Links, rechts, egal!? Die Buchmesse und die Radikalen

Eigentlich …

Die Straße der guten Vorsätze ist mit Backsteinen aus „eigentlich“ gepflastert. Denn eigentlich wollte ich mich aus der Betrachtung der Geschehnisse auf der Frankfurter Buchmesse heraus halten. Ich bin nicht dabei gewesen und aus der Ferne ist es immer schwer, einen wirklich differenzierten Kommentar abzugeben. Die eigene Meinung wird zwangsläufig durch das was man liest und wo man es liest beeinflusst.

Also, obwohl ich eigentlich meinen Mund dazu halten wollte, nehme ich ein heute erschienenes Interview des „Neuen Deutschland“ mit Kathrin Grün von der Kommunikationsabteilung der Frankfurter Buchmesse zum Anlass, doch ein paar Worte dazu zu schreiben. Ganz einfach, weil ich das Interview für größtenteils sehr offen und fair geführt halte (mal abgesehen von der sehr reißerischen Überschrift), auch wenn natürlich zu jeder Zeit deutlich ist, dass der Fragesteller eher links verortet ist.

Aber zunächst noch einmal in Kurzform zu dem, was passiert ist: Auf der Frankfurter Buchmesse kam es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der rechten Szene und Gegendemonstranten bei verschiedenen Veranstaltungen der Neuen Rechten. Diese wurden teils durch massiven Polizeieinsatz begleitet, bis schließlich eine dieser Veranstaltungen abgebrochen werden musste. Des Weiteren kam es zu einem tätlichen Übergriff auf einen Verleger. An den Vortagen waren Messestände rechtsgerichteter Verlage beschmiert oder schlicht „leer geräumt“ worden.

Und am Ende haben wir eine Situation, in der alle auf alle zeigen und jeder jeden für verantwortlich befindet. Dabei hat es der Buchmesse sicherlich nicht geholfen, dass man sich in den ersten Statements zumindest unglücklich ausgedrückt hat.

Ich habe ja bereits vor der Buchmesse darauf hingewiesen, dass ich grundsätzlich die Meinungsfreiheit als ein hohes Gut ansehe und diese – bei allen Magenschmerzen, die ich persönlich deswegen habe – zunächst auch für rechts gerichtete Verlage oder Autoren gilt. Wer möchte, kann die Diskussion dazu gerne hier nachlesen.

Mit dieser Ansicht liege ich, wenig überraschend, auf der offiziellen Linie der Buchmesse selbst. Was man sich vielleicht im Hinterstübchen für Gedanken macht, kann von meiner Seite aus nicht beurteilt werden.

Was mir aber zu denken gegeben hat, ist in der Tat der Fakt, dass für einen neutralen Beobachter (so es diese denn überhaupt gibt, aber ich denke da zum Beispiel auch an ausländische Medienvertreter) manchmal nicht recht zu erkennen war, wer bei diesem Konflikt nun eigentlich die „Guten“ oder die „Bösen“ gewesen sind.

Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Körperliche Gewaltanwendung ist der Punkt, ab dem es keine Diskussion mehr darüber geben kann, ob hier nun jemand auch oder genauso provokant aufgetreten ist, wie die Gegenseite. Wenn ein Mensch verletzt wird, nur weil er von eben dieser freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat, um die es in dieser Debatte hauptsächlich geht, dann ist die Grenze überschritten und ich hoffe, dass der dafür Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Aber ich kann auch die Aussagen der Buchmesse verstehen, die sehr deutlich darauf hinweist, dass die Provokationen gegenseitig waren. Und hier haben sich, leider, vor allem die Gegner der rechten Verlage nicht mit Ruhm bekleckert.

Denn jetzt mal ehrlich. Welchem Kindergarten ist denn die Idee entsprungen, die Stände eines Verlages und einer Zeitschrift leer zu räumen? Und welchem Rowdy fiel ein, die Stände mit Parolen zu beschmieren?

