Wie viele Protagonisten gibt es in meinen Romanen?

Hallo zusammen!

Jede Woche veröffentlicht der Autor Richard Norden interessante Artikel rund um das Schreiben auf seinem Blog. Vergangenen Samstag ging es bei ihm um ein Thema, das den kleinen Statistiker (hört sich irgendwie pervers an, findet ihr nicht auch?) in mir angesprochen hat.

Es geht darum, wie viele Protagonisten ein Roman vertragen kann. Um nicht Nordens kompletten Artikel hier zu zitieren, den ihr euch dringend selbst durchlesen solltet, gebe ich nur eine Kernaussage wieder:

Derzufolge kommt es bestenfalls nicht, oder nur in klar umrissenen Ausnahmefällen, vor, dass ein Roman mehr als einen Protagonisten besitzt. Und das ist derjenige, der die größte Veränderung, den größten Konflikt, den größten Einsatz zu verzeichnen hat. Auch in Geschichten, die man als Film im „Buddy-Sektor“ verorten würde, oder selbst bei Liebesgeschichten, gibt es immer die eine Figur, die der zentrale Mittelpunkt der Handlung ist. Auch bei den meisten Heldenteams ist dies der Fall.

Die anderen Charaktere sind dann Sidekicks, Wegbegleiter oder manchmal auch simple Stichwortgeber.

Eine klare Ausnahme lässt Richard Norden nur für wirklich epische Geschichten gelten. Er nennt hier „Das Lied von Eis und Feuer“ als Beispiel, der Mehrheit inzwischen eher unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt. Ich würde sagen, dass generell bei Romanserien, die sich um eine Heldengruppe (wobei die Helden ja keine Helden sein müssen) drehen, in verschiedenen Einzelromanen die Gewichtung stärker auf verschiedenen Protagonisten liegen kann.

Wie gesagt, die Vorteile und Nachteile zu beschreiben, das kann Richard Norden besser als ich. Ich nutze die Gelegenheit dazu, einen meiner gefürchteten Blicke auf mein eigenes kleines Bücherregal zu werfen, in dem die von mir geschriebenen Romane stehen.

Aber keine Sorge, ich versuche, mich kurz zu fassen ;-)!


Silverstar I: Angst im Perseus-Spiralnebel
Mit diesem Band werden die meisten der Protagonisten eingeführt, die mich durch meine vielbändige Science-Fiction-Serie führen sollten. Es gibt eine klare Hauptfigur, die man übergreifend über alle Bände auch als Serienprotagonistin bezeichnen könnte. Wobei sie in einigen Bänden in den Hintergrund tritt/getreten wäre.

Silverstar II: Expedition durchs All
Wie das so ist in Serien, kommen hier noch zwei weitere Protagonisten hinzu. Am Fokus auf die eine zentrale Protagonistin ändert das allerdings zunächst nichts.

Silverstar III: Final Star
Dies ist der erste Roman der Serie (und gleichzeitig auch der letzte), in dem eine der anderen Figuren stärker in die Rolle des Protagonisten rückt. Man merkt der Geschichte allerdings auch an, dass sie dadurch zwar rasanter wird, aber eben jenen Fokus ein wenig verliert.

Lichter
Der Roman ist komplett aus der Sicht des Protagonisten geschrieben – mit kleinen Ausnahmen gen Ende, die aber nichts daran ändern, dass es immer um den einen zentralen Charakter geht.

Different Stories
Die Novellensammlung hat in allen drei Geschichten eine klare Hauptfigur, auf deren Schulter die Handlung liegt.

Es zwingt einen dazu
Die Handlung folgt vollständig einer Person, es gibt keine Szenen ohne sie. Auch ein deutliches Signal im übrigen dafür, dass diese Person der absolute Protagonist sein muss und, sozusagen, niemanden neben sich stehen hat.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis
Dem Namen nach sind hier zwar drei Kinder gleichberechtigt, es gibt aber eine deutliche Wortführerin – womit die Geschichte im Übrigen ganz in der Tradition so ziemlich jeder anderen Jugendserie (die daraus vielleicht mal geworden wäre) steht, wie mir gerade auffällt.

Der Morgen danach
Es gibt einen deutlichen Handlungsträger, der sogar über weite Strecken der Handlung ganz auf sich gestellt agiert. Vielleicht der deutlichste unter all meinen Protagonisten.

Der Rezensent
Die Handlung dieses Thrillers wird maßgeblich zwar durch andere Charaktere vorangetrieben, nicht zuletzt natürlich durch den Antagonisten, wie es sich für einen Thriller gehört, aber der Fokus liegt klar auf einer Hauptfigur, der später ein Sidekick beiseite gestellt wird.

Das Haus am See
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bietet allerdings durch sein enormes Personal eine ganze Menge an anderen Personen mit, welche die Handlung beeinflussen und welche auch den Protagonisten beeinflussen.

Der Ruf des Hafens
Auch diese Horrorgeschichte hat einen klaren Protagonisten – mit einer starken Frau an seiner Seite, aber eben „nur“ an seiner Seite.

Darkride
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es hier natürlich den Ermittler als einzigen echten Protagonisten zu verzeichnen. Zu ihm gehören, ebenfalls wie in den meisten guten Krimis, ein Sidekick, eine starke Partnerin und ein nervender Chef. Die einen nennen es Klischees, die anderen notwendige Zutaten ;-).

