Der Sonntagsreport vom 22.04.2018 – Viel passiert gerade nicht

Guten Abend zusammen!

Ich denke, dass ihr mir in Bezug auf die Überschrift über den heutigen Beitrag alle zustimmen werdet. Viel passiert auf diesem Blog im Moment wirklich nicht. Das hat bestimmte Gründe, die sich wiederum in meiner Motivation niederschlagen. Aber das soll euch nicht behelligen. Mich behelligt es auch nur mal so und mal so und insofern ist es schon okay.

Ich muss meine Energie gerade ein wenig einteilen, glaube ich. Wo es in der Vergangenheit häufig genug gereicht hat, einen Blogeintrag und gleichzeitig noch an meinem Romanmanuskript zu schreiben, ist es im Moment wieder einmal eine entweder/oder-Geschichte. Und da gewinnt zumeist das Manuskript.

Was jetzt nicht bedeutet, dass ich da die ganz großen Sprünge machen würde. Aber seit ich mich mit meinem Plot auseinandergesetzt und diesen inzwischen richtig lieb gewonnen habe, läuft es doch ganz gut. Hier mal tausend Wörter, dort man zweitausend, dann auch mal wieder „nur“ 600. Hauptsache, es läuft, denke ich mal.

Und ansonsten gibt es halt nicht so viel zu erzählen. „Der Beobachter und der Turm“ liegt bei einer weiteren Literaturagentur auf dem Bewerbungsstapel. Glaubt es, oder glaubt es nicht, ich habe es immer noch nicht geschafft, mir das Video zur Lesung bei 9lesen anzuschauen. Das war in den letzten zwei Wochen irgendwie so gar nicht drin. Aber irgendwann vor der nächsten Lesung, die es sicher irgendwann geben wird (vielleicht schaffe ich ja schon Frankfurt?) schaue ich sie mir an. Alleine schon, um daraus zu lernen.

Viel mehr kann ich euch zum Thema Schreiben auch nicht berichten.

Ansonsten versuche ich, halbwegs gut durch die Tage zu kommen. Das Wetter mit seinen Kapriolen macht es mir da nicht immer ganz leicht. An einigen Tagen der letzten Zeit habe ich einfach nur in den Seilen gehangen und bin dann auch mal früh ins Bett gegangen. Gut für den Kopf, schlecht für die Hobbies. Aber jetzt soll die Hitzewelle ja auch erst einmal wieder vorbei sein.

Heute habe ich übrigens zum zweiten Mal den Film „Es“, also die Neuverfilmung, gesehen. Gefällt mir wirklich gut, auch wenn er mit den Motiven des Buchs eher frei umgeht. Die Kunst liegt aber darin, dass es nicht störend oder gar negativ auffällt. Erst wenn man gezielt drauf achtet oder die Handlungen im Vergleich Revue passieren lässt, wird es sehr deutlich. Das tut man, oder tue ich, aber erst nach dem Film. Während er läuft ist die Handlung so rasant und sind die Schocks so gut gesetzt, dass man einfach mitgerissen wird.

Der Film hat seine Schwachpunkte. So kommen einige der sieben „Verlierer“ viel zu wenig zur Geltung. Der „Endkampf“ ist schlicht und ergreifend eine Enttäuschung. Aber die Stärken überwiegen. Und auch bei der Zweitsichtung bin ich der Ansicht, dass wir von der Darstellerin der Beverly Marsh, Sophia Lillis, noch hören werden – oder wenigstens sollten. Ich bin auf den zweiten Teil gespannt, aber der lässt ja noch ein wenig auf sich warten.

Dann habe ich in den letzten Tagen und Wochen einen Ohrwurm, den ich noch gerne mit euch teilen möchte. Es handelt sich um das Lied „World of Promises“ der österreichischen Band mind.in.a.box.

Diese erzählen nun schon über mehrere Alben hinweg eine fortlaufende Geschichte, die unter anderem an Versatzstücke von „1984“ oder auch „Matrix“ erinnert. Konzeptalbum reiht sich also an Konzeptalbum. Der Vocoder-Gesang ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich finde, dass gerade durch diesen Technikeinsatz eine enorme Atmosphäre und auch Gefühle transportiert werden, was bei einem klaren Gesang so nicht der Fall wäre:

Und last, but not least, möchte ich euch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass auch ich mich mit dem momentanen Schreckgespenst der Netzgemeinde, der Datenschutzgrundverordnung, auseinandersetzen musste und zumindest meine Datenschutzerklärung entsprechend angepasst habe. Ihr findet sie über das Menü oben oder hier.

Gut, ihr Lieben, damit entlasse ich euch in den Sonntagabend. Ich wünsche euch einen guten Start in die kommende Woche. Passt auf euch auf und achtet darauf, dass die schönen Dinge in eurem Leben überwiegen.

Euer Michael

Leipziger Allerlei 2018 (7) Die #9lesen Videos sind da!

*** Breaking News ***

Wow, das ging schnell und kam dann heute doch fast ein wenig unerwartet. Ich wusste zwar, dass die liebe Babsi eifrig bei der Arbeit ist, um die Lesungsvideos aufzubereiten, aber dass bereits heute alle zur Verfügung stehen und auch veröffentlicht sein würden, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet.

Lange Rede: Ab sofort könnt ihr die Videos der #9lesen-Autoren, die einer Veröffentlichung zugestimmt haben, ganz bequem über die Website anschauen, wo sie als YouTube-Playlist eingebettet sind. Natürlich sind die Videos auch einzeln auf unserem YouTube-Kanal zu sehen.

Freut euch also auf Texte von Andrea Schrader, Hannes Niederhausen, Jana Tomy, Julia von Rein-Hrubesch, Magret Kindermann und Barbara Weiß.

Ach ja – und von mir auch. Ich muss gestehen, ich habe das Video in voller Länge noch gar nicht angeschaut. Da brauche ich das richtige Mindset für, glaube ich. Es ist halt immer noch ungewohnt sich selbst zu sehen und zu hören. Und das jetzt auch noch im Internet.

Aber gut, ich habe mir das so ausgesucht und ich finde, es gehört auch dazu. Wenn ich mich schon vor Live-Publikum nicht blamiert habe, dann tue ich das auch vor euch nicht.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß mit meiner Lesung aus „Der Beobachter und der Turm“. Knappe neuneinhalb Minuten, die ihr ruhig mal investieren könnt 😉 .

