Ich, der Autoren-Zombie

Ich mache ja kein Geheimnis daraus, dass in meinem Kopf manchmal nicht alles richtig verdrahtet ist. So rein gefühlsmäßig und auch von der Einordnung mancher Geschehnisse gibt es da das eine oder andere „Defizit“ (über den Begriff kann und darf man streiten), die mir das Leben manchmal schwer machen.

Nehmen wir alleine den Vorfall von gestern, als ich auf einmal die Horrorvision hatte, zur Buchmesse ohne eine gesicherte Unterkunft dazustehen. Eine mögliche Reaktion wäre gewesen, jetzt mal so richtig auszurasten. Laut zu werden. Mit der Hand auf den Tisch hauen. Irgendwas, um klar zu machen, dass da so nicht funktioniert. Der Adrenalinpegel hätte sich im höchsten Bereich befinden sollen.

Stattdessen: Resignation, tiefe Sorge und im Prinzip schon Angst, eine weitere Nachricht an meine Gastgeberin zu senden, weil diese mir ja vollständig von der Angel gehen könnte. Immerhin hatte ich ja noch diese andere Unterkunft, die sie mir angeboten hatte, in der Verlosung.

Und so wartete ich ab einem gewissen Zeitpunkt auf eine bestimmte Nachricht, eine neue Bestätigung, irgendwas.

Aber es kam: nichts.

Und so lief ich den ganzen Tag herum, als wäre ich ein Zombie. Ein Autoren-Zombie. Ich war kaum in der Lage, an etwas anderes zu denken und musste mich massiv auf meine Arbeit konzentrieren, um nicht einfach nur Löcher in die Luft zu starren und mich irgendwo unter meinem Schreibtisch in Fötus-Stellung zusammen zu rollen. Das hätte meine Kollegin wahrscheinlich auch sehr seltsam gefunden 😉 .

Irgendwann habe ich mir ein Herz gefasst und habe noch einmal eine Nachricht geschickt. Und im folgenden Gespräch konnten wir dann die Modalitäten soweit klären, dass ich jetzt sagen kann, dass ich wohl doch eine Unterkunft in Leipzig haben werde.

Wobei natürlich aufgrund der Umstände eine gewisse Skepsis bleibt. Aber ich muss mich jetzt darauf verlassen und werde mich darauf verlassen. Immerhin hat die Gastgeberin bis jetzt überwiegend sehr positive Bewertungen erhalten und es kann immer mal passieren, dass einem durch einen persönlichen Schicksalsschlag etwas entgleitet.

Sagt der Autoren-Zombie. Der, der nicht mit der Hand auf den Tisch gehauen hat. Was, gemäß der AGB von AirBnB, ja auch gar nichts gebracht hätte – was ich nach wie vor für den wesentlich größeren Skandal an der Sache halte.

Und nun, bin ich jetzt wieder richtig verdrahtet? Keine Ahnung. Jedenfalls kann ich mich wieder einigermaßen in ganzen Sätzen artikulieren. Noch heute Mittag hätte ich diesen Blogbeitrag nicht schreiben können. Zombie eben. Wir wissen alle, wie gut die sich artikulieren können.

Ich hoffe nur, dass jetzt alles gut weitergeht und dann auch endet. Damit ich mich wieder unbelastet auf Mitte März freuen kann.

3 von #9lesen – 3 Fragen an Hannes Niederhausen, Jana Tomy und Julia von Rein-Hrubesch

Der Countdown läuft, es sind nur noch circa drei Wochen bis zur Lesung in Leipzig. Und wenn man von den bisherigen Reaktionen ausgehen kann, werden wir ein ziemlich volles „Haus“ haben. Da das Haus ein Irish Pub ist, ist gute Stimmung eigentlich schon garantiert und wir tun dann unser Übriges dazu, um den Abend zu etwas ganz Besonderem zu machen.

Letzte Woche habe ich euch die ersten drei Kolleginnen und Kollegen von mir vorgestellt, mit denen ich mit am 16.03. die Bühne teilen werde. Und wie ich schon angekündigt habe, durften sich dieses Mal die nächsten drei meinen Fragen stellen.

Ich freue mich sehr über die Antworten, die wirklich schön und aufschlussreich ausgefallen sind.

Also: Ich bitte um Aufmerksamkeit für Hannes Niederhausen, Jana Tomy und Julia von Rein-Hrubesch!

