Der Sonntagsreport vom 15.10.17: Motivation aus zweiter Hand

Hallo zusammen!

Wer meinen Beitrag von gestern nicht gelesen haben sollte, in dem es darum ging, dass ich zwar nicht auf der Frankfurter Buchmesse gewesen bin, aber irgendwie dann doch dabei war, sollte dies möglicherweise nachholen, weil der heutige Beitrag eine Art Fortsetzung ist. Aber vom Grundsatz her ist er auch ohne „Vorkenntnisse“ verständlich.

Es geht um Motivation. Und vor allem um Motivation aus zweiter Hand.

Woher schöpfen wir Motivation? Im besten aller Fälle aus uns selbst heraus. Wir begeistern uns für Dinge, die uns Spaß machen, die uns am Herzen liegen. Dies sind die Sachen, auf die wir uns freuen und für die wir gerne mal den Alltag beiseite schieben (möchten). Wir brauchen niemanden, der uns sagt, dass es jetzt an der Zeit ist, sich um das Schreiben zu kümmern, oder endlich mal wieder Klavier zu spielen, oder die Musikstücke einzustudieren, die wir mit unserer Band spielen wollen.

Nein, das kriegen wir sehr gut alleine hin und meistens ist es eher umgekehrt: Wir brauchen jemanden, der uns daran erinnert, dass die Steuererklärung noch gemacht werden muss, oder dass es an der Zeit wäre, endlich mal das Bad zu renovieren, oder dass das Auto in die Waschanlage muss.

Das Letztgenannte ist eher eine externe Motivation. Auch die ist nicht unwichtig, denn sie verhindert, dass uns die Einkommensteuer um die Ohren fliegt, das Bad unter uns zusammenbricht oder es mächtig Knatsch mit der Ehefrau/dem Ehemann gibt, weil das Auto auf einmal schwarz und nicht mehr silbern ist.

Oder nehmen wir den Klassiker. Das ist natürlich der Brotberuf, dem wir nachgehen, weil die meisten von uns weder vom Schreiben, noch vom Klavier spielen oder vom Singen leben können. Das Geld muss also aus anderer Quelle kommen.

Aber was macht man nun, wenn, warum auch immer, die Motivation aus uns selbst heraus nicht funktioniert? Wenn wir uns vor die Tastatur setzen und kein Wort zustande bringen, wenn wir keinen Ton treffen und unser Gesang klingt, als wäre es ein einziges Rabengekrächz?

In solchen Momenten ist es nicht schlecht, wenn man auf Motivation aus zweiter Hand zurückgreifen kann.

Und damit schlage ich den Bogen zurück zu mir selbst und meinem Artikel von gestern. Ich war zwar nicht auf der Buchmesse, aber bedingt durch meinen „Job“ als der Mann am Twitteraccount, habe ich eine Menge an Tweets gesehen und gesichtet, eine Menge Menschen quasi „live“ vor der Linse gehabt und ein ganz merkwürdiges Konservengefühl entwickelt. Ihr kennt das bestimmt: So, als wenn man etwas im Fernsehen sieht und dennoch das Gefühl hat, dabei zu sein.

Und so kommt es, dass ein wenig dieser ganzen Freude am Buch, dieses ungemeinen Tatendrangs, den ich bei ganz vielen gespürt habe, auch auf mich übergeschwappt ist. Bis jetzt kannte ich den Effekt nur von einigen motivierenden Büchern, aber das muss ich jetzt wohl auf Buchmessetweets ausweiten.

Ich bin gespannt, ob der Effekt anhalten wird, wenn ich mich durch die Myriaden von Nachberichten lesen werde, die nun zwangsläufig überall im Internet aufpoppen werden. Es wäre wünschenswert, denn wie man sich sicher denken kann, bin ich lieber motiviert als demotiviert. Lieber zuversichtlich als skeptisch. Lieber mit Freude bei der Sache als von Selbstzweifeln gequält.

Und wie äußert sie sich nun, diese Motivation aus zweiter Hand? Wie bei mir üblich im Schmieden von vielen Plänen. Denn es ist ja nicht so, als ob ich nicht, theoretisch, ganz viele Eisen im Feuer hätte. Da sind die zwei fertigen Romanexposés, mit denen ich hausieren gehen kann. Da ist ein, an der Zielgruppe getestetes, Manuskript aus dem Bereich Kinderbuch, das ich aufpeppen kann. Da sind die beiden Kurzgeschichten und der Roman, an dem ich schreibe. Und, und, und.

Viele von den Sachen könnte ich ja sogar „nebenbei“ erledigen. Ein Anschreiben an Agenturen/Verlage ist schnell aktualisiert aufgesetzt und entweder per Mail oder per Post verschickt. Und dann muss man ja eh warten. Zeit, um andere Dinge zu tun, wie zum Beispiel zu schreiben.

Allerdings weiß ich auch, bei aller segensreichen Motivation, dass ich auf mich aufpassen muss. Ich mache gerade eine Phase durch, in der meine Kräfte sehr fragil sind. Es kann vorkommen, dass ich mich in etwas stürze, nur um dann nach zwei Tagen festzustellen, dass da keine Kraft mehr da ist. Und schon wäre ich wieder demotiviert und niedergeschlagen. Es ist nicht leicht.

