Dort unten im Keller …

Keller sind Orte, die in vielerlei Hinsicht die Fantasie eines Menschen beflügeln können. Denn sie können alles Mögliche beinhalten: Schätze, Tand, Krimskrams, Krempel, Gediegenes und je nach Autor auch die eine oder andere Leiche. Keller gehören für die Literatur zu den symbolträchtigen Orten – auch wenn ihnen eher selten ein Loblied gesungen wird.

Ich träume oft von Kellern. Meine Träume gehen im Wesentlichen so: Ich bin gerade frisch in eine Wohnung oder ein Haus eingezogen und ich weiß, dass ich irgendwo noch eine andere Wohnung habe, in der es noch einen oder mehrere Keller gibt, die ich leer räumen muss. Je nachdem, wie es mir gerade geht, verbinde ich damit angenehme oder weniger angenehme Erwartungen.

Ausgehend von meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz mit Kellern, den ich aus bisherigen Umzügen und Wohnorten gesammelt habe, habe ich dann teils sehr konkrete Bilder vor Augen.

In meiner ersten eigenen Wohnung in einem Haus, das, wie sich herausstellte, mehr oder weniger in den Grundwasserspiegel hineingebaut worden war, hatte ich sogar zwei Keller. Der eine war ein muffiges Kabuff, in dem man eine Europalette auf den Boden legen musste, damit die Dinge, die man dort lagerte, nicht nass wurden.

Und in dem anderen lebten die Spinnen.

Ich habe niemals vorher und Gott sei Dank nie wieder seitdem einen Raum gesehen, in dem so viele Spinnen auf kleinster Fläche zusammenlebten. Und wir reden hier teilweise von Hausspinnen, die mühelos die Körpergröße eines 10-Cent-Stücks erreichten. Wenn ich nicht vorher schon Angst vor Spinnen gehabt hätte, da hätte sie mich ereilt.

In meinen Träumen bin ich oft in diesen beiden Kellern, beziehungsweise habe das Gefühl, dass dort noch Dinge auf mich warten, die ich nicht einfach liegen lassen sollte. Da ich in der Realität bereits vor über 18 Jahren aus diesem Haus ausgezogen bin weiß ich, dass es sich hierbei nur um etwas Metaphorisches handeln kann.

Wie alles in meinem Leben beziehe ich auch das mit auf das Schreiben. In jener Wohnung unmittelbar am Rhein habe ich ein paar Skizzen in eine Datei gemacht. Diese Datei nannte ich, wie passend, meinen „Ideenkeller“. Wenig überraschend war eine Skizze darin die Grobfassung einer Kurzgeschichte rund um eine Riesenspinne. Erwähnte ich, dass ich jenen Keller gehasst habe?

Wenn ich nun heute von Kellern träume, dann glaube ich, dass mich mein Unterbewusstsein an Dinge erinnern möchte, die noch nicht so verräumt sind, wie es vielleicht besser für mich wäre. Manchmal nehme ich in den Träumen gezielt Dinge in die Hand, die mir einen Aufschluss darüber geben, wo ich vielleicht ansetzen könnte. Zu anderen Gelegenheiten bleibt es vage, nur ein Gefühl.

Denn heute sitze ich im Keller und habe dort mein Reich, meine Schreibwerkstatt, meine Mediathek. Klar, auch hier krabbelt schon mal ein achtbeiniges Viech durch die Gegend, aber auch damit habe ich meinen Frieden gemacht (Pech für das Viech, im Übrigen). Und da wir inzwischen im Eigentum leben, gibt es auch nirgendwo mehr einen Keller, in dem noch Altlasten stehen.

Dennoch kommen diese Träume. Und manchmal wüsste ich gerne, was genau sie mir sagen wollen. Ich glaube, dass dort noch die eine oder andere gute Geschichte auf mich warten könnte.

Reblog: Der autobiographische Schreibimpuls am Donnerstag 

Disclaimer: Vorsicht, die folgenden Zeilen könnten ebenso kitschig wie autobiographisch sein!


Du! Was tust du hier? Geht es dir wieder einmal schlecht? Mich interessiert es nicht! Genauso, wie dich nie interessiert hat, wie es mir geht! Jedenfalls nicht mehr in den letzten Jahren, in denen ich dich, deine Freundschaft, wirklich gebraucht hätte!

Was willst du von mir? Willst du wieder meine Kraft aussaugen, mir die Energie rauben, mich in Agonie stürzen und dich dann frisch gestärkt von mir zurückziehen?

Glaubst du, ich durchschaue dich nicht? Dein ewig falsches Lächeln, den Tonfall, in dem du meinen Namen aussprichst? Die subtilen, kleinen Methoden, mit denen du glaubst, mich um den kleinen Finger wickeln zu können?

Und wieder tust du so, als sei nichts gewesen, als wäre nicht bewiesen, dass es nie ein „wir“ gab, sondern nur ein „du“ – schmerzhafte Erinnerungen, die mir Nachts den Schlaf rauben, wenn ich es nicht schaffe, den Gedanken an dich zu verdrängen.

So geh! Geh dorthin, woher du gekommen bist! Ich habe mich entwöhnt, in langem Prozess von dir gelöst. Werde nicht wieder rückfällig diesmal, die Trennung zwischen uns endgültig final und meine Ablösung total.

Du! Was tust du hier? Geht es dir wieder einmal schlecht? Mich interessiert es nicht, doch einst, da war meine Zuneigung echt.

Retten kann und will ich dich nicht mehr, dafür brauche ich meine Energie selber zu sehr.

AWDML (6) Eine Seite du, eine Seite ich

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Im Moment schreibe ich, bedingt durch den NaNo, relativ viel am Tag. Das sind meistens über 2.000 Wörter, was ungefähr acht Normseiten entspricht. Für eine Normseite brauche ich zwischen fünf und zehn Minuten, habe ich festgestellt. Was ich aber meistens nicht mehr schaffe ist, diese Seiten an einem Stück zu schreiben. Ich würde es nicht auf meine Aufmerksamkeitsspanne schieben wollen, sondern vielleicht eher auf die Ermüdungserscheinungen, die sich breit machen, wenn man einen langen Arbeitstag in den Knochen hat. Vielleicht ist das der Grund, aus dem andere Autoren weniger am Tag schreiben als ich, weil sie nur so schreiben können, dass sie einen Text oder einen Textteil in einem herunterschreiben.

Ich habe hier schon vor vielen Jahren eine andere Arbeitsweise entwickelt, die sich auf verschlungenen Pfaden so sehr in mein Unterbewusstsein verankert hat, dass sie heute noch für mich funktioniert.