Ich kann es ja verstehen und in gewissem Sinne auch nachfühlen. Aber ich sehe eben auch, dass man sich mit solchen Aktionen nicht wirklich auf die moralisch sichere Seite eines Konfliktes stellt, bei dem es, meiner Meinung nach, sehr wohl auch um ein moralisches Bild geht, das man abgeben sollte. Denn die Sprecherin der Buchmesse hat Recht, wenn sie sagt, dass man den Auftritt eines Björn Höcke nicht unterbinden kann, weil er eben der Landesvorsitzender einer dort auf demokratischen Weg gewählten Partei ist. Man kann höchstens hinterfragen, ob es moralisch zu verantworten ist, wenn man Leuten wie Höcke, aber auch Autoren wie Akif Pirinçci, die sich beide bereits mehr als einmal deutlich gegen eine weltoffene Kultur positioniert haben, ein Forum gibt.

Das Problem bleibt bestehen, wie bereits früher angesprochen. Mit jeder nicht durch die Verfassung gedeckten Aktion, die man gegen die Rechte fährt, drängt man sie mehr in eine Märtyrer-Position. Und wenn es etwas gibt, worauf die Anhänger dieses Gedankenguts besonders abfahren, dann sind es Märtyrer. Das war schon immer so und das wird wohl auch immer so sein. Leider.

Heißt das jetzt, dass man nichts gegen die Rechten auf der Buchmesse unternehmen kann? Jein. Man kann ihnen, dazu stehe ich, nicht mit Ausschluss und Verboten begegnen. Denn dann müsste man sich als Messe in jedweder Beziehung politisch neutralisieren. Was meinem Verständnis von Literatur vollkommen zuwider läuft.

Was wir, und damit meine ich alle im weitesten Sinne Kulturschaffenden, vielmehr brauchen, ist eine gesteigerte Rechtssicherheit. Also eine Aussage dazu, was geht und was eben nicht mehr geht. Wie die Messe selber sagt: Solange ein Werk nicht verboten ist, darf eine Zensur nicht stattfinden. Wenn ein Werk nun aber zu verbieten wäre, dann müssen die entsprechenden Instanzen, die es ja gibt, auch entsprechend schnell tätig werden.

Jeder von uns kann und sollte seinen eigenen kleinen Beitrag leisten. Dazu zähle ich aktive Gegenwehr gegen rechtspopulistische Strömungen in unserer Gesellschaft. Auch zähle ich dazu die Solidarisierung mit allen, die durch die Anhänger dieser Strömungen diffamiert, diskriminiert oder ausgegrenzt werden.

Wir müssen nur scharf aufpassen, dass wir die Trennlinie nicht überschreiten zwischen dem, was moralisch richtig ist und dem, was uns selber in unserer Haltung angreifbar macht. In Frankfurt wurde diese Linie, nach allem, was ich weiß, leider stellenweise überschritten. Und am Ende sitzen die Populisten auf der Bühne und freuen sich einen Keks, dass sie die weltweite Aufmerksamkeit auf ihrer Seite haben und irgendwo, an irgendeinem Stammtisch, ein weiterer Mensch beschließt, ab sofort die AfD zu wählen.

Darin sehe ich die wahre Gefahr.

Advertisements

Der Sonntagsreport vom 15.10.17: Motivation aus zweiter Hand

Hallo zusammen!

Wer meinen Beitrag von gestern nicht gelesen haben sollte, in dem es darum ging, dass ich zwar nicht auf der Frankfurter Buchmesse gewesen bin, aber irgendwie dann doch dabei war, sollte dies möglicherweise nachholen, weil der heutige Beitrag eine Art Fortsetzung ist. Aber vom Grundsatz her ist er auch ohne „Vorkenntnisse“ verständlich.

Es geht um Motivation. Und vor allem um Motivation aus zweiter Hand.

