Wenn man manchen Autoren glaubt, ist Psychotherapie ein Kinderspiel

Es ist mir schon häufiger aufgefallen und da es gerade jetzt wieder einmal soweit war, habe ich mich entschlossen, einen kleinen Beitrag darüber zu schreiben. Es geht um das Thema Psychotherapie, bei dem ich, wie ihr wisst, ein wenig mitreden kann. Ohne in die Details zu gehen: Ich habe ein erkleckliches Quantum an Therapeuten sowohl im klinischen als auch im ambulanten Setting kennengelernt und gleichwohl auch eine große Zahl an von psychischen Krankheiten Betroffenen. Das macht mich nicht zu einem Experten, aber zu jemandem, der zumindest merkt, wenn etwas nicht ganz der Realität entspricht.

Viele Betroffene, die sich, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, an einen Therapeuten oder eine Therapeutin wenden, begegnen diesem Schritt mit einer gehörigen Portion Skepsis – und oft leider auch überzogenen Erwartungen oder gar falschen Vorstellungen.

Ich kann da auf niemandem mit dem Finger zeigen, denn bei mir war es damals ja dasselbe. Ich gehörte auch zu denen, die in dem Glauben waren, dass es genügen würde, der Therapeutin ein paar Dinge aus meinem Leben zu erzählen und sie würde dann schon, in kürzester Zeit, versteht sich, die Patentlösung finden, wie ich wieder auf die normale Spur zurückfinden und mein Leben, möglichst besser, weiterleben könnte.

In diesem Zusammenhang wird häufig das Bild verwendet, dass ein Psychotherapeut über einen großen Werkzeugkasten verfügt, in dem er nur ein wenig herumwühlen muss, um das Maßwerkzeug zu finden, das genau auf die momentane Krise passt. Schnell, einfach, unkompliziert und leicht in der Anwendung.

Nun, ich habe auf die harte Tour gelernt, dass es so leicht nicht ist. Es reicht nicht, eine normierte Säge zu nehmen, um Dinge, die im Leben eines Patienten schief laufen, einfach abzuschneiden. Auch ein Hammer, um die Dinge wieder gerade zu klopfen, ist nicht leicht gefunden. Und auch wenn es sicherlich genügend Stellschrauben für einen Schraubenzieher gibt, ist man trotzdem darauf angewiesen, lange zu probieren und auch Rückschläge in kauf zu nehmen.

Dabei ist Psychotherapie doch das Leichteste von der Welt. Könnte man zumindest denken, wenn man einigen Autorinnen und Autoren so Glauben schenkt.

Ich möchte auf niemandem mit dem Finger zeigen, deswegen nenne ich keine konkreten Beispiele. Aber es gibt etliche Fälle, in denen Patienten, die zu einem Therapeuten gehen, entweder einfach als unfähig beschrieben werden, das zu erkennen, was doch direkt vor ihrer Nase liegt, oder als naiv, so dass es fast schon an Dummheit grenzt, dass sie ihre Probleme nicht von alleine in Ordnung bringen.

Das alleine ist schon schlimm genug, aber oft kommt noch dazu, dass der Prozess einer Therapie oder auch einer einzelnen therapeutischen Sitzung so vereinfacht dargestellt wird, dass falsche Vorstellungen beinahe zwangsweise geweckt werden.

Bewusst wurde mir das, als ich mir dieser Tage einige Folgen einer deutschen Fernsehserie vom Anfang des Jahrtausends ansah. In dieser Serie tritt unter anderem eine Psychotherapeutin auf, allem Anschein nach eine Verhaltenstherapeutin. Das sind die, die, wirklich ganz grob ausgedrückt, einen wesentlichen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit darauf legen, ihrem Klienten bei konkreten Problemen Anregungen und mögliche Ansätze mit auf den Weg zu geben, mit denen er vielleicht diese Probleme in den Griff bekommen kann.

Dabei – und das ist ganz wichtig – wird aber nicht wild ein Kalenderspruch an eine Zeitschriftenweisheit gereiht und der Patient seines Weges geschickt. Vielmehr hat sich, im günstigsten Fall, bereits eine derartige Beziehung zwischen Therapeut und Klient gebildet, dass dieser in die Lage versetzt ist, den Klienten so zu unterstützen, dass er nicht sofort wieder aufs Neue überfordert wird und dadurch eine weitere negative Erfahrung sammelt. Das ist ein Prozess, der einige Sitzungen in Anspruch nimmt. Nicht umsonst sind die meisten Therapien durchaus mit einem mittel- bis langfristigen Zeitrahmen veranschlagt.

Kommen wir zu der bewussten Fernsehserie zurück. Dort haben die für das Drehbuch zuständigen Autoren die eine oder andere Abkürzung genommen, wie sie zwar das Format bedingt, bei denen mir aber wieder einmal deutlich wurde, wieso viele Menschen mit einem falschen Bild von einer Psychotherapie durch die Welt gehen.

Ein Beispiel: Eine Patientin kommt zu der Therapeutin und schildert, dass sie sich unwohl, unbeachtet und traurig fühlt. Die Analyse der Therapeutin besagt, dass die Patientin unter ihrer sozialen Vereinsamung leidet und sich aus diesem Gefühl heraus ihre Depression entwickelt hat. Bis hierher nachvollziehbar.

Dann aber kommt das sinnbildliche Werkzeug zum Einsatz und es ist ein mittlerer Vorschlaghammer. Die Frau soll in die Fußgängerzone gehen und, einfach so, jemanden ansprechen, um mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen.

Wohlgemerkt: Das ist das Resultat der allerersten Sitzung der beiden! Selbst wenn die genaue Anamnese natürlich nicht in ihrer Ausführlichkeit gezeigt werden kann, ist das eine, sagen wir mal, sportliche Leistung. Da verwundert es nicht, wenn die Sache vollkommen aus dem Ruder läuft und die Patientin am Ende ihre Familie verlässt, weil sie sich mit dem Mann, den sie schließlich angesprochen hat, eine wilde Affäre leistet. Was die Therapeutin, immerhin, in heftige Gewissensnöte bringt.

Das alles ist natürlich auf den Lacher hin konstruiert und ich kann mich auch darüber amüsieren. So ist es ja nicht. Aber mir wurde klar, dass es das sehr häufig gibt: Therapeuten, die ihre Patienten losschicken, sich in genau die Situationen zu begeben, die zum Kern ihres Problems gehören. Patienten, die hoffnungslos überfordert sind und im richtigen Leben wahrscheinlich einen Knacks fürs Leben bekommen würden, weil das Leben eben kein Drehbuch hat.

Ich kann darüber lachen, sehe es aber dennoch mit Skepsis. Denn nicht nur bei den Patienten werden eventuell falsche Erwartungshaltungen erzeugt, sondern auch bei ihrem Umfeld, was noch wesentlich katastrophaler ist.

Es ist für einen Betroffenen schon schwer genug, mit seiner Familie, mit seinen Freunden und Bekannten und nicht zuletzt auch mit seinem Arbeitgeber und den Kollegen umzugehen. Wenn nun aber manche Romane und manche Fernsehserien und Filme das Bild erzeugen, dass sich die Probleme schnell und einfach und im Hauruckverfahren lösen lassen könnten, dann wird eine Erwartungshaltung aufgebaut, der weder der Therapeut noch sein Klient entsprechen können.

