Wenn ich geahnt hätte, was mir blühte, als ich auf den beschissenen Vorschlag dieses beknackten Jörn Thoresen eingegangen bin, dann hätte ich ihm eins mit der Schippe über den Kopf gezogen, ihn liegen gelassen und wäre nach Hause gegangen, um mich zu besaufen.

Meine Güte, alleine diese Aufzählung sorgt schon dafür, dass ich ungeheure Lust aufs Schreiben bekomme *seufz*.

Also, wer weiß, vielleicht, irgendwie …

AWDML (8) Ein übergangenes Experiment

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Das, worüber ich jetzt schreibe, hat eigentlich nie stattgefunden. Ich wollte es an dieser Stelle nie erwähnen und lasse es bei jeder Aufzählung meiner Werke außen vor. Es ist einfach nicht relevant und geht niemandem etwas an. Ich würde nicht sagen, dass es mir peinlich ist – es ist einfach so „daneben“, dass besser der Mantel des Schweigens darüber geschlossen bleibt. Wenn mich jemand fragt, dann habe ich von 2005 bis 2006 an „Es zwingt einen dazu“ gearbeitet und danach mehrere Jahre auf „Darkride“ herumgekaut, bis ich mit „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis“ zumindest ein Kinderbuch vollenden konnte.

Das, wovon ich jetzt schreibe, hat es nie gegeben. Es war ein Experiment. Ein Experiment, das ich nicht als gelungen, aber auch nicht als gescheitert ansehen kann, weil es keinen Anspruch gegeben hat, nach dem ich das genau festlegen könnte.

Ich spreche von einem Werk, das den Namen „/97“ trägt.

Wir schreiben, wie gesagt, das Jahr 2005 und die Zeiten sind für Selfpublisher vollkommen andere, als sie es heute sind. In Deutschland finden die Eigenverleger in der Hauptsache bei Dienstleistern wie Books on Demand statt, die damals auch recht offensiv Werbung betreiben, dass man zu günstigen Konditionen seine eigenen Ergüsse drucken und vermarkten könne.

Aus meiner Sicht sind viele der Vorurteile, mit denen Selfpublisher heute noch zu tun haben, in der damaligen Zeit verankert. Wenn man sich die entsprechenden Kataloge von BoD angesehen hat, so waren da viele Jugenderinnerungen, viele Geschichten aus dem Kaninchenzüchterverein und viel wirres esoterisches Zeug dabei. Ich gestehe, dass ich das eine oder andere Mal die Augenbrauen gelupft habe, wenn ich das durchaus hübsch aufgemachte Papier durchblätterte.

Ich war gerade dabei, mir zu überlegen, ob eine Veröffentlichung über BoD auch für mich eine Möglichkeit sein könnte. Abgeschreckt wurde ich letztlich vor allem von den hohen Preisen, die ich für meine langen Romane hätte aufrufen müssen. Deswegen wurde da nichts draus.

Aber es entstand eine andere Situation, die mich wieder an BoD denken ließ.

Ich arbeitete damals noch in einer anderen Stelle als heute. Und in dieser Stelle lief einiges nicht so, wie man es sich vorstellt. Es war alles in allem eine sehr unerfreuliche Situation, nicht nur für mich, sondern auch noch für den Rest des kleinen Teams, dessen Mitglied ich war – und das langsam aber sicher aufhörte, ein Team zu sein.

Ich hatte einen enormen Druck in mir. Den Druck, irgendwie mit dieser Situation umgehen zu müssen. Und was liegt einem Schriftsteller näher, als über diese Dinge zu schreiben?

Also habe ich, weil es mir nicht reichte, simples Tagebuch zu führen, einen Tatsachenbericht verfasst. Zwar durchaus im Tagebuchstil, aber mit anderer Intention. Mein Bericht sollte gezielt die Art und Weise auf die Schippe nehmen, in der ich viele BoD-Bücher wahrnahm. Gleichzeitig sollte es eben mein Ventil sein, mir das weitere Funktionieren in den Strukturen, in denen ich zu diesem Zeitpunkt noch beinahe ein Jahr gefangen sein sollte, zu ermöglichen.

Der Name des Ganzen, „/97“, hängt übrigens mit der Organisationseinheit zusammen, in der ich damals tätig war.

