Der Bart ist ab

Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich das Thema überhaupt hier ansprechen soll. Aber da ich ja diesen Blog nicht zuletzt führe, um mein Leben als Autor mit allem, was direkt und indirekt dazu gehört, zu dokumentieren, komme ich wohl nicht drumherum. Aber ich warne euch direkt vor, dass ich vage bleiben werde. Einfach aus dem Grund, dass die Details in gewisser Weise intern sind und es auch bleiben sollen.

Und trotzdem macht es was mit mir, dass ich gerade meine Kündigung bei den BartBroAuthors eingereicht habe.

Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich an dieser Stelle hin und wieder von meiner Mitgliedschaft in diesem Autorenverein berichtet habe. Ich habe euch erzählt, dass ich im Vereinsnamen getwittert habe. Oder ich habe euch von der Vereinslesung erzählt, aus der dann, durch gewisse Umstände, die nun auch, mit einiger Verzögerung, zu meiner Kündigung geführt haben, 9lesen wurde.

Aufmerksam wurde ich auf die BartBros im Herbst 2016. Mitglied wurde ich dann, glaube ich, im Oktober – kurz, nachdem aus dem lockeren Künstlerverbund ein richtiger Verein geworden war.

Die folgenden Monate waren sehr interessant, teils intensiv, aber vor allem nicht langweilig. Dabei knirschte es hin und wieder zwar im Gebälk, aber es gab auch viele sehr schöne Erlebnisse. Viele Autorinnen und Autoren, die ich heute kenne, hätte ich ohne die Bärte vielleicht nicht oder jedenfalls nicht so gut kennengelernt.

Dann kam es jedoch – und das ist inzwischen auch schon weit über ein Vierteljahr her – zu Ereignissen, die den Verein in seinen Grundfesten erschüttert haben. Und im Endeffekt hat er sich davon nie wieder richtig erholt. Wer sich damit beschäftigt hat, wird zum Beispiel bemerkt haben, dass es auf den Social-Media-Kanälen nicht nur still geworden ist, sondern dass sie inzwischen unter einer dicken Staubschicht liegen.

Lange habe ich zu denen gehört, die versucht haben, konstruktiv einzuwirken, wo sie es konnten. Deswegen habe ich auch, selbst als sich nur wenig bewegte, die Stellung zu halten versucht. Aber das hat mir nicht gut getan und gipfelte zu Anfang des Jahres in einem depressiven Schub, den ich in dieser Weise sicherlich nicht gebraucht hätte.

Wie gesagt, ich gehe nicht in die Details. Ich mache niemanden verantwortlich. Weder hier, noch intern. Manche Dinge passieren einfach. Und irgendwann muss man dann einsehen, dass es keinen Zweck mehr hat, darauf zu warten, dass sich noch etwas bewegt.

Mich macht das traurig. Die Bärte haben mir ein Gefühl von Zusammengehörigkeit gegeben, das mir in einigen schwierigen Situationen Mut und Kraft zum Weitermachen gegeben hat. Die Gruppe, selbst wenn sie für meine Person in der Hauptsache im Internet bestand, füllte Leerräume aus, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gegeben hat. Oder von deren Existenz ich nur eine verschwommene Ahnung hatte, die ja schließlich auch dazu führte, dass ich Mitglied geworden bin.

Nun ist es Zeit zu gehen – und gleichzeitig auch die Zeit, nach vorne zu schauen. Zu schauen, wie es jetzt mit mir in dieser Hinsicht weitergehen soll.

Denn eines ist klar: Nachdem ich einmal das Gefühl von Gemeinschaft erlebt habe, kann, will und werde ich nicht einfach wieder in meine einsame Künstlerkemenate zurückkehren. Das täte mir nicht gut und es wäre der falsche Weg. Das haben mir nicht zuletzt die Erfahrungen der Leipziger Buchmesse deutlich gemacht.

Der Bart mag vielleicht ab sein, aber das bedeutet nicht zwingend das Ende. Streng genommen bedeutet es nicht mehr als das Ende eines Abschnitts. Und, wer weiß, vielleicht wachsen ja selbst auf dieser frischrasierten Stelle irgendwann ein paar zaghafte Stoppeln wieder nach. Wer kann es wissen?

