Vor acht Jahren: Ein reales und ein fiktives Kind

Gestern haben wir den Geburtstag von Kind 2 gefeiert. Den achten. Schon den achten, möchte man sagen. Denn irgendwie kommt es einem gar nicht so lange vor, wenn man sich die Abläufe nicht vor Augen führt. Wie generell der gesamte Komplex Alter und Zeitverlauf sich ganz anders gestaltet, als man meinen sollte. Immerhin wird Kind 1 dieses Jahr auch schon 15 und ist damit, mein Vater erwähnte es scherzhaft, beinahe schon erwachsen.

Zwischen Kind 1 und Kind 2 gibt es allerdings, was die Wahrnehmung dieser Zeiten angeht, irgendwie auch Unterschiede. Das werden die meisten Eltern mir allerdings als etwas ganz normales bestätigen können, behaupte ich einfach mal. Beim ersten Kind war man noch sehr aufgeregt, wusste gar nicht, was auf einen zukommt und wollte bloß nichts falsch machen. Das ganze Leben war vollends auf dieses kleine Bündel Mensch ausgerichtet – sowohl vor der Geburt, als auch während der Geburt, als auch nach der Geburt.

Bei Kind 1 wäre es vollkommen undenkbar für mich gewesen, dass ich in der Zeit, als sie geboren wurde, mit irgendeinem Schreibprojekt zugange sein könnte. In der Tat habe ich mein bisschen Hirn zermartert und komme zu dem Schluss, dass es damals wirklich nichts gegeben hat, woran ich arbeitete. Das letzte Projekt, die Erstfassung von „Der Beobachter und der Turm“ war bereits im Jahr 2000 sanft entschlafen und der nächste Roman, „Es zwingt einen dazu“, kam erst 2005 in mein Blickfeld.

Und wie war es 2009? Da schrieb ich munter an meiner bis heute einzigen Geschichte für Kinder: „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis„.

Bei Kind 2 hatten meine Frau und ich beschlossen, direkt nach der Geburt das Krankenhaus zu verlassen und mit ein wenig Unterstützung durch eine Hebamme zu Hause die Betreuung sofort zu übernehmen. Wir kannten uns ja schon aus. Und ich arbeitete nebenbei an meinem Kinderbuch, das ich allerdings nicht für besagtes Kind 2, sondern vielmehr für Kind 1 schrieb. Nachdem ich die Geschichte schon einige Jahre mit mir herumgetragen hatte.

Und so wurden, in gleichem Maße, in dem Kind 2 Teil unseres Alltags wurde, „Die dreisten Drei“ Teil meines Alltags. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass der Roman Ende Juni fertig war – inklusive Überarbeitung. Meine liebe Tochter wird noch eine Weile brauchen, bis sie „fertig“ ist. Vermutlich bis an ihr Lebensende – und das ist auch ganz in Ordnung so.

Ich musste nur daran denken, dass sich jetzt irgendwie ein Kreis schließt, denn für meine Geschichte von damals ist Kind 1 inzwischen zu alt. Aber Kind 2 könnte genau im richtigen Alter sein. Ob ich sie mal fragen soll, ob sie sie lesen will?

Und dann gab es ja immer mal wieder leichte Überlegungen, eine Fortsetzung anzustreben. Vielleicht wäre jetzt die Zeit dafür gekommen. Auch wenn es niemals ein Kind 3 geben wird. Da sei die moderne urologische Chirurgie vor 😉 .

Auf jeden Fall ein leicht verspätetes Happy Birthday an mein reales und an mein fiktives Kind. Und einen lieben Gruß an Kind 1, die nicht traurig sein soll, dass es passend zu ihrer Geburt keinen Roman gibt, an den ich mich erinnern kann. Selbst ein Autorenheini wie ich rechnet nicht nur in Büchern und Geschichten. Sondern auch in ganz alltäglichen Werten und Gefühlen.

