Frauen als Opfer und Beute: Genug davon, sagt eine britische Autorin

Gerade bin ich auf eine interessante Kurzmeldung beim Boersenblatt aufmerksam geworden. In dieser geht es um einen neuen Preis, eine Art „Anti-Preis“, den eine britische Drehbuchautorin ins Leben gerufen hat.

Und zwar hat Bridget Lawless im übertragenen Sinne die Nase voll. Sie hat die Nase voll davon, dass Frauen insbesondere in Thrillern fast durchweg die Opferrolle einnehmen müssen, dass sie diejenigen sind, die getötet, entführt und misshandelt werden. Mit dem von ihr ausgelobten „Staunch Book Prize“ möchte sie auf Titel aufmerksam machen, die ohne Gewalt gegen Frauen auskommen.

Diese kurze Meldung regt mich zum Nachdenken und zum reflektieren an. Wenn ich mal so Revue passieren lasse, wie es in der Literaturwelt aussieht, dann ist es in der Tat so, dass Frauen oft auf die Opferrolle abonniert sind. Und wenn sie nicht das Opfer sind, dann sind sie doch häufig schwach. Das betrifft übrigens nicht nur Romane, die von Männern geschrieben wurden, wie man jetzt vielleicht annehmen könnte, sondern auch Romane von Frauen. Und natürlich auch solche, die eigentlich versuchen, eine starke Frauenrolle, etwa durch eine Ermittlerin, in den Mittelpunkt zu rücken.

Woran mag es also liegen, dass es so relativ leicht fällt, Frauen auch in unseren aufgeklärten, emanzipierten und gegenderten Zeiten als schwach und Opfer zu skizzieren? Ich fürchte, dass in vielen Autoren und Autorinnen immer noch die alten Rollenbilder, wie sie vielleicht von den eigenen Eltern vermittelt wurden, vorherrschen. Andere nehmen diese Bilder durch die Medien auf, man denke hier neben dem Buch vor allem auch an den Film.

Filme, in denen nur Männer die Opfer sind, sind eher rar gesät, wahrscheinlich schon aufgrund des Eye Candy, das Produzenten und Regisseure sich versprechen. Ganz zu schweigen von der Zielgruppe für eher harte Thriller – das Horrorgenre lassen wir mal besser ganz außen vor, weil da die Rollenbilder ganz überwiegend noch verstörender ausfallen.

Natürlich habe ich mir aber auch meine Gedanken gemacht, wie es mit meinen eigenen Romanen eigentlich bestellt ist. Und ja, da muss ich mich schuldig bekennen: Nicht in allen, aber doch in einigen meiner Geschichten sind Frauen Opfer. Ich glaube zwar, behaupten zu können, dass ich sie nie auf die Opferrolle reduziere, aber darum geht es nach den Kriterien von Bridget Lawless ja erst einmal nicht.

Aber ich kann immerhin für mich in Anspruch nehmen, auch Romane geschrieben zu haben, in denen Frauen, wenn überhaupt, dann „gleichberechtigt“ ums Leben kommen. Das mag jetzt seltsam klingen, aber in diesem Kontext finde ich durchaus, dass es in Ordnung geht, wenn ich, wie in „Es zwingt einen dazu“ geschehen, ein Pärchen gemeinschaftlich über die Klinge springen lasse.

Und dann sind da natürlich noch die starken Frauenrollen, ohne welche die jeweiligen männlichen Begleiter teilweise ziemlich dumm aus der Wäsche schauen würden. Auch in meinen Romanen „Der Ruf des Hafens“ und „Die Welt der stillen Schiffe“ wird zwar gestorben – und das teilweise auf sehr unangenehme Art -, aber hier sind die Frauen diejenigen, die überleben – weil sie sich einfach klüger anstellen als die Männer um sie herum.

Bridget Lawless möchte Autoren finden, die sich etwas anderes ausdenken. Nun, wie genau man sich das vorzustellen hat, oder besser gesagt, wie genau sie sich das vorstellt, werden wir spätestens am 25. November erfahren, denn dann möchte sie den ersten Preisträger bekannt geben. Der 25.11. ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Ein besseres Datum könnte es also für eine derartige Preisverleihung gar nicht geben.

Ich bin gespannt, ob ihr Beispiel vielleicht Schule im deutschsprachigen Raum machen wird. Oder ob wir bald Übersetzungen von Romanen lesen werden, die dezidiert das Label „Gewaltfrei gegenüber Frauen“ tragen.