Also nehme ich mir die Zeit, ein klein wenig traurig zu sein, weil heute offiziell etwas für mich zu Ende gegangen ist. Und dann mache ich mich auf die Suche nach einem Anfang. Ohne Druck. Überlegt. Zuversichtlich.

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Leipziger Allerlei 2018 (6) Der Blumenstrauß und ich

Ich schulde euch noch den einen oder anderen Beitrag zur Buchmesse. Unter anderem den darüber, wie ich am Messefreitag auf einmal mit einem Blumenstrauß in der Hand da stand …

Der Freitag war ja mein Anreisetag und nachdem ich zur Mittagszeit in Leipzig angekommen war und es dann auch recht bald schaffte, in meiner Unterkunft einzuchecken, hatte ich nicht mehr besonders viel Zeit, um die Buchmesse zu erkunden. Deswegen hatte ich mir für diesen Tag auch keine wirklichen Termine herausgesucht, sondern mir vorgenommen, einfach ein wenig herumzustromern, was ich dann auch tat.

Irgendwann fiel mir allerdings ein, dass da doch eine Veranstaltung war, die ich mir eventuell ansehen könnte, weil sie zum ersten einen feierlichen Anlass darstellte und ich zum anderen die, sich dann ja auch bewahrheitende, Hoffnung hegte, dass ich dort auf bekannte Gesichter stoßen würde.

Und so fand ich mich pünktlich an der Lesebühne in Halle 5 ein, wo die Verleihung des ersten Autorenwelt-Rings an Jasmin Zipperling stattfinden sollte.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, in allen Einzelheiten zu erklären, was die Autorenwelt und wer die junge Frau mit dem prägnanten Spitznamen „Zippi“ ist. Deswegen in aller gebotenen Kürze.

Die Autorenwelt ist ein Projekt, das auf die Initiative von Autorin und Herausgeberin Sandra Uschtrin (unter anderem die Zeitschriften „Federwelt“ und „Der Selfpublisher“, aber auch das „Handbuch für Autorinnen und Autoren“) zurückgeht und das sich zur Aufgabe gesetzt hat, Autoren nicht nur miteinander zu vernetzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, miteinander in Kontakt zu treten, sondern das sich außerdem für bessere Konditionen am Markt für Autorinnen und Autoren einsetzt. Viele weitere Informationen hierzu entnehmt ihr am besten der Website der Autorenwelt.

Jasmin, oder eben auch Zippi, ist nach den Worten von Federwelt-Chefredakteurin Anke Gasch so etwas wie das Gesicht oder auch die Public-Relations-Frau der Autorenwelt, die sich unter anderem um den Twitter- sowie den Facebook-Account kümmert und auch ansonsten mit großem Engagement und Einsatz dabei ist, wenn es darum geht, die Ziele der Autorenwelt umzusetzen. Mal ganz davon abgesehen, dass sie, wie in der Laudatio von Autorin Alice Högner deutlich wurde, immer und jederzeit für jeden, den sie kennt oder auch gerade erst kennengelernt hat, ein offenes und hilfsbereites Ohr hat.

Engagement ist das entscheidende Stichwort, denn für dieses wurde Zippi an diesem Freitag ausgezeichnet, weil sie mehrfach, als es darum ging, sich zu engagieren, nicht etwa die Frage gestellt hat, „was sie denn davon habe“ oder schlimmer noch, „was sie denn dafür bekäme“, sondern weil sie einfach das Potential erkannte, das da gewesen ist, und sich mit Ehrgeiz in die Arbeit gestürzt hat.

Ich selber hatte bisher nur relativ wenige Bezugspunkte zu ihr. Wir folgen uns gegenseitig auf Twitter und es ist beinahe unmöglich, sie auf der Messe zu übersehen, wenn sie mit ihrer Autorenwelt-„Uniform“ durch die Hallen zieht, immer ihr Smartphone oder die obligatorische Kinderschokolade im Anschlag, und einfach eine angenehme und gute Laune um sich herum verbreitet.

Jedenfalls reichte das aus, um ihr begeistert zu applaudieren, nachdem sie aus den Händen von Sandra Uschtrin den Autorenwelt-Ring in Empfang genommen und sich tapfer, wenn auch dezent überwältigt, durch ihre Danksagung gekämpft hatte.