Mir ist klar, dass Straffungen in einer künstlerischen Darstellung notwendig sind. Dutzende von Therapiestunden sind etwas, was nicht einmal für die direkt Beteiligten immer „spannend“ ist. Oder „angenehm“. Oder „zielführend“. Aber die Quintessenz sollte meiner Meinung nach sein, vor allem die Patienten so darzustellen, dass ihre Probleme ernst genommen werden und die Begleitung durch den Therapeuten vertrauensvoll und professionell dargestellt wird.

Psychotherapie kann manchmal durchaus auch ihre lustigen Seiten haben. Mein Therapeut und ich reden manchmal miteinander, als ob wir einen Wettbewerb laufen hätten, wer den besseren Oneliner unterbringen kann. Aber das sind Momentaufnahmen und weder die Regel, noch der Lösungsansatz.

Ich würde mir wünschen, dass Autoren und Autorinnen sich hier auch ihrer Verantwortung ein Stück weit bewusst sind. Um einen weiteren, viel gehörten, Vergleich zu bemühen: Wenn der Patient einen Herzinfarkt hätte, würde auch nicht gezeigt, wie der Arzt ihn zum Joggen schickt, damit die Pumpe wieder richtig ans Arbeiten kommt. Oder wenn er sich das Bein gebrochen hat, dann wird es ihm nicht amputiert, um ein paar Rollstuhlfahrerwitze bringen zu können.

Ich weiß, dass es leichter ist, Beziehungen zwischen Therapeut und Klient im anekdotenhaften zu erzählen. Ich habe mit „Das Haus am See“ selber ein Manuskript in der Schublade liegen, das sich an Erfahrungen, die ich gemacht habe, orientiert. Und bei dem es mir verdammt schwer gefallen ist, nicht in den Tonfall abzugleiten, in dem man sich auf dem Klassentreffen erzählt, wie witzig doch diese oder jene Situation gewesen ist. Oder jedenfalls nicht zu häufig darin abzugleiten.

Mein kleiner Beitrag, der – sorry – schon ganz schön ausgeufert ist, ist nicht dafür gedacht, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Es gibt auch eine Menge Autorinnen und Autoren, die Wert auf eine realitätsnahe Darstellung legen. Und das weiß ich sehr zu schätzen.

Psychotherapie ist kein Kinderspiel. Nicht für den Patienten und nicht für seinen Therapeuten. Sie ist eine anstrengende Sache, der man aber auch nicht mit Bierernst begegnen muss. Nur sollte man wissen, was man da tut. Und welche Erwartungen man weckt. Oder zerschlägt.

Das wollte ich einfach mal gesagt haben 🙂 .

#Autorenwahnsinn, die Sommeredition: Die Tage 05 und 19

Heute lassen wir das erste Mal einen Tag beim Autorenwahnsinn aus, denn die Frage des 18. Tages hätte sich darum gedreht, was für ein Notizbuch ich im Moment verwende. Die Antwort darauf – gar keins – wäre jetzt nicht besonders interessant gewesen.

Deswegen machen wir nahtlos mit dem fünften und dem neunzehnten Tag weiter, was meint ihr? Gut!

Tag 05: Wenn du mit deinen Protagonisten in den Urlaub fahren könntest … Welcher von ihnen würde dich begleiten? Wohin geht es?

Das ist eine wirklich schwere Frage, weil einem auf die eine oder andere Art natürlich jeder einzelne Protagonist ans Herz wächst. Auch wenn sich der eine oder die andere von ihnen schon einmal ein wenig zickig gezeigt hat in der Vergangenheit. Aber das ist ja bis zu einem gewissen Grad nun auch wieder meine Schuld, aus der ich nicht wirklich herauskomme. Was erschaffe ich auch so freigeistige Charaktere? Andererseits: Wer will schon von Personen lesen, die immer nur das tun, was man ihnen sagt …

Die nächste Frage, die sich sofort anschließt, ist die, ob es sich bei diesem Urlaub nun um einen reinen Erholungsurlaub handeln soll, oder ob es im Urlaub auch ein wenig „Action“ geben darf. Denn dann würde ich mich jeweils für andere Protagonisten entscheiden.

Meine Wahl für einen reinen Urlaub am Strand und in der Sonne wäre Sascha Wolf, der Protagonist aus „Das Haus am See“. Der Grund dafür wäre, dass wir uns in Bezug auf unsere jeweiligen Macken und Problemchen recht ähnlich sind (ach, nee …). Damit wäre wahrscheinlich für hinreichende Harmonie am Pool gesorgt. Trotzdem hätten wir uns genug zu erzählen, dass uns nicht allzu langweilig werden sollte.

Wenn es ein wenig handfester im Urlaub sein darf, dann habe ich die Qual der Wahl zwischen Jakob Dillken, dem Protagonisten aus „Darkride“ und Hinnerk Klagen, dem Protagonisten aus „Die Welt der stillen Schiffe“. Ich glaube, ich würde mich für Hinnerk entscheiden. Denn der lebt an einem Ort, an dem es sich sicher lohnen würde, mal Urlaub zu machen.

Mehr kann ich euch, aufgrund massiver Spoilergefahr, dazu aber leider nicht erzählen 😉 .

Tag 19: Hot, hot, hot! Heute wollen wir ein heißes, sinnliches Zitat von dir lesen.

Wenn es um ein sinnliches Zitat aus einem meiner Romane gehen soll, geht der Blick zwangsläufig als erstes in Richtung „Der Beobachter und der Turm“. Allerdings muss ich gestehen, dass mir spontan jetzt gar keines einfällt, das in die passende Kategorie fällt und nicht einen weiteren Zusammenhang benötigt.

Schnell mal nachschauen …

Okay, ich glaube, ich habe eine Stelle. Ist zwar auch mehr als nur ein kurzes Zitat, aber wir haben ja hinreichend Platz hier, nicht wahr?

Sie ging rückwärts voraus, immer mit dem Gesicht auf ihn gerichtet. Dabei leckte sie sich die Lippen und warf ihm Blicke zu, die alles versprachen. Richard wurde abwechselnd heiß und kalt. Sein Verlangen steigerte sich ins Übergroße und eben als er vorpreschen und sie einfach packen wollte, erreichte sie die Schlafzimmertür und stieß sie auf, wozu sie sich leicht zur Seite drehte.
Richard konnte den Schwung, denn er war tatsächlich losgelaufen, nicht mehr abbremsen rauschte durch die Tür und fiel der Länge nach aufs Ehebett.
Veronika lachte leise und schloss die Tür. Sie fuhr sich durch die Haare, was Richard jedoch nur hörte und nicht sah, denn er war platt wie eine Flunder liegen geblieben. Und noch etwas hörte er sehr deutlich: Wie sie den Kimono von ihren Schultern gleiten ließ.

Die Titelschutzanzeige: Auf Nummer sicher gehen

Gestern Abend flatterte mir ein Blogbeitrag meiner geschätzten Autorenkollegin (*) Nora Bendzko ins Haus. Nora hat in diesem Jahr ein ganz starkes Debüt mit ihrer Novelle „Wolfssucht“ hingelegt und plant nun, in ähnlichem Stil weitere düstere Märchen zu verfassen. Diese Ankündigung stand schon lange im Raum, wurde aber erst gestern konkretisiert, nachdem sie sich den Reihentitel „Galgenmärchen“ hat sichern lassen.