 


Hallo Hannes, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Als Softwareentwickler und Autor kann ich meine Kreativität ordentlich am Rechner ausleben und meine Bewegungsfaulheit hat so einen guten Grund.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Nun, es ist meine erste Lesung, das allein macht sie schon besonders für mich. Sich mit 9 Leuten zusammen zu finden, die man gar nicht weiter kennt, ist aber auch eine tolle Leistung, die hauptsächlich Andrea [Anm.: gemeint ist Andrea Schrader, auch bei #9lesen mit dabei] vollbracht hat. Vielen Dank dafür an sie. Ich freue mich sehr darauf, die anderen lesen zu hören.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Auf meiner Website veröffentliche ich jetzt monatlich Kurzgeschichten. Ich muss mal schauen, ob wir eine oder zwei Geschichten schaffen.

Hannes Niederhausen auf der Website zu #9lesen


Hallo Jana, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Ich bin eine Autorin, die das Schreiben durch die Schauspielerei gefunden hat und dabei jede freie Minute nutzt, um in die Tasten zu hauen oder auf der Bühne zu stehen.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Zum einen, dass bei dieser Lesung jeder Autor eine Chance bekommt. Egal ob veröffentlicht oder unveröffentlicht. Zum anderen, dass ich Andrea [Anm.: siehe oben] bei der Planung helfen durfte. Eine total neue Erfahrung für mich und absolut spannend!

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Auf mein momentanes Romantasy-Projekt mit dem Arbeitstitel „Sépharial“. Außerdem darf ich unser Publikum als Moderatorin durch den Abend führen.

Jana Tomy auf der Website zu #9lesen


Hallo Julia, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Das Schreiben ist die beste, schönste und kreativste Weise, Realistin und Träumende in meiner Seele miteinander zu vereinen.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
#9lesen ist etwas ganz Besonderes, da Menschen, die sich für Literatur begeistern, zusammenfinden, egal ob Leser oder Autor und egal in welchem Genre.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
„Das Flüstern der Pappeln“ ist mein erstes Werk, bei dem es mir gelungen ist, Distanz zu überwinden und Persönliches zuzulassen, aus diesem Grund: Freut euch auf mein Herz!

Julia von Rein-Hrubesch auf der Website zu #9lesen


Den ersten Teil der Interviews mit Andrea Schrader, Florian Eckardt und Kia Kahawa gibt es hier.
Der dritte Teil der Interviews mit Magret Kindermann, Barbara Weiß und mir befindet sich hier.

Viele weitere Infos zur Lesung und den beteiligten Autoren findet ihr auf der Website zum Event!

3 von #9lesen – 3 Fragen an Andrea Schrader, Florian Eckardt und Kia Kahawa

Jetzt sind es nicht einmal mehr vier Wochen, bis ich in Leipzig meine erste Lesung haben werde. Dementsprechend aufgeregt bin ich. Genauso geht es auch meinen lieben Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich am Abend des 16.03. die Bühne im Morrison’s Irish Pub teilen werde.

Und auch wenn ich mich natürlich über jeden von euch freue, der alleine wegen mir vielleicht den Weg in die Leipziger Innenstadt findet, so sehr ist mir daran gelegen, darauf hinzuweisen, dass meine MitstreiterInnen ebenfalls sehr gute Texte im Gepäck haben und dass die Lesung ohne sie nicht dieselbe sein würde.

Deswegen habe ich mich entschlossen, sie heute und an den beiden folgenden Samstagen jeweils im praktischen Dreierpack zu präsentieren. Dafür habe ich mir drei Fragen ausgedacht, die ich jedem von ihnen gestellt habe. Ich freue mich sehr, dass sie sich die Zeit genommen haben, sie zu beantworten.

Nun aber genug der Vorrede und viel Spaß mit den Kurzinterviews der ersten 3 von #9lesen: Andrea Schrader, Florian Eckardt und Kia Kahawa!


Hallo Andrea, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Ich bin Autorin, Journalistin und Mutter und schreibe Fantasy, weil ich gern darüber nachdenke, wie sich unsere Welt durch einen Funken Magie verändern könnte.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
#9lesen ist für mich etwas ganz Besonderes, weil es meine erste selbstorganisierte Lesung ist – und sich sogar unveröffentlichte Autoren trauen, daran teilzunehmen.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Ich werde aus dem ersten Teil meiner apokalyptischen Fantasy-Trilogie vorlesen: „Die Boten des Schicksals – Die Legende“.