Und dann hatte der Blumenstrauß seinen Auftritt.

Es ist ja durchaus üblich, dass man einer Person, die man auszeichnet, noch dazu einer Frau, auch einen Strauß Blumen überreicht. Aber da in diesem Fall die Auszeichnung ja ein Ring war und das ganze Procedere damit ein ganz klein wenig an eine Trauung erinnerte, war man auf die Idee gekommen, die alte Tradition des Werfens des Brautstraußes aufleben zu lassen. Nicht, um den oder die Glückliche, die ihn fangen sollte, als nächstes unter die Haube zu bringen, sondern um diese/n dazu einzuladen und zu ermutigen, sich ebenfalls zu engagieren und sei es auch nur im Kleinen.

Denn, wie richtig gesagt wurde, jeder von uns kann etwas, was jemand anderes vielleicht nicht so gut kann und wobei man ihn unterstützen kann. Man muss es sich nur wagen und trauen.

Nun, die Pointe habe ich ja schon verraten, aber ich muss einfach sagen, dass ich das Unheil schon in dem Moment kommen sah, in dem Zippi sich mit dem Rücken zum Publikum drehte. Man muss kein Physikstudent sein, um die potentielle Flugbahn eines geworfenen Objektes zu erahnen.

Zippi warf und sowohl ich als auch Chris, der neben mir saß (der Freund von Jana Tomy, ihr erinnert euch), machten eine Ausfallbewegung mit dem jeweiligen Oberkörper. Leider nutzte uns das überhaupt nichts, denn das vermaledeite Ding kam wirklich genau auf uns zu.

Am Ende wurde Chris von dem Strauß irgendwo am Körper getroffen, woraufhin dieser zu Boden fiel und genau vor meinen Füßen zur Ruhe kam. Jetzt war guter Rat teuer und nach ein wenig schnellem „nimm du ihn“ – „nein, du nimmst ihn“ musste ich in den sauren Apfel beißen und das Ding aufheben.

Was macht man also in dem Moment? Man hält den Strauß in die Höhe, tut so, als freue man sich unbändig, und möchte den Augenblick einfach schnell verstreichen lassen.

Damit ihr mich nicht falsch versteht: Es geht mir nicht ums Engagement. Auch wenn ich dazu jetzt eine lange und nicht besonders schöne Geschichte erzählen könnte. Ich bin durchaus bereit, mich in irgendeiner Weise zu engagieren. Selbst wenn weite Teile von mir der Ansicht sind, dass ich die Ausnahme darstelle, die für niemanden eine gute Unterstützung darstellen kann.

Nein, die zuletzt gemachten Erfahrungen haben halt nur dafür gesorgt, dass ich den Strauß nicht nur als Ermutigung, sondern auch als Belastung gesehen habe. Nicht zuletzt auch, weil ich nicht glaubte, dass er mir besonders gut stand. Ganz davon abgesehen, dass es in meiner Wohnung (ihr erinnert euch: ziemlich basic) nicht einmal ein vernünftiges Glas gab, in welchem ich den Strauß hätte unterbringen können.

Zum Glück einigten Chris und ich uns nicht nur darauf, dass wir den Strauß letztendlich gemeinschaftlich gefangen hatten, sondern auch, dass er am Ende des Tages Jana viel besser zu Gesicht stand als uns. Aber bevor wir ihn abgegeben haben (und er irgendwann im Laufe des Leseabends einfach verschwunden ist, keiner weiß, wohin), haben wir natürlich noch ein Beweisfoto mit Zippi geschossen, das ich mir von Jana ausgeliehen habe:

Doch seitdem denke ich viel über diese Engagement-Geschichte nach. Weil das für mich auch was mit Gemeinschaft, oder mit dem Sinn für Gemeinschaft, zu tun hat. Und was diese angeht, ist mein Autoren-Weltbild in den letzten Wochen leider erheblich erschüttert worden.

Aber vielleicht schreibe ich darüber noch ein anderes Mal mehr.

Ich schließe für mich jedenfalls nicht aus, in Zukunft in irgendeiner Form bei irgendeinem Projekt oder in irgendeiner Community mitzumachen und das, was ich vielleicht einbringen kann, so gut wie möglich in die Waagschale zu werfen. Im Hinterkopf werde ich dabei auf Dauer diesen Strauß Blumen behalten. Als Symbol für das, was man tun kann, wenn man denn den Schritt dahin wagt.

