Wieso ich das Bauchgrummeln besiegte

Ja, ich gebe zu, dass ich wieder einmal bis zur letzten Minute gewartet habe. Bis gestern musste sich melden, wer von den Mitgliedern der BartBroAuthors Lust hat, auf der Vereinslesung in Leipzig anzutreten.

Ich habe lange Vorteile und Nachteile gegeneinander abgewogen. Es mir nicht leicht damit gemacht. Aber am Ende überwogen eindeutig die Vorteile, denn als Nachteil blieb letztlich nur eines wirklich übrig: Ich könnte mich bis in die Grundmauern blamieren.

Das ist ein großes Wort und sicherlich auch nichts, womit ich leichtfertig umgehe. Denn wer blamiert sich schon gerne? Aber um die Realität dessen zu hinterfragen, musste ich wieder mit mir in Klausur gehen und, siehe da, es sah gar nicht so gefährlich aus, wie ich es rein instinktiv und in meiner ersten Reaktion eingeschätzt hatte.

Denn im Endeffekt bewege ich mich doch auf freundlichem Terrain. Dadurch, dass ich nicht der einzige Autor bin, der aus seinen Texten lesen wird, habe ich einen Rahmen, in dem ich mich bewegen und an dem ich mich auch festhalten kann. Ich bin kein Einzelkämpfer, mit dem der Gesamteindruck des Abends steht oder fällt. Und da jeder der anderen sicher ebenso aufgeregt sein wird, wie ich es bin, haben wir schon einmal eine nette Gemeinsamkeit. Gemeinsamkeiten schweißen zusammen. Zumal ich alle, die mit mir lesen, schon kenne – sei es real oder „nur“ virtuell.

Dann habe ich mir überlegt, was das Schlimmste sein könnte, was mir passieren kann. Das Schlimmste wäre, wenn mir einfach die Sprache weg bliebe. Nun, in Hinblick auf meine Krankengeschichte könnte das sogar passieren. Aber ich denke nicht, dass es passieren wird. Ich muss nur aufpassen (und ganz lieb bitte-bitte machen), dass ich nicht der Erste sein werde, der auf die Bühne „muss“. Denn dann liegt es nicht an mir, die Veranstaltung in Gang zu bringen und den Flow für die anderen vorzubereiten.

Und realistisch betrachtet sollte ich eigentlich eine komplette Sprachlosigkeit vermeiden können. Denn ich lese ja „nur“ aus einem meiner Texte. Ich muss nichts verkaufen, außer mir selbst. Und ich muss niemandem irgendwas eintrichtern, sondern „nur“ die Leute möglichst gut unterhalten.

Jetzt bin ich nicht der geborene Entertainer, aber ich halte mich für souverän genug, um mich auf eine Bühne stellen (oder setzen) zu können und zumindest das Mindestmaß an Kontaktaufnahme mit dem Publikum hinzubekommen. Ich habe das schließlich im Rahmen meiner Ausbildung und in diversen Fortbildungen sogar gelernt! Klar, da ging es um Wissensvermittlung, um eine Ausbildung zum Trainer. Aber wenn man es schafft, einen Kurs mit 20 mehr oder weniger gelangweilten Kollegen über zwei Tage hinweg zu jonglieren, dann schafft man auch eine Lesung von vielleicht zwanzig Minuten.

Meine Lesestimme wurde von denen, die sie bis jetzt zu hören bekommen haben, als angenehm eingeschätzt. Ich selber bin da ja notorisch anderer Ansicht, aber ich werte das erst einmal als positives Zeichen.

Ich weiß noch nicht, wie lange meine Redezeit sein wird. Deswegen kann ich mir auch nur unzulänglich Gedanken darüber machen, welchen Textausschnitt ich wählen soll. Was bringt es also, sich jetzt schon damit verrückt zu machen? Gar nichts.

Es überwogen also eindeutig die Gründe dafür, dieses Wagnis einzugehen. Denn ein viel besseres und entspannteres Setting kann es, denke ich, für eine erste Leseerfahrung gar nicht geben.

Klar, die Nervosität wird kommen und sie wird in den nächsten Wochen, wenn ich darüber nachdenke, noch häufiger kommen. Aber ich werde versuchen, sie zu beherrschen und vielleicht sogar daran zu wachsen.