Andrea Schrader auf der Website zu #9lesen


Hallo Florian, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Ich lege beim Schreiben viel Wert auf tiefgründige Figuren und detaillierte, lebendige Welten.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Für mich ist #9lesen meine erste Lesung überhaupt (was soll man auch groß lesen, wenn man nie etwas veröffentlicht?). Dementsprechend bin ich natürlich aufgeregt wie ein Kind vor Weihnachten. Aber ganz besonders freue ich mich auf den bunten Mix, den der Abend bieten wird. Wir sind immerhin 9 Autoren aus den verschiedensten Orten und Genres und genau das finde ich sehr faszinierend.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Ich werde in Leipzig aus meinem Debüt (bzw. dem Buchprojekt, das momentan am Nächsten am „Ende“ dran ist) lesen. Dabei handelt es sich um ein Jugendbuch mit Urban-Fantasy- und Horror-Elementen, das ich mit einer befreundeten Autorin zusammen schreibe. Die Geschichte spielt in der fiktiven Stadt Elms Cross, in der die Geschwister Aélis und Liam leben. Und wie es in alten Städten eben so ist, gibt es allerhand Gerüchte über Monster, die in der Stadt leb(t)en. Dann verschwindet der Vater der beiden und eine Suche beginnt, die an einen Ort tief unter der Stadtbibliothek führt, der offiziell gar nicht existiert.

Florian Eckardt auf der Website zu #9lesen


Hallo Kia, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Julia [Anm.: gemeint ist Julia von Rein-Hrubesch, ebenfalls Autorin bei #9lesen] sagte neulich, ich explodiere vor Kreativität und Tatendrang. Und: Oh Mann, das stimmt total!

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Die Lesung #9lesen eint talentierte und überwiegend unveröffentlichte Autoren. Das ist geheimnisvoll und ich kann es kaum erwarten, Leseproben aus den Federn meiner Autorenkollegen zu hören. Wirklich besonders ist #9lesen für mich, weil für mich persönlich wieder dieses Buchfamilien-Gefühl aufkommt und ich endlich wieder in Leipzig Zuhause sein werde.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Ich werde etwas aus „Die Krankheitensammlerin“ vorlesen. Lasst euch überraschen! 😉

Kia Kahawa auf der Website zu #9lesen


Den zweiten Teil der Interviews mit Hannes Niederhausen, Jana Tomy und Julia von Rein-Hrubesch gibt es hier.
Der letzte Teil der Interviews mit Magret Kindermann, Barbara Weiß und mir befindet sich hier.

Viele weitere Infos zur Lesung und den beteiligten Autoren findet ihr auf der Website zum Event!

Doch wieder zur Leipziger Autorenrunde?

In wenigen Wochen werde ich wieder auf dem Weg nach Leipzig sein. Kaum zu glauben, dass tatsächlich schon wieder ein volles Jahr vergangen ist, seit ich zum ersten Mal meinen Fuß in die Messehallen setzte. Eigentlich war es mehr ein Stolpern, ohne klare Vorstellung davon, was ich eigentlich genau dort tun und lassen wollte.

Natürlich, ein wenig Struktur habe ich mir gegeben. Dadurch, dass Vereinskameradin Kia Kahawa einen eigenen Stand besaß, gab es einen Treffpunkt, an dem ich davon ausgehen konnte, Menschen zu treffen, die ich bislang nur virtuell kennengelernt hatte. In dieser Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht.

Und als zweiten großen Fixpunkt gab es da die Leipziger Autorenrunde, für die ich mich im Vorfeld eingeschrieben hatte.

Noch einmal kurz erläutert, worum es sich dabei handelt: Die Autorenrunde ist eine ganztägige Workshop- und Fragerundenveranstaltung, auf der ausgesuchte Experten in den verschiedensten Fachgebieten, mit denen Autor so zu tun haben kann, den Teilnehmern Rede und Antwort stehen. Das Ganze ist im Paketpreis inklusive Dauerkarte für die Messe und Verpflegung am Veranstaltungstag mit um die 80 Euro sogar ein recht preisgünstiges Vergnügen.

Wenn man denn von den eigentlichen Runden ausreichend profitieren kann.

Genau das war im letzten Jahr der Grund, warum ich in einem Beitrag auf diesem Blog angekündigt hatte, die Autorenrunde nicht noch einmal besuchen zu wollen. Ich hatte zu wenig Nektar aus der Veranstaltung ziehen können. Neben der höchst unterhaltsamen Eingangsrunde mit Sebastian Fitzek war mir in der Hauptsache in Erinnerung geblieben, dass der Wissensstand der anwesenden Autoren – und damit auch der Inhalt der besprochenen Fragen – viel zu heterogen gewesen war, um alle Beteiligten auf demselben Niveau abzuholen.