Und irgendwann möchte ich ihn wagen.

Wieso ich das Bauchgrummeln besiegte

Ja, ich gebe zu, dass ich wieder einmal bis zur letzten Minute gewartet habe. Bis gestern musste sich melden, wer von den Mitgliedern der BartBroAuthors Lust hat, auf der Vereinslesung in Leipzig anzutreten.

Ich habe lange Vorteile und Nachteile gegeneinander abgewogen. Es mir nicht leicht damit gemacht. Aber am Ende überwogen eindeutig die Vorteile, denn als Nachteil blieb letztlich nur eines wirklich übrig: Ich könnte mich bis in die Grundmauern blamieren.

Das ist ein großes Wort und sicherlich auch nichts, womit ich leichtfertig umgehe. Denn wer blamiert sich schon gerne? Aber um die Realität dessen zu hinterfragen, musste ich wieder mit mir in Klausur gehen und, siehe da, es sah gar nicht so gefährlich aus, wie ich es rein instinktiv und in meiner ersten Reaktion eingeschätzt hatte.

Denn im Endeffekt bewege ich mich doch auf freundlichem Terrain. Dadurch, dass ich nicht der einzige Autor bin, der aus seinen Texten lesen wird, habe ich einen Rahmen, in dem ich mich bewegen und an dem ich mich auch festhalten kann. Ich bin kein Einzelkämpfer, mit dem der Gesamteindruck des Abends steht oder fällt. Und da jeder der anderen sicher ebenso aufgeregt sein wird, wie ich es bin, haben wir schon einmal eine nette Gemeinsamkeit. Gemeinsamkeiten schweißen zusammen. Zumal ich alle, die mit mir lesen, schon kenne – sei es real oder „nur“ virtuell.

Dann habe ich mir überlegt, was das Schlimmste sein könnte, was mir passieren kann. Das Schlimmste wäre, wenn mir einfach die Sprache weg bliebe. Nun, in Hinblick auf meine Krankengeschichte könnte das sogar passieren. Aber ich denke nicht, dass es passieren wird. Ich muss nur aufpassen (und ganz lieb bitte-bitte machen), dass ich nicht der Erste sein werde, der auf die Bühne „muss“. Denn dann liegt es nicht an mir, die Veranstaltung in Gang zu bringen und den Flow für die anderen vorzubereiten.

Und realistisch betrachtet sollte ich eigentlich eine komplette Sprachlosigkeit vermeiden können. Denn ich lese ja „nur“ aus einem meiner Texte. Ich muss nichts verkaufen, außer mir selbst. Und ich muss niemandem irgendwas eintrichtern, sondern „nur“ die Leute möglichst gut unterhalten.

Jetzt bin ich nicht der geborene Entertainer, aber ich halte mich für souverän genug, um mich auf eine Bühne stellen (oder setzen) zu können und zumindest das Mindestmaß an Kontaktaufnahme mit dem Publikum hinzubekommen. Ich habe das schließlich im Rahmen meiner Ausbildung und in diversen Fortbildungen sogar gelernt! Klar, da ging es um Wissensvermittlung, um eine Ausbildung zum Trainer. Aber wenn man es schafft, einen Kurs mit 20 mehr oder weniger gelangweilten Kollegen über zwei Tage hinweg zu jonglieren, dann schafft man auch eine Lesung von vielleicht zwanzig Minuten.

Meine Lesestimme wurde von denen, die sie bis jetzt zu hören bekommen haben, als angenehm eingeschätzt. Ich selber bin da ja notorisch anderer Ansicht, aber ich werte das erst einmal als positives Zeichen.

Ich weiß noch nicht, wie lange meine Redezeit sein wird. Deswegen kann ich mir auch nur unzulänglich Gedanken darüber machen, welchen Textausschnitt ich wählen soll. Was bringt es also, sich jetzt schon damit verrückt zu machen? Gar nichts.

Es überwogen also eindeutig die Gründe dafür, dieses Wagnis einzugehen. Denn ein viel besseres und entspannteres Setting kann es, denke ich, für eine erste Leseerfahrung gar nicht geben.

