„Du hast gar nichts zum Welttag des Buches geschrieben. Schäm dich!“

Die Aussage aus der Artikelüberschrift ist fiktiv – und ist es irgendwie auch wieder nicht. Denn tatsächlich gab es da gestern, am Welttag des Buches, eine leise aber hartnäckige Stimme in mir, die mir permanent sagte: »Du hast noch gar nichts zum Welttag des Buches geschrieben. Schäm dich!«

Aber ich muss gestehen, dass mir nichts einfiel, was ich zu diesem Tag hätte beitragen können. Was ist das denn überhaupt, so ein Welttag? Soll sich an diesem Tag alles um das gedruckte Wort drehen? Und wenn dem so ist – wieso sollte ich dann das gedruckte Wort zelebrieren, indem ich virtuelle Buchstaben auf einen flachen Bildschirm zaubere? Das wäre ja wohl fast so etwas wie der Gegenentwurf zum Buch. Es sei denn, dass der Welttag des Buches endlich auch für eBooks gilt. In den Vorjahren hatte ich irgendwie nicht das Gefühl.

Diese leise Stimme hat mich mehrfach an diesem Tag ermahnt, ich müsse jetzt endlich meiner gottverdammten Pflicht nachkommen. Ich bin Autor, also muss ich irgendwas Schlaues über Bücher zu sagen haben. Verklagt mich, aber mir ist nichts schlaueres eingefallen als die Tatsache, dass Lesen Spaß macht, dass es bildet, dass es unterhält und dass es ein schützenswertes Kulturgut ist.

Keine bahnbrechende Erkenntnis und ganz gewiss keine, die von meiner Seite noch einmal wiederholt werden müsste, damit sie bei ihren Empfängern ankommt.

»Aber du bist doch …«

… Autor, ich weiß. Habe ich ja gerade schon gesagt.

Als Autor hätte ich euch an diesem Tag vielleicht etwas von meinen inspirierendsten Büchern erzählen können. Oder wahlweise irgendeinen Schwank über einen meiner Romane. Wobei das wiederum etwas witzlos gewesen wäre, gibt es diese doch nun einmal nicht als Buch zu kaufen. Vollkommen egal, ob als Buchstaben auf Papier oder als Buchstaben auf Flachbildschirm.

»Wenn schon einem wie dir, der Bücher ja ach-so-gern hat, nichts passendes zum Welttag des Buches einfällt, dann muss es mit dem Lesen ja wirklich kurz vor dem Ende stehen.«

Nun, Gott sei es gepfiffen und getrommelt, sehe ich mich nicht als den Nabel der Welt an. Ich muss mir nur die Bestsellerlisten ansehen, seien es die in den Geschäften oder die auf Amazon & Co. um zu wissen, dass es da draußen eine Menge Leute gibt, die eine Menge Bücher lesen, die ich noch nie in auch nur in der Hand gehabt habe. Da muss ich nicht einmal die Millionenseller „Harry Potter“ oder „Shades of Grey“ bemühen, auch wenn beide durchaus valide Beispiele wären.

Nein, ich denke, dass immer noch gelesen wird, auch wenn die Branche sich ganz sicher in einem Zwischenstadium befindet. Immer mehr Bücher drängen an den etablierten Verlagen vorbei auf den Markt, sei es, weil es auch für Kleinverlage immer einfacher (und lukrativer) wird, sich ins Business zu stürzen, oder weil viele Autoren gleich ganz ihr eigenes Ding machen. Von den sogenannten Hybridautoren mal ganz zu schweigen, die sich gleich gar nicht mehr auf eine Art der Veröffentlichung festlegen lassen wollen.

Ich finde das gut, zeigt es doch, dass es heute, mehr denn je, einen Markt auch für die kleinen Geschichten gibt. Es ist zwar so, dass man sich diese Märkte erschließen muss, aber sie sind potentiell da.

»Und trotzdem hättest du ja wenigstens einen weisen Spruch raushauen können.«

Ich eigne mich nicht gut für weise Sprüche. Das ist hier, im Blog, immer dann zu beobachten, wenn ich versuche, an dem Umstand etwas zu ändern 😉 .