Und das kam so:

Wie ich schon einige Male erzählte, habe ich früher sehr gerne und oft verschwiegen, dass ich überhaupt schreibe. Gleichzeitig hatte ich aber eigentlich immer einen Freund, der auch gerne schrieb. Das mag wie ein Paradoxon wirken, aber es war so und hörte eigentlich erst auf, als ich zum ersten Mal dachte, mich aber jetzt wirklich nicht mehr mit der Schreiberei verstecken zu wollen. Ab da war ich Einzelkämpfer und habe mich irgendwann dann halt doch wieder in Schweigen gehüllt.

Aber davon wollte ich gar nicht erzählen, sondern von meinem ersten besten Freund, mit dem ich für eine gewisse Zeitspanne das Hobby Schreiben geteilt habe. Wie das so ist mit ersten besten Freundschaften, besteht diese heute nicht mehr. Aber ich habe die Erinnerung an das, was wir „eine Seite du, eine Seite ich“ nannten, nie verloren.

Wir schreiben ungefähr das Jahr 1991. Es kann auch 1990 gewesen sein, aber auf jeden Fall nicht viel später. Zu diesem Zeitpunkt war bereits seit gut zwei Jahren ein PC in „meinen“ Haushalt eingezogen (natürlich lebte ich noch bei meinen Eltern). Und diese Wundermaschine ermöglichte ja so viele Dinge, an die vorher gar nicht zu denken war!

Man stelle sich einmal vor: auf einmal konnten lange Texte in einer Datei gespeichert werden und nicht mehr aufgeteilt auf mehrere Dateien. Es gab in dem Textverarbeitungsprogramm, das ich damals nutzte, sogar die Möglichkeit, Formatierungen direkt auf dem Bildschirm kenntlich zu machen!

Aber eines der hauptsächlichen, tollen Features, die es für meinen Freund und mich einfacher machten, „gemeinsam“ zu schreiben, war, dass man praktisch in weniger als einer Minute von einem Text zum anderen Text springen konnte! Die gigantische 20-Megabyte-Festplatte meines Commodore PC-30 III machte es möglich!

Wenn wir uns also zum Schreiben verabredeten, setzten wir uns beide an den PC, der zu diesem Zeitpunkt in der elterlichen Küche stand. Und dann ging es los: zuerst schrieb ich eine Seite an meinem aktuellen Romanprojekt, das wahrscheinlich einer der vielen Entwürfe war, durch welche der erste „Silverstar“-Roman gegangen ist. Natürlich hatte damals noch keiner von uns etwas von einer „Normseite“ gehört – die sich in dem DOS-Programm wohl auch nicht hätte einstellen lassen. Nein, wir sprechen über richtige DIN-A4-Seiten mit entsprechend viel Text.

Während ich schrieb, saß mein Freund daneben und las praktisch direkt mit, was mir da in die Tastatur floss. Viel Feedback gab es damals nicht, wenn ich mich richtig erinnere, aber es war ein gutes Gefühl, zumindest schon mal einen Leser zu haben.

Und dann, nachdem ich fertig war, wurde gespeichert, sein Text aufgerufen, und nun schrieb er eine Seite an seinem Projekt – das auch in die Richtung Science-Fiction ging.

Wie oft wir an einem Nachmittag hin und her gewechselt haben, kann ich nicht mehr sagen. Aber diese Arbeitsweise, mich schnell auf eine Seite zu fokussieren, diese zu schreiben und dann wieder umzuschalten, habe ich bis heute konservieren können. Auf diese Weise ist es mir zum Beispiel möglich, auf der Arbeit zwischendurch, wenn mir gerade eine Idee kommt, einen Absatz zu schreiben (manchmal auch eine Normseite) und mich dann wieder auf meine Tätigkeit zu konzentrieren.

Ganz besonderen Wert hat dies, wenn während meiner Mittagspause, die ich im Moment ja meistens zum Schreiben benutze, mal wieder meine Chefin anruft und irgendwas von mir will. Dann mache ich Pause und nehme den Faden nahtlos später wieder auf. Wenn ich darauf fixiert wäre, immer an einem Stück zu schreiben, womöglich noch, bis sich ein passender Ausstieg aus einer Szene findet, den ich nutzen kann, dann wäre ich lange nicht so schnell und produktiv.

Also ist es so, dass eine Spielerei, ein Modus Operandi, den ich mir vor über zwanzig Jahren angeeignet habe, mir heute noch Erleichterungen im Schreibprozess bietet. Klingt doch so, als ob zwei Siebzehnjährige damals eine ziemlich gute Idee gehabt hätten!

Let’s take a walk down memory lane!

Fakt und Fiktion (5) Ein altes Haus

Disclaimer: Unter dem Label ‘Fakt und Fiktion’ veröffentliche ich kleine Episoden aus meinem Leben (Fakten), die in eine etwas ausgeschmückte (Fiktion) Form gepresst sind. Der Kern der Geschichten ist allerdings ein wahrer!


Es fühlt sich an wie eine Reise in die Vergangenheit, jeder Kilometer, der mich näher zu dir bringt. Diese Reise, die ich früher häufiger unternommen habe, mindestens einmal im Jahr, sie fühlt sich jetzt so seltsam an, so ungewohnt.

Ich weiß, dass du leer stehst. Die Menschen, die einmal in dir gelebt haben, sind entweder woanders hin gegangen oder sie sind gestorben. Du bist zurück geblieben. Allein. Es wird nicht das erste Mal sein, dass du zurückgelassen wurdest. Schließlich bist du über hundert Jahre alt. Da wirst du einiges erlebt haben.

Die Menschen, die zuletzt in dir lebten, hatten einmal große Visionen für dich: du solltest Ferienwohnungen beherbergen oder eine Frühstückspension werden. Zu einem Zeitpunkt der vergangenen dreizehn Jahre wäre beinahe ein Seniorenheim aus dir geworden.

Das Problem war nur, dass die Ziele immer hoch geflogen sind und die Realitäten dann nicht hinterher fliegen konnten. Und so blieb vieles an dir so, wie du eben bist: unfertig, halb verwahrlost und ziemlich traurig.

Ja, jetzt, wo ich dich betrete, wird mir all dies bewusst und es läge zu nahe, auf die Suche nach einem Schuldigen zu gehen. Oder die Schuld bei dir zu suchen. Aber was kannst du dafür, dass sich Ungeziefer in dir ausgebreitet hat? Was dafür, dass mir die Staubfäden ins Gesicht hängen? Ist es deine Verantwortung, dass ich mich unwohl in dir fühle?