Wieso sollte man sich einen Titel sichern lassen?

Der Sinn einer sogenannten „Titelschutzanzeige“ ist, dass das Recht auf die Benutzung eines Titels für einen Roman im klassischen Sinne erst dann erreicht werden kann, wenn man diesen Titel auch tatsächlich benutzt. Hieraus ergeben sich gegebenenfalls weitreichende Komplikationen, gerade in der Planung von Veröffentlichungen.

Nehmen wir an, ein Verlag plant die Veröffentlichung eines Romans, der im Ersten Weltkrieg auf dem Schlachtfeld von Verdun spielt. Es gibt nun eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie dieser Roman heißen könnte. Naheliegend wäre zum Beispiel einfach der Titel „Verdun“.

Nun ist der Erste Weltkrieg durch die zahlreichen 100jährigen Jahrestage zu diesem Komplex natürlich nicht nur Thema in einem einzigen Verlag. Die Verlage konkurrieren vielmehr um die Lesergunst und sie tun es auch über die Titel. Und ein generischer Titel wie „Verdun“ ist hier natürlich besonders begehrt.

Wenn ein Verlag nun nachweisen kann, dass er der erste war, der diesen Titel für einen Roman hat vorsehen lassen, dann hat er, für einen gewissen Zeitraum, auch das Recht, diesen zur Veröffentlichung zu nutzen.

Und was ist nun eine Titelschutzanzeige?

Eine Titelschutzanzeige ist, wie der Name schon sagt, eine wirkliche Anzeige sowohl in Online- als auch in Printveröffentlichungen, dass ein Verlag oder eine natürliche Person sich einen Titel für einen Roman hat sichern lassen.

Es gibt verschiedene Publikationen, die sich auf die Veröffentlichung solcher Anzeigen spezialisiert haben. Nora hat sich für den Weg über buchmarkt.de entschieden. Buchmarkt.de veröffentlicht die Anzeige auf dem Webportal und in der nächsten Ausgabe der hauseigenen Publikation. Gleichzeitig wird der Titel in eine Datenbank übernommen und kann für den Zeitraum von einem halben Jahr nun von niemand anderem mehr gesichert werden.

Wie funktioniert die Titelschutzanzeige?

Das ist erstaunlich simpel zu erläutern. Da ist manche Onlinebestellung schwerer auszuführen.

Zunächst registriert man sich bei buchmarkt.de als Kunde. Im nächsten Schritt gibt man dann eine Anzeige auf. Diese kostet als Grundgebühr festgelegte zwanzig Euro (zzgl. MWSt.). Nunmehr kann für jeden einzelnen Titel, den man sich schützen lassen will, ein Feld im Onlineformular ausgefüllt werden. Jeder Titel, den man schützen lässt, kostet weitere 2,50 Euro (zzgl. MWSt.).

Vorsicht: Es sollte auch wirklich ein Feld pro Titel verwendet werden! Man sieht zwar auch auf der Website, dass manche Verleger auf die Idee gekommen sind, in einem Feld gleich ein Dutzend Buchtitel einzutragen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich rechtssicher ist.

Wenn man die Bestellung bestätigt wird sofort die Veröffentlichung auf der Website vorgenommen. Man erhält eine Rechnung und kann dann ganz bequem binnen 14 Tagen überweisen.

Und was hast du jetzt gemacht?

Ich habe den von Nora geschriebenen Blog-Eintrag zum Anlass genommen, mir selber Gedanken zum Thema Titelschutz zu machen. Und ich kam zum Entschluss, dass es auch für mich mehr als dringend an der Zeit war, zumindest die Titel schützen zu lassen, bei denen ich kurz- bis mittelfristig eine Veröffentlichung planen könnte. Ich sage deswegen könnte, weil ich weiß, dass ich nicht alle diese Romane im Rahmen der kommenden sechs Monate, denn so lange gilt ja die Anzeige nur, werde veröffentlichen können.

Aber: Solange ich sie jetzt gesichert habe, kann sie mir niemand wegschnappen. Und wenn der Titelschutz dann ausläuft, dann liegt es ja an mir, diesen wieder zu verlängern, oder es bleiben zu lassen. Bei bereits veröffentlichten Romanen – und das sollte zumindest „Der Beobachter und der Turm“ bis dahin sein – stellt sich das Problem ja nicht.

Ich habe mir also großzügig folgende acht Titel gesichert:

TitelschutzKlar könnte man sagen, dass das runde 50 Euro sind, die erst einmal ohne großen Nutzen „den Bach heruntergehen“. Aber irgendwie ist es schon ein positives Gefühl, diese Titelschutzanzeige zu haben, unter der tatsächlich auch, wenn man hier scrollen würde, mein Name steht. Sollte man nicht glauben, ist aber so. Schließlich gehe ich hier im Blog ja sehr offensiv mit den geplanten Namen meiner Romane um.

Ich bedanke mich bei Nora, die mich noch einmal auf diesen schon leicht verdrängten Punkt gestoßen und zum Handeln animiert hat :-)!

 

 

(*) Ich finde es immer ein wenig seltsam, von Autoren-Kollegen zu schreiben. Schließlich habe ich im Gegensatz zu ihr noch nichts veröffentlicht. Trotzdem sehe ich uns als Kollegen an. Ich denke, damit kann auch Nora ganz gut leben ;-).

Wie viele Protagonisten gibt es in meinen Romanen?

Hallo zusammen!

Jede Woche veröffentlicht der Autor Richard Norden interessante Artikel rund um das Schreiben auf seinem Blog. Vergangenen Samstag ging es bei ihm um ein Thema, das den kleinen Statistiker (hört sich irgendwie pervers an, findet ihr nicht auch?) in mir angesprochen hat.

Es geht darum, wie viele Protagonisten ein Roman vertragen kann. Um nicht Nordens kompletten Artikel hier zu zitieren, den ihr euch dringend selbst durchlesen solltet, gebe ich nur eine Kernaussage wieder:

Derzufolge kommt es bestenfalls nicht, oder nur in klar umrissenen Ausnahmefällen, vor, dass ein Roman mehr als einen Protagonisten besitzt. Und das ist derjenige, der die größte Veränderung, den größten Konflikt, den größten Einsatz zu verzeichnen hat. Auch in Geschichten, die man als Film im „Buddy-Sektor“ verorten würde, oder selbst bei Liebesgeschichten, gibt es immer die eine Figur, die der zentrale Mittelpunkt der Handlung ist. Auch bei den meisten Heldenteams ist dies der Fall.

Die anderen Charaktere sind dann Sidekicks, Wegbegleiter oder manchmal auch simple Stichwortgeber.

Eine klare Ausnahme lässt Richard Norden nur für wirklich epische Geschichten gelten. Er nennt hier „Das Lied von Eis und Feuer“ als Beispiel, der Mehrheit inzwischen eher unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt. Ich würde sagen, dass generell bei Romanserien, die sich um eine Heldengruppe (wobei die Helden ja keine Helden sein müssen) drehen, in verschiedenen Einzelromanen die Gewichtung stärker auf verschiedenen Protagonisten liegen kann.