Klar, die Nervosität wird kommen und sie wird in den nächsten Wochen, wenn ich darüber nachdenke, noch häufiger kommen. Aber ich werde versuchen, sie zu beherrschen und vielleicht sogar daran zu wachsen.

Ich denke, es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich zu dem Thema was zu schreiben habe. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden 🙂 .

Vom Vereinsleben stark eingespannt

Ihr Lieben,

nur eine kurze Zwischenmeldung, dass ich im Moment vom Vereinsleben in meinem kleinen Autorenverein sehr stark eingespannt bin. Sowohl emotional als auch von der Aufmerksamkeit her. Das sorgt dafür, dass mir für meinen Blog in diesen Tagen wenig Platz und wenig Ruhe bleibt.

So sollte es nicht sein und ich bemühe mich, dass es auch wieder anders wird. Aber das ist im Moment alles ein wenig im Fluss.

Immerhin habe ich im Augenblick wieder ein wenig Elan, um an meiner momentanen Geschichte weiter zu schreiben. Wahrscheinlich verteilt sich mein Potenzial gerade etwas zu Ungunsten des Blogs.

Tja, ist dann wohl mal so.

Aber ich habe euch nicht vergessen und hier geht es sicherlich auch bald wieder im gewohnten Turnus weiter!

Tut bis dahin nichts, was ich nicht auch täte.

Live lesen in Leipzig – oder lieber nicht?

Ich lasse ja immer mal wieder anklingen, dass ich Mitglied bei einem Autorenverein, den BartBroAuthors, bin. Seit etwas über einem Jahr. Und auch wenn ich es bis jetzt irgendwie nie geschafft habe, da einen eigenen Beitrag drüber zu schreiben, nehme ich die Mitgliedschaft durchaus ernst und versuche auch, am Vereinsleben teilzuhaben, so gut es eben geht. Mal geht es besser, mal geht es schlechter – und noch dazu meistens virtuell. Die einzige Gelegenheit, bei der ich meine Mitbärte bis jetzt live und in Farbe erlebt habe, war im letzten Jahr bei der Leipziger Buchmesse. Und die Aussicht, auch dieses Jahr ein paar von ihnen zu treffen, war eine zusätzliche Motivation, mich frühzeitig darum zu kümmern, auch dieses Jahr wieder in Leipzig dabei zu sein.

Eine Zusatzmotivation, rationalere Menschen würden wohl von einem Zusatznutzen schreiben, könnte dieses Jahr darin liegen, dass mir der Verein die Chance gibt, im Rahmen der Leipziger Tage meine erste Lesung zu halten!

Dazu muss ich ein wenig ausholen. Und zwar wurde schon vor geraumer Zeit die Idee geboren, in Leipzig an einem der Messetage eine Location für eine „Bart-Lesung“ zu finden und dort den Mitgliedern des Vereins die Möglichkeit zu geben, aus einem ihrer Werke (veröffentlicht oder nicht spielt erst einmal keine Rolle) zu lesen. Wider Erwarten war ein solcher Ort sehr schnell gefunden und so steht dem Event in diesem Jahr nichts im Weg. Es wird am Abend des Messefreitags nach Hallenschluss in einem Pub in der Leipziger Innenstadt stattfinden. Wenn man so will, könnte man hochtrabend sagen, dass wir damit zum Rahmenprogramm der Messe gehören.

Ich fand die Idee von Anfang an ebenso gut wie einschüchternd.

Denn es ist das eine, theoretisch darüber zu sinnieren, ob man eine solche Lesung zustande bekommt, welche Rahmenbedingungen herrschen werden, und so weiter. Es ist, für mich persönlich, ebenso das eine, sich zu überlegen, ob – und wenn ja, mit welchem Text, ich an der Lesung teilnehmen wollen würde.

Aber es ist etwas vollkommen anderes, wenn man sich auf einmal binnen einer Frist von zwei Wochen (und die ist ja schon eher üppig bemessen) verbindlich dazu entschließen muss, ob man denn nun lesen möchte – oder nicht.

Ich weiß, dass es für die Planung nötig ist, möglichst frühzeitig ein Gerüst aufstellen zu können. Zumal die Veranstaltung dann ja auch noch im Rahmen der Möglichkeiten beworben werden soll. Aber dennoch sackte mir, als ich den Aufruf im Forum des Vereins las, das Herz erst einmal in die Hose.

