Nur eine kleine Pille

Ich habe euch ja schon häufiger mal auf Comicstrips von Clays fantastischer Seite Depressioncomix aufmerksam gemacht. Im Normalfall binde ich einfach den jeweiligen Strip hier als Reblog ein und sage nur ein oder zwei Sätze dazu. Nun, in diesem Fall sollen es dann vielleicht vier oder fünf sein. Einfach weil der Anblick in mir Erinnerungen ausgelöst hat, die ich mit euch teilen mag.

Aber werfen wir zunächst gemeinsam einen Blick auf den Comic, um den es mir heute geht. In diesem bekommt eine junge Frau ein Rezept ihres Arztes. Er verschreibt ihr Antidepressiva, aber sie hat Angst, die Tabletten zu nehmen. Sie befürchtet, dass ihre Persönlichkeit dadurch verändert wird, dass sie sich selbst nicht mehr erkennen könnte. Und sie fürchtet, dass sie ihre Kreativität abtöten.

Ihr Freund oder Bekannter sagt ihr daraufhin, dass sie im Augenblick immer nur down sei, sogar davon spreche, sterben zu wollen. Und nicht zuletzt habe sie seit Monaten nicht mehr gemalt. Im letzten Panel sitzt die junge Frau an einem Tisch und sagt, frei übersetzt: »Okay, ihr Pillen, bitte nehmt nur die Dunkelheit von mir. Nehmt nichts von mir von mir.«

Ich kenne viele Menschen, die sich auf die eine oder die andere Art in dieser Art Gedanken wiederfinden oder wiedergefunden haben. Kaum eine Sorte Medikamente steht in so großem Verruf, wie es Antidepressiva tun. Tatsächlich gibt es Leute, die glauben, dass diese Pillen den Menschen, der sie nimmt, zu jemand ganz anderem macht.

Nun, in mancherlei Beziehung mag das sogar so sein, denn es gibt Patienten, die durch die Einnahme solcher Mittel die Möglichkeit gefunden haben, sich selbst in einer Art und Weise zu verändern, wie sie es sich vielleicht schon lange gewünscht, es sich aber nicht getraut haben. Solche Änderungen gefallen nicht jedem. Zum Beispiel in solchen Fällen, in denen aus einem grauen Mäuschen, das man immer schön unterbuttern konnte, auf einmal ein selbstbewusster Mensch wird, der sich zu wehren weiß.

Natürlich bewirken das nicht Tabletten alleine. Es ist eine Menge harte Arbeit nötig, um Prozesse in Gang zu setzen, die zu solchen Veränderungen führen. Die Pillen können über die Startschwierigkeiten hinweg helfen. Ich selber sage immer, dass sie mich in die Lage versetzen, an meinen Themen zu arbeiten.

Und doch war auch ich skeptisch und von Vorurteilen befallen, als ich vor ungefähr sieben Jahren das erste Mal ein entsprechendes Rezept in der Hand hielt. Und es ging mir ganz genau so wie der jungen Frau in dem Comic. Am meisten sorgte ich mich darum, dass durch eine sich wie auch immer äußernde Veränderung meine Fähigkeiten, mich kreativ zu betätigen, endgültig der Vergangenheit angehören würden.

Ich hatte damals keinen Freund, der mich darauf hinwies, dass in dieser Hinsicht sowieso schon lange nichts mehr lief, wie es sollte. Aber ich brauchte auch keinen. Das wusste ich nämlich selber besser, als es mir lieb sein konnte. Zwar hatte ich im Sommer 2009 ein kurzes Kinderbuch geschrieben, aber mein letzter „richtiger“ Roman lag bereits fünf Jahre in der Vergangenheit. Seit bald drei Jahren doktorte ich an seinem Nachfolger herum, was aber nichts anderes bedeutete, als dass ich mir alle paar Monate seufzend das knapp 100 Seiten lange Fragment ansah und es wieder zur Seite legte.

Ein Teil von mir war immer der Ansicht gewesen, dass es vielleicht gerade meine psychische Verletzbarkeit war, die es mir ermöglicht hatte, zu schreiben. Dass in dieser Hinsicht nicht alles zum besten bei mir bestellt war, war mir lange schon klar, auch wenn ich es nicht benannte und in gewisser Weise darauf wartete, dass es sich von alleine Bahn brechen würde (was es dann 2010 auch tat).

Aus der Sicht von heute fällt es mir schwer, diese Gedanken nachzuvollziehen, weswegen ich auch an dieser Stelle keinen Versuch wagen möchte, die Hintergründe zu erklären. Aber auf jeden Fall hatte ich diese Sorge, nun wirklich und unwiderruflich nie wieder schreiben zu können.