Ich denke, es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich zu dem Thema was zu schreiben habe. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden 🙂 .

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Vom Vereinsleben stark eingespannt

Ihr Lieben,

nur eine kurze Zwischenmeldung, dass ich im Moment vom Vereinsleben in meinem kleinen Autorenverein sehr stark eingespannt bin. Sowohl emotional als auch von der Aufmerksamkeit her. Das sorgt dafür, dass mir für meinen Blog in diesen Tagen wenig Platz und wenig Ruhe bleibt.

So sollte es nicht sein und ich bemühe mich, dass es auch wieder anders wird. Aber das ist im Moment alles ein wenig im Fluss.

Immerhin habe ich im Augenblick wieder ein wenig Elan, um an meiner momentanen Geschichte weiter zu schreiben. Wahrscheinlich verteilt sich mein Potenzial gerade etwas zu Ungunsten des Blogs.

Tja, ist dann wohl mal so.

Aber ich habe euch nicht vergessen und hier geht es sicherlich auch bald wieder im gewohnten Turnus weiter!

Tut bis dahin nichts, was ich nicht auch täte.

Live lesen in Leipzig – oder lieber nicht?

Ich lasse ja immer mal wieder anklingen, dass ich Mitglied bei einem Autorenverein, den BartBroAuthors, bin. Seit etwas über einem Jahr. Und auch wenn ich es bis jetzt irgendwie nie geschafft habe, da einen eigenen Beitrag drüber zu schreiben, nehme ich die Mitgliedschaft durchaus ernst und versuche auch, am Vereinsleben teilzuhaben, so gut es eben geht. Mal geht es besser, mal geht es schlechter – und noch dazu meistens virtuell. Die einzige Gelegenheit, bei der ich meine Mitbärte bis jetzt live und in Farbe erlebt habe, war im letzten Jahr bei der Leipziger Buchmesse. Und die Aussicht, auch dieses Jahr ein paar von ihnen zu treffen, war eine zusätzliche Motivation, mich frühzeitig darum zu kümmern, auch dieses Jahr wieder in Leipzig dabei zu sein.

Eine Zusatzmotivation, rationalere Menschen würden wohl von einem Zusatznutzen schreiben, könnte dieses Jahr darin liegen, dass mir der Verein die Chance gibt, im Rahmen der Leipziger Tage meine erste Lesung zu halten!

Dazu muss ich ein wenig ausholen. Und zwar wurde schon vor geraumer Zeit die Idee geboren, in Leipzig an einem der Messetage eine Location für eine „Bart-Lesung“ zu finden und dort den Mitgliedern des Vereins die Möglichkeit zu geben, aus einem ihrer Werke (veröffentlicht oder nicht spielt erst einmal keine Rolle) zu lesen. Wider Erwarten war ein solcher Ort sehr schnell gefunden und so steht dem Event in diesem Jahr nichts im Weg. Es wird am Abend des Messefreitags nach Hallenschluss in einem Pub in der Leipziger Innenstadt stattfinden. Wenn man so will, könnte man hochtrabend sagen, dass wir damit zum Rahmenprogramm der Messe gehören.

Ich fand die Idee von Anfang an ebenso gut wie einschüchternd.

Denn es ist das eine, theoretisch darüber zu sinnieren, ob man eine solche Lesung zustande bekommt, welche Rahmenbedingungen herrschen werden, und so weiter. Es ist, für mich persönlich, ebenso das eine, sich zu überlegen, ob – und wenn ja, mit welchem Text, ich an der Lesung teilnehmen wollen würde.

Aber es ist etwas vollkommen anderes, wenn man sich auf einmal binnen einer Frist von zwei Wochen (und die ist ja schon eher üppig bemessen) verbindlich dazu entschließen muss, ob man denn nun lesen möchte – oder nicht.

Ich weiß, dass es für die Planung nötig ist, möglichst frühzeitig ein Gerüst aufstellen zu können. Zumal die Veranstaltung dann ja auch noch im Rahmen der Möglichkeiten beworben werden soll. Aber dennoch sackte mir, als ich den Aufruf im Forum des Vereins las, das Herz erst einmal in die Hose.