»Dir ist aber schon bewusst, dass du dir gerade selber ein Armutszeugnis ausstellst, oder?«

Nein, das sehe ich anders. Ich denke, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn man nicht krampfhaft versucht, sich an jede Gelegenheit dran zu hängen, nur damit man vielleicht wieder etwas geschrieben hat. Ja, es wäre ein Anlass gewesen. Aber nein, es machte keinen Sinn.

»Und jetzt konterkarierst du das durch diesen Blogeintrag gleich wieder selbst, tsk, tsk, tsk.«

Das könnte man so beurteilen, aber auch hier erlaube ich mir, anderer Meinung zu sein. Ich möchte mit diesem Beitrag dokumentieren, dass ich den Tag als solchen durchaus zur Kenntnis genommen habe und dass es am Ende eine bewusste Entscheidung gewesen ist, mir zu seinem Anlass nichts aus den Fingern zu saugen.

Vielleicht ist es nicht ganz klar, deswegen betone ich es noch einmal: Es war eine bewusste Entscheidung!

Ich habe die leise Stimme, die im Laufe des Tages irgendwann gar nicht mehr so leise gewesen ist, bewusst ignoriert, weil ich getan habe, was ich für richtig hielt. Und darauf kommt es doch am Ende an, denkt ihr nicht auch? Dass man die Signale seines eigenen Körpers, seines eigenen Geistes richtig zu deuten weiß und dann nach ihnen handelt. Nicht nach den Zwängen, die einem der Kalender oder, noch schlimmer, ein missgünstiger Knilch irgendwo in einem drin aufdrücken wollen.

Ich konterkariere nicht, ich erkläre. Ich erkläre es mir selbst und tue das bewusst in dieser Form. Ja, ich bin Autor, aber das bedeutet zuallererst, dass ich auf meine eigene Stimme hören muss. Ich muss auf meine Bedürfnisse achten und ich muss mir erlauben, so zu sein, wie ich sein will. Denn nur dann kann ich auch so schreiben, wie ich schreiben will.

»…«

Ja, da fällt dir nichts mehr ein! Gut so.

Gestern war der Welttag des Buches. Ein Tag, den ich für wichtig halte, zu dem mir aber in diesem Jahr irgendwie nichts Wichtiges einfallen wollte. So ist es eben im Leben. Kein Grund, mich dafür zu schämen.

Und ganz egal, was die leisen Stimmen in euch oder um euch herum euch einreden wollen: Es ist gut so, wie es ist!

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Leipziger Allerlei 2018 (2) Nur kurz erzählt

Ihr Lieben,

ja, ich habe die Lesung überstanden.

Ja, ich lebe noch.

Nein, ich glaube nicht, dass ich es versaut habe.

Ich würde euch gerne mehr erzählen, aber das muss leider noch warten. Meine Unterkunft ist ziemlich basic, es gibt kein Internet, und somit komme ich zurzeit nur über’s Handy online.

Und bloggen über das Handy macht leider so gar keinen Spaß.

Aber das hole ich alles in den nächsten Tagen nach. Versprochen!

Bis bald!

Euer Michael

Vom Vereinsleben stark eingespannt

Ihr Lieben,

nur eine kurze Zwischenmeldung, dass ich im Moment vom Vereinsleben in meinem kleinen Autorenverein sehr stark eingespannt bin. Sowohl emotional als auch von der Aufmerksamkeit her. Das sorgt dafür, dass mir für meinen Blog in diesen Tagen wenig Platz und wenig Ruhe bleibt.

So sollte es nicht sein und ich bemühe mich, dass es auch wieder anders wird. Aber das ist im Moment alles ein wenig im Fluss.

Immerhin habe ich im Augenblick wieder ein wenig Elan, um an meiner momentanen Geschichte weiter zu schreiben. Wahrscheinlich verteilt sich mein Potenzial gerade etwas zu Ungunsten des Blogs.

Tja, ist dann wohl mal so.

Aber ich habe euch nicht vergessen und hier geht es sicherlich auch bald wieder im gewohnten Turnus weiter!

Tut bis dahin nichts, was ich nicht auch täte.

Der Sonntagsreport vom 03.12.2017: Von Umfrageergebnissen und Selbstvertrauen

Hallo ihr Lieben!