Liebe, etwa.

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Wie viele Protagonisten gibt es in meinen Romanen?

Hallo zusammen!

Jede Woche veröffentlicht der Autor Richard Norden interessante Artikel rund um das Schreiben auf seinem Blog. Vergangenen Samstag ging es bei ihm um ein Thema, das den kleinen Statistiker (hört sich irgendwie pervers an, findet ihr nicht auch?) in mir angesprochen hat.

Es geht darum, wie viele Protagonisten ein Roman vertragen kann. Um nicht Nordens kompletten Artikel hier zu zitieren, den ihr euch dringend selbst durchlesen solltet, gebe ich nur eine Kernaussage wieder:

Derzufolge kommt es bestenfalls nicht, oder nur in klar umrissenen Ausnahmefällen, vor, dass ein Roman mehr als einen Protagonisten besitzt. Und das ist derjenige, der die größte Veränderung, den größten Konflikt, den größten Einsatz zu verzeichnen hat. Auch in Geschichten, die man als Film im „Buddy-Sektor“ verorten würde, oder selbst bei Liebesgeschichten, gibt es immer die eine Figur, die der zentrale Mittelpunkt der Handlung ist. Auch bei den meisten Heldenteams ist dies der Fall.

Die anderen Charaktere sind dann Sidekicks, Wegbegleiter oder manchmal auch simple Stichwortgeber.

Eine klare Ausnahme lässt Richard Norden nur für wirklich epische Geschichten gelten. Er nennt hier „Das Lied von Eis und Feuer“ als Beispiel, der Mehrheit inzwischen eher unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt. Ich würde sagen, dass generell bei Romanserien, die sich um eine Heldengruppe (wobei die Helden ja keine Helden sein müssen) drehen, in verschiedenen Einzelromanen die Gewichtung stärker auf verschiedenen Protagonisten liegen kann.

Wie gesagt, die Vorteile und Nachteile zu beschreiben, das kann Richard Norden besser als ich. Ich nutze die Gelegenheit dazu, einen meiner gefürchteten Blicke auf mein eigenes kleines Bücherregal zu werfen, in dem die von mir geschriebenen Romane stehen.

Aber keine Sorge, ich versuche, mich kurz zu fassen ;-)!


Silverstar I: Angst im Perseus-Spiralnebel
Mit diesem Band werden die meisten der Protagonisten eingeführt, die mich durch meine vielbändige Science-Fiction-Serie führen sollten. Es gibt eine klare Hauptfigur, die man übergreifend über alle Bände auch als Serienprotagonistin bezeichnen könnte. Wobei sie in einigen Bänden in den Hintergrund tritt/getreten wäre.

Silverstar II: Expedition durchs All
Wie das so ist in Serien, kommen hier noch zwei weitere Protagonisten hinzu. Am Fokus auf die eine zentrale Protagonistin ändert das allerdings zunächst nichts.

Silverstar III: Final Star
Dies ist der erste Roman der Serie (und gleichzeitig auch der letzte), in dem eine der anderen Figuren stärker in die Rolle des Protagonisten rückt. Man merkt der Geschichte allerdings auch an, dass sie dadurch zwar rasanter wird, aber eben jenen Fokus ein wenig verliert.

Lichter
Der Roman ist komplett aus der Sicht des Protagonisten geschrieben – mit kleinen Ausnahmen gen Ende, die aber nichts daran ändern, dass es immer um den einen zentralen Charakter geht.

Different Stories
Die Novellensammlung hat in allen drei Geschichten eine klare Hauptfigur, auf deren Schulter die Handlung liegt.

Es zwingt einen dazu
Die Handlung folgt vollständig einer Person, es gibt keine Szenen ohne sie. Auch ein deutliches Signal im übrigen dafür, dass diese Person der absolute Protagonist sein muss und, sozusagen, niemanden neben sich stehen hat.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis
Dem Namen nach sind hier zwar drei Kinder gleichberechtigt, es gibt aber eine deutliche Wortführerin – womit die Geschichte im Übrigen ganz in der Tradition so ziemlich jeder anderen Jugendserie (die daraus vielleicht mal geworden wäre) steht, wie mir gerade auffällt.