Eine wirklich innige Beziehung hatten wir ja noch nie miteinander. Aber auch das lag eher an mir, als an dir. Auf ein altes Haus wie dich muss man sich einlassen können. Das fiel mir schon schwer, als du noch bewohnt warst. Und jetzt, wo du mich mit all deiner schockierenden Leere und atemberaubender Stille empfangen hast, ist es nicht leichter geworden. Es ist schwer.

Ich bin hier, um dich von dem Ballast zu befreien, der immer noch in dir steht. Ich will dich entlasten, dir eine neue Chance für dein Dasein bieten.

Denn eines ist klar und steht nicht zur Diskussion: unsere Wege werden sich trennen!

Ich hätte gar keine Verwendung mehr für dich. Dafür bist du mir räumlich wie auch gedanklich viel zu weit entrückt. Ich hoffe sehr, dass es neue Menschen geben wird, die dich annehmen können, wie du bist und die aus dir vielleicht das machen werden, was du eigentlich verdient hättest, zu sein.

Meine Schwiegereltern sind tot, aber das alte Haus, ihr Haus, es ist immer noch da.

AWDML (4) Das schreibe ich, und das – und ein wenig was von dem auch noch

Als ich noch ein junger und noch unerfahrenerer Autor war als ich es heute bin, da hatte ich immer einen Wunsch. Oder man könnte auch sagen: ich hatte ein Problem. Ein Problem, das viele Schriftsteller gerade am Anfang ihres Weges haben, wie ich mittlerweile mehrfach nachlesen konnte. Ich konnte einfach nicht einsehen, dass ich nicht in der Lage bin, mehr als ein Projekt auf einmal zu verfolgen.

Ungeduld ist eine Eigenschaft, die für einen Autoren mit Sicherheit nicht wirklich erste Wahl bei den zu fördernden Talenten darstellt. Es dauert nun einmal, sich durch die Handlung eines Romans zu beißen, an manchen Tagen auch zu quälen. Man schreibt eben nicht jeden Tag 10.000 Worte. Viel häufiger sind die Tage, an denen man sich quälen muss, überhaupt vierstellig zu werden. Und die dann noch auf mehrere Projekte aufzuteilen …

Es gibt Autoren, die können das. Die schaffen es, sich in drei oder vier voneinander abgetrennte Welten zu versetzen und je nach Lust und Laune (oder dem, was auf dem Terminplan steht) mal an dieser, mal an jener Story zu schreiben. Das bewundere ich! Das bewundere ich nicht nur, da könnte ich neidisch werden!

Kommen wir zurück zu mir als jungem Autor. Damals, wir befinden uns ungefähr im Jahr 1993, träumte ich noch lange nicht den Traum, mal ein Buch zu veröffentlichen, sondern ich musste erst einmal den Traum fertig träumen, einen Roman überhaupt zu Ende zu schreiben!

Ich arbeitete seit rund sechs Jahren mal mehr, mal weniger und immer mal wieder von Vorne an „Angst im Perseus-Spiralnebel“, dem ersten Band meiner Abenteuer rund um das Raumschiff Silverstar. Nun hatte ich mir hierzu die Handlung ja schon mehr oder weniger auf die nächsten zehn Bände ausgedacht und deswegen war das Schreiben „langweilig“.

(Natürlich war es nicht langweilig, aber es fühlte sich für mein achtzehnjähriges Ich so an.)

Ich wollte etwas Neues entdecken, etwas anderes anfangen. Es gab Ideen, die unbedingt und jetzt sofort verwirklicht werden mussten! Das eine war eine Fantasy-Geschichte im Stil von „Der Herr der Ringe“ (was auch sonst) und das andere war eine Trilogie um das Leben nach dem Jüngsten Tag, deren erster Band den Untergang der Menschheit in einem Atomkrieg schildern sollte, während der Zweite das Wiedererwachen der Zivilisation und der dritte den Aufbruch zu den Sternen zum Thema hatte.

Da stand ich jetzt mit meinen drei Projekten: „Angst im Perseus-Spiralnebel“, „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ (dessen Titel ich mir bei einem Commodore 64-Spiel geborgt hatte).

Meine Idee: schreib doch alle drei gleichzeitig! Und zwar immer brav eine Seite pro Projekt und das im Wechsel. Also wirklich am ersten Tag „Angst“, am zweiten Tag „Bund“, am dritten Tag „Fort“, am vierten wieder „Angst“ …

Ich weiß bis heute nicht, ob nur die Methode totaler Humbug war, oder ob ich anderweitig überfordert wurde. Jedenfalls hielt ich, glaube ich, keinen Monat durch. Dann begann ich, in längeren Intervallen an den Geschichten zu schreiben. Die Fragmente von „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ habe ich noch, wenn auch keine Ambitionen, sie jemals wieder anzufassen.

Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt war klar, ich musste mich entscheiden, wenn ich nicht riskieren wollte, alle drei Projekte zu verlieren. So, wie ich vorher schon etliche Geschichten verloren hatte. Und auf einmal erwiesen sich die mittlerweile rund 40 geplanten Bände von Silverstar gar nicht mehr als Hemmschuh, sondern als Sicherheitsfaktor. Und so traf ich die Entscheidung zugunsten von „Angst im Perseus-Spiralnebel“, das dann auch mein erster vollendeter Roman wurde.

Nach einem weiteren missglückten Versuch, 1997 den vierten Teil der Serie parallel zu meinem neuen Projekt „Lichter“ zu schreiben, gab ich es dann endgültig (?) auf.

Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, mehrere Projekte gleichzeitig zu verfolgen. Hier und da mal eine Kurzgeschichte, so wie bei Hannas Schreibaufgaben, die ich, ohne groß darüber nachzudenken, in ein bis zwei Stunden herunterschreiben kann, das geht noch. Aber einen längeren Roman? Lieber nicht!

Und trotzdem ist es ein Traum gewesen und Träume lässt man, glaube ich, niemals so ganz los. Deshalb klingt immer noch eine Saite in mir an, wenn ich lese oder höre, dass jemand das tut, was mir nie gelungen ist …

Let’s take a walk down memory lane!

Let’s talk about Sex, baby

Hallo liebe Leute, heute habe ich mal einen etwas längeren Beitrag für euch, der mir ein wenig während des Schreibens explodiert ist. Ich hatte schon überlegt, daraus mehrere Folgen zu machen, aber da ich einerseits selbst kein Freund von unnötigen Cliffhangern bin und andererseits meinen Lesern eine Aufmerksamkeitsspanne von über fünf Minuten zutraue, veröffentliche ich den Artikel doch an einem Stück.