Oder ist das alles der falsche Weg? Besser gemein, als gemacht? Lasst mir doch, wenn ihr mögt, einen Kommentar dazu hier.

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Die Titelschutzanzeige: Auf Nummer sicher gehen

Gestern Abend flatterte mir ein Blogbeitrag meiner geschätzten Autorenkollegin (*) Nora Bendzko ins Haus. Nora hat in diesem Jahr ein ganz starkes Debüt mit ihrer Novelle „Wolfssucht“ hingelegt und plant nun, in ähnlichem Stil weitere düstere Märchen zu verfassen. Diese Ankündigung stand schon lange im Raum, wurde aber erst gestern konkretisiert, nachdem sie sich den Reihentitel „Galgenmärchen“ hat sichern lassen.

Wieso sollte man sich einen Titel sichern lassen?

Der Sinn einer sogenannten „Titelschutzanzeige“ ist, dass das Recht auf die Benutzung eines Titels für einen Roman im klassischen Sinne erst dann erreicht werden kann, wenn man diesen Titel auch tatsächlich benutzt. Hieraus ergeben sich gegebenenfalls weitreichende Komplikationen, gerade in der Planung von Veröffentlichungen.

Nehmen wir an, ein Verlag plant die Veröffentlichung eines Romans, der im Ersten Weltkrieg auf dem Schlachtfeld von Verdun spielt. Es gibt nun eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie dieser Roman heißen könnte. Naheliegend wäre zum Beispiel einfach der Titel „Verdun“.

Nun ist der Erste Weltkrieg durch die zahlreichen 100jährigen Jahrestage zu diesem Komplex natürlich nicht nur Thema in einem einzigen Verlag. Die Verlage konkurrieren vielmehr um die Lesergunst und sie tun es auch über die Titel. Und ein generischer Titel wie „Verdun“ ist hier natürlich besonders begehrt.

Wenn ein Verlag nun nachweisen kann, dass er der erste war, der diesen Titel für einen Roman hat vorsehen lassen, dann hat er, für einen gewissen Zeitraum, auch das Recht, diesen zur Veröffentlichung zu nutzen.

Und was ist nun eine Titelschutzanzeige?

Eine Titelschutzanzeige ist, wie der Name schon sagt, eine wirkliche Anzeige sowohl in Online- als auch in Printveröffentlichungen, dass ein Verlag oder eine natürliche Person sich einen Titel für einen Roman hat sichern lassen.

Es gibt verschiedene Publikationen, die sich auf die Veröffentlichung solcher Anzeigen spezialisiert haben. Nora hat sich für den Weg über buchmarkt.de entschieden. Buchmarkt.de veröffentlicht die Anzeige auf dem Webportal und in der nächsten Ausgabe der hauseigenen Publikation. Gleichzeitig wird der Titel in eine Datenbank übernommen und kann für den Zeitraum von einem halben Jahr nun von niemand anderem mehr gesichert werden.

Wie funktioniert die Titelschutzanzeige?

Das ist erstaunlich simpel zu erläutern. Da ist manche Onlinebestellung schwerer auszuführen.

Zunächst registriert man sich bei buchmarkt.de als Kunde. Im nächsten Schritt gibt man dann eine Anzeige auf. Diese kostet als Grundgebühr festgelegte zwanzig Euro (zzgl. MWSt.). Nunmehr kann für jeden einzelnen Titel, den man sich schützen lassen will, ein Feld im Onlineformular ausgefüllt werden. Jeder Titel, den man schützen lässt, kostet weitere 2,50 Euro (zzgl. MWSt.).

Vorsicht: Es sollte auch wirklich ein Feld pro Titel verwendet werden! Man sieht zwar auch auf der Website, dass manche Verleger auf die Idee gekommen sind, in einem Feld gleich ein Dutzend Buchtitel einzutragen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich rechtssicher ist.

Wenn man die Bestellung bestätigt wird sofort die Veröffentlichung auf der Website vorgenommen. Man erhält eine Rechnung und kann dann ganz bequem binnen 14 Tagen überweisen.

Und was hast du jetzt gemacht?

Ich habe den von Nora geschriebenen Blog-Eintrag zum Anlass genommen, mir selber Gedanken zum Thema Titelschutz zu machen. Und ich kam zum Entschluss, dass es auch für mich mehr als dringend an der Zeit war, zumindest die Titel schützen zu lassen, bei denen ich kurz- bis mittelfristig eine Veröffentlichung planen könnte. Ich sage deswegen könnte, weil ich weiß, dass ich nicht alle diese Romane im Rahmen der kommenden sechs Monate, denn so lange gilt ja die Anzeige nur, werde veröffentlichen können.

