Wer suchet, der … (2) Eine nackte Frau, die im Moor Pornos dreht

Der Moment, in dem, teilweise nach Wochen, doch mal wieder eine Anzeige darüber erscheint, mit welchen Suchbegriffen mein kleiner Blog so aufgerufen wurde, ist der Moment, in dem mir wieder siedend heiß einfällt, dass ich keine Ahnung davon habe, wie man das mit den Keywords so gestaltet, dass Jan, Mann und sämtlicher Anhang gar nicht anders können, als hier regelmäßig aufzuschlagen.

Allerdings bin ich bei manchen dieser Suchbegriffe auch dankbar, dass ich weder Jan, noch Mann, noch sonst einen aus der Bagage fragen kann oder gar muss, was er sich bei diesen Suchbegriffen, bitteschön, gedacht hat.

Das neuste Kleinod aus den Suchbegriffen lautet:

nackte frau geht im moor sumpf unter porno

Ich finde, das regt zu Fragen geradezu an. Eine nackte Frau, die durch ein Moor flaniert, kann ich mir ja noch durchaus ästhetisch vorstellen. Es gibt ja reizvolle Moorlandschaften, die durch das Zufügen einer solchen Nymphe noch an Mystik, Ausdruckskraft und Geheimnis zulegen können.

Ob ich es nun brauche, dass diese Frau im nächsten Moment anfängt, wild mit irgendeinem (wahrscheinlich mal wieder potthässlichen) von der Seite hinzu-kommenden (na, habt ihr’s gemerkt?) Darsteller zu kopulieren, das lassen wir mal dahingestellt sein. Mit Ruhe und Frieden und Mystik ist es dann aber auf jeden Fall vorbei, fürchte ich. Wenigstens könnte der eine oder andere komische (Gesichts-)Ausdruck dabei abfallen.

Wie jetzt aber dazu passt, dass diese Frau, samt ihrem „Begleiter“, dann auch noch untergehen soll, das ist mir ein Rätsel. Wäre das dann nicht eine besonders üble Form des Coitus interruptus? Andererseits ist ja hoffentlich allgemein bekannt, dass man, wenn man schon im Sumpf steckt, nicht allzu hektische Bewegungen machen sollte. Sonst wird aus „rein-raus“ schnell ein „runter und drunter“.

Ich hoffe doch stark für die Damen und Herren der Darstellerzunft, dass es da eine Gewerkschaft gibt, die sich erfolgreich gegen solche Produktionsideen zur Wehr setzen kann. Auch wenn die Halbwertzeit als Pornosternchen naturgemäß eher kurz sein dürfte, gibt es ja keinen Grund, sie auf diese Weise dramatisch abzukürzen, nicht wahr?

Falls eine/r meiner Leser/innen irgendeine Ahnung hat, wo Jan, Mann und Co. ein solches Lichtspielwerk beziehen können, möchte ich darum bitten, es mir nicht zu sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals wieder unbelastet durch ein Moor laufen könnte.

Vielen Dank.

Advertisements

Von der Schwierigkeit, eine Kurzgeschichte zu schreiben

Wenn ich einen Parameter dafür finden müsste, um auszudrücken, wie schwer mir das Schreiben in den letzten Monaten phasenweise fällt, dann könnte ich die Anzahl der geschriebenen Kurzgeschichten anführen. Oder, nein, eigentlich weniger die Anzahl der geschriebenen, sondern die der nicht geschriebenen. Und das wären eine ganze Menge.

Wie ihr wisst, habe ich hier im Blog schon eine ganze Reihe von Short Stories veröffentlicht. Die ganz überwiegende Mehrheit von ihnen hat gemeinsam, dass ich eine Idee ausgebrütet habe, die vielleicht auf eine Momentaufnahme, eine Wahrnehmung oder manchmal auch einfach auf die Nennung eines Titels zurückging. Danach war es meistens bis immer überhaupt kein Problem, die Geschichte, teils in kürzester Zeit, zu Papier zu bringen.