Wichtig wird für mich sein, einen Mittelweg zu finden, mir Prioritäten zu setzen. Keine Luftschlösser zu bauen (da fällt mir zum Beispiel der kommende National Novel Writing Month ein, der dieses Jahr reines Gift für mich wäre).

Aber schön ist erst einmal, dass die Motivation da ist. Wenn auch „nur“ aus zweiter Hand. Aber ist nicht gerade das der Grund dafür, dass so viele von uns Autoren so einen Narren an Buchmessen und den gegenseitigen Treffen gefressen haben? Weil sich eben hieraus die Motivation mitnehmen lässt?

Darüber zu philosophieren überlasse ich jemand anderem. Seht es mir nach.

Ich wünsche euch einen guten, möglichst motivierten, Start in die Woche!

Euer Michael

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Der Sonntagsreport vom 08.10.2017 – Wo ist denn das Wochenende geblieben!?

Oh weh, schon ist es wieder Sonntag Spätnachmittag/Abend und ich habe keine Ahnung, wo eigentlich das Wochenende geblieben ist. Aber ich bin mir sicher, wenn ich mich hinsetzen und es mal alles aufschreiben würde, dann würde mir auch wieder einfallen, wo die Zeit geblieben ist. Aber wenn ich damit anfange, dann habe ich wieder eine Stunde mehr oder weniger in den Sand gesetzt, mit der ich vielleicht sinnvolleres anstellen könnte. Oder die mir einfach so zwischen den Fingern zerrinnt.

Eigentlich hatte ich für dieses Wochenende vorgehabt, die Arbeit an den mir vorliegenden Seiten aus dem Lektorat zu einem Abschluss zu bringen, damit ich sie wieder an den Verlag schicken kann. Bis gestern Abend sah es damit auch noch ganz gut aus, aber heute hat es nicht geklappt, die letzten noch fehlenden fünf Seiten zu bearbeiten. Ja, gut, ich habe noch Zeit, aber ich fühle mich auch irgendwie nicht danach.

Irgendwie fühle ich mich nach „Decke über den Kopf ziehen“. Aber ich habe noch ein bisschen was zu tun.

Was mir das Wochenende am meisten zerrissen hat, ist der PC meiner großen Tochter. Dem sollte nämlich eine SSD spendiert werden, damit das Einspielen von Updates oder das simple Hochfahren des Rechners nicht immer Ewigkeiten dauert. Und wenn man schon einmal dabei ist, dann installiert man natürlich auch das Betriebssystem neu – ist ja klar, ansonsten hat man ja direkt die ersten Langsammacher wieder mit im Boot.

Nach bald dreißig Jahren im Geschäft sollte ich eigentlich wissen, dass es niemals trivial ist, einen PC aufzurüsten. Auch wenn da schon eine Menge einfacher geworden ist im Vergleich zu früher. Heute kann man alles kreuz und quer an den Strom und an die SATA-Schnittstellen anschließen. Früher musste man genau aufpassen, welches Laufwerk das erste und welches das zweite sein sollte, weil sonst nichts mehr funktionierte.

Aber trotzdem hatte ich eine Menge „Spaß“ mit der Kiste. Die erste Überraschung war, dass ich nach dem Aufschrauben des Gehäuses nicht nur eine, sondern derer zwei Festplatten vorfand. Oh, stimmt ja, ich hatte nach Erwerb des Komplettsystems noch die Festplatte aus dem alten, abgerauchten Notebook mit eingebaut. Wie gut und vorausschauend, dass ich zu der SSD einen neuen Halterahmen bestellt hatte, in den zwei 2,5″-Laufwerke eingesetzt werden können. Wie schlecht und absolut hirnverbrannt, dass der Kasten, in dem die Festplatten verbaut werden sollen, keinerlei vernünftige Zugänge für ausreichend Strom- und Datenkabel bot. Eine große Herausforderung für Freunde des Zauberwürfels: Das alles hinzubiegen und nicht den PC vor Frust vom Tisch zu fegen!

Aber gut, irgendwann war dann alles verkabelt und ich konnte ans Betriebssystem gehen. Oh, well …

Der erste Blick geht natürlich ins BIOS. Wo die SSD nicht angezeigt wird. Sehr gut! Also Windows durchbooten und mal nachschauen, was da los sein könnte. Oh, die SSD ist nicht formatiert. Wieso auch!? Also schnell nachholen. Dann wieder ins BIOS: Ja, sie wird angezeigt! Aber ich kann sie nicht als Bootplatte einstellen. Okay, das geht vielleicht im Lauf der Installation. Also vom USB-Stick gebootet, wo das Setup drauf war und ja, da ist sie!

Aber was soll die Fehlermeldung, dass ich Windows hier nicht installieren kann? Im Setup noch einmal neu formatiert und es ändert sich … nichts.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon eine leicht pochende Halsschlagader, wie ich zugeben muss. Das Studium diverser Googletreffer brachte mich dann irgendwann darauf, dass die Neuinstallation von Windows zickt, wenn das Setup auf irgendeiner der angeschlossenen Festplatten einen schon vorhandenen Bootloader findet. Und von der Sorte hatte ich ja schon zwei verbaut.