Aber: Solange ich sie jetzt gesichert habe, kann sie mir niemand wegschnappen. Und wenn der Titelschutz dann ausläuft, dann liegt es ja an mir, diesen wieder zu verlängern, oder es bleiben zu lassen. Bei bereits veröffentlichten Romanen – und das sollte zumindest „Der Beobachter und der Turm“ bis dahin sein – stellt sich das Problem ja nicht.

Ich habe mir also großzügig folgende acht Titel gesichert:

TitelschutzKlar könnte man sagen, dass das runde 50 Euro sind, die erst einmal ohne großen Nutzen „den Bach heruntergehen“. Aber irgendwie ist es schon ein positives Gefühl, diese Titelschutzanzeige zu haben, unter der tatsächlich auch, wenn man hier scrollen würde, mein Name steht. Sollte man nicht glauben, ist aber so. Schließlich gehe ich hier im Blog ja sehr offensiv mit den geplanten Namen meiner Romane um.

Ich bedanke mich bei Nora, die mich noch einmal auf diesen schon leicht verdrängten Punkt gestoßen und zum Handeln animiert hat :-)!

 

 

(*) Ich finde es immer ein wenig seltsam, von Autoren-Kollegen zu schreiben. Schließlich habe ich im Gegensatz zu ihr noch nichts veröffentlicht. Trotzdem sehe ich uns als Kollegen an. Ich denke, damit kann auch Nora ganz gut leben ;-).

Wie viele Protagonisten gibt es in meinen Romanen?

Hallo zusammen!

Jede Woche veröffentlicht der Autor Richard Norden interessante Artikel rund um das Schreiben auf seinem Blog. Vergangenen Samstag ging es bei ihm um ein Thema, das den kleinen Statistiker (hört sich irgendwie pervers an, findet ihr nicht auch?) in mir angesprochen hat.

Es geht darum, wie viele Protagonisten ein Roman vertragen kann. Um nicht Nordens kompletten Artikel hier zu zitieren, den ihr euch dringend selbst durchlesen solltet, gebe ich nur eine Kernaussage wieder:

Derzufolge kommt es bestenfalls nicht, oder nur in klar umrissenen Ausnahmefällen, vor, dass ein Roman mehr als einen Protagonisten besitzt. Und das ist derjenige, der die größte Veränderung, den größten Konflikt, den größten Einsatz zu verzeichnen hat. Auch in Geschichten, die man als Film im „Buddy-Sektor“ verorten würde, oder selbst bei Liebesgeschichten, gibt es immer die eine Figur, die der zentrale Mittelpunkt der Handlung ist. Auch bei den meisten Heldenteams ist dies der Fall.

Die anderen Charaktere sind dann Sidekicks, Wegbegleiter oder manchmal auch simple Stichwortgeber.

Eine klare Ausnahme lässt Richard Norden nur für wirklich epische Geschichten gelten. Er nennt hier „Das Lied von Eis und Feuer“ als Beispiel, der Mehrheit inzwischen eher unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt. Ich würde sagen, dass generell bei Romanserien, die sich um eine Heldengruppe (wobei die Helden ja keine Helden sein müssen) drehen, in verschiedenen Einzelromanen die Gewichtung stärker auf verschiedenen Protagonisten liegen kann.

Wie gesagt, die Vorteile und Nachteile zu beschreiben, das kann Richard Norden besser als ich. Ich nutze die Gelegenheit dazu, einen meiner gefürchteten Blicke auf mein eigenes kleines Bücherregal zu werfen, in dem die von mir geschriebenen Romane stehen.

Aber keine Sorge, ich versuche, mich kurz zu fassen ;-)!


Silverstar I: Angst im Perseus-Spiralnebel
Mit diesem Band werden die meisten der Protagonisten eingeführt, die mich durch meine vielbändige Science-Fiction-Serie führen sollten. Es gibt eine klare Hauptfigur, die man übergreifend über alle Bände auch als Serienprotagonistin bezeichnen könnte. Wobei sie in einigen Bänden in den Hintergrund tritt/getreten wäre.

Silverstar II: Expedition durchs All
Wie das so ist in Serien, kommen hier noch zwei weitere Protagonisten hinzu. Am Fokus auf die eine zentrale Protagonistin ändert das allerdings zunächst nichts.