Dass dabei nicht immer große Kunst entstanden ist, ist klar. Aber dafür sind diese Geschichten ja auch nicht gedacht, sondern dafür, euch zwischendurch einfach mal etwas zum Lesen zu präsentieren. Wenn der komische Typ, der hier schreibt, schon der Ansicht ist, er sei ein Autor 😉 .

Tja – und nun stehe ich da und habe mir in letzter Zeit viel zu viele Gedanken gemacht, ob ich die Idee, die mir durch den Kopf geschossen ist, nun wirklich umsetzen soll. Und wenn ich dann zu dem Schluss kam, es doch einfach zu machen, dann ist es in die Hose gegangen.

Wer mir auf Twitter folgt (oder hier mal rechts auf die entsprechende Anzeige schaut) hat mitbekommen, dass ich im Moment an einer Kurzgeschichte schreibe. Eine der Geschichten, deren Idee mich schon vor einer ganzen Weile angesprungen hat.

Im ersten Anlauf habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, genau drei Sätze geschrieben. Dann habe ich sie wieder gelöscht und drei bis vier neue Sätze geschrieben. Danach habe ich auch die wieder gelöscht und die ganze Sache zu den Akten gelegt.

Ich habe es also ernsthaft probiert und bin daran gescheitert, dass es einfach nicht geklappt hat. Ich würde gerne sagen, dass es bestimmt daran gelegen hat, dass ich gleichzeitig so unheimlich viele andere Dinge geschrieben habe. Habe ich aber nicht. Weder hier im Blog, noch am Roman, noch irgendwas anderes.

Wenn ich ehrlich sein soll, dann war genau dieser Umstand die Motivation dafür, die Idee nun doch noch einmal aufzugreifen und mich dazu zu zwingen, diese Kurzgeschichte aufzuschreiben. Aber es zieht sich und quält sich. Wo ich früher eine Kurzgeschichte von 2.000 Wörtern in einer Stunde herausgeholzt habe, brauche ich nun mehrere Tage. Weil ich Pausen brauche. Weil Erschöpfung einsetzt.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob die Qualität der Geschichte davon profitieren oder darunter leiden wird. Aber wenigstens bin ich mir einigermaßen sicher, dass ich es schaffen werde, sie zu vollenden. Und dann stelle ich sie hier online und schaue mal, ob sie mir gefällt – oder nicht.

Nagelt mich aber nicht darauf fest, wann genau die Geschichte kommt. Wie ich schon sagte – oder zu sagen versuchte – ich bin da im Moment nicht ganz Herr meiner Entscheidungen. Und ob sie dann noch was taugt … nun, das werden wir dann ja sehen, nicht wahr? 🙂

Kurz und schmerzvoll (13) Passt, passt nicht, Passwort!?

Ich stelle immer wieder in den letzten Tagen fest, dass manche Dinge, die zu meiner Blogpause geführt haben oder die sich in ihrem Verlauf wie auch seitdem gemeldet haben, immer noch meine Aufmerksamkeit brauchen. Oder sie auch schon mal einfordern.

Während meiner Pause habe ich mir verschiedene Themen als Stichpunkte für Blogeinträge zurecht gelegt. Verwirklicht habe ich von diesen Beiträgen keinen einzigen. Weil sie mir nicht passend erschienen. Oder vielleicht auch, weil ich dachte/befürchtete, dass ich durch sie nur unnötige Aufmerksamkeit auf Dinge richte, die vielleicht einfach besser nicht ausformuliert werden sollten.

Wie ihr wisst, habe ich in diesem Blog Werte wie Authentizität oder Offenheit immer groß geschrieben. Er ist gleichsam Spiegel meiner Aktivitäten als auch meiner Einstellung, Gedanken und – ja – Autorenseele. Aber dennoch bin ich mir zum ersten Mal unsicher, ob ich einfach schreiben soll, wie mir die Tastatur gewachsen ist.