Woher schöpfen wir Motivation? Im besten aller Fälle aus uns selbst heraus. Wir begeistern uns für Dinge, die uns Spaß machen, die uns am Herzen liegen. Dies sind die Sachen, auf die wir uns freuen und für die wir gerne mal den Alltag beiseite schieben (möchten). Wir brauchen niemanden, der uns sagt, dass es jetzt an der Zeit ist, sich um das Schreiben zu kümmern, oder endlich mal wieder Klavier zu spielen, oder die Musikstücke einzustudieren, die wir mit unserer Band spielen wollen.

Nein, das kriegen wir sehr gut alleine hin und meistens ist es eher umgekehrt: Wir brauchen jemanden, der uns daran erinnert, dass die Steuererklärung noch gemacht werden muss, oder dass es an der Zeit wäre, endlich mal das Bad zu renovieren, oder dass das Auto in die Waschanlage muss.

Das Letztgenannte ist eher eine externe Motivation. Auch die ist nicht unwichtig, denn sie verhindert, dass uns die Einkommensteuer um die Ohren fliegt, das Bad unter uns zusammenbricht oder es mächtig Knatsch mit der Ehefrau/dem Ehemann gibt, weil das Auto auf einmal schwarz und nicht mehr silbern ist.

Oder nehmen wir den Klassiker. Das ist natürlich der Brotberuf, dem wir nachgehen, weil die meisten von uns weder vom Schreiben, noch vom Klavier spielen oder vom Singen leben können. Das Geld muss also aus anderer Quelle kommen.

Aber was macht man nun, wenn, warum auch immer, die Motivation aus uns selbst heraus nicht funktioniert? Wenn wir uns vor die Tastatur setzen und kein Wort zustande bringen, wenn wir keinen Ton treffen und unser Gesang klingt, als wäre es ein einziges Rabengekrächz?

In solchen Momenten ist es nicht schlecht, wenn man auf Motivation aus zweiter Hand zurückgreifen kann.

Und damit schlage ich den Bogen zurück zu mir selbst und meinem Artikel von gestern. Ich war zwar nicht auf der Buchmesse, aber bedingt durch meinen „Job“ als der Mann am Twitteraccount, habe ich eine Menge an Tweets gesehen und gesichtet, eine Menge Menschen quasi „live“ vor der Linse gehabt und ein ganz merkwürdiges Konservengefühl entwickelt. Ihr kennt das bestimmt: So, als wenn man etwas im Fernsehen sieht und dennoch das Gefühl hat, dabei zu sein.

Und so kommt es, dass ein wenig dieser ganzen Freude am Buch, dieses ungemeinen Tatendrangs, den ich bei ganz vielen gespürt habe, auch auf mich übergeschwappt ist. Bis jetzt kannte ich den Effekt nur von einigen motivierenden Büchern, aber das muss ich jetzt wohl auf Buchmessetweets ausweiten.

Ich bin gespannt, ob der Effekt anhalten wird, wenn ich mich durch die Myriaden von Nachberichten lesen werde, die nun zwangsläufig überall im Internet aufpoppen werden. Es wäre wünschenswert, denn wie man sich sicher denken kann, bin ich lieber motiviert als demotiviert. Lieber zuversichtlich als skeptisch. Lieber mit Freude bei der Sache als von Selbstzweifeln gequält.

Und wie äußert sie sich nun, diese Motivation aus zweiter Hand? Wie bei mir üblich im Schmieden von vielen Plänen. Denn es ist ja nicht so, als ob ich nicht, theoretisch, ganz viele Eisen im Feuer hätte. Da sind die zwei fertigen Romanexposés, mit denen ich hausieren gehen kann. Da ist ein, an der Zielgruppe getestetes, Manuskript aus dem Bereich Kinderbuch, das ich aufpeppen kann. Da sind die beiden Kurzgeschichten und der Roman, an dem ich schreibe. Und, und, und.