Und es kam, wie es kommen musste: Im darauffolgenden Jahr fasste ich meine Tastatur, soweit ich mich erinnere, nicht ein einziges Mal an. Ich kramte zwar hin und wieder in alten Entwürfen, bekam meine melancholischen fünf Minuten, weiter ging es aber nicht.

Ob die Tablette daran Schuld hatte? Das wage ich mal ganz fest zu bezweifeln. Aber wie sich herausstellen sollte, befanden sich sowohl mein damaliger Arzt als auch ich selbst ein wenig auf dem Holzweg.

Er hatte mir zwar ein Medikament verschrieben, mich aber ansonsten alleine mit mir, meinen Gedanken und meinem Irrglauben gelassen. Irgendeine Form von Begleitung fand nicht statt. Und wenn es mir, wie es heute vollkommen logisch erscheint, nach einigen Monaten schlechter ging, dann wurde in Reaktion darauf die Dosierung meiner Pille erhöht. Und je weniger das anschlug, desto schlechter ging es mir und desto unvorstellbarer wurde es, jemals wieder zu schreiben.

Und dann kam der Tag, an dem es nicht mehr weiterging. An dem ich psychisch so richtig aus meinem bisherigen Leben gerissen wurde. Die Pille konnte nicht mehr höher dosiert werden und jetzt (!), über ein Jahr später, kam mein Arzt auf die Idee, dass es vielleicht gut für mich sein könnte, wenn ich mir auch therapeutische Hilfe suche.

Ich kam in eine entsprechende Klinik und lernte in mühevoller Kleinarbeit, mich mit mir selber auseinander zu setzen. Das war alles andere als leicht und dauerte etliche Wochen. In der Zwischenzeit bekam ich neue Pillen, probierten wir allerlei aus. Und, siehe da: Ich spürte Veränderungen. Veränderungen in der Richtung, dass ich auf einmal für manche Dinge neuen Mut aufbrachte.

Zum Beispiel dafür, mir ernsthafte Gedanken zu machen, ob ich nicht doch noch mal mein Glück mit dem Schreiben versuchen wolle. Gut, es dauerte dann noch einmal ein paar Monate und Zuspruch eines besonders lieben Menschen (an dieser Stelle liebe Grüße an meine kleine-große Schwester), bis ich mich einfach an die Tastatur setzte und los schrieb. Heraus kam ein Manuskript, das den Namen „Der Morgen danach“ trug.

In meinem Fall haben die Pillen nicht meine Kreativität getötet. Sie haben mich unterstützt, überhaupt wieder den Mut aufzubringen, mich als Autor gegenüber anderen Menschen zu outen und dann zu versuchen, meinen Weg zu gehen. Wer weiß, vielleicht gäbe es ansonsten auch diesen Blog nicht.

Dies soll keine Lobeshymne auf die Pharmaindustrie sein. Grundsätzlich ist jede Veränderung, die auch ohne den Einfluss von Medikamenten vonstatten geht, jener vorzuziehen, für die man bunte Pillen braucht. Aber es gibt Situationen, in denen es nicht anders geht. Ein Spruch, in dem ein Körnchen Wahrheit liegt, lautet: »Wenn du an Krebs erkrankt wärst, würdest du dir auch keine Gedanken machen, ob du die Medikamente nehmen sollst.«

Heute bin ich an einem Punkt, an dem mein neuer Arzt und ich überlegen, ob wir nicht das eine oder andere Medikament langsam ausschleichen können. Und ich bin immer noch hier und ich bin immer noch Autor. Und ich denke nicht, dass man mir das jemals wieder wird wegnehmen können.

Aber wer weiß, wo ich heute stünde, wenn es nicht zum richtigen Zeitpunkt diese kleine Pille gegeben hätte.

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Der Sonntagsreport vom 17.12.2017: Hat doch gar nicht weh getan

Hallo liebe Blogbesucher!

Na, wie habt ihr den dritten Advent verbracht? Habt ihr euch auch, wie wahrscheinlich so viele, in den Trubel gestürzt, weil ja vielerorts ein verkaufsoffener Sonntag war? Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den großen Einkaufszentren der Gegend, wie dem CentrO in Oberhausen oder auch dem Zentrum am Limbecker Platz in Essen los gewesen ist. Aber ja: In einer Woche ist Heiligabend und man kann das Parfüm und die Krawatte ja nicht immer auf den letzten Drücker kaufen.