So stand für mich also fest, dass sich diese Veranstaltung für mich im Jahr 2018 erledigt hatte. Aber ihr kennt ja inzwischen meinen Wankelmut. Je näher die Buchmesse rückt, desto mehr fange ich an, mich damit zu befassen, was genau ich dieses Jahr eigentlich dort sehen und erleben möchte.

Sicher, da gibt es als großen und gewichtigen Ankerpunkt die Lesung am Freitagabend. Aber wie steht es mit dem Messesamstag und dem Messesonntag?

In diesem Zuge schaute ich mir auch die Homepage der Autorenrunde noch einmal an und überlegte, ob ich der Veranstaltung nicht eine zweite Chance geben möchte. Vielleicht hatte ich im letzten Jahr schlicht und ergreifend Pech mit den besuchten Runden, was bei der enormen Anzahl und Fächerung von Themen ja nicht wirklich unwahrscheinlich ist. Vielleicht war ich auch mit den falschen Vorstellungen hingegangen. Immerhin kann so eine kurze Runde nie im Leben ein vollwertiges Seminar ersetzen und es wäre auch unfair, diesen Maßstab anzulegen.

Ich habe ernsthaft abgewogen, was nun richtig für mich ist und was nicht. Und bin am Ende zu der Entscheidung gekommen, dass es dabei bleibt, dass die Leipziger Autorenrunde 2018 ohne mich stattfinden wird.

Ein Grund dafür ist, dass in der Zwischenzeit Termine von (teils bislang nur virtuell) befreundeten Autoren verkündet wurden, zu denen sie Lesungen veranstalten oder eine Diskussionsrunde abhalten werden. Und einige von denen liegen mitten im Samstag.

Der zweite Grund ist, dass ich durch die Fokussierung im letzten Jahr gefühlt nur die Hälfte der Messe und das auch noch im Schnelldurchlauf gesehen habe. Zwar habe ich auch in diesem Jahr nicht vor, bei den Verlagen Klinken putzen zu gehen, aber ich möchte mich vielleicht auch einfach mal treiben lassen, mich informieren, was es so gibt und, ja doch, welche Verlage es im Nachgang vielleicht einmal lohnen, mit ihnen den Kontakt zu suchen.

Die parallel laufende Manga-Comic-Con habe ich 2017 nicht einmal besucht und wenn nicht allerorten Cosplayer in tollen Verkleidungen herumgelaufen wären, hätte ich sie überhaupt nicht wahrgenommen.

Da passt eine Ganztagesveranstaltung, wie es die Autorenrunde ist, nun einmal nicht ins Konzept. Selbst dann nicht, wenn ich nicht meine grundsätzlichen Bedenken behalten hätte.

Ich bin gespannt darauf, wie sich dieses andere Vorgehen für mich anfühlen wird. Schließlich bin ich immer noch Messeneuling. Aber wer weiß: Vielleicht ist das, nachdem ich die Lesung am Freitag überlebt habe, auch alles der pure Kindergeburtstag. Konfetti und Luftschlangen für alle!

Aber falls jemand von euch durch Zufall auch in Leipzig und vielleicht sogar bei der Autorenrunde ist, würde mich eure Meinung dazu im Nachgang brennend interessieren! Schließlich gehe ich davon aus, dass es auch 2019 wieder eine Autorenrunde geben wird. Und dann werden die Karten auch für mich wieder neu gemischt.

Der letzte Stolperstein auf dem Weg nach Leipzig ist beseitigt

Gehen wir noch einmal kurz gemeinsam durch:

  • Unterkunft in Leipzig vom 16.03. bis 18.03.2018 – schon längst über Airbnb gebucht
  • Bahnfahrkarte für den 16.03. und für den 18.03. – schon längst erledigt
  • Dauerkarte für die Messe – noch nicht gekauft, ist aber auch nicht zeitkritisch
  • Ja-Wort für den Lesungstermin am 16.03.18 – mit Bauchgrummeln gegeben
  • Urlaubsantrag – …

Ja, am Urlaubsantrag hat es noch gehapert. Auch wenn er für die Zeit, in der die Buchmesse ist, eher eine Formsache darstellt. Er muss halt doch noch genehmigt werden und im Gegensatz zu Unterkunft und Bahnfahrkarte ist das nichts, was ich mit einem halben Jahr Vorlauf erledigen kann.