Ich hoffe, ihr hattet einen schönen ersten Advent. Abgesehen davon, dass ich mal wieder (oder immer noch) leicht vor mich hin kränkel, kann ich mich nicht beklagen. Meine Familie und ich waren heute in Duisburg auf dem sogenannten Lichtermarkt. Dieser findet einmal im Jahr für drei Tage in der Kraftzentrale des Landschaftspark Nord statt und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es hier nicht das ewige Einerlei von

1. Würstchenbude
2. Glühweinstand
3. Strickwaren
4. Süßkram
5. Holzspielzeug
6. Würstchenbude
7. Glühweinstand
8. …

gibt, sondern dass viele originelle und auch wirklich handgemachte Artikel zum Verkauf angeboten werden. Besonders ins Auge gefallen sind mir handgedrechselte (!) Schreibutensilien, die richtig toll aussahen. Aber da ich niemanden kenne, der so ein schönes Stück gebrauchen könnte, sei es ein Kugelschreiber, ein Füller oder sonstwas, und ich selber ja nun so gar nicht gerne mit der Hand schreibe, blieben die Schönheiten am Stand.

Leider kann ich euch nicht mehr sagen, dass ihr hingehen sollt, weil der Markt für dieses Jahr nun einmal schon vorbei ist, aber vielleicht mögt ihr euch das ja für das kommende Jahr vormerken, wenn ihr in der Gegend wohnen solltet.

Dabei fällt mir wieder einmal auf, dass ich, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, gar keinen rechten Überblick habe, wo meine Leser eigentlich so beheimatet sind. Ist das wichtig? Nein, nicht unbedingt. Es wird höchstens dann wichtig, wenn ich irgendwann mal Lesungen hier in Duisburg und Umgebung veranstalten sollte und dann gezielt Leser meines Blogs dazu einladen wollte. Noch Zukunftsmusik, aber kann ja mal soweit kommen, nicht wahr?

Ihr merkt schon, ich traue mich, im Vergleich zu letzter Woche sogar in einem eklatanten Ausmaß, wieder den Blick in die Zukunft zu richten. Dazu hat es zwei Krankheitstage Anfang der Woche gebraucht, in denen sich der Körper erholte und der Kopf ein Stück weit resettete. Und es brauchte die Umfrage von Mittwoch, ob ich auf diesem Blog jammern darf oder nicht.

Leider haben nur zwölf Besucher eine Stimme abgegeben, wobei der Beitrag deutlich höhere Zugriffszahlen hatte. Ich nehme jetzt einfach mal an, dass diese Besucher alle der Ansicht sind, dass es ihnen egal ist. Mit dieser Annahme komme ich auf neun Leser, die mir eindeutig das „Recht“ zugestehen, zu jammern, wenn mir danach sein sollte, drei, denen es explizit egal ist und eben die Dunkelziffer.

Ich möchte mich bei jedem und jeder Einzelnen bedanken, der/die mir ihre/seine Meinung hier gelassen hat. Das habe ich wirklich gebraucht, mich auch hier bestärkt zu sehen. Denn das habe ich daraus gezogen: Neue Stärke und neues Selbstvertrauen, dass das, was ich hier auf meinem Blog veranstalte, so verkehrt nicht sein kann – selbst dann nicht, wenn es mir manchmal so vorkommt. Oder vielleicht gerade auch dann, wenn es mir so vorkommt.

Es hat mir aber auch gezeigt, dass gerade die Abwechslung auch mit zu dem beiträgt, was euch, meine lieben Leser, bei der Stange hält. Ich darf also am einen Tag mit meiner Existenz als Schriftsteller (oder Mensch) hadern, am nächsten Tag einen Kommentar zum literarischen Weltgeschehen abgeben und am übernächsten Tag etwas zu meinen momentanen Projekten schreiben. Wobei ich hoffe, dass das Letztgenannte jetzt bald mal wieder mehr werden wird.

Aber auch da habe ich Vertrauen. Denn wenn ich mir die Geschichte von „Mein Traum vom eigenen Buch“ so ansehe, dann kann ich konstatieren, dass es immer mal wieder die Phasen gab, in denen nichts klappte und dann die Phasen, in denen es auf einmal besser lief. Der Blog ist und bleibt mir eine Triebfeder. Und dass ich nun (wieder) an ihn herangehe und ihn ernst nehme in seiner Variabilität und in seiner Tagesaktualität, wenn man es so nennen will, kann nur hilfreich sein.