Falls es irgendwo im Gebälk knirschen sollte, seht es mir bitte nach, ich habe den Beitrag in vielen kleinen Portionen geschrieben.

Jeder Mensch hat Sex

Wie ich ja bereits gestern in meinem Reblog angedeutet habe, mache ich mir im Moment einige Gedanken über das Thema Sex. Nun ist Sex immer ein Thema, das einen gesunden Menschen umtreibt, aber für einen Autor ist es ein zusätzlich schweres Thema, weil er sich auf einmal nicht mehr nur Gedanken über seine eigene Sexualität und über die Sexualität seines Partners/seiner Partnerin Gedanken machen muss, sondern weil Sex auf einmal etwas wird, das direkt in die Köpfe der Leser hinein projiziert wird und dort dann Bilder auslöst, die entweder anregend und erfüllend, manchmal abstoßend und fragwürdig, im allerschlimmsten Fall aber auch einfach nur lächerlich sein können.

Mit Sex in Romanen verhält es sich anders als mit den Schilderungen von Gewalt, von übersinnlichen Fähigkeiten oder von Fantasyhelden. Denn während beileibe nicht jeder Mensch in den fraglichen Genuss kommt, ein Telepath zu sein oder mit einem beidhändig geführten Schwert umgehen zu können, hat jeder Mensch ein Sexleben. Es ist nicht für jeden Menschen gleich gut oder gleich erfüllend oder gleich oft, aber jeder Mensch hat Sex. Punkt! Und deswegen hat auch jeder Mensch eine Meinung zu Sex.

Wieso fällt es uns dann aber so schwer, mit Sex ganz natürlich umzugehen? In der Realität kann ich es ja noch verstehen. Da kann es sein, dass der erfolgreiche Geschäftsmann es sich nicht erlauben kann, dass seine Kunden wissen, dass er heimlich darauf abfährt, von seiner Frau an die Hundeleine genommen und in der Wohnung angebunden zu werden. Aber wie ist es in der Fiktion?

Das bin nicht ich! Sex in der Fiktion

Was sehr wichtig ist beim Schreiben von Romanen, das ist die eigene Distanz zu den Figuren und Situationen, die man beschreibt. Man muss sich klar machen, dass es zwar Einfälle sind, die aus dem eigenen Hirn stammen, diese aber nicht zwingend bedeuten, dass man jeden dieser Einfälle auch in die eigene Realität übertragen möchte.

Wenn ich das in Hinblick auf einen ganz normalen Thriller oder Krimi betrachte, dann wird mir sicherlich jeder zustimmen, dass ein Autor nicht deswegen ein potenzieller Massenmörder ist, weil er von einem Psychopathen schreibt, der eben genau das tut: massenhaft Menschen umbringen. Wir akzeptieren, dass hier eine Kunstfigur geschaffen wurde, die vielleicht den einen oder anderen soziopathischen Anflug abbekommen hat, den der Autor wie jeder Mensch von Zeit zu Zeit hat, aber die dennoch ein eigenes „Individuum“ darstellt.

Beim Sex ist das deutlich schwieriger. In einem Kommentar, den Anne gestern unter den rebloggten Beitrag geschrieben hat, wird das Dilemma offenbar. Sie schreibt, dass sie jetzt schon einen roten Kopf bekommt, wenn sie daran denkt, dass ihr Mann und ihre Kinder irgendwann die Sexszenen lesen, die sie sich für ihre Romanhandlung ausgedacht hat.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, über diese Verknüpfung hinweg zu kommen. Nur, weil ich einer erfundenen Person einen extremen Fetisch andichte, bedeutet das nicht, dass auch ich gerne einmal in gleicher Weise behandelt werden möchte. Und selbst wenn ich das wollte: dann ist die Figur, die in meinem Roman spielt, doch nichts anderes als eine Figur. Sie ist nicht mein Alter Ego. Wenn sie es wäre, dann müsste jeder Autor, der in mehr als einer Perspektive einen Roman verfasst, eine gespaltene Persönlichkeit sein.

Ich habe lange gebraucht, bis ich mir über diesen Punkt klar geworden bin und er hat mich bei meiner Arbeit gewaltig ausgebremst. Der Grund war aber auch, dass ich mich für die Sexualität in meinen Romanen geschämt habe.

Sex und die Scham davor

Eigentlich sollte man meinen, dass Sexualität das Normalste von der Welt ist. Wir alle sind durch einen Akt der Sexualität entstanden. Wenn unsere Mütter und unsere Väter sich nicht irgendwann einmal ganz doll lieb gehabt hätten, dann wäre keiner von uns auf der Welt. Und dennoch machen wir um das Thema Sex ein Gewese, dass es eigentlich erstaunlich ist, dass die Menschheit noch nicht ausgestorben ist.

Wobei ich mich ganz oft erwischt habe war, dass ich mich für die explizite Darstellung von Sex in meinen Romanen geschämt habe. Ich kann sogar ein Ereignis benennen, das als Auslöser dafür herhalten kann:

Irgendwann Mitte der 80er war ich ein begeisterter Leser von Heftromanen, besonders Gruselromanen wie „Larry Brent“ oder „John Sinclair“. Und eben von letztgenanntem Geisterjäger kam eines Tages ein Paperback heraus, was eine ganz große Sache war für so einen Groschenroman. Ich nahm dieses Paperback mit in die Schule, um in der Freistunde (ich ging auf eine Ganztagsschule) darin lesen zu können.

Irgendwie geriet es dann aber in die Hände einer Mitschülerin, die es aufschlug und den ersten Satz lauthals in die Klasse trompetete, die das ungeheuer lustig fand. Ein Satz, den ich auch nach bald dreißig Jahren immer noch im Ohr habe: „Er wollte Sex und dachte nicht an den Tod.“

Liebe M.R., falls du das hier liest, ich bin dir nicht mehr böse. Aber vergessen habe ich diese Begebenheit nie! Und sie hat mit dazu beigetragen, dass ich mich geschämt habe, in meinen eigenen Romanen das Wort Sex auch nur am Rande anzudeuten. Eine sehr irrationale Scham, vor allem nach dem, was ich im vorherigen Abschnitt geschrieben habe. Aber wie gesagt, für mich war es eine lange Reise zu dem Umgang, den ich nun mit dem Thema in meinen erdachten Welten habe.