Die Frage ist ganz einfach: Bin ich schon soweit, dass ich mich live, vor Publikum, auf eine Bühne (ja, es gibt eine Bühne!) stellen oder setzen kann, um irgendwas von meinem Geschreibsel vorzulesen? Und das nach Möglichkeit auch noch so, dass ich mich dabei weder blamiere, noch das Publikum (oh Gott, Publikum!) zu Tode langweile!?

Ja, ja, wenn die Frage nur so einfach wäre!

Denn sofort kommen weitere Punkte hinterher wie der, was ich denn eigentlich lesen will. Und wie lang der Ausschnitt denn sein kann – ich hab das ja noch nie gemacht! Und überhaupt habe ich gar nichts Passendes anzuziehen … okay, das ist jetzt nicht sooo wichtig.

Ich muss versuchen, das Summen in meinem Kopf und in meinem Magen zu kanalisieren, um am Ende die wesentlichen Fragen wie folgt zu formulieren:

Erstens: Möchte ich gerne an dieser Veranstaltung als einer der Lesenden teilnehmen? Wenn ja, dann ist es meine Aufgabe, mich bis dahin geistig und seelisch entsprechend vorzubereiten.

Zweitens: Wenn ich glaube, das schaffen zu können, dann ist es mein Job, herauszufinden, was ich vorlesen möchte. Die nahe liegende Variante wäre, einen Auszug (oder mehr, je nach Zeitrahmen) aus „Der Morgen danach“ zu lesen, da dies meine erste Romanveröffentlichung wird.

Drittens: Falls ich mich auf „Der Morgen danach“ festlegen würde, müsste ich mit meinem Verlag klären, ob das überhaupt gewünscht ist, in dem Stadium, in dem der Text sich befindet. Bis Mitte März werden wir mit dem Lektorat schwerlich durch sein.

Viertens: Frühestens jetzt ist es an der Zeit, sich wirklich konkrete Gedanken über die Durchführung zu machen. Und über die Klamottenfrage 😉 .

Ich bin mir sicher, noch irgendeine wesentliche Frage vergessen zu haben, aber die wichtigste ist ohnehin die erste. Wenn ich die nicht für mich kläre und sie am Ende positiv beantworte, dann ist alles andere Makulatur.

Deswegen verzichte ich, auch wenn es mir schwer fällt, im Moment auch noch auf eine rationale Abwägung von Vorteilen und Nachteilen. Auch wenn mir da schon einiges zu eingefallen ist. Das muss einfach hintanstehen. Denn ich darf hier nichts übers Knie brechen, was ich ansonsten vielleicht bereuen würde.

So oder so: Ich habe es hier, wieder einmal, mit einer Herausforderung an mich, an mein Dasein als Autor zu tun, die vorher noch nie dagewesen ist. Und glaubt mir, ich bin selbst gespannt, wie das am Ende ausgehen wird.

Der Sonntagsreport vom 17.12.2017: Hat doch gar nicht weh getan

Hallo liebe Blogbesucher!

Na, wie habt ihr den dritten Advent verbracht? Habt ihr euch auch, wie wahrscheinlich so viele, in den Trubel gestürzt, weil ja vielerorts ein verkaufsoffener Sonntag war? Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den großen Einkaufszentren der Gegend, wie dem CentrO in Oberhausen oder auch dem Zentrum am Limbecker Platz in Essen los gewesen ist. Aber ja: In einer Woche ist Heiligabend und man kann das Parfüm und die Krawatte ja nicht immer auf den letzten Drücker kaufen.

Ich selbst habe alle Weihnachtsgeschenke inzwischen zusammen und bin ziemlich glücklich darüber. Ich werde nämlich schon so langsam nervös, wenn das zur Dezembermitte nicht der Fall ist. Auch wenn in der schönen neuen Internetwelt der Versandhändler mit dem großen „A“ gegen einen entsprechenden Obolus auch Lieferungen am Tag der Bestellungen durchführt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden die Verkaufsfahrer des im Aufbau befindlichen eigenen Lieferdienstes wahrscheinlich dazu verdonnert werden, sich in Weihnachtsmann- oder Christkind-Kostüme zu quetschen, und an Heiligabend bis unter den Baum zu liefern.