Es wird hilfreich sein!

Schließlich habe ich nach wie vor viel vor. Ich hatte es vergessen, aber es ist mir wieder eingefallen. Stellenweise fehlt mir ein wenig die Kraft, aber das geht vorbei. Und solange schreibe ich einfach weiter und bleibe am Ball. Erst dann, wenn die Worte vollständig versiegen, wäre der Traum vorbei. Noch ist er es nicht. Und er soll es auch nicht sein.

Also, dementsprechend noch einmal meinen Dank an euch!

Habt einen guten Start in die kommende Woche. Noch drei Wochen bis Weihnachten. Wollte ich nur mal so gesagt haben 😉 .

Euer Michael

Mein Traum vom eigenen Buch: Ein Rundgang durch die Vergangenheit

Vergangenheit. Eine Zeit, mit der wir uns permanent auseinander zu setzen haben, sei es im Guten, sei es im Bösen. Die Gegenwart hat es an sich, dass sie sich quasi im Sekundentakt in Vergangenheit verwandelt und damit Dinge aus unserer Reichweite nimmt, sie unserer Kontrolle und unserem Einfluss entzieht. Ein falsches Wort gesagt, einen falschen Handgriff getan – und die Katastrophe kann da sein.

Wie gut haben es dann doch wir Autoren, die – in sehr vielen Fällen jedenfalls – in unseren Geschichten die Vergangenheit beschreiben, sie aber auch umschreiben. Und wenn uns etwas an ihr nicht mehr passt, dann können wir sie auch einfach mit einem Federstrich oder dem Druck auf die Delete-Taste ausradieren.

Das Schreiben eines Blogs ist in dieser Hinsicht noch eine Besonderheit. Ich schreibe einen Eintrag und veröffentliche diesen – und damit ist er in die Welt gesetzt. Da ich in meinen Blogeinstellungen eingestellt habe, dass ich sofort den vollständigen Text als E-Mail an meine Follower sende, könnte ich nicht einmal mehr, wenn ich es wollte, seine Verbreitung verhindern.

Aber auch der Blog selbst hat seine Vergangenheit. Bald zweieinhalb Jahre gibt es ihn nun und ich kann, wenn ich mich mit ihm und seiner Vergangenheit beschäftige, die Entwicklung sehen, die er und ich genommen haben.

Gerade in den letzten Tagen habe ich einmal einen solchen Rundgang durch das Archiv unternommen. Der Hintergrund hierzu ist, dass demnächst die Website der BartBroAuthors, des Autorenvereins, dem ich angehöre, relauncht wird und die Mitglieder dazu eingeladen sind, sich für den angeschlossenen Blog mit Beiträgen zu beteiligen. Ich habe angeboten, einige meine älteren Beiträge noch einmal zu überarbeiten und für die Nutzung frei zu geben.

Dafür habe ich mir eine Vielzahl der über 780 Beiträge, die bis jetzt hier veröffentlicht wurden, im Schnelldurchlauf noch einmal angesehen. Und ich fand es bemerkenswert – und auch ein wenig unheimlich, wie sehr an manchen Stellen die Veränderungen greifbar sind.

Ich stieß auf Texte, in denen ich mit meiner Arbeit hadere. Ich sah Momentaufnahmen, in denen ich nicht wusste, wie es denn jetzt weitergehen soll. Allzu oft bin ich mal nach links gegangen, dann nach rechts getaumelt und schien, aus heutiger Sicht betrachtet, den passenden Weg verloren zu haben.

Ich weiß jetzt wieder: Auch wenn ich heute manchmal glaube, ziellos unterwegs zu sein, im Vergleich zu früher ist es geradezu ein Musterbeispiel an Stringenz.

Aber ich habe auch Augenblicke noch einmal erlebt, die einfach schön waren! Da war natürlich die Fertigstellung der Romane, die in dieser Zeit entstanden sind. „Der Redner“, „Der Beobachter und der Turm“ und „Die Welt der stillen Schiffe“ sind auch Kinder dieses Blogs und ja, auch des Austauschs, der über diesen Blog zu Lesern und Autoren zustande gekommen ist.