Der Morgen danach
Es gibt einen deutlichen Handlungsträger, der sogar über weite Strecken der Handlung ganz auf sich gestellt agiert. Vielleicht der deutlichste unter all meinen Protagonisten.

Der Rezensent
Die Handlung dieses Thrillers wird maßgeblich zwar durch andere Charaktere vorangetrieben, nicht zuletzt natürlich durch den Antagonisten, wie es sich für einen Thriller gehört, aber der Fokus liegt klar auf einer Hauptfigur, der später ein Sidekick beiseite gestellt wird.

Das Haus am See
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bietet allerdings durch sein enormes Personal eine ganze Menge an anderen Personen mit, welche die Handlung beeinflussen und welche auch den Protagonisten beeinflussen.

Der Ruf des Hafens
Auch diese Horrorgeschichte hat einen klaren Protagonisten – mit einer starken Frau an seiner Seite, aber eben „nur“ an seiner Seite.

Darkride
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es hier natürlich den Ermittler als einzigen echten Protagonisten zu verzeichnen. Zu ihm gehören, ebenfalls wie in den meisten guten Krimis, ein Sidekick, eine starke Partnerin und ein nervender Chef. Die einen nennen es Klischees, die anderen notwendige Zutaten ;-).

Der Redner
Das ist in der Tat ein Sonderfall, bei dem ich mich schwer tue, den einen Protagonisten zu benennen. Ich habe drei Figuren, die über weite Strecken des Romans alleine agieren und sich erst später zusammentun. Allerdings, bei strenger Auslegung von Richard Nordens „Regeln“, komme ich zu dem Schluss, dass der Reporter Kevin Ryason der Protagonist sein muss. Er macht die ersten seltsamen Beobachtungen und hält später in der Handlung die Fäden zusammen.

Der Beobachter und der Turm
Ganz klarer Fall: es gibt nur einen Protagonisten und der heißt Richard Lenhard. Auch wenn im zweiten Handlungsabschnitt die hier bereits einmal erwähnten Polizisten in den Fokus rücken, bleiben diese – wichtige – Nebenfiguren.

Die Welt der stillen Schiffe
Wieder ein Ensemblestück, bei dem aber alleine durch die Ich-Perspektive absolut unstrittig ist, wen man als die Hauptperson anzusehen hat.


Fazit:

Nicht nur, dass ich Richard Norden in seiner These generell zustimmen möchte, rein intutiv habe ich mich in den meisten Fällen auch an sie gehalten. In den meisten meiner Romane gibt es genau einen wirklichen Protagonisten, mit dem sich der Leser, wenn es gut läuft, identifizieren kann.

Wobei wir natürlich alle wissen, dass es auch gute Nebenfiguren sein können, die uns besonders ans Herz wachsen und wichtig für uns werden. Aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

Herrenüberschuss – Wieso so deutlich?

Als Reaktion auf meinen gestrigen Beitrag schrieb mir die Devote Romantikerin folgenden Kommentar:

Ich vermisse einen Referenzrahmen. Müsstest du nicht eine Bilanz betreffend der Männer daneben stellen? Damit man – vielleicht – sich dann ein klareres Bild machen kann?

Darauf möchte ich gerne kurz eingehen. Wobei ich eines direkt sagen kann: eine detaillierte Bilanz wird es nicht geben, denn die würde geradezu frappierend aufdecken, wie groß der Männerüberschuss in meinen Romanen ist.