Silverstar III: Final Star
Dies ist der erste Roman der Serie (und gleichzeitig auch der letzte), in dem eine der anderen Figuren stärker in die Rolle des Protagonisten rückt. Man merkt der Geschichte allerdings auch an, dass sie dadurch zwar rasanter wird, aber eben jenen Fokus ein wenig verliert.

Lichter
Der Roman ist komplett aus der Sicht des Protagonisten geschrieben – mit kleinen Ausnahmen gen Ende, die aber nichts daran ändern, dass es immer um den einen zentralen Charakter geht.

Different Stories
Die Novellensammlung hat in allen drei Geschichten eine klare Hauptfigur, auf deren Schulter die Handlung liegt.

Es zwingt einen dazu
Die Handlung folgt vollständig einer Person, es gibt keine Szenen ohne sie. Auch ein deutliches Signal im übrigen dafür, dass diese Person der absolute Protagonist sein muss und, sozusagen, niemanden neben sich stehen hat.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis
Dem Namen nach sind hier zwar drei Kinder gleichberechtigt, es gibt aber eine deutliche Wortführerin – womit die Geschichte im Übrigen ganz in der Tradition so ziemlich jeder anderen Jugendserie (die daraus vielleicht mal geworden wäre) steht, wie mir gerade auffällt.

Der Morgen danach
Es gibt einen deutlichen Handlungsträger, der sogar über weite Strecken der Handlung ganz auf sich gestellt agiert. Vielleicht der deutlichste unter all meinen Protagonisten.

Der Rezensent
Die Handlung dieses Thrillers wird maßgeblich zwar durch andere Charaktere vorangetrieben, nicht zuletzt natürlich durch den Antagonisten, wie es sich für einen Thriller gehört, aber der Fokus liegt klar auf einer Hauptfigur, der später ein Sidekick beiseite gestellt wird.

Das Haus am See
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bietet allerdings durch sein enormes Personal eine ganze Menge an anderen Personen mit, welche die Handlung beeinflussen und welche auch den Protagonisten beeinflussen.

Der Ruf des Hafens
Auch diese Horrorgeschichte hat einen klaren Protagonisten – mit einer starken Frau an seiner Seite, aber eben „nur“ an seiner Seite.

Darkride
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es hier natürlich den Ermittler als einzigen echten Protagonisten zu verzeichnen. Zu ihm gehören, ebenfalls wie in den meisten guten Krimis, ein Sidekick, eine starke Partnerin und ein nervender Chef. Die einen nennen es Klischees, die anderen notwendige Zutaten ;-).

Der Redner
Das ist in der Tat ein Sonderfall, bei dem ich mich schwer tue, den einen Protagonisten zu benennen. Ich habe drei Figuren, die über weite Strecken des Romans alleine agieren und sich erst später zusammentun. Allerdings, bei strenger Auslegung von Richard Nordens „Regeln“, komme ich zu dem Schluss, dass der Reporter Kevin Ryason der Protagonist sein muss. Er macht die ersten seltsamen Beobachtungen und hält später in der Handlung die Fäden zusammen.

Der Beobachter und der Turm
Ganz klarer Fall: es gibt nur einen Protagonisten und der heißt Richard Lenhard. Auch wenn im zweiten Handlungsabschnitt die hier bereits einmal erwähnten Polizisten in den Fokus rücken, bleiben diese – wichtige – Nebenfiguren.

Die Welt der stillen Schiffe
Wieder ein Ensemblestück, bei dem aber alleine durch die Ich-Perspektive absolut unstrittig ist, wen man als die Hauptperson anzusehen hat.


Fazit:

Nicht nur, dass ich Richard Norden in seiner These generell zustimmen möchte, rein intutiv habe ich mich in den meisten Fällen auch an sie gehalten. In den meisten meiner Romane gibt es genau einen wirklichen Protagonisten, mit dem sich der Leser, wenn es gut läuft, identifizieren kann.

Wobei wir natürlich alle wissen, dass es auch gute Nebenfiguren sein können, die uns besonders ans Herz wachsen und wichtig für uns werden. Aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

Herrenüberschuss – Wieso so deutlich?

Als Reaktion auf meinen gestrigen Beitrag schrieb mir die Devote Romantikerin folgenden Kommentar:

Ich vermisse einen Referenzrahmen. Müsstest du nicht eine Bilanz betreffend der Männer daneben stellen? Damit man – vielleicht – sich dann ein klareres Bild machen kann?

Darauf möchte ich gerne kurz eingehen. Wobei ich eines direkt sagen kann: eine detaillierte Bilanz wird es nicht geben, denn die würde geradezu frappierend aufdecken, wie groß der Männerüberschuss in meinen Romanen ist.