Also alles wieder aufgeschraubt und mit Fingerspitzengefühl die Datenkabel aus den Festplatten gezogen. Dann wieder ins Setup und Juchhu! ich kann Windows installieren!

Und dass die Neuinstallation des Betriebssystems und aller benötigten Programme (bei meiner Tochter zumeist nur Spiele und das geht dank Steam ja recht einfach) auch eine Menge Zeit frisst, das dürfte klar sein. Ich hatte zwischendurch mit einer Software zur Fernwartung experimentiert, aber da riss die Verbindung dauernd ab, weil der WLAN-Stick am Rechner des Kindes Mucken macht.

Und, ach ja, erwähnte ich, dass mein Rechner im Keller steht und der PC meiner Tochter in der zweiten Etage (lauf, kletter).

Okay, ich merke gerade, dass ich mich da wohl ein wenig in Rage geschrieben habe 😉 . Soll nicht wieder vorkommen, zumal jetzt „nur noch“ Restarbeiten zu erledigen sind. Aber wenn man noch ins Kalkül zieht, dass wir das halbe Wochenende zusätzlich (!) noch auf Achse waren, um vielleicht irgendwo mal drei neue Stühle für unser Esszimmer zu finden, wird noch deutlicher, wo die Zeit eigentlich geblieben ist.

Jedenfalls ist es jetzt schon wieder fast eine halbe Stunde her, dass ich mit diesem Beitrag angefangen habe, aber das rechne ich jetzt mal nicht. Auch nicht, dass ich eigentlich noch eine Mail beantworten wollte und dass hier auf dem Blog Kommentare darauf warten, dass ich sie beantworte. Und mein Mailpostfach quillt auch schon wieder über und

UAAAAAAAAAH!!!!!

Wisst ihr, was mich als einziges ein bisschen aufrichtet? In drei Wochen habe ich zwei Wochen Urlaub und auch wenn sich da genügend Zeit finden wird – und auch soll – sinnvollere Dinge zu machen, als an irgendwelchen Computern zu sitzen, werde ich mich doch mit dem einen oder anderen wieder auf den laufenden Stand bringen können.

Oh – und meine Medikamente für die nächsten zwei Wochen muss ich mir auch noch zurecht sortieren!

Ihr merkt schon, dieser Beitrag hier wird nichts mehr und vor allem nicht mehr strukturiert oder etwas anderes als eine Folge von „ich müsste, ich musste und ich hätte zu“.

Und im Hintergrund singt Nena gerade: „Ich bleib‘ heut‘ zu Hause, ich bleibe im Bett“. Der Zufall will es so und ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Wir sehen uns morgen in alter Frische, wenn ich ich bis dahin nicht hyperventilierend abgehoben habe und durch die Decke gegangen bin 😉 .

Es wünscht euch einen guten und möglichst entspannten Start in die neue Woche

euer Michael

Der Sonntagsreport vom 17.09.2017 – Noch ein wenig Prokrastination

Hallo zusammen!

Na, habt ihr ein schönes Wochenende gehabt? Das würde mich freuen, denn mit meinem eigenen bin ich nur so halbwegs zufrieden. Nein, streng genommen bin ich mit den vergangenen zwei Wochen nur so halbwegs zufrieden. Wobei – eigentlich ist es totaler Bullshit (entschuldigt mein Französisch), so zu empfinden. Aber was man auch immer mit Empfindungen anfangen kann: Steuern oder gar abschalten kann man sie nur sehr schlecht.

Was also ist passiert?

Eine sehr profane Sache und noch dazu eine, in die ich sehenden Auges und mit bestem Wissen, was geschehen würde, hinein getappt bin.

In der Autorenblase bei Twitter kursiert in den letzten zwei Tagen ein Selbsttest zum Thema Prokrastination, der von einer wissenschaftlichen Ambulanz der Uni Münster entwickelt wurde. Dieser Test soll es ermöglichen, einen Aufschluss darüber zu geben, wie sehr man von verschiedenen, zumeist psychisch bedingten, Charakteristika betroffen ist. Dabei geht es neben der klassischen Prokrastination, von der ich ja hier schon einmal berichtet hatte, auch um Werte wie Depressivität oder Aufmerksamkeitsdefizit.

Also alles Themen, die dazu geeignet sind, einem so richtig den Tag zu vermiesen, wenn die falschen Ergebnisse bei diesem Test herauskommen.

Aber was bin ich auch so bescheuert und mache diesen Test! Ich meine, ich wusste doch im Vorfeld selbst, wie ich wahrscheinlich aus der Auswertung herauskommen würde. Ich kenne mich selbst gut genug und bin es inzwischen seit Jahren gewohnt, mich selbst zu reflektieren und im Rahmen meiner vorhandenen Probleme an mir zu arbeiten. Oder eben auch zu erkennen, wenn es mal nicht ganz so gut läuft.

Und in den letzten zwei Wochen ist es nicht so gut gelaufen. Wobei es dafür einen handfesten Grund gab: Die körperliche Erschöpfung im Zuge meiner Viruserkrankung hat dazu geführt, dass ich generell nicht unbedingt immer für irgendwas zu gebrauchen war. Wie das eben so ist, wenn man sich krank fühlt. Eben aus diesem Grund wurde ich ja schließlich auch arbeitsunfähig geschrieben.