Es ist, wie gesagt, etwas, das ich vor der Öffentlichkeit versteckt halte. Außer einem Kollegen wusste bis jetzt nicht einmal jemand, dass es existiert. Und ich werde es, aus verständlichen Gründen, auch niemals jemandem zeigen.

Damals hat es mir ein wenig geholfen – und mir gezeigt, dass ich doch lieber weiter bei meinen Leisten, nämlich dem Schreiben von Romanen, bleiben sollte. Und heute leben wir in Bezug auf die Möglichkeiten eines Selfpublishers ohnehin in einer vollkommen anderen und besseren Welt.

Warum ich euch diese kleine und eigentlich übergangene Episode aus meiner Vergangenheit heute erzähle? Heute war einer dieser Tage, an denen ich intensiv über eine Fortsetzung nachgedacht habe …

Let’s take a walk down memory lane!

AWDML (7) Silverstar revisited

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Damals, im Juli 2015, als ich den ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe schrieb, habe ich euch davon berichtet, wie bei mir alles angefangen hat mit der Schriftstellerei. Ich erzählte euch von den Abenteuern des Raumschiffs Silverstar und wie ein Zwölfjähriger sich aufmachte, um anhand dieser Abenteuer eine bis heute andauernde Liebesbeziehung zum Schreiben von Geschichten zu entwickeln.

Als sich gegen Ende des letzten Jahres mein PC teilweise in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hatte, verbrachte ich im Anschluss einen großen Teil von Zeit damit, vor der Kiste zu sitzen und dem Betriebssystem sowie diversen Programmen bei der Installation zuzusehen. Man fängt bei der Gelegenheit an, seine Umgebung noch einmal mit ganz anderen Augen abzuscannen.

Irgendwann war ich auf der Suche nach irgendeinem Lesestoff, mit dem ich mir die Zeit vertreiben konnte, bei dem es aber auch nicht schlimm war, wenn ich zwischendurch herausgerissen wurde.

Nun muss ich, glaube ich, erzählen, dass ich ursprünglich, als wir in unser neues Haus gezogen sind und ich mein eigenes Arbeitszimmer bekam, den Anspruch hatte – oder eher den Wunsch -, alle meine Manuskripte auszudrucken und in Ordnern neben mir ins Regal zu stellen, damit ich jederzeit Zugriff darauf hätte.

Zum Glück wurde dieses Vorhaben dadurch abgelenkt, dass ich in den kommenden Monaten so viel schrieb, dass ein Ausdrucken alter Werke keinen Sinn gemacht hätte. Was aber bereits da stand und immer noch steht, ist ein grüner Ordner, in dem alle drei geschriebenen Abenteuer der Silverstar enthalten sind.

Von einem Hauch Nostalgie befallen, nahm ich mir den Ordner zur Hand und begann, ein wenig in Band 3, „Final Star“ herumzulesen.

Dabei stellte ich fest, dass mir Teile der Handlung inzwischen vollkommen unbekannt waren. Und, noch viel schlimmer, ich stellte fest, dass mir weite Teile der Handlung gefielen!

Wieso das schlimm ist? Ganz einfach, bis jetzt hatte ich eine ganz einfache Haltung zu meinen „Silverstar“-Romanen: Jugendsünden. Schlecht geschrieben. Das Papier nicht wert, auf dem ich sie ausgedruckt habe.

Jetzt denke ich anders darüber. Ich denke intensiv darüber nach. Ich erkenne in „Final Star“ ein sehr großes Potenzial, zumindest eine annehmbare Science-Fiction-Abenteuergeschichte zu werden, wenn auch kein Stück große Literatur. Klar, in der vorliegenden Fassung atmet das einen großen Hauch „Star Wars“. Es atmet einen großen Hauch „Perry Rhodan“. Und auch einen nicht zu verhehlenden Hauch „Kampfstern Galactica“. Die grundlegenden Probleme der Reihe, nämlich dass sie nicht vor Originalität trieft, haben sich ja nicht plötzlich verändert.

Aber ich denke darüber nach, ob und wie vielleicht Elemente aus der Handlung als Grundgerüst für etwas Neues und Eigenes dienen könnten. Es muss einen Sinn haben, dass ich mich nach wie vor, fast zwanzig Jahre, seitdem ich unter Band 3 das Wort Ende geschrieben habe, für diesen Stoff erwärmen kann.

Die Figuren haben Leben in sich, das ich kaum für möglich gehalten hätte. Da ist Dynamik, die mitreisst. In einigen Abschnitten erwies sich das Manuskript sogar als richtiger Pageturner.