Von den 14 Romanen, die ich geschrieben habe, bietet ja nur einer eine absolute Hauptfigur auf. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass in den anderen die Männer das Heft des Handelns fest in der Hand halten. Ich denke da an Charaktere wie Markus Heldt aus „Der Morgen danach“, Richard Lehnhard aus „Der Beobachter und der Turm“, aber auch an das Triumvirat Anton Lechleitner, Kevin Ryason und David Berg aus „Der Redner“.

In einigen Romanen sind Männer und Frauen in den Hauptrollen einigermaßen gleichgestellt. Emery Lindsay aus „Es zwingt einen dazu“ wäre ohne die kesse Chie Qwan Lu ebenso aufgeschmissen, wie Stephan König aus „Der Ruf des Hafens“ ohne seine Rieke Thomsen.

Während ich also im Bereich der wichtigeren Figuren durchaus im Regelfall auf eine Frau verweisen kann, die eine wichtige Rolle spielt, sieht es bei den Nebencharakteren eher mau aus. Den Vogel schießt dabei in negativer Hinsicht der Roman „Darkride“ ab, wo tatsächlich, sofern ich mich nicht falsch erinnere, keine Frau vorkommt, die neben der im Nachbarartikel erwähnten Sandra Jung einen längeren Auftritt hätte.

Aber woran liegt das? Lässt sich das alles alleine damit plausibel erklären, dass ich eben ein Mann bin und mir deswegen männliche Rollen mehr liegen? Küchenpsychologie, wenn ihr mich fragt. Aber in Küchen wurden ja durchaus auch schon wahre Worte gesprochen.

Ich glaube, dass es in den meisten Fällen daran liegt, dass ich mir eine Schreibweise antrainiert habe, die sehr stark auf eine kleinere Gruppe von Handlungs- oder Perspektivträgern fokussiert. Die Ensembles in meinen Romanen sind, von Ausnahmen wie „Das Haus am See“ und der Silverstar-Reihe abgesehen, eher klein. Und jetzt gehen wir noch einmal in die Küche: wenn ich eine von wenigen Rollen besetzen muss, dann ist diese in meinem Kopf wahrscheinlich wirklich eher männlich angelegt.

Für einige Beispiele kann ich aber auch richtige Gründe angeben. Wenn Markus Heldt mit Rechtsradikalen in Berührung kommt, dann sehe ich vor meinen Augen keine schmalen Frauen als Nazi-Amazonen, dann sehe ich bullige Kleiderschränke. Wenn Richard Lenhard ein Bordell betritt, wird der Besitzer eher ein Mann als eine Frau sein. Und – leider ist es immer noch so – wenn irgendwo ein ranghoher Polizist auftaucht, ist dieser mit enormer Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein Mann.

Das soll alles nicht in eine Rechtfertigung ausarten, denn es gibt nichts, wofür ich mich rechtfertigen müsste. Schließlich gibt es Autoren, die schreiben und schrieben Frauen höchstens als Love Interests in ihre Romane, was ich bisher, glaube ich, erfolgreich vermieden habe. Bei mir bekommen am Ende des Tages nicht immer der Held das Mädchen. Weil ich, bei allem Ungleichgewicht, das rein numerisch herrschen mag, Wert darauf lege, das Geschlechterbild differenziert darzustellen.

So, wie es eben auch im richtigen Leben sein sollte!

Ich verspreche aber hiermit, zukünftig vielleicht wieder stärker darauf zu achten und zu hinterfragen, wo es sich anbietet, eine starke Frauenrolle auch einmal in den Nebenrollen zu verwenden!

Frauen in meinen Romanen – Eine Bilanz zum Internationalen Frauentag

Heute ist der Internationale Frauentag und ich tue gar nicht so, als ob ich das gewusst hätte, bevor Wikipedia mich darauf stieß. Aber tröstet euch, liebe Leserinnen, wenn es einen Männertag geben sollte (gibt es sowas?), dann wüsste ich auch nicht, wann der ist. Dafür wird euch meine Frau bestätigen, dass ich noch nie den Valentinstag, unseren Hochzeitstag oder (für unsere Kinder wichtig) den Muttertag vergessen habe ;-).

Also – der Internationale Frauentag. Ein Tag, der vollkommen den Rechten der Frau gewidmet ist. In Deutschland in den letzten Jahren ein wenig zwiespältig gesehen, da der westliche Teil der ehemaligen Bundesrepublik diesen Tag nicht so hoch hielt, wie es die Mitmenschen im Osten, in der Deutschen Demokratischen Republik taten. Das hatte mit Sicherheit etwas damit zu tun, dass es sich beim Internationalen Frauentag ursprünglich um eine sozialistische Erfindung gehandelt hat.