Zum einen, weil ich niemanden langweilen möchte. Ja, ich weiß, ich zwinge niemanden dazu, hier mitzulesen und wenn jemanden nicht interessiert, was ich schreibe, dann kann er einfach weiterklicken und gut ist. Ich weiß auch, dass hier zuvorderst meine eigenen Bedürfnisse und Belange stehen sollten – bei aller Leserorientierung.

Dass ich das nicht einfach so durchziehen kann, ist allerdings ganz entscheidender und fundamentaler Bestandteil der Situation, wie sie sich zurzeit darstellt. Mal ganz die Frage außen vor gelassen, ob ich das überhaupt in aller Konsequenz würde haben wollen.

In meinem Kopf und in meinem Gefühl passiert im Moment so einiges, was das Schreiben und das Drumherum angeht. Vor einigen Tagen veröffentlichte ich folgenden Tweet:

Es war eine beruhigende Erfahrung, dass es mir nicht alleine so geht und doch fällt es mir wahnsinnig schwer, das Thema wirklich zum Thema zu machen. Weil es irgendwie dann doch von dem weg führt, wozu dieser Blog eigentlich dienen sollte.

Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich diese Beiträge schreiben, dann aber mit einem Passwort versehen sollte, damit niemand von ihnen „belästigt“ wird, der sie nicht sehen will. Es geht mir weniger um Selbstschutz, denn wie ihr wisst hatte ich noch selten Probleme damit, mir öffentlich die Narrenkappe aufzusetzen und zu meinen Schwächen und Sorgen zu stehen.

Ich weiß es nicht. Diesen Beitrag hier schiebe ich seit zwei, drei Tagen vor mir her. Dass ich ihn so schreibe, wie ich es jetzt tue, zeigt schon, wie schwer es ist, zu einem Entschluss zu kommen. Das lähmt.

Vielleicht bin ich doch einfach ein Schriftsteller-Emo, der nicht anders kann, als seine Befindlichkeiten vor sich her zu tragen. Aber vielleicht sehe ich das auch alles einfach viel zu verbissen und dogmatisch.

Ich weiß es nicht.

Aber es ist gut, es einmal aufgeschrieben zu haben.

Schwerer als gedacht, dieses Autorenleben

Eigentlich sollte das alles ein grenzenloser Spaß und Quell der Freude sein. Findet ihr nicht auch? Alles das, was man freiwillig in seiner Freizeit macht, was man sich selber als Beschäftigung ausgesucht hat, das sollte doch etwas sein, das einem leicht fällt und an dem man, wenn auch nicht alle, doch die meisten Aspekte wertzuschätzen weiß.

Das gilt, vielleicht noch stärker als für andere Hobbies, für alle künstlerischen Dinge. Gefühle wie Langeweile, wie das Zaudern, wie das Zweifeln oder wie das der Überforderung sind Gift für die Muse, ohne die es nun einmal nicht geht. Sie verzieht sich dann fluchtartig auf ein sicheres Terrain, sinkt in sich zusammen und wartet darauf, dass der Sturm oder die Nebelbank sich wieder verzieht und der Autor wieder klare Sicht hat.

Vor fast drei Wochen habe ich meine sogenannte Schreib- und Blogpause beendet. Und ich muss selbstkritisch feststellen, dass es nicht an jedem Tag Spaß macht. Freude auch nicht. An manchen Tagen ist es einfach nur schwer und aufreibend und ermüdend. Gefühle und Empfindungen, die ich auch vor der Pause schon gehabt habe.

Soll das nun bedeuten, dass die Pause zu kurz gewesen ist? War sie zu lang? Ist der Muskel, der all dies am Laufen hält, vielleicht zu sehr eingerostet gewesen, als dass ich ihn mit einem Kaltstart wieder richtig reaktivieren konnte?