Der Redner
Das ist in der Tat ein Sonderfall, bei dem ich mich schwer tue, den einen Protagonisten zu benennen. Ich habe drei Figuren, die über weite Strecken des Romans alleine agieren und sich erst später zusammentun. Allerdings, bei strenger Auslegung von Richard Nordens „Regeln“, komme ich zu dem Schluss, dass der Reporter Kevin Ryason der Protagonist sein muss. Er macht die ersten seltsamen Beobachtungen und hält später in der Handlung die Fäden zusammen.

Der Beobachter und der Turm
Ganz klarer Fall: es gibt nur einen Protagonisten und der heißt Richard Lenhard. Auch wenn im zweiten Handlungsabschnitt die hier bereits einmal erwähnten Polizisten in den Fokus rücken, bleiben diese – wichtige – Nebenfiguren.

Die Welt der stillen Schiffe
Wieder ein Ensemblestück, bei dem aber alleine durch die Ich-Perspektive absolut unstrittig ist, wen man als die Hauptperson anzusehen hat.


Fazit:

Nicht nur, dass ich Richard Norden in seiner These generell zustimmen möchte, rein intutiv habe ich mich in den meisten Fällen auch an sie gehalten. In den meisten meiner Romane gibt es genau einen wirklichen Protagonisten, mit dem sich der Leser, wenn es gut läuft, identifizieren kann.

Wobei wir natürlich alle wissen, dass es auch gute Nebenfiguren sein können, die uns besonders ans Herz wachsen und wichtig für uns werden. Aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

AWDML (7) Silverstar revisited

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Damals, im Juli 2015, als ich den ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe schrieb, habe ich euch davon berichtet, wie bei mir alles angefangen hat mit der Schriftstellerei. Ich erzählte euch von den Abenteuern des Raumschiffs Silverstar und wie ein Zwölfjähriger sich aufmachte, um anhand dieser Abenteuer eine bis heute andauernde Liebesbeziehung zum Schreiben von Geschichten zu entwickeln.

Als sich gegen Ende des letzten Jahres mein PC teilweise in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hatte, verbrachte ich im Anschluss einen großen Teil von Zeit damit, vor der Kiste zu sitzen und dem Betriebssystem sowie diversen Programmen bei der Installation zuzusehen. Man fängt bei der Gelegenheit an, seine Umgebung noch einmal mit ganz anderen Augen abzuscannen.

Irgendwann war ich auf der Suche nach irgendeinem Lesestoff, mit dem ich mir die Zeit vertreiben konnte, bei dem es aber auch nicht schlimm war, wenn ich zwischendurch herausgerissen wurde.

Nun muss ich, glaube ich, erzählen, dass ich ursprünglich, als wir in unser neues Haus gezogen sind und ich mein eigenes Arbeitszimmer bekam, den Anspruch hatte – oder eher den Wunsch -, alle meine Manuskripte auszudrucken und in Ordnern neben mir ins Regal zu stellen, damit ich jederzeit Zugriff darauf hätte.

Zum Glück wurde dieses Vorhaben dadurch abgelenkt, dass ich in den kommenden Monaten so viel schrieb, dass ein Ausdrucken alter Werke keinen Sinn gemacht hätte. Was aber bereits da stand und immer noch steht, ist ein grüner Ordner, in dem alle drei geschriebenen Abenteuer der Silverstar enthalten sind.

Von einem Hauch Nostalgie befallen, nahm ich mir den Ordner zur Hand und begann, ein wenig in Band 3, „Final Star“ herumzulesen.

Dabei stellte ich fest, dass mir Teile der Handlung inzwischen vollkommen unbekannt waren. Und, noch viel schlimmer, ich stellte fest, dass mir weite Teile der Handlung gefielen!

Wieso das schlimm ist? Ganz einfach, bis jetzt hatte ich eine ganz einfache Haltung zu meinen „Silverstar“-Romanen: Jugendsünden. Schlecht geschrieben. Das Papier nicht wert, auf dem ich sie ausgedruckt habe.

Jetzt denke ich anders darüber. Ich denke intensiv darüber nach. Ich erkenne in „Final Star“ ein sehr großes Potenzial, zumindest eine annehmbare Science-Fiction-Abenteuergeschichte zu werden, wenn auch kein Stück große Literatur. Klar, in der vorliegenden Fassung atmet das einen großen Hauch „Star Wars“. Es atmet einen großen Hauch „Perry Rhodan“. Und auch einen nicht zu verhehlenden Hauch „Kampfstern Galactica“. Die grundlegenden Probleme der Reihe, nämlich dass sie nicht vor Originalität trieft, haben sich ja nicht plötzlich verändert.

Aber ich denke darüber nach, ob und wie vielleicht Elemente aus der Handlung als Grundgerüst für etwas Neues und Eigenes dienen könnten. Es muss einen Sinn haben, dass ich mich nach wie vor, fast zwanzig Jahre, seitdem ich unter Band 3 das Wort Ende geschrieben habe, für diesen Stoff erwärmen kann.

Die Figuren haben Leben in sich, das ich kaum für möglich gehalten hätte. Da ist Dynamik, die mitreisst. In einigen Abschnitten erwies sich das Manuskript sogar als richtiger Pageturner.

Ist das „nur“ Nostalgie? Ich glaube es eigentlich nicht.

Im Moment ist das Letzte, was ich brauche, noch ein neues Projekt, mit dem ich mich befassen muss. Deswegen ist der Ordner auch erst einmal wieder ins Regal gewandert. Aber hin und wieder, wenn ich so an meinem Schreibtisch sitze, ertappe ich mich dabei, wie ich nach links schaue und meine Augen das Grün suchen.

Und dann denke ich mir: vielleicht …

Vielleicht ist es irgendwann die Zeit, alte Freunde noch einmal zu besuchen.

Let’s take a walk down memory lane!