Aber solche ideologischen Grenzlinien sind mir hier vollkommen fremd, weswegen ich auch den politischen wie den gesellschaftlichen Teil hinter mir lasse und zu meiner Arbeit als Autor komme.

Ausgehend davon, dass heute der Internationale Tag der Frau ist, habe ich mir einmal angeschaut, welche Rolle Frauen eigentlich in meinen Romanen spielen. Und ich gebe zu, dass ich ein wenig überrascht wurde.

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne starke Frauenfiguren in Romanen lesen. Aber ich tue mich manchmal mit weiblichen Hauptfiguren schwer, weil ich sie häufig als, wie soll ich sagen, bemüht empfinde. Insbesondere dann, wenn Männer über diese Frauen schreiben. Wahrscheinlich habe ich mich deswegen, mit einer prominenten Ausnahme, auch nie daran gewagt, Frauen wirklich ganz in den Fokus zu rücken. Aber immerhin kann ich behaupten, nicht dem typischen Klischee entsprochen und Frauen komplett ausgebootet zu haben. Auch hier mit einer kleinen Ausnahme.

Zu den Romanen im Einzelnen:


In der Silverstar-Trilogie ist Leya Kuvan eine mehr als gleichberechtigte Hauptfigur. Streng genommen müsste man sagen, dass sie der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist. Jedenfalls wenn man die Anteile dessen als Maßstab nimmt, was sie tut und was sie bewirkt. Abseits von ihr gibt es eher wenige weibliche Figuren. Mit Teil 2 werden einige eingeführt, die im Laufe der Zeit größeren Anteil hätten haben sollen, aber dann habe ich ja die Arbeit an der Serie eingestellt.

Der Roman Lichter hat mit Mel eine weibliche Mit-Hauptfigur, die durch ihre zurückhaltende Art oftmals durch die mitwirkenden Kerle in den Hintergrund gedrängt wird. Sie kann aber in einzelnen Szenen zeigen, dass sie nicht nur eine starke Meinung hat, sondern auch großes Durchsetzungsvermögen. Daneben gibt es keine weitere weibliche Rolle.

In Es zwingt einen dazu ist die Chinesin Chie Qwan Lu eine echte Hauptfigur, die der männlichen Hauptfigur wichtige Impulse für die Handlung gibt. Weitere weibliche Personen handeln eher im Hintergrund.

Mein Kinderbuch Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis hat einen Frauenüberschuss von zwei zu eins. Dabei ist Britta eindeutig die Anführerin und Hauptperspektivträgerin. Wenn man so will, bin ich also ausgerechnet in meinem für mich ungewöhnlichsten Buch von meiner sonstigen Linie abgewichen. Für mich überraschend.

Im Thriller Der Morgen danach spielen Frauen nur in Nebenrollen mit, auch wenn insbesondere einer von ihnen eine große Bedeutung zukommt. Die Sichtweise bleibt aber durchweg männlich in einem von Männern dominierten Umfeld. Auch eine Überraschung, dass ausgerechnet in dem Roman, den ich mit am rasantesten von meinen Büchern finde, keine starke Frauenrolle vorkommt.

Im danach geschriebenen Der Rezensent änderte sich das wieder. Nathalie kann man durchaus als gleichberechtigte Frauenfigur sehen, ihr zur Seite steht mit Julia eine etwas schwächere, aber in der Handlung sehr präsente Figur. Die Hauptperspektive liegt allerdings auch hier wieder bei einem Mann.

Das Ensemblestück Das Haus am See bietet Platz für jede Menge Frauenfiguren, von denen sich, alleine schon durch die Ich-Perspektive des Erzählers, kaum eine hervortun kann. Mit Linda gibt es eine gravierende Ausnahme, die aber dennoch nicht mehr als eine führende Nebenrolle einnimmt.

In Der Ruf des Hafens ist die junge Rieke als streitbare, ortsansässige und intelligente Frau die absolut gleichberechtigte Hauptfigur neben dem neuen Inselautor Stephan. In Nebenrollen tauchen auch weitere Frauen auf.

Beim Krimi Darkride besetzt Sandra Jung als Marketingleiterin des Freizeitparks, in dem der Roman spielt, eine sehr starke Frauenrolle, die nicht ganz groß genug ist, um von einer Hauptrolle sprechen zu können. Weitere Frauen agieren nur am Rand.