Wie gesagt, die Vorteile und Nachteile zu beschreiben, das kann Richard Norden besser als ich. Ich nutze die Gelegenheit dazu, einen meiner gefürchteten Blicke auf mein eigenes kleines Bücherregal zu werfen, in dem die von mir geschriebenen Romane stehen.

Aber keine Sorge, ich versuche, mich kurz zu fassen ;-)!


Silverstar I: Angst im Perseus-Spiralnebel
Mit diesem Band werden die meisten der Protagonisten eingeführt, die mich durch meine vielbändige Science-Fiction-Serie führen sollten. Es gibt eine klare Hauptfigur, die man übergreifend über alle Bände auch als Serienprotagonistin bezeichnen könnte. Wobei sie in einigen Bänden in den Hintergrund tritt/getreten wäre.

Silverstar II: Expedition durchs All
Wie das so ist in Serien, kommen hier noch zwei weitere Protagonisten hinzu. Am Fokus auf die eine zentrale Protagonistin ändert das allerdings zunächst nichts.

Silverstar III: Final Star
Dies ist der erste Roman der Serie (und gleichzeitig auch der letzte), in dem eine der anderen Figuren stärker in die Rolle des Protagonisten rückt. Man merkt der Geschichte allerdings auch an, dass sie dadurch zwar rasanter wird, aber eben jenen Fokus ein wenig verliert.

Lichter
Der Roman ist komplett aus der Sicht des Protagonisten geschrieben – mit kleinen Ausnahmen gen Ende, die aber nichts daran ändern, dass es immer um den einen zentralen Charakter geht.

Different Stories
Die Novellensammlung hat in allen drei Geschichten eine klare Hauptfigur, auf deren Schulter die Handlung liegt.

Es zwingt einen dazu
Die Handlung folgt vollständig einer Person, es gibt keine Szenen ohne sie. Auch ein deutliches Signal im übrigen dafür, dass diese Person der absolute Protagonist sein muss und, sozusagen, niemanden neben sich stehen hat.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis
Dem Namen nach sind hier zwar drei Kinder gleichberechtigt, es gibt aber eine deutliche Wortführerin – womit die Geschichte im Übrigen ganz in der Tradition so ziemlich jeder anderen Jugendserie (die daraus vielleicht mal geworden wäre) steht, wie mir gerade auffällt.

Der Morgen danach
Es gibt einen deutlichen Handlungsträger, der sogar über weite Strecken der Handlung ganz auf sich gestellt agiert. Vielleicht der deutlichste unter all meinen Protagonisten.

Der Rezensent
Die Handlung dieses Thrillers wird maßgeblich zwar durch andere Charaktere vorangetrieben, nicht zuletzt natürlich durch den Antagonisten, wie es sich für einen Thriller gehört, aber der Fokus liegt klar auf einer Hauptfigur, der später ein Sidekick beiseite gestellt wird.

Das Haus am See
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bietet allerdings durch sein enormes Personal eine ganze Menge an anderen Personen mit, welche die Handlung beeinflussen und welche auch den Protagonisten beeinflussen.

Der Ruf des Hafens
Auch diese Horrorgeschichte hat einen klaren Protagonisten – mit einer starken Frau an seiner Seite, aber eben „nur“ an seiner Seite.

Darkride
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es hier natürlich den Ermittler als einzigen echten Protagonisten zu verzeichnen. Zu ihm gehören, ebenfalls wie in den meisten guten Krimis, ein Sidekick, eine starke Partnerin und ein nervender Chef. Die einen nennen es Klischees, die anderen notwendige Zutaten ;-).

Der Redner
Das ist in der Tat ein Sonderfall, bei dem ich mich schwer tue, den einen Protagonisten zu benennen. Ich habe drei Figuren, die über weite Strecken des Romans alleine agieren und sich erst später zusammentun. Allerdings, bei strenger Auslegung von Richard Nordens „Regeln“, komme ich zu dem Schluss, dass der Reporter Kevin Ryason der Protagonist sein muss. Er macht die ersten seltsamen Beobachtungen und hält später in der Handlung die Fäden zusammen.

Der Beobachter und der Turm
Ganz klarer Fall: es gibt nur einen Protagonisten und der heißt Richard Lenhard. Auch wenn im zweiten Handlungsabschnitt die hier bereits einmal erwähnten Polizisten in den Fokus rücken, bleiben diese – wichtige – Nebenfiguren.

Die Welt der stillen Schiffe
Wieder ein Ensemblestück, bei dem aber alleine durch die Ich-Perspektive absolut unstrittig ist, wen man als die Hauptperson anzusehen hat.


Fazit:

Nicht nur, dass ich Richard Norden in seiner These generell zustimmen möchte, rein intutiv habe ich mich in den meisten Fällen auch an sie gehalten. In den meisten meiner Romane gibt es genau einen wirklichen Protagonisten, mit dem sich der Leser, wenn es gut läuft, identifizieren kann.

Wobei wir natürlich alle wissen, dass es auch gute Nebenfiguren sein können, die uns besonders ans Herz wachsen und wichtig für uns werden. Aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

Herrenüberschuss – Wieso so deutlich?

Als Reaktion auf meinen gestrigen Beitrag schrieb mir die Devote Romantikerin folgenden Kommentar:

Ich vermisse einen Referenzrahmen. Müsstest du nicht eine Bilanz betreffend der Männer daneben stellen? Damit man – vielleicht – sich dann ein klareres Bild machen kann?

Darauf möchte ich gerne kurz eingehen. Wobei ich eines direkt sagen kann: eine detaillierte Bilanz wird es nicht geben, denn die würde geradezu frappierend aufdecken, wie groß der Männerüberschuss in meinen Romanen ist.

Von den 14 Romanen, die ich geschrieben habe, bietet ja nur einer eine absolute Hauptfigur auf. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass in den anderen die Männer das Heft des Handelns fest in der Hand halten. Ich denke da an Charaktere wie Markus Heldt aus „Der Morgen danach“, Richard Lehnhard aus „Der Beobachter und der Turm“, aber auch an das Triumvirat Anton Lechleitner, Kevin Ryason und David Berg aus „Der Redner“.

In einigen Romanen sind Männer und Frauen in den Hauptrollen einigermaßen gleichgestellt. Emery Lindsay aus „Es zwingt einen dazu“ wäre ohne die kesse Chie Qwan Lu ebenso aufgeschmissen, wie Stephan König aus „Der Ruf des Hafens“ ohne seine Rieke Thomsen.

Während ich also im Bereich der wichtigeren Figuren durchaus im Regelfall auf eine Frau verweisen kann, die eine wichtige Rolle spielt, sieht es bei den Nebencharakteren eher mau aus. Den Vogel schießt dabei in negativer Hinsicht der Roman „Darkride“ ab, wo tatsächlich, sofern ich mich nicht falsch erinnere, keine Frau vorkommt, die neben der im Nachbarartikel erwähnten Sandra Jung einen längeren Auftritt hätte.

Aber woran liegt das? Lässt sich das alles alleine damit plausibel erklären, dass ich eben ein Mann bin und mir deswegen männliche Rollen mehr liegen? Küchenpsychologie, wenn ihr mich fragt. Aber in Küchen wurden ja durchaus auch schon wahre Worte gesprochen.