Leipziger Allerlei 2018 (5) Mein Text bei #9lesen zum nachlesen

Da der Wunsch geäußert wurde und weil die Bereitstellung des Mitschnitts noch ein wenig auf sich warten lassen wird (ganz ehrlich: Ich möchte den Job nicht haben!), veröffentliche ich den Text, den ich bei #9lesen gelesen habe, hier auf dem Blog.

Darüber, wie die Stelle zustande gekommen ist, habe ich ja hier schon ein wenig erzählt. Deswegen will ich euch gar nicht lange mit weiterer Exposition nerven, sondern komme direkt auf den Punkt.

Ich wünsche euch viel Spaß mit der Leseprobe aus „Der Beobachter und der Turm“ und freue mich natürlich über Feedback 🙂 !

Richard begann zu laufen. Er sah nicht mehr zurück und achtete auch nicht auf die Personen, die ihm entgegenkamen. Er wurde erst langsamer, als er wieder auf der Promenade stand. Er rannte nach links, ungeachtet der tief stehenden Wolken und des Regens, der sich aus ihnen ergoss. Etwas in ihm löste sich, der Knoten platzte und der Regen vermischte sich mit dem aus seinen Augen fließenden Wasser.

Jetzt wurde er langsamer, blieb endlich stehen. Er beugte sich nach vorne und war für einen Moment überzeugt, sich übergeben zu müssen. Alles an Demütigung und Scham, an zerstörter Hoffnung und erstmals auch Verzweiflung kam hervor.

»Ja«, sagte eine Stimme ton- und emotionslos neben ihm. Richard sah auf. Er sah in das starre und ausdruckslose Gesicht des Beobachters. Der Mann sah ihn an und doch war es, als würde er ihn gar nicht zur Kenntnis nehmen. Ein Blitz zerfaserte die Wolkendecke und in dem kurzen Lichtschein konnte Richard einen genaueren Blick in die Augen des Mannes werfen. Sie waren starr wie die von Reptilien.

»Verschwinden Sie«, sagte Richard leise, aber der Mann machte keine Anstalten. Stattdessen wandte er sich dem Meer zu und sah auf die sturmgepeitschte See hinaus. Richard ließ ihn gewähren. Es war ihm egal. Sollte der Kerl doch machen, was er wollte. Im Augenblick wollte er niemanden sehen. Er wollte gar nichts sehen.

»Da!« Es war ein kehliger Laut, wie von einem nichtmenschlichen Wesen, das mühsam versucht, die menschliche Sprache zu imitieren. Richard musste gegen seinen Willen aufsehen. Der Beobachter stand an der Promenade und starrte wieder auf die See.

Ein Verrückter. Er war überhaupt nur noch von Verrückten umgeben. Seine Frau war verrückt, weil sie auf einmal wieder versuchte, sich an ihn heranzuschmeißen. Die Hure war nymphoman und damit per Definition verrückt. Und daran, dass er selbst verrückt war, konnte es keinen Zweifel geben.

Und dieser Kerl hier? Der setzte den Verrücktheiten des Tages die Krone auf.

»Da!«, wiederholte die Gestalt.

»Halt den Mund!« Richard fuhr den Mann an und die Wut bekam ihm ausgesprochen gut. Er atmete, immer noch auf die Knie gestützt, zweimal tief durch.

Kurz wandte sich der Beobachter zu ihm und zum ersten Mal überhaupt wirkte es so, als würden sie sich gleichzeitig zur selben Zeit am selben Ort aufhalten. Richard fröstelte, als er die Augen sah. Nicht nur, dass sie starr waren, sie funkelten.

»Der Turm!«

Die Stimme wurde sicherer, ging Richard aber nach wie vor durch Mark und Bein. Doch dann reichte es ihm.

»So, jetzt pass mal auf. Ich habe dir im Guten gesagt, dass du verschwinden sollst. Du wolltest nicht hören. Eigentlich bin ich ein umgänglicher Mensch, aber …«

Er erzielte keinen Effekt. Richard stieß den Mann an, der nur ein wenig zur Seite wich. Und dann endlich sah Richard, was den Beobachter so in seinen Bann schlug.

»Was zum …«

Zwei Blitze folgten direkt aufeinander. Der Donner rollte über die See. Das Gewitter musste sich jetzt fast direkt über der Stadt befinden. Aber das alles störte in diesem Moment weder den Beobachter noch Richard. Der Anblick, der sich ihm bot, war viel zu unglaublich, als dass ein wenig Wetter noch eine Bedeutung hätte haben können.
Aus dem Meer, inmitten des alten Hafenbeckens, auf dem Fundament eines schroffen Felsen stehend, erhob sich ein Turm. Das Gebäude grenzte sich kaum gegen den fast schwarzen Himmel ab. Es war nur ein Schatten zwischen den heranrollenden Wellen und wenn die sich nicht an dem Felsen gebrochen hätten, dann hätte er an seiner Existenz gezweifelt.

»Der Turm!«

Richard schüttelte den Kopf, schloss krampfhaft die Augen, nur um sie wieder aufzureißen. Der Turm war immer noch da. Richard konnte nicht anders, als sich selbst eine Ohrfeige zu geben. Fest! Aber nichts änderte sich.

Weitere Blitze ließen keinen Zweifel daran zu, dass das Gebäude existierte.
Im Augenblick war es nur ein Schemen. Fast nicht zu sehen, aber doch zu sichtbar, als dass es einen Zweifel hätte geben können.

Dunkel, unheimlich und absolut unerklärlich. Und der Beobachter war in eine Art religiöse Verzückung geraten. Er stierte den Turm an und war nicht in der Lage, den Blick abzuwenden.

Richard zitterte. Die Kälte griff von innen und außen gleichzeitig nach ihm. Alle Gedanken froren ein und versperrten sich gegenseitig den Weg. Was er sah, ergab keinen Sinn.

Aber alles war Realität. Der verdammte Beobachter und der schreckenerregende Turm!

Der Beobachter hatte seine Lethargie abgeworfen und machte jetzt Anstalten, vor Begeisterung auf und ab zu hüpfen. Wenn es Antwort auf die Frage gab, was das hier war, dann gab es sie bei diesem Mann.