Ich habe noch einmal die Momente passiert, an denen ich beschlossen habe, aus der Anonymität heraus zu gehen und mich mit allem, was dazu gehört, als Autor zu präsentieren. An einige der Artikel konnte ich mich noch erinnern, als seien sie gestern erst geschrieben worden. Andere waren dafür so gut wie vergessen und es war spannend, sie noch einmal zu lesen.

Und ich habe wieder einmal gelernt, dass wir zwar nicht in der Vergangenheit leben sollten, aber dass wir ohne unsere Vergangenheit nicht das wären, was wir heute sind. Kein Mensch, kein Autor, niemand.

Ich habe eine Reihe von Texten ausgesucht, die ich mir nun noch einmal vornehmen werde. Dabei geht es vor allem auch darum, sie ein Stück weit zu „neutralisieren“. Denn ich habe gesehen, dass ich quasi von Beginn an versucht habe, diesen Tonfall zu finden, der die persönliche Ansprache meiner Leser möglich macht. Es war mir wichtig, euch als Personen wahrzunehmen und euch als Person gegenüber zu treten. Nicht umsonst habe ich euch gleich zu Beginn auf die Veranda meines Hauses eingeladen.

Individualität ist für einen Gemeinschaftsblog von vielen Autorinnen und Autoren zwar auch wichtig, aber ich zumindest finde, dass erkennbar sein muss, dass da ein Jemand im Namen von Vielen schreibt. Außerdem sichert es auch die Individualität des eigenen Blogs, dieses Blogs hier. Denn der soll das bleiben, was er ist: Mein Sprachrohr, meine ganz eigene Sicht auf die Dinge und mein Reisebegleiter.

Der erste Schritt ist getan und viele weitere sollen noch folgen. Aus der Vergangenheit, in die Zukunft hinein. Immer weiter.

Danke, dass ihr den Weg mit mir geht!

Ganz viele Meinungen, danke dafür!

Vorgestern hatte ich euch befragt, wie es hier auf diesem Blog weitergehen könnte. Und ich möchte mich bei jedem von euch, der mir ein paar Zeilen hier gelassen hat, ganz, ganz herzlich bedanken! Natürlich sollt ihr nun auch erfahren, was ich mit euren Gedanken so angefangen habe, ob ich zu Entschlüssen gekommen bin. Mir schien es am besten zu sein, dafür einen eigenen Beitrag zu schreiben. Vor allem auch, weil ich einigen von euch auf einzelne Zitate auch noch einmal persönlich antworten wollte.

Da ich glaube, dass auch das interessant für die anderen Kommentatoren sein könnte, aber ja nicht jeder immer alle Kommentare zu einem Blogbeitrag liest, werde ich hier mit Zitaten arbeiten. Ich hoffe einfach mal, dass das für alle so okay ist.

Vorneweg: Das Votum war mehr oder weniger eindeutig. Niemand sprach sich entschieden für einen Redaktionsplan aus, auch wenn verschiedentlich die Vorteile angesprochen worden sind, die ich selber ja auch sehe. Aber scheinbar mache ich mit meiner Art, den Blog zu führen, dann doch unterbewusst etwas richtig. Denn glaubt mir, bewusst ist das in der Regel nicht.

Aber auch das zählt wohl zu dem Stichwort Authentizität, das ganz oft genannt wurde. Authentisch sein geht ja damit einher, keine Rolle zu spielen und nicht nur deshalb, weil es gerade opportun sein könnte, Dinge zu schreiben, hinter denen man eigentlich nicht steht. Das ist in der Tat etwas, was ich immer zu vermeiden versucht habe. In meinem „richtigen“ Leben, also offline, bin ich so oft gezwungen (gewesen), Rollen zu verkörpern, dass ich online und auch in meiner Person als Autor keine Lust dazu habe.

Doch genug der Vorrede, kommen wir zu euren Zitaten 🙂 .

bullion schrieb:
Professionell ist schön und gut, doch ein Blog lebt auch von Agilität und persönlichen Eindrücken.