Ich glaube, dass es in den meisten Fällen daran liegt, dass ich mir eine Schreibweise antrainiert habe, die sehr stark auf eine kleinere Gruppe von Handlungs- oder Perspektivträgern fokussiert. Die Ensembles in meinen Romanen sind, von Ausnahmen wie „Das Haus am See“ und der Silverstar-Reihe abgesehen, eher klein. Und jetzt gehen wir noch einmal in die Küche: wenn ich eine von wenigen Rollen besetzen muss, dann ist diese in meinem Kopf wahrscheinlich wirklich eher männlich angelegt.

Für einige Beispiele kann ich aber auch richtige Gründe angeben. Wenn Markus Heldt mit Rechtsradikalen in Berührung kommt, dann sehe ich vor meinen Augen keine schmalen Frauen als Nazi-Amazonen, dann sehe ich bullige Kleiderschränke. Wenn Richard Lenhard ein Bordell betritt, wird der Besitzer eher ein Mann als eine Frau sein. Und – leider ist es immer noch so – wenn irgendwo ein ranghoher Polizist auftaucht, ist dieser mit enormer Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein Mann.

Das soll alles nicht in eine Rechtfertigung ausarten, denn es gibt nichts, wofür ich mich rechtfertigen müsste. Schließlich gibt es Autoren, die schreiben und schrieben Frauen höchstens als Love Interests in ihre Romane, was ich bisher, glaube ich, erfolgreich vermieden habe. Bei mir bekommen am Ende des Tages nicht immer der Held das Mädchen. Weil ich, bei allem Ungleichgewicht, das rein numerisch herrschen mag, Wert darauf lege, das Geschlechterbild differenziert darzustellen.

So, wie es eben auch im richtigen Leben sein sollte!

Ich verspreche aber hiermit, zukünftig vielleicht wieder stärker darauf zu achten und zu hinterfragen, wo es sich anbietet, eine starke Frauenrolle auch einmal in den Nebenrollen zu verwenden!

Frauen in meinen Romanen – Eine Bilanz zum Internationalen Frauentag

Heute ist der Internationale Frauentag und ich tue gar nicht so, als ob ich das gewusst hätte, bevor Wikipedia mich darauf stieß. Aber tröstet euch, liebe Leserinnen, wenn es einen Männertag geben sollte (gibt es sowas?), dann wüsste ich auch nicht, wann der ist. Dafür wird euch meine Frau bestätigen, dass ich noch nie den Valentinstag, unseren Hochzeitstag oder (für unsere Kinder wichtig) den Muttertag vergessen habe ;-).

Also – der Internationale Frauentag. Ein Tag, der vollkommen den Rechten der Frau gewidmet ist. In Deutschland in den letzten Jahren ein wenig zwiespältig gesehen, da der westliche Teil der ehemaligen Bundesrepublik diesen Tag nicht so hoch hielt, wie es die Mitmenschen im Osten, in der Deutschen Demokratischen Republik taten. Das hatte mit Sicherheit etwas damit zu tun, dass es sich beim Internationalen Frauentag ursprünglich um eine sozialistische Erfindung gehandelt hat.

Aber solche ideologischen Grenzlinien sind mir hier vollkommen fremd, weswegen ich auch den politischen wie den gesellschaftlichen Teil hinter mir lasse und zu meiner Arbeit als Autor komme.

Ausgehend davon, dass heute der Internationale Tag der Frau ist, habe ich mir einmal angeschaut, welche Rolle Frauen eigentlich in meinen Romanen spielen. Und ich gebe zu, dass ich ein wenig überrascht wurde.

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne starke Frauenfiguren in Romanen lesen. Aber ich tue mich manchmal mit weiblichen Hauptfiguren schwer, weil ich sie häufig als, wie soll ich sagen, bemüht empfinde. Insbesondere dann, wenn Männer über diese Frauen schreiben. Wahrscheinlich habe ich mich deswegen, mit einer prominenten Ausnahme, auch nie daran gewagt, Frauen wirklich ganz in den Fokus zu rücken. Aber immerhin kann ich behaupten, nicht dem typischen Klischee entsprochen und Frauen komplett ausgebootet zu haben. Auch hier mit einer kleinen Ausnahme.

Zu den Romanen im Einzelnen:


In der Silverstar-Trilogie ist Leya Kuvan eine mehr als gleichberechtigte Hauptfigur. Streng genommen müsste man sagen, dass sie der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist. Jedenfalls wenn man die Anteile dessen als Maßstab nimmt, was sie tut und was sie bewirkt. Abseits von ihr gibt es eher wenige weibliche Figuren. Mit Teil 2 werden einige eingeführt, die im Laufe der Zeit größeren Anteil hätten haben sollen, aber dann habe ich ja die Arbeit an der Serie eingestellt.

Der Roman Lichter hat mit Mel eine weibliche Mit-Hauptfigur, die durch ihre zurückhaltende Art oftmals durch die mitwirkenden Kerle in den Hintergrund gedrängt wird. Sie kann aber in einzelnen Szenen zeigen, dass sie nicht nur eine starke Meinung hat, sondern auch großes Durchsetzungsvermögen. Daneben gibt es keine weitere weibliche Rolle.

In Es zwingt einen dazu ist die Chinesin Chie Qwan Lu eine echte Hauptfigur, die der männlichen Hauptfigur wichtige Impulse für die Handlung gibt. Weitere weibliche Personen handeln eher im Hintergrund.

Mein Kinderbuch Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis hat einen Frauenüberschuss von zwei zu eins. Dabei ist Britta eindeutig die Anführerin und Hauptperspektivträgerin. Wenn man so will, bin ich also ausgerechnet in meinem für mich ungewöhnlichsten Buch von meiner sonstigen Linie abgewichen. Für mich überraschend.

Im Thriller Der Morgen danach spielen Frauen nur in Nebenrollen mit, auch wenn insbesondere einer von ihnen eine große Bedeutung zukommt. Die Sichtweise bleibt aber durchweg männlich in einem von Männern dominierten Umfeld. Auch eine Überraschung, dass ausgerechnet in dem Roman, den ich mit am rasantesten von meinen Büchern finde, keine starke Frauenrolle vorkommt.

Im danach geschriebenen Der Rezensent änderte sich das wieder. Nathalie kann man durchaus als gleichberechtigte Frauenfigur sehen, ihr zur Seite steht mit Julia eine etwas schwächere, aber in der Handlung sehr präsente Figur. Die Hauptperspektive liegt allerdings auch hier wieder bei einem Mann.

Das Ensemblestück Das Haus am See bietet Platz für jede Menge Frauenfiguren, von denen sich, alleine schon durch die Ich-Perspektive des Erzählers, kaum eine hervortun kann. Mit Linda gibt es eine gravierende Ausnahme, die aber dennoch nicht mehr als eine führende Nebenrolle einnimmt.

In Der Ruf des Hafens ist die junge Rieke als streitbare, ortsansässige und intelligente Frau die absolut gleichberechtigte Hauptfigur neben dem neuen Inselautor Stephan. In Nebenrollen tauchen auch weitere Frauen auf.