Aber inzwischen glaube ich, dass ich Sex als Thema für mich annehmen kann.

Sex als Thema annehmen

Bevor ich ca. im Jahr 1999 mit der Arbeit an „Der Beobachter und der Turm“ begann, hatte Sex in keinem meiner bis dahin vier abgeschlossenen Romane eine Rolle gespielt. In der „Silverstar“-Trilogie waren Frank Boone und John Starfield hoffnungslos in Leya Kuvan verschossen, kamen aber beide nicht zum Zug. Und bevor der lachende Dritte, Captain Adam Shrivers, den die Freunde im zweiten Band auf der „Expedition durchs All“ kennen gelernt hatten, sich im bereits durchgeplanten vierten Band der Serie die holde Maid schnappen konnte, stellte ich alle Arbeiten an der Serie ein.

In „Lichter“ gab es zwar ein Paar, aber auch das lebte sozusagen in einem klinischen Umgang miteinander. Über ein harmloses Küsschen hier und da ging es nicht heraus.

Und dann kam der „Beobachter“. Und im Beobachter geht es praktisch von der ersten Seite an um Sex. Es geht um Sex, den die Hauptfigur Richard Lenhard nicht hat. Um Sex, den Richard sich wünscht und den seine Frau ihm verweigert. Gleichzeitig arbeitet Richard, ausgerechnet, als Webdesigner für Erotikportale. Und in einer schicksalhaften Nacht, nachdem er wieder einmal mit seiner Frau aneinander geraten ist, wird er durch die schemenhafte Gestalt des Beobachters direkt vor die Tür eines gerade neu eröffneten Bordells geführt, wo Richard zuerst seinen Samenstau los wird und sich später in eine der Prostituierten verliebt, was die ganze Tragödie überhaupt ins Rollen bringt.

Nun war ich 1999/2000 schrecklich naiv. Ich dachte nämlich, dass ich diese ganzen Dinge einfach als Backdrop nehmen könnte und irgendwann lege ich den Schalter um und schreibe eine Horrorgeschichte. Mit meinem Blick von heute kann ich denjenigen von euch, die sich jetzt spontan gedacht haben, dass das nicht funktionieren konnte, nur beipflichten.

Wenn ich mir die Auflistung von Fakten ansehe, die sich im „Beobachter“ um Sex dreht, dann ist ganz eindeutig, dass das eigentliche Thema eben nicht „der schwarze Mann holt sich seine Opfer“ (nur als Beispiel, das ist nicht die eigentliche Handlung) lautet, sondern dass es zumindest über den kompletten Unterbau hinweg um den Umgang eines Menschen mit Sexualität, den negativen Folgen und Ängsten daraus, aber auch den positiven Effekten geht. Kurz: dass die Geschichte ohne Sex nicht funktioniert.

Ich glaube, dass ich die Arbeit an „Der Beobachter und der Turm“ damals deswegen eingestellt habe, weil ich weder mit meiner Scham noch mit dem Thema zurechtgekommen bin. Man könnte es auch als Angst vor der eigenen Courage bezeichnen. Oder so, dass ich damals vielleicht zu „unreif“ gewesen bin. Ich war ein sexueller Spätzünder und wollte auf keinen Fall den Eindruck bei meiner heutigen Frau erwecken, dass ich irgendwas an der Art wie, wie oft und was wir machten auszusetzen hätte. Und ich war vielleicht von mir selbst geschockt als ich merkte, wie groß dieses Thema für mich auf einmal war.

Die Geschichte, so weit sie bis jetzt im Entwurf geschrieben war, bevor ich das Thema neu aufgriff, endet ziemlich exakt an der Stelle, an welcher der Schwenk in Richtung Horror hätte erfolgen sollen. Auch das ist bezeichnend, denn es ist die Stelle, an der ich mein eigentliches und nicht eingestandenes Thema verlassen und ein neues Thema etablieren wollte. Inzwischen weiß ich aber, dass Romane so nicht funktionieren können. Sie haben immer ein durchgehendes Thema, das mit Nebenthemen kombiniert werden kann bzw. das durch die eigentliche Handlung gar nicht richtig durchscheint. Aber es ist da. So handelt auch „Der Morgen danach“ nur vordergründig von rechtsextremen Vereinigungen. Eigentlich ist er eine Auseinandersetzung mit der Frage, wer wir sind und was uns definiert.

Aber selbst, wenn man sein Thema angenommen hat, ist da ja immer noch die Frage, ob man sich in der Lage sieht, es angemessen zu Papier zu bringen.

Die „richtige“ Sexszene

Es gibt fast unendlich viele Möglichkeiten, mit Sexszenen umzugehen und ich verweise an dieser Stelle gerne noch einmal auf den Artikel der Devoten Romantikerin, den ich gestern hier gerebloged (ist das ein zulässiges Wort?) habe.

Meiner Meinung nach läuft es im Endeffekt auf zwei Grundmöglichkeiten heraus: Explizit oder Angedeutet.

Die angedeutete Sexszene ist die, in welcher die beiden (oder mehr) Protagonisten dieser Szene sich in unmittelbare Nähe des Ortes begeben, wo „es“ gleich passieren wird, um nach einem kurzen Abschnittswechsel schon im Auto auf dem Weg zum nächsten Handlungsort zu sitzen. Das ist die Art von Sexszene, die einerseits leicht zu beschreiben ist, weil sie den Autor nicht aus der Komfortzone heraus drängt. Sein Schamgefühl wird keiner Prüfung unterzogen. Aber andererseits ist es auch schwer, sie zu schreiben, weil sie ein schriftstellerisches Klischee ist, ebenso wie die Szenen in Hollywoodfilmen, in denen der Mann nach (angedeuteten) Sexszenen immer mit freiem Oberkörper im Bett liegt, während die Frau bis zum Hals zugedeckt ist. Wir alle wissen, dass Sex so nicht funktioniert, aber in Romanen und Filmen schlucken wir es nicht nur, wir erwarten gar nichts anderes.

Der Grund dafür ist, dass die explizite Sexszene etwas mit uns macht. Sie involviert uns, weil wir unsere eigenen Erfahrungen, Erinnerungen oder auch Sehnsüchte auf die Charaktere übertragen. Es ist so, als ob wir mittendrin wären im lustvollen Treiben und wenn so eine Szene packend beschrieben ist, dann reagiert sogar unser Körper darauf und gibt mehr als deutliche Signale seiner Erregung von sich.