Nun, das ist Zukunftsmusik.

Vergangenheit ist dagegen, dass ich an der zweiten Etappe des Lektorats von „Der Morgen danach“ gearbeitet habe. Ich hatte ja in den letzten Beiträgen zum Thema so ein wenig anklingen lassen, dass ich Probleme damit hätte. Aber wie so oft im Leben ist es so gewesen, dass ich mich nur mal, aufraffen musste.

Und das hat gestern und heute gut geklappt. Ich bin in einen kleinen Flow geraten, was die Überarbeitung angeht, und habe deswegen mit den Anmerkungen meiner Lektorin irgendwann auch gar keine Schwierigkeiten mehr gehabt. Die resultierten nämlich größtenteils daraus, dass ich gar nicht den passenden Blick auf den Text hatte. Und ich habe wieder die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist, konzentrierte und zielgerichtete Textarbeit zu betreiben, wenn man im Kopf blockiert ist.

Es war eine gute Entscheidung, mir selber ins Stammbuch zu schreiben, dass spätestens jeden zweiten Tag irgendwas Schriftstellermäßiges zu geschehen hat. Dass das vorher nicht so gewesen ist, mögen mir die Hardliner und Unverständigen als Nachlässigkeit und mangelnde Professionalität auslegen. Sei es drum. Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und es kann sehr gut sein, dass ich meinen jetzt gefunden habe.

Jedenfalls kann ich morgen die entsprechenden Passagen in die Post geben und habe damit den Kopf vorläufig wieder für andere Dinge frei. Am Ende hat es auch gar nicht weh getan.

Ich möchte auf jeden Fall noch in diesem Jahr die erste Agenturbewerbung für „Der Beobachter und der Turm“ auf die Reise schicken. Ja, ich habe mich dazu entschlossen, es zuerst mit einer einzelnen Agentur und der geforderten Exklusivität zu versuchen. Wenn so die Spielregeln sind, dann muss ich mich eben daran halten.

Und was macht das Schreiben? Da sind mein Kurzroman und meine Kurzgeschichte. Und beides kommt im Moment nicht wirklich aus den Puschen. Ich glaube, es war ein Irrglaube von mir, zwei so unterschiedliche Projekte gleichzeitig stemmen zu können. Oder sie gleichzeitig zu allem anderen stemmen zu können, was da sonst noch anliegt und angelegen hat.

Welchen der beiden Texte ich nun vorziehe, habe ich noch nicht abschließend entschieden. Es gibt eine Tendenz, aber davor steht auf jeden Fall die Bewerbung. Nicht wieder alles gleichzeitig. Also brauche ich mich auch jetzt noch nicht festzulegen.

Festlegen musste ich mich im Laufe der letzten Wochen auf die eine oder andere Personalentscheidung in dem Autorenverein, in dem ich Mitglied bin. Es stehen Vorstandswahlen an und es zeigte sich sehr deutlich, dass Autoren auch nur Kaninchenzüchter oder Kleingärtner sind. Soll sagen: So sehr unterscheiden sich die Vereine, die Strukturen und auch der Umgang miteinander gar nicht.

In mir rumort es, offen gestanden, ein wenig. Ich hätte da was zu sagen, bevor in dieser Woche ein neuer Vorstand gewählt wird, aber ich weiß nicht, ob es jemand hören will. Schließlich bin ich nur ein ganz normales Mitglied, habe weder das schönste Kaninchen gezüchtet, noch die größten Kartoffeln im Beet.

Nun, wir werden sehen. Ich wollte es aber auf jeden Fall hier hinschreiben, weil es mich halt beschäftigt. Und der Sonntagsreport dient vor allem ja auch dem, mir Dinge aus dem Kopf zu schreiben, die mich beschäftigen. Damit ich entweder damit abschließen kann, oder halt um einen Schritt in meiner Entscheidungsfindung weiter zu kommen.

Damit wollen wir es für heute dann auch wieder bewenden lassen. Ich wünsche euch, dass ihr die letzte Woche vor Weihnachten genießen könnt. Die Besinnlichkeit fängt für die meisten von uns ja erst am 24.12. kurz vor dem Gänsebraten an. Aber vielleicht klappt es ja dieses Jahr mit einer Veränderung dieses Umstands.