Richard hielt sich nicht mit Höflichkeit auf, er packte die Schulter des Mannes, drückte fest zu und musste doch erleben, wie er trotz aller Kraftanstrengung fast mit in die Luft gehoben und um die eigene Achse gedreht wurde bei jedem Satz, den die Gestalt machte. Wo holte diese skelettartige Figur nur ihre erstaunliche Kraft her?

»Was ist das da?«

»Der Turm!«

Möwen kreischten im Wind, irgendwo über ihm und zogen sich dann ins Landesinnere zurück. Richard wusste, dass das genau das war, was auch er tun sollte.
Aber noch konnte er sich nicht losreißen, war wie festgefroren. Das hier war unmöglich, einfach nicht real!

Der Beobachter hatte sich längst gelöst und drehte sich jetzt zu Richard um. Eine Sekunde später lag dieser auf seinem Rücken auf der kalten und regenüberfluteten Promenade. Der Beobachter hatte ihn einfach über den Haufen gerannt.

Der Regen schlug Richard ins Gesicht. Am liebsten wäre er einfach so liegen geblieben und hätte gewartet, bis dieser Wahnsinn ein Ende nahm. Irgendwann musste die Sonne wieder aufgehen und dann würde sich alles in Wohlgefallen auflösen. Es musste einfach alles wieder normal werden.

Aber etwas sagte ihm, dass er in Gefahr war, wenn er einfach hierblieb. Mühsam rappelte er sich wieder auf und der erste Blick ging zu dem schwarzen Turm, der alt und verfallen aussah, gleichzeitig aber wie ein Fanal der Bedrohung.

Der Beobachter rannte in einem irrsinnigen Tempo über die alte Mole. Wieselflink erreichte der schattenhafte Umriss, den Richard immer nur dann sehen konnte, wenn ein weiterer Blitz den Himmel erhellte, ihr Ende.

Richard sah noch einmal auf das Gebäude. Es bereitete ihm eine Form von mentalem Schmerz. Er konnte es immer noch nicht akzeptieren.

Als er wieder nach dem Beobachter schaute, stellte er fest, dass der Mann nicht mehr zu sehen war. Er musste ins Wasser gesprungen sein, um zu seinem Turm zu schwimmen, oder …

»Oder er ist einfach verschwunden«, sagte Richard und der Wind riss die Worte von seinen Lippen. »Genauso, wie er es bei jeder anderen Begegnung getan hat.«

Das war zu viel für ihn. Wenn er auch nur noch einen Moment länger hierblieb, dann würde er wahnsinnig werden. Oder er sprang selbst ins Wasser und brachte sich um. Irgendwas, nur um dem hier nicht mehr ausgesetzt zu sein.

Er zwang sich, wozu es großer Kraft- und Willensanstrengung benötigte, sich umzudrehen und mit von der See abgewandtem Kopf direkt auf einen der Durchgänge zur Innenstadt zuzuhalten. Über ihm kreischten wieder die Möwen, aber er ignorierte sie. Er durfte nicht zurücksehen. Er musste vergessen, was er gesehen hatte!

Richard ging schneller, verfiel in einen leichten Trab. Und als er in seine Straße abbog, war er schon lange am Rennen.

Aus dem Schatten der Häuserwand aber löste sich eine dunkle, in der Finsternis nicht näher auszumachende Gestalt. Auch die Blitze erhellten weder sie noch ihre Gesichtszüge. Deswegen hätte Richard sie wahrscheinlich nicht einmal dann gesehen, wenn er zufällig in ihre Richtung geblickt hätte. Mit unmenschlich schnellen Schritten bewegte sie sich auf den Eingang des Bordells zu, gab ein zischendes Geräusch von sich, richtete sich auf und verschwand dann um die nächste Häuserecke.

Leipziger Allerlei 2018 (1) #9lesen kann kommen!

Auch in diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, zumindest ein wenig von meinem Messeerlebnis auf der Leipziger Buchmesse zu berichten. Und ich dachte mir, ich könnte genauso gut jetzt schon damit anfangen.

Heute habe ich mir eine große Liste mit Dingen geschrieben, die ich auf keinen Fall vergessen darf, mitzunehmen. Und ganz oben stand, wie nicht anders zu erwarten, der Leseausschnitt, den ich für #9lesen ausgesucht habe.

Für die Lesung habe ich den Zeilenabstand vergrößert und die Schriftgröße heraufgesetzt. Damit verteilen sich die rund 1.300 Wörter jetzt auf ganze fünf Seiten. Muss ich halt zwischendurch ein wenig blättern. Aber das ist mir lieber, als dass ich hinterher das Papier genau vor mein Gesicht halten muss, weil ich sonst nichts erkennen kann.

Wobei … vielleicht wäre das ja die bessere Alternative? 😉

Wir werden es sehen, wenn hinterher der Videomitschnitt verfügbar ist. Falls ich den überhaupt freigebe. Ich mag meine Stimme nicht, wenn sie aufgenommen wird, ich stehe Fotos von mir eher skeptisch gegenüber, aber ein Video. Ja, nee, ist klar.

Aber gut, die Vorbereitungen sind soweit durch, die Kolleginnen und Kollegen, die sich um die Technik kümmern, sind für alle Eventualitäten gerüstet und jetzt kann die Lesung eigentlich kommen.

Nein, das negiert nicht meinen Beitrag von vorgestern. Aber so langsam komme ich an den Punkt, wo ich akzeptiere, dass es nun einmal bald soweit ist und dass es jetzt auch „sein muss“. Das ist ein geringfügiger Unterschied.

Die Erleichterung und hoffentlich auch der Stolz, es durchgezogen zu haben, kommt dann hoffentlich hinterher. In ungefähr 48 bis 49 Stunden wissen wir alle mehr.

Wollt ihr einen Blick auf meinen Lesungstext werfen? Dann hier, bitteschön, der Anfang davon:

Mehr gibt es erst am Freitag im Irish Pub – oder halt danach 🙂 . Und falls ihr noch einmal die Infos zur Lesung haben wollt, die findet ihr hier.

#9lesen – Was ich lese und warum ich es lese

Kinder, wie die Zeit vergeht. Inzwischen sind es nur noch neun Tage, bis für mich nicht nur die Leipziger Buchmesse losgeht, sondern bis ich am Abend des 16.03. auf einer Bühne stehen werde, um aus einem meiner Texte vorzulesen.