Deswegen freue ich mich, dass auch diese letzte Hürde, sei sie auch noch so klein und hypothetisch, jetzt genommen ist.

Wenn mir jetzt nicht noch der Himmel auf den Kopf fällt, steht meiner Reise zur Buchmesse nun wirklich nichts mehr im Wege. Vielleicht sieht man sich ja dort! 🙂

Wieso ich das Bauchgrummeln besiegte

Ja, ich gebe zu, dass ich wieder einmal bis zur letzten Minute gewartet habe. Bis gestern musste sich melden, wer von den Mitgliedern der BartBroAuthors Lust hat, auf der Vereinslesung in Leipzig anzutreten.

Ich habe lange Vorteile und Nachteile gegeneinander abgewogen. Es mir nicht leicht damit gemacht. Aber am Ende überwogen eindeutig die Vorteile, denn als Nachteil blieb letztlich nur eines wirklich übrig: Ich könnte mich bis in die Grundmauern blamieren.

Das ist ein großes Wort und sicherlich auch nichts, womit ich leichtfertig umgehe. Denn wer blamiert sich schon gerne? Aber um die Realität dessen zu hinterfragen, musste ich wieder mit mir in Klausur gehen und, siehe da, es sah gar nicht so gefährlich aus, wie ich es rein instinktiv und in meiner ersten Reaktion eingeschätzt hatte.

Denn im Endeffekt bewege ich mich doch auf freundlichem Terrain. Dadurch, dass ich nicht der einzige Autor bin, der aus seinen Texten lesen wird, habe ich einen Rahmen, in dem ich mich bewegen und an dem ich mich auch festhalten kann. Ich bin kein Einzelkämpfer, mit dem der Gesamteindruck des Abends steht oder fällt. Und da jeder der anderen sicher ebenso aufgeregt sein wird, wie ich es bin, haben wir schon einmal eine nette Gemeinsamkeit. Gemeinsamkeiten schweißen zusammen. Zumal ich alle, die mit mir lesen, schon kenne – sei es real oder „nur“ virtuell.

Dann habe ich mir überlegt, was das Schlimmste sein könnte, was mir passieren kann. Das Schlimmste wäre, wenn mir einfach die Sprache weg bliebe. Nun, in Hinblick auf meine Krankengeschichte könnte das sogar passieren. Aber ich denke nicht, dass es passieren wird. Ich muss nur aufpassen (und ganz lieb bitte-bitte machen), dass ich nicht der Erste sein werde, der auf die Bühne „muss“. Denn dann liegt es nicht an mir, die Veranstaltung in Gang zu bringen und den Flow für die anderen vorzubereiten.

Und realistisch betrachtet sollte ich eigentlich eine komplette Sprachlosigkeit vermeiden können. Denn ich lese ja „nur“ aus einem meiner Texte. Ich muss nichts verkaufen, außer mir selbst. Und ich muss niemandem irgendwas eintrichtern, sondern „nur“ die Leute möglichst gut unterhalten.

Jetzt bin ich nicht der geborene Entertainer, aber ich halte mich für souverän genug, um mich auf eine Bühne stellen (oder setzen) zu können und zumindest das Mindestmaß an Kontaktaufnahme mit dem Publikum hinzubekommen. Ich habe das schließlich im Rahmen meiner Ausbildung und in diversen Fortbildungen sogar gelernt! Klar, da ging es um Wissensvermittlung, um eine Ausbildung zum Trainer. Aber wenn man es schafft, einen Kurs mit 20 mehr oder weniger gelangweilten Kollegen über zwei Tage hinweg zu jonglieren, dann schafft man auch eine Lesung von vielleicht zwanzig Minuten.

Meine Lesestimme wurde von denen, die sie bis jetzt zu hören bekommen haben, als angenehm eingeschätzt. Ich selber bin da ja notorisch anderer Ansicht, aber ich werte das erst einmal als positives Zeichen.

Ich weiß noch nicht, wie lange meine Redezeit sein wird. Deswegen kann ich mir auch nur unzulänglich Gedanken darüber machen, welchen Textausschnitt ich wählen soll. Was bringt es also, sich jetzt schon damit verrückt zu machen? Gar nichts.

Es überwogen also eindeutig die Gründe dafür, dieses Wagnis einzugehen. Denn ein viel besseres und entspannteres Setting kann es, denke ich, für eine erste Leseerfahrung gar nicht geben.