Ich selbst habe alle Weihnachtsgeschenke inzwischen zusammen und bin ziemlich glücklich darüber. Ich werde nämlich schon so langsam nervös, wenn das zur Dezembermitte nicht der Fall ist. Auch wenn in der schönen neuen Internetwelt der Versandhändler mit dem großen „A“ gegen einen entsprechenden Obolus auch Lieferungen am Tag der Bestellungen durchführt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden die Verkaufsfahrer des im Aufbau befindlichen eigenen Lieferdienstes wahrscheinlich dazu verdonnert werden, sich in Weihnachtsmann- oder Christkind-Kostüme zu quetschen, und an Heiligabend bis unter den Baum zu liefern.

Nun, das ist Zukunftsmusik.

Vergangenheit ist dagegen, dass ich an der zweiten Etappe des Lektorats von „Der Morgen danach“ gearbeitet habe. Ich hatte ja in den letzten Beiträgen zum Thema so ein wenig anklingen lassen, dass ich Probleme damit hätte. Aber wie so oft im Leben ist es so gewesen, dass ich mich nur mal, aufraffen musste.

Und das hat gestern und heute gut geklappt. Ich bin in einen kleinen Flow geraten, was die Überarbeitung angeht, und habe deswegen mit den Anmerkungen meiner Lektorin irgendwann auch gar keine Schwierigkeiten mehr gehabt. Die resultierten nämlich größtenteils daraus, dass ich gar nicht den passenden Blick auf den Text hatte. Und ich habe wieder die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist, konzentrierte und zielgerichtete Textarbeit zu betreiben, wenn man im Kopf blockiert ist.

Es war eine gute Entscheidung, mir selber ins Stammbuch zu schreiben, dass spätestens jeden zweiten Tag irgendwas Schriftstellermäßiges zu geschehen hat. Dass das vorher nicht so gewesen ist, mögen mir die Hardliner und Unverständigen als Nachlässigkeit und mangelnde Professionalität auslegen. Sei es drum. Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und es kann sehr gut sein, dass ich meinen jetzt gefunden habe.

Jedenfalls kann ich morgen die entsprechenden Passagen in die Post geben und habe damit den Kopf vorläufig wieder für andere Dinge frei. Am Ende hat es auch gar nicht weh getan.

Ich möchte auf jeden Fall noch in diesem Jahr die erste Agenturbewerbung für „Der Beobachter und der Turm“ auf die Reise schicken. Ja, ich habe mich dazu entschlossen, es zuerst mit einer einzelnen Agentur und der geforderten Exklusivität zu versuchen. Wenn so die Spielregeln sind, dann muss ich mich eben daran halten.

Und was macht das Schreiben? Da sind mein Kurzroman und meine Kurzgeschichte. Und beides kommt im Moment nicht wirklich aus den Puschen. Ich glaube, es war ein Irrglaube von mir, zwei so unterschiedliche Projekte gleichzeitig stemmen zu können. Oder sie gleichzeitig zu allem anderen stemmen zu können, was da sonst noch anliegt und angelegen hat.

Welchen der beiden Texte ich nun vorziehe, habe ich noch nicht abschließend entschieden. Es gibt eine Tendenz, aber davor steht auf jeden Fall die Bewerbung. Nicht wieder alles gleichzeitig. Also brauche ich mich auch jetzt noch nicht festzulegen.

Festlegen musste ich mich im Laufe der letzten Wochen auf die eine oder andere Personalentscheidung in dem Autorenverein, in dem ich Mitglied bin. Es stehen Vorstandswahlen an und es zeigte sich sehr deutlich, dass Autoren auch nur Kaninchenzüchter oder Kleingärtner sind. Soll sagen: So sehr unterscheiden sich die Vereine, die Strukturen und auch der Umgang miteinander gar nicht.

In mir rumort es, offen gestanden, ein wenig. Ich hätte da was zu sagen, bevor in dieser Woche ein neuer Vorstand gewählt wird, aber ich weiß nicht, ob es jemand hören will. Schließlich bin ich nur ein ganz normales Mitglied, habe weder das schönste Kaninchen gezüchtet, noch die größten Kartoffeln im Beet.

Nun, wir werden sehen. Ich wollte es aber auf jeden Fall hier hinschreiben, weil es mich halt beschäftigt. Und der Sonntagsreport dient vor allem ja auch dem, mir Dinge aus dem Kopf zu schreiben, die mich beschäftigen. Damit ich entweder damit abschließen kann, oder halt um einen Schritt in meiner Entscheidungsfindung weiter zu kommen.

Damit wollen wir es für heute dann auch wieder bewenden lassen. Ich wünsche euch, dass ihr die letzte Woche vor Weihnachten genießen könnt. Die Besinnlichkeit fängt für die meisten von uns ja erst am 24.12. kurz vor dem Gänsebraten an. Aber vielleicht klappt es ja dieses Jahr mit einer Veränderung dieses Umstands.

Lasst euch nicht stressen!