Aber diese körperliche Krankheit bekommt immer schnell eine zweite, nichtkörperliche Ebene, bei der es sich in der einfachsten Manifestation um eine Art gesteigertes schlechtes Gewissen handelt. Nach oben hin sind dann keine Grenzen gesetzt.

Und in einer solchen Situation fülle ich also einen Selbsttest aus, dessen Ergebnis mich in etwa so überrascht hat, wie es einen frisch von seiner Freundin Verlassenen überraschen dürfte, wenn er in einem Selbsttest über Liebeskummer die volle Punktzahl erreicht.

Ich will nicht in die Details gehen, aber mir sind alle meine „Sünden“ wieder eingefallen. Dass ich in den letzten zwei Wochen so gut wie gar nichts geschrieben habe, zum Beispiel. Dass ich wieder einmal nur mit großer Verspätung auf E-Mails reagiert habe, die mich erreichten, zum zweiten Beispiel. Und dass ich Aufgaben, die ich mir selbst gestellt habe, mit allen möglichen Ausflüchten vor mir her schiebe, zum dritten Beispiel.

Die Ergebnisse sind am Ende so, dass ich mir auf jeden Fall Gedanken darüber machen muss. Ich habe in den vergangenen zwei Wochen gemerkt, wie schnell es geht, in alte Verhaltensmuster zu fallen. Ja, sie sind durch die körperliche Schwäche teils gerechtfertigt. Aber teils ist es einfach auch eine Null-Bock-Stimmung, die aus einer ganz anderen Ecke kommt. Eine Ecke, die ich im Auge behalten und gegen die ich aktiv angehen muss.

Ich habe den Test gestern Abend gemacht und ich denke, es überrascht niemanden, dass ich heute in blanken Aktionismus ausgebrochen bin. Ich habe eine große Runde an „Das Kind“ geschrieben, ich habe auf meiner Festplattenpartition, wo ich alles und nichts speichere, Ordnung geschaffen, ich habe an dem Roman weiter gelesen, für den ich zugesagt habe, den Testleser zu machen.

Das alles sind Übersprungshandlungen, die jetzt in die Normalität zurück sickern müssen. Ich hoffe, dass sie das ab morgen tun werden, wenn ich wieder arbeiten gehe. Unnötig zu erwähnen, dass sich auch diese Tatsache anfühlt wie eine ganz, ganz schwer zu bewältigende Aufgabe. Ich sag’s ja: alte Verhaltensmuster.

Letztlich hat der Test mir nichts Neues offenbart. Das ist gut. Er hat mir allerdings viel vor den Latz geknallt, was, wenn auch aus Gründen, aktuell ist. Das ist schlecht.

Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Panik und Gelassenheit, zwischen Aktionismus und geplantem Vorgehen.

Ich glaube, das könnte eine spannende Woche werden.

Euch jedenfalls wünsche ich, dass ihr eine entspannte Woche haben werdet. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich den erwähnten Test verlinken soll, aber letztendlich bekommt ihr ihn mit einer Minute Suchmaschinenarbeit ohnehin zu sehen. Deswegen gibt es hier den Link.

Aber denkt daran: Was bei so einem Test herauskommt, ist nicht das Amen in der Kirche. Es muss im Zweifel abgeklärt werden. Geht also verantwortungsbewusst damit um.

Habt eine gute Zeit!

Euer Michael

Der Sonntagsreport vom 10.09.2017 – Da ist man mal nicht da …

… und schon brechen die Besuche auf dem Blog ein. Man könnte meinen, es ist nur meine Geschwätzigkeit, die dafür sorgt, nicht in Vergessenheit zu geraten.

So – alle mal durchatmen, denn das war ein Scherz!

Ich habe es vorher schon einmal in Kommentaren angesprochen, dass ich wirklich genau verfolgen kann, wie die Besuchszahlen auf meinem Blog für Tage zurückgehen, wenn ich mal einen oder zwei Tage keinen neuen Artikel veröffentlicht habe. Ich bin mir sicher, dass man da jetzt richtig gewichtige Rückschlüsse in Bezug auf Marketingstrategien, Wirkungsanalysen und Zeitfenster ziehen könnte.

Nur, das alles mache ich nicht. Ich nehme zur Kenntnis, bin inzwischen aber älter und weiser geworden und mache mich deswegen nicht mehr verrückt, wenn ich mal weniger Besucher habe. Und wisst ihr auch, wieso das so ist?

Ganz einfach: Ich weiß, dass ich euch mit meiner Postingfrequenz ganz schön was zumute. Ich meine, wer hat schon jeden Tag Zeit und Lust, den Beitrag des Tages auf einem bestimmten Blog zu lesen, selbst wenn er wirklich gut sein sollte? Was meine, selbstkritisch betrachtet, ja nun auch nicht immer sind.

Dafür kann und möchte ich mich nicht beschweren. Ich habe viele Besucher, die immer gerne wiederkehren. Es könnte sein, dass ich, mit einer ausgefeilten Strategie, zu ganz anderen Zugriffszahlen käme. Ich verteile meine Zugriffe auf einem nicht so hohen Niveau auf die ganze Woche. Andere Blogs haben vielleicht bei einem neuen Artikel in der Woche wesentlich höhere Spitzenwerte. Weiß ich alles nicht.