Klar, die Nervosität wird kommen und sie wird in den nächsten Wochen, wenn ich darüber nachdenke, noch häufiger kommen. Aber ich werde versuchen, sie zu beherrschen und vielleicht sogar daran zu wachsen.

Ich denke, es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich zu dem Thema was zu schreiben habe. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden 🙂 .

Live lesen in Leipzig – oder lieber nicht?

Ich lasse ja immer mal wieder anklingen, dass ich Mitglied bei einem Autorenverein, den BartBroAuthors, bin. Seit etwas über einem Jahr. Und auch wenn ich es bis jetzt irgendwie nie geschafft habe, da einen eigenen Beitrag drüber zu schreiben, nehme ich die Mitgliedschaft durchaus ernst und versuche auch, am Vereinsleben teilzuhaben, so gut es eben geht. Mal geht es besser, mal geht es schlechter – und noch dazu meistens virtuell. Die einzige Gelegenheit, bei der ich meine Mitbärte bis jetzt live und in Farbe erlebt habe, war im letzten Jahr bei der Leipziger Buchmesse. Und die Aussicht, auch dieses Jahr ein paar von ihnen zu treffen, war eine zusätzliche Motivation, mich frühzeitig darum zu kümmern, auch dieses Jahr wieder in Leipzig dabei zu sein.

Eine Zusatzmotivation, rationalere Menschen würden wohl von einem Zusatznutzen schreiben, könnte dieses Jahr darin liegen, dass mir der Verein die Chance gibt, im Rahmen der Leipziger Tage meine erste Lesung zu halten!

Dazu muss ich ein wenig ausholen. Und zwar wurde schon vor geraumer Zeit die Idee geboren, in Leipzig an einem der Messetage eine Location für eine „Bart-Lesung“ zu finden und dort den Mitgliedern des Vereins die Möglichkeit zu geben, aus einem ihrer Werke (veröffentlicht oder nicht spielt erst einmal keine Rolle) zu lesen. Wider Erwarten war ein solcher Ort sehr schnell gefunden und so steht dem Event in diesem Jahr nichts im Weg. Es wird am Abend des Messefreitags nach Hallenschluss in einem Pub in der Leipziger Innenstadt stattfinden. Wenn man so will, könnte man hochtrabend sagen, dass wir damit zum Rahmenprogramm der Messe gehören.

Ich fand die Idee von Anfang an ebenso gut wie einschüchternd.

Denn es ist das eine, theoretisch darüber zu sinnieren, ob man eine solche Lesung zustande bekommt, welche Rahmenbedingungen herrschen werden, und so weiter. Es ist, für mich persönlich, ebenso das eine, sich zu überlegen, ob – und wenn ja, mit welchem Text, ich an der Lesung teilnehmen wollen würde.

Aber es ist etwas vollkommen anderes, wenn man sich auf einmal binnen einer Frist von zwei Wochen (und die ist ja schon eher üppig bemessen) verbindlich dazu entschließen muss, ob man denn nun lesen möchte – oder nicht.

Ich weiß, dass es für die Planung nötig ist, möglichst frühzeitig ein Gerüst aufstellen zu können. Zumal die Veranstaltung dann ja auch noch im Rahmen der Möglichkeiten beworben werden soll. Aber dennoch sackte mir, als ich den Aufruf im Forum des Vereins las, das Herz erst einmal in die Hose.

Die Frage ist ganz einfach: Bin ich schon soweit, dass ich mich live, vor Publikum, auf eine Bühne (ja, es gibt eine Bühne!) stellen oder setzen kann, um irgendwas von meinem Geschreibsel vorzulesen? Und das nach Möglichkeit auch noch so, dass ich mich dabei weder blamiere, noch das Publikum (oh Gott, Publikum!) zu Tode langweile!?

Ja, ja, wenn die Frage nur so einfach wäre!

Denn sofort kommen weitere Punkte hinterher wie der, was ich denn eigentlich lesen will. Und wie lang der Ausschnitt denn sein kann – ich hab das ja noch nie gemacht! Und überhaupt habe ich gar nichts Passendes anzuziehen … okay, das ist jetzt nicht sooo wichtig.

Ich muss versuchen, das Summen in meinem Kopf und in meinem Magen zu kanalisieren, um am Ende die wesentlichen Fragen wie folgt zu formulieren:

Erstens: Möchte ich gerne an dieser Veranstaltung als einer der Lesenden teilnehmen? Wenn ja, dann ist es meine Aufgabe, mich bis dahin geistig und seelisch entsprechend vorzubereiten.