Lasst euch nicht stressen!

Euer Michael

Mein Traum vom eigenen Buch: Ein Rundgang durch die Vergangenheit

Vergangenheit. Eine Zeit, mit der wir uns permanent auseinander zu setzen haben, sei es im Guten, sei es im Bösen. Die Gegenwart hat es an sich, dass sie sich quasi im Sekundentakt in Vergangenheit verwandelt und damit Dinge aus unserer Reichweite nimmt, sie unserer Kontrolle und unserem Einfluss entzieht. Ein falsches Wort gesagt, einen falschen Handgriff getan – und die Katastrophe kann da sein.

Wie gut haben es dann doch wir Autoren, die – in sehr vielen Fällen jedenfalls – in unseren Geschichten die Vergangenheit beschreiben, sie aber auch umschreiben. Und wenn uns etwas an ihr nicht mehr passt, dann können wir sie auch einfach mit einem Federstrich oder dem Druck auf die Delete-Taste ausradieren.

Das Schreiben eines Blogs ist in dieser Hinsicht noch eine Besonderheit. Ich schreibe einen Eintrag und veröffentliche diesen – und damit ist er in die Welt gesetzt. Da ich in meinen Blogeinstellungen eingestellt habe, dass ich sofort den vollständigen Text als E-Mail an meine Follower sende, könnte ich nicht einmal mehr, wenn ich es wollte, seine Verbreitung verhindern.

Aber auch der Blog selbst hat seine Vergangenheit. Bald zweieinhalb Jahre gibt es ihn nun und ich kann, wenn ich mich mit ihm und seiner Vergangenheit beschäftige, die Entwicklung sehen, die er und ich genommen haben.

Gerade in den letzten Tagen habe ich einmal einen solchen Rundgang durch das Archiv unternommen. Der Hintergrund hierzu ist, dass demnächst die Website der BartBroAuthors, des Autorenvereins, dem ich angehöre, relauncht wird und die Mitglieder dazu eingeladen sind, sich für den angeschlossenen Blog mit Beiträgen zu beteiligen. Ich habe angeboten, einige meine älteren Beiträge noch einmal zu überarbeiten und für die Nutzung frei zu geben.

Dafür habe ich mir eine Vielzahl der über 780 Beiträge, die bis jetzt hier veröffentlicht wurden, im Schnelldurchlauf noch einmal angesehen. Und ich fand es bemerkenswert – und auch ein wenig unheimlich, wie sehr an manchen Stellen die Veränderungen greifbar sind.

Ich stieß auf Texte, in denen ich mit meiner Arbeit hadere. Ich sah Momentaufnahmen, in denen ich nicht wusste, wie es denn jetzt weitergehen soll. Allzu oft bin ich mal nach links gegangen, dann nach rechts getaumelt und schien, aus heutiger Sicht betrachtet, den passenden Weg verloren zu haben.

Ich weiß jetzt wieder: Auch wenn ich heute manchmal glaube, ziellos unterwegs zu sein, im Vergleich zu früher ist es geradezu ein Musterbeispiel an Stringenz.

Aber ich habe auch Augenblicke noch einmal erlebt, die einfach schön waren! Da war natürlich die Fertigstellung der Romane, die in dieser Zeit entstanden sind. „Der Redner“, „Der Beobachter und der Turm“ und „Die Welt der stillen Schiffe“ sind auch Kinder dieses Blogs und ja, auch des Austauschs, der über diesen Blog zu Lesern und Autoren zustande gekommen ist.

Ich habe noch einmal die Momente passiert, an denen ich beschlossen habe, aus der Anonymität heraus zu gehen und mich mit allem, was dazu gehört, als Autor zu präsentieren. An einige der Artikel konnte ich mich noch erinnern, als seien sie gestern erst geschrieben worden. Andere waren dafür so gut wie vergessen und es war spannend, sie noch einmal zu lesen.

Und ich habe wieder einmal gelernt, dass wir zwar nicht in der Vergangenheit leben sollten, aber dass wir ohne unsere Vergangenheit nicht das wären, was wir heute sind. Kein Mensch, kein Autor, niemand.