Aber da bei mir halt die tägliche Dosis das gewohnte Maß aller Dinge ist, fällt es in der Kurve schon auf, wenn mal ein Tag deutlich unter allen anderen bleibt.

Wieso schreibe ich euch das eigentlich heute? Weil ich in den letzten Tagen wieder viel über Marketing gehört und gelesen habe. Über Strategien bei Social Media und Blogs. Darüber, was man wann, wie und wo schreiben soll. Drüben bei Twitter bin ich, im „Auftrag“ der BartBroAuthors, selber Teil solcher Überlegungen. An manchen Stellen macht es auch Sinn, sich hierüber den Kopf zu zerbrechen. Schließlich will man möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich richten und auf das, was man tut.

Meine Güte, irgendwann einmal in naher Zukunft werde ich hier auf diesem Blog „stehen“ und einen Roman in der Hand halten, den ich verkaufen will!

Es mag also sein, dass ich ab diesem Zeitpunkt auch zum strategischen Denken übergehen werde. Weil ich es ein Stück weit muss. Aber ich kann euch jetzt schon sagen, dass es mir sicherlich weniger Spaß machen wird als das freie vor mich hin schreiben, wie ich es euch im Moment zumute.

Und was, um wieder zum Anfang zu kommen, die meisten von euch ja auch in schöner Regelmäßigkeit hierher führt.

Wofür ich dankbar bin! Denn für mich seid ihr Teil dieses Projekts, Teil der Umsetzung meines Traums vom eigenen Buch. Und daher freue ich mich über jeden der mich auf meiner virtuellen Veranda besucht, sich einen Stuhl nimmt und für einen Moment mir und meinen Gedanken zuhört. Und wenn ihr dann auch noch ein paar Worte mit mir wechseln mögt, dann ist das der Gipfel der Zufriedenheit, den man als Blogger erfahren kann.

Auf die Gefahr hin, dass es pathetisch klingt: Für mich werdet ihr, liebe Freunde, niemals nur reines „Klickvieh“ auf dem Weg zum Erfolg sein. Keine Statistik kann wichtiger sein als die offene und ehrliche Interaktion. Natürlich freue ich mich, wenn ihr hinterher alle fleißig mein(e)n Roman(e) kauft. Alles andere wäre gelogen oder unaufrichtig.

Aber wir sind hier nicht im Shoppingkanal und es gibt keine Lockvogelangebote. Und so soll es bleiben.

Daran dürft ihr mich gerne erinnern, wenn es irgendwann doch dazu kommen sollte, dass ich nur noch die virtuellen Verkaufsschilder hochhalte und immer rufe „Sonderpreis!“, als wären wir beim Glücksrad-gott-hab-es-selig.

Lasst uns alle authentisch sein – und bleiben. Und authentisch in die neue Woche gehen.

Passt auf euch auf!

Euer Michael

Der Sonntagsreport vom 03.09.2017 – Manchmal muss man stark sein

Hallo meine Lieben!

Ich hoffe, ihr hattet ein gutes Wochenende. Meins war ein wenig von hin und her und hier und dort gekennzeichnet, aber manchmal ist es eben so. Den heimischen Schreibtisch sieht man ja doch lange genug, machen wir uns nichts vor. Da tun solche Tapetenwechsel manchmal auch ganz gut.

Heute habe ich mich mit meiner besten Freundin getroffen. Ältere Mitleser kennen sie als die Freundin, für dich ich schreibe, die aber nicht liest. Daran hat sich übrigens bis jetzt noch nicht wirklich etwas geändert, aber wir kommen langsam dahinter, woran es liegt und vielleicht auch, was man da machen kann. Ansonsten sage ich ja immer noch: Hörbuch! Die Möglichkeit finde ich ja seit meiner vertonten Geschichte aus der Cluewriting-Anthologie sowieso sehr reizvoll. Mal sehen.

Wie ihr aus dem verlinkten Beitrag wisst, wohnen B. und ich runde 170 Kilometer auseinander, was also immer eine gewisse Fahrerei mit sich bringt. Es hat sich also eingebürgert bei unseren Treffen, dass wir uns, zumindest wenn es kein Familientreffen sondern wirklich ein reines Zweierding ist, irgendwo auf der halben Strecke treffen. Mal näher bei mir, mal näher bei ihr.

Heute fiel unsere Wahl auf Hamm in Westfalen. Wieso Hamm? Wieso nicht!

Konnte ja keiner ahnen, dass es da so ein paar kleine Probleme geben würde, die etwas mit der Parkplatzsituation zu tun haben. Dazu muss ich sagen, dass ich noch nie zuvor in Hamm gewesen bin und B. auch nur irgendwie einmal oder so, weil sie einen Auftritt dort hatte (Sängerin, ihr wisst noch).

Was macht man in modernen Zeiten wie diesen? Man schmeißt Google Maps an und schaut, wo man denn am besten parken kann. Damit war auch recht schnell ein Einkaufszentrum ausgeguckt, das sich mehr oder weniger von der zentralen Lage her anbot. Also informierter ich B. entsprechend, sagte Bescheid, wann ich los fuhr und steuerte das Einkaufszentrum an.