Ist das „nur“ Nostalgie? Ich glaube es eigentlich nicht.

Im Moment ist das Letzte, was ich brauche, noch ein neues Projekt, mit dem ich mich befassen muss. Deswegen ist der Ordner auch erst einmal wieder ins Regal gewandert. Aber hin und wieder, wenn ich so an meinem Schreibtisch sitze, ertappe ich mich dabei, wie ich nach links schaue und meine Augen das Grün suchen.

Und dann denke ich mir: vielleicht …

Vielleicht ist es irgendwann die Zeit, alte Freunde noch einmal zu besuchen.

Let’s take a walk down memory lane!

AWDML (6) Eine Seite du, eine Seite ich

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Im Moment schreibe ich, bedingt durch den NaNo, relativ viel am Tag. Das sind meistens über 2.000 Wörter, was ungefähr acht Normseiten entspricht. Für eine Normseite brauche ich zwischen fünf und zehn Minuten, habe ich festgestellt. Was ich aber meistens nicht mehr schaffe ist, diese Seiten an einem Stück zu schreiben. Ich würde es nicht auf meine Aufmerksamkeitsspanne schieben wollen, sondern vielleicht eher auf die Ermüdungserscheinungen, die sich breit machen, wenn man einen langen Arbeitstag in den Knochen hat. Vielleicht ist das der Grund, aus dem andere Autoren weniger am Tag schreiben als ich, weil sie nur so schreiben können, dass sie einen Text oder einen Textteil in einem herunterschreiben.

Ich habe hier schon vor vielen Jahren eine andere Arbeitsweise entwickelt, die sich auf verschlungenen Pfaden so sehr in mein Unterbewusstsein verankert hat, dass sie heute noch für mich funktioniert.

Und das kam so:

Wie ich schon einige Male erzählte, habe ich früher sehr gerne und oft verschwiegen, dass ich überhaupt schreibe. Gleichzeitig hatte ich aber eigentlich immer einen Freund, der auch gerne schrieb. Das mag wie ein Paradoxon wirken, aber es war so und hörte eigentlich erst auf, als ich zum ersten Mal dachte, mich aber jetzt wirklich nicht mehr mit der Schreiberei verstecken zu wollen. Ab da war ich Einzelkämpfer und habe mich irgendwann dann halt doch wieder in Schweigen gehüllt.

Aber davon wollte ich gar nicht erzählen, sondern von meinem ersten besten Freund, mit dem ich für eine gewisse Zeitspanne das Hobby Schreiben geteilt habe. Wie das so ist mit ersten besten Freundschaften, besteht diese heute nicht mehr. Aber ich habe die Erinnerung an das, was wir „eine Seite du, eine Seite ich“ nannten, nie verloren.

Wir schreiben ungefähr das Jahr 1991. Es kann auch 1990 gewesen sein, aber auf jeden Fall nicht viel später. Zu diesem Zeitpunkt war bereits seit gut zwei Jahren ein PC in „meinen“ Haushalt eingezogen (natürlich lebte ich noch bei meinen Eltern). Und diese Wundermaschine ermöglichte ja so viele Dinge, an die vorher gar nicht zu denken war!

Man stelle sich einmal vor: auf einmal konnten lange Texte in einer Datei gespeichert werden und nicht mehr aufgeteilt auf mehrere Dateien. Es gab in dem Textverarbeitungsprogramm, das ich damals nutzte, sogar die Möglichkeit, Formatierungen direkt auf dem Bildschirm kenntlich zu machen!

Aber eines der hauptsächlichen, tollen Features, die es für meinen Freund und mich einfacher machten, „gemeinsam“ zu schreiben, war, dass man praktisch in weniger als einer Minute von einem Text zum anderen Text springen konnte! Die gigantische 20-Megabyte-Festplatte meines Commodore PC-30 III machte es möglich!

Wenn wir uns also zum Schreiben verabredeten, setzten wir uns beide an den PC, der zu diesem Zeitpunkt in der elterlichen Küche stand. Und dann ging es los: zuerst schrieb ich eine Seite an meinem aktuellen Romanprojekt, das wahrscheinlich einer der vielen Entwürfe war, durch welche der erste „Silverstar“-Roman gegangen ist. Natürlich hatte damals noch keiner von uns etwas von einer „Normseite“ gehört – die sich in dem DOS-Programm wohl auch nicht hätte einstellen lassen. Nein, wir sprechen über richtige DIN-A4-Seiten mit entsprechend viel Text.