Zweitens: Wenn ich glaube, das schaffen zu können, dann ist es mein Job, herauszufinden, was ich vorlesen möchte. Die nahe liegende Variante wäre, einen Auszug (oder mehr, je nach Zeitrahmen) aus „Der Morgen danach“ zu lesen, da dies meine erste Romanveröffentlichung wird.

Drittens: Falls ich mich auf „Der Morgen danach“ festlegen würde, müsste ich mit meinem Verlag klären, ob das überhaupt gewünscht ist, in dem Stadium, in dem der Text sich befindet. Bis Mitte März werden wir mit dem Lektorat schwerlich durch sein.

Viertens: Frühestens jetzt ist es an der Zeit, sich wirklich konkrete Gedanken über die Durchführung zu machen. Und über die Klamottenfrage 😉 .

Ich bin mir sicher, noch irgendeine wesentliche Frage vergessen zu haben, aber die wichtigste ist ohnehin die erste. Wenn ich die nicht für mich kläre und sie am Ende positiv beantworte, dann ist alles andere Makulatur.

Deswegen verzichte ich, auch wenn es mir schwer fällt, im Moment auch noch auf eine rationale Abwägung von Vorteilen und Nachteilen. Auch wenn mir da schon einiges zu eingefallen ist. Das muss einfach hintanstehen. Denn ich darf hier nichts übers Knie brechen, was ich ansonsten vielleicht bereuen würde.

So oder so: Ich habe es hier, wieder einmal, mit einer Herausforderung an mich, an mein Dasein als Autor zu tun, die vorher noch nie dagewesen ist. Und glaubt mir, ich bin selbst gespannt, wie das am Ende ausgehen wird.

Links, rechts, egal!? Die Buchmesse und die Radikalen

Eigentlich …

Die Straße der guten Vorsätze ist mit Backsteinen aus „eigentlich“ gepflastert. Denn eigentlich wollte ich mich aus der Betrachtung der Geschehnisse auf der Frankfurter Buchmesse heraus halten. Ich bin nicht dabei gewesen und aus der Ferne ist es immer schwer, einen wirklich differenzierten Kommentar abzugeben. Die eigene Meinung wird zwangsläufig durch das was man liest und wo man es liest beeinflusst.

Also, obwohl ich eigentlich meinen Mund dazu halten wollte, nehme ich ein heute erschienenes Interview des „Neuen Deutschland“ mit Kathrin Grün von der Kommunikationsabteilung der Frankfurter Buchmesse zum Anlass, doch ein paar Worte dazu zu schreiben. Ganz einfach, weil ich das Interview für größtenteils sehr offen und fair geführt halte (mal abgesehen von der sehr reißerischen Überschrift), auch wenn natürlich zu jeder Zeit deutlich ist, dass der Fragesteller eher links verortet ist.

Aber zunächst noch einmal in Kurzform zu dem, was passiert ist: Auf der Frankfurter Buchmesse kam es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der rechten Szene und Gegendemonstranten bei verschiedenen Veranstaltungen der Neuen Rechten. Diese wurden teils durch massiven Polizeieinsatz begleitet, bis schließlich eine dieser Veranstaltungen abgebrochen werden musste. Des Weiteren kam es zu einem tätlichen Übergriff auf einen Verleger. An den Vortagen waren Messestände rechtsgerichteter Verlage beschmiert oder schlicht „leer geräumt“ worden.

Und am Ende haben wir eine Situation, in der alle auf alle zeigen und jeder jeden für verantwortlich befindet. Dabei hat es der Buchmesse sicherlich nicht geholfen, dass man sich in den ersten Statements zumindest unglücklich ausgedrückt hat.

Ich habe ja bereits vor der Buchmesse darauf hingewiesen, dass ich grundsätzlich die Meinungsfreiheit als ein hohes Gut ansehe und diese – bei allen Magenschmerzen, die ich persönlich deswegen habe – zunächst auch für rechts gerichtete Verlage oder Autoren gilt. Wer möchte, kann die Diskussion dazu gerne hier nachlesen.

Mit dieser Ansicht liege ich, wenig überraschend, auf der offiziellen Linie der Buchmesse selbst. Was man sich vielleicht im Hinterstübchen für Gedanken macht, kann von meiner Seite aus nicht beurteilt werden.