Was ich aus dem westlichen Ruhrgebiet so gar nicht gewohnt bin, war hier allerdings dumme Realität. Nicht nur das Zentrum war wegen des Sonntags geschlossen, sondern das Parkhaus gleich mit.

Tja, dann stehst du mitten in einer fremden Stadt, die zwar ein Parkleitsystem hat, das aber irgendwie nur so suboptimal funktioniert. Da werden Parkhäuser ausgeschildert, die leider sonntags ebenfalls geschlossen sind. Und die Härte war der Parkplatz, auf dem jede Menge freie Plätze sein sollten – zu dem aber keine Zufahrt möglich war, weil für irgendeine Veranstaltung die Straße gesperrt war.

Okay, to cut a long story short, irgendwann hatte ich ein Parkhaus gefunden, lotste B. dahin und die Umarmung zur Begrüßung entschädigte dann für allen Trubel vorneweg.

Wir hatten ein wirklich tolles Gespräch. Und mehrere Stunden später, in denen wir unter anderem auch über das Thema Schreiben gesprochen haben und wieso ich im Moment in Bezug auf meine diversen Projekte den Arsch nicht richtig hoch bekomme (Aber vielleicht habe ich eine Runde neue Motivation mitgebracht. Muss ich mal eine Nacht drüber schlafen und schauen, was dann noch übrig ist) brachen wir dann langsam wieder auf.

Beim Rückweg zu unseren Wagen kamen wir an den Ständen vorbei, für welche die bewusste Straße gesperrt worden war. Und ich musste feststellen, dass es sich ganz offenbar um einen Büchertrödelmarkt handelte!

Ich bin stolz auf mich: Ich habe nichts gekauft und auch nur so mal ein wenig die Blicke schweifen lassen. Aber es war ein wirklich schöner Markt mit nicht wenigen Ständen. Und alles nur Bücher. Hin und wieder ein paar Hörbücher oder Hörspiele. Am besten hat mir gefallen, dass die privaten Verkäufer in der absoluten Überzahl waren und die Preise sich auf sehr moderaten Niveau bewegten. Wenn ich nicht sowieso schon alle Schränke voll hätte – und halt nicht in Begleitung gewesen wäre – hätte ich dort sicherlich stöbern können. Und Geld ausgeben.

Manchmal muss man stark und hart gegen sich selbst sein 😉 .

Ich habe jetzt einmal nachgeschaut und festgestellt, dass es sich bei diesem Markt um eine jährliche Hammer Veranstaltung handelt. Vielleicht ist es für den einen oder die andere von euch ja interessant zu wissen, dass es so etwas dort gibt. Den nächsten Termin gibt es sicherlich irgendwann auf dieser Seite zu lesen.

Tja, das war mein Sonntag. Und eurer so?

Wie immer an dieser Stelle wünsche ich euch einen schönen Start in die Woche. Ich versuche jetzt, noch ein wenig zu entspannen, bevor der ganz normale Wahnsinn wieder losgeht.

Macht es gut!

Euer Michael

Der Sonntagsreport vom 26.08.2017 – Ein Seitenblick in die Vergangenheit

Hallo zusammen!

Heute möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen.

Gestern waren wir ja auf der Jagd nach neuen Möbeln. Mehr möchte ich dazu eigentlich gar nicht sagen, denn alle drei Stühle, die wir gekauft haben, erwiesen sich beim Aufbau als mangelhaft und müssen wieder zurückgebracht werden. Entsprechend war gestern Abend meine Laune, wie ihr euch vorstellen könnt.

Aber gut, zu dem Zeitpunkt, um den es mir gerade konkret geht, wusste ich davon noch nichts. Wir fuhren gerade vom Möbelhaus zu unserem zweitwichtigsten Ziel: dem Haribo-Werksverkauf. Wenn ihr mal nach Neuss kommen solltet, kann ich euch nur empfehlen, einen Zwischenstopp dort einzuplanen. Die Möglichkeit aus der Wand mit der losen Ware eine eigene Tüte zu mischen (für einen sehr günstigen Preis) solltet ihr euch nicht entgehen lassen.

Mein Navi hatte uns schon ein oder zwei Mal in die Irre geführt, weil aufgrund der Neusser Kirmes (muss wohl schon wieder Schützenfest sein) immer mal wieder Straßen gesperrt waren.

Und dann schaue ich auf einmal nach links aus dem Fenster und sehe ein Gebäude, das mir sehr bekannt vorkommt und das in meinen Gedanken immer mal wieder einen Platz einnimmt.

Vor drei Jahren war ich in Neuss in einer Klinik zur stationären Behandlung untergebracht. Seit der Zeit damals kenne ich die Stadt ein wenig, habe mich mit ihr anfreunden können und auch eine Menge lieber Menschen kennengelernt.

Aber nicht nur das: In dieser Klinik in Neuss habe ich auch, nach einer wiederum etwas längeren Pause, wieder mit dem Schreiben angefangen. Dort habe ich die ersten Seiten des Manuskripts geschrieben, das später den Arbeitstitel „Der Redner“ erhalten hat und von dem ich in den Anfangszeiten dieses Blogs des Öfteren erzählt habe.