Ich muss ja fast zugeben, dass ich das mit der Agilität zuerst nicht verstanden habe. Aber die „Erleuchtung“ kam dann gestern von alleine. Eigentlich war dieser Beitrag, den ich gerade schreibe, für gestern vorgesehen, aber dann kam mir die Ehe für alle „dazwischen“. Und bei aller Selbstverliebtheit: Das war mal ein wichtiges Thema! Mit einem Redaktionsplan ist es im Zweifel immer schwer, spontan umzustellen. Ich wüsste bei festen Rubriken gar nicht, ob ich die im Bedarfsfalls ausfallen lassen oder nachholen würde.

Evanesca Feuerblut schrieb:
Da kamen die üblichen Punkte. Mehr Bilder, individuelleres Design, regelmäßige Posts, feste Rubriken und Blogtage.
[…]
Gibt zwar weniger Follower*innen, aber ich bin glücklicher damit.

Regelmäßig habe ich die Anfälle, in denen ich mich auf den diversen Seiten diverser Gurus schlau mache, was man tun muss, um einen erfolgreichen Blog zu führen. Und was man tun muss, um eine gute Autorenseite aufzubauen. Und ebenso regelmäßig bin ich vollkommen verzweifelt, wenn ich danach eine Soll-/Ist-Analyse durchführe. In mir tobt aber gleichzeitig ein heftiger Krieg zwischen diesen Polen, der mich daran hindert, alles über Bord zu werfen und den Tipps und Tricks nachzugehen.

„Mein Traum vom eigenen Buch“ war eine spontane Geburt. Ich wusste am Anfang nicht, wohin die Sache gehen soll. Und das merkt man manchen Dingen, wie zum Beispiel meinen verwendeten Kategorien oder Schlagwörtern, bis heute an.

Als eine Konzession habe ich irgendwann angefangen, jedem Beitrag wenigstens ein „Titelbild“ zu geben. Aber manchmal ist auch das stark an den Haaren herbeigezogen, was den Zusammenhang angeht. Ich mache es in der Hauptsache, damit der zugehörige Tweet auf Twitter besser wahrgenommen wird.

Wäre ich glücklicher, wenn es anders wäre? Das ist die Gretchenfrage und ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte binnen 48 Stunden die passende Antwort darauf gefunden. Zeit ist hier ein nicht zu unterschätzender Faktor. Inzwischen bin ich soweit, dass ich auch mal verknusen kann, wenn ein Tag weniger als 20 Aufrufe hat (ja, mit mehr als 20 Aufrufen pro Tag bin ich schon zufrieden. Die „großen“ Blogger wenden sich mitleidig mit Schaudern ab!). Im Juni habe ich an rekordverdächtigen sieben (!) Tagen nicht gebloggt.

Ich lerne. Wohl auch, dass Glück nicht von Zahlen abhängt.

Sonja schrieb:
Auf der anderen Seite erlebe ich es aber immer wieder, dass mich strukturierte Blogs mit klarem Plan und Ausrichtung faszinieren können.
[…]
Ein Redaktionsplan ist m.E. deutlich mehr als ein einfacher Plan. Da spiegelt sich die eigene Philosophie wieder, die man mit dem (manchmal angenommenen) Leserwunsch in Einklang bringt.

Diese Faszination kenne ich sehr gut. Ich erlebe sie immer wieder, wenn ich die auf den Wochentag getakteten Newsletter oder Beiträge gewisser Blogs bekomme, bei denen ich dann auch noch erkenne, dass sich da nicht „einfach“ jemand hingesetzt hat und „irgendwas“ geschrieben hat. Dann fühle ich mich so, wie sich der Schreiber eines Anzeigenblättchens im Vergleich zum Schreiber der FAZ fühlen muss: Beide machen irgendwie dasselbe, aber das nicht das Gleiche.

Ich habe in der Vergangenheit ja probiert, auch solche Artikel zu schreiben. Zum Beispiel zum Thema Überarbeitung, wo ja auch ein gewisses Leserinteresse da war. Aber ich muss gestehen, dass mich solche Themen nach gewisser Zeit selber zu langweilen beginnen. Nicht, weil sie uninteressant wären, sondern weil ich merke, dass ich mich selber einenge. Ich schreibe solche Artikel ganz anders, als ich zum Beispiel diesen schreibe. Da dudelt Musik im Hintergrund, da kann ich schon mal eine Pause machen und irgendwas anderes tun. Das Schreiben von strukturierten Beiträgen für einen strukturierten Blog ist Arbeit.