Viele von den Sachen könnte ich ja sogar „nebenbei“ erledigen. Ein Anschreiben an Agenturen/Verlage ist schnell aktualisiert aufgesetzt und entweder per Mail oder per Post verschickt. Und dann muss man ja eh warten. Zeit, um andere Dinge zu tun, wie zum Beispiel zu schreiben.

Allerdings weiß ich auch, bei aller segensreichen Motivation, dass ich auf mich aufpassen muss. Ich mache gerade eine Phase durch, in der meine Kräfte sehr fragil sind. Es kann vorkommen, dass ich mich in etwas stürze, nur um dann nach zwei Tagen festzustellen, dass da keine Kraft mehr da ist. Und schon wäre ich wieder demotiviert und niedergeschlagen. Es ist nicht leicht.

Wichtig wird für mich sein, einen Mittelweg zu finden, mir Prioritäten zu setzen. Keine Luftschlösser zu bauen (da fällt mir zum Beispiel der kommende National Novel Writing Month ein, der dieses Jahr reines Gift für mich wäre).

Aber schön ist erst einmal, dass die Motivation da ist. Wenn auch „nur“ aus zweiter Hand. Aber ist nicht gerade das der Grund dafür, dass so viele von uns Autoren so einen Narren an Buchmessen und den gegenseitigen Treffen gefressen haben? Weil sich eben hieraus die Motivation mitnehmen lässt?

Darüber zu philosophieren überlasse ich jemand anderem. Seht es mir nach.

Ich wünsche euch einen guten, möglichst motivierten, Start in die Woche!

Euer Michael

Frankfurter Buchmesse: Nicht dabei, aber irgendwie doch

Wie ihr wisst, habe ich für mich recht frühzeitig die Entscheidung getroffen, nicht zur Buchmesse nach Frankfurt zu fahren. Die Gründe dafür könnt ihr hier noch einmal nachlesen, wenn ihr mögt.

Nun tobt die Messe seit ein paar Tagen und wenn man irgendwo im Internet in den Bereich „Buch“ geht, dann kommt man nicht drumherum, sich mit Menschen konfrontiert zu sehen, die da sind, die dahin wollen, die schon da waren, oder die sich grämen, dass sie nicht da sind.

Gut, könnte man sagen, dann mach halt ein paar Tage Abstinenz von diesem ganzen Internetzeug. Tut dir vielleicht gar nicht mal so schlecht, wenn man ins Kalkül zieht, dass du uns von einer generellen Überlastung erzählt hast.

Ja, wäre vielleicht eine Idee gewesen. Aber, ihr kennt mich inzwischen, ich torpediere mich ja gerne mal so ein bisschen selbst.

Ich bin ja Mitglied bei den BartBroAuthors, dem lustig-bärtigen Autorenverein, zu dem ich euch, auch nach fast einem Jahr, immer noch gefühlt einen eigenen Beitrag „schulde“. In diesem Verein gibt es, wie auch bei den Kollegen von den Kleingartenanlagen und den Kaninchenzüchtern, verschiedene Aufgaben zu erledigen, Posten zu besetzen und sonstwie Leute einzuspannen. Da beißt die Maus keinen Faden ab und es ist schwer, sich dem zu entziehen. Besonders, wenn man ein von Natur aus hilfsbereiter Mensch ist.

Als also seinerzeit vor dem Start der verschiedenen Social-Media-Kanäle des Vereins Leute gesucht wurden, die sich an der redaktionellen Arbeit beteiligen, habe ich mich für den Twitter-Kanal gemeldet. Ihr könnt im Normalfall einmal in der Woche, Samstags, live dabei sein, wie ich mir Mühe gebe, ein halbwegs brauchbares Aushängeschild für den Verein abzugeben.

Während der Messe ist die Situation ein wenig dadurch verschärft, dass die meisten Autoren, jedenfalls die meisten, die ich kenne, irgendwie dann doch den Weg nach Frankfurt gefunden haben. Dadurch ergab sich für den Twitter-Kanal die Situation, dass das ganze Wochenende abzudecken ist. Und wer eignet sich da besser als jemand wie ich, der sowieso zu Hause sitzt?