In den meisten Fällen findet der Anfang und das Ende eines Romanentwurfs da statt, wo auch die meiste Arbeit abgeleistet wird: zu Hause am Schreibtisch. Soweit ich mich erinnern kann, stellt „Der Redner“ die einzige große Ausnahme dar. Alleine das macht es schon bemerkenswert, diesen Ort wieder zu sehen. Auch wenn ich nur an ihm vorbei gefahren bin.

Aber sich daran zu erinnern, dass nicht nur „Der Redner“ dort ihren Anfang nahm, sondern dass ich auch einige Menschen getroffen habe, die sich an meiner Arbeit sehr interessiert zeigten und letztendlich in mir sowohl den Wunsch nach Öffentlichkeit als auch den Drang nach Veröffentlichung neu geweckt haben, das macht diesen Ort zu etwas Besonderem.

Ja, man kann sagen, dass dort „Mein Traum vom eigenen Buch“ in dieser Form seinen gedachten Anfang nahm.

Diese und andere Gedanken gingen mir in blitzartiger Geschwindigkeit durch den Kopf. Ich hatte nur eine einzige Ampelphase. Und im Anschluss daran Zeit, um darüber nachzudenken, wie ihr seht.

Natürlich liegt es mir fern, die Sache zu glorifizieren. Ich war damals in der Klinik, weil es mir richtig beschissen ging. Und ich wünsche mir um nichts auf der Welt, dass ich jemals wieder dorthin zurück muss. Und doch hat dieser Seitenblick in die Vergangenheit Erinnerungen geweckt, die nicht weniger als positiv sind.

Und mir gezeigt haben, dass auch in einer dunklen Phase gute Dinge ihren Anfang nehmen können.

Mit diesem Wort zum Sonntag möchte ich euch in die neue Woche entlassen. Ich hoffe, dass für euch die guten Dinge über die negativen überwiegen werden. Oder dass ihr hinterher wenigstens sagen könnt, dass es die Sache auf irgendeine Weise wert gewesen ist.

Macht es gut!

Euer Michael

Der Sonntagsreport vom 20.08.2017 – Dreieinhalb Baustellen und nur eine Schaufel

Hallo zusammen,

schon wieder ist Sonntag und schon wieder ist es Zeit für einen entsprechenden Report. Bald gehen hier in NRW die Kinder wieder in die Schule und damit ist dann der Alltag im heimeligen Haus wieder vollends hergestellt. Die letzten Wochen fühlten sich doch ein wenig seltsam an – auch die Tage, an denen ich schon wieder arbeiten gehen musste.

Das Wetter da draußen schlägt ja auch munter eine Kapriole nach der anderen und auch wenn ich normalerweise nicht zu denen gehöre, die über das Wetter bloggen, muss ich doch kurz darauf zu sprechen kommen. Schließlich hat es dafür gesorgt, dass ich am Donnerstag eine berufliche Auszeit „genossen“ habe, die mir immerhin etwas eingebracht hat.

Als ich Donnerstag aus unruhigen Träumen erwachte, fühlte sich mein Schädel wie eine Piñata an, auf die mit mindestens drei Baseballschlägern gleichzeitig eingeknüppelt wurde. Also habe ich mich krank gemeldet und wieder umgedreht. Nur, um keinen wirklich erholsamen Schlaf zu finden.

Zwar bin ich immer wieder weggeduselt, aber das mir ansonsten typischer Weise gelingende „Gesundschlafen“ klappte nur in Ansätzen. Immer wieder schaute ich auf die Uhr, drehte sich in meinem Kopf alles, wenn wieder einmal von einer anderen Seite auf die Piñata eingedroschen wurde, und sank ich wieder in unruhige Träume.

Und einer dieser Träume brachte mir eine Geschichte.

Nun sollte man meinen, dass ein Autor nie einen Mangel an Geschichten hat. Hat er auch nicht. Alleine mit den potenziellen Sequels zu meinen Romanen könnte ich schon jede Menge Schreibzeit füllen (mal ganz davon abgesehen, dass hier noch zwei angefangene Rohentwürfe unfertig herumliegen). Aber das, was sich da in meinem inneren Flusensieb verfangen hatte, war eine wirklich von vorn bis hinten fertige Geschichte.

Ich hatte das Setting, ich hatte die Handlung, ich hatte den überwiegenden Teil der Personen. Wenn es die schon oft diskutierte Möglichkeit geben würde, die Gedanken aus den Träumen mitzuschreiben oder -zuzeichen, ich hätte ein komplettes Storyboard gehabt.

Und das passiert dann dich nicht so häufig, dass es nicht zumindest bemerkenswert wäre.

Was tat ich also? Ich kämpfte mich aus dem Bett hoch, schlurfte an meinen PC und warf Evernote an. Evernote ist, falls ihr es noch nicht kennt, eine Notizbuchsoftware, die sowohl am Desktop als auch auf dem Smartphone genutzt werden kann und sich miteinander synchronisiert. Danach schrieb ich den kompletten Plot in einem runter.

Nur, um mich danach in einem Dilemma zu befinden.