Da kommen wir auch wieder zum Schlagwort Professionalität: Sollte ich nicht generell mehr Wert auf Arbeit legen und weniger auf Spaß an der Freude? Nun, die Antwort hat u.a. Evanesca Feuerblut in ihrem Kommentar gegeben: Tu, was dich glücklich macht. Und schon sind wir wieder beim Philosophieren. Schade nur, dass die Philosophie schon fast per Definition keine Antworten bereit hält. Jedenfalls keine, die eindeutig wäre.

Hedwig Mundorf schrieb:
Stell Dir vor, Du planst für Donnerstag das Thema x, das mich vielleicht überhaupt nicht interessiert. Vermutlich würde ich an diesem Tag nie mehr bei Dir vorbei schauen und eventuell Wissenswertes und Interessantes verpassen.

Diesen Gedanken finde ich sehr interessant und ich habe mal überlegt, wie ich selber damit umgehe. Zunächst einmal muss ich dazu sagen, dass ich ja entweder die neuen Beiträge per Reader oder per Mails abonniert habe. Also liegen sie mir in irgendeiner Art und Weise vor und es ist nicht so leicht, sie zu übersehen. Aber wie wäre es, wenn ich direkt auf die Seiten einsteigen würde?

Ich denke, es würde da für mich ähnlich sein, wie Hedwig es schreibt. Wenn ich wüsste, dass immer montags ein Gedicht kommt, dann würde ich mir überlegen, ob ich montags reinschauen würde. Nicht falsch verstehen: Ich mag (manchmal) Gedichte sehr gerne. Aber sie müssen für den Augenblick passen. Und meistens passen sie nicht auf Kommando – oder auf Kalender. Und ja, ich würde auf diese Weise nicht nur den Montag wahrscheinlich auslassen, sondern auch noch einiges an guten Gedichten verpassen, die spontan zwischen Dienstag und Sonntag veröffentlicht werden.

romantickercarolinecasparautorenblog schrieb:
Nicht für alle Menschen ist es gut, ausschließlich spontan zu handeln. Schon gar nicht, wenn sie gerade in einem Prozess stecken, der Konzentration und Struktur – auch innere – abverlangt. Es ist anstrengend und Energie raubend, ständig zwischen Struktur und Beliebigkeit zu wechseln.
[…]
Wie wäre es mit einem Grundgerüst, das auf jeden Fall steht und der Option, auch mal spontan bei Bedarf einen Beitrag einzuschieben?

Auch dies ist ein sehr interessanter Gedanke, dass durch den schnellen Wechsel zwischen spontanen und eher strukturierten Arbeitsabläufen Energien verbraucht werden, die sich anders sicher besser einsetzen ließen.

Ich habe mich gefragt, ob das vielleicht einer der Gründe dafür ist, dass ich seit dem Beginn des Lektorats (bzw. der Lektorate, wenn ich die Kurzgeschichten mitzähle) ein Problem damit habe, an neuen Texten zu arbeiten – und mich auch mit dem einen oder anderen Blogbeitrag doch ein wenig zu sehr abmühe. Ja, da könnte glatt etwas dran sein.

Aber letztlich wirft mich dieser Gedanke auf die grundsätzliche Fragestellung zurück, was ich eigentlich nun genau haben möchte, was ich sein möchte: Profi auf amateurhaftem Niveau, oder Amateur, der sich langsam den einen oder anderen professionellen Zug hereinholt?

Ich denke, am ehesten wird es, rein gefühlsmäßig, auf eine Zwischenlösung hinauslaufen müssen. Wie ich die erreiche, am besten erreichen kann, weiß ich noch nicht. Auch da gilt, dass 48 Stunden ein ganz klein wenig zu wenig Zeit sind, um seriös zu einer Entscheidung zu kommen. Die Sache mit dem Grundgerüst ließe sich ja auch ausweiten, indem ich mir einzelne Tage dafür reserviere, zu schreiben, zu bloggen, zu überarbeiten.