Was mir aber zu denken gegeben hat, ist in der Tat der Fakt, dass für einen neutralen Beobachter (so es diese denn überhaupt gibt, aber ich denke da zum Beispiel auch an ausländische Medienvertreter) manchmal nicht recht zu erkennen war, wer bei diesem Konflikt nun eigentlich die „Guten“ oder die „Bösen“ gewesen sind.

Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Körperliche Gewaltanwendung ist der Punkt, ab dem es keine Diskussion mehr darüber geben kann, ob hier nun jemand auch oder genauso provokant aufgetreten ist, wie die Gegenseite. Wenn ein Mensch verletzt wird, nur weil er von eben dieser freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat, um die es in dieser Debatte hauptsächlich geht, dann ist die Grenze überschritten und ich hoffe, dass der dafür Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Aber ich kann auch die Aussagen der Buchmesse verstehen, die sehr deutlich darauf hinweist, dass die Provokationen gegenseitig waren. Und hier haben sich, leider, vor allem die Gegner der rechten Verlage nicht mit Ruhm bekleckert.

Denn jetzt mal ehrlich. Welchem Kindergarten ist denn die Idee entsprungen, die Stände eines Verlages und einer Zeitschrift leer zu räumen? Und welchem Rowdy fiel ein, die Stände mit Parolen zu beschmieren?

Ich kann es ja verstehen und in gewissem Sinne auch nachfühlen. Aber ich sehe eben auch, dass man sich mit solchen Aktionen nicht wirklich auf die moralisch sichere Seite eines Konfliktes stellt, bei dem es, meiner Meinung nach, sehr wohl auch um ein moralisches Bild geht, das man abgeben sollte. Denn die Sprecherin der Buchmesse hat Recht, wenn sie sagt, dass man den Auftritt eines Björn Höcke nicht unterbinden kann, weil er eben der Landesvorsitzender einer dort auf demokratischen Weg gewählten Partei ist. Man kann höchstens hinterfragen, ob es moralisch zu verantworten ist, wenn man Leuten wie Höcke, aber auch Autoren wie Akif Pirinçci, die sich beide bereits mehr als einmal deutlich gegen eine weltoffene Kultur positioniert haben, ein Forum gibt.

Das Problem bleibt bestehen, wie bereits früher angesprochen. Mit jeder nicht durch die Verfassung gedeckten Aktion, die man gegen die Rechte fährt, drängt man sie mehr in eine Märtyrer-Position. Und wenn es etwas gibt, worauf die Anhänger dieses Gedankenguts besonders abfahren, dann sind es Märtyrer. Das war schon immer so und das wird wohl auch immer so sein. Leider.

Heißt das jetzt, dass man nichts gegen die Rechten auf der Buchmesse unternehmen kann? Jein. Man kann ihnen, dazu stehe ich, nicht mit Ausschluss und Verboten begegnen. Denn dann müsste man sich als Messe in jedweder Beziehung politisch neutralisieren. Was meinem Verständnis von Literatur vollkommen zuwider läuft.

Was wir, und damit meine ich alle im weitesten Sinne Kulturschaffenden, vielmehr brauchen, ist eine gesteigerte Rechtssicherheit. Also eine Aussage dazu, was geht und was eben nicht mehr geht. Wie die Messe selber sagt: Solange ein Werk nicht verboten ist, darf eine Zensur nicht stattfinden. Wenn ein Werk nun aber zu verbieten wäre, dann müssen die entsprechenden Instanzen, die es ja gibt, auch entsprechend schnell tätig werden.

Jeder von uns kann und sollte seinen eigenen kleinen Beitrag leisten. Dazu zähle ich aktive Gegenwehr gegen rechtspopulistische Strömungen in unserer Gesellschaft. Auch zähle ich dazu die Solidarisierung mit allen, die durch die Anhänger dieser Strömungen diffamiert, diskriminiert oder ausgegrenzt werden.

Wir müssen nur scharf aufpassen, dass wir die Trennlinie nicht überschreiten zwischen dem, was moralisch richtig ist und dem, was uns selber in unserer Haltung angreifbar macht. In Frankfurt wurde diese Linie, nach allem, was ich weiß, leider stellenweise überschritten. Und am Ende sitzen die Populisten auf der Bühne und freuen sich einen Keks, dass sie die weltweite Aufmerksamkeit auf ihrer Seite haben und irgendwo, an irgendeinem Stammtisch, ein weiterer Mensch beschließt, ab sofort die AfD zu wählen.

Darin sehe ich die wahre Gefahr.