Was man nun in seinem Roman haben möchte, hängt wieder deutlich von der eigenen Intention ab. Ich habe mich bei „Der Beobachter und der Turm“ dazu entschieden, die zahlreichen Gedanken und Überlegungen, die Richard über sein Sexleben anstellt, zumindest im ersten Entwurf nicht vorab zu beschränken. Denn, wie bereits festgestellt, Sex ist seine Triebfeder, der Motor, der die Geschichte ans Laufen bringt. Da wäre es nicht nur feige, sondern geradezu zerstörerisch, wenn ich bei den entscheidenden Szenen zu früh wegblenden würde.

Die richtige Sprache für Sexszenen

Damit kommen wir zu dem vielleicht größten Problem, auf das ein Autor beim Verfassen von Sexszenen stoßen wird: wie finde ich die richtige Sprache dafür?

Zunächst möchte ich eine ganz wichtige Regel aufstellen, die nur fünf Wörter hat und die man sich deswegen ganz leicht merken kann: Sex ist nicht gleich Pornographie!

Es hat in der Kulturlandschaft Deutschlands lange gebraucht, bis diese einfache Regel sich durchgesetzt hat und nicht jeder Busenblitzer oder jede erigierte Penis sofort den Vorwurf der Pornographie auf sich gelenkt hat. Man muss sich nur einmal ansehen, was für Bücher im Deutschland von vor fünfundzwanzig bis dreißig Jahren auf den Index gesetzt wurden und wie harmlos sie sich im Vergleich zu dem lesen, was heute an der Tagesform ist.

Aber am Grundproblem des richtigen Sprachgebrauchs hat sich deswegen nichts geändert. Wir kennen alle die blumigen Ausdrücke, die man für die weiblichen und männlichen Geschlechtsteile verwenden kann. Da gibt es den Zauberstab und das Honigtöpfchen, den Prügel und die Lustgrotte und viele Dinge in dieser Richtung mehr, bei denen man sich fragt, wer diese Worte ernsthaft in einem Roman verwenden kann, ohne einen Lachkrampf dabei zu bekommen.

Man kann es auch ins Vulgäre ziehen und die dafür üblichen Begriffe verwenden. Ihr wisst schon, die, die sich auf „Otze“, „Lanz“, „Immel“ oder „Öse“ reimen ;-).

Und dann gibt es noch das Neutrale, wie es auch einem Arztbericht entstammen könnte: Vagina, Scheide, Penis, fertig. Das sind Begriffe, die man heute, in unserer, wie gesagt, etwas aufgeklärteren Welt, durchaus auch ohne rot zu werden in den Mund nehmen kann.

Wenn ich eine Sexszene schreibe, dann wähle ich gerne eine Kombination zwischen dem Neutralen und dem Vulgären. Denn mal Hand aufs Herz: wer spricht schon im Eifer des Gefechts davon, dass er gleich mit seinem Penis in die Vagina eindringen wird? Gut, mag es geben, aber ich glaube, das ist dann eher eine Generation über der meinen – die es in den 60ern aber ja auch faustdick hinter den Ohren hatte.

Also lasse ich meine Figuren gerne auch mal so reden, wie ihnen der vulgäre Schnabel in der Situation gewachsen ist, bleibe bei den Beschreibungen aber neutral. Das macht für mich die Abgrenzung zum reinen Porno, dass ich auf der erzählerischen Ebene einen Unterschied mache, bewusst eine Differenzierung in der Sprache anstrebe. Einfach auch um klar zu stellen, dass es mir nicht um den Sex um des Sex willen geht, sondern dass dieser jetzt gerade für die Szene wichtig ist und für die Charaktere wichtig ist. Kein rein-raus-wiedersehen, sondern eine echte Entwicklung der Handlung.

Es gibt im Internet inzwischen viele wunderbare Bloggerinnen und Blogger, denen solche Texte scheinbar mühelos von der Hand gehen. Bei denen das explizite und das angedeutete, das vulgäre und das neutrale, sich zu einer reizvollen und erregenden Melange verdichten. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich auch bereit und glücklich bin, davon lernen zu können. Und ebenso glücklich bin ich, einige von ihnen zu meinen Followern rechnen zu dürfen.

Der Beobachter, der Turm und der Sex

Kommen wir also langsam zum Ende dieses jetzt schon viel zu langen Beitrages. Ich werde versuchen, meine Ziele, wie ich sie zum Teil in den vorangegangenen Abschnitten definiert habe, für „Der Beobachter und der Turm“ umzusetzen. Ich schäme mich nicht mehr dafür, dass Menschen in diesem Roman Sex haben, der vom anderen Stern zu sein scheint. Ich schäme mich aber auch nicht mehr dafür, dass Menschen in diesem Roman keinen Sex haben und dass dadurch Probleme entstehen. Diese Menschen sind Romanfiguren, es sind nicht meine Frau und ich. Es sind auch nicht „meine geheimen Wünsche“.

Ich habe das Thema meines Romans erkannt und werde nicht versuchen, an einem Punkt X die Weiche krampfhaft auf eine andere Richtung zu stellen. Der Sex bleibt Thema, weicht vielleicht ein wenig in den Hintergrund, ist aber ständig „da“.

Und was die Sprache und die Art angeht, wie ich die Sexszenen zeige, da versuche ich mein möglichstes, mich nicht zu sehr zum Affen zu machen. Und wer weiß, vielleicht suche ich mir ja speziell für diese Szenen irgendwann befähigte Testleser/innen!?

Jedenfalls danke ich euch allen, dass ihr mir eure Aufmerksamkeit geschenkt habt. Und die nächsten Beiträge werden wieder kürzer. Versprochen! 🙂

Der Ton macht den Roman

Heute möchte ich euch ausnahmsweise mal nicht mit so vielen Worten quälen, sondern mit Musik! Durch einen Zufall bin ich im Laufe des Nachmittags auf ein Lied gestoßen, das ich vorher ganz lange nicht gehört hatte. Und mir fiel ein, dass es einmal in einem meiner Romane als einleitendes Zitat Verwendung gefunden hatte.

Wie ich schon mal irgendwo erwähnte, bin ich ein große Verehrer von Mister Stephen King. Und wenn es einen Roman von mir gibt, dem man das mehr anmerkt als ihm gut tut, dann ist das „Lichter“. Nicht nur, dass es inhaltliche Anleihen gibt, auch strukturell leihe ich mir einiges aus. So gibt es nur in diesem Roman eine Aufteilung in Kapitel und darunter durchnummerierte Abschnitte. Nur dieser Roman ist in drei Teile aufgesplittet. Und nur dieser Roman stellt jedem der drei Teile Zitate aus Liedtexten voran. Alles Dinge, wie sie bei King öfter benutzt werden. Im Fall der Musikzitate explizit, um einen gewissen Ton für den kommenden Text zu setzen.