Von den 14 Romanen, die ich geschrieben habe, bietet ja nur einer eine absolute Hauptfigur auf. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass in den anderen die Männer das Heft des Handelns fest in der Hand halten. Ich denke da an Charaktere wie Markus Heldt aus „Der Morgen danach“, Richard Lehnhard aus „Der Beobachter und der Turm“, aber auch an das Triumvirat Anton Lechleitner, Kevin Ryason und David Berg aus „Der Redner“.

In einigen Romanen sind Männer und Frauen in den Hauptrollen einigermaßen gleichgestellt. Emery Lindsay aus „Es zwingt einen dazu“ wäre ohne die kesse Chie Qwan Lu ebenso aufgeschmissen, wie Stephan König aus „Der Ruf des Hafens“ ohne seine Rieke Thomsen.

Während ich also im Bereich der wichtigeren Figuren durchaus im Regelfall auf eine Frau verweisen kann, die eine wichtige Rolle spielt, sieht es bei den Nebencharakteren eher mau aus. Den Vogel schießt dabei in negativer Hinsicht der Roman „Darkride“ ab, wo tatsächlich, sofern ich mich nicht falsch erinnere, keine Frau vorkommt, die neben der im Nachbarartikel erwähnten Sandra Jung einen längeren Auftritt hätte.

Aber woran liegt das? Lässt sich das alles alleine damit plausibel erklären, dass ich eben ein Mann bin und mir deswegen männliche Rollen mehr liegen? Küchenpsychologie, wenn ihr mich fragt. Aber in Küchen wurden ja durchaus auch schon wahre Worte gesprochen.

Ich glaube, dass es in den meisten Fällen daran liegt, dass ich mir eine Schreibweise antrainiert habe, die sehr stark auf eine kleinere Gruppe von Handlungs- oder Perspektivträgern fokussiert. Die Ensembles in meinen Romanen sind, von Ausnahmen wie „Das Haus am See“ und der Silverstar-Reihe abgesehen, eher klein. Und jetzt gehen wir noch einmal in die Küche: wenn ich eine von wenigen Rollen besetzen muss, dann ist diese in meinem Kopf wahrscheinlich wirklich eher männlich angelegt.

Für einige Beispiele kann ich aber auch richtige Gründe angeben. Wenn Markus Heldt mit Rechtsradikalen in Berührung kommt, dann sehe ich vor meinen Augen keine schmalen Frauen als Nazi-Amazonen, dann sehe ich bullige Kleiderschränke. Wenn Richard Lenhard ein Bordell betritt, wird der Besitzer eher ein Mann als eine Frau sein. Und – leider ist es immer noch so – wenn irgendwo ein ranghoher Polizist auftaucht, ist dieser mit enormer Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein Mann.

Das soll alles nicht in eine Rechtfertigung ausarten, denn es gibt nichts, wofür ich mich rechtfertigen müsste. Schließlich gibt es Autoren, die schreiben und schrieben Frauen höchstens als Love Interests in ihre Romane, was ich bisher, glaube ich, erfolgreich vermieden habe. Bei mir bekommen am Ende des Tages nicht immer der Held das Mädchen. Weil ich, bei allem Ungleichgewicht, das rein numerisch herrschen mag, Wert darauf lege, das Geschlechterbild differenziert darzustellen.

So, wie es eben auch im richtigen Leben sein sollte!

Ich verspreche aber hiermit, zukünftig vielleicht wieder stärker darauf zu achten und zu hinterfragen, wo es sich anbietet, eine starke Frauenrolle auch einmal in den Nebenrollen zu verwenden!

Frauen in meinen Romanen – Eine Bilanz zum Internationalen Frauentag

Heute ist der Internationale Frauentag und ich tue gar nicht so, als ob ich das gewusst hätte, bevor Wikipedia mich darauf stieß. Aber tröstet euch, liebe Leserinnen, wenn es einen Männertag geben sollte (gibt es sowas?), dann wüsste ich auch nicht, wann der ist. Dafür wird euch meine Frau bestätigen, dass ich noch nie den Valentinstag, unseren Hochzeitstag oder (für unsere Kinder wichtig) den Muttertag vergessen habe ;-).