Wie ich ja schon in dem kleinen Interview, das ich mit mir selber geführt habe, verraten habe, werde ich aus meinem Roman „Der Beobachter und der Turm“ vorlesen. Es war die logische Wahl. Wenn wir, mein Verlag und ich, im Reifeprozess für „Der Morgen danach“ schon weiter gediehen wären, dann wäre ich vielleicht auf diesen Roman umgeschwenkt, aber da ist im Moment noch zu viel im Fluss. Dasselbe gilt für das Projekt, an dem ich gerade schreibe, der ehemaligen Kurzgeschichte „Das Kind“ – die noch einen neuen Namen erhalten wird.

Ich habe einfach beschlossen, dass der „Beobachter“ an der Reihe ist. Nicht zuletzt ja auch, weil ich nun versuche, für ihn eine Veröffentlichungsmöglichkeit aufzutun. Das hat zwar keinen direkten Bezug zur Lesung, aber irgendwie hat es doch etwas davon, seinen Marktwert ein wenig zu testen.

Dabei kann ich nur noch einmal sagen, dass ich selbst von diesem Roman überzeugt bin. Muss ich wohl sein, wenn mir das Ding auch anderthalb Jahre nach seiner Fertigstellung und über siebzehn Jahren seit seiner rudimentären Erstfassung nicht aus dem Kopf geht.

Woraus ich lesen würde, stand also relativ schnell fest. Ein wenig schwerer habe ich mich mit der Wahl getan, was genau ich denn vorlesen möchte. Die Textstelle sollte einigermaßen prägnant sein, sie sollte Lust auf Mehr machen und sie durfte vor allen Dingen nicht zu lang sein. Da wir bei #9lesen mit, Überraschung, neun Autoren auf der Bühne sein werden, hat jeder von uns runde zehn Minuten Zeit für sich. Ansonsten würde der Abend eine unendliche Geschichte werden und kein Publikum der Welt hat unendliche Geduld.

Nun gehöre ich zu den Autoren, die schon mal ein wenig länger brauchen, bis sie in einer Szene auf den Punkt kommen. Eine weitere Schwierigkeit, die zu umschiffen war. Dazu kommt die Struktur des „Beobachters“. Auch wenn ich ihn nominell in die Sparte Horror einsortieren würde, nimmt er sich eine relativ lange Anlaufzeit, bis er endgültig in diese Richtung schwenkt. Nicht umsonst nenne ich ihn auch manchmal spaßeshalber meinen eigenen „Stephen-King-Roman“.

Allerdings gibt es in diesem Roman, ebenfalls der Struktur geschuldet, den einen Moment, in dem die Stimmung endgültig kippt. Nachdem es vorher leise Andeutungen gegeben hat, dass im Leben meines Protagonisten Richard Lenhard nicht alles mit rechten Dingen zugeht, ist ab dieser Szene klar, woher der Wind weht. Und zwar immer schön in Richards Gesicht. Das macht diese Szene zu einer sehr guten Stelle, um sie vorzulesen. Es wird sozusagen alles geboten, was der Titel verspricht.

Aber dadurch, dass ich mir dann doch ziemlich schnell einig mit mir selbst war, dass ich diese Szene lesen wollte, hatte ich andererseits noch viel Gelegenheit, mir die Frage zu stellen, ob das denn wirklich eine gute Wahl ist.

Sicher, es gibt horriblere Stellen im Manuskript. Stellen, die vielleicht auch repräsentativer für den Roman wären. Aber trotz aller Zweifel komme ich immer wieder zu dem Punkt, dass ich glaube, eine passende Passage gefunden zu haben: Eine Passage, die zeigt, was im Manuskript steckt, die gleichzeitig einen Entwicklungspunkt markiert und, nicht ganz unwichtig, recht gut für ein Publikum einzuordnen ist, das vorerst nicht mehr von dieser Geschichte zu hören und zu sehen bekommen wird als das, was ich in neun Tagen vorlesen werde.

Jetzt muss ich das Ganze noch zwei- oder dreimal üben und schauen, ob ich noch einige Sätze kürzen muss, um auf eine passende Zeit zu kommen. Mein letzter Lesedurchgang tickte bei etwas mehr als acht Minuten ein, was mir zwei Minuten für Intro und Outro lässt. Ob das reichen wird, das muss ich sehen. Ich werde jedenfalls meine Einleitung nicht vom Blatt ablesen, das habe ich mir fest vorgenommen.

Und ansonsten vertraue ich darauf, dass mich jemand rechtzeitig von der Bühne zerrt 😉 .

Merkt man eigentlich, dass ich langsam aufgeregt bin? Nur noch neun Tage – Kinder, wie die Zeit vergeht!

Acht Wochen sind ‚rum, die nächste Agentur bitte

Kinder, wie die Zeit vergeht. Erinnert ihr euch noch an den 28.12.2017? Weihnachten lag hinter uns, das Jahr in den letzten Zügen und die ganzen Katastrophen, die meine kleine Welt zum Jahresbeginn ereilen sollten, noch in der Zukunft.

Damals habe ich euch davon berichtet, dass ich meine erste Bewerbung bei einer Literaturagentur auf den Weg gebracht habe, namentlich bei der Michael Meller Agency. Diese Agentur hatte es sich vorab ausbedungen, acht Wochen lang exklusiv über dem eingereichten Exposé zu „Der Beobachter und der Turm“ brüten zu dürfen. So, wie sie zum gleichen Zeitpunkt sicherlich über hundert anderen gebrütet haben.

Nun, da die acht Wochen jetzt vorbei sind und ich nichts gehört habe, kann ich mich nach den Regeln des Business als abgelehnt betrachten. Und soll ich euch was sagen? Es macht mir erstaunlich wenig aus.

Gut, vor ungefähr einer Woche, als ich auf den Kalender sah, um festzustellen, dass es nur noch wenige Tage sind, in denen eine Rückmeldung zu erwarten stünde, habe ich schon mal sanft geschluckt und mir überlegt, wie es danach dann weitergehen soll. Denn, seien wir mal ehrlich, natürlich hört man lieber, dass man da was ganz Tolles geschrieben hat, als das Gegenteil. Oder, in diesem Fall, man hört halt gar nichts.