Oder auch einfach mal Pause zu machen 😉 .

Auf jeden Fall ein guter Anreiz, der mich noch eine Weile beschäftigen wird!

margauxnavara schrieb:
Ich muss ja nicht jeden Tag lesen … 😉

Eine gute und wichtige Erinnerung, dass ich umgekehrt auch nicht jeden Tag schreiben muss 😉 .

Fazit:

Es zeichnete sich nach den Kommentaren, die ich bekommen habe, ab. Hier auf dem Blog wird sich vorerst nichts verändern. Sei es, weil es gut ist, wie es ist – sei es, weil ich über einige Dinge erst noch nachdenken muss.

Aber es hat mich enorm weitergebracht, die Frage gestellt zu haben. Deswegen danke ich noch einmal allen Kommentatoren. Auch denen, die ich hier jetzt nicht noch einmal zitiert habe. Jede Meinung war wichtig, jede Meinung war hilfreich.

Und jetzt lassen wir uns gemeinsam überraschen, wohin die Reise mit diesem Blog geht. Eines aber ist sicher: Sie wird weitergehen!

Ich bräuchte da mal eure Meinung, bitte

Ich gebe zu, das wird jetzt so ein wenig wie die sich selbst erfüllende Prophezeiung oder das Fragen nach Dingen, die man eigentlich schon selber weiß. Aber weil ich eben ein schlechter Prophet bin (siehe meine ausbaufähigen Erfolge beim Lotto spielen) und manchmal Dinge, die ich weiß, gerne infrage stelle, wende ich mich an euch.

Und zwar geht es darum, wie ich diesen Blog füttere. Wie ich schon zu früheren Gelegenheiten erwähnt habe, schreibe ich nach keinem festen Redaktionsplan. Es gibt da ja diese feinen Pläne, die man sich aufstellt und in denen zum Beispiel drin stehen kann, dass man jeden Montag einen Werkstattbericht veröffentlicht, oder dass man einmal pro Monat eine exklusive Kurzgeschichte bringt, oder dergleichen lustige Dinge mehr.

Nein, ich kann von wenigen Ausnahmen abgesehen behaupten, dass ich spontan schreibe. Deswegen modern einzelne Entwürfe auch schon mal über Monate hinweg vor sich hin und fangen an zu riechen, weil immer spontan etwas dazwischen kommt.

Jetzt stehe ich aber immer mal wieder vor der Überlegung, ob das für euch, meine Leser, denn so sinnig ist, oder ob ihr euch lieber etwas anderes wünschen würdet. Damit fast zwangsläufig einher geht auch die Frage nach der Frequenz der Beiträge. Ich weiß, dass sie mitunter sehr hoch ist, aber das ist eben der „Nachteil“ an diesem spontanen Bloggen. Wenn etwas gesagt werden will, dann sag ich es.

Im Endeffekt könnte ich mich auf den Standpunkt stellen, dass es nur darauf ankommt, womit ich mich wohl fühle. Dumm ist halt nur, dass ich in manchen Phasen nicht weiß, womit ich mich wohl fühle. Oft setze ich mich selber unter Druck, jetzt bloß heute noch einen Beitrag zu schreiben, oder es eben auch mal einfach nicht zu tun.

Das sind natürlich Dinge, die sich mit einem Redaktionsplan wieder entschärfen ließen. Wenn da drin stünde: Neuer Artikel am Sonntag, Dienstag, Donnerstag – dann wäre es völlig klar, wann ich etwas zu schreiben und wann ihr etwas zu lesen hättet.

Aber ist das mein Ding? Ist das euer Ding? Nimmt das „Mein Traum vom eigenen Buch“ vielleicht am Ende sogar etwas von seinem eigenen Charakter? Oder ist es ein Schritt weiter auf dem Weg zur „Professionalisierung“ als Autor. Denn natürlich bindet die momentane Vorgehensweise auch Zeit.

Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.

Deswegen frage ich einfach mal nach Meinungen, bitte. Vielen Dank an euch im Voraus, wenn ihr euch einen kurzen Moment Zeit nehmt, um mir bei meinen Gedankenwirrungen unter die Arme zu greifen 🙂 .