Also – der Internationale Frauentag. Ein Tag, der vollkommen den Rechten der Frau gewidmet ist. In Deutschland in den letzten Jahren ein wenig zwiespältig gesehen, da der westliche Teil der ehemaligen Bundesrepublik diesen Tag nicht so hoch hielt, wie es die Mitmenschen im Osten, in der Deutschen Demokratischen Republik taten. Das hatte mit Sicherheit etwas damit zu tun, dass es sich beim Internationalen Frauentag ursprünglich um eine sozialistische Erfindung gehandelt hat.

Aber solche ideologischen Grenzlinien sind mir hier vollkommen fremd, weswegen ich auch den politischen wie den gesellschaftlichen Teil hinter mir lasse und zu meiner Arbeit als Autor komme.

Ausgehend davon, dass heute der Internationale Tag der Frau ist, habe ich mir einmal angeschaut, welche Rolle Frauen eigentlich in meinen Romanen spielen. Und ich gebe zu, dass ich ein wenig überrascht wurde.

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne starke Frauenfiguren in Romanen lesen. Aber ich tue mich manchmal mit weiblichen Hauptfiguren schwer, weil ich sie häufig als, wie soll ich sagen, bemüht empfinde. Insbesondere dann, wenn Männer über diese Frauen schreiben. Wahrscheinlich habe ich mich deswegen, mit einer prominenten Ausnahme, auch nie daran gewagt, Frauen wirklich ganz in den Fokus zu rücken. Aber immerhin kann ich behaupten, nicht dem typischen Klischee entsprochen und Frauen komplett ausgebootet zu haben. Auch hier mit einer kleinen Ausnahme.

Zu den Romanen im Einzelnen:


In der Silverstar-Trilogie ist Leya Kuvan eine mehr als gleichberechtigte Hauptfigur. Streng genommen müsste man sagen, dass sie der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist. Jedenfalls wenn man die Anteile dessen als Maßstab nimmt, was sie tut und was sie bewirkt. Abseits von ihr gibt es eher wenige weibliche Figuren. Mit Teil 2 werden einige eingeführt, die im Laufe der Zeit größeren Anteil hätten haben sollen, aber dann habe ich ja die Arbeit an der Serie eingestellt.

Der Roman Lichter hat mit Mel eine weibliche Mit-Hauptfigur, die durch ihre zurückhaltende Art oftmals durch die mitwirkenden Kerle in den Hintergrund gedrängt wird. Sie kann aber in einzelnen Szenen zeigen, dass sie nicht nur eine starke Meinung hat, sondern auch großes Durchsetzungsvermögen. Daneben gibt es keine weitere weibliche Rolle.

In Es zwingt einen dazu ist die Chinesin Chie Qwan Lu eine echte Hauptfigur, die der männlichen Hauptfigur wichtige Impulse für die Handlung gibt. Weitere weibliche Personen handeln eher im Hintergrund.

Mein Kinderbuch Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis hat einen Frauenüberschuss von zwei zu eins. Dabei ist Britta eindeutig die Anführerin und Hauptperspektivträgerin. Wenn man so will, bin ich also ausgerechnet in meinem für mich ungewöhnlichsten Buch von meiner sonstigen Linie abgewichen. Für mich überraschend.

Im Thriller Der Morgen danach spielen Frauen nur in Nebenrollen mit, auch wenn insbesondere einer von ihnen eine große Bedeutung zukommt. Die Sichtweise bleibt aber durchweg männlich in einem von Männern dominierten Umfeld. Auch eine Überraschung, dass ausgerechnet in dem Roman, den ich mit am rasantesten von meinen Büchern finde, keine starke Frauenrolle vorkommt.