Aber ich bin Realist. Und als solcher war es von Anfang an meine Erwartungshaltung, dass es nicht auf Anhieb klappen würde. Ich meine, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Manuskripte jeden Tag in irgendeinem Posteingang landen, wieso sollte es dann ausgerechnet meins sein, das gesteigerte Aufmerksamkeit bekommt?

(Weil es gut ist, verdammt nochmal! 😉 )

Tatsächlich habe ich aber vor allem meinen inneren Pessimisten erstaunlich gut im Griff. Als der kurz sein hässliches Haupt reckte, um zu Protokoll zu geben, dass ich mir jede weitere Bewerbung sparen kann, weil mich sowieso alle Agenturen ablehnen werden, bekam er eins mit dem Manuskript übergebraten und zieht es seitdem vor, zu schweigen.

Ich werde also hinter diese Bewerbung einen Haken machen (für dieses Mal) und mich der nächsten Agentur zuwenden, bei der ich mein Glück versuchen will. Ich begreife dies als Möglichkeiten und Chancen, nicht als Notwendigkeit oder gar Qualitätsmerkmal. Manchmal kommt man einfach zur falschen Zeit mit dem falschen Stoff. Das ist dann so und sagt nichts über meine Fähigkeiten als Autor aus.

In diesem Sinne: Acht Wochen sind ‚rum, die Nächste bitte. Vielleicht schaffe ich es schon am Sonntag, die Unterlagen zusammenzustellen. Und wenn nicht, dann eben nächste Woche. Ich habe ja schließlich Zeit.

Und werde euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten 🙂 .

Ich bin, ich kann, ich habe. Oder: Bewerbung bei einer Literaturagentur

Die Unterlagen sind zusammengestellt. Das Exposé wurde mit Geduld, Spucke und einer großen Schere auf die geforderten zwei Seiten (Maximum) zurecht geschnippelt. Die Leseprobe hat die benötigten 30 Seiten. Auch wenn mich stört, dass sie mitten in einem Absatz endet: So sind die Regeln. 30 Seiten heißt 30 Seiten. Nicht 29 und nicht 31. Man will ja zeigen, dass man in der Lage ist, die Ausschreibungsbedingungen zu lesen.

Die Kurzvita ist schon ein wenig schwerer. Was soll man reinschreiben, was lässt man draußen? Ich entschließe mich dazu, einiges von dem, was noch vor einem Jahr, als ich mich mit „Der Morgen danach“ bei meinem Verlag beworben habe, drin gewesen ist, rauszuwerfen. Ich fühle mich nicht mehr besonders wohl mit diesen Passagen und deswegen ist es wohl das beste, sie einfach zu eliminieren.

Was dann noch fehlt, ist nur noch eine Formsache. Das Anschreiben. Die Bewerbung.

Und dann sitze ich wie ein kleiner Doofie vor meiner Tastatur und starre auf die leere Seite meines Schreibprogramms. Tippe die ersten Worte: „Sehr geehrte Damen und Herren“. Lösche sie wieder. Leider ist auf der Homepage der Agentur kein konkreter Ansprechpartner erkennbar. Deswegen komme ich um eine unpersönliche Anrede nur schwer herum.

Ich atme tief durch, überlege kurz und ergänze dann: „Sehr geehrtes Team der Agentur xy, sehr geehrte Damen und Herren“. Das gefällt mir immer noch nicht, aber ich kann mir ja nicht einfach irgendeinen aus dem halben Dutzend auf der Webseite aufgeführten Agenten herauspicken. Zumal auch die E-Mailadresse eine anonyme ist. Leicht macht man es einem dort wirklich nicht.

Aber gut, die Anrede ist geschrieben. Und dann starre ich wieder auf das nur noch fast leere Blatt und überlege mir, was ich schreiben soll.

Ich möchte mich um eine Zusammenarbeit bewerben. Aber ist „bewerben“ eigentlich das richtige Wort? Die Webseite spricht davon, dass ich ein Angebot zur Zusammenarbeit mache. Aber ich kann doch nicht einfach schreiben: „Ich biete Ihnen an, mit mir zusammen an meinem Manuskript zu arbeiten“. Wie hört sich das denn an? Wohl größenwahnsinnig geworden, wie!?

Wie bewirbt man sich, wenn man nicht schreiben will, dass man sich bewirbt, weil es vielleicht zu unterwürfig klingt? Ich versuche herauszufinden, wie genau das Anschreiben an meinen Verlag damals gelautet hat. Aber irgendwie hilft mir das nicht weiter, denn ich hatte ganz andere Voraussetzungen. Und das Anschreiben an den zweiten Verlag, an den, bei dem ich mich mit „Der Beobachter und der Turm“ schon einmal beworben hatte, ist irgendwie Verschütt gegangen. Einfach weg! Bestimmt so gut weg sortiert, dass ich es selber nicht mehr finde.

Durchatmen. Ich kann das. Ich bin gut in so was. Es ist unter anderem mein Job, Menschen anzuschreiben und ihnen im Zweifel sogar zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Nein, falsch, vollkommen falscher Ansatz. Die Agentur soll nichts für mich tun und sie soll schon gar nichts für mich lassen. Sie soll mit mir zusammen arbeiten und die Unterlagen, die ich zusammengestellt habe, sollen mein Türöffner für diese Zusammenarbeit sein.

Ich erinnere mich an das, was ich mal über Stellenbewerbungen gelernt habe. Ist jetzt auch schon über 24 Jahre her, dass ich mich auf eine Stelle beworben habe. Aber ich weiß noch, dass es immer gut aussieht, wenn man kurz schreibt, wieso man eigentlich genau da, wo man nun hinschreibt, gerne arbeiten würde. Oder in diesem Fall halt zusammenarbeiten würde.

Ich schreibe einen entsprechenden Absatz. Ungefähr drei Mal, bis er halbwegs so aussieht, als ob er von mir stammt und nicht aus irgendeinem Ratgeber abgeschrieben ist. Es hilft ungemein, dass ich mir zwischendurch bewusst werde, dass ich schreibe, als hätte ich ein Lineal verschluckt. Nachdem ich es mühsam hervorgewürgt habe, geht es besser.