Beim Krimi Darkride besetzt Sandra Jung als Marketingleiterin des Freizeitparks, in dem der Roman spielt, eine sehr starke Frauenrolle, die nicht ganz groß genug ist, um von einer Hauptrolle sprechen zu können. Weitere Frauen agieren nur am Rand.

Der Horror-Roman Der Redner bietet mit Sarah, der Freundin eines der drei Protagonisten, eine sehr wichtige Nebenrolle auf. Sie ist damit aber auch schon die einzige wirklich wichtige Frau.

Ohne Frauen würde die gesamte Handlung von Der Beobachter und der Turm in sich zusammenbrechen. Sie handeln nie als Hauptfigur, sind aber mehr als wichtige Impulsgeberinnen. Allen voran natürlich Richards Ehefrau.

Und auch mein im Entstehen begriffener Roman Die Welt der stillen Schiffe besitzt mit der jungen Maria eine gleichberechtigte Hauptfigur, die allerdings ein wenig in den Mustern ihrer Zeit (immer dran denken, sie kommt aus dem Jahr 1941) verhaftet ist.


Ziehen wir also Bilanz:

In 14 Büchern (ich zähle jeden Silverstar-Teil einzeln) haben wir

  • 1 absolute Hauptfigur
  • 9 gleichberechtigte Hauptfiguren
  • 7 wichtige Nebenfiguren
  • 6 markante Nebenfiguren
  • und 2 Romane mit nennenswertem weiblichen Ensemble

Ist das jetzt gut oder ist das jetzt schlecht? Wer will schon darüber urteilen – wichtig ist es doch, dass es in sich und in den Geschichten stimmig ist. So würde ich das jedenfalls gerne sehen wollen. Aber wenn ihr anderer Meinung seid, dann lasst mir gerne einen Kommentar da! 🙂

Und an die Autoren und Autorinnen unter meinen Lesern mag ich die Frage richten, wie ihr mit dem jeweils anderen Geschlecht umgeht. Gibt es da irgendwelche Berührungsängste in euren Schilderungen? Oder signifikante statistische Auffälligkeiten? Ich bin gespannt!

So viele Namen, so wenig Abwechslung

Wer sich jetzt denkt, dass ihm die Überschrift irgendwie bekannt vorkommt, der ist schon ganz schön lange Leser in diesem Blog! In der Tat habe ich schon einmal, das war im Mai 2015, einen Artikel darüber verfasst, dass ich manchmal ganz schöne Probleme mit der Namensfindung für meine Figuren habe. Jetzt, beim Überarbeiten der beiden Romane „Der Beobachter und der Turm“ und „Der Morgen danach“ habe ich erst gemerkt, wie sehr diese Probleme auch vollkommen unterbewusst bestehen.

Namen sind bei Romanfiguren nicht immer Schall und Rauch. Ich versuche, zumindest den Hauptpersonen Namen zu geben, die einigermaßen zu ihnen passen. Das geht nicht immer so weit, dass ich Nachnamen wie „Heldt“ benutze, um den Protagonisten zu kennzeichnen (okay, ich gebe zu, das war ein Scherz).

Die Crux beim intuitiven Schreiben ist ja, dass man relativ häufig in die Verlegenheit kommt, sich eine neue Figur eingebrockt zu haben, die auf einmal da ist und deswegen auch binnen Sekunden einen Namen haben muss, wenn man keine Lust hat, sich minutenlang Gedanken zu machen.

Als ich jetzt beim Überarbeiten saß, bin ich an der einen oder anderen Stelle hängen geblieben.

Eine der Hauptfiguren in „Der Morgen danach“, ein kolossaler Skinhead, hört auf den Namen Manfred, genannt Manni. Manfred heißt aber auch der Leiter eines Freizeitparkfanclubs im Roman „Darkride“. Und ich habe mich zwischenzeitlich schon dabei ertappt, wie ich einer Figur in „Die Welt der stillen Schiffe“ auch diesen Vornamen verpassen wollte, wobei mir rechtzeitig einfiel, dass es langsam mal reicht mit den Manfreds.

Nun ist Manfred ja auch in der Realität kein wirklich seltener Name. Bei anderen sieht es da schon anders aus. So gibt es in „Der Beobachter und der Turm“ eine junge Polizistin, die Janina Lüdtke heißt. Janina ist jetzt nicht sooo häufig. Ich kenne persönlich keine einzige Frau dieses Namens. Umso mehr stutzte ich am Wochenende, als mir eine Frau Janina Henkel begegnete, die in „Der Morgen danach“ auf genau einer Seite auftritt, als Telefonistin einer Zeitungsredaktion. Gut, die heißt jetzt nicht mehr Janina, sondern Jasmin.

Ich habe keine Ahnung, woran es liegt, dass mir manche Namen immer wieder wie von selbst in den Sinn geraten. Wenn es denn wenigstens Namen wären, die ich mit jemandem verbinden würde, dann wäre es klarer.

Einen Spaß habe ich mir mit der Namensproblematik übrigens in „Das Haus am See“ gemacht, für das ich ja einen ganzen Haufen Namen brauchte. Da habe ich Namen aus anderen Romanen von mir übernommen, teilweise sogar ganze Personen. Das könnte ein Problem werden, wenn dieser Roman irgendwann mal zur Veröffentlichung anstehen sollte.

Ich habe mir schon überlegt, mir vielleicht eines dieser Namensfindungsbücher für Eltern anzuschaffen. Aber wie ich mich kenne, würde ich da im Bedarfsfall sowieso nicht dran denken. Eine andere Variante wäre, dass ich mir selber eine Liste mit Namen erstelle, die ich immer schon mal in einem Roman verwenden wollte, die mir nur nie einfallen. Aber ich wollte immer schon gerne über eine Mareike oder über eine Nadja schreiben. Männernamen fallen mir sowieso immer keine vernünftigen ein. Bei überwiegend männlichen Protagonisten auch nicht wirklich gut …

Ich glaube, ich probiere das mit dem Büchlein mal aus. Für „Die Welt der stillen Schiffe“ ist mein Ensemble zwar komplett, aber das nächste Projekt folgt ja bestimmt! Und dann will ich mich nicht schon wieder mit Mannis, Julias oder Janinas herumschlagen müssen. So gern ich die Namen ja offensichtlich habe.

Die Person, für die ich schreibe, liest nicht

Oftmals hört man von Schriftstellern, dass sie nicht für ein anonymes Publikum schreiben, das sie sich nicht einmal im Ansatz visualisieren können, sondern dass es da diesen einen, ganz besonderen Menschen in ihrem Leben gibt, der ihnen gleichzeitig als Muse, als Kritiker, als Stütze in schweren Zeiten und auch als moralische Instanz dient, wenn sie zur Feder oder zur Tastatur greifen. Das hilft ihnen dabei, die Qualität ihrer Texte zu überprüfen, Form und Stil auszurichten und auch, um Motivationslöcher zu überbrücken.

Als ich 2011 nach langer Schreibpause wieder damit begann, mich mit dem Schreiben von Romanen auseinander zu setzen, hatte auch ich so einen Menschen. Das kuriose an dieser Beziehung ist, dass dieser Mensch nicht liest!

Jetzt ist es nicht etwa so, dass B. nur meine Bücher nicht liest. Sie liest überhaupt keine Bücher! Ich kann solche Menschen ja immer nur schwer begreifen, aber ich weiß, dass es sie gibt.