Die Frage ist ganz einfach: Bin ich schon soweit, dass ich mich live, vor Publikum, auf eine Bühne (ja, es gibt eine Bühne!) stellen oder setzen kann, um irgendwas von meinem Geschreibsel vorzulesen? Und das nach Möglichkeit auch noch so, dass ich mich dabei weder blamiere, noch das Publikum (oh Gott, Publikum!) zu Tode langweile!?

Ja, ja, wenn die Frage nur so einfach wäre!

Denn sofort kommen weitere Punkte hinterher wie der, was ich denn eigentlich lesen will. Und wie lang der Ausschnitt denn sein kann – ich hab das ja noch nie gemacht! Und überhaupt habe ich gar nichts Passendes anzuziehen … okay, das ist jetzt nicht sooo wichtig.

Ich muss versuchen, das Summen in meinem Kopf und in meinem Magen zu kanalisieren, um am Ende die wesentlichen Fragen wie folgt zu formulieren:

Erstens: Möchte ich gerne an dieser Veranstaltung als einer der Lesenden teilnehmen? Wenn ja, dann ist es meine Aufgabe, mich bis dahin geistig und seelisch entsprechend vorzubereiten.

Zweitens: Wenn ich glaube, das schaffen zu können, dann ist es mein Job, herauszufinden, was ich vorlesen möchte. Die nahe liegende Variante wäre, einen Auszug (oder mehr, je nach Zeitrahmen) aus „Der Morgen danach“ zu lesen, da dies meine erste Romanveröffentlichung wird.

Drittens: Falls ich mich auf „Der Morgen danach“ festlegen würde, müsste ich mit meinem Verlag klären, ob das überhaupt gewünscht ist, in dem Stadium, in dem der Text sich befindet. Bis Mitte März werden wir mit dem Lektorat schwerlich durch sein.

Viertens: Frühestens jetzt ist es an der Zeit, sich wirklich konkrete Gedanken über die Durchführung zu machen. Und über die Klamottenfrage 😉 .

Ich bin mir sicher, noch irgendeine wesentliche Frage vergessen zu haben, aber die wichtigste ist ohnehin die erste. Wenn ich die nicht für mich kläre und sie am Ende positiv beantworte, dann ist alles andere Makulatur.

Deswegen verzichte ich, auch wenn es mir schwer fällt, im Moment auch noch auf eine rationale Abwägung von Vorteilen und Nachteilen. Auch wenn mir da schon einiges zu eingefallen ist. Das muss einfach hintanstehen. Denn ich darf hier nichts übers Knie brechen, was ich ansonsten vielleicht bereuen würde.

So oder so: Ich habe es hier, wieder einmal, mit einer Herausforderung an mich, an mein Dasein als Autor zu tun, die vorher noch nie dagewesen ist. Und glaubt mir, ich bin selbst gespannt, wie das am Ende ausgehen wird.

Der Sonntagsreport vom 17.12.2017: Hat doch gar nicht weh getan

Hallo liebe Blogbesucher!

Na, wie habt ihr den dritten Advent verbracht? Habt ihr euch auch, wie wahrscheinlich so viele, in den Trubel gestürzt, weil ja vielerorts ein verkaufsoffener Sonntag war? Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den großen Einkaufszentren der Gegend, wie dem CentrO in Oberhausen oder auch dem Zentrum am Limbecker Platz in Essen los gewesen ist. Aber ja: In einer Woche ist Heiligabend und man kann das Parfüm und die Krawatte ja nicht immer auf den letzten Drücker kaufen.

Ich selbst habe alle Weihnachtsgeschenke inzwischen zusammen und bin ziemlich glücklich darüber. Ich werde nämlich schon so langsam nervös, wenn das zur Dezembermitte nicht der Fall ist. Auch wenn in der schönen neuen Internetwelt der Versandhändler mit dem großen „A“ gegen einen entsprechenden Obolus auch Lieferungen am Tag der Bestellungen durchführt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden die Verkaufsfahrer des im Aufbau befindlichen eigenen Lieferdienstes wahrscheinlich dazu verdonnert werden, sich in Weihnachtsmann- oder Christkind-Kostüme zu quetschen, und an Heiligabend bis unter den Baum zu liefern.

Nun, das ist Zukunftsmusik.