Tatsache ist, dass manche Dinge einfach nicht so funktionieren, wie ich sie gerne hätte. Mein Schreibpensum ist pro Woche nicht einmal halb so hoch, wie ich es einmal anvisiert hatte. Aber das betrifft nicht nur meinen Roman oder diesen Blog. Es betrifft all die anderen Aktivitäten, die daneben stattfinden, und die etwas mit Schriftsprache zu tun haben. Fragt doch mal die Menschen, die mir Nachrichten geschickt haben und dann eine Woche (oder länger) darauf warten, dass ich ihnen antworte.

Nun ist es nicht so, dass ich mich durch äußere Umstände nicht in der Lage sähe, zu schreiben. Ich hätte die Zeit, ich hätte die Gelegenheit und ich hätte auch den Freiraum. Was ich nicht habe, ist an vielen Tagen die verdammte Motivation. Die Kraft dazu.

Ich weiß nicht, ob das immer noch diese verdammte Schreib-Depression ist, die mich zwischendurch im Griff hatte. Aber es fühlt sich an manchen Tagen genau so an. Ein Kennzeichen für eine depressive Episode ist ja, dass man mit einem Mal keinen Elan und keine Freude mehr für Dinge empfindet, die einem vorher Spaß gemacht haben.

Wenn ich dieses Kennzeichen als Maßstab anlege, dann kann ich nicht anders, als besorgt zu sein. Meine Reaktion Ende Mai war, einfach alle Bemühungen einzustellen und die Zeit für mich arbeiten und wirken zu lassen. Wie gesagt, vielleicht war es zu wenig Zeit. Aber in dem Zwiespalt zwischen Abwarten und Kämpfen habe ich mich für den Kampf entschieden. Und ich habe nicht vor, diesen nach nicht einmal drei Wochen aufzugeben.

Nur sollte ich ehrlich zu mir sein und nicht versuchen, es einfach zu ignorieren. Die Schwierigkeiten sind da. Das Gefühl, nur Minderwertiges zu sagen zu haben, ist da. Der Zweifel an mir, meiner Rolle in diesem Autorenleben und dem, was damit zu tun hat, die sind da.

Vielleicht könnte man sagen, dass ich auf der Suche nach meinem Platz bin. Auf der Suche nach meiner Identität. Und danach, den Graben zu schließen, der zwischen dem Autorendings und dem „richtigen“ Leben besteht.

Damit meine Muse mir irgendwann beruhigt die Hand auf die Schulter legen, mir aufmunternd zunicken und mich wieder in die richtige Richtung führen kann. Bis dahin geht die Suche weiter. Ich bin gespannt, was ich wo finden werde. Vielleicht sehen wir uns ja dort.

Die dunkle Seite von Social Media

Wie ihr wisst, habe ich ein ziemlich ambivalentes Verhältnis zu den sozialen Netzwerken. Das mag auf die eine Art überraschend sein, wenn man bedenkt, dass ich mich mit meinem Blog recht aktiv im Bereich Social Media bewege. Aber wenn man sich das eine oder andere ansieht, das insbesondere bei Facebook üblich ist, dann wird es vielleicht verständlicher.

Wer von euch hat sich nicht schon einmal über die Menschen amüsiert oder aufgeregt, die Freundschaftsanfragen im Dutzend verschicken, weil ihr größtes Seelenheil darin zu liegen scheint, dass sie eine mindestens vierstellige Freundezahl haben? Eine nicht kleine Zahl belässt es nicht einmal dabei, sondern lässt einem, wenn man es nicht unterbindet, laufend Aufforderungen zu irgendwelchen Spielen zukommen oder dazu, sich das eine oder andere anzuschauen. Einigen reicht nicht einmal das, sondern sie bedrängen einen mit Chat-Anfragen, die erkennbar nirgendwo hin führen. Wie auch, wenn man außer der Plattform keine Gemeinsamkeiten miteinander teilt?
Das alles ist natürlich harmlos und lässt sich gut ignorieren. Man vergibt sich ja nichts deswegen und es führt auch zu keinen Konsequenzen. Es ist ja nicht so, als ob Leben davon abhingen, nicht wahr?