Im danach geschriebenen Der Rezensent änderte sich das wieder. Nathalie kann man durchaus als gleichberechtigte Frauenfigur sehen, ihr zur Seite steht mit Julia eine etwas schwächere, aber in der Handlung sehr präsente Figur. Die Hauptperspektive liegt allerdings auch hier wieder bei einem Mann.

Das Ensemblestück Das Haus am See bietet Platz für jede Menge Frauenfiguren, von denen sich, alleine schon durch die Ich-Perspektive des Erzählers, kaum eine hervortun kann. Mit Linda gibt es eine gravierende Ausnahme, die aber dennoch nicht mehr als eine führende Nebenrolle einnimmt.

In Der Ruf des Hafens ist die junge Rieke als streitbare, ortsansässige und intelligente Frau die absolut gleichberechtigte Hauptfigur neben dem neuen Inselautor Stephan. In Nebenrollen tauchen auch weitere Frauen auf.

Beim Krimi Darkride besetzt Sandra Jung als Marketingleiterin des Freizeitparks, in dem der Roman spielt, eine sehr starke Frauenrolle, die nicht ganz groß genug ist, um von einer Hauptrolle sprechen zu können. Weitere Frauen agieren nur am Rand.

Der Horror-Roman Der Redner bietet mit Sarah, der Freundin eines der drei Protagonisten, eine sehr wichtige Nebenrolle auf. Sie ist damit aber auch schon die einzige wirklich wichtige Frau.

Ohne Frauen würde die gesamte Handlung von Der Beobachter und der Turm in sich zusammenbrechen. Sie handeln nie als Hauptfigur, sind aber mehr als wichtige Impulsgeberinnen. Allen voran natürlich Richards Ehefrau.

Und auch mein im Entstehen begriffener Roman Die Welt der stillen Schiffe besitzt mit der jungen Maria eine gleichberechtigte Hauptfigur, die allerdings ein wenig in den Mustern ihrer Zeit (immer dran denken, sie kommt aus dem Jahr 1941) verhaftet ist.


Ziehen wir also Bilanz:

In 14 Büchern (ich zähle jeden Silverstar-Teil einzeln) haben wir

  • 1 absolute Hauptfigur
  • 9 gleichberechtigte Hauptfiguren
  • 7 wichtige Nebenfiguren
  • 6 markante Nebenfiguren
  • und 2 Romane mit nennenswertem weiblichen Ensemble

Ist das jetzt gut oder ist das jetzt schlecht? Wer will schon darüber urteilen – wichtig ist es doch, dass es in sich und in den Geschichten stimmig ist. So würde ich das jedenfalls gerne sehen wollen. Aber wenn ihr anderer Meinung seid, dann lasst mir gerne einen Kommentar da! 🙂

Und an die Autoren und Autorinnen unter meinen Lesern mag ich die Frage richten, wie ihr mit dem jeweils anderen Geschlecht umgeht. Gibt es da irgendwelche Berührungsängste in euren Schilderungen? Oder signifikante statistische Auffälligkeiten? Ich bin gespannt!

Musik, die zu Geschichten inspirierte

Bei einem meiner Streifzüge durch die große bunte Welt der Blogosphäre bin ich auf einen Artikel bei Frau Margarete gestoßen, der mich sehr fasziniert und interessiert hat. In diesem stellt Frau Margarete uns die Musikalben vor, die sie im Laufe ihres Lebens wohl am meisten inspiriert haben.

Musik und Inspiration, das ist für mich ja auch immer so ein Thema. Ich schreibe sehr oft, während ich Musik höre. Musik ist dabei mehr als nur Untermalung oder Hintergrundrauschen für mich. Musik ist Emotion, ist Rhythmus, ist Energie! Alles Aspekte, die auch eine gute Geschichte vertragen kann.

