Kreative Prokrastination voraus, oder: Kämpf‘ dagegen an!

Wie ich gestern schrieb, bin ich bald soweit, dass ich unter den ersten Entwurf von „Die Welt der stillen Schiffe“ das Wort Ende schreiben könnte, wenn ich denn das Wort Ende unter meine Erstentwürfe schreiben würde. Tatsächlich schreibe ich dort nämlich hin, wie viele Wörter der Entwurf hat und von wann bis wann er geschrieben wurde. Dass der Roman an der Stelle fertig ist erkennt man doch sowieso daran, dass keine weiteren Seiten mehr folgen, nicht wahr!?

Das, was ich danach tun möchte, liegt eigentlich klar vor mir. Ich hatte seinerzeit einmal geschrieben, dass ich vor der Wahl stand, mich intensiv um die zweite Überarbeitung von „Der Beobachter und der Turm“ zu kümmern, oder zunächst diesen Roman fertig zu stellen. Dafür habe ich mich entschieden und auch wenn es länger gedauert hat, als ich dachte, ist die Sache ja jetzt langsam durch.

Also steht doch fest, dass ich als nächstes wieder in die Überarbeitung gehe, damit „Der Beobachter und der Turm“ irgendwann mal die dann noch fehlenden Stadien zur Veröffentlichung durchlaufen kann.

Aber mein Kopf ist ja schier super darin, wenn es darum geht, kreative Prokrastination zu betreiben. Bis vor geraumer Zeit war ich mir noch zu 100% sicher, dass ich mich optimal auf die Überarbeitung eingestellt hatte. Es gab dafür einen sicheren Indikator: mein Hirn hatte noch keine zwingende Idee für einen Folgeroman ausgeworfen.

Häufig ist es bei mir nämlich so, dass mir kurz vor dem Ende eines Romans schon die Idee für den nächsten kommt. Deswegen liegen zwischen der Fertigstellung eines Entwurfs und der Aufnahme des nächsten gerne auch mal weniger als vierundzwanzig Stunden Zeit.

Auch jetzt hatte ich noch einige Dinge in der Pipeline, die ich „irgendwann“ mal schreiben will. Aber eben erst dann, wenn ich wieder Zeit und Gelegenheit dafür habe.

Und dann kam der gestrige Nachmittag.

Ich war auf dem Weg nach Hause, es war schlicht und ergreifend nichts besonderes passiert, also nichts, das auch nur im Entferntesten den Anschein haben könnte, Verursacher für den mittleren Geistesblitz zu haben, der mich unvermittelt traf. Und zwar betraf dieser Geistesblitz das Projekt „Foursome“, das ich vor einigen Monaten schon einmal ganz kurz erwähnt habe. Ehe ich es mich versah, hatte das Manuskript nicht nur einen neuen bzw. erweiterten Titel, sondern auch den einen oder anderen Twist in der Handlung mehr.

Und ich hatte, bzw. habe, ein Projekt, bei dem ich am liebsten sofort mit dem Schreiben anfangen würde.

Ich bin mir sehr bewusst, dass es sich dabei um Prokrastination der allerübelsten Sorte handelt: Schreibe irgendwas, damit du dich nicht mit der schwierigen Arbeit des Überarbeitens auseinandersetzen musst. Und wenn du es nicht fertig überarbeitest, musst du das Manuskript weder testlesen noch lektorieren lassen. Und wenn es das nicht ist, brauchst du gar nicht über ein Cover nachdenken. Weil du es, kurz gesagt, niemals veröffentlichen wirst!

Und wisst ihr was? Diese Gedankenkette geht mir tierisch auf die Nerven! Ich will nicht so funktionieren, will nicht wieder selbst derjenige sein, der mir im Weg steht. Als ich diesen Blog vor über einem Jahr eröffnet habe, geschah das in der festen Absicht, meine Romane auch zu veröffentlichen. Das ist der Traum, den ich habe. Immer noch. Und es ist an mir, diesen Traum voran zu treiben, für ihn einzustehen und entsprechend zu handeln. Weil ich nicht darauf zu warten brauche, dass jemand mir diese Aufgaben abnimmt.

Also muss ich, will ich und werde ich gegen diese erneute Form von kreativer Prokrastination ankämpfen! Und ich möchte euch alle dazu ermutigen und ermächtigen, mir kräftig auf die Füße zu treten, wenn ihr den Eindruck gewinnen solltet, dass ich in meinem Kampf gegen mich selber nachlässig werde!

Dafür wäre ich euch sehr, sehr dankbar!

[NaNo2015] Was tun, wenn es nicht reicht?

Es wird Zeit, sich gedanklich mit dem NaNo 2015, dem National Novel Writing Month, auseinander zu setzen. Für diejenigen, die es noch nicht kennen, erkläre ich ein letztes Mal die Spielregeln (weil es einfach sonst zu redundant werden würde):

Der Autor loggt sich auf der NaNo-Seite mit einem Werk ein, das er im Laufe des Monats November zu schreiben beabsichtigt. Dieses Werk soll dabei mindestens 50.000 Worte umfassen, was einen Schnitt von run 1.700 Worten pro Tag ergibt. Der Autor ist dabei völlig frei in seiner Thematik, es soll halt (eigentlich) eine „Novel“, also ein Roman, daraus werden. Abgerundet wird der NaNo, so man denn möchte, von allerlei Nebengeräuschen auf der sozialen Ebene, indem man mit anderen Autoren in Schreibrunden geht, sich gegenseitig motiviert und so weiter. Das Ziel ist es, dem Autor das Gefühl zu geben, diese Hürde wirklich geschafft und sich mit den 50.000 Worten „freigeschrieben“ zu haben. Dass dabei kein druckreifes Werk entstehen kann, ist allen Beteiligten bewusst.