Euer Michael

Arbeit oder Vergnügen – oder doch beides?

Im Moment befinde ich mich in den letzten Zügen, was den momentanen Zwischenstand des Lektorats von „Der Morgen danach“ angeht. Ich hatte ja schon einmal berichtet, dass ich da step by step die aktuellen Änderungsvorschläge und -wünsche meiner Lektorin bekomme und die dann, so gut es mir eben möglich ist, abarbeite.

Jetzt gehe ich ja, wie ich ebenfalls berichtet habe, gerade durch eine etwas schwierige Phase, was das Schreiben in all seinen Facetten anbelangt. Es fällt mir wesentlich leichter, mich ablenken zu lassen und daher nicht darum zu kümmern, als es wirklich einfach mal zu tun.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich im Moment sehr gerne vor meinem Fernseher versumpfe. Vor langer, langer Zeit erzählte ich euch hier auf dem Blog, dass ich das Konzept „Serie schauen“, das für viele Menschen so eine enorme Bedeutung zu haben scheint, nie ganz zu packen bekommen habe. Ich bin immer mehr ein Filmfreak gewesen, der es durchaus zu schätzen weiß, wenn eine Handlung nach knackigen 120 Minuten abgeschlossen ist. Ausnahmen wie etwa die Star-Trek-Serien bis einschließlich „Voyager“ oder auch „Heroes“ bildeten die Regel.

Und selbst in Bezug auf diese Serien war ich eher ein untypischer Zuschauer. Denn viele sehen ihre Serien ja heute in einem Rutsch und inhalieren eine komplette Staffel an einem einzigen Wochenende. Für mich unvorstellbar.

Um zu illustrieren, wie unvorstellbar das ist, kann ich euch erzählen, wie ich die erste Staffel von „Arrow“, der Serie um den DC-Superhelden, gesehen habe. Ich habe damit im August angefangen und, man höre und staune, auch im August wieder aufgehört. Nur, dass das eine Datum im Jahr 2016 und das andere im Jahr 2017 lag 😉 .

In der Zwischenzeit habe ich nicht etwa eine andere Serie eingeschoben, sondern ich habe ausschließlich Filme gesehen. Wenn ich denn die Zeit dafür hatte, oder sie mir nahm.

Jetzt könnt ihr euch bestimmt besser vorstellen, wie ungewöhnlich das ist, was gerade passiert: Zu meinem Geburtstag im Juli habe ich die erste Staffel von „The Walking Dead“ geschenkt bekommen. Eine Serie, bei der ich immer irgendwie das Gefühl hatte, sie könne mir gefallen, bei der ich aber gleichzeitig größte Bedenken hatte. Lebende Tote im Fernsehen? Auf welchem Niveau sollte sich das schon bewegen. So etwas funktioniert nur, wenn man bereit ist, auch Härten und Gewalt zu zeigen.

Nun gut, ich gab der Serie eine Chance. Das muss so im frühen Oktober gewesen sein. Noch während der sehr kurzen ersten Staffel orderte ich mir Staffel zwei und drei bei reBuy. Immer noch mit dem Gedanken, dass ich damit, bei meinem Sehverhalten (und jeder Menge anderer ungesehener Serien im Regal), eine lange Zeit auskommen würde.

Tja, dann kam der Halloween-Tag mit meinem Filmmarathon und am nächsten Abend, also dem 01.11., begann ich mit der zweiten Staffel von „The Walking Dead“. Jetzt haben wir den 14.12. und ich fange wahrscheinlich heute Abend mit Staffel sechs an.

Gemessen an dem, was Hardcore-Seriengucker ableisten, ist das immer noch ein gemütliches Tempo. Aber für mich ist es absoluter Wahnsinn. Und es ist ein ziemlicher Faktor, der mir auch Zeit für das Schreiben bzw. das Überarbeiten wegnimmt – das muss ich ganz klar einräumen.

An manchen Abenden, wenn ich schon einen langen Arbeitstag in den Knochen habe (*), fehlt mir schlicht und ergreifend die Energie, um mich noch an den Schreibtisch zu setzen und mich mit meiner Geschichte zu befassen. Das sind die Momente, in denen ich mich frage, wie andere das wohl hinbekommen. Oder auch, wie ich selbst das früher hinbekommen habe. An diesen Tagen ist es nur zu leicht, einfach abzuschalten, sich ein wenig berieseln zu lassen und dann irgendwann halbwegs entspannt ins Bett zu gehen.

Ja, ich weiß, dass es auch dazu gehört, mit seinen Kräften haus zu halten. Wenn ich permanent versuchen würde, meine Grenzen auszuloten, dann wäre die Gefahr real, dass ich irgendwann über diese Grenzen hinaus gehe. Und das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Nicht bei einer kreativen Tätigkeit wie dem Schreiben und dem Überarbeiten.