Der Horror-Roman Der Redner bietet mit Sarah, der Freundin eines der drei Protagonisten, eine sehr wichtige Nebenrolle auf. Sie ist damit aber auch schon die einzige wirklich wichtige Frau.

Ohne Frauen würde die gesamte Handlung von Der Beobachter und der Turm in sich zusammenbrechen. Sie handeln nie als Hauptfigur, sind aber mehr als wichtige Impulsgeberinnen. Allen voran natürlich Richards Ehefrau.

Und auch mein im Entstehen begriffener Roman Die Welt der stillen Schiffe besitzt mit der jungen Maria eine gleichberechtigte Hauptfigur, die allerdings ein wenig in den Mustern ihrer Zeit (immer dran denken, sie kommt aus dem Jahr 1941) verhaftet ist.


Ziehen wir also Bilanz:

In 14 Büchern (ich zähle jeden Silverstar-Teil einzeln) haben wir

  • 1 absolute Hauptfigur
  • 9 gleichberechtigte Hauptfiguren
  • 7 wichtige Nebenfiguren
  • 6 markante Nebenfiguren
  • und 2 Romane mit nennenswertem weiblichen Ensemble

Ist das jetzt gut oder ist das jetzt schlecht? Wer will schon darüber urteilen – wichtig ist es doch, dass es in sich und in den Geschichten stimmig ist. So würde ich das jedenfalls gerne sehen wollen. Aber wenn ihr anderer Meinung seid, dann lasst mir gerne einen Kommentar da! 🙂

Und an die Autoren und Autorinnen unter meinen Lesern mag ich die Frage richten, wie ihr mit dem jeweils anderen Geschlecht umgeht. Gibt es da irgendwelche Berührungsängste in euren Schilderungen? Oder signifikante statistische Auffälligkeiten? Ich bin gespannt!

Drei Romane, die sich eine Welt teilen

Ich habe es ja schon beschrieben, hier auf meinem Blog. Aus irgendeinem Grund, der mehr im Unterbewusstsein liegt, als dass es sich um eine bewusste Entscheidung gehandelt hätte, spielen drei meiner Romane nicht nur am gleichen Fleckchen Erde, sondern auch, zumindest in Teilen, in der gleichen Welt. Nämlich in der „Welt der stillen Schiffe“.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich diese Welt das erste Mal in „Der Ruf des Hafens“ beschrieb, das vollständig auf der (fiktiven) Nordseeinsel Nordersand spielt, irgendwann in unserer Zeit. In diesem Roman spielt diese Welt nur eine kleine Rolle, weil sie im Zusammenhang mit einem alten Inselfluch steht, der Nordersand mit aller Wucht trifft.

Als ich dann im letzten Jahr „Der Beobachter und der Turm“ schrieb, hatte ich von dem, was sich innerhalb des Turms abspielen sollte, nur wenige Ideen. Das war so eine Art schwarzes Loch, das ich dann während des Schreibens mit Leben füllte. Es war auch in der ursprünglichen Fassung, die ich vor rund fünfzehn Jahren angefangen hatte zu schreiben, keine Rede von Nordersand oder dem Landstrich davor. Diese räumliche Zuordnung kam erst jetzt.

„Der Beobachter und der Turm“ spielt zur Jahrtausendwende in einem Nachbarort von Nordersandsiel, von wo aus die Fährschiffe zur Insel fahren. Und unter bestimmten Umständen, an einem ganz bestimmten Ort, kann man einen Blick erhaschen, auf die Welt der stillen Schiffe.

Und nun also dieser Roman selbst, der sich beinahe ausschließlich in dieser Welt abspielt, in die eine Reihe von Freunden zur Zeit des Zweiten Weltkriegs geraten ist, als sie gerade versuchten, Strandgut von Nordersand nach Nordersandsiel zu transportieren.

Drei Romane, die in drei verschiedenen Zeiten spielen, in ganz unterschiedlichem Erzähltempo daher kommen und ganz eigene Versionen von dieser geheimnisvollen Welt zur Grundlage haben. Und doch drei Romane, die eng zusammenhängen, auch wenn sie keine Personen und so gut wie keine Orte miteinander teilen.

Das wurde mir heute Vormittag so richtig wieder bewusst, als ich, meine Follower auf Twitter haben es schon gelesen, bei der Überarbeitung von „Der Beobachter und der Turm“ an der Stelle anlangte, in der ich auf die „Welt der stillen Schiffe“ verweise.