Nächster Absatz. Das ist einfach. Ein kurzer Pitch, worum es in dem Roman geht. Moment – habe ich wirklich das Gefühl, dass das einfach ist? So ziemlich das Schwierigste, was man machen kann: Kurz und knapp die eigene Story zusammenfassen?

Meine Güte, wie schwer muss mir der Rest fallen, wenn ich das auf einmal als einfach empfinde!

Los, ich muss zum Ende kommen, ansonsten bekomme ich entweder die Kopfschmerzen des Jahrhunderts oder ich bringe das gar nicht mehr fertig.

Schlussformel. Auch hier habe ich mal was gelernt, nämlich, dass man den Konjunktiv so gut es geht vermeiden soll. Ich bin hier, weil ich ein Angebot habe, das ihr eigentlich nicht ausschlagen könnt! Ich muss nicht „hoffen“ oder „würden“.

Mit so viel Mumm, wie ich aufbringen kann, schreibe ich: „Ich freue mich, wenn die beigefügten Unterlagen Sie in Bezug auf eine Zusammenarbeit überzeugen.“

Mit Mühe unterdrücke ich den Nachsatz: Und das werden sie! Denn das wäre nicht nur gelogen, sondern auch mehr als nur zwanzig, eher zweiundzwanzig, Schichten zu dick aufgetragen.

Dann lese ich das Ganze durch. Einmal, zweimal, dreimal, sechsmal. Suche Fehler, finde keine. Suche noch einmal, weil ich mir selbst nicht traue. Füge die Dateien an, checke auch diese zweimal gegen.

Alles passt.

Nur noch auf „Senden“ drücken. Aber das Gefühl kenne ich ja inzwischen, wie schwer es ist, diesen Button zu drücken, wenn es um das eigene Schreiben geht. Ihn zu drücken ist am Ende fast so leicht wie das Pitchen meiner Geschichte.

Und jetzt heißt es warten. Ungefähr acht Wochen lang. Dann wird der Frühling schon fast an die Tür klopfen.

Eine Agentur hätte da mal ein paar Fragen

Wie ich euch angekündigt hatte, habe ich mich in den letzten Tagen auch wieder, zumindest ein wenig, mit dem Thema Literaturagenturen beschäftigt. Ich war ja vor geraumer Zeit hingegangen und hatte mir eine Liste mit den Agenturen erstellt, bei denen ich mir zumindest Hoffnung mache, dass sie einen Roman wie den meinigen vertreten könnten.

Eine der ausgewählten Agenturen ist mir dabei gleich aufgefallen, weil sie sich von den Formalia anderer Mitbewerber ein wenig abhob: Die Michael Meller Literary Agency in München.

Was so gut wie allen Agenturen gemein ist, sind die an sie zu sendenden Unterlagen. Das sind die Vita, das Exposé, die Leseprobe. Bei dieser Agentur kommt allerdings noch ein weiteres Dokument hinzu, das ich so zumindest nicht bei den Agenturen gefunden habe, mit denen ich mich näher befasst habe: Ein Fragebogen.

Ein Fragebogen ist zunächst einmal etwas relativ normales. Wir begegnen ihnen oft unbewusst relativ häufig in Form von Vordrucken für unsere Versicherung, in Form von Umfragen für Meinungsforschungsinstitute oder auch als Psychotest in irgendwelchen Zeitschriften. Das Internet ist mit seinen Formularen geradezu ein Hort der Fragebögen.

Aber dennoch war dieser Fragebogen für mich etwas besonderes, weil er mir Fragen stellte, mit denen ich in dieser Weise noch nicht konfrontiert war und die deswegen auch nicht leicht zu beantworten waren.

Dabei startet alles ganz harmlos mit meinem Namen, der Anschrift und dem Titel des Romans. Die Frage danach, in welchem Stadium sich mein Text befindet, ist ebenfalls leicht ausgefüllt. Beim Genre zucke ich immer schon ein klein wenig zusammen, weil es das Genre, das ich für das richtige halte, nicht mehr in allen Buchhandlungen gibt. Meine Geschichte ist eine Horrorgeschichte mit Thrillerelementen. Früher hätte sie im Regal des Händlers bei „Horror“ gestanden, heute findet man dergleichen aber auch des Öfteren mal bei der „Fantasy“, was ich übrigens für ziemlichen Quatsch halte.

Also habe ich hingeschrieben, dass es sich um einen Horrorroman handelt. Man muss die Dinge beim richtigen Namen benennen. Und nachdem ich das hinter mich gebracht hatte, lag auch die Zielgruppe für meinen Roman auf der Hand: Menschen, die Romane lesen, in denen das Übernatürliche langsam Einzug in und die Kontrolle über ihr Leben gewinnt.

Das zu wissen machte es aber dennoch nicht leichter, die nun folgende Frage zu beantworten. Mit welchen auf dem Markt befindlichen Büchern lässt sich mein Roman vergleichen?

Ich weiß natürlich, welchen Schriftstellern ich „nachgeeifert“ (das bedeutet nicht: kopiert) habe. Nicht umsonst bezeichne ich „Der Beobachter und der Turm“ gelegentlich auch als meinen höchst eigenen Stephen-King-Roman. Aber es ist etwas ganz anderes, im Spaß zu sagen, dass das ein guter Vergleich ist, und es allen ernstes in so einen Fragebogen zu schreiben! Ich meine, wer bin ich denn, dass ich mich auf eine Stufe mit King und einigen anderen Autoren, die ähnliche Werke verfassen, stelle?

Größenwahnsinn war das Wort, das auf meiner inneren Anzeigetafel blinkte. Aber der Vorspruch des Fragebogens forderte mich dazu auf, die Beantwortung der Fragen ernst zu nehmen. Wenn ich das tat, dann konnte ich nichts anders machen. Dann musste ich hinschreiben, was sich für mich richtig anfühlte.

Dagegen war der Rest des Fragebogens ein Kinderspiel. In der Disziplin, den Inhalt meines Romans in ein paar wenigen Sätzen wiederzugeben, bin ich inzwischen zwar immer noch kein Experte, aber doch immerhin gut genug bewandert, dass ich nicht sofort Schweißausbrüche bekomme. Bevor das Ganze in die Post geht, werde ich aber selbstverständlich noch einmal darüber lesen und schauen, ob mir noch was besseres einfällt.