Aber ich habe immer, ihr kennt mich, ein latent schlechtes Gewissen verspürt, wenn es dann der zweite Tag war, an dem ich nichts getan habe. Oder vielleicht auch schon der dritte. Manchmal wünsche ich mir dann beinahe so etwas wie eine „Deadline“, der ich mich zu unterwerfen habe, weil der Druck mir vielleicht dabei helfen würde, mich aufzuraffen. Nur würde das auch nichts daran ändern, dass der Kräfteverschleiß ja da ist.

Nein, ich muss schauen, dass ich selbst, ganz für mich, einen Rhythmus hinkriege, der beides zulässt: Entspannung und Erfüllung der anstehenden Arbeiten. Deswegen möchte ich es jetzt auf folgende Weise versuchen:

Ich habe im Normalfall an den Werktagen jeden Abend so ab 20 Uhr verlässlich Zeit, mich um meinen Kram zu kümmern. Dann beginnt bei uns die sogenannte „Elternzeit“, in der Mama und Papa nur dann gestört werden sollen, wenn gerade das Haus abbrennt oder eines der Kinder unter einen Schrank geraten ist, oder sonstige Dinge dieser Art 😉 .

Ich werde nun versuchen, einen abwechselnden Rhythmus einzuführen. An einem Abend kümmere ich mich mindestens eine Stunde um meinen Roman oder was sonst so ansteht, dafür kann ich am nächsten Abend zum Beispiel eine Folge meiner Serie schauen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Die Zeit, die danach noch bis zum Schlafengehen ist, steht zur freien Verfügung. Irgendwann muss ich ja z.B. auch eure Blogs lesen und manchmal schalte ich den PC sogar aus 😉 .

Bis jetzt klappt das eigentlich ganz gut – vor allem auf der psychologischen Ebene. Denn den meisten Druck mache ich mir in der gegenwärtigen Konstellation ja halt selbst.

Dazu kommt noch eine weitere Komponente, wie ich festgestellt habe: Auch die Arbeit an meinen Projekten macht auf einmal wieder wesentlich mehr Spaß, weil sie einen festen Rahmen und eine feste Taktung in meinem Zeitplan haben, bei dem ich mir keine Gedanken machen muss, ob nicht gerade etwas anderes eher dran wäre. Und ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich gerade etwas andere vernachlässige. Weil alles zu seinem Recht kommt.

Somit hoffe ich, am Ende drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

  1. Ich komme endlich mit meiner Schreiberei wieder auf einen grünen Zweig
  2. Ich kann mir problemlos erlauben, auch mal einen Abend wirklich frei zu machen
  3. Ich habe dadurch wesentlich mehr Spaß an dem, was ich da gerade mache

Wie gesagt, noch läuft gewissermaßen die Erprobungsphase. Aber bis jetzt stehen die Sterne günstig. Ein leichtes Däumchendrücken kann dennoch nicht schaden 🙂 . Damit am Ende Arbeit und Vergnügen vielleicht sogar wieder zwei Seiten derselben Medaille darstellen.


(*) Hier bitte einen Beamtenwitz eurer Wahl einfügen. Oder gerne in die Kommentare damit! Es würde mich allerdings wundern, wenn ihr einen findet, den ich noch nicht kannte 😀 .

Neues aus dem Lektorat (5) Ein paar Gedanken zu Papier gebracht

Wenn man im Lektorat seines Romans drin steckt, dann erlebt man schon mal interessante Sachen. Eigentlich sogar die ganze Zeit über. Aber was definitiv interessant ist, ist der Umstand, dass man sich auf einmal in gewisser Hinsicht genötigt sieht, sich für manche Dinge, die man so geschrieben hat, zu rechtfertigen.

Nein, Rechtfertigung ist eigentlich nicht der richtige Begriff. Es ist mehr eine Art Erklärung, die man abgibt für Dinge und Handlungsabläufe, die man sich irgendwann ja einmal genau so ausgedacht hat, weil man sie für richtig hielt, wie sie sich darstellten.

Die Aufgabe einer Lektorin ist es aber nun einmal, diese Steine alle anzuheben und, je nachdem, auch auf den Kopf zu drehen. Das ist für mich als Autor allerdings nicht immer ganz einfach und so kommt es, dass ich an der Stelle, an der ich gerade bin, vom konkreten Text abgeschweift bin und anfing, mir ein paar Gedanken zu machen.