Und so habe ich, sollte man meinen, ein kleines Problem: die Person, für die ich insbesondere in den Jahren 2011 bis 2013 geschrieben habe, liest nichts von dem, was ich schreibe.

Aber es ist kein Problem und wisst ihr auch, warum es das nicht ist?

Weil B. zwar nicht meine Romane liest, aber weil sie gefühlsmäßig sehr nah an mir dran ist. Räumlich trennen uns runde 170 Kilometer voneinander. Und wir haben auch nicht mehr so oft Kontakt, wie wir ihn früher hatten. Aber irgendwie ist B. immer noch die Person, die ich bei vielen Texten im Hinterkopf habe, wenn ich sie schreibe.

Sie ist ein sehr musischer Mensch, Sängerin. Ich glaube, dass sie deswegen auch meine hochfliegenden Ziele nachvollziehen kann. Dass sie mich deswegen nicht belächelt, wenn ich davon schreibe, veröffentlichen zu wollen.

Sie stärkt mir den Rücken darin, mich nicht zu klein zu machen. Weil sie weiß, dass ich gut darin bin, mich klein zu machen.

Als ich „Der Morgen danach“, „Der Rezensent“, „Das Haus am See“, Der Ruf des Hafens“ und „Darkride“ geschrieben habe, habe ich ihr jeden Tag eine Mail zukommen lassen, in der die Zahl der an diesem Tag geschriebenen Wörter stand, der erste geschriebene Satz und der letzte geschriebene Satz. Gefühlt war sie damit ganz dicht dran am Entstehungsprozess.

Wir haben uns oft über diese kleinen Sätze ausgetauscht, B. und ich. Es war eine ganz besondere Art der „Zusammenarbeit“.

Seit „Der Redner“ ist diese Form der täglichen Berichterstattung leider eingeschlafen. Von meiner Seite aus eingeschlafen. Ich weiß nicht, was mich davon abgehalten hat, weiß es auf der anderen Seite ganz genau. Es war die Angst, mit meinem Geschreibsel einem Menschen auf die Nerven zu gehen, von dem ich doch genau weiß, dass er diesen Roman nie lesen wird.

Und irgendwann eröffnete ich dann diesen Blog und ab da war sowieso alles anders.

Heute Abend telefoniere ich mit B. Und ich denke, wir werden uns auch über meine schriftstellerischen Pläne für dieses Jahr unterhalten. Und ich glaube, ich muss ihr noch einmal ganz deutlich Danke sagen! Danke dafür, dass sie die ganze Zeit über an mich glaubt und geglaubt hat. Auch dann, als ich mich zu doof dafür befand, mehr als drei Worte aneinander zu reihen.

Die Person, für die ich schreibe, liest nicht! Aber wenn es irgendwann, dereinst, Hörbücher zu meinen Romanen gibt, dann holen wir das alles nach :-).

[NaNo2015] Der NaNo läuft: und ich kann mich nicht entscheiden!

Manchmal, an Tagen, an denen man gar nicht damit rechnet, merkt man, dass die eigene Meinung auf einmal etwas wert ist. Das muss nicht sein, dass man es selbst auch so sieht, meistens tut man es nicht, aber es ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl, wenn man nach etwas gefragt wird, das mit dem zu tun hat, was man selbst auch gerne tut.

Gestern erreichte mich die Frage einer lieben Bloggerin, die eigentlich schon mitten in ihrer NaNo-Teilnahme stecken wollte, allerdings nun vor ihren verschiedenen Projektideen sitzt und nicht weiß, wofür sie sich entscheiden soll. Ob ich da auch schon Erfahrungen mit gemacht habe.

Am einfachsten wäre es, auf so eine Anfrage die Standardantwort zu geben: schreib das, was dir am meisten am Herzen liegt, bei dem dein Verstand und dein Gefühl dir sagen, dass es jetzt und genau jetzt „dran“ ist. Aber ich weiß selber, dass dieses Gefühl manchmal in den Helikoptermodus schaltet und wild unter der Zimmerdecke herumfliegt, nicht mehr greifbar ist und nichts als Staub aufwirbelt.

Meine Erfahrungen mit mehreren Ideen auf einmal beziehen sich auf meine missglückten Versuche, mehr als einen Roman auf einmal zu schreiben. Es hat für mich nicht funktioniert, weil ich den Fokus verlor auf die Geschichte, die ich eigentlich am dringendsten schreiben wollte – und es hat zu langen Phasen geführt, in denen ich gar nicht schreiben konnte. Konkret erinnere ich mich daran, wie die Arbeit an „Lichter“ (vollendet) durch den Versuch ausgebremst wurde, den vierten Teil meiner „Silverstar“-Serie (nicht vollendet) zu schreiben. Schätzungsweise hat mich das ein Vierteljahr gekostet.

Deswegen war es für mich immer wichtig, eine Reihenfolge aufzustellen, was ich wann schreiben wollte. Und wenn ich einen Rat geben soll, wie man das am besten für sich sortieren kann, dann rate ich dazu, tief in sich hinein zu hören, zu welchem Projekt man sich bereit fühlt.

Im Spätsommer 2011 wurde ich aus einer langen klinischen Behandlung entlassen – und ich kam mit einer Idee nach Hause. Der Idee zu einem Roman, der in eben dieser Klinik spielen sollte und in dem einige der Personen, die ich dort kennenlernte, in verfremdeter Form ihren Auftritt haben sollten.

Ich habe diesen Roman aber nicht schreiben können, weil ich innerlich noch nicht bereit dazu war. Ich hatte einen Aufhänger, ich hatte ein Figurenensemble und ich hatte auch schon fast die Auflösung. Eigentlich alles, was man braucht, um einen Roman zu schreiben – zumal einen, der groß einsortiert ein Krimi ist.

Aber ich hätte ihn nicht schreiben können. Zum einen hatte ich zu lange keinen Roman mehr beendet. Das letzte abgeschlossene Projekt war das Jugendbuch für meine Tochter aus dem Jahr 2009, davor und danach kämpfte ich mit „Darkride“, kam aber auf keinen grünen Zweig.

Was tat ich also? Ich prokrastinierte vor mich hin und schrieb gar nichts. Weil ich mich selber durch den Gedanken blockierte, dass genau dieses Buch jetzt geschrieben werden müsste.

Bis mir dann eine Freundin den „Befehl“ gab, dass mein nächster Roman so heißen müsse, wie ein Satz, den ich ihr in einer E-Mail geschrieben hatte: „Der Morgen danach“.

Diesen Roman schrieb ich in (für mich) absoluter Rekordzeit und als ich dem Ende entgegen kam, stand ich auf einmal wieder vor der Frage, was ich denn danach schreiben wolle. Zwei Kandidaten standen auf der Matte: „Darkride“, das ich nun doch endlich schreiben wollte, und das Klinikbuch „Das Haus am See“.

Geschrieben habe ich weder das Eine noch das Andere, weil mir eines Morgens, stilecht unter der Dusche, die Idee für einen Thriller kam. Es entstand „Der Rezensent“. Die Zeit war einfach noch nicht reif.