Das Buch, das ich gerade lese, hat mich dennoch ein wenig nachdenklich gemacht. Es handelt sich um den Thriller „Die Gästeliste“ der Autorin Sanne Averbeck. In diesem geht es um die Geschäftsfrau und hauptberufliche Influencerin Carola, die ein dichtes Netz aus sozialen Kontakten, mehr oder weniger angeblichen Freunden und ganz vielen Menschen, die sich durch die Bekanntschaft mit ihr Vorteile erhoffen, um sich gewoben hat. Dabei ist diesen Menschen überwiegend nicht klar, dass Carola am Ende nur ihren eigenen Vorteil im Blick hat und ebenso schnell bereit ist, einen Kontakt auszusortieren, wenn er ihr keinen Vorteil mehr bietet, wie sie sich bereit findet, neue Gesichter in ihren inneren Zirkel aufzunehmen, solange nur irgendwas dabei herauskommt.

Nun kommt es, wie es in einem Thriller kommen muss: Irgendwann beginnen sich in Carolas Umfeld die Todesfälle von mehr oder weniger guten Freunden und Geschäftspartnern zu häufen. Sogar ihre beste und wahrscheinlich einzige aufrichtige Freundin Bianca wird beinahe zum Opfer des Täters.

So ziemlich jeder Mensch würde sich in dieser Situation sicherlich Sorgen um die Leute in seinem Umfeld und sich ansonsten ins Höschen machen vor Sorge, dass er bald der nächste Todeskandidat auf der Liste des Killers sein könnte. Nicht so Carola. Carola sieht alle diese Taten als Zeichen, sie persönlich fertig und gesellschaftlich unmöglich zu machen. Auf die jeweilige Todesnachricht reagiert sie nur insofern entsetzt, wie es ihrem Standing als Social-Media-Persönlichkeit schaden könnte. Sanne Averbeck schildert Carola als absolut empathielos gegenüber dem Leid anderer.

Ich stelle mir die ganze Zeit – ich bin, wie gesagt, noch nicht mit dem Roman durch – die Frage, inwiefern ein solches Verhalten realistisch ist oder sein könnte. Und das führt mich zurück zu meiner persönlichen Beziehung zum Social Media.

Ich kenne eine ganze Reihe an ganz hervorragenden, netten und lieben Autorinnen und Autoren, Bloggerinnen und Blogger. Einige persönlich, andere bis jetzt leider nur virtuell. Die meisten von ihnen tun das, was sie tun, mit ehrlichem Enthusiasmus und einer Neugierde nicht nur auf die Welt, von der sie berichten, sondern auch auf die Menschen, die sich in ihr bewegen.

Es macht Spaß, sich mit ihnen auszutauschen und ich bedaure aufrichtig und mehrmals in der Woche, dass ich nur so ein begrenztes Zeitkontingent habe, um eben dies zu tun. Aber die Arbeit arbeitet sich nicht von alleine und Romane schreiben sich, zum Glück, auch noch nicht von selbst.

Allerdings habe ich auch Menschen kennengelernt, die ein klein wenig von Carola in sich haben. Nun, niemand von ihnen würde über Leichen gehen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Da wollen wir die Fiktion und die Realität doch schön auseinander halten.

Aber manchmal beschleicht einen schon das Gefühl, dass das, was gerade passiert, das Gespräch, das gerade läuft oder die Dinge, die man so mitbekommt, nur deswegen passieren, weil sich jemand davon ein gewisses Vorankommen verspricht.