Es ist nicht leicht, das spoilerfrei zu erzählen, deswegen muss ich leider etwas vage bleiben. Es geht um eine Haltung der Hauptperson, die meiner Meinung nach durch die angedachten Änderungen ein wenig zu früh gefestigt wird. In „meiner“ Fassung bleibt dies etwas länger offen, was den Effekt haben sollte, den Leser eine Weile länger im Unklaren zu lassen.

Ich weiß, dass man darüber streiten kann, aber ich hoffe doch, dass es ohne Streit ausgeht und meine Lektorin und ich uns einfach ein paar Gedanken dazu machen.

Der kleine Drecksack in mir, der sofort immer vom Worst Case ausgeht, nämlich davon, dass mir einfach „befohlen“ wird, das jetzt so zu machen, meint natürlich direkt wieder, er müsse sich schon in Widerstandsposition bringen. Aber wir sind aus meiner rationalen Sicht nicht dabei, irgendwelche Positionen zu beziehen, sondern gemeinsam das Beste aus diesem Roman zu kitzeln.

Dabei ist es nur normal, dass Autor und Lektorin sich schon mal über einzelne Punkte ein wenig uneins sein können. Dann ist es eine Frage der Argumentation.

Ich habe jedenfalls gerade eine E-Mail geschrieben, in der ich meine paar Gedanken kurz zum Ausdruck gebracht habe, bevor ich sie wieder vergesse. Damit komme ich zwar, wieder einmal, nicht wirklich im Lektorat weiter, was die Anzahl der bearbeiteten Seiten angeht. Aber für den Gesamtprozess gehört es, denke ich, absolut dazu.

Und falls nicht: Ich lerne das mit dem Lektorat ja schließlich gerade erst 😉 .

Neues aus dem Lektorat (4) Von Geduld und Ungeduld

Ich hatte so etwas ja schon beinahe geahnt. Ist ja irgendwie immer so. Kennt ihr sicher auch! Der Moment, in dem man sich endlich dazu durchringt, jemandem (erst einmal egal, wem) eine Anfrage zu schicken, irgendwas anzutragen oder auch nur ganz allgemein zu fragen, wie es denn so aussieht, ist der Moment, in dem man dem Anderen gerade eben zuvor gekommen ist.

So ist es mir jetzt mit meiner Lektorin gegangen. Ganz prima, jetzt stehe ich wieder als der ungeduldige Autor da … 😉

Nein, ich denke nicht, dass Jeannette das so schlimm nimmt und ich nehme es auch nicht schlimm. Aber seltsam ist es schon, dass es immer so auskommt.

Ich hatte eine Weile lang nichts aus dem Lektorat gehört und weil ich ja ein vollkommen ruhiger und von sich überzeugter Mensch bin, wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, dass das irgendwas mit meinem Text zu tun haben könnte. Wer die Ironie in diesem Absatz findet, darf sie in einer eigenen Geschichte verwenden.

In Wahrheit war ich, mit zunehmender Dauer der Zeit, immer mehr davon überzeugt, dass es irgendein großes Problem geben müsse. Ein so großes Problem, dass meine Lektorin sich gar nicht daran wagte, es mir mitzuteilen. Oder immerhin so groß, dass sie verzweifelt vor dem Stapel Papier sitzt, einen Kinderriegel nach dem anderen isst und nicht weiß, wo sie da jetzt ansetzen soll.

Gestern habe ich mich dann endlich dazu aufraffen können, trotz aller Scheu davor, ungeduldig sein zu wollen, eine Mail zu schicken, in der ich Jeannette fragte, wie denn so der Zwischenstand ist, ob ich irgendwas tun könne, etc.

Und dann kommt die heutige Antwort, die nicht nur beinhaltet, dass gerade heute der nächste Teil des lektorierten Textes in die Post gegangen ist, sondern auch, dass im Moment viele Projekte in der Pipeline sind, so dass die schon mal irgendwo „verstopft“. Tja, also doch ungeduldiger Autor.

Sie hat mir schon einige Punkte genannt, die sie im kommenden Textteil bearbeitet und vor allem auch gekürzt sehen möchte. Das muss ich mir ganz genau ansehen, denn – ich will es nicht beschreien – es könnte durchaus sein, dass hier einen Punkt berührt wird, über den es eine kleine Kontroverse geben könnte. Seht es mir nach, dass ich da nicht ins Detail gehe, denn ich denke, das gehört erst einmal ins Vier-Augen-Gespräch. Aber ich versuche, all das zu sammeln und vielleicht irgendwann, nach der Veröffentlichung, etwas darüber zu schreiben, wie der Roman mal war und wie er dann sein wird. Könnte ja sein, dass das jemanden interessiert und ansonsten ist es eine nette Erinnerung für mich selbst.

Also, halten wir fest: Geduld habe ich eigentlich lange aufgebracht, nur um dann im letzten Moment doch ungeduldig zu erscheinen. Aber so ist das mit diesen Dingen nun einmal.