War mein Roman schon bei einem Verlag? Ja, war er. Bei be. Wie war die Reaktion? In Bezug auf meine Schreibe positiv, in Bezug auf den Roman jedenfalls nicht eindeutig negativ. Andere Agenturen haben den Roman noch nicht vorliegen gehabt.

Und dann kam noch meine Lieblingsfrage: „Was erwarten Sie sich in erster Linie von der Zusammenarbeit mit einer Agentur?“

Da konnte ich natürlich in die Vollen gehen und mal so richtig meine Erwartungen, meine Hoffnungen, meine Wünsche formulieren. Alles keine Wunderdinge, alles auf dem Boden dessen, was Agenturen nun einmal im Allgemeinen so tun. Und doch fühlte es sich gut an, das einfach mal ausführlich hinzuschreiben. Na ja, so ausführlich, wie der Platz es eben zuließ.

Und damit war der Fragebogen auch schon ausgefüllt. Alles in allem etwa eine halbe Stunde Arbeit. Aber eine halbe Stunde, die sich auf jeden Fall gelohnt hat, weil ich mich mit einigen Dingen (neu) befassen musste, die ich vorher nicht so im Blick hatte. Keine Ahnung, ob es exakt das ist, was die Agentur Meller damit erreichen möchte. Aber mir hat es geholfen, auch in Hinblick auf zukünftige Bewerbungen.

Es sei denn natürlich, dass es keine geben wird, weil man so begeistert von meinen Antworten (und ein wenig auch vom Roman) ist, dass ich vom Fleck weg unter Vertrag genommen werde.

Na ja, ein wenig Träumen ist vor Weihnachten ja wohl erlaubt.

Der Sonntagsreport vom 17.12.2017: Hat doch gar nicht weh getan

Hallo liebe Blogbesucher!

Na, wie habt ihr den dritten Advent verbracht? Habt ihr euch auch, wie wahrscheinlich so viele, in den Trubel gestürzt, weil ja vielerorts ein verkaufsoffener Sonntag war? Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den großen Einkaufszentren der Gegend, wie dem CentrO in Oberhausen oder auch dem Zentrum am Limbecker Platz in Essen los gewesen ist. Aber ja: In einer Woche ist Heiligabend und man kann das Parfüm und die Krawatte ja nicht immer auf den letzten Drücker kaufen.

Ich selbst habe alle Weihnachtsgeschenke inzwischen zusammen und bin ziemlich glücklich darüber. Ich werde nämlich schon so langsam nervös, wenn das zur Dezembermitte nicht der Fall ist. Auch wenn in der schönen neuen Internetwelt der Versandhändler mit dem großen „A“ gegen einen entsprechenden Obolus auch Lieferungen am Tag der Bestellungen durchführt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden die Verkaufsfahrer des im Aufbau befindlichen eigenen Lieferdienstes wahrscheinlich dazu verdonnert werden, sich in Weihnachtsmann- oder Christkind-Kostüme zu quetschen, und an Heiligabend bis unter den Baum zu liefern.

Nun, das ist Zukunftsmusik.

Vergangenheit ist dagegen, dass ich an der zweiten Etappe des Lektorats von „Der Morgen danach“ gearbeitet habe. Ich hatte ja in den letzten Beiträgen zum Thema so ein wenig anklingen lassen, dass ich Probleme damit hätte. Aber wie so oft im Leben ist es so gewesen, dass ich mich nur mal, aufraffen musste.

Und das hat gestern und heute gut geklappt. Ich bin in einen kleinen Flow geraten, was die Überarbeitung angeht, und habe deswegen mit den Anmerkungen meiner Lektorin irgendwann auch gar keine Schwierigkeiten mehr gehabt. Die resultierten nämlich größtenteils daraus, dass ich gar nicht den passenden Blick auf den Text hatte. Und ich habe wieder die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist, konzentrierte und zielgerichtete Textarbeit zu betreiben, wenn man im Kopf blockiert ist.

Es war eine gute Entscheidung, mir selber ins Stammbuch zu schreiben, dass spätestens jeden zweiten Tag irgendwas Schriftstellermäßiges zu geschehen hat. Dass das vorher nicht so gewesen ist, mögen mir die Hardliner und Unverständigen als Nachlässigkeit und mangelnde Professionalität auslegen. Sei es drum. Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und es kann sehr gut sein, dass ich meinen jetzt gefunden habe.

Jedenfalls kann ich morgen die entsprechenden Passagen in die Post geben und habe damit den Kopf vorläufig wieder für andere Dinge frei. Am Ende hat es auch gar nicht weh getan.

Ich möchte auf jeden Fall noch in diesem Jahr die erste Agenturbewerbung für „Der Beobachter und der Turm“ auf die Reise schicken. Ja, ich habe mich dazu entschlossen, es zuerst mit einer einzelnen Agentur und der geforderten Exklusivität zu versuchen. Wenn so die Spielregeln sind, dann muss ich mich eben daran halten.

Und was macht das Schreiben? Da sind mein Kurzroman und meine Kurzgeschichte. Und beides kommt im Moment nicht wirklich aus den Puschen. Ich glaube, es war ein Irrglaube von mir, zwei so unterschiedliche Projekte gleichzeitig stemmen zu können. Oder sie gleichzeitig zu allem anderen stemmen zu können, was da sonst noch anliegt und angelegen hat.

Welchen der beiden Texte ich nun vorziehe, habe ich noch nicht abschließend entschieden. Es gibt eine Tendenz, aber davor steht auf jeden Fall die Bewerbung. Nicht wieder alles gleichzeitig. Also brauche ich mich auch jetzt noch nicht festzulegen.

Festlegen musste ich mich im Laufe der letzten Wochen auf die eine oder andere Personalentscheidung in dem Autorenverein, in dem ich Mitglied bin. Es stehen Vorstandswahlen an und es zeigte sich sehr deutlich, dass Autoren auch nur Kaninchenzüchter oder Kleingärtner sind. Soll sagen: So sehr unterscheiden sich die Vereine, die Strukturen und auch der Umgang miteinander gar nicht.

In mir rumort es, offen gestanden, ein wenig. Ich hätte da was zu sagen, bevor in dieser Woche ein neuer Vorstand gewählt wird, aber ich weiß nicht, ob es jemand hören will. Schließlich bin ich nur ein ganz normales Mitglied, habe weder das schönste Kaninchen gezüchtet, noch die größten Kartoffeln im Beet.