Während ich schrieb, saß mein Freund daneben und las praktisch direkt mit, was mir da in die Tastatur floss. Viel Feedback gab es damals nicht, wenn ich mich richtig erinnere, aber es war ein gutes Gefühl, zumindest schon mal einen Leser zu haben.

Und dann, nachdem ich fertig war, wurde gespeichert, sein Text aufgerufen, und nun schrieb er eine Seite an seinem Projekt – das auch in die Richtung Science-Fiction ging.

Wie oft wir an einem Nachmittag hin und her gewechselt haben, kann ich nicht mehr sagen. Aber diese Arbeitsweise, mich schnell auf eine Seite zu fokussieren, diese zu schreiben und dann wieder umzuschalten, habe ich bis heute konservieren können. Auf diese Weise ist es mir zum Beispiel möglich, auf der Arbeit zwischendurch, wenn mir gerade eine Idee kommt, einen Absatz zu schreiben (manchmal auch eine Normseite) und mich dann wieder auf meine Tätigkeit zu konzentrieren.

Ganz besonderen Wert hat dies, wenn während meiner Mittagspause, die ich im Moment ja meistens zum Schreiben benutze, mal wieder meine Chefin anruft und irgendwas von mir will. Dann mache ich Pause und nehme den Faden nahtlos später wieder auf. Wenn ich darauf fixiert wäre, immer an einem Stück zu schreiben, womöglich noch, bis sich ein passender Ausstieg aus einer Szene findet, den ich nutzen kann, dann wäre ich lange nicht so schnell und produktiv.

Also ist es so, dass eine Spielerei, ein Modus Operandi, den ich mir vor über zwanzig Jahren angeeignet habe, mir heute noch Erleichterungen im Schreibprozess bietet. Klingt doch so, als ob zwei Siebzehnjährige damals eine ziemlich gute Idee gehabt hätten!

Let’s take a walk down memory lane!

AWDML (5) Eine Leiche in der Hängematte

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Wer meine Einträge auf Facebook gelesen hat, der weiß, dass ich gestern mit meiner Familie einen freien Tag vom Haus meiner Schwiegereltern genommen habe und im Europa-Park gewesen bin. Deutschlands größter Freizeitpark ist für mich, wenn ich in der Gegend bin, ein absolutes Muss. Ich habe Spaß an Achterbahnen, an Themenfahrten, an der ganzen Atmosphäre – kurz: wenn ich hier leben würde, dann hätte ich eine Jahreskarte für den Park (die sich schon ab dem fünften Besuch rentieren würde).

Kurz zum Tag selber: er war sehr angenehm! Die Temperaturen hätten besser sein können, aber sie sorgten wenigstens dafür, dass man bei den Wasserbahnen nicht so lange anstehen musste, wie es an vollen Tagen wie gestern ansonsten der Fall gewesen wäre. In diesem Zusammenhang eine Frage an meine eidgenössischen LeserInnen: hattet ihr gestern einen Feiertag, oder so? Gefühlt waren fast nur Schweizer im Park!

Das Schönste aber waren die Reaktionen meiner beiden Kinder. Kind 1 ist eher ein kleiner Angsthase, was Achterbahnen angeht, hat sich dann aber doch überwunden, mit uns in die Holzachterbahn „Wodan“ einzusteigen, die ihr merklich Respekt eingeflößt hat. Und was unser Kind 2 angeht – ich deutete es bei Facebook bereits an -, die ist ein echter Adrenalin-Junkie. Zu hoch? Gibt es nicht. Zu schnell? Gleich mal gar nicht! Da war eher die Devise: Ich will Achterbahn fahren! Und sie ist auch alles gefahren. Hyperglücklich, dass sie mit 6 Jahren und 1.22m (fast) alles fahren durfte.

Das aber nur zur Einleitung.

Blättern wir ein paar Jahre zurück im Bilderbuch meiner Erlebnisse im Park. Es muss das Jahr 2006 oder 2007 gewesen sein. Ich glaube aber, dass es 2007 war. Wir fast jeden Sommer verbrachten wir den Urlaub bei meinen Schwiegereltern. Die freuten sich, dass sie ihr Enkelkind sahen (Kind 2 gab es ja noch nicht), dass sie ihre Tochter sahen – und ich gehörte auch irgendwie dazu.