Aber ein Zitat aus Jeannettes Antwortmail an mich sei mir gestattet, weil es zu der Sorte gehört, die man als hoffnungsvoller Nachwuchsautor gar nicht oft genug hören kann:

An dieser Stelle ist es mir nochmals wichtig zu sagen, dass die Geschichte Stoff für ein wirklich gutes Buch ist.

Als ob ich da jemals dran gezweifelt hätte! hust, hust

Ihr wisst schon – Ironie und so.

Verzögerungen aus vorausgehender Fahrt

Wer von euch hin und wieder das (Miss-)Vergnügen hat, an einem x-beliebigen Bahnhof zu stehen und auf einen Zug zu warten, der eigentlich schon lange hätte da sein sollen, der wird sicherlich die folgende oder eine ähnliche Durchsage kennen:

An Gleis drei: Bitte beachten Sie, ICE 40923 nach Buxtehude heute circa zehn Minuten später. Grund dafür sind Verzögerungen aus vorausgehender Fahrt.

So oder in der Art könnte ich auch eine Meldung hier im Blog bezüglich der Antwort auf eure Kommentare oder neuer Beiträge abgeben.

In den letzten Tagen hatte ich einiges mit Textarbeit zu tun. Da war das Lektorat für „Der Morgen danach“, wo ich eine Teillieferung fertig bearbeitet und an den Verlag zurückgeschickt habe, und da war/ist ein Vorgang auf der Arbeit, der auch viel mit Texten zu tun hat und in den ich voll involviert bin. Weil ich mich ja so gut mit Texten auskenne.

Das führt dazu, dass ich ansonsten, was Schreiben am PC angeht, im Moment ziemlich unmotiviert und auch recht müde bin. Deswegen kann es schon mal ein wenig länger dauern, bis ihr von mir hört. Wegen der vorausgehenden Arbeit. Aber keine Sorge, ich verschwinde nicht und die Antworten kommen auch früher oder später. Genauso wie der komische Zug, auf den man wartet, irgendwann doch noch ankommt.

Meistens jedenfalls …

Der Sonntagsreport vom 08.10.2017 – Wo ist denn das Wochenende geblieben!?

Oh weh, schon ist es wieder Sonntag Spätnachmittag/Abend und ich habe keine Ahnung, wo eigentlich das Wochenende geblieben ist. Aber ich bin mir sicher, wenn ich mich hinsetzen und es mal alles aufschreiben würde, dann würde mir auch wieder einfallen, wo die Zeit geblieben ist. Aber wenn ich damit anfange, dann habe ich wieder eine Stunde mehr oder weniger in den Sand gesetzt, mit der ich vielleicht sinnvolleres anstellen könnte. Oder die mir einfach so zwischen den Fingern zerrinnt.

Eigentlich hatte ich für dieses Wochenende vorgehabt, die Arbeit an den mir vorliegenden Seiten aus dem Lektorat zu einem Abschluss zu bringen, damit ich sie wieder an den Verlag schicken kann. Bis gestern Abend sah es damit auch noch ganz gut aus, aber heute hat es nicht geklappt, die letzten noch fehlenden fünf Seiten zu bearbeiten. Ja, gut, ich habe noch Zeit, aber ich fühle mich auch irgendwie nicht danach.

Irgendwie fühle ich mich nach „Decke über den Kopf ziehen“. Aber ich habe noch ein bisschen was zu tun.

Was mir das Wochenende am meisten zerrissen hat, ist der PC meiner großen Tochter. Dem sollte nämlich eine SSD spendiert werden, damit das Einspielen von Updates oder das simple Hochfahren des Rechners nicht immer Ewigkeiten dauert. Und wenn man schon einmal dabei ist, dann installiert man natürlich auch das Betriebssystem neu – ist ja klar, ansonsten hat man ja direkt die ersten Langsammacher wieder mit im Boot.

Nach bald dreißig Jahren im Geschäft sollte ich eigentlich wissen, dass es niemals trivial ist, einen PC aufzurüsten. Auch wenn da schon eine Menge einfacher geworden ist im Vergleich zu früher. Heute kann man alles kreuz und quer an den Strom und an die SATA-Schnittstellen anschließen. Früher musste man genau aufpassen, welches Laufwerk das erste und welches das zweite sein sollte, weil sonst nichts mehr funktionierte.