(Hinweis: Dabei war ich selber drei Stunden auf einer Messe. Halt einer, bei der es um Infos für Häuslebauer und -besitzer ging. Aber eine Messe 😉 )

Und so kommt es, dass ich jetzt regelmäßig durch ein Heer von Tweets schaue um zu prüfen, ob die sich nicht für den BartBro-Kanal als Retweet eignen würden. Und so bin ich dann auf gewisse Weise doch live dabei, sehe eine Unmenge von Fotos mit lachenden und glücklichen Menschen und …

… und frage mich, ob ich nicht vielleicht doch auch hätte hinfahren sollen.

Die Frage ist eigentlich bescheuert, denn ich wusste im Vorfeld, dass sie kommen würde. Selbst dann, wenn ich es doch irgendwie geschafft hätte, mir die virtuelle Bettdecke über den Kopf zu ziehen und einfach toter Blogger zu spielen. Dass ich nicht nach Frankfurt gefahren bin, hat ja nicht den Grund gehabt, dass ich Sorge hatte, es könne mir da nicht gefallen.

Dennoch ist da natürlich ein bisschen Wehmut mit im Spiel, was aber auch okay ist. Es wäre wahrscheinlich ein ganz schlechtes Zeichen, wenn es nicht so wäre. Denn dann wäre es wahrscheinlich so, als ob ich mit dem ganzen Business, das da zelebriert wird, innerlich ein Stück weit abgeschlossen hätte. Wenigstens für diesen einen Moment.

Habe ich aber nicht. Ich fühle mich jetzt, genau jetzt und genau hier, wo ich bin, nicht weniger als Autor, nicht weniger als Buchmensch und nicht weniger ambitioniert, nur weil ich eben hier und nicht dort bin. Trotz Träne im Knopfloch, aber mit stark bestätigender Ratio.

Also: Alles wird gut – wenn es das nicht schon ist.

Ach ja, wer sich ein Bild davon machen will, was ich da alles so für ein Zeugs twittere, der schaue doch mal auf den (auch an anderen Tagen sehr lohnenswerten) Twitter-Kanal:

Leipzig ja, Frankfurt nein – einfach so ein Gefühl

Gestern ist es über mich gekommen, als ich im internen Forum der BartBroAuthors ein Thema zur Leipziger Buchmesse gelesen habe. Es ist jetzt ziemlich genau ein halbes Jahr her, dass ich dort gewesen bin und es dauert noch ziemlich genau ein halbes Jahr, bis die Messe wieder ihre Tore öffnen wird. Und bis jetzt hatte ich mir, offen gestanden, noch nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht.

Das lag natürlich an Frankfurt. Frankfurt, die wesentlich größere Messe. Frankfurt, die Messe mit der weltweit größeren Strahlkraft. Frankfurt, das so ganz allmählich anfängt, in aller Munde zu sein.

Frankfurt, das in diesem Jahr auf mich verzichten muss.

Ich hatte ja schon einmal einen Artikel geschrieben und darin zum Ausdruck gebracht, dass ich sehr mit mir gehadert habe, ob ich zur Buchmesse in die Stadt am Main fahren soll, oder ob ich es lieber bleiben lasse. Am Ende kann ich keine plausiblen Gründe benennen, die für mich dagegen sprechen. Ich kann nur sagen, dass ich kein besonders gutes Gefühl dabei habe.

Vielleicht liegt es genau an diesem großen, an diesem ehrfurchtgebietendem. Könnte ja sein, oder? Immerhin bin ich ja nur der klitzekleine Autor, der auf einer Buchmesse wie dieser so gar nichts zu suchen hätte.