Ich freute mich, die schöne Gegend zu haben – und auf die Aussicht, zwei Tage in den Europa-Park zu kommen. Damals muss das noch günstiger gewesen sein, oder wir reicher. Ich weiß es nicht genau.

Jetzt muss ich sagen, dass ich zwar sehr gerne Achterbahnen fahre, aber wirklich viel mehr an den sogenannten Themenfahrten, oder englisch „Darkrides“ hänge. Das sind diese Fahrten im Dunkeln, in denen in verschiedenen Szenen mal mehr oder mal weniger eine Handlung erzählt wird. Vielleicht spricht das meine schriftstellerische Seele mehr an als der kurze Adrenalinkick.

Auf jeden Fall fuhren wir gerade in der Themenfahrt „Piraten in Batavia“. Das sind Boote, die durch eine Szenerie fahren, in der zunächst ein Piratenangriff per Schiff gezeigt wird, dann deren Wüten in der niederländischen Kolonie Batavia und schließlich, wie das Ganze sich in Wohlgefallen auflöst. Damals gab es auch noch, dort wo heute ein asiatisches Restaurant ist, eine Schlussszene, in welcher ein richtig schöner Dschungel gezeigt wurde.

Aber diesen nahm ich auf dieser Fahrt kaum noch richtig zur Kenntnis. Denn ich hatte in der vorausgegangenen Szene ein kleines Detail wahrgenommen, bei dem mein innerer Motor, wenn es um Geschichten geht, angesprungen war.

In der Stadt, durch die wir mit dem Boot gefahren waren, lag auf der rechten Seite ein Animatronic (so heißen sie bewegten Figuren) in einer Hängematte. Relativ leblos, relativ im Hintergrund, relativ uneinsehbar.

Kommt ihr schon darauf, was mir durch den Kopf gegangen ist? Vielleicht dann, wenn ich euch erzähle, dass dieser Anblick der Initialzünder für meinen Krimi „Darkride“ darstellte. Die Frage, die ich im Kopf hatte (und manches gute Buch gründet sich auf eine Ausgangsfrage) lautete: wie lange wohl könnte eine Leiche in dieser Hängematte liegen, bevor sie entdeckt würde?

Ich nötigte meine Frau zu einer zweiten Fahrt und achtete nun noch einmal verstärkt auf genau diesen Punkt. Es war klar, dass auf diese kleine Insel innerhalb der Fahrt sicherlich nicht jeden Tag eine Reinigungskraft oder sonst ein Mitarbeiter gehen würde. Da war schon einiges an Zeit rauszuholen. Und auch wenn in meinem Roman hinterher die Szene eine ganz andere war, so konnte man doch damit rechnen, dass das meiste Augenmerk auf einer Prüfung des Fahrgeschäfts als Solches und nicht jedes einzelnen Animatronics liegen würde. Das gab mir zeitlichen Spielraum.

Zeitlichen Spielraum brauchte ich danach auch, bis ich mit dem Krimi beginnen konnte. Denn das erste, was ich brauchte, war ein Plan! Ein Parkplan, um genau zu sein. Ich wusste, dass es in meinem Krimi um einen Freizeitpark gehen würde, den es in dieser Form, dieser Größe und mit diesen Superlativen in Deutschland nicht gab. Sozusagen der Park meiner Träume. Und von dem musste ich mir eine Karte zeichnen (ich müsste mal schauen, ob ich die noch habe, dann zeige ich sie euch die Tage mal, wenn ihr wollt).

Dann kamen die Figuren, allen voran mein tapferer Ermittler Jakob „Jack“ Dillken, der nichts auf der Welt mehr hasst als Freizeitparks und dennoch (oder gerade deswegen) von seinem launischen Vorgesetzten ins „Dreamland“ geschickt wird.

Und quasi zum Schluss kam die Auflösung. Aber die kann ich nicht verraten und die will ich nicht verraten. Aber ich kann euch jetzt schon mal versprechen: „Darkride“ wird nicht in der Schublade versauern. Nach „Der Morgen danach“ und „Der Beobachter und der Turm“ steht dieser Roman ganz oben auf der Liste der Projekte, die ich veröffentlichen will.

Aber bis dahin hoffe ich, euch einen kleinen Einblick in die Denkweise dieses speziellen Autors gegeben zu haben, der ein wenig interessant für euch war.

Let’s take a walk down memory lane!