Wie ich schon in meinem Kommentar zu Frau Margaretes Artikel geschrieben, wäre es eine Mammutaufgabe, alle Einflüsse oder auch nur Lieblingslieder/-alben aufzuzählen, die mich während des Schreibens begleitet haben. Da ich peinlich genau Buch darüber führe, von wann bis wann eine Geschichte entstanden ist (ich erzähle ein andermal, wieso), könnte ich wahrscheinlich sogar eine recht lückenlose Dokumentation meiner Lieblingsalben erstellen. Aber das ist dann wohl doch ein wenig zu viel des Guten.

Was ich aber machen möchte ist, die fünf Alben vorzustellen, ohne die es jeweils eines meiner Romanprojekte nie gegeben hätte. Mir ist dabei vollkommen bewusst, dass ich diese Entwürfe noch nie hier erwähnt habe und dass sie vielleicht für den Blog oder meine Reise zur Veröffentlichung nie eine Rolle spielen werden. Aber für wen schreibe ich denn diese kleinen Beiträge, wenn nicht zuletzt auch für mich selbst? Trotzdem seid ihr gerne zum Mitlesen eingeladen 🙂 !

Hier nun also die Alben zum Roman:


 

MIKE OLDFIELD: THE SONGS OF DISTANT EARTH

The Songs of Distant EarthDie Vertonung eines Romans von Arthur C. Clarke war die logische Wahl für meine Novelle „3099 – Raumschiff Meteor antwortet nicht“, die ich als einen Bestandteil eines Dreierpacks von überarbeiteten „Altlasten“ vorgesehen hatte. Denn ich siedelte die Geschichte in der Realität an, die Clarke für seinen Roman 2001 – Odyssee im Weltraum bzw. die Nachfolger erschaffen hatte. Was eine Veröffentlichung nahezu ausschließen dürfte.

Dabei handelt es sich im Kern um eine stark erweiterte Version der allerersten Geschichte, die ich je geschrieben habe – eben rund um jenes Raumschiff Meteor, das nicht mehr auf Anrufe antwortet.

Die Musik Oldfields ist sehr sphärisch, atmosphärisch und teilweise schon in den Ambient-Bereich schielend. Musik, wie für einen Science-Fiction-Film geschrieben. Und sehr passend zu dem düsteren Charakter meiner Geschichte.

WOLFSHEIM: NO HAPPY VIEW

No Happy View

Erst durch die Zusammenarbeit von Sänger Peter Heppner mit Joachim Witt und dem Megahit „Die Flut“ drang die Band Wolfsheim Ende der neunziger Jahre in das Bewusstsein der breiten Masse vor. Aber da hatten sie bereits einige sehr gute Alben veröffentlicht und den einen oder anderen Szenehit gelandet. Ganz vorne zu nennen: „The Sparrows and the Nightingales“.

Dieser Song war damals in den sogenannten „dunklen“ Clubs, zumindest des Teils der Republik in dem ich lebe, Standardrepertoire. Und als ich für meinen Roman „Lichter“, der als Hauptfigur eine Person hat, die eben in dieser Szene und diesen Clubs zuhause ist, eine Art Leitsong suchte, war dieser die logische Wahl. Und so finden sich immer wieder textliche Verweise, insbesondere auf die im Lied genannte Zeile „Wo ist der Führer der mich führt, ich warte immer noch“.

Ein sehr melancholisches Lied für einen über weite Strecken sehr melancholischen Roman.

MIKE OLDFIELD: CRISES

CrisesDas Album, das für die hervorragenden Songs „Moonlight Shadow“ und „Shadow On The Wall“ Bekanntheit und Rekordabsätze erreichte. Für meine Schriftstellerei war aber der Titeltrack, ein rund zwanzig Minuten langes Instrumentalstück, Ausschlag gebend. In diesem von Fairlight-Synthesizern dominierten Opus gibt es eine Sequenz, in welcher immer wieder der Gesangspart „The watcher and the tower – waiting hour by hour“ wiederholt wird. Unschwer zu erkennen die Zeile, auf die auch mit dem Coverbild des Albums hingewiesen wird.