Ich weiß, dass das ein eigentlich ziemlich doofes Gefühl ist. Denn ich gehe auf eine Buchmesse ja nicht, weil ich mich da unbedingt zeigen und promoten will (jedenfalls noch nicht, ähem), sondern zuvorderst als Besucher, der sich für Bücher interessiert, der sich vielleicht mit Gleichgesinnten austauschen mag und der, wenn es gut läuft, die eine oder andere Veranstaltung mitnehmen kann, die ihn interessiert.

Aber mein Bauch sagte ganz deutlich „nein“ zu Frankfurt. Und ich bin in den meisten Fällen nicht allzu schlecht damit gefahren, wenn ich auf mein Bauchgefühl gehört habe. Vielleicht kommt Frankfurt auch gefühlt einfach zu schnell auf mich zu, um mich mit der Größe zu arrangieren.

Ganz anders Leipzig. Auch Leipzig ist eine beeindruckende Veranstaltung, wie ihr sicherlich anhand meiner Berichterstattung vom Frühjahr gemerkt haben werdet. Aber es ist so, wie viele es mir vorher prophezeit hatten: Leipzig fühlt sich irgendwie intimer an, selbst wenn man sich die Stände der ganz Großen ansieht.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist natürlich auch, dass ich Leipzig nun schon kenne und weiß, was auf mich zukommt. Okay, das wusste ich vor einem halben Jahr noch nicht und es hat mich trotzdem nicht abgehalten. Aber zweimal den Gang ins Unbekannte, das ist vielleicht ein wenig viel für mich und mein Bauchgefühl.

Nachdem ich also gestern auf dieses Thema im Forum gestoßen war, habe ich mich aus der momentanen Laune heraus auf der Seite von Airbnb nach einer geeigneten Unterkunft umgesehen und hatte das Glück, ein sehr zentral gelegenes Zimmer/Apartment für einen wirklich sehr guten Preis zu finden. Die App von Airbnb hat zwar ein wenig herumgesponnen, aber ich konnte dann doch meine Buchung abschließen, so dass mich die zwei Übernachtungen im kommenden März nur in etwa die Hälfte von dem kosten, was ich dieses Jahr bezahlt habe.

Und wenn ich eins gemerkt habe, dann war es, dass man sich in der Unterkunft sowieso nicht lange aufhält. Und die kurze Zeit verbringt man mit Schlafen, weil man völlig platt vom Messetag ist.

Jetzt muss ich nur noch eine Bahnfahrkarte günstig schießen, was aber erst ab Mitte Oktober geht, weil die Bahn dann erst ihren Winterfahrplan scharf stellt. Und natürlich Urlaub einreichen. Ich könnte meiner Chefin ja bei nächster Gelegenheit schon mal einen entsprechenden Antrag reinreichen 😉 .

Wie dem auch sei, ich freue mich schon mal vorsichtig auf die Veranstaltung im kommenden Jahr. Bis dahin kann ich mir in aller Ruhe überlegen, was ich anders machen will als dieses Jahr, was sich optimieren lässt, was gut war. Und, wer weiß? Vielleicht ergeben sich ja durch die Messe ganz neue Möglichkeiten, Kontakte oder sonst irgendwas, was meinen schriftstellerischen Weg wieder in neue Wege leitet.

Man wird doch träumen dürfen – solange das Bauchgefühl mitspielt.

Und, noch einmal wer weiß? Vielleicht sieht man sich ja, in einem halben Jahr, in Leipzig …

Muss i denn, muss i denn, zur Messe wieder hin?

Gerade eben kam er, der Newsletter, der dann doch das Gedankenkarussell wieder ein wenig ins Fahren bringt. Nein, keine Sorge, es geht nicht schon wieder um irgendwelche Fahrgeschäfte …

Nein, es geht um die jetzt auch schon wieder bald anstehende Buchmesse in Frankfurt. Leipzig ist fast ein Vierteljahr her, in etwas mehr als einem Vierteljahr ist also die große Schwester an der Reihe, der man – wohl mit einiger Berechtigung – nachsagt, dass sie sich wesentlich mehr aufs Business bezieht, auf Vertragsverhandlungen, auf professionelle Meet & Greet’s, als es Leipzig tut. Und wahrscheinlich wird der Anteil an Cosplayern auch deutlich geringer sein 😉 .