 

AWDML (4) Das schreibe ich, und das – und ein wenig was von dem auch noch

Als ich noch ein junger und noch unerfahrenerer Autor war als ich es heute bin, da hatte ich immer einen Wunsch. Oder man könnte auch sagen: ich hatte ein Problem. Ein Problem, das viele Schriftsteller gerade am Anfang ihres Weges haben, wie ich mittlerweile mehrfach nachlesen konnte. Ich konnte einfach nicht einsehen, dass ich nicht in der Lage bin, mehr als ein Projekt auf einmal zu verfolgen.

Ungeduld ist eine Eigenschaft, die für einen Autoren mit Sicherheit nicht wirklich erste Wahl bei den zu fördernden Talenten darstellt. Es dauert nun einmal, sich durch die Handlung eines Romans zu beißen, an manchen Tagen auch zu quälen. Man schreibt eben nicht jeden Tag 10.000 Worte. Viel häufiger sind die Tage, an denen man sich quälen muss, überhaupt vierstellig zu werden. Und die dann noch auf mehrere Projekte aufzuteilen …

Es gibt Autoren, die können das. Die schaffen es, sich in drei oder vier voneinander abgetrennte Welten zu versetzen und je nach Lust und Laune (oder dem, was auf dem Terminplan steht) mal an dieser, mal an jener Story zu schreiben. Das bewundere ich! Das bewundere ich nicht nur, da könnte ich neidisch werden!

Kommen wir zurück zu mir als jungem Autor. Damals, wir befinden uns ungefähr im Jahr 1993, träumte ich noch lange nicht den Traum, mal ein Buch zu veröffentlichen, sondern ich musste erst einmal den Traum fertig träumen, einen Roman überhaupt zu Ende zu schreiben!

Ich arbeitete seit rund sechs Jahren mal mehr, mal weniger und immer mal wieder von Vorne an „Angst im Perseus-Spiralnebel“, dem ersten Band meiner Abenteuer rund um das Raumschiff Silverstar. Nun hatte ich mir hierzu die Handlung ja schon mehr oder weniger auf die nächsten zehn Bände ausgedacht und deswegen war das Schreiben „langweilig“.

(Natürlich war es nicht langweilig, aber es fühlte sich für mein achtzehnjähriges Ich so an.)

Ich wollte etwas Neues entdecken, etwas anderes anfangen. Es gab Ideen, die unbedingt und jetzt sofort verwirklicht werden mussten! Das eine war eine Fantasy-Geschichte im Stil von „Der Herr der Ringe“ (was auch sonst) und das andere war eine Trilogie um das Leben nach dem Jüngsten Tag, deren erster Band den Untergang der Menschheit in einem Atomkrieg schildern sollte, während der Zweite das Wiedererwachen der Zivilisation und der dritte den Aufbruch zu den Sternen zum Thema hatte.

Da stand ich jetzt mit meinen drei Projekten: „Angst im Perseus-Spiralnebel“, „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ (dessen Titel ich mir bei einem Commodore 64-Spiel geborgt hatte).

Meine Idee: schreib doch alle drei gleichzeitig! Und zwar immer brav eine Seite pro Projekt und das im Wechsel. Also wirklich am ersten Tag „Angst“, am zweiten Tag „Bund“, am dritten Tag „Fort“, am vierten wieder „Angst“ …

Ich weiß bis heute nicht, ob nur die Methode totaler Humbug war, oder ob ich anderweitig überfordert wurde. Jedenfalls hielt ich, glaube ich, keinen Monat durch. Dann begann ich, in längeren Intervallen an den Geschichten zu schreiben. Die Fragmente von „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ habe ich noch, wenn auch keine Ambitionen, sie jemals wieder anzufassen.

Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt war klar, ich musste mich entscheiden, wenn ich nicht riskieren wollte, alle drei Projekte zu verlieren. So, wie ich vorher schon etliche Geschichten verloren hatte. Und auf einmal erwiesen sich die mittlerweile rund 40 geplanten Bände von Silverstar gar nicht mehr als Hemmschuh, sondern als Sicherheitsfaktor. Und so traf ich die Entscheidung zugunsten von „Angst im Perseus-Spiralnebel“, das dann auch mein erster vollendeter Roman wurde.

Nach einem weiteren missglückten Versuch, 1997 den vierten Teil der Serie parallel zu meinem neuen Projekt „Lichter“ zu schreiben, gab ich es dann endgültig (?) auf.

Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, mehrere Projekte gleichzeitig zu verfolgen. Hier und da mal eine Kurzgeschichte, so wie bei Hannas Schreibaufgaben, die ich, ohne groß darüber nachzudenken, in ein bis zwei Stunden herunterschreiben kann, das geht noch. Aber einen längeren Roman? Lieber nicht!

Und trotzdem ist es ein Traum gewesen und Träume lässt man, glaube ich, niemals so ganz los. Deshalb klingt immer noch eine Saite in mir an, wenn ich lese oder höre, dass jemand das tut, was mir nie gelungen ist …

Let’s take a walk down memory lane!

AWDML (3) Drei dreiste Kinder, ein schwedisches Möbelhaus und ein blubberndes Geheimnis

Heute möchte ich euch gerne auf eine weitere Reise in meine schriftstellerische Vergangenheit mitnehmen und hoffe, dass eure Feedreader nicht explodiert sind bei dem Versuch, den wohl längsten Beitragstitel anzuzeigen, den es bis jetzt auf diesem Blog gegeben hat.

Ich hatte es schon vor Längerem in einem Beitrag erwähnt, dass ich einmal auf die Idee kam, für meine erstgeborene Tochter ein eigenes kleines Kinderbuch zu schreiben. Das war eine Idee, die unmittelbar aus der Tatsache heraus geboren wurde, dass sich Kind 1 immer gerne von mir vorlesen ließ. Entsprechend früh kam mir der Gedanke, dass es doch schön wäre, wenn ich ihr eine eigene Geschichte vorlesen könnte, die nur ihr gehören würde. Dieser Gedanke nahm das erste Mal im Frühjahr 2005 Gestalt an, wurde dann aber noch eine ganze Weile auf die Seite gelegt, weil mein Töchterchen, Jahrgang 2002, zu diesem Zeitpunkt noch auf Büchern mit Bildern bestand. Und wenn es eins gibt, was ich nicht kann, dann ist das Zeichnen. Okay, es gibt noch mehr Dinge, aber das gehört hier jetzt nicht hin 😉 .

Auch wenn ich nicht sofort zur Tat schritt, formte sich bereits eine grobe Skizze zur Handlung in meinem Kopf aus. Und hier kommt das berühmte blau-gelbe Möbelhaus ins Spiel, zu dessen begeisterten Kunden meine Frau wir damals gehörten, weil wir gerade erst umgezogen waren und deswegen noch einiges an Möbeln benötigten. Wer von euch schon mal da war – und wer war das nicht – der wird wissen, dass in der Kinderabteilung immer die verschiedensten Plüschtiere angeboten werden. Es gibt Schweinchen, Bärchen, Schlängchen und noch einiges mehr an -chens.

Und 2005, oder vielleicht auch schon 2004, gab es da ein komisches kugelrundes Etwas, dessen offiziellen Namen ich vergessen habe. Dieses Spielzeug sah aus wie ein Ball mit Augen, einem oder mehr Kanarienvogelschnäbeln und Tentakeln am unteren Ende. Diese Mischung aus einem Luftballon und einer Kreatur aus dem Werk von H. P. Lovecraft hatte es unserer Tochter angetan. Ständig spielte sie damit, knuddelte es und ließ es mit ihm im Bett schlafen. Sie nannte es ihren „Blubb“. Ich dachte eigentlich, dass das auch der Markenname gewesen sei, aber da ich nichts dazu im Internet gefunden habe, muss es doch eine eigene Wortschöpfung gewesen sein, wahrscheinlich wegen der blauen Farbe, die entfernt an Wasserblasen denken ließ.

Jedenfalls kam das zweifellos in mir vorhandene Schriftstellergen auf Touren. Ich stellte mir die Frage, was der kleine Kerl denn nun wirklich sein mochte und was er in einem Kinderzimmer trieb. Ob das nicht ein großes Geheimnis sei.

Nun, wie gesagt, die Sache geriet erst einmal in Vergessenheit und ich widmete mich neuen Projekten wie „Es zwingt einen dazu“ und dem ersten, abgebrochenen Versuch, den Roman „Darkride“ zu schreiben. Aber die Idee des Kinderbuchs für meine Tochter blieb in mir lebendig und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, um verwirklicht zu werden.