Vergangenheit ist dagegen, dass ich an der zweiten Etappe des Lektorats von „Der Morgen danach“ gearbeitet habe. Ich hatte ja in den letzten Beiträgen zum Thema so ein wenig anklingen lassen, dass ich Probleme damit hätte. Aber wie so oft im Leben ist es so gewesen, dass ich mich nur mal, aufraffen musste.

Und das hat gestern und heute gut geklappt. Ich bin in einen kleinen Flow geraten, was die Überarbeitung angeht, und habe deswegen mit den Anmerkungen meiner Lektorin irgendwann auch gar keine Schwierigkeiten mehr gehabt. Die resultierten nämlich größtenteils daraus, dass ich gar nicht den passenden Blick auf den Text hatte. Und ich habe wieder die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist, konzentrierte und zielgerichtete Textarbeit zu betreiben, wenn man im Kopf blockiert ist.

Es war eine gute Entscheidung, mir selber ins Stammbuch zu schreiben, dass spätestens jeden zweiten Tag irgendwas Schriftstellermäßiges zu geschehen hat. Dass das vorher nicht so gewesen ist, mögen mir die Hardliner und Unverständigen als Nachlässigkeit und mangelnde Professionalität auslegen. Sei es drum. Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und es kann sehr gut sein, dass ich meinen jetzt gefunden habe.

Jedenfalls kann ich morgen die entsprechenden Passagen in die Post geben und habe damit den Kopf vorläufig wieder für andere Dinge frei. Am Ende hat es auch gar nicht weh getan.

Ich möchte auf jeden Fall noch in diesem Jahr die erste Agenturbewerbung für „Der Beobachter und der Turm“ auf die Reise schicken. Ja, ich habe mich dazu entschlossen, es zuerst mit einer einzelnen Agentur und der geforderten Exklusivität zu versuchen. Wenn so die Spielregeln sind, dann muss ich mich eben daran halten.

Und was macht das Schreiben? Da sind mein Kurzroman und meine Kurzgeschichte. Und beides kommt im Moment nicht wirklich aus den Puschen. Ich glaube, es war ein Irrglaube von mir, zwei so unterschiedliche Projekte gleichzeitig stemmen zu können. Oder sie gleichzeitig zu allem anderen stemmen zu können, was da sonst noch anliegt und angelegen hat.

Welchen der beiden Texte ich nun vorziehe, habe ich noch nicht abschließend entschieden. Es gibt eine Tendenz, aber davor steht auf jeden Fall die Bewerbung. Nicht wieder alles gleichzeitig. Also brauche ich mich auch jetzt noch nicht festzulegen.

Festlegen musste ich mich im Laufe der letzten Wochen auf die eine oder andere Personalentscheidung in dem Autorenverein, in dem ich Mitglied bin. Es stehen Vorstandswahlen an und es zeigte sich sehr deutlich, dass Autoren auch nur Kaninchenzüchter oder Kleingärtner sind. Soll sagen: So sehr unterscheiden sich die Vereine, die Strukturen und auch der Umgang miteinander gar nicht.

In mir rumort es, offen gestanden, ein wenig. Ich hätte da was zu sagen, bevor in dieser Woche ein neuer Vorstand gewählt wird, aber ich weiß nicht, ob es jemand hören will. Schließlich bin ich nur ein ganz normales Mitglied, habe weder das schönste Kaninchen gezüchtet, noch die größten Kartoffeln im Beet.

Nun, wir werden sehen. Ich wollte es aber auf jeden Fall hier hinschreiben, weil es mich halt beschäftigt. Und der Sonntagsreport dient vor allem ja auch dem, mir Dinge aus dem Kopf zu schreiben, die mich beschäftigen. Damit ich entweder damit abschließen kann, oder halt um einen Schritt in meiner Entscheidungsfindung weiter zu kommen.

Damit wollen wir es für heute dann auch wieder bewenden lassen. Ich wünsche euch, dass ihr die letzte Woche vor Weihnachten genießen könnt. Die Besinnlichkeit fängt für die meisten von uns ja erst am 24.12. kurz vor dem Gänsebraten an. Aber vielleicht klappt es ja dieses Jahr mit einer Veränderung dieses Umstands.

Lasst euch nicht stressen!

Euer Michael