Ich habe eine Reihe von Texten ausgesucht, die ich mir nun noch einmal vornehmen werde. Dabei geht es vor allem auch darum, sie ein Stück weit zu „neutralisieren“. Denn ich habe gesehen, dass ich quasi von Beginn an versucht habe, diesen Tonfall zu finden, der die persönliche Ansprache meiner Leser möglich macht. Es war mir wichtig, euch als Personen wahrzunehmen und euch als Person gegenüber zu treten. Nicht umsonst habe ich euch gleich zu Beginn auf die Veranda meines Hauses eingeladen.

Individualität ist für einen Gemeinschaftsblog von vielen Autorinnen und Autoren zwar auch wichtig, aber ich zumindest finde, dass erkennbar sein muss, dass da ein Jemand im Namen von Vielen schreibt. Außerdem sichert es auch die Individualität des eigenen Blogs, dieses Blogs hier. Denn der soll das bleiben, was er ist: Mein Sprachrohr, meine ganz eigene Sicht auf die Dinge und mein Reisebegleiter.

Der erste Schritt ist getan und viele weitere sollen noch folgen. Aus der Vergangenheit, in die Zukunft hinein. Immer weiter.

Danke, dass ihr den Weg mit mir geht!

Leipziger Allerlei 2017 (5) Moloch Messe

Kommen wir zurück zu meiner kleinen Messeretrospektive. Nachdem ich euch schon einiges davon berichtet habe, wie es mir so ergangen ist, möchte ich auch noch ein paar Worte zum allgemeinen Moloch Messe verlieren – auch wenn das gefühlt schon jeder gemacht hat.

Wie ihr wisst, war das meine allererste Buchmesse und ich wusste im Vorfeld nicht so richtig, was mich erwarten würde. Klar, die Berichte aus Funk, Film und Fernsehen kannte ich, ebenso wie die Impressionen aus den Blogbeiträgen der vergangenen Jahre. Aber dann das erste Mal selber auf das Messegelände zu gehen, das war schon ein ganz besonderer Moment.

Ich hatte, ganz ehrlich, nicht damit gerechnet, wie verdammt groß dieses Gelände alles in allem sein würde. Ein paar Tage vor der Buchmesse war ich ja in den Dortmunder Westfalenhallen unterwegs und so leid es mir ja tut, das als Ruhrpottler sagen zu müssen: Mit Leipzig könnt ihr leider nicht mithalten.

Alleine schon die Glashalle, die man durch den Messehaupteingang betritt, ist ein echtes Schauspiel. Und als ich dann zum ersten Mal auf der berühmten Treppe mit dem Messelogo stand, hätte ich mir ein Tränchen der Ehrfurcht verdrücken können.

Aber dafür war einfach viel zu viel dem Auge und den Ohren geboten. Die Messe summt wie ein Bienenstock zur besten Blütezeit. Überall waren Menschen, mal mehr, mal weniger wichtig.

Die Glashalle gehörte den großen Medien. Hier finden sich die mobilen Studios der Fernsehstationen, in denen permanent irgendwelcher Content mit bekannten Namen aus der Literaturszene produziert wurde, von dem ich zumindest mich frage, in welchen bisher nicht bekannten Inseln der Kultur sie alle versendet worden sein sollen.

Die einzelnen Hallen waren dann grob thematisch geordnet, wobei sich vereinzelte Schwerpunkte eigentlich immer identifizieren lassen.

Die Halle 5 gehörte ganz klar den Selfpublishern und den assoziierten Dienstleistern. Hier fand man sie alle, sei es Books On Demand, sei es Amazon, seien es einzelne Verbände und Vereine (wie auch gewisse BartBroAuthors *g) bis hin zu Verlagen wie etwa Uschtrin, die sich sehr um die Selbstverlegerszene verdient gemacht haben.

Den meisten dieser Stände war gemein, dass sie relativ klein waren – jedenfalls wenn man sie mit den Monsterständen der wirklich „großen“ Verlage verglich.