Macht mit mir nun einen Zeitsprung in das Jahr 2009. Meine Frau und ich bereiteten uns auf die Ankunft von Kind 2 vor, Kind 1 war kurz davor eingeschult zu werden und ich hatte es nach mehr als eineinhalb Jahren endlich aufgegeben, diesen verdammten Krimi über einen Freizeitparkmörder schreiben zu wollen. Kind 1 hörte in der Zwischenzeit auch ganz gerne mal ein Hörspiel, auch von den Drei Fragezeichen oder den Fünf Freunden. Klassischen Jugendabenteuern also. Und das brachte mich wieder darauf, zu versuchen, einen ähnlichen Stoff zu verfassen.

Ich konnte mich noch an das erinnern, was ich in 2005 als Prämisse aufgestellt hatte: drei Kinder machen in einem Spielwarenladen eine geheimnisvolle Entdeckung, versuchen dieser auf den Grund zu gehen und entdecken schließlich einen leibhaftigen „Blubb“. Eine einfache Geschichte, für das Genre geradezu klassisch, mit einem leicht eingestreuten fantastischen Element. In der Tat war das Erste, was ich hatte, der Titel: „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis“. Nachbemerkung: dass es eine Fernsehsendung des Namens Die dreisten Drei gab, war mir als nahezu vollständigem TV-Verweigerer zu diesem Zeitpunkt unbekannt.

Dann ritt mich allerdings der Schalk. Ich setzte mir in den Kopf, ein Buch zu schreiben, das ungefähr den Umfang von 100 Normseiten in zehn Kapiteln haben sollte. Das machte, rein rechnerisch, 10 Kapitel á zehn Seiten. Und diese zehn Kapitel wollte ich wiederum in zehn Tagen schreiben, also jeden Tag ein Kapitel. Und nach den zehn Tagen sollte das Werk dann im Rohentwurf fertig sein.

Ich kann nicht umhin festzustellen, dass ich das Projekt genau in dieser Weise durchgezogen habe. Ich weiß heute nicht mehr, ob das so gut in die Situation passte oder nicht. Vielleicht war ich etwas egoistisch. Aber ich hatte mich jetzt auf einmal in etwas verbissen und nachdem ich so lange an „Darkride“ herumgebastelt hatte, ohne auf ein Ergebnis zu kommen, tat es einfach sehr gut, irgendwas zu fabrizieren, das dann auch noch in überschaubarer Zeit fertig wurde. Wenn ich ehrlich zu mir bin, dann muss ich im Nachhinein zugeben, dass ich das Buch mehr für mich als für meine Tochter schrieb. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass sie es nie gelesen, ich es ihr nie vorgelesen habe.

Jedenfalls hatten meine drei Protagonisten (zwei Mädchen und ein Junge) ihr Abenteuer pünktlich zur Geburt von Kind 2 hinter sich gebracht. Ich war auf beide Babies stolz, mein leibliches und mein geistiges. Auf jenes sogar so sehr, dass ich am Ende die Möglichkeit zu einer oder mehreren Fortsetzungen eingebaut hatte, was ich in dieser Form seit meinen „Silverstar“-Romanen tunlichst zu vermeiden gesucht hatte. Nun, zu einer Fortsetzung ist es nie gekommen.

Heute ist Kind 1 längst in der weiterführenden Schule und hat an simplen Abenteuergeschichten wie dieser kein Interesse mehr. Und Kind 2 zeigt so gar kein Interesse daran, vorgelesen zu bekommen. Aber da sie ja jetzt eingeschult wurde, kann ich ihr vielleicht irgendwann das Kinderbuch, das ursprünglich für ihre Schwester geschrieben wurde, mal zeigen und zum Lesen anbieten.

„Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis“ ist mir nicht nur aufgrund seiner Entstehungsgeschichte sehr präsent. Sondern es zeigt auch meine ersten Erfahrungen darin, speziell auf ein Publikum hin zu schreiben. Eine Zeit lang hegte ich sogar ernsthafte Absichten, vielleicht mal eine leicht abgewandelte Fassung für eine Veröffentlichung einzureichen. So bleibt es letztlich nicht mehr als eine Randnotiz aus jener Zeit, in der ich schriftstellerisch auf der Suche nach meinem Ton, meinen Themen und irgendwie auch meiner Identität war. Es sollte mehr als zwei Jahre dauern, bis ich wieder ein Projekt zum Abschluss bringen konnte: „Der Morgen danach“ …

Let’s take a walk down memory lane!