Der Turm, in dessen oberster Etage ein Licht brennt, hatte mich schon ganz, ganz früh zu einer einseitigen Story inspiriert, der ich den naheliegenden Namen „Der Beobachter und der Turm“ gab. Jahre später hatte ich vor, einen Roman daraus zu machen. Ich habe ca. die Hälfte davon geschrieben – und dann ist er einfach unter meinen Händen weggestorben. Ich weiß bis heute nicht genau, wieso das passiert ist. Aber ich habe vor, irgendwann etwas an diesem Zustand zu ändern. Wahrscheinlich schon als nächstes Schreibprojekt nach „Der Redner“ (und den Bewerbungsschreiben, die hab ich nicht vergessen, keine Sorge!).

VNV NATION: EMPIRES

EmpiresVNV Nation machen sehr emotionale elektronische Musik. Und „Empires“ ist ein früher Meilenstein in der Geschichte dieser Band, die mich nun schon über so viele Jahre begleitet, mir so viele emotionale Momente geschenkt und dabei jegliche Form von Gefühl verkörpert hat, die man sich nur vorstellen kann.

Trotzdem ist es eigentlich nicht das Lied um das es hier geht selbst, das dafür gesorgt hat, dass ich einen Roman mit dem Titel „Es zwingt einen dazu“ geschrieben habe. Verantwortlich dafür ist eigentlich der Musiker Vasi Vallis, der auf einer Tour der Band eines der Keyboards übernommen hat.

In Bezug auf das Lied „Kingdom“ sagte er, dass es eine besondere Freude sei, dieses zu spielen, da es einen förmlich dazu zwingen würde, den nächsten Ton zu spielen. Dieser Satz hat unheimlichen Eindruck auf mich gemacht. Und ich stellte mir die Frage, was denn wohl passieren würde, wenn ein Keyboard wirklich den nächsten Ton von alleine spielt. Und fertig war die Idee für meine Geschichte.

Die Musik von VNV Nation bildet übrigens heute noch oft den Hintergrund für meine Schreiberei. Gerade letzte Woche ist das neue Album „Resonance“ erschienen, auf dem mit einem Orchester (!) eingespielte Versionen einiger der schönsten Lieder enthalten sind. Absolut schreibtauglich und auch beim „Redner“ schon zum Einsatz gekommen!

COVENANT: NORTHERN LIGHT

Northern LightLast, but not least, ist das meiner Meinung nach beste Album der Skandinavier von Covenant zu nennen. Auf „Northern Light“ kommen der charismatische Gesang, die treibenden Beats und sehnsuchtsvollen Klangteppiche der Electroband am besten zur Geltung. Und mit „Bullets“ und auch „Call The Ships To Port“ sind zwei Songs für die Ewigkeit enthalten, die auch heute noch Partystimmung aufkommen lassen.

Was auf mich besonderen Eindruck machte war der knallharte und treibende Bass von „Call The Ships To Port“, der perfider Weise zu Beginn ganz leise ist, um einem dann, wenn man unbedarft lauter gedreht hat, den Ohrkanal leer zu pusten. Im Refrain heißt es dann sinngemäß, dass ein Chor voller Sehnsucht die Schiffe zurück zum Hafen leiten würde.

Daraus wurde bei mir „Der Ruf des Hafens“, der zwar keinen tanzbaren Beat mitbringt, aber, wie ich glaube, den einen oder anderen Höhepunkt bietet.


 

So, das waren sie, meine fünf wichtigsten Alben, die mich zu Romanen oder Geschichten inspiriert haben. Ich möchte mich ganz ausdrücklich bei Frau Margarete bedanken, wo ich mir die Idee ausgeliehen habe! Schaut doch mal bei ihr rein, wenn ihr wollt.

Und ich werde jetzt noch ein wenig Musik hören, denke ich. Solltet ihr auch tun, es ist sehr entspannend – und inspirierend.

Schönen Abend noch!