Ich habe bis jetzt einmal am NaNo teilgenommen. Das war 2012 mit meinem Roman „Der Ruf des Hafens“. Das Siegershirt, das ein wenig albern im Las-Vegas-Stil gehalten ist, trage ich heute manchmal noch (und war damals eine große Überwindung für mich, weil ich es ja noch nicht gewohnt war, zu meinem Schreiben zu stehen).

Dieses Jahr möchte ich auch gerne wieder teilnehmen und habe mich auch schon mit „Der Beobachter und der Turm“ angemeldet. Das ist insofern durchaus witzig, weil die beiden Romane sich ein fiktives Universum teilen, wenn man so möchte. „Der Ruf des Hafens“ spielt auf einer fiktiven Nordseeinsel, die wiederum vor der Küste des kleinen Küstenortes liegt, in dem Richard Lenhard lebt.

Nun ist der „Beobachter“ ja schon einige Wochen in der Mache. Und ich kann nur sagen, dass ich – nach den Zwischentiefs, die ich vielleicht zu schnell zu hochgehangen habe – mit den Fortschritten sehr zufrieden bin. Ich würde sogar sagen: das dauert nur noch wenige Wochen.

Und genau da liegt mein Problem: ich glaube inzwischen nicht mehr daran, dass ich noch weitere 50.000 Worte für diesen Roman aufbringen muss, wenn denn dann der 01.11. gekommen ist. 50.000 Worte sind, nur um es noch einmal zu erwähnen, ungefähr 200 Normseiten. Spätestens, nachdem ich heute meine Konzeption für den „Turm“ ein wenig umgestellt habe, werde ich die nie im Leben brauchen!

Und das würde bedeuten, dass ich auf einmal, mitten im NaNo, zwar mit einem fertigen Manuskript, aber ohne ein Projekt dastehe, an dem ich weiterschreiben könnte.

Jetzt denke ich schon eine ganze Weile über Möglichkeiten nach, die dann infrage kämen:

  1. ich schreibe eine Reihe von Kurzgeschichten, die zusammen auf die angegebene Zahl an Wörtern kommen und mache dann daraus einfach einen Kurzgeschichtenband
  2. ich nehme mir das unter dem Arbeitstitel „Foursome“ laufende Romanprojekt vor, das ich damals, nach „Darkride“, stillgelegt hatte
  3. ich mache irgendwas ganz anderes und schaue dann, was daraus wird
  4. ich lasse es mit dem NaNo gut sein und schaue einfach weiter, was sich in den dazugehörigen Foren so tut und nutze die Zeit, um vielleicht neue Kontakte zu knüpfen, etc.

Gefühlsmäßig möchte ich Nummer 3 direkt von der Liste streichen, weil ich noch nicht wüsste, wie lange mich ein komplett neuer Roman (z.B. der hier schon verschiedentlich angeteaserte Thriller) zeitlich beanspruchen würde. Und schließlich gibt es da ja noch „Altlasten“ um die ich mich kümmern wollte, wie das nochmalige Anschauen von „Der Morgen danach“ auf der Grundlage der Papyrus-Anregungen. Und der „Beobachter“ will auch überarbeitet werden und überhaupt …

Nummer 2 wäre dann schon eher mein Ding. „Foursome“ ist ein kleines, erotisch angehauchtes Projekt, im Kern eine Lovestory, die ich seinerzeit auch nicht fertiggestellt hatte, weil ich dachte, dass sie nicht „lang genug“ werden würde. Aber mittlerweile bin ich ja schlauer und weiß, dass auch in der Kürze Würze liegen kann, zumal wenn ich es im Selfpublishing veröffentlichen wollen würde.

Nummer 4 wäre für mich mal was ganz Neues, aber deswegen ja nichts Schlechtes. In puncto Vernetzung habe ich definitiv Nachholbedarf und einfach mal ein wenig Zeit nur in diesen Aspekt (neben dem zu Nummer 3 genannten) zu stecken, könnte sich irgendwann mal rentieren.

Da ich den NaNo aber ja doch zu dem nutzen möchte, wofür er geschaffen wurde, nämlich zum Schreiben, ist im Moment Möglichkeit Nummer 1 mit einer Nasenlänge Vorsprung mein Favorit. Auch wenn ich weiß, dass Kurzgeschichten jetzt nicht wirklich erfolgsträchtig sind, ist bei mir schon durch manche Geschichte eine Romanidee entstanden – sowohl „Der Ruf des Hafens“ als auch „Der Beobachter und der Turm“ begannen ihr Leben als Kurzgeschichten!

Außerdem merke ich durch Hannas Schreibaufgaben, wie viel Spaß es mir manchmal macht, wirklich nur diese kurzen Ausschnitte zu beschreiben, inhaltlich in sich abgeschlossen. Was aber auch möglich wäre: Kurzgeschichten, die auf meinen eigenen Romanen basieren, sozusagen als Appetizer!

Der Möglichkeiten sind also viele und das finde ich fast noch spannender, als wenn ich jetzt schon genau wüsste, dass ich halt den „Beobachter“ fertig schreibe und das war es dann.

Wobei – man soll den Tag nicht vor dem Abend loben! Wenn ich morgen von der Straßenbahn angefahren werde und mir beide Arme breche, dann ist das alles Makulatur. Also schnell auf Holz geklopft und weiter auf den NaNo2015 freuen!

Wie sieht es bei euch aus? Auch Ambitionen? Oder Meinungen zu meinen Überlegungen, für den Fall, dass „Der Beobachter und der Turm“ für den NaNo nicht ausreicht? Ich freue mich wie immer über den Austausch mit euch!