Aber trotzdem hatte ich eine Menge „Spaß“ mit der Kiste. Die erste Überraschung war, dass ich nach dem Aufschrauben des Gehäuses nicht nur eine, sondern derer zwei Festplatten vorfand. Oh, stimmt ja, ich hatte nach Erwerb des Komplettsystems noch die Festplatte aus dem alten, abgerauchten Notebook mit eingebaut. Wie gut und vorausschauend, dass ich zu der SSD einen neuen Halterahmen bestellt hatte, in den zwei 2,5″-Laufwerke eingesetzt werden können. Wie schlecht und absolut hirnverbrannt, dass der Kasten, in dem die Festplatten verbaut werden sollen, keinerlei vernünftige Zugänge für ausreichend Strom- und Datenkabel bot. Eine große Herausforderung für Freunde des Zauberwürfels: Das alles hinzubiegen und nicht den PC vor Frust vom Tisch zu fegen!

Aber gut, irgendwann war dann alles verkabelt und ich konnte ans Betriebssystem gehen. Oh, well …

Der erste Blick geht natürlich ins BIOS. Wo die SSD nicht angezeigt wird. Sehr gut! Also Windows durchbooten und mal nachschauen, was da los sein könnte. Oh, die SSD ist nicht formatiert. Wieso auch!? Also schnell nachholen. Dann wieder ins BIOS: Ja, sie wird angezeigt! Aber ich kann sie nicht als Bootplatte einstellen. Okay, das geht vielleicht im Lauf der Installation. Also vom USB-Stick gebootet, wo das Setup drauf war und ja, da ist sie!

Aber was soll die Fehlermeldung, dass ich Windows hier nicht installieren kann? Im Setup noch einmal neu formatiert und es ändert sich … nichts.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon eine leicht pochende Halsschlagader, wie ich zugeben muss. Das Studium diverser Googletreffer brachte mich dann irgendwann darauf, dass die Neuinstallation von Windows zickt, wenn das Setup auf irgendeiner der angeschlossenen Festplatten einen schon vorhandenen Bootloader findet. Und von der Sorte hatte ich ja schon zwei verbaut.

Also alles wieder aufgeschraubt und mit Fingerspitzengefühl die Datenkabel aus den Festplatten gezogen. Dann wieder ins Setup und Juchhu! ich kann Windows installieren!

Und dass die Neuinstallation des Betriebssystems und aller benötigten Programme (bei meiner Tochter zumeist nur Spiele und das geht dank Steam ja recht einfach) auch eine Menge Zeit frisst, das dürfte klar sein. Ich hatte zwischendurch mit einer Software zur Fernwartung experimentiert, aber da riss die Verbindung dauernd ab, weil der WLAN-Stick am Rechner des Kindes Mucken macht.

Und, ach ja, erwähnte ich, dass mein Rechner im Keller steht und der PC meiner Tochter in der zweiten Etage (lauf, kletter).

Okay, ich merke gerade, dass ich mich da wohl ein wenig in Rage geschrieben habe 😉 . Soll nicht wieder vorkommen, zumal jetzt „nur noch“ Restarbeiten zu erledigen sind. Aber wenn man noch ins Kalkül zieht, dass wir das halbe Wochenende zusätzlich (!) noch auf Achse waren, um vielleicht irgendwo mal drei neue Stühle für unser Esszimmer zu finden, wird noch deutlicher, wo die Zeit eigentlich geblieben ist.

Jedenfalls ist es jetzt schon wieder fast eine halbe Stunde her, dass ich mit diesem Beitrag angefangen habe, aber das rechne ich jetzt mal nicht. Auch nicht, dass ich eigentlich noch eine Mail beantworten wollte und dass hier auf dem Blog Kommentare darauf warten, dass ich sie beantworte. Und mein Mailpostfach quillt auch schon wieder über und

UAAAAAAAAAH!!!!!

Wisst ihr, was mich als einziges ein bisschen aufrichtet? In drei Wochen habe ich zwei Wochen Urlaub und auch wenn sich da genügend Zeit finden wird – und auch soll – sinnvollere Dinge zu machen, als an irgendwelchen Computern zu sitzen, werde ich mich doch mit dem einen oder anderen wieder auf den laufenden Stand bringen können.

Oh – und meine Medikamente für die nächsten zwei Wochen muss ich mir auch noch zurecht sortieren!

Ihr merkt schon, dieser Beitrag hier wird nichts mehr und vor allem nicht mehr strukturiert oder etwas anderes als eine Folge von „ich müsste, ich musste und ich hätte zu“.

Und im Hintergrund singt Nena gerade: „Ich bleib‘ heut‘ zu Hause, ich bleibe im Bett“. Der Zufall will es so und ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Wir sehen uns morgen in alter Frische, wenn ich ich bis dahin nicht hyperventilierend abgehoben habe und durch die Decke gegangen bin 😉 .

Es wünscht euch einen guten und möglichst entspannten Start in die neue Woche

euer Michael