Ich habe mal bei Youtube geschaut und tatsächlich fand sich zu jedem der von mir verwendeten Songs ein Video, mit dem ich euch jetzt in das ausklingende Wochenende entlassen möchte. Habt einen guten Wochenstart!

The Shamen – Destination Eschaton

Beborn Beton – Life Is A Distance

De/Vision – Sweet Life

Queen – Friends Will Be Friends

Lacrimosa – Alles Lüge

Wolfsheim – The Sparrows And The Nightingales

Und als Bonus noch folgendes Stück, das am Ende des ersten Teils von „Lichter“ ausführlich zitiert wird und damit sozusagen einen Abschnitt beendet.

Martin Sprissler – Die Brücke

Musik, die zu Geschichten inspirierte

Bei einem meiner Streifzüge durch die große bunte Welt der Blogosphäre bin ich auf einen Artikel bei Frau Margarete gestoßen, der mich sehr fasziniert und interessiert hat. In diesem stellt Frau Margarete uns die Musikalben vor, die sie im Laufe ihres Lebens wohl am meisten inspiriert haben.

Musik und Inspiration, das ist für mich ja auch immer so ein Thema. Ich schreibe sehr oft, während ich Musik höre. Musik ist dabei mehr als nur Untermalung oder Hintergrundrauschen für mich. Musik ist Emotion, ist Rhythmus, ist Energie! Alles Aspekte, die auch eine gute Geschichte vertragen kann.

Wie ich schon in meinem Kommentar zu Frau Margaretes Artikel geschrieben, wäre es eine Mammutaufgabe, alle Einflüsse oder auch nur Lieblingslieder/-alben aufzuzählen, die mich während des Schreibens begleitet haben. Da ich peinlich genau Buch darüber führe, von wann bis wann eine Geschichte entstanden ist (ich erzähle ein andermal, wieso), könnte ich wahrscheinlich sogar eine recht lückenlose Dokumentation meiner Lieblingsalben erstellen. Aber das ist dann wohl doch ein wenig zu viel des Guten.

Was ich aber machen möchte ist, die fünf Alben vorzustellen, ohne die es jeweils eines meiner Romanprojekte nie gegeben hätte. Mir ist dabei vollkommen bewusst, dass ich diese Entwürfe noch nie hier erwähnt habe und dass sie vielleicht für den Blog oder meine Reise zur Veröffentlichung nie eine Rolle spielen werden. Aber für wen schreibe ich denn diese kleinen Beiträge, wenn nicht zuletzt auch für mich selbst? Trotzdem seid ihr gerne zum Mitlesen eingeladen 🙂 !

Hier nun also die Alben zum Roman:


 

MIKE OLDFIELD: THE SONGS OF DISTANT EARTH

The Songs of Distant EarthDie Vertonung eines Romans von Arthur C. Clarke war die logische Wahl für meine Novelle „3099 – Raumschiff Meteor antwortet nicht“, die ich als einen Bestandteil eines Dreierpacks von überarbeiteten „Altlasten“ vorgesehen hatte. Denn ich siedelte die Geschichte in der Realität an, die Clarke für seinen Roman 2001 – Odyssee im Weltraum bzw. die Nachfolger erschaffen hatte. Was eine Veröffentlichung nahezu ausschließen dürfte.

Dabei handelt es sich im Kern um eine stark erweiterte Version der allerersten Geschichte, die ich je geschrieben habe – eben rund um jenes Raumschiff Meteor, das nicht mehr auf Anrufe antwortet.

Die Musik Oldfields ist sehr sphärisch, atmosphärisch und teilweise schon in den Ambient-Bereich schielend. Musik, wie für einen Science-Fiction-Film geschrieben. Und sehr passend zu dem düsteren Charakter meiner Geschichte.

WOLFSHEIM: NO HAPPY VIEW

No Happy View

Erst durch die Zusammenarbeit von Sänger Peter Heppner mit Joachim Witt und dem Megahit „Die Flut“ drang die Band Wolfsheim Ende der neunziger Jahre in das Bewusstsein der breiten Masse vor. Aber da hatten sie bereits einige sehr gute Alben veröffentlicht und den einen oder anderen Szenehit gelandet. Ganz vorne zu nennen: „The Sparrows and the Nightingales“.

Dieser Song war damals in den sogenannten „dunklen“ Clubs, zumindest des Teils der Republik in dem ich lebe, Standardrepertoire. Und als ich für meinen Roman „Lichter“, der als Hauptfigur eine Person hat, die eben in dieser Szene und diesen Clubs zuhause ist, eine Art Leitsong suchte, war dieser die logische Wahl. Und so finden sich immer wieder textliche Verweise, insbesondere auf die im Lied genannte Zeile „Wo ist der Führer der mich führt, ich warte immer noch“.

Ein sehr melancholisches Lied für einen über weite Strecken sehr melancholischen Roman.

MIKE OLDFIELD: CRISES

CrisesDas Album, das für die hervorragenden Songs „Moonlight Shadow“ und „Shadow On The Wall“ Bekanntheit und Rekordabsätze erreichte. Für meine Schriftstellerei war aber der Titeltrack, ein rund zwanzig Minuten langes Instrumentalstück, Ausschlag gebend. In diesem von Fairlight-Synthesizern dominierten Opus gibt es eine Sequenz, in welcher immer wieder der Gesangspart „The watcher and the tower – waiting hour by hour“ wiederholt wird. Unschwer zu erkennen die Zeile, auf die auch mit dem Coverbild des Albums hingewiesen wird.

Der Turm, in dessen oberster Etage ein Licht brennt, hatte mich schon ganz, ganz früh zu einer einseitigen Story inspiriert, der ich den naheliegenden Namen „Der Beobachter und der Turm“ gab. Jahre später hatte ich vor, einen Roman daraus zu machen. Ich habe ca. die Hälfte davon geschrieben – und dann ist er einfach unter meinen Händen weggestorben. Ich weiß bis heute nicht genau, wieso das passiert ist. Aber ich habe vor, irgendwann etwas an diesem Zustand zu ändern. Wahrscheinlich schon als nächstes Schreibprojekt nach „Der Redner“ (und den Bewerbungsschreiben, die hab ich nicht vergessen, keine Sorge!).