Nun, wir werden sehen. Ich wollte es aber auf jeden Fall hier hinschreiben, weil es mich halt beschäftigt. Und der Sonntagsreport dient vor allem ja auch dem, mir Dinge aus dem Kopf zu schreiben, die mich beschäftigen. Damit ich entweder damit abschließen kann, oder halt um einen Schritt in meiner Entscheidungsfindung weiter zu kommen.

Damit wollen wir es für heute dann auch wieder bewenden lassen. Ich wünsche euch, dass ihr die letzte Woche vor Weihnachten genießen könnt. Die Besinnlichkeit fängt für die meisten von uns ja erst am 24.12. kurz vor dem Gänsebraten an. Aber vielleicht klappt es ja dieses Jahr mit einer Veränderung dieses Umstands.

Lasst euch nicht stressen!

Euer Michael

Warum „husch-husch“ manchmal besser als „Eile mit Weile“ ist

Klären wir zu Beginn die Fakten: Ich habe mir ein Aschekreuz auf die Stirn gemalt, den Rest des Drecks auf mein Büßergewand gekippt und mir auch ein nettes kleines Reisigbündel zur Selbstkasteiung gebastelt. Ich bin also in voller Montur angetreten um zu bezeugen, dass ich einen Fehler gemacht habe.

Gut, es ist ein Fehler, der nur mich selbst trifft, weswegen ich auch auf das Tragen eines Dornengürtels verzichte, aber ärgerlich genug ist er trotzdem. Aber weil ein Fehler, den einer macht, ja doch für viele eine Warnung oder ein Fingerzeig sein kann, tue ich ihn hiermit kund:

Ich habe zu viel Zeit auf „Eile mit Weile“ verwendet, wo ein wenig beherztes „husch-husch“ wohl besser angebracht gewesen wäre.

Es geht um meine Agenturbewerbungen mit „Der Beobachter und der Turm“. Die Alteingesessenen unter meinen Lesern erinnern sich, dass ich dieses Manuskript im NaNoWriMo 2015 geschrieben, bzw. beendet habe. Danach lag es erst einmal eine Weile in der Gegend herum, weil ich direkt an „Die Welt der stillen Schiffe“ weiter schrieb. Ist ja auch okay so, man liest ja überall, dass man seine frisch gepressten Werke erst einmal ein wenig ruhen lassen soll, bevor man sie sich wieder zur Brust nimmt.

Deswegen war es auch vollkommen okay, dass ich erst im Sommer 2016 wieder zu meinem Manuskript zurückkehrte und es an eine Riege von Testlesern verschickte. Diese nahmen sich teils viel Zeit und machten hervorragende Vorschläge zur Verbesserung des Manuskripts, die ich auch gerne umsetzte, soweit ich mit ihnen übereinstimmte.

Und dann passierte … irgendwie gar nichts und doch unglaublich viel

Ich begann damit, einen neuen Roman zu schreiben, der bis jetzt unvollendet geblieben ist. Ich schrieb diverse Kurzgeschichten, von denen zwei für Anthologien angenommen wurden. Nebenbei schrieb ich meinen Roman „Der Morgen danach“ für eine geplante Verlagsveröffentlichung um. Irgendwie war immer irgendwas zu tun was auf irgendeine Art der Beschäftigung mit „Der Beobachter und der Turm“ im Weg stand.

Das fällt mir jetzt, wo ich mich wieder mit diesem Roman zu beschäftigen begonnen habe, richtig vor die Füße. Es war ein Fehler, nicht dran zu bleiben und, wie ich ja schon schrieb, die administrativen Arbeiten so einer Bewerbung frühzeitig in Angriff zu nehmen. Denn inzwischen hat sich mein Blick auf den Roman wieder verändert, ist gleichsam kritischer, aber auch unsicherer geworden.

Das habe ich gemerkt, als ich jetzt die verschiedenen Leseproben zurechtgeschnitten habe. Es fing schon damit an, dass ich in meinem Wust von verschiedenen Versionen Schwierigkeiten hatte, die zu finden, mit der ich mich nun tatsächlich seinerzeit bei be beworben hatte (es hat definitiv nicht geholfen, dass ich teilweise mit Word und teilweise mit Papyrus gearbeitet habe). Aber als ich diese dann gefunden hatte, fing das Drama erst an:

Ich las die ersten paar Seiten noch einmal und wurde auf einmal unsicher, ob die sich wirklich in dieser Form für eine Veröffentlichung eignen. Nein, es ging nicht darum, dass ich auf einmal glänzende neue Ideen, einen ganz neuen Blick auf meine Orthografie oder etwas ähnlich konstruktives gehabt hätte. Es war ein rein destruktives „das taugt nicht viel“.

Nun, ich habe das Glück, dass ich mit diesem Manuskript den Weg gegangen bin, andere Menschen mit ins Boot zu holen, denen ich in ihrem Urteil vertraue. Denn so konnte ich mir noch einmal die von dort stammenden Anmerkungen durchlesen und zu dem (halbwegs) gesicherten Schluss kommen, dass das, was da steht, doch nicht so schlecht ist. Und ich erinnerte mich auch noch einmal an den Kommentar des Lektors von be, der meine Schreibe prinzipiell gut fand, auch wenn der Romanbeginn ihm etwas zu bedeutungsschwanger daher kam (was ich durch einen neuen Prolog ein wenig ausgeglichen zu haben glaube).

Somit konnte die ganz große und existenzielle Krise (erst einmal) im Keim erstickt werden. Aber es wäre nie dazu gekommen, wenn ich nicht seinerzeit diesen dummen Fehler gemacht hätte.

Deswegen formuliere ich einen ganz einfachen Merksatz, den ich mir hinter die Ohren schreiben werde:

Bleibt an euren Geschichten dran, gebt ihnen etwas Zeit, aber dann kümmert euch um sie, treibt sie weiter und macht etwas daraus.

Sonst geht es euch vielleicht so wie mir und ihr bekommt diese dummen Zweifel. Und Zweifel haben wir kreativen Menschen ja ohnehin meistens schon mehr, als sie von der Krankenkasse übernommen werden.

Also: dran bleiben! Ich werde es jetzt auch tun. Nachdem ich mich wieder umgezogen und den ganzen Dreck abgewaschen habe …