Das Jahr 2011 ging zu Ende, Anfang 2012 war „Der Rezensent“ fertig und jetzt signalisierten mir mein Verstand und vor allem mein Gefühl, dass die Klinik weit genug zurücklag, um das, was dort geschehen war, in eine Romanhandlung integrieren zu können. Und – weil ich wusste, dass es ein langes Buch werden würde – ich hatte genügend Selbstvertrauen getankt, dass ich dieses Projekt würde abschließen können. Was ich dann nach etwas über sieben Monaten auch tat.

Jetzt habe ich viel von mir erzählt, aber ich hoffe, dass daraus abgeleitet werden kann, was ich meine und für wichtig halte: Auch wenn es so aussieht, so ist nicht jedes Projekt gleich „wichtig“ wie die anderen. Oder es ist nicht gleich „leicht“ wie die anderen.

Ein plakatives Beispiel: wenn ich gerade eine unglückliche Beziehung lebe, ist nicht der Zeitpunkt, Friede, Freude und Eierkuchen zu beschreiben, weil die Gefahr besteht, dass mein eigenes Erleben der Story im Weg steht.

Wenn ich also die Frage der geschätzten Bloggerkollegin ganz konkret beantworten soll, dann sage ich ihr:

Lege deine drei bis vier Ideen als Zettel vor dir hin und schau sie dir genau an. Ist ein Projekt dabei, das du zwar toll findest, bei dem du dir aber unsicher bist, dass du es gut genug schreiben kannst, um deinen Ansprüchen gerecht zu werden? Dann lege es nach hinten. Die Antwort, dass du dir bei allen Projekten nicht sicher bist, ihnen gerecht werden zu können, lasse ich nicht gelten. Denn das wird es nicht geben, wenn du ehrlich zu dir bist!

Nun weiter: gibt es eine Idee, bei der du dir noch nicht sicher bist, wo sie dich eigentlich hinführen soll? Dann würde ich dir raten, diese auch nach hinten zu legen, denn dies ist der NaNo und da kommt es auf Quantität an. Da du noch nicht wirkliche Erfahrungen darin hast, Romane zu schreiben, ist meiner Meinung nach die Gefahr zu hoch, dass du steckenbleibst, wenn du nicht weißt, wie es zumindest grob weitergehen soll.

Gibt es eine Geschichte, die auf Erfahrungen von dir basiert, die allerdings im Moment eher weh tun, weil diese Erfahrungen mies geendet sind? Eigentlich perfekt, um eine Story mit Gefühl zu schreiben. Wichtig ist nur, dass du es schaffst, diese Gefühle so zu kanalisieren, dass der Leser sich nicht hinterher fragt, ob er eigentlich eine Geschichte oder eine Autobiographie liest. Zumal letzteres wohl auch nicht in deinem Interesse wäre, glaube ich.

Du siehst, ich kann dir höchstens Fingerzeige geben, aber keine Entscheidung abnehmen. Denn ich kenne deine Ideen nicht und ich kenne den Punkt in deinem Leben, an dem du dich befindest, nicht.

Was ich aber tun kann ist, dir Mut zu machen! Manchmal fallen die Puzzleteile einfach ineinander, wenn man erst einmal angefangen hat, sie zu legen. Und ich traue dir zu, ein fantastisches Puzzle zu legen!

Du wirst die richtige Geschichte finden, oder sie findet dich. Lass dich darauf ein, hör ihnen zu und schau sie dir genau an. Ich würde mich freuen, wenn meine kleinen Plaudereien aus dem Nähkästchen dir vielleicht ein wenig dabei helfen konnten, einen Weg zur Wahl zu finden.

Soweit meine Antwort an die geschätzte Kollegin! Wenn es Sachen gibt, zu denen euch meine Meinung interessiert, dann schreibt mir doch einfach über das Kontakt-Formular!

Und jetzt entschuldigt mich, denn, wie gesagt, der NaNo läuft und ich habe heute noch kein Wort geschrieben. Die 1.100+ aus diesem Artikel zählen nämlich leider nicht ;-).

Ich wünsche euch noch einen schönen Mittwoch – und ganz besonders natürlich dir, werte Kollegin!

Schreiben in der Komfortzone

Irgendwann bin ich zum ersten Mal auf den klugen Spruch gestoßen, dass jeder Autor ein Thema hat, über das er schreibt. Manche nennen es den Subtext des vorliegenden Textes, manche gehen in ihrer Interpretation auch noch viel weiter. Ich habe mich immer gefragt, ob es wirklich so ist, dass es Themen gibt, die so universell sind, dass sie in jeder Arbeit eines Autors durchscheinen. Und es dann für mich eigentlich verneint.

Vielleicht musste ich wirklich erst so alt werden, wie ich heute bin um zu wissen, dass es vielleicht Themen gibt, die ich noch nicht in meinen Romanen angepackt habe, die aber latent und unterdrückt doch immer da sind.

Ich schreibe im Moment in einer Art literarischer Komfortzone, indem ich mich in den Genres Thriller, Krimi oder Mystery bewege. Sicher, da kann auch alles passieren, aber es passiert auf eine andere Weise. Ich empfinde diese Genres als weiter weg von den tatsächlichen Triggerpunkten, um einen Begriff aus der Psychotherapie zu missbrauchen benutzen.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich irgendwann den großen gesellschaftsrelevanten Roman des 21. Jahrhunderts schreiben werde – nur echt mit Besprechung im Feuilleton der FAZ. Aber ich merke, wie ich mich für manche Themen einfach noch nicht reif genug fühle. Es nicht schaffe, sie in angemessener Form zu Papier zu bringen. Vielleicht, weil es zu schmerzhaft wäre, es zu tun?

Viele Autoren verarbeiten persönliche Erfahrungen. Für manche hat es auch eine kathartische Wirkung. Diese Katharsis kann ich für mich im Moment noch nicht erkennen. Deswegen bleibe ich wahrscheinlich besser bis auf Weiteres in meiner relativen Komfortzone, die ich mit Romanen wie „Lichter“ und „Das Haus am See“ schon einmal ganz vorsichtig verlassen habe – was diese beiden Geschichten zu meinen wohl persönlichsten Texten macht.

Muss ein Autor sich an sein Thema heranwagen? Die Gelehrten sagen: Ja! Aber die Gelehrten sind auch die ersten, die mit ausgestrecktem (und nicht immer sauber gewaschenem) Zeigefinger auf die vermeintlichen Schundautoren zeigen, die ihr literarisches Potential nicht abrufen. Es vielleicht gar nicht wollen.

Mir ist heute wieder einmal, in ganz anderem Zusammenhang, klar geworden, dass es Themen gibt, die für mich wichtig sind und von denen ich glaube, dass es mir gut tun würde, sie in einer Geschichte zu verarbeiten. Aber ich akzeptiere auch, dass das Zeit braucht. Die richtige Zeit. Und dass es nichts bringt, wenn ich es forciere.

Schadet die Komfortzone meiner Schreiberei? Nein. Jeder Text, den ich schreibe, ist ein Text, der mich voran bringt. Selbst meine Blogbeiträge bringen mich in meiner Identität als Autor weiter. Das erkannt zu haben gibt mir ein gutes Gefühl.

Und wenn ich doch irgendwann im Kulturteil der FAZ besprochen worden sein sollte, dann verspreche ich euch, seid ihr die ersten, die es erfahren!