Das dumme ist nur, dass man es im Internet den Menschen nicht von der Nasenspitze her ansehen kann. Man muss lernen, die Worte zu interpretieren und auf die kleinen Nachlässigkeiten zu achten, die sich hin und wieder einschleichen. Dabei sind im übrigen nicht automatisch die, die sich gerne selbst darstellen, die „Bösen“ und die, die immer zuerst danach fragen, wie es dir eigentlich gerade geht, die „Guten“.

Wie gesagt: Das Leben ist vielschichtiger als ein Roman.

Perfide ist, dass wir alle hin und wieder anfällig dafür sind, uns ein wenig weiter in die Gefilde der Selbstdarstellung zu begeben, als wir es eigentlich gerne von uns selbst hätten. Ich musste mich jedenfalls schon bei dem Gedanken ertappen, dass es vielleicht sinnvoll sein könnte, sich hier und dort genau dann und wann sehen zu lassen. Oder bei diesem und jenem vielleicht und sofort mitzumachen. Oder genau dieses und jenes genau jetzt in meinen Blog zu schreiben. Weil es mich weiterbringen könnte.

Machen wir uns nichts vor – jeder möchte gerne vorankommen. Hey, diesen Blog gibt es auch nicht nur, weil ich ein Schwätzer bin, der sich selber gerne reden hört. Na ja, nicht nur halt … 😉 .

Und machen wir uns weiter nichts vor, dass wahrscheinlich die meisten von euch gerne wüssten, ob ich Personen im Hinterkopf habe, die genau das tun, was ich hier beschreibe. Soll ich euch was sagen? Würde mir genauso gehen. Und es wäre ein weiterer Schritt dorthin, Social Media etwas von seiner Großartigkeit, die es unbestritten hat, zu nehmen und statt dessen lauernd mit dem Finger aufeinander zu zeigen. Wie sagt man doch so schön: Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.

Was ich mit diesem Beitrag eigentlich, angeregt durch diesen Thriller, sagen möchte ist, dass wir alle gut auf uns selbst und aufeinander aufpassen sollten, um ein gesundes Maß zwischen dem Wunsch nach eigenem Vorteil und einem wirklich zugewandten Umgang miteinander zu finden und dann auch zu pflegen.

Ich schreibe gerne hier im Blog und würde gerne mehr in den anderen Netzwerken schreiben. Aller Ambivalenz zum Trotz. Und auch wenn ich natürlich, so wie alle anderen, meine Aufrufzahlen und dergleichen mehr halbwegs im Blick habe, schaffe ich es doch meistenteils, eben nicht nur dem nächsten Reichweitenrekord hinterher zu jagen oder mir sonst wie bessere Ausgangslagen zu verschaffen.

Social Media, wie ich es begreife, sollte Spaß machen. Sollte dem Austausch dienen. Ist dafür da, sich nicht nur zu vernetzen, sondern sich auch zu unterstützen. Nicht mit Hintergedanken, sondern weil man wirklich bereit ist, an einem Strang zu ziehen.

Dafür möchte ich werben. Der Rest passiert dann irgendwann ganz von alleine.

Ein klein wenig „Back to the roots“

Vielleicht ist es ja vermessen, bei einem Blog, der ja nun doch erst überschaubare drei Jahre und ein bisschen existiert, von „Back to the roots“ zu sprechen. Aber ich habe mir so meine Gedanken gemacht während der Pause, was den Blog heute ausmacht und was er mal für mich ausgemacht hat.

Was er immer war, war ein Quell der Motivation und des Ansporns. Nur ist im Laufe der Zeit, so kommt es mir zumindest vor, eine Verschiebung des Fokus passiert. Wo es mir ganz am Anfang darum ging, meine Arbeit, meine Arbeitsprozesse und auch meine Fortschritte zu dokumentieren, so hat sich ein viel weiter gefasster Blick ergeben, auf das Autorenleben im Allgemeinen und mein Autorenleben im Speziellen.