Wie ihr wisst, kann ich mich im Moment eigentlich nicht beklagen, dass ich nichts zu tun hätte, wenn es um das Schreiben und seine Nebenkriegsschauplätze geht:

  1. Das Manuskript von „Der Morgen danach“ musste im ersten Kapitel noch einmal von Grund auf neu überarbeitet werden.
  2. Ich schreibe an der Geschichte „Die Behüter des Wahren“.
  3. Mit einem Auge suche ich nach einer Möglichkeit, „Der Beobachter und der Turm“ und/oder „Darkride“ an den Mann zu bringen.

Gut Nummer drei zählen wir mal als einen halben Punkt.

Aber was nun tun mit der neuen Kurzgeschichte? Zuerst einmal nachdenken. Mir war klar, dass die Geschichte einerseits nicht so lang werden würde, wie „Die Behüter des Wahren“ sich abzeichnen. Andererseits geht es um ein Thema, das auch nicht mal eben so abzutun ist – ich komme gleich noch darauf.

Natürlich könnte ich die Kurzgeschichte einfach liegen lassen. Schließlich ist sie ja geplottet. Aber: Genau jetzt habe ich das Gefühl noch im Bauch, das ich hatte, als ich diesen Traum geträumt habe. Genau jetzt habe ich noch die Emotionen, die beim Aufschreiben des Plots hoch kamen. Und deswegen ist genau jetzt eigentlich der Zeitpunkt, sie zu schreiben.

Da stand ich also mal wieder mit dreieinhalb Baustellen und im übertragenen Sinne nur einer Schaufel in meinen Händen. Es müssen also Kompromisse geschlossen und Dinge ausprobiert werden.

  1. Das erste Kapitel von „Der Morgen danach“ habe ich heute früh noch einmal überarbeitet und dabei die Anmerkungen meiner Lektorin mit berücksichtigt. Morgen werde ich mir das noch einmal durchlesen und ihr dann wieder zusenden (zusammen mit der schon einmal angesprochenen Änderung im hinteren Teil des Manuskripts).
  2. Ich werde „Die Behüter des Wahren“ weiter schreiben, aber
  3. parallel dazu entsteht auch die neue Kurzgeschichte „Das Kind“. Ich muss sehen, dass ich Zeit und Energie zwischen diesen beiden aufteile. Beide Geschichten sind grundverschieden, so dass sich zumindest die Art zu erzählen nicht gegenseitig negativ beeinflussen dürfte.
  4. Und dann die halbe Verlagssuche … ich werde mich mal ein wenig mit Google beschäftigen und auch mit dem Handbuch für Autorinnen und Autoren, das hier im Schrank steht. Beide bringen mich vielleicht auf Ideen, an wen ich mich wenden könnte und sollte. Einfach nur, um das Gefühl zu haben, dass sich in meiner Schublade etwas tut.

Also, so sieht es im Moment aus und ja, ich weiß, dass das verdammt viel ist, wenn man nur eine Schaufel in der Hand hat. Aber ich habe in einem Beitrag der vergangenen Woche über meine Motivation geschrieben und dass dazu auch der „Neid“ auf andere Autoren gehört, die anscheinend immer wieder und immer ganz leicht ihre Projekte verwirklichen. Ich weiß, dass es nicht so leicht ist, wie es aussieht. Aber trotzdem möchte ich etwas gegen dieses Gefühl tun – und das geht nur, indem ich mich auf den Hosenboden setze und „einfach mal“ irgendwas angehe und erledige.

So, das ist jetzt der Plan. Kein ausgeklügelter Plan, aber wenigstens etwas. Bei allen Bauchschmerzen, die ich habe, weil wieder so viele Dinge parallel laufen.

Entlassen mag ich euch aus diesem Sonntagsreport mit dem unkorrigierten Anfang von „Das Kind“. Ich hoffe, dass ich damit ein wenig zeigen kann, wieso es mir wichtig ist, die Atmosphäre so schnell und gut wie mir möglich zu schildern.

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und dass ihr von Wetterattacken möglichst verschont bleiben möget. Es sei denn, sie bringen euch gute neue Ideen ein …

Euer Michael

Das Kind

I. Der Zug

Dunkel ist die Welt dort draußen und dunkel ist auch die Welt im Inneren. Das dröhnende Heulen der Klage, das noch vor wenigen Stunden die Luft erfüllte wie die flirrende Masse eines Mückenschwarms über stehendem Gewässer im Frühsommer, ist lange schon in sich zusammengefallen zu einem leisen Flüstern und Murmeln bangender Ungewissheit.
Sie sind nicht mehr als eine verbringbare Masse, das ist jedem dieser Menschen klar, die dicht an dicht gepresst in dem nach menschlichen Ausscheidungen stinkenden Güterwaggon beieinander stehen. Das Vorrecht zu sitzen genießen nur wenige von ihnen, die besonders Alten und die besonders Jungen. Die Kranken sind, teils unter heftigem Protest ihrer Angehörigen, ganz an den Rand gelegt worden. Dorthin, wo sie von der Wärme der Gemeinschaft nicht mehr erreicht werden können.
Vereinzelt hebt sich eine Stimme, die aber von den Umstehenden schnell zur Ruhe gebracht wird. Der Gespensterzug eilt in monotoner Stille seinem Ziel entgegen.