Ihr erinnert euch sicherlich noch, wie ich herumgeeiert bin in der Frage, ob ich nun nach Leipzig fahren will, oder doch lieber nicht. Interessanter Weise habe ich mir die Sache in Bezug auf Frankfurt nie so schwer gemacht.

Ich denke nicht, dass ich mich wohlfühlen würde, wenn ich in Frankfurt mehrere Tage auf der Messe bin.

Ich kann es nicht richtig erklären, nicht richtig begreifen. Aber ich habe eine Theorie. Nämlich die, dass gerade eben dieses businessmäßige mich abschreckt. Leipzig hatte das Feeling einer großen Convention, bei der man natürlich auch Geschäfte einfädeln kann oder über das Business spricht, wo es aber nicht im Vordergrund steht, stehen muss. Etwa so, wie es vor rund 20 Jahren der Unterschied zwischen der CeBIT und der Hannovermesse war.

Aber – und da ist es, das immer präsente Aber: Interessieren würde mich der ganze Zirkus ja schon irgendwie. Zumindest mal zum Anschauen. Und da setzen die Überlegungen jetzt ein, die durch den Newsletter angeregt wurden.

Denn eines steht ja fest. Auch einen Kurzbesuch von, sagen wir, einem Tag auf der Messe muss man ja gut und generalstabsmäßig planen. Im Endeffekt muss man ihn besser planen als einen dreitägigen Besuch, bei dem ich es mir auch erlauben konnte, einfach mal in den Messetag hinein zu schlendern. Und im Endeffekt trotzdem kaum etwas zu sehen. Der Eventcharakter stand halt im Fokus. Nicht die Buchmesse als Solches.

Doch Frankfurt müsste anders sein und damit steht fest, dass ich mich, wenn ich mich entschließe, hinzufahren, frühzeitig um einen Tag kümmern sollte, an dem ich da sein will, gekoppelt an die Frage, ob ich mich als „Fachbesucher“ akkreditieren lassen kann, oder nicht. Und dann muss ich natürlich auch wieder schauen, wie die Anreise und Rückreise funktionieren könnte.

Zum Glück Frankfurt von Duisburg aus wesentlich schneller erreichbar, als Leipzig es gewesen ist. Hier profitiere ich klar von der zwischen Köln und Frankfurt ausgebauten ICE-Schnelltrasse. Bei einer Direktverbindung sind es keine zwei Stunden zwischen den beiden Hauptbahnhöfen. Und der Preis pendelt sich irgendwo bei 60 Euro ein. Klar, zusammen mit der Tageskarte für die Messe und die zu erwartenden Nebenkosten für Verpflegung, etc. ist das immer noch ein recht teurer Tagesausflug, aber was tut man nicht alles für die persönliche (Weiter-)Entwicklung?

Tja, aber hilft es denn wirklich in der Weiterentwicklung? Ist es wirklich ein „Muss“, in Frankfurt dabei gewesen zu sein, nur um hinterher sagen zu können, dass man eben dabei gewesen ist?

Um noch einmal kurz in den Osten der Republik zu schauen: Dass ich nächstes Jahr wieder nach Leipzig möchte, steht für mich schon so gut wie fest. Ob ich es dann auch wirklich hinkriege, das ist noch eine andere Sache und muss jetzt ja auch noch nicht entschieden werden. Aber der Wille, es zu machen, ist klar erkennbar.

Und da ist eben dieser Unterschied zwischen Leipzig und Frankfurt. Die nächste Fahrt auf dem Gedankenkarussell.

Aber, na ja, solange die nächste Runde nicht „rückwärts“ geht, ist, denke ich, alles noch halbwegs in Ordnung.