VNV NATION: EMPIRES

EmpiresVNV Nation machen sehr emotionale elektronische Musik. Und „Empires“ ist ein früher Meilenstein in der Geschichte dieser Band, die mich nun schon über so viele Jahre begleitet, mir so viele emotionale Momente geschenkt und dabei jegliche Form von Gefühl verkörpert hat, die man sich nur vorstellen kann.

Trotzdem ist es eigentlich nicht das Lied um das es hier geht selbst, das dafür gesorgt hat, dass ich einen Roman mit dem Titel „Es zwingt einen dazu“ geschrieben habe. Verantwortlich dafür ist eigentlich der Musiker Vasi Vallis, der auf einer Tour der Band eines der Keyboards übernommen hat.

In Bezug auf das Lied „Kingdom“ sagte er, dass es eine besondere Freude sei, dieses zu spielen, da es einen förmlich dazu zwingen würde, den nächsten Ton zu spielen. Dieser Satz hat unheimlichen Eindruck auf mich gemacht. Und ich stellte mir die Frage, was denn wohl passieren würde, wenn ein Keyboard wirklich den nächsten Ton von alleine spielt. Und fertig war die Idee für meine Geschichte.

Die Musik von VNV Nation bildet übrigens heute noch oft den Hintergrund für meine Schreiberei. Gerade letzte Woche ist das neue Album „Resonance“ erschienen, auf dem mit einem Orchester (!) eingespielte Versionen einiger der schönsten Lieder enthalten sind. Absolut schreibtauglich und auch beim „Redner“ schon zum Einsatz gekommen!

COVENANT: NORTHERN LIGHT

Northern LightLast, but not least, ist das meiner Meinung nach beste Album der Skandinavier von Covenant zu nennen. Auf „Northern Light“ kommen der charismatische Gesang, die treibenden Beats und sehnsuchtsvollen Klangteppiche der Electroband am besten zur Geltung. Und mit „Bullets“ und auch „Call The Ships To Port“ sind zwei Songs für die Ewigkeit enthalten, die auch heute noch Partystimmung aufkommen lassen.

Was auf mich besonderen Eindruck machte war der knallharte und treibende Bass von „Call The Ships To Port“, der perfider Weise zu Beginn ganz leise ist, um einem dann, wenn man unbedarft lauter gedreht hat, den Ohrkanal leer zu pusten. Im Refrain heißt es dann sinngemäß, dass ein Chor voller Sehnsucht die Schiffe zurück zum Hafen leiten würde.

Daraus wurde bei mir „Der Ruf des Hafens“, der zwar keinen tanzbaren Beat mitbringt, aber, wie ich glaube, den einen oder anderen Höhepunkt bietet.


 

So, das waren sie, meine fünf wichtigsten Alben, die mich zu Romanen oder Geschichten inspiriert haben. Ich möchte mich ganz ausdrücklich bei Frau Margarete bedanken, wo ich mir die Idee ausgeliehen habe! Schaut doch mal bei ihr rein, wenn ihr wollt.

Und ich werde jetzt noch ein wenig Musik hören, denke ich. Solltet ihr auch tun, es ist sehr entspannend – und inspirierend.

Schönen Abend noch!

Geschichten, die das Leben schrieb – ein Nachsatz

Eine Beerdigung ist immer ein seltsamer Anlass, eine Feierlichkeit, die zwischen traurigen und auch schönen Momenten schwankt. Ein Treffen von Menschen, die man teilweise seit Jahren nicht mehr gesehen hat und ein Austausch von Erinnerungen. Erinnerungen, die einem zeigen, wie ein und derselbe Vorfall sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet in völlig eigenständige Geschichten verwandelt.

Als wir gestern meinen Schwiegervater zu Grabe trugen, hat der Pfarrer in seiner wirklich wunderbaren und wertschätzenden Andacht Gelegenheit gegeben, dass wir uns noch einmal an das erinnerten, was wir mit diesem Menschen erlebt haben, wie er uns begegnet ist und wie er unser Leben bereichert und beeinflusst hat.

Ich erinnerte mich an eine kleine Geschichte, die ganz zu Beginn meiner Bekanntschaft mit ihm stattgefunden hat und die ich hier kurz schildern möchte.

Meine heutige Frau und ich sind damals Knall auf Fall zusammengekommen und sie ist praktisch sofort in meine bescheidene Wohnung eingezogen, die dafür eigentlich viel zu klein war. Daraus ergab sich, dass ihre Eltern öfter bei uns anriefen, weil es noch irgendwas an Post gab oder sonstige Dinge, ich weiß das nicht so genau. Im Normalfall rief dann die Mutter meiner Frau an. Sie war immer die große Wortführerin in dieser Familie. Man muss dazu auch bedenken, dass es damals noch keine Handys, sondern nur Festnetzgeräte gab.

Aber eines Tages hatte ich meinen späteren Schwiegervater am Apparat, mit dem ich bis dahin vielleicht hundert Worte gewechselt hatte (was schon eine Menge war, wie ich im vorgestrigen Eintrag angedeutet habe). Ich meldete mich, es folgte ein Moment der Stille. Dann seine unverkennbare, knorrige Stimme:

Hallo … hier ist … Papa.

Wahrscheinlich hätte ich in diesem Moment eine Panikattacke bekommen müssen, schließlich war ich gerade erst frisch mit meiner heutigen Frau zusammen und Dinge wie Hochzeit, Kinder, Eigenheim und Katze lagen noch weit, weit in der Zukunft. Aber ich hatte keine Panik, sondern ein ganz wunderbares Gefühl von Zugehörigkeit. Es fühlte sich gut an, von diesem Menschen, der nun wirklich nicht mit Gefühlen um sich warf, akzeptiert zu werden.

Es waren diese vier Worte, an die ich mich gestern erinnerte und die mich spontan dazu brachten, während der Trauerfeier zu lächeln. Und ich habe auch noch nach der Beerdigung, als die Verwandten meiner Frau, zum Großteil beinahe Fremde für mich, in unserem Haus beisammen saßen, noch viele lustige und anrührende Geschichten gehört.

Mir ist wieder einmal bewusst geworden, dass es nicht immer der Knalleffekt sein muss, der eine gute Geschichte ausmacht oder auch einen guten Plotpunkt. Manchmal sind es nur vier kleine Worte, keines länger als zwei Silben.

Und so gestattet mir, zum Abschluss dieses Themas und dieser Geschichte aus meinem Leben, ebenfalls mit vier einfachen Worten zu schließen:

Ich hatte ihn gern!