Das ist nichts schlechtes, beileibe nicht. Aber mir fehlt ein wenig das werkbezogene vom Anfang, als ich voller blauäugigem Enthusiasmus, überspitzt gesagt, jeden Tag heraus posaunt habe, wie viele Worte ich an dem betreffenden Tag geschrieben habe.

Keine Sorge, das soll nun nicht heißen, dass ihr jeden Tag hier einen Beitrag mit einer Zahl als einzigem Inhalt bekommt. Aber vielleicht ist es für mich und mein Schreiben an der Zeit, mich ein wenig zurück zu besinnen.

Also wundert euch nicht, wenn es in nächster Zeit einige Beiträge zu meinem momentanen Schreibprozess geben wird, zu meinen Problemen mit dem konkreten Stoff oder auch zu den Erfolgen, die ich hoffentlich beim Schreiben haben werde.

Deswegen soll das andere, was diesen Blog inzwischen ja auch ausmacht, nicht zu kurz kommen. Ich denke, ich bekomme da ein gesundes Nebeneinander und Miteinander hin. Und wenn ihr den Eindruck habt, dass es in eine Richtung kippt, dann könnt ihr mich gerne darauf ansprechen 🙂 .

„Du hast gar nichts zum Welttag des Buches geschrieben. Schäm dich!“

Die Aussage aus der Artikelüberschrift ist fiktiv – und ist es irgendwie auch wieder nicht. Denn tatsächlich gab es da gestern, am Welttag des Buches, eine leise aber hartnäckige Stimme in mir, die mir permanent sagte: »Du hast noch gar nichts zum Welttag des Buches geschrieben. Schäm dich!«

Aber ich muss gestehen, dass mir nichts einfiel, was ich zu diesem Tag hätte beitragen können. Was ist das denn überhaupt, so ein Welttag? Soll sich an diesem Tag alles um das gedruckte Wort drehen? Und wenn dem so ist – wieso sollte ich dann das gedruckte Wort zelebrieren, indem ich virtuelle Buchstaben auf einen flachen Bildschirm zaubere? Das wäre ja wohl fast so etwas wie der Gegenentwurf zum Buch. Es sei denn, dass der Welttag des Buches endlich auch für eBooks gilt. In den Vorjahren hatte ich irgendwie nicht das Gefühl.

Diese leise Stimme hat mich mehrfach an diesem Tag ermahnt, ich müsse jetzt endlich meiner gottverdammten Pflicht nachkommen. Ich bin Autor, also muss ich irgendwas Schlaues über Bücher zu sagen haben. Verklagt mich, aber mir ist nichts schlaueres eingefallen als die Tatsache, dass Lesen Spaß macht, dass es bildet, dass es unterhält und dass es ein schützenswertes Kulturgut ist.

Keine bahnbrechende Erkenntnis und ganz gewiss keine, die von meiner Seite noch einmal wiederholt werden müsste, damit sie bei ihren Empfängern ankommt.

»Aber du bist doch …«

… Autor, ich weiß. Habe ich ja gerade schon gesagt.

Als Autor hätte ich euch an diesem Tag vielleicht etwas von meinen inspirierendsten Büchern erzählen können. Oder wahlweise irgendeinen Schwank über einen meiner Romane. Wobei das wiederum etwas witzlos gewesen wäre, gibt es diese doch nun einmal nicht als Buch zu kaufen. Vollkommen egal, ob als Buchstaben auf Papier oder als Buchstaben auf Flachbildschirm.

»Wenn schon einem wie dir, der Bücher ja ach-so-gern hat, nichts passendes zum Welttag des Buches einfällt, dann muss es mit dem Lesen ja wirklich kurz vor dem Ende stehen.«

Nun, Gott sei es gepfiffen und getrommelt, sehe ich mich nicht als den Nabel der Welt an. Ich muss mir nur die Bestsellerlisten ansehen, seien es die in den Geschäften oder die auf Amazon & Co. um zu wissen, dass es da draußen eine Menge Leute gibt, die eine Menge Bücher lesen, die ich noch nie in auch nur in der Hand gehabt habe. Da muss ich nicht einmal die Millionenseller „Harry Potter“ oder „Shades of Grey“ bemühen, auch wenn beide durchaus valide Beispiele wären.