Aber war ich sehr positiv zur Kenntnis genommen habe war, dass auch den Kleinen viel Aufmerksamkeit seitens des Publikums zuteil wurde. Es war auch bei den eher kleinen Namen des Verlagsgeschäftes eigentlich immer gut was los, wenn ich vorbeikam.

Zu einem Politikum haben sich im Nachhinein ja noch die Männer und Frauen (und Jungen und Mädchen) entwickelt, die ihre Keimzelle in der Halle 1 gehabt haben. Dort fand nämlich auch dieses Jahr wieder die Manga Comic Convention statt, die traditionell viele Cosplayer angezogen hat, die dann mit ihren teils sehr fantasievollen und aufwändigen Verkleidungen durch die Messehallen flanierten.

Ich möchte mich in die Debatte gar nicht groß einklinken. Es geht darum, ob man über ernste literarische und politische Themen diskutieren kann, wenn im Hintergrund leichtbekleidete junge Frauen herumlaufen. Die Leipziger Buchmesse hat zu dem Thema inzwischen eindeutig Stellung bezogen und ich belasse es mal dabei, euch einen entsprechenden Artikel beim mdr zu verlinken.

Wieso ich nun auf die Formulierung komme, dass die Messe ein Moloch ist? Ganz einfach: Es ist sowas von leicht, sich zwischen all den Ständen zu verlieren, die Zeit und den Raum zu vergessen, dass man gar nicht erst einen bestimmten Stand haben muss, zu dem es einen immer wieder zieht (wie bei mir vereinsbedingt geschehen), um irgendwann nicht mehr zu wissen, wo hinten und wo vorne ist.

Ich habe eine große Hochachtung vor allen Menschen, die es geschafft haben, sich im Vorfeld ein Programm für ihren Besuch auszusuchen und das dann auch durchzuziehen. Ich selber hatte um die 90 Stände auf dem Zettel, die ich mir gerne angesehen hätte und ich denke nicht, dass ich alle davon auch wirklich gesehen habe.

Dafür habe ich bei einem sonntäglichen Spaziergang mit zwei befreundeten Mitstreitern andere Ecken der Messe gesehen, die ich mir alleine wohl nicht angeschaut hätte.

Generell kann man nicht alles haben. Dafür findet einfach zu viel statt! Hier wird gelesen, dort diskutiert, da drüben wieder signiert und überall mehr oder weniger ausstaffiert. Es ist viel zu viel, der Geist kann das kaum aufnehmen und koordinieren schon mal gar nicht mehr.

Ganz ehrlich: Wenn das die kleine und familiäre Buchmesse gegenüber der großen Schwester in Frankfurt ist, dann weiß ich nicht, ob ich es mir antun soll, wirklich dorthin zu fahren.

Aber so ein Moloch zeichnet sich ja auch durch seine Anziehungskraft aus. Und diese wurde wirklich an allen drei Tagen, die ich dort war, voll entwickelt. Es ging gar nicht anders, ich musste zur Messe. Und es wurde mit jedem Tag selbstverständlicher, auf der Messe zu sein. Auch das ein Grund, der bei vielen wahrscheinlich zu diesem bereits beschriebenen Messeblues führt. Es bricht auf einmal ein Stück weg, das sich in rasender Geschwindigkeit als „Normalität“ in den Kopf gebohrt hat.

Die Messe wurde, nach den jetzt veröffentlichten Zahlen, von 208.000 Menschen besucht. Das ist eine ganze Menge und ein Zeichen dafür, dass der Moloch auch auf Menschen seine Auswirkungen hat, die sich nicht den ganzen Tag über mehr oder weniger mit dem geschriebenen Wort beschäftigen. Autoren sind zwar unter sich und ihresgleichen, schwimmen aber nicht im eigenen Saft.

Das ist gut so und zeigt uns, zeigt mir, wofür wir eigentlich schreiben. Und, wer weiß, vielleicht bin ich irgendwann auch einmal in einer Funktion als Aussteller auf der Messe. Oder auf einer anderen. Einige Beispiele zeigen, wie schnell so etwas gehen kann.

Egal, wohin mich mein erster Schritt auf das Leipziger Messegelände am Ende auch lenken wird, es gibt keinen Weg mehr zurück hinter diese Erfahrung.