Es hat sich gut angefühlt, diese Schnittstelle zu betrachten, in sie hinein zu spüren und zu dem Schluss zu kommen, alles richtig gemacht zu haben. Dass sich alles an dieser Stelle echt anfühlt und nicht bemüht dahergeschrieben.

Nach diesen drei Romanen werde ich wahrscheinlich nicht wieder zurückkehren in die „Welt der stillen Schiffe“. Es wird Zeit, sich anderen Gegenden und anderen Geschichten zuzuwenden.

Aber wer weiß, was sich noch ergeben wird.

Die Person, für die ich schreibe, liest nicht

Oftmals hört man von Schriftstellern, dass sie nicht für ein anonymes Publikum schreiben, das sie sich nicht einmal im Ansatz visualisieren können, sondern dass es da diesen einen, ganz besonderen Menschen in ihrem Leben gibt, der ihnen gleichzeitig als Muse, als Kritiker, als Stütze in schweren Zeiten und auch als moralische Instanz dient, wenn sie zur Feder oder zur Tastatur greifen. Das hilft ihnen dabei, die Qualität ihrer Texte zu überprüfen, Form und Stil auszurichten und auch, um Motivationslöcher zu überbrücken.

Als ich 2011 nach langer Schreibpause wieder damit begann, mich mit dem Schreiben von Romanen auseinander zu setzen, hatte auch ich so einen Menschen. Das kuriose an dieser Beziehung ist, dass dieser Mensch nicht liest!

Jetzt ist es nicht etwa so, dass B. nur meine Bücher nicht liest. Sie liest überhaupt keine Bücher! Ich kann solche Menschen ja immer nur schwer begreifen, aber ich weiß, dass es sie gibt.

Und so habe ich, sollte man meinen, ein kleines Problem: die Person, für die ich insbesondere in den Jahren 2011 bis 2013 geschrieben habe, liest nichts von dem, was ich schreibe.

Aber es ist kein Problem und wisst ihr auch, warum es das nicht ist?

Weil B. zwar nicht meine Romane liest, aber weil sie gefühlsmäßig sehr nah an mir dran ist. Räumlich trennen uns runde 170 Kilometer voneinander. Und wir haben auch nicht mehr so oft Kontakt, wie wir ihn früher hatten. Aber irgendwie ist B. immer noch die Person, die ich bei vielen Texten im Hinterkopf habe, wenn ich sie schreibe.

Sie ist ein sehr musischer Mensch, Sängerin. Ich glaube, dass sie deswegen auch meine hochfliegenden Ziele nachvollziehen kann. Dass sie mich deswegen nicht belächelt, wenn ich davon schreibe, veröffentlichen zu wollen.

Sie stärkt mir den Rücken darin, mich nicht zu klein zu machen. Weil sie weiß, dass ich gut darin bin, mich klein zu machen.

Als ich „Der Morgen danach“, „Der Rezensent“, „Das Haus am See“, Der Ruf des Hafens“ und „Darkride“ geschrieben habe, habe ich ihr jeden Tag eine Mail zukommen lassen, in der die Zahl der an diesem Tag geschriebenen Wörter stand, der erste geschriebene Satz und der letzte geschriebene Satz. Gefühlt war sie damit ganz dicht dran am Entstehungsprozess.

Wir haben uns oft über diese kleinen Sätze ausgetauscht, B. und ich. Es war eine ganz besondere Art der „Zusammenarbeit“.

Seit „Der Redner“ ist diese Form der täglichen Berichterstattung leider eingeschlafen. Von meiner Seite aus eingeschlafen. Ich weiß nicht, was mich davon abgehalten hat, weiß es auf der anderen Seite ganz genau. Es war die Angst, mit meinem Geschreibsel einem Menschen auf die Nerven zu gehen, von dem ich doch genau weiß, dass er diesen Roman nie lesen wird.

Und irgendwann eröffnete ich dann diesen Blog und ab da war sowieso alles anders.

Heute Abend telefoniere ich mit B. Und ich denke, wir werden uns auch über meine schriftstellerischen Pläne für dieses Jahr unterhalten. Und ich glaube, ich muss ihr noch einmal ganz deutlich Danke sagen! Danke dafür, dass sie die ganze Zeit über an mich glaubt und geglaubt hat. Auch dann, als ich mich zu doof dafür befand, mehr als drei Worte aneinander zu reihen.

Die Person, für die ich schreibe, liest nicht! Aber wenn es irgendwann, dereinst, Hörbücher zu meinen Romanen gibt, dann holen wir das alles nach :-).