Nein, ich denke, dass immer noch gelesen wird, auch wenn die Branche sich ganz sicher in einem Zwischenstadium befindet. Immer mehr Bücher drängen an den etablierten Verlagen vorbei auf den Markt, sei es, weil es auch für Kleinverlage immer einfacher (und lukrativer) wird, sich ins Business zu stürzen, oder weil viele Autoren gleich ganz ihr eigenes Ding machen. Von den sogenannten Hybridautoren mal ganz zu schweigen, die sich gleich gar nicht mehr auf eine Art der Veröffentlichung festlegen lassen wollen.

Ich finde das gut, zeigt es doch, dass es heute, mehr denn je, einen Markt auch für die kleinen Geschichten gibt. Es ist zwar so, dass man sich diese Märkte erschließen muss, aber sie sind potentiell da.

»Und trotzdem hättest du ja wenigstens einen weisen Spruch raushauen können.«

Ich eigne mich nicht gut für weise Sprüche. Das ist hier, im Blog, immer dann zu beobachten, wenn ich versuche, an dem Umstand etwas zu ändern 😉 .

»Dir ist aber schon bewusst, dass du dir gerade selber ein Armutszeugnis ausstellst, oder?«

Nein, das sehe ich anders. Ich denke, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn man nicht krampfhaft versucht, sich an jede Gelegenheit dran zu hängen, nur damit man vielleicht wieder etwas geschrieben hat. Ja, es wäre ein Anlass gewesen. Aber nein, es machte keinen Sinn.

»Und jetzt konterkarierst du das durch diesen Blogeintrag gleich wieder selbst, tsk, tsk, tsk.«

Das könnte man so beurteilen, aber auch hier erlaube ich mir, anderer Meinung zu sein. Ich möchte mit diesem Beitrag dokumentieren, dass ich den Tag als solchen durchaus zur Kenntnis genommen habe und dass es am Ende eine bewusste Entscheidung gewesen ist, mir zu seinem Anlass nichts aus den Fingern zu saugen.

Vielleicht ist es nicht ganz klar, deswegen betone ich es noch einmal: Es war eine bewusste Entscheidung!

Ich habe die leise Stimme, die im Laufe des Tages irgendwann gar nicht mehr so leise gewesen ist, bewusst ignoriert, weil ich getan habe, was ich für richtig hielt. Und darauf kommt es doch am Ende an, denkt ihr nicht auch? Dass man die Signale seines eigenen Körpers, seines eigenen Geistes richtig zu deuten weiß und dann nach ihnen handelt. Nicht nach den Zwängen, die einem der Kalender oder, noch schlimmer, ein missgünstiger Knilch irgendwo in einem drin aufdrücken wollen.

Ich konterkariere nicht, ich erkläre. Ich erkläre es mir selbst und tue das bewusst in dieser Form. Ja, ich bin Autor, aber das bedeutet zuallererst, dass ich auf meine eigene Stimme hören muss. Ich muss auf meine Bedürfnisse achten und ich muss mir erlauben, so zu sein, wie ich sein will. Denn nur dann kann ich auch so schreiben, wie ich schreiben will.

»…«

Ja, da fällt dir nichts mehr ein! Gut so.

Gestern war der Welttag des Buches. Ein Tag, den ich für wichtig halte, zu dem mir aber in diesem Jahr irgendwie nichts Wichtiges einfallen wollte. So ist es eben im Leben. Kein Grund, mich dafür zu schämen.

Und ganz egal, was die leisen Stimmen in euch oder um euch herum euch einreden wollen: Es ist gut so, wie es ist!