Vor acht Jahren: Ein reales und ein fiktives Kind

Gestern haben wir den Geburtstag von Kind 2 gefeiert. Den achten. Schon den achten, möchte man sagen. Denn irgendwie kommt es einem gar nicht so lange vor, wenn man sich die Abläufe nicht vor Augen führt. Wie generell der gesamte Komplex Alter und Zeitverlauf sich ganz anders gestaltet, als man meinen sollte. Immerhin wird Kind 1 dieses Jahr auch schon 15 und ist damit, mein Vater erwähnte es scherzhaft, beinahe schon erwachsen.

Zwischen Kind 1 und Kind 2 gibt es allerdings, was die Wahrnehmung dieser Zeiten angeht, irgendwie auch Unterschiede. Das werden die meisten Eltern mir allerdings als etwas ganz normales bestätigen können, behaupte ich einfach mal. Beim ersten Kind war man noch sehr aufgeregt, wusste gar nicht, was auf einen zukommt und wollte bloß nichts falsch machen. Das ganze Leben war vollends auf dieses kleine Bündel Mensch ausgerichtet – sowohl vor der Geburt, als auch während der Geburt, als auch nach der Geburt.

Bei Kind 1 wäre es vollkommen undenkbar für mich gewesen, dass ich in der Zeit, als sie geboren wurde, mit irgendeinem Schreibprojekt zugange sein könnte. In der Tat habe ich mein bisschen Hirn zermartert und komme zu dem Schluss, dass es damals wirklich nichts gegeben hat, woran ich arbeitete. Das letzte Projekt, die Erstfassung von „Der Beobachter und der Turm“ war bereits im Jahr 2000 sanft entschlafen und der nächste Roman, „Es zwingt einen dazu“, kam erst 2005 in mein Blickfeld.

Und wie war es 2009? Da schrieb ich munter an meiner bis heute einzigen Geschichte für Kinder: „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis„.

Bei Kind 2 hatten meine Frau und ich beschlossen, direkt nach der Geburt das Krankenhaus zu verlassen und mit ein wenig Unterstützung durch eine Hebamme zu Hause die Betreuung sofort zu übernehmen. Wir kannten uns ja schon aus. Und ich arbeitete nebenbei an meinem Kinderbuch, das ich allerdings nicht für besagtes Kind 2, sondern vielmehr für Kind 1 schrieb. Nachdem ich die Geschichte schon einige Jahre mit mir herumgetragen hatte.

Und so wurden, in gleichem Maße, in dem Kind 2 Teil unseres Alltags wurde, „Die dreisten Drei“ Teil meines Alltags. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass der Roman Ende Juni fertig war – inklusive Überarbeitung. Meine liebe Tochter wird noch eine Weile brauchen, bis sie „fertig“ ist. Vermutlich bis an ihr Lebensende – und das ist auch ganz in Ordnung so.

Ich musste nur daran denken, dass sich jetzt irgendwie ein Kreis schließt, denn für meine Geschichte von damals ist Kind 1 inzwischen zu alt. Aber Kind 2 könnte genau im richtigen Alter sein. Ob ich sie mal fragen soll, ob sie sie lesen will?

Und dann gab es ja immer mal wieder leichte Überlegungen, eine Fortsetzung anzustreben. Vielleicht wäre jetzt die Zeit dafür gekommen. Auch wenn es niemals ein Kind 3 geben wird. Da sei die moderne urologische Chirurgie vor 😉 .

Auf jeden Fall ein leicht verspätetes Happy Birthday an mein reales und an mein fiktives Kind. Und einen lieben Gruß an Kind 1, die nicht traurig sein soll, dass es passend zu ihrer Geburt keinen Roman gibt, an den ich mich erinnern kann. Selbst ein Autorenheini wie ich rechnet nicht nur in Büchern und Geschichten. Sondern auch in ganz alltäglichen Werten und Gefühlen.

Liebe, etwa.

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Die Titelschutzanzeige: Auf Nummer sicher gehen

Gestern Abend flatterte mir ein Blogbeitrag meiner geschätzten Autorenkollegin (*) Nora Bendzko ins Haus. Nora hat in diesem Jahr ein ganz starkes Debüt mit ihrer Novelle „Wolfssucht“ hingelegt und plant nun, in ähnlichem Stil weitere düstere Märchen zu verfassen. Diese Ankündigung stand schon lange im Raum, wurde aber erst gestern konkretisiert, nachdem sie sich den Reihentitel „Galgenmärchen“ hat sichern lassen.

Wieso sollte man sich einen Titel sichern lassen?

Der Sinn einer sogenannten „Titelschutzanzeige“ ist, dass das Recht auf die Benutzung eines Titels für einen Roman im klassischen Sinne erst dann erreicht werden kann, wenn man diesen Titel auch tatsächlich benutzt. Hieraus ergeben sich gegebenenfalls weitreichende Komplikationen, gerade in der Planung von Veröffentlichungen.

Nehmen wir an, ein Verlag plant die Veröffentlichung eines Romans, der im Ersten Weltkrieg auf dem Schlachtfeld von Verdun spielt. Es gibt nun eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie dieser Roman heißen könnte. Naheliegend wäre zum Beispiel einfach der Titel „Verdun“.

Nun ist der Erste Weltkrieg durch die zahlreichen 100jährigen Jahrestage zu diesem Komplex natürlich nicht nur Thema in einem einzigen Verlag. Die Verlage konkurrieren vielmehr um die Lesergunst und sie tun es auch über die Titel. Und ein generischer Titel wie „Verdun“ ist hier natürlich besonders begehrt.

Wenn ein Verlag nun nachweisen kann, dass er der erste war, der diesen Titel für einen Roman hat vorsehen lassen, dann hat er, für einen gewissen Zeitraum, auch das Recht, diesen zur Veröffentlichung zu nutzen.

Und was ist nun eine Titelschutzanzeige?

Eine Titelschutzanzeige ist, wie der Name schon sagt, eine wirkliche Anzeige sowohl in Online- als auch in Printveröffentlichungen, dass ein Verlag oder eine natürliche Person sich einen Titel für einen Roman hat sichern lassen.

Es gibt verschiedene Publikationen, die sich auf die Veröffentlichung solcher Anzeigen spezialisiert haben. Nora hat sich für den Weg über buchmarkt.de entschieden. Buchmarkt.de veröffentlicht die Anzeige auf dem Webportal und in der nächsten Ausgabe der hauseigenen Publikation. Gleichzeitig wird der Titel in eine Datenbank übernommen und kann für den Zeitraum von einem halben Jahr nun von niemand anderem mehr gesichert werden.

Wie funktioniert die Titelschutzanzeige?

Das ist erstaunlich simpel zu erläutern. Da ist manche Onlinebestellung schwerer auszuführen.

Zunächst registriert man sich bei buchmarkt.de als Kunde. Im nächsten Schritt gibt man dann eine Anzeige auf. Diese kostet als Grundgebühr festgelegte zwanzig Euro (zzgl. MWSt.). Nunmehr kann für jeden einzelnen Titel, den man sich schützen lassen will, ein Feld im Onlineformular ausgefüllt werden. Jeder Titel, den man schützen lässt, kostet weitere 2,50 Euro (zzgl. MWSt.).

Vorsicht: Es sollte auch wirklich ein Feld pro Titel verwendet werden! Man sieht zwar auch auf der Website, dass manche Verleger auf die Idee gekommen sind, in einem Feld gleich ein Dutzend Buchtitel einzutragen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich rechtssicher ist.

Wenn man die Bestellung bestätigt wird sofort die Veröffentlichung auf der Website vorgenommen. Man erhält eine Rechnung und kann dann ganz bequem binnen 14 Tagen überweisen.

Und was hast du jetzt gemacht?

Ich habe den von Nora geschriebenen Blog-Eintrag zum Anlass genommen, mir selber Gedanken zum Thema Titelschutz zu machen. Und ich kam zum Entschluss, dass es auch für mich mehr als dringend an der Zeit war, zumindest die Titel schützen zu lassen, bei denen ich kurz- bis mittelfristig eine Veröffentlichung planen könnte. Ich sage deswegen könnte, weil ich weiß, dass ich nicht alle diese Romane im Rahmen der kommenden sechs Monate, denn so lange gilt ja die Anzeige nur, werde veröffentlichen können.

Aber: Solange ich sie jetzt gesichert habe, kann sie mir niemand wegschnappen. Und wenn der Titelschutz dann ausläuft, dann liegt es ja an mir, diesen wieder zu verlängern, oder es bleiben zu lassen. Bei bereits veröffentlichten Romanen – und das sollte zumindest „Der Beobachter und der Turm“ bis dahin sein – stellt sich das Problem ja nicht.

Ich habe mir also großzügig folgende acht Titel gesichert:

TitelschutzKlar könnte man sagen, dass das runde 50 Euro sind, die erst einmal ohne großen Nutzen „den Bach heruntergehen“. Aber irgendwie ist es schon ein positives Gefühl, diese Titelschutzanzeige zu haben, unter der tatsächlich auch, wenn man hier scrollen würde, mein Name steht. Sollte man nicht glauben, ist aber so. Schließlich gehe ich hier im Blog ja sehr offensiv mit den geplanten Namen meiner Romane um.

Ich bedanke mich bei Nora, die mich noch einmal auf diesen schon leicht verdrängten Punkt gestoßen und zum Handeln animiert hat :-)!

 

 

(*) Ich finde es immer ein wenig seltsam, von Autoren-Kollegen zu schreiben. Schließlich habe ich im Gegensatz zu ihr noch nichts veröffentlicht. Trotzdem sehe ich uns als Kollegen an. Ich denke, damit kann auch Nora ganz gut leben ;-).

Wie viele Protagonisten gibt es in meinen Romanen?

Hallo zusammen!

Jede Woche veröffentlicht der Autor Richard Norden interessante Artikel rund um das Schreiben auf seinem Blog. Vergangenen Samstag ging es bei ihm um ein Thema, das den kleinen Statistiker (hört sich irgendwie pervers an, findet ihr nicht auch?) in mir angesprochen hat.

Es geht darum, wie viele Protagonisten ein Roman vertragen kann. Um nicht Nordens kompletten Artikel hier zu zitieren, den ihr euch dringend selbst durchlesen solltet, gebe ich nur eine Kernaussage wieder:

Derzufolge kommt es bestenfalls nicht, oder nur in klar umrissenen Ausnahmefällen, vor, dass ein Roman mehr als einen Protagonisten besitzt. Und das ist derjenige, der die größte Veränderung, den größten Konflikt, den größten Einsatz zu verzeichnen hat. Auch in Geschichten, die man als Film im „Buddy-Sektor“ verorten würde, oder selbst bei Liebesgeschichten, gibt es immer die eine Figur, die der zentrale Mittelpunkt der Handlung ist. Auch bei den meisten Heldenteams ist dies der Fall.

Die anderen Charaktere sind dann Sidekicks, Wegbegleiter oder manchmal auch simple Stichwortgeber.

Eine klare Ausnahme lässt Richard Norden nur für wirklich epische Geschichten gelten. Er nennt hier „Das Lied von Eis und Feuer“ als Beispiel, der Mehrheit inzwischen eher unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt. Ich würde sagen, dass generell bei Romanserien, die sich um eine Heldengruppe (wobei die Helden ja keine Helden sein müssen) drehen, in verschiedenen Einzelromanen die Gewichtung stärker auf verschiedenen Protagonisten liegen kann.

Wie gesagt, die Vorteile und Nachteile zu beschreiben, das kann Richard Norden besser als ich. Ich nutze die Gelegenheit dazu, einen meiner gefürchteten Blicke auf mein eigenes kleines Bücherregal zu werfen, in dem die von mir geschriebenen Romane stehen.

Aber keine Sorge, ich versuche, mich kurz zu fassen ;-)!


Silverstar I: Angst im Perseus-Spiralnebel
Mit diesem Band werden die meisten der Protagonisten eingeführt, die mich durch meine vielbändige Science-Fiction-Serie führen sollten. Es gibt eine klare Hauptfigur, die man übergreifend über alle Bände auch als Serienprotagonistin bezeichnen könnte. Wobei sie in einigen Bänden in den Hintergrund tritt/getreten wäre.

Silverstar II: Expedition durchs All
Wie das so ist in Serien, kommen hier noch zwei weitere Protagonisten hinzu. Am Fokus auf die eine zentrale Protagonistin ändert das allerdings zunächst nichts.

Silverstar III: Final Star
Dies ist der erste Roman der Serie (und gleichzeitig auch der letzte), in dem eine der anderen Figuren stärker in die Rolle des Protagonisten rückt. Man merkt der Geschichte allerdings auch an, dass sie dadurch zwar rasanter wird, aber eben jenen Fokus ein wenig verliert.

Lichter
Der Roman ist komplett aus der Sicht des Protagonisten geschrieben – mit kleinen Ausnahmen gen Ende, die aber nichts daran ändern, dass es immer um den einen zentralen Charakter geht.

Different Stories
Die Novellensammlung hat in allen drei Geschichten eine klare Hauptfigur, auf deren Schulter die Handlung liegt.

Es zwingt einen dazu
Die Handlung folgt vollständig einer Person, es gibt keine Szenen ohne sie. Auch ein deutliches Signal im übrigen dafür, dass diese Person der absolute Protagonist sein muss und, sozusagen, niemanden neben sich stehen hat.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis
Dem Namen nach sind hier zwar drei Kinder gleichberechtigt, es gibt aber eine deutliche Wortführerin – womit die Geschichte im Übrigen ganz in der Tradition so ziemlich jeder anderen Jugendserie (die daraus vielleicht mal geworden wäre) steht, wie mir gerade auffällt.

Der Morgen danach
Es gibt einen deutlichen Handlungsträger, der sogar über weite Strecken der Handlung ganz auf sich gestellt agiert. Vielleicht der deutlichste unter all meinen Protagonisten.

Der Rezensent
Die Handlung dieses Thrillers wird maßgeblich zwar durch andere Charaktere vorangetrieben, nicht zuletzt natürlich durch den Antagonisten, wie es sich für einen Thriller gehört, aber der Fokus liegt klar auf einer Hauptfigur, der später ein Sidekick beiseite gestellt wird.

Das Haus am See
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bietet allerdings durch sein enormes Personal eine ganze Menge an anderen Personen mit, welche die Handlung beeinflussen und welche auch den Protagonisten beeinflussen.

Der Ruf des Hafens
Auch diese Horrorgeschichte hat einen klaren Protagonisten – mit einer starken Frau an seiner Seite, aber eben „nur“ an seiner Seite.

Darkride
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es hier natürlich den Ermittler als einzigen echten Protagonisten zu verzeichnen. Zu ihm gehören, ebenfalls wie in den meisten guten Krimis, ein Sidekick, eine starke Partnerin und ein nervender Chef. Die einen nennen es Klischees, die anderen notwendige Zutaten ;-).

Der Redner
Das ist in der Tat ein Sonderfall, bei dem ich mich schwer tue, den einen Protagonisten zu benennen. Ich habe drei Figuren, die über weite Strecken des Romans alleine agieren und sich erst später zusammentun. Allerdings, bei strenger Auslegung von Richard Nordens „Regeln“, komme ich zu dem Schluss, dass der Reporter Kevin Ryason der Protagonist sein muss. Er macht die ersten seltsamen Beobachtungen und hält später in der Handlung die Fäden zusammen.

Der Beobachter und der Turm
Ganz klarer Fall: es gibt nur einen Protagonisten und der heißt Richard Lenhard. Auch wenn im zweiten Handlungsabschnitt die hier bereits einmal erwähnten Polizisten in den Fokus rücken, bleiben diese – wichtige – Nebenfiguren.

Die Welt der stillen Schiffe
Wieder ein Ensemblestück, bei dem aber alleine durch die Ich-Perspektive absolut unstrittig ist, wen man als die Hauptperson anzusehen hat.


Fazit:

Nicht nur, dass ich Richard Norden in seiner These generell zustimmen möchte, rein intutiv habe ich mich in den meisten Fällen auch an sie gehalten. In den meisten meiner Romane gibt es genau einen wirklichen Protagonisten, mit dem sich der Leser, wenn es gut läuft, identifizieren kann.

Wobei wir natürlich alle wissen, dass es auch gute Nebenfiguren sein können, die uns besonders ans Herz wachsen und wichtig für uns werden. Aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

Vorsicht: Manisch-depressiver Autor

Der Titel dieses Beitrags ist bewusst provokant gewählt, weil ich, im Wortsinne, nicht manisch-depressiv bin. Oder sagen wir: Es wurde mir nicht diagnostiziert. Nur einer der beiden Teilbereiche, was aber ja in gewisser Weise auch schon einmal einen Anfang darstellt. Deswegen könnt ihr mir glauben, dass ich weder das Thema auf die leichte Schulter nehme, noch den Menschen, die wirklich unter dieser Erkrankung leiden (!) auf die Füße treten möchte.

Und dennoch fühle ich mich heute so, als sei ich wirklich im manischen Teil einer manisch-depressiven Episode angekommen. Und weil ich euch gestern die andere Seite der Medaille gezeigt habe, dachte ich mir, dass ich euch im Sinne der Offenheit auch diesen Teil einmal zeige.

Was ist nun eine Manie? Für Menschen, die noch nie damit in Berührung gekommen sind, würde ich es ungefähr so beschreiben, dass der Betroffene unter einen enormen Druck gerät, Dinge zu tun, in Tätigkeit zu gelangen, vielleicht auch Dinge, die er vorher nicht getan hat, zu überkompensieren. So wurde es mir zumindest von Menschen erzählt, die dieses Störungsbild aufweisen. Für die Betroffenen ist das zum einen sehr kräftezehrend, weil es im Rahmen der Manie für sie schwer ist, auf ihre natürlichen Schutzmechanismen zurückzugreifen, zum anderen ist es auch psychisch schwer auszuhalten, vor allem, wenn sich depressive (also antriebslose) und manische Phasen in schneller Folge miteinander abwechseln.

Viele der Patienten leiden jahrelang an dieser Krankheit. So habe ich mal jemanden kennengelernt, der sich selber regelmäßig, etwa alle zwei Jahre, selbst in eine Klinik einweist, um seinen Schub unter ärztlicher und therapeutischer Beobachtung zu überstehen.

Wie kann ich das alles wissen und dennoch recht flappsig mit dem Begriff manisch-depressiv umgehen? Weil die Betroffenen, die ich kennenlernen durfte, es ebenso gehalten haben. Sie haben ihre Erkrankung angenommen und haben für sich auch durchaus die manischen Phasen als etwas nicht nur Negatives beurteilt. Zum Beispiel entstanden in diesen Phasen viele kunstvolle Bilder oder dergleichen mehr.

Wie gesagt, ich teile diese Erkrankung nicht, aber wenn nach einem Tag, an dem alles so wirkte, als ob es nur noch grau-in-grau wäre, der nächste Tag sich auf einmal anfühlt, als könne ich wirklich alles erreichen – einfach mal erreichen -, dann glaube ich, einen kleinen Einblick darin zu bekommen, wie diese Menschen sich manchmal fühlen müssen.

Wo gestern eine bleierne Schwere auf mir lag, habe ich heute einfach das Gefühl, mich freischwimmen zu können. Mir ist dabei völlig klar, dass sowohl das eine wie auch das andere Extreme sind, die in dieser Weise nicht zutreffen können. Sie resultieren aus einer nicht der Wirklichkeit entsprechenden Wahrnehmung.

Aber alleine schon, heute Vormittag auf die Kommentare zu meinem letzten Beitrag antworten zu können, hat mir ein Gefühl von Befreiung vermittelt. Gestern war ich nämlich nicht dazu in der Lage. Und gestern hätte ich auch nicht geglaubt, dass ich heute so einen Blogeintrag schreiben würde.

Ich weiß, dass jetzt nicht alles Gold ist, was glänzt und das ist ein Schutz für mich. Ein Schutz dagegen, auf einmal wieder total abzusacken, wenn die „manische“ Phase vorbei geht und ich wieder auf Normalmass zurückgehe.

Aber spinnen wir doch ruhig einmal den Gedanken aus, was ich alles machen könnte, in meiner „manischen“ Stimmung:

  • Ich kann eine Kurzgeschichte für das „Geheimprojekt 24“ schreiben und fristgerecht auf den Weg bringen
  • Ich schaffe es, eine zweite Kurzgeschichte fristgerecht auf diesem Blog zu veröffentlichen, um an einer Challenge teilzunehmen
  • Ich nehme allen meinen Mut zusammen und sammle mir ein paar Lektoratsangebote/ -kostenvoranschläge für „Der Beobachter und der Turm“
  • Ich sorge dafür, zwei weitere Manuskripte, nämlich die von „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis“ und „Darkride“ halbwegs veröffentlichungsreif zu machen
  • Und nicht als letztes: Ich richte meine Aktivitäten für die zweite Jahreshälfte gezielt in Richtung einer Veröffentlichung aus

Einige dieser Punkte kennt ihr schon, insbesondere der vorletzte kommt für euch vielleicht ein wenig überraschend. Dazu schreibe ich beizeiten auch noch einmal etwas (wenn ich nicht langsam den Überblick über das verliere, was ich noch alles schreiben wollte).

Hier sitze ich jedenfalls hinter meiner Tastatur und all diese Punkte, die gestern genauso in meinem Kopf waren, sind heute keine Planeten, die auf meine kleine Welt zu stürzen drohen, sondern sie sind Himmelslaternen, die ich in den Nachthimmel steigen lasse. Und genau wie bei diesen Laternen weiß ich nicht genau, wo sie hinterher niedergehen werden. Ich hoffe nur, dass sie kein Feuer verursachen werden und wenn, dann höchstens eines der kreativen Sorte :-).

Wie bereits erwähnt: noch zwei Tage und der Rest von heute, dann habe ich Urlaub. Und (seit) heute sehe ich das wieder als eine Chance an, die ich ergreifen kann. Und will. Und werde!?

Nun, lassen wir uns überraschen.

Ich bedanke mich bei allen, die mir mit ihren Kommentaren und Likes beigestanden sind! Und bitte, wenn noch etwas zu sagen ist zum letzten Beitrag, dann tut das dort weiterhin. Denn dieser Teil von mir, der „depressive“, ist nicht aus der Welt, nur weil heute der „manische“ die Oberhand hat. Beizeiten werde ich vielleicht auf den einen wie auf den anderen zurückschauen und mir sagen:

„Es war gut, dass du die geschrieben hast!“

Ich wünsche euch einen guten, ausgewogenen Tag!

Frauen in meinen Romanen – Eine Bilanz zum Internationalen Frauentag

Heute ist der Internationale Frauentag und ich tue gar nicht so, als ob ich das gewusst hätte, bevor Wikipedia mich darauf stieß. Aber tröstet euch, liebe Leserinnen, wenn es einen Männertag geben sollte (gibt es sowas?), dann wüsste ich auch nicht, wann der ist. Dafür wird euch meine Frau bestätigen, dass ich noch nie den Valentinstag, unseren Hochzeitstag oder (für unsere Kinder wichtig) den Muttertag vergessen habe ;-).

Also – der Internationale Frauentag. Ein Tag, der vollkommen den Rechten der Frau gewidmet ist. In Deutschland in den letzten Jahren ein wenig zwiespältig gesehen, da der westliche Teil der ehemaligen Bundesrepublik diesen Tag nicht so hoch hielt, wie es die Mitmenschen im Osten, in der Deutschen Demokratischen Republik taten. Das hatte mit Sicherheit etwas damit zu tun, dass es sich beim Internationalen Frauentag ursprünglich um eine sozialistische Erfindung gehandelt hat.

Aber solche ideologischen Grenzlinien sind mir hier vollkommen fremd, weswegen ich auch den politischen wie den gesellschaftlichen Teil hinter mir lasse und zu meiner Arbeit als Autor komme.

Ausgehend davon, dass heute der Internationale Tag der Frau ist, habe ich mir einmal angeschaut, welche Rolle Frauen eigentlich in meinen Romanen spielen. Und ich gebe zu, dass ich ein wenig überrascht wurde.

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne starke Frauenfiguren in Romanen lesen. Aber ich tue mich manchmal mit weiblichen Hauptfiguren schwer, weil ich sie häufig als, wie soll ich sagen, bemüht empfinde. Insbesondere dann, wenn Männer über diese Frauen schreiben. Wahrscheinlich habe ich mich deswegen, mit einer prominenten Ausnahme, auch nie daran gewagt, Frauen wirklich ganz in den Fokus zu rücken. Aber immerhin kann ich behaupten, nicht dem typischen Klischee entsprochen und Frauen komplett ausgebootet zu haben. Auch hier mit einer kleinen Ausnahme.

Zu den Romanen im Einzelnen:


In der Silverstar-Trilogie ist Leya Kuvan eine mehr als gleichberechtigte Hauptfigur. Streng genommen müsste man sagen, dass sie der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist. Jedenfalls wenn man die Anteile dessen als Maßstab nimmt, was sie tut und was sie bewirkt. Abseits von ihr gibt es eher wenige weibliche Figuren. Mit Teil 2 werden einige eingeführt, die im Laufe der Zeit größeren Anteil hätten haben sollen, aber dann habe ich ja die Arbeit an der Serie eingestellt.

Der Roman Lichter hat mit Mel eine weibliche Mit-Hauptfigur, die durch ihre zurückhaltende Art oftmals durch die mitwirkenden Kerle in den Hintergrund gedrängt wird. Sie kann aber in einzelnen Szenen zeigen, dass sie nicht nur eine starke Meinung hat, sondern auch großes Durchsetzungsvermögen. Daneben gibt es keine weitere weibliche Rolle.

In Es zwingt einen dazu ist die Chinesin Chie Qwan Lu eine echte Hauptfigur, die der männlichen Hauptfigur wichtige Impulse für die Handlung gibt. Weitere weibliche Personen handeln eher im Hintergrund.

Mein Kinderbuch Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis hat einen Frauenüberschuss von zwei zu eins. Dabei ist Britta eindeutig die Anführerin und Hauptperspektivträgerin. Wenn man so will, bin ich also ausgerechnet in meinem für mich ungewöhnlichsten Buch von meiner sonstigen Linie abgewichen. Für mich überraschend.

Im Thriller Der Morgen danach spielen Frauen nur in Nebenrollen mit, auch wenn insbesondere einer von ihnen eine große Bedeutung zukommt. Die Sichtweise bleibt aber durchweg männlich in einem von Männern dominierten Umfeld. Auch eine Überraschung, dass ausgerechnet in dem Roman, den ich mit am rasantesten von meinen Büchern finde, keine starke Frauenrolle vorkommt.

Im danach geschriebenen Der Rezensent änderte sich das wieder. Nathalie kann man durchaus als gleichberechtigte Frauenfigur sehen, ihr zur Seite steht mit Julia eine etwas schwächere, aber in der Handlung sehr präsente Figur. Die Hauptperspektive liegt allerdings auch hier wieder bei einem Mann.

Das Ensemblestück Das Haus am See bietet Platz für jede Menge Frauenfiguren, von denen sich, alleine schon durch die Ich-Perspektive des Erzählers, kaum eine hervortun kann. Mit Linda gibt es eine gravierende Ausnahme, die aber dennoch nicht mehr als eine führende Nebenrolle einnimmt.

In Der Ruf des Hafens ist die junge Rieke als streitbare, ortsansässige und intelligente Frau die absolut gleichberechtigte Hauptfigur neben dem neuen Inselautor Stephan. In Nebenrollen tauchen auch weitere Frauen auf.

Beim Krimi Darkride besetzt Sandra Jung als Marketingleiterin des Freizeitparks, in dem der Roman spielt, eine sehr starke Frauenrolle, die nicht ganz groß genug ist, um von einer Hauptrolle sprechen zu können. Weitere Frauen agieren nur am Rand.

Der Horror-Roman Der Redner bietet mit Sarah, der Freundin eines der drei Protagonisten, eine sehr wichtige Nebenrolle auf. Sie ist damit aber auch schon die einzige wirklich wichtige Frau.

Ohne Frauen würde die gesamte Handlung von Der Beobachter und der Turm in sich zusammenbrechen. Sie handeln nie als Hauptfigur, sind aber mehr als wichtige Impulsgeberinnen. Allen voran natürlich Richards Ehefrau.

Und auch mein im Entstehen begriffener Roman Die Welt der stillen Schiffe besitzt mit der jungen Maria eine gleichberechtigte Hauptfigur, die allerdings ein wenig in den Mustern ihrer Zeit (immer dran denken, sie kommt aus dem Jahr 1941) verhaftet ist.


Ziehen wir also Bilanz:

In 14 Büchern (ich zähle jeden Silverstar-Teil einzeln) haben wir

  • 1 absolute Hauptfigur
  • 9 gleichberechtigte Hauptfiguren
  • 7 wichtige Nebenfiguren
  • 6 markante Nebenfiguren
  • und 2 Romane mit nennenswertem weiblichen Ensemble

Ist das jetzt gut oder ist das jetzt schlecht? Wer will schon darüber urteilen – wichtig ist es doch, dass es in sich und in den Geschichten stimmig ist. So würde ich das jedenfalls gerne sehen wollen. Aber wenn ihr anderer Meinung seid, dann lasst mir gerne einen Kommentar da! 🙂

Und an die Autoren und Autorinnen unter meinen Lesern mag ich die Frage richten, wie ihr mit dem jeweils anderen Geschlecht umgeht. Gibt es da irgendwelche Berührungsängste in euren Schilderungen? Oder signifikante statistische Auffälligkeiten? Ich bin gespannt!

[NaNo2015] Der NaNo läuft: und ich kann mich nicht entscheiden!

Manchmal, an Tagen, an denen man gar nicht damit rechnet, merkt man, dass die eigene Meinung auf einmal etwas wert ist. Das muss nicht sein, dass man es selbst auch so sieht, meistens tut man es nicht, aber es ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl, wenn man nach etwas gefragt wird, das mit dem zu tun hat, was man selbst auch gerne tut.

Gestern erreichte mich die Frage einer lieben Bloggerin, die eigentlich schon mitten in ihrer NaNo-Teilnahme stecken wollte, allerdings nun vor ihren verschiedenen Projektideen sitzt und nicht weiß, wofür sie sich entscheiden soll. Ob ich da auch schon Erfahrungen mit gemacht habe.

Am einfachsten wäre es, auf so eine Anfrage die Standardantwort zu geben: schreib das, was dir am meisten am Herzen liegt, bei dem dein Verstand und dein Gefühl dir sagen, dass es jetzt und genau jetzt „dran“ ist. Aber ich weiß selber, dass dieses Gefühl manchmal in den Helikoptermodus schaltet und wild unter der Zimmerdecke herumfliegt, nicht mehr greifbar ist und nichts als Staub aufwirbelt.

Meine Erfahrungen mit mehreren Ideen auf einmal beziehen sich auf meine missglückten Versuche, mehr als einen Roman auf einmal zu schreiben. Es hat für mich nicht funktioniert, weil ich den Fokus verlor auf die Geschichte, die ich eigentlich am dringendsten schreiben wollte – und es hat zu langen Phasen geführt, in denen ich gar nicht schreiben konnte. Konkret erinnere ich mich daran, wie die Arbeit an „Lichter“ (vollendet) durch den Versuch ausgebremst wurde, den vierten Teil meiner „Silverstar“-Serie (nicht vollendet) zu schreiben. Schätzungsweise hat mich das ein Vierteljahr gekostet.

Deswegen war es für mich immer wichtig, eine Reihenfolge aufzustellen, was ich wann schreiben wollte. Und wenn ich einen Rat geben soll, wie man das am besten für sich sortieren kann, dann rate ich dazu, tief in sich hinein zu hören, zu welchem Projekt man sich bereit fühlt.

Im Spätsommer 2011 wurde ich aus einer langen klinischen Behandlung entlassen – und ich kam mit einer Idee nach Hause. Der Idee zu einem Roman, der in eben dieser Klinik spielen sollte und in dem einige der Personen, die ich dort kennenlernte, in verfremdeter Form ihren Auftritt haben sollten.

Ich habe diesen Roman aber nicht schreiben können, weil ich innerlich noch nicht bereit dazu war. Ich hatte einen Aufhänger, ich hatte ein Figurenensemble und ich hatte auch schon fast die Auflösung. Eigentlich alles, was man braucht, um einen Roman zu schreiben – zumal einen, der groß einsortiert ein Krimi ist.

Aber ich hätte ihn nicht schreiben können. Zum einen hatte ich zu lange keinen Roman mehr beendet. Das letzte abgeschlossene Projekt war das Jugendbuch für meine Tochter aus dem Jahr 2009, davor und danach kämpfte ich mit „Darkride“, kam aber auf keinen grünen Zweig.

Was tat ich also? Ich prokrastinierte vor mich hin und schrieb gar nichts. Weil ich mich selber durch den Gedanken blockierte, dass genau dieses Buch jetzt geschrieben werden müsste.

Bis mir dann eine Freundin den „Befehl“ gab, dass mein nächster Roman so heißen müsse, wie ein Satz, den ich ihr in einer E-Mail geschrieben hatte: „Der Morgen danach“.

Diesen Roman schrieb ich in (für mich) absoluter Rekordzeit und als ich dem Ende entgegen kam, stand ich auf einmal wieder vor der Frage, was ich denn danach schreiben wolle. Zwei Kandidaten standen auf der Matte: „Darkride“, das ich nun doch endlich schreiben wollte, und das Klinikbuch „Das Haus am See“.

Geschrieben habe ich weder das Eine noch das Andere, weil mir eines Morgens, stilecht unter der Dusche, die Idee für einen Thriller kam. Es entstand „Der Rezensent“. Die Zeit war einfach noch nicht reif.

Das Jahr 2011 ging zu Ende, Anfang 2012 war „Der Rezensent“ fertig und jetzt signalisierten mir mein Verstand und vor allem mein Gefühl, dass die Klinik weit genug zurücklag, um das, was dort geschehen war, in eine Romanhandlung integrieren zu können. Und – weil ich wusste, dass es ein langes Buch werden würde – ich hatte genügend Selbstvertrauen getankt, dass ich dieses Projekt würde abschließen können. Was ich dann nach etwas über sieben Monaten auch tat.

Jetzt habe ich viel von mir erzählt, aber ich hoffe, dass daraus abgeleitet werden kann, was ich meine und für wichtig halte: Auch wenn es so aussieht, so ist nicht jedes Projekt gleich „wichtig“ wie die anderen. Oder es ist nicht gleich „leicht“ wie die anderen.

Ein plakatives Beispiel: wenn ich gerade eine unglückliche Beziehung lebe, ist nicht der Zeitpunkt, Friede, Freude und Eierkuchen zu beschreiben, weil die Gefahr besteht, dass mein eigenes Erleben der Story im Weg steht.

Wenn ich also die Frage der geschätzten Bloggerkollegin ganz konkret beantworten soll, dann sage ich ihr:

Lege deine drei bis vier Ideen als Zettel vor dir hin und schau sie dir genau an. Ist ein Projekt dabei, das du zwar toll findest, bei dem du dir aber unsicher bist, dass du es gut genug schreiben kannst, um deinen Ansprüchen gerecht zu werden? Dann lege es nach hinten. Die Antwort, dass du dir bei allen Projekten nicht sicher bist, ihnen gerecht werden zu können, lasse ich nicht gelten. Denn das wird es nicht geben, wenn du ehrlich zu dir bist!

Nun weiter: gibt es eine Idee, bei der du dir noch nicht sicher bist, wo sie dich eigentlich hinführen soll? Dann würde ich dir raten, diese auch nach hinten zu legen, denn dies ist der NaNo und da kommt es auf Quantität an. Da du noch nicht wirkliche Erfahrungen darin hast, Romane zu schreiben, ist meiner Meinung nach die Gefahr zu hoch, dass du steckenbleibst, wenn du nicht weißt, wie es zumindest grob weitergehen soll.

Gibt es eine Geschichte, die auf Erfahrungen von dir basiert, die allerdings im Moment eher weh tun, weil diese Erfahrungen mies geendet sind? Eigentlich perfekt, um eine Story mit Gefühl zu schreiben. Wichtig ist nur, dass du es schaffst, diese Gefühle so zu kanalisieren, dass der Leser sich nicht hinterher fragt, ob er eigentlich eine Geschichte oder eine Autobiographie liest. Zumal letzteres wohl auch nicht in deinem Interesse wäre, glaube ich.

Du siehst, ich kann dir höchstens Fingerzeige geben, aber keine Entscheidung abnehmen. Denn ich kenne deine Ideen nicht und ich kenne den Punkt in deinem Leben, an dem du dich befindest, nicht.

Was ich aber tun kann ist, dir Mut zu machen! Manchmal fallen die Puzzleteile einfach ineinander, wenn man erst einmal angefangen hat, sie zu legen. Und ich traue dir zu, ein fantastisches Puzzle zu legen!

Du wirst die richtige Geschichte finden, oder sie findet dich. Lass dich darauf ein, hör ihnen zu und schau sie dir genau an. Ich würde mich freuen, wenn meine kleinen Plaudereien aus dem Nähkästchen dir vielleicht ein wenig dabei helfen konnten, einen Weg zur Wahl zu finden.

Soweit meine Antwort an die geschätzte Kollegin! Wenn es Sachen gibt, zu denen euch meine Meinung interessiert, dann schreibt mir doch einfach über das Kontakt-Formular!

Und jetzt entschuldigt mich, denn, wie gesagt, der NaNo läuft und ich habe heute noch kein Wort geschrieben. Die 1.100+ aus diesem Artikel zählen nämlich leider nicht ;-).

Ich wünsche euch noch einen schönen Mittwoch – und ganz besonders natürlich dir, werte Kollegin!

AWDML (3) Drei dreiste Kinder, ein schwedisches Möbelhaus und ein blubberndes Geheimnis

Heute möchte ich euch gerne auf eine weitere Reise in meine schriftstellerische Vergangenheit mitnehmen und hoffe, dass eure Feedreader nicht explodiert sind bei dem Versuch, den wohl längsten Beitragstitel anzuzeigen, den es bis jetzt auf diesem Blog gegeben hat.

Ich hatte es schon vor Längerem in einem Beitrag erwähnt, dass ich einmal auf die Idee kam, für meine erstgeborene Tochter ein eigenes kleines Kinderbuch zu schreiben. Das war eine Idee, die unmittelbar aus der Tatsache heraus geboren wurde, dass sich Kind 1 immer gerne von mir vorlesen ließ. Entsprechend früh kam mir der Gedanke, dass es doch schön wäre, wenn ich ihr eine eigene Geschichte vorlesen könnte, die nur ihr gehören würde. Dieser Gedanke nahm das erste Mal im Frühjahr 2005 Gestalt an, wurde dann aber noch eine ganze Weile auf die Seite gelegt, weil mein Töchterchen, Jahrgang 2002, zu diesem Zeitpunkt noch auf Büchern mit Bildern bestand. Und wenn es eins gibt, was ich nicht kann, dann ist das Zeichnen. Okay, es gibt noch mehr Dinge, aber das gehört hier jetzt nicht hin 😉 .

Auch wenn ich nicht sofort zur Tat schritt, formte sich bereits eine grobe Skizze zur Handlung in meinem Kopf aus. Und hier kommt das berühmte blau-gelbe Möbelhaus ins Spiel, zu dessen begeisterten Kunden meine Frau wir damals gehörten, weil wir gerade erst umgezogen waren und deswegen noch einiges an Möbeln benötigten. Wer von euch schon mal da war – und wer war das nicht – der wird wissen, dass in der Kinderabteilung immer die verschiedensten Plüschtiere angeboten werden. Es gibt Schweinchen, Bärchen, Schlängchen und noch einiges mehr an -chens.

Und 2005, oder vielleicht auch schon 2004, gab es da ein komisches kugelrundes Etwas, dessen offiziellen Namen ich vergessen habe. Dieses Spielzeug sah aus wie ein Ball mit Augen, einem oder mehr Kanarienvogelschnäbeln und Tentakeln am unteren Ende. Diese Mischung aus einem Luftballon und einer Kreatur aus dem Werk von H. P. Lovecraft hatte es unserer Tochter angetan. Ständig spielte sie damit, knuddelte es und ließ es mit ihm im Bett schlafen. Sie nannte es ihren „Blubb“. Ich dachte eigentlich, dass das auch der Markenname gewesen sei, aber da ich nichts dazu im Internet gefunden habe, muss es doch eine eigene Wortschöpfung gewesen sein, wahrscheinlich wegen der blauen Farbe, die entfernt an Wasserblasen denken ließ.

Jedenfalls kam das zweifellos in mir vorhandene Schriftstellergen auf Touren. Ich stellte mir die Frage, was der kleine Kerl denn nun wirklich sein mochte und was er in einem Kinderzimmer trieb. Ob das nicht ein großes Geheimnis sei.

Nun, wie gesagt, die Sache geriet erst einmal in Vergessenheit und ich widmete mich neuen Projekten wie „Es zwingt einen dazu“ und dem ersten, abgebrochenen Versuch, den Roman „Darkride“ zu schreiben. Aber die Idee des Kinderbuchs für meine Tochter blieb in mir lebendig und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, um verwirklicht zu werden.

Macht mit mir nun einen Zeitsprung in das Jahr 2009. Meine Frau und ich bereiteten uns auf die Ankunft von Kind 2 vor, Kind 1 war kurz davor eingeschult zu werden und ich hatte es nach mehr als eineinhalb Jahren endlich aufgegeben, diesen verdammten Krimi über einen Freizeitparkmörder schreiben zu wollen. Kind 1 hörte in der Zwischenzeit auch ganz gerne mal ein Hörspiel, auch von den Drei Fragezeichen oder den Fünf Freunden. Klassischen Jugendabenteuern also. Und das brachte mich wieder darauf, zu versuchen, einen ähnlichen Stoff zu verfassen.

Ich konnte mich noch an das erinnern, was ich in 2005 als Prämisse aufgestellt hatte: drei Kinder machen in einem Spielwarenladen eine geheimnisvolle Entdeckung, versuchen dieser auf den Grund zu gehen und entdecken schließlich einen leibhaftigen „Blubb“. Eine einfache Geschichte, für das Genre geradezu klassisch, mit einem leicht eingestreuten fantastischen Element. In der Tat war das Erste, was ich hatte, der Titel: „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis“. Nachbemerkung: dass es eine Fernsehsendung des Namens Die dreisten Drei gab, war mir als nahezu vollständigem TV-Verweigerer zu diesem Zeitpunkt unbekannt.

Dann ritt mich allerdings der Schalk. Ich setzte mir in den Kopf, ein Buch zu schreiben, das ungefähr den Umfang von 100 Normseiten in zehn Kapiteln haben sollte. Das machte, rein rechnerisch, 10 Kapitel á zehn Seiten. Und diese zehn Kapitel wollte ich wiederum in zehn Tagen schreiben, also jeden Tag ein Kapitel. Und nach den zehn Tagen sollte das Werk dann im Rohentwurf fertig sein.

Ich kann nicht umhin festzustellen, dass ich das Projekt genau in dieser Weise durchgezogen habe. Ich weiß heute nicht mehr, ob das so gut in die Situation passte oder nicht. Vielleicht war ich etwas egoistisch. Aber ich hatte mich jetzt auf einmal in etwas verbissen und nachdem ich so lange an „Darkride“ herumgebastelt hatte, ohne auf ein Ergebnis zu kommen, tat es einfach sehr gut, irgendwas zu fabrizieren, das dann auch noch in überschaubarer Zeit fertig wurde. Wenn ich ehrlich zu mir bin, dann muss ich im Nachhinein zugeben, dass ich das Buch mehr für mich als für meine Tochter schrieb. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass sie es nie gelesen, ich es ihr nie vorgelesen habe.

Jedenfalls hatten meine drei Protagonisten (zwei Mädchen und ein Junge) ihr Abenteuer pünktlich zur Geburt von Kind 2 hinter sich gebracht. Ich war auf beide Babies stolz, mein leibliches und mein geistiges. Auf jenes sogar so sehr, dass ich am Ende die Möglichkeit zu einer oder mehreren Fortsetzungen eingebaut hatte, was ich in dieser Form seit meinen „Silverstar“-Romanen tunlichst zu vermeiden gesucht hatte. Nun, zu einer Fortsetzung ist es nie gekommen.

Heute ist Kind 1 längst in der weiterführenden Schule und hat an simplen Abenteuergeschichten wie dieser kein Interesse mehr. Und Kind 2 zeigt so gar kein Interesse daran, vorgelesen zu bekommen. Aber da sie ja jetzt eingeschult wurde, kann ich ihr vielleicht irgendwann das Kinderbuch, das ursprünglich für ihre Schwester geschrieben wurde, mal zeigen und zum Lesen anbieten.

„Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis“ ist mir nicht nur aufgrund seiner Entstehungsgeschichte sehr präsent. Sondern es zeigt auch meine ersten Erfahrungen darin, speziell auf ein Publikum hin zu schreiben. Eine Zeit lang hegte ich sogar ernsthafte Absichten, vielleicht mal eine leicht abgewandelte Fassung für eine Veröffentlichung einzureichen. So bleibt es letztlich nicht mehr als eine Randnotiz aus jener Zeit, in der ich schriftstellerisch auf der Suche nach meinem Ton, meinen Themen und irgendwie auch meiner Identität war. Es sollte mehr als zwei Jahre dauern, bis ich wieder ein Projekt zum Abschluss bringen konnte: „Der Morgen danach“ …